Dialekt in der KiTa

  • Hallo!


    Bei uns in der KiTa wird der hier örtliche Dialekt gesprochen. Auch mit den Kindern.

    Ich sehe das zwiegespalten.

    Einerseits ist mir durchaus bewusst, dass Dialekte wichtig sind und erhalten werden sollten.

    Andererseits ist mir auch wichtig, dass mein Kind Hochdeutsch lernt und auch spricht. Ich weiß selbst aus meinem beruflichen Kontext, wie schwer es sein kann, wenn jemand nur Dialekt spricht.


    Meine Tochter bringt immer häufiger Dialektworte mit heim, die ich ihr dann mühsam wieder abgewöhne... und das in einer Phase, wo sich die Sprache erst so richtig bildet... es ist anstrengend.


    Was meint Ihr dazu? Seh ich das zu eng und sie kann Hochdeutsch auch später noch zuverlässig lernen oder sollte ich da konsequent bleiben und das Thema evtl. auch in der Einrichtung mal ansprechen?

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul



    Lilypie Fourth Birthday tickers

  • Mir wäre das im Vorschuljahr wichtig, weil zu diesem Zeitraum die meisten Kinder anfangen sich für Wörter und Buchstaben zu interessieren.


    So ist das hier auch, und klappt ganz gut. (auch in Sachsen gabs eigt. keine Probleme) ... :) Also denke ich, kannst du entspannen.

  • Ein Lieblingsthema von mir...

    Aus Ländern stammend, in denen Dialekte völlig normal und von Professorin bis Reinigungskraft gemeinsam gesprochen werden: ich persönlich sehe es als Vorteil, quasi bilingue zu sein.


    Und ich gewöhne meinen Kindern hochdeutsche Wörter ab, die sie ab und an mitbringen #pfeif so unterschiedlich kann es sein.


    Du sprichst mit dem Kind hochdeutsch? Was ist dann genau Deine Angst?


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • By the way, ich kenne niemanden, der "nur" Dialekt spricht - klar, ungeübte gibt es durchaus, aber in Endeffekt können alle mir bekannten Sprecher hochdeutsch lesen, verstehen und, so überhaupt nötig, auch sprechen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Meine vier Kinder sind alle hier in den Kindergarten gegangen. Tiefster schwäbischer Dialekt....

    Ich selber komme ja ursprünglich aus Norddeutschland.

    Meine Kinder sprechen alle wenig bis gar kein Dialekt. Da schleichen sich eher bei mir schwäbische Wörter ein.

    ich würde dem gelassen entgegen sehen.

    99,02,06,10

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  • Ich muss zugeben, ich finde diese - für mich zutiefst deutsche - "Dialektangst" wahnsinnig schade. Ich beobachte im Heimatort meines Mannes, wie innert einer Generation der Dialekt in den Hintergrund tritt und meiner Meinung nach die Sprache allgemein eher verarmt - denn die Eltern, die selbst im Dialekt aufgewachsen sind, sprechen jetzt mit ihren Kindern ein vereinfachtes Hochdeutsch. Aber das ist mein persönlicher Eindruck.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Sprecht ihr denn zuhause auch Dialekt oder Hochdeutsch?

    Wenn daheim viel hochdeutsch gesprochen wird, halte ich den Dialekt, den deine Tochter im Kindergarten mitbekommt nicht so problematisch. Das könnte man dann vielleicht ein bißchen so sehen wie zweisprachig aufwachsen.


    Edit: andere waren mal wieder schneller #ja

    LG von Lavender mit Tochter (2004) und Sohn (2007)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Lavender ()

  • Ihr meint also, solang ich daheim hochdeutsch (so gut es mir selbst möglich ist) mit ihr spreche, wächst sie quasi zweisprachig auf und ich kann beruhigt sein, dass sie auch die Schriftsprache richtig lernt. (Hat sich mit lavenders Antwort überschnitten ;))


    Talpa Meine Angst ist, dass ich sie irgendwann selbst nicht mehr verstehe! Ich bin nicht in dieser Gegend aufgewachsen und wenn ich mich mit "Alteingesessenen" unterhalten will, brauch ich einen Dolmetscher. #angst


    Nein ernsthaft: Ich hab Angst, dass sie später eben kein Hochdeutsch kann und dann von beruflichen oder sonstigen Kontakten aus anderen Regionen Deutschlands oder auch von Nicht-Muttersprachlern nicht oder nur schwer verstanden wird. Und dieses nachträglich gelernte, noch dialektgefärbte Hochdeutsch, was dann viele versuchen zu sprechen klingt für mich zum davonlaufen.

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul



    Lilypie Fourth Birthday tickers

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  • Talpa Meine Angst ist, dass ich sie irgendwann selbst nicht mehr verstehe! Ich bin nicht in dieser Gegend aufgewachsen und wenn ich mich mit "Alteingesessenen" unterhalten will, brauch ich einen Dolmetscher. #angst


    Nein ernsthaft: Ich hab Angst, dass sie später eben kein Hochdeutsch kann und dann von beruflichen oder sonstigen Kontakten aus anderen Regionen Deutschlands oder auch von Nicht-Muttersprachlern nicht oder nur schwer verstanden wird. Und dieses nachträglich gelernte, noch dialektgefärbte Hochdeutsch, was dann viele versuchen zu sprechen klingt für mich zum davonlaufen.

    Als bekennender Dialektfan finde ich den letzten Absatz von Dir ja sehr, sehr schade - allerdings, da Dein Kind ja quasi zweisprachig aufwächst (inwiefern Dialekt vs Sprache als bilingue zu gelten hat, gibt es hier auch Profis, die da mehr Ahnung haben) , wird es natürlich hochdeutsch sprechen können. Die Sorge musst Du Dir also definitiv nicht machen.

    Ich selbst mag es sehr, zu hören, woher jemand kommt - und behaupte jetzt mal sehr frech, dass es ausser Tagesschausprechern nur extrem wenige Menschen gibt, bei denen man es nicht hört. Auch wenn sich manche Gegenden Deutschlands etwas mehr auf ihr "Hochdeutsch" einbilden als andere ;) 


    Und zum ersten: naja, es gäbe ja auch die Möglichkeit, diesen Dialekt etwas besser verstehen zu lernen?

    (Übrigens gilt das hierzulande als eines der wichtigsten Integrationsmerkmale: Verständnis der Umgangssprache)

    Ich fände das ja jeweils spannend - bin aber eben, wie schon gesagt, dialektaffin und liebe es spannende Wörter zu sammeln.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich bin in Eile, deshalb nur kurz: Ich unterschreibe jeden Beitrag von talpa wortwörtlich #freu!

    Liebe Grüße, Silke


    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Eigene Erfahrung, aus der Schweiz:

    Im Kindergarten wurde nur Dialekt gesprochen. Das Hochdeutsch (oder das, was der Schweizer dafür hält :D) kam ab der 1. Klassse dazu - aber auch in der Schule gab es Fächer, die durchaus in Mundart/Dialekt unterrichtet wurden (Turnen, Handarbeiten, Singen etc.)

    Auf die Hochsprache wurde zur Vermittlung von Lerninhalten zurückgegriffen. So habe ich es auch in meinem Unterricht gehalten und in der "Hochdeutsch-Zeit" auch von den Schülerinnen verlangt, sich nicht in Dialekt auszudrücken.

  • und liebe es spannende Wörter zu sammeln.

    Und das muss ich ganz separat noch einmal dick und fett unterschreiben #super!

    Liebe Grüße, Silke


    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Ich mag Dialekte und ich finde es schade, dass meine Kinder meinen Dialekt nicht sprechen.

    Meiner Erfahrung nach ist es für ein Dialektsprecher gut möglich Hochsprache zu lernen. Hochsprachler, die versuchen Dialekt zu lernen, find ich eher gruselig #angst


    (Noch dazu, ist meine Beobachtung, dass die, behaupten Hochdeutsch zu reden, das oft gar nicht wirklich tun)


    Von daher: wenn deine kleine Dialekt lernt, kann sie auch Hochdeutsch lernen. Es ist nichts verloren.#ja

    "Kannst du schon den Sommer riechen? Wie er duftet? Wie er schmeckt?" #sonne

  • Ich meinte auch immer hochdeutsch zu sprechen... bis mich meine Sprachfärbung wirklich überall als bayerisch verriet. Das rollende R geht halt doch nicht weg...

    Inzwischen finde ich das nicht mehr schlimm.


    Ich unterschreibe auch bei Talpa. Dialekt ist etwas Wunderbares und ich bin sehr traurig, dass man es mir als Kind abgewöhnt hat. Ich wäre gerne bilingual.

    "Ich dachte mir damals, dass die Venus von Milo am Ende nur deshalb ihre Reputation als schönste der Frauen durch die Jahrhunderte hat bewahren können, weil sie schweigt. Würde sie den Mund auftun, wäre vielleicht der ganze Charme zum Teufel." (Rosa Luxemburg)

  • Ja, Integration und so... ich glaub, ich könnte mich in jedem europäischen Land besser integrieren als hier.

    Das ist mein Problem, und das weiß ich auch. Irgendwie muss ich damit umgehen, einen Weg hab ich noch nicht gefunden.


    Bei dem Dialekt hier geht es um so Sachen, dass für "riechen" das Wort "schmecken" verwendet wird - "Der Bauer hat Mist gefahren, das schmeckt man!" *wäääääh....*

    Oder dass das Bein als Fuß bezeichnet wird. Hier geht der Fuß von der Zehe bis kurz vor den Ar*sch. Das ist furchtbar.

    Und dann oba - unta - auffa - ich hab keine Ahnung!

    Ja, ich sprech auch Dialekt - halt einen anderen. Und mein Mann hat mich nicht mehr verstanden, wenn ich mit meiner Mutter telefoniert habe. Und ich hör auch bei vielen raus, aus welcher Gegend sie kommen. Bei mir hört man es auch raus. Oder eventuell auch nicht mehr, ich bin neulich von einem "Landsmann" nicht erkannt worden ;-)

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul



    Lilypie Fourth Birthday tickers

  • Meines Zeichens Schwäbin mit Lebensmittelpunkt im Ruhrgebiet, liiert mit einem Sauerländer der mich und meine Familie zu 100 % versteht.


    Ganz ehrlich - hätte ich meinen Dialekt nicht, auf den ich gerne und stets lächelnd angesprochen werde hätte ich hier fast keine Alltagskontakte, ein nettes Wort beim Bäcker, hier jemand mit dem ins Gespräch kommt, der gerne Urlaub in der Region gemacht hat usw.


    Ich bemühe mich, dass ich hier nicht den breitesten Dialekt spreche - aber ich sehe nichtbein, weshalb ich mir einen abbrechen soll.


    Ansonsten mag ich mich Talpas Worten gerne anschließen!

  • Ich kann deine Bedenken null verstehen.

    Meine 4 Kinder waren/sind alle in Bayern auf dem Dorf im Kindergarten. Ausschließlich einheimisches Personal und hauptsächlich einheimische Kinder.

    Der Papa redet Hochdeutsch, ich eher Norddeutsch ( ja nach dem, wie lange mein Heimaturlaub grad wieder her ist #zwinker) und ich fand es immer unglaublich süß, wenn sie dann mit Dialekt aus dem Kindergarten nach Hause kamen.

    Wirklich geblieben ist es aber nicht.

    Bei den zwei Großen hört man es gar nicht mehr, mein Sohn nur einzelne Wörter

    Bei der Kleinen ist sehr situationsabhängig...

  • Ich seh vor allem nen ganz anderen Punkt:

    Du vermittelst ihr ja quasi durch due Blume, dass der Kindergarten es "falsch" macht. Und dass Dialekt schlecht ist.

    Das macht ganz viel mit der Seele vom Kind, mut dem Wohlfühlen im Kiga und mit der Toleranz gegenüber Anderssein. Und zwar nix Gutes.

    Sprache kann man korrigieren. Ne angeknackste Seele nicht so leicht.



    Ich geh davon aus, dass im Kiga vor allem normale Bücher vorgelesen werden und nicht überwiegend Dialektbücher? Wenn nicht wär da ein Punkt, an dem man echt Kritik üben sollte.

    Und auch Du kannst ihr einfach viel vorlesen.


    Sie wird immet wieder neue Worte mitbringen. Und sie Dir auf Nachfrage auch erklären können. Nicht nur Dialekt (und den auch nicht nur von den Erziehern) sondern auch Quatschwörter oder Sprachfehler-Insider (mein Sohn sagt z.b. wenn er albern ist "Singer" statt Finger weil sein bester Freund das nicht anders sagen kann. Er weiß genau, wies normal heist. Aber so findet ers lustiger. Machen ja viele Eltern auch, ein süßes Kindersprache-Wort in Alltag übernehmen selbst wenn das Kind schon älter ist. Warum sollte es dann ein Kind nicht dürfen? Ist doch nur Spiel.

    Freundschaft heißt nicht, immer einer Meinung zu sein sondern einander trotzdem zu mögen wenn man es nicht ist.

  • wo isch's problem?

    ich bi imene land ufgwachse mit nur dialekt um mich ume und das sogar als migrantin, ich kann wunderbares hochdütsch ohne gross Akzent wenns denn si muess :-D dialekt isch nur e bericherig für dsproch #nägel

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • es ist also nicht dein Dialekt, das ist das Problem.

    Wie lange lebst du schon da? Kann das besser werden? Kannst du dich damit anfreunden?

    Du kannst ja nicht die ganzen Leute ändern ... höchstens umziehen.


    Ich lernte in der Schule mühevoll plattdeutsch. Aber das muss reifen, glaube ich. Das kam dann im Laufe der Jahre.

    Dann zog ich im Studium woanders hin. Jetzt wohne ich hier seit über 20 Jahren und ich rede so, als wäre ich immer da gewesen. Hochdeutsch kann ich aber und meine Rechtschreibung ist prima. Es war nie ein Problem, zwischen den Sprachwelten zu unterscheiden.

    Und hey, kannste einen, kennste alle. Ich verstehe alle Rheinländer und Niederländisch auch. Es hat wirklich Vorteile. ^^


    Allerdings ... war es meinem ehemaligen (aus Norddeutschland kommenden) Mann immer total peinlich, wenn ich anfing zu "leiern". Er schämte sich dann für mich. Die anderen Menschen kommen jedoch gut damit zurecht.

    Nehmt die Stöcke aus dem Arsch - wir machen Lagerfeuer!