Was ist in euren Augen ein angemessener Stundenlohn für eine ungelernte Reinigungskraft in einer eher teureren Gegend Deutschlands?

  • Mein Problem ist bei gleichen Löhnen in unserem System tatsächlich die Rente: Jemand, der lange Ausbildungszeiten in Kauf nimmt, der wird dann auch noch mit einer kleineren Rente bestraft. Das finde ich sehr schräg.

    Wenn gleiche Löhne, dann muss unbedingt was mit der Rente passiern. Denn ich fände es krachend ungerecht, wenn ein Akademikerin dann in die Altersarmut rutscht, weil sie erst später fertig wird und Geld verdienen kann.


    Wobei das eh so was von umgekrempelt werden muss...


    Altersarmut müsste es ja nicht geben. Warum nicht einfach (ja, ich weiß, haha) wenn schon gleiche Löhne, dann auch gleiche Rente?

    Oder halt, wie von Xenia vorgeschlagen, die Anerkennung der Ausbildungszeiten.



    Andererseits sind die wirklich wichtigen Bereiche zum Arbeiten ja nicht unbedingt die, mit denen sich Geld verdienen läßt. Müllabfuhr, ärztliche Versorgung, Landwirtschaft, Kinderbetreuung, Ausbildungen (Schule, Uni), ... Und ohne Produktionsmitarbeiter kann die Ingenieurin die tollsten Sachen entwickeln, bringt auch nichts.

    Eigentlich voll schräg.


    Ich finde die Idee einer begrenzten Schere ganz gut, also sowas wie 1:12. Wobei ich mich frage, warum es genau 1:12 ist und nicht z.B. 1:8. Gibt es dafür Gründe Talpa ?

    Gruß,
    Chrisss *pling*


    Hier werden nur Zähne geputzt, keine Fenster ... #zaehne 

  • Und ohne Produktionsmitarbeiter kann die Ingenieurin die tollsten Sachen entwickeln, bringt auch nichts.

    Die Produktionsmitarbeiter müssen nicht vor Ort sein. Die können sich auch in China befinden.

    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Und ohne Produktionsmitarbeiter kann die Ingenieurin die tollsten Sachen entwickeln, bringt auch nichts.

    Die Produktionsmitarbeiter müssen nicht vor Ort sein. Die können sich auch in China befinden.

    Aber das macht sie ja nicht weniger wichtig. Vergrößert halt nur die Ausbreitung des Problems.

    Gruß,
    Chrisss *pling*


    Hier werden nur Zähne geputzt, keine Fenster ... #zaehne 

  • Das bestreitet ja auch keiner. Auch müsste die Diskrepanz zwischen den Gehältern ja nicht so hoch sein. Aber ein Rechtsanwalt sollte mehr verdienen als ein Friseur.

    Wobei eine richtig gute Friseurin in meinen Augen gerne mehr verdienen kann als ein schlechter bis mittelmäßiger Rechtsanwalt... Gerade schlechte Rechtsanwälte können deutlich mehr Schaden anrichten als eine schlechte Frisur. Edit: und eigentlich sollte es sie gar nicht geben, aber da versagt leider das System, das jedem Hinz und Kunz mit zwei ausreichenden Examina die Zulassung gewährt.



    Sorry, falls ich das überlesen habe, Susan Sto Helit : Hast du Helpling für die Reinigung deiner Wohnung engagiert oder in deinen Büroräumen? Unsere Erfahrungen mit privat gesuchten Putzmännern und -frauen waren nämlich so grottig, dass wir wieder selber putzen (wir sind ja nicht da, wenn die putzenm, da war gern das Geld genommen und noch das eine oder andere aus dem Haushalt weg, aber kaum was geputzt). Wenn privat: Bist du dann da? Bist du zufrieden?

    Ich habe sie für meine Wohnung. Sie kommt morgens um 9h, ich lasse sie rein, packe meinen Kram und verlasse spätestens um 9:30h das Haus. Sie schließt dann für mich ab, wenn sie geht. Ich bin total zufrieden, seit sie für mich putzt ist es viiiiiiiel sauberer als vorher, wo ich alleine zuständig war und meistens zu faul zum putzen...


    Meine ist nicht hauptberuflich Reinigungskraft, sondern hat einen ausländischen business administration-Abschluss (den ich nicht richtig einschätzen kann) und jetzt lernt Deutsch, ganz klar mit dem Ziel, etwas anderes zu machen als zu putzen.


    Im Büro haben wir eine Reinigungsfirma, die um 20h und um 23h kommt, das finde ich schon ganz schön bitter für die Leute, die die Nachtschicht haben.


    "Schuld" sind nicht meine Arbeitgeber, Schuld ist das System. Denn die Krankenkassen zahlen halt nicht mehr.

    Da wären wir wieder bei den med. Hilfsberufen und Frauenjobs.

    Wobei das ja auch nicht gottgegeben ist. Was die Krankenkase zahlt, wird doch irgendwie ausgehandelt, oder? Weißt du, wer dafür zuständig ist?

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

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  • Ich bin übrigens gerade beeindruckt, dass tatsächlich 70% in dieser Umfrage 15 euro oder weniger auf Rechnung als angemessenes Entgelt ansehen würden.


    War aber selbst auch überrascht, was die ganzen Sozialabgaben, Urlaub etc. noch ausmachen.


    Edit: und habe ausgerechnet, dass ich bisher inklusive Trinkgeld (und ohne Weihnachtsgeschenk) 17,56 pro Stunde gezahlt habe, Das spräche dafür, jetzt eher auf 18 Euro hochzugehen.

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Susan Sto Helit ()

  • Putzfrau oder Regalverräumerin ist nicht per se ein einfacher Job. Er ist körperlich anstrengend und sollte natürlich dementsprechend entlohnt werden. Aber er wird als einfacher Job angesehen, weil geistige Arbeit höher bewertet wird. In der Regel sind es die geistigen Jobs, die die Menschheit voranbringen. Wohlgemerkt, die körperlichen Jobs halten die Welt genauso am laufen wie die geistigen, aber die geistigen Jobs bringen uns voran im Sinne von Innovationen. Ich kann im Bergwerk malochen oder aber die Dampfmaschine erfinden. Die härtere Arbeit ist die im Bergwerk, aber die Dampfmaschine bringt uns mehr voran.


    Dass jeder die gleichen Bildungschancen haben sollte, darin stimmen wir hier wohl alle ein. Das nicht jeder die gleichen Voraussetzungen mitbringt, ist auch klar. Man sollte fördern so gut es geht, aber irgendwann setzen die gegebenen Bedingungen eben Grenzen. Ein geistig schwerst behinderter Mensch kann nunmal leider kein Arzt werden. Das ist - so hart es klingen mag - persönliches Pech. Der Betroffene kann zwar nichts dafür, aber die Nichtbetroffenen eben auch nicht. Wichtig in diesem Fall ist, dass der Rest der Gemeinschaft ihn nicht hängen lässt, sondern ihm ein angemessenes Leben und Teilhabe ermöglicht. Auch hier gibt es noch Verbesserungsbedarf.


    Dass jemand als faul gilt, weil sein Job nicht so wichtig wie ein anderer ist, ist Quatsch. Wer so etwas allen Ernstes von sich gibt, ist nicht ganz sauber im Kopf.


    Die Beispiele der Putzkräfte, die du nennst, sind gesellschaftliche Missstände, die ich genauso gern ändern möchte wie du. Ich kenne solche Beispiele in meinem engsten Umfeld selbst.


    Zum Punkt Job nach Studium viel cooler: In meinem Fall ist die Arbeit, die ich nach dem Studium mache, nicht per se erfüllender als die, welche ich vorher gemacht habe. Weil es dieselbe Arbeit ist, nur führe ich nicht mehr nur Anweisungen aus, sondern ich erteile sie und trage mehr Verantwortung. Sie bringt mehr Gehalt, aber auch nur, wenn man es schafft am Ball zu bleiben. Die Leute, die es ganz nach oben schaffen, verdienen erheblich besser, aber es ist ein harter Weg dahin und nur wenige erreichen die Spitze. Es gibt eine sehr hohe Fluktuationsrate, denn innerhalb der ersten 2 Jahre schmeißt mehr als die Hälfte hin. Danach kommen diverse Examina, die nochmal 50 % den Todesstoß versetzen. Der Rest ist hohem Performance-Druck ausgesetzt und geht nicht selten Nachts heulend heim. Wohlgemerkt nachts, weil mindestens 12 Stunden tägliche Arbeit Voraussetzung sind, um den Job zu behalten, aber leider nicht vergütet werden. Scheiß lasches Gesetz, welches hier nicht zu schützen vermag. Wir haben im Büro Wechselklamotten, weil man häufig nach Gesprächen mit dem Vorgesetzten klitschnass geschwitzt ist. Viele kündigen nach und nach, weil es das einfach nicht wert ist und dieser Stress ebenfalls die Gesundheit ruiniert. Und ja, ich will für diesen Krampf mehr verdienen als eine ungelernte Putzfrau. Das heißt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass ich die Putzfrau ausbeuten möchte.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Sakura ()

  • Das bestreitet ja auch keiner. Auch müsste die Diskrepanz zwischen den Gehältern ja nicht so hoch sein. Aber ein Rechtsanwalt sollte mehr verdienen als ein Friseur.

    Wobei eine richtig gute Friseurin in meinen Augen gerne mehr verdienen kann als ein schlechter bis mittelmäßiger Rechtsanwalt... Gerade schlechte Rechtsanwälte können deutlich mehr Schaden anrichten als eine schlechte Frisur. Edit: und eigentlich sollte es sie gar nicht geben, aber da versagt leider das System, das jedem Hinz und Kunz mit zwei ausreichenden Examina die Zulassung gewährt.

    Da gebe ich dir ein Stückweit Recht. Aber nur ein Stückweit.

  • Was für ein vielfältiges Thema. Wirklich schwierig.

    Wobei das ja auch nicht gottgegeben ist. Was die Krankenkase zahlt, wird doch irgendwie ausgehandelt, oder? Weißt du, wer dafür zuständig ist?

    Die Verbände sollten sich einsetzen, tun es aber nur sehr bedingt. Die wollen vor allem ihre eigenen Fortbildungen verkaufen.

    Jetzt gibt es einen Physiotherapeuten im Bundestag, der einiges auf den Weg bringen will und auch schon hat.

    Natürlich kam - sicher nicht ganz zu unrecht - daraufhin der Vorwurf des Lobbyismus. Tja, aber wer sollte sich den einsetzen wenn nicht Betroffene? Schwierig auch das.


    Und nein, ich habe keine Kraft, mich da groß einzubringen. Leider.

    Wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen

  • Mich wuNdert, dass putzen mit Regale räumen verglichen wird.


    Meines Wissens nach gibt es eine Ausbildung dazu....weiß nicht genau wie das heißt?.. Und man braucht dOch etliches wissen um den Job gut! Zu machen.


    Viele können aber eben das gerade nicht....und die armen Leute die über diese reiniguNgsagentuRen ausgebeutet werden.


    Das unterstütze ich nicht mehr.


    Und putze selbst:):)


    Eine gute Haushaltshilfe kriegt hier 25 euro

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • So sehr ich putzen zu Hause nervig finde: ich habe auch schon damit geliebäugelt, einfach putzen zu gehen, der Stundenlohn ist höher als der einer Sozialpädagogin. Und der Stress wahrscheinlich geringer.


    Allerdings ist es langfristig dann das totale Jobnirwana und es funktioniert ja auch nur so lange man gesundheitlich fit ist.


    Aber per se könnte ich mir das schon vorstellen. So viel zum Thema "Wertschätzung verschiedener Berufe"...

  • Wir zahlen an eine Firma, die eine gelernte Kraft (immer die gleiche) zu uns schickt, 25€ pro Stunde. Ich weiß nicht, was davon bei ihr ankommt#schäm

    ich habe sie heute endlich gefragt. Sie bekommt 9€. Ich hätte nicht gedacht, dass es so wenig ist. Sie würde für uns auch auf Mini-bzw. Midijob Basis arbeiten, darum werden wir uns jetzt kümmern. Bei der Firma kündigen und sie anstellen.

  • Ja, wir hätten das mal gleich fragen sollen. Andererseits sind wir ja zu einer Firma gegangen im Bewusstsein, mehr zu zahlen, als die Frau so bekommen würde, weil wir uns eben nicht mit der Suche nach einer passenden Hilfe und dem ganzen Meldekram auseinander setzen wollten. Dieser Teil muss ja auch einen Preis haben. Wobei ich denke, dass der inzwischen abgegolten sein dürfte.