Neurodermitis und Stillen

  • Liebe Denise


    Ich suche Pflegetipps für meine Brustwarzen bei Neurodermitis. Folgende Situation: Ich bin schwanger und stille noch mein erstes Kind. Anscheinend habe ich Neurodermitis an den Brustwarzen und Vorhöfen. Die Haut schuppt sich, ist stark gerötet und schmerzt beim Stillen. An dem Brustwarzen sind teils Rhagaden.

    Der Dermatologe hat Kortisoncreme verschrieben, diese hat sehr gut und schnell geholfen. Nach Absetzen geht es sofort wieder los.

    Ungern würde ich das Kortison nun durchgehend nehmen und suche daher Pflegetipps oder Ernährungstipps, mit denen ich vielleicht etwas Besserung erreichen kann.


    Liebe Grüsse

    Nollaun

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Liebe Nollaun,


    Neurodermitis an der Brust ist fies. Hattest Du bisher schon mal Probleme mit Neurodermitis oder ist das Problem ganz neu und beschränkt sich zudem ausschließlich auf die Brust? Im zweiten Fall sollte unbedingt genau hingeschaut werden, ob es tatsächlich Neurodermitis ist oder nicht doch etwas andere dahinter steckt (oder es ganz blöd eine Kombination aus durch Neurodermitis geschädigte Haut plus irgendein unschöner Keim ist). Wenn Du mir per PN deinen Wohnort schreibst, kann ich mals schauen. ob ich eine Kollegin in der Nähe kenne, zu der ich dich schicken kann.


    Falls es tatsächlich "nur" Neurodermitis ist, ist es zunächst einmal wichtig, dass die Haut abheilt. Dazu kann eine kortisonhaltige Salbe sehr sinnvoll sein. Anschließend ist eine gute Basispflege notwendig, um die Haut so lange wie möglich gesund zu halten und bei Bedarf muss unter Umständen wieder auf Kortison zurückgegriffen werden. Welche Basispflege dazu in Frage kommt, ist leider ein bisschen ein Detektivspiel, weil Menschen da sehr unterschiedlich reagieren. Nicht selten ist es allerdings günstig, auf Wollfett zu verzichten und auch keine Stilleinlagen aus Wolle zu verwenden. Ich habe auch schon Frauen erlebt, die negativ auf Stilleinlagen aus Seide reagiert haben.


    Zur Ernährung bei Neurodermitis gibt es unzählige Meinungen und Veröffentlichungen. Nun wird aber gerade Neurodermitis keineswegs immer durch Nahrungsmittel ausgelöst. Viele Betroffene haben eine Odyssee hinter sich, was Versuche mit Diäten betrifft und keine Besserung erfahren. Auslöser von Neurodermitisschüben kann auch Stress sein, in Neurodermitis steckt nicht umsonst das Wort "Neuro" drin. Auch hormonelle Veränderungen - z.B. auch eine Schwangerschaft - können Neurodermitis "aufblühen" lassen. Deshalb kann es sein, dass es nach der Geburt wieder besser wird.


    Wovon jedoch recht viele Betroffene profitieren, ist auf die Zusammensetzung der Fettsäuren in der Ernährung achten und eventuell auch Nachtkerzenöl in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen.


    Liebe Grüße

    Denise




  • Liebe Denise


    Herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort! Die Diagnose Neurodermitis kam vom Dermatologen. Mit der verschriebenen Kortisoncreme war es innert kurzer Zeit komplett abgeholt, erst ca. eine Woche nach Absetzen kamen die Beschwerden wieder.

    Ich habe seit der Kindheit Neurodermitis, seit der Pubertät allerdings nur sehr seltene Schübe. Wenn die Diagnose stimmt, hatte ich während der Stillzeit bereits zwei Schübe, jeweils im Frühjahr, die allerdings mit viel Pflege und mit wärmeren Wetter ohne Kortisoncreme abgeholt sind.

    An anderen Stellen (Gesicht und Beine) hatte ich tatsächlich während der letzten Schwangerschaft und im Herbst einen Schub.

    Das Nachtkerzenöl würde ich gerne versuchen. Darf ich das während der Schwangerschaft einnehmen? Derzeit nehme ich einen Schwangeeschaftskomplex (g y n e f a m plus), Vitamin D und Omega 3 DHA.


    Gerne schicke ich Dir noch eine PN.


    Liebe Grüsse

    Nollaun

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Liebe Nollaun,


    es ist dann ja doch recht wahrscheinlich, dass es sich um Neurodermitis handelt.


    In der Stillzeit werden keine Kontraindikationen für die orale Anwendung von Nachtkerzenöl angegeben, für die Schwangerschaft sieht es ander aus:


    "Nachtkerzensamenöl (Oenothera biennis)

    Nachtkerzensamenöl p.o. wurde früher bei drohender Übertragung und zur Verkürzung der Geburt empfohlen. In einer Studie wurden jeweils 54 Schwangere mit und ohne Einnahme von Nachtkerzensamenöl ab SSW 37 hinsichtlich der Dauer der Schwangerschaft und der Wehentätigkeit verglichen. Insgesamt fanden sich keine Unterschiede im Schwangerschaftsverlauf. Tendenziell fanden sich in der behandelten Gruppe sogar eine längere Geburtsdauer, eine Verzögerung des Blasensprungs und häufiger Anzeichen für einen Geburtsstillstand mit der Notwendigkeit zur Vakuumextraktion (Dove und Johnson 1999).

    Zur Langzeitanwendung von Nachtkerzensamenöl (z.B. Epogam®) bei Neurodermitis in der Schwangerschaft liegen keine Erfahrungen vor. In-vivo- und In-vitro-Tierstudien zeigen, dass Nachtkerzensamenöl die Blutplättchenaggregation hemmt. Diese Eigenschaft könnte Ursache für den Bericht über ein Neugeborenes mit vorübergehender starker Ausbildung von Petechien und Ekchymose sein. Die Mutter hatte in der Woche vor der Geburt begonnen, 500 mg Kapseln mit Nachtkerzensamenöl (vaginal und oral – Gesamtdosis 6,5 g) und Himbeerblättertee

    einzunehmen, um eine Erleichterung und Verkürzung der Geburt zu erreichen (Wedig und Whitsett 2008). Aufgrund der Zusammensetzung des Nachtkerzensamenöls besteht nach äußerlicher Anwendung durch die Mutter kein ernsthafter Verdacht auf Schädigung des Ungeborenen.

    Empfehlung für die Praxis

    Die orale Anwendung von Nachtkerzensamenöl sollte sehr kritisch geprüft werden."

    aus: Schaefer, Spielmann: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit 8. Auflage 2012


    Eine eventuelle Einnahme solltest Du also unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.


    Liebe Grüße

    Denise