Arbeit und stillen

  • Guten Tag,


    vielen Dank erstmal für die Möglichkeit sich hier Rat zu holen!

    Ab September muss ich Leider wieder arbeiten gehen, Teilzeit, also 4 Stunden am Tag plus ca. 45 min Fahrzeit. Mein Sohn ist dann schon 1 Jahr alt. Bisher stille ich eigentlich noch voll, er bekommt zwar Beikost in Form von BLW allerdings isst er noch nichts. Jetzt ist es ja leider nicht mehr lange hin bis ich wieder arbeiten gehen muss und ich weiß noch überhaupt nicht wie ich das mit dem Stillen hinbekommen soll. Also die ersten zwei Monate kann ich meinen Urlaub so verteilen, dass ich nur drei Tage die Woche arbeite und in der Zeit ist er bei meiner Mutter. Habe schonmal versucht abzupumpen und es ihm mit der Flasche zu geben, nimmt er nicht, im Becher schon eher aber auch nicht grad viel. Haben sie da einen Tipp? Meine Chefin spielt bei Stillpausen nicht mit. Vielleicht können Sie mir ja helfen?


    Vielen lieben Dank!:)

  • Liebe DeanRuby,


    auch wenn es sich jetzt vermutlich so anfühlt, als ob der September schon vor der Tür steht, ist es doch noch eine für dieses Alter relativ lange Zeit, in der sich noch viel ändern kann und wird. Also jetzt bitte nicht in Panik verfallen:-)


    Es geht pro Tag um einen Zeitraum von etwa sechs Stunden, in denen Ihr Kleiner von Ihnen getrennt sein wird. Nach Ihrer Beschreibung können Sie auf alle Fälle direkt vor dem Losfahren stillen und sofort nachdem Sie wieder zurück sind und den restlichen Tag wann immer Sie und Ihr Kind wollen. Dazwischen kann Ihre Mutter Ihrem Sohn Beikost und Getränke anbieten und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er diese auch annehmen.


    Trinkt Ihr Kinder überhaupt aus der Flasche? Wenn nein, warum sollte es dann jetzt Muttermilch aus der Flasche trinken und noch dazu von Ihnen annehmen, wenn doch das Original verfügbar ist. Auch kann ein Kind mit einem Jahr über einen Zeitraum von sechs Stunden in der Regel sehr gut ohne Muttermilch auskommen ohne Schaden zu nehmen. Unsere Kinder wissen sehr genau, dass Stillen nur bei Mama geht (andere Möglichkeiten sind in der Regel ja doch ein eher theoretisches Konstrukt). Einjährige nehmen deshalb bei Abwesenheit der Mutter meist recht schnell gut Essen und Trinken in anderer Form an.


    Sie schreiben, dass Sie babyled-weaning praktizieren. Das ist sicher ein guter Ansatz, bei dem allerdings häufig angenommen wird, dass es bedeutet, dass das Kind nicht gefüttert werden darf. Babyled-weaning heißt kindgesteuertes Abstillen, d.h. das Kind bestimmt welche Mengen es von was isst und daneben wird weiter nach Bedarf gestillt. Es heißt aber nicht, dass das Kind neben dem Stillen ausschließlich Fingerfood zum selbständigen Essen erhält. Es kann und darf also beispielsweise auch Brei oder Suppe angeboten werden und das Kind darf auch mit einem Löffel gefüttert werden. Kinder sind individuell und - falls Sie das noch nicht gemacht haben - probieren Sie einmal aus, was Ihr Sohn davon hält, dass Sie ihm nicht nur stückige Kost zum Selberessen anbieten.


    Versuchen Sie gelassen zu bleiben und diese Gelassenheit auch auf Ihr Kind zu übertragen. Sie wissen Ihr Kind gut und liebevoll betreut. Trauen Sie Ihrem Sohn und Ihrer Mutter zu, dass die beiden gut zurecht kommen werden, sechs Stunden sind gar nicht so lange, wie es Ihnen jetzt vielleicht vorkommt.


    Liebe Grüße

    Denise Both