Beiträge von Kira Schröter

    Unsere Sprechstunde »Hilfe für den Elternalltag« bleibt in der nächsten Zeit vorübergehend geschlossen.


    Bitte wendet euch mit potenziellen Fragen an die jeweiligen Untergruppen. #sonne

    Liebe rufilette,


    gleich zuallererst: Aus jeder einzelnen deiner Zeilen habe ich herausgelesen, dass du dir wirklich Gedanken um deinen Sohn machst und dein Bestes gibst, ihm genau die Mutter zu sein, die er braucht.
    Ich muss das mal voranstellen, denn es ist leider oft so, dass gerade diejenigen, die sehr, sehr viel geben, auch diejenigen sind, die häufig an sich zweifeln.


    Ich glaube dir natürlich, dass ihr derzeit oft Momente erlebt, in denen du nicht das Verhalten an den Tag legst, das du selbst von dir erwartest, und bestimmt laufen diese Situationen auch anstrengend und unschön ab, aber ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster (weil ich dich ja letztlich gar nicht kenne) und behaupte mal, dass dein Sohn schon ein großes Glück mit seiner Mama hat. ;)


    Jetzt aber konkret:
    Du schreibst, dein Sohn buhle um Aufmerksamkeit, und offenbar tut er dies auf eine eher fordernde Art, denn du erwähnst, dass er sich im Kindergarten damit nicht sonderlich beliebt mache.
    Du hast jetzt nicht geschrieben, wie sich dieses Verhalten äußert, und ob er im Kindergarten damit eher bei den Kindern oder bei den Betreuern aneckt.
    Welche Form von Aufmerksamkeit wünscht er sich denn? Will er kuscheln oder spielen, braucht er Bestätigung oder will er sich vielleicht auch einfach nur zeigen, so wie er ist?
    Es gibt viele Möglichkeiten, einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken.


    Auf jeden Fall würde ich sowohl die Erzieherinnen deines Sohnes mit ins Boot holen (auch und gerade dann, wenn sie es sind, die Schwierigkeiten haben, mit deinem Kind umzugehen), als auch deinen Mann. Gibt es noch andere Bezugspersonen?
    Gerade, wenn die Situation schon sehr angespannt ist, ist es immer ganz gut, wenn sich das Ganze auf mehreren Schultern verteilt, damit die- oder derjenige, die/der an seine Grenzen kommt, wieder etwas herunterfahren kann.
    Für die Betreuerinnen ist es vermutlich auch nicht uninteressant zu erfahren, wie es bei euch zu Hause läuft und wo ihr konkret Unterstützung brauchen könntet.


    Für dich selbst - gerade auch im Hinblick auf den Dezember - wäre es gut, wenn du dir vielleicht in einer ruhigen Minute überlegst, auf welches Repertoire du zurückgreifen willst und kannst, solltest du spüren, dass du gegenüber deinem Sohn in Gefahr läufst, Dinge zu sagen oder zu tun, die du eben nicht sagen oder tun möchtest.


    Kannst du in solchen Momenten abgeben oder bist du alleine?
    Kannst du den Raum kurz verlassen, bis du dich beruhigt hast, oder läuft dein Sohn dir dann hinterher?
    Wenn es dir möglich ist und dein Kind das akzeptiert, ist es völlig in Ordnung, wenn du dich einfach nur irgendwo hinsetzt und Stop sagst. Je früher du dich aus der Situation herausnimmst, desto größer ist die Chance, dass du nicht explodierst.


    Mir hat in emotional sehr anstrengenden Situationen übrigens immer geholfen, bereits im Vorfeld meinen Perfektionismus abzulegen: Ich WOLLTE unbedingt, dass bestimmte Dinge geschehen sollten oder eben auch nicht, und wenn die Situation anders verlief (oder auch nur drohte, anders zu verlaufen), hat mich das enorm unter Stress gesetzt.
    Es nimmt viel Druck raus, wenn du bereits im Vorfeld akzeptierst, dass bestimmte Dinge eben genau so ablaufen werden, ganz egal, wie du dich verhältst. Du nimmst die Situation an, dadurch kann sie dich nicht einfach überrollen - und spannenderweise trägt die Ruhe, die du dadurch erhältst, oft dazu bei, dass die konkrete Situation plötzlich nicht mehr eskaliert.


    Sei gutmütig auch zu dir selbst. Sorge dafür, dass du auftanken kannst.
    Schön wäre es, wenn du das gemeinsam mit deinem Sohn tun könntest - noch habt ihr die unbeschränkte Möglichkeit, die Dinge unkompliziert nur zu zweit zu tun.
    Finde heraus, was euch beiden Spaß macht - es muss ja nicht ausschließlich Feuerwehr oder Baustelle sein: Gemeinsam spazierengehen, einen Film schauen, Kekse backen (oder nur essen ;) ), vorlesen, kuscheln, Verstecken spielen, malen, kneten, einfach nur zuhören, still sein, Sterne gucken, baden, puzzlen, singen, nebeneinander einschlafen - ich bin sicher, da findet sich doch das ein oder andere, das dir mit ihm, und ihm mit dir Freude macht.


    Ich wünsche dir alles Gute für die kommende Zeit. :)

    Liebe Bianca,


    erst einmal: Respekt - wenn ich Deine Schilderung der aktuellen Ereignisse lese, dann ist aus jeder Zeile herauszuspüren, wie reflektiert und zugewandt Du mit euren beiden Töchtern umgehst, der Kleinen und der Großen.
    Ich denke, ich brauche Dir gar nicht viel darüber zu erzählen, wodurch das Verhalten Deiner Großen in erster Linie angestupst sein dürfte: Sie ist gefühlt über Nacht zu einer großen Schwester geworden, die lernen muss, damit umzugehen, dass sie nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern erhält – und für die meisten „Vorteile“, die es mit sich bringt, eine Schwester zu haben, ist die Kleine derzeit noch nicht greifbar genug für sie.


    Ich weiß nicht, inwieweit ihr bereits während Deiner Schwangerschaft versucht habt, P. auf ihr Geschwisterchen vorzubereiten und wie P. darauf reagiert hat?
    Ich könnte mir vorstellen, dass ihr bereits in den Monaten vor der Geburt darauf geachtet habt – aber auch jetzt gibt es Einiges, was ihr zumindest ausprobieren könntet.


    Ich liste jetzt einfach mal ein bisschen ungeordnet auf, was ich selbst bei meinen beiden Kindern erprobt bzw. in anderen Familien beobachtet habe. Nicht alles wird für euch passen, und das ein oder andere hast Du vielleicht bereits ausprobiert – wobei nicht gesagt ist, dass etwas, was an einem Tag überhaupt nicht zu greifen scheint, eine Woche später nicht doch zu einem positiven Ergebnis führt (hier ist das wie mit dem Essen – immer wieder mal austesten schadet ganz sicher nicht).


    Zuallererst einmal – und das ist mir immer besonders wichtig – halte ich es für wesentlich, dass ihr die ambivalenten Gefühle eurer Großen gegenüber der kleinen Schwester akzeptieren solltet. Gefühle sind Gefühle – man kann sie nicht einfach verhindern, sie sind vorhanden, und im allerschlechtesten Fall vergräbt man sie so tief in sich, dass sie nicht mehr zu greifen sind. Was sie dann jedoch bewirken, ist oftmals schwerer zuzuordnen und vor allen Dingen aufzulösen.
    Ich glaube, wie gesagt, aufgrund Deiner Zeilen nicht, dass Du den Gefühlen Deiner Großen keinen Raum gibst, aber so ganz sicherheitshalber wollte ich das mal erwähnt haben.
    Man neigt so oft dazu zu denken, es ist alles nur dann in Ordnung, wenn das Kind offensichtlich fröhlich ist – wenn das Kind jedoch traurig oder wütend ist und sich traut, diese Gefühle gegenüber den Eltern aufzumachen, dann geht es ihm zwar in dem Moment nicht offensichtlich gut, aber ‚in Ordnung’ ist es dennoch.


    In diesem Zusammenhang: Versuche aufzufangen, was Deine Große an Gefühlen herauslässt und artikuliere das für sie. Zum einen hilfst Du ihr damit, ihre Gefühle einzuordnen, zum anderen vermittelst Du ihr, dass auch ihre negativen Gefühle normal und damit akzeptiert sind.
    Das heißt nicht, dass Du sie darin bestärken sollst – also kein „Ich finde L. blöd“ – „Ja, das mit L. ist für dich ja auch blöd“ (mal so auf’s Allersimpelste runtergebrochen), sondern eher in Richtung „Das kann ich verstehen, dass dich das gerade wütend/traurig/ängstlich macht, das würde sich für mich auch so anfühlen.“
    Vielleicht kannst Du rausfinden, was P. in solchen Momenten brauchen würde, um sich besser zu fühlen, indem Du sie direkt fragst? Sie ist viereinhalb und dürfte sich damit schon gut ausdrücken können.
    Wenn Du sie fragst, womit Du ihr jetzt gerade helfen könntest, wäre es immerhin möglich, dass sie Dir direkt sagt, dass sie jetzt – zum Beispiel – ganz alleine mit Dir kuscheln will.
    Falls es möglich ist – tu’ es!
    Falls es gerade nicht möglich ist – versuche, ihr eine konkrete Zeit zu nennen, zu der Du es tun wirst (ich stille jetzt noch L., dann lege ich sie auf die Spieldecke und dann kuscheln wir).
    Falls es P. noch nicht gelingt, ihre Bedürfnisse in Worte zu fassen, teste Du einfach mal aus, was gerade passen würde: Würde es Dir helfen, wenn ich Dich durchkitzele? Würde es helfen, wenn wir eine Runde Verstecken spielen? Würdest Du gerne ein Buch vorgelesen bekommen?


    Die Große an Aktivitäten teilhaben zu lassen, die die Kleine betreffen, habt ihr bereits versucht, und Du schreibst, daran hat sie kein Interesse. Wie oben bereits angemerkt – ich würde das nicht gleich abschreiben, sondern immer mal wieder vorsichtig austesten, ohne allzu große Erwartungshaltung. Ich würde nicht einmal überschwänglich loben, wenn sie sich darauf einlässt, sondern es eher als selbstverständlich annehmen- die Große jedoch in den Genuss kommen lassen, dass sie von der Zuneigung, die die Kleine in solchen Momenten erfährt, eben auch etwas abbekommt.
    Zum Beispiel:
    Die Große füttert die Kleine und Du fütterst die Große.
    Die Kleine wird gestillt, die Große darf in dieser Zeit mit Dir Musik hören, bekommt etwas vorgelesen, darf mit Dir kleine Filmchen auf youtube ansehen, etc.
    Was mag Deine Große, was findet sie spannend? Mag sie es, wenn Du ihr die Haare flechtest? Dann kann sie vielleicht der kleinen Schwester die Söckchen anziehen, während Du ihre Haare übernimmst.
    Dir fällt bestimmt noch mehr ein. Es soll kein „Wenn Du das machst, kriegst Du das“-Ding werden, sonst entkoppelt es sich zu sehr von der Kleinen, sie ist dann mehr Mittel zu Zweck. Im optimalen Fall sollte es so sein, dass es gelingt, die Aufmerksamkeit auf beide zu richten.
    Es schadet nicht, sich in ruhigen Momenten konkret etwas zu überlegen, im Alltag muss es dann nämlich doch einfach nur irgendwie funktionieren, und die Kreativität bleibt auf der Strecke.
    Und auch für Dich gilt: Nicht enttäuscht sein, wenn das, was man sich so schön ausgemalt hat, nicht gleich begeistert angenommen wird. Die Absicht dahinter zählt, und unterschätze Deine Tochter nicht: Sie spürt, wenn Du Dich dahinterklemmst, auch wenn sie es nicht sofort annehmen kann (oder erst sehr, sehr, SEHR spät. Oder eben auch mal gar nicht. ;) )


    Den Vater, die Oma, besondere andere Menschen mehr einbeziehen, sofern möglich. Und dabei nicht der Großen automatisch den Papa zuordnen, sondern möglichst auch viel Mama-Zeit möglich machen, derweil Papa/Oma/Freundin etwas mit dem Baby unternimmt.
    Diese Zeit muss dann nicht automatisch zu einem „Wir machen was ganz Besonderes“-Ding werden, im Gegenteil, ich glaube, es ist oftmals wichtiger, so etwas wie einen normalen, ruhigen Alltag in dieser Zeit zu leben, mit besonderem Augenmerk auf das, was Deine Große wirklich gerne tun würde: mit Dir kuscheln, vorlesen, sich als ‚die Kleine’ behandeln lassen und/oder Spielen mit den Schleich-Tieren, bis Du vor Langeweile einschläfst (letzteres wollte MEINE Tochter, hört man das raus? :P ).


    Mitunter wird empfohlen, dem Kind besondere Privilegien zu bieten, etwas das es tun darf, weil es schon groß ist, die Kleine aber nicht.
    Ich bin da eher zwiegespalten. Man unterstützt damit ungewollt den Geschwisterwettbewerb, auch wenn die Kleine das derzeit noch nicht mitbekommt.
    Natürlich hat die Große Privilegien, so sollte es auch sein, aber ich denke nicht, dass man das besonders betonen muss. Die Großen sind nicht doof, sie kriegen ohnehin mit, dass sie länger aufbleiben dürfen oder Eis essen, derweil das Baby eine Reiswaffel bekommt – unnötig daraus eine kleine ‚Nänänä-Situation’ zu machen.


    Wichtig bei alldem ist, dass Du – auch für die Große – die Grenzen der Kleinen deutlich machst und im Zweifelsfall auch für sie wahrnimmst, aber das tust Du ja bereits. In solchen Fällen ist es tatsächlich gut, immer wieder nur stur die Regel zu wiederholen – „Nicht auf den Kopf hauen“ – und die Kleine sofort aus der ‚Gefahrenzone’ zu bringen, um Dich danach (möglichst nicht allzu übertrieben, weder positiv noch negativ) der Großen zu widmen. Es sollte kein „Wenn ich L. auf den Kopf haue, kuschelt Mama mit mir“-Ding werden, aber eben auch kein „Wenn ich das tue, werd’ ich geschimpft, aber egal, besser als nichts“.
    Und natürlich sollte man sich anschließend nicht eine halbe Stunde lang mit dem Baby beschäftigen, derweil das ältere Geschwisterkind hilflos in der eigenen Wut schmort.
    Je unspektakulärer das Ganze aufgelöst wird, desto besser.


    So. Textwand.
    Ich hoffe, Du findest den ein oder anderen Gedanken hierbei, der für euch passen würde.
    Was ich Dir auch noch raten kann: Das Thema ‚Geschwisterrivalität’ ist den allermeisten Eltern ein Begriff, und beinahe jede hier, die mehr als ein Kind hat, wird Dir dazu etwas erzählen bzw. raten können.
    Ich würde an Deiner Stelle vielleicht auch noch mal einen Thread dazu eröffnen, in dem Du im Austausch mit anderen bestimmt noch weitere, spezifischere Ideen erhalten wirst – oder einfach nur die beruhigende Rückmeldung, dass Du nicht die Einzige bist, die mitunter vor Hilflosigkeit die Wand hochlaufen möchte.

    Liebe Yvonne,


    auch auf mich wirkt das Verhalten Deines Kindes altersentsprechend und völlig normal.
    Etwa mit drei Monaten beginnen viele Kinder damit, nach Spielzeug zu schlagen oder zu greifen, die Geschicklichkeit nimmt zu, die Hand-Koordination wird besser. Die Herausforderung für Dein Kind, etwas zu nehmen und auch wieder loslassen zu können, ist groß, wie Möre schon geschrieben hat, auch Letzteres will erst einmal bewusst gesteuert sein. Selbst bei Dingen, die Dein Kind mit beiden Händen umschließt, kann es gar nicht mal so einfach sein, das Objekt auch wieder loszuwerden (ohne, dass es dem Kind auf die Nase purzelt).
    Viele Kinder halten mit drei Monaten die Hand noch zur Faust geschlossen, wenn sie Gegenstände anstupsen, Dein Sohn greift bereits zu. Fühl mal vorsichtig, wie stark die Spannung seiner Finger ist, wenn er irgendetwas in den Händen hält. Oft ist der Druck erstaunlich fest - kein Wunder, dass es erst einmal nicht so einfach ist, diesen Griff auch wieder gezielt zu lösen.


    Und damit

    Mir scheint es, dass er immer einfach mehr will, als er körperlich kann, und deshalb eben sauer wird. Er will vielleicht schon krabbeln, kann es aber noch nicht.


    liegst Du bestimmt auch nicht falsch. Die Anstrengung, etwas erreichen zu wollen und das zunehmende Bewusstsein darüber, dass aber noch nicht alles erreichbar ist, kann mitunter - je nach aktueller körperlicher Verfassung - auch eine sehr frustrierende sein.


    Ausgehend von dem, was Du geschrieben hast, würde ich sagen: Alles gut. :)
    Nachdem Dein Sohn jetzt auch zunehmend mehr darauf achtet, wie seine Umgebung sich verhält, Gesichtsausdrücke studiert und Stimmlagen einordnet, würde ich seinen "Ärger" an Deiner Stelle einfach freundlich auffangen - wenn Mama nicht aufgewühlt/hektisch reagiert, dann ist mir jetzt gerade vielleicht gar nichts SO Schlimmes passiert. Na dann - once again …


    Alles Gute! :)

    Liebe nevermore,


    die Probleme, die sich bei der Eingewöhnung ergeben können, sind immer – und nicht nur für Erstlings-Eltern - gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Natürlich wünscht sich jedes Elternteil, das eigene Kind möge sich selbstbewusst und zufrieden lösen, sich schnell in die Gruppe einfinden und Vertrauen zu den Betreuerinnen aufbauen.
    In der Realität klappt es höchst selten so reibungslos, frag mich mal.


    Unabhängig von allen Modellen und Vorstellungen finde ich ganz wichtig, dass nicht nur Dein Kind, sondern vor allem Du ein Vertrauensverhältnis zu den Betreuerinnen Deiner Tochter aufbauen kannst. Und dazu gehört sicher, dass Du das Gespräch suchst und Deine Vorstellungen und Befürchtungen aussprichst und – hoffentlich – eine Antwort erhältst, die Dir hilft, dass Du Deine Tochter dort wenn schon nicht ganz ohne Kummer, aber doch zumindest in dem Wissen abgeben kannst, dass sie dort aufgefangen und getröstet wird. Auch wenn sie sich für den Moment gerade gar nicht trösten lässt.
    An der Stelle finde ich es immer wichtig darauf hinzuweisen, dass Kinder das Recht haben zu weinen, wenn ihnen nach Weinen zumute ist. Und die erste Trennung von den Hauptbezugspersonen, die kann nun einmal ein durchaus nachvollziehbarer Grund zum Verzweifeln sein. Auch für Dich kann Dein Kind dann diesen Kummer nicht „abstellen“, er ist da und sollte auch seinen Platz haben dürfen.


    Schlimm wäre es, wenn Du erleben müsstest, dass Dein Kind damit allein gelassen wird. Deshalb habt ihr die erste Einrichtung wieder verlassen, und das war ganz sicher richtig so.
    Wenn Du jetzt insgesamt das Gefühl hast, dass in der neuen Einrichtung alles getan wird, was den Betreuerinnen möglich ist, um Dein Kind durch den Abschiedsschmerz zu begleiten, dann ist das eine Basis, auf der ihr aufbauen könnt, und ich halte es für höchst unwahrscheinlich, dass Dein Kind davon einen „psychischen Schaden“ davontragen wird.
    Es ist eine neue Aufgabe, für Dich und für Dein Kind, und ihr habt beide die Chance, daran auch zu wachsen.


    Du hast das Gespräch ja schon gesucht und bist, wenn ich das richtig verstehe, ernst genommen worden. Ich hoffe sehr, dass eure letzten Eingewöhnungstage einigermaßen gut verlaufen sind.
    So wie Du es beschreibst, würde ich Deine Tochter keinesfalls wieder aus der Gruppe herausnehmen, sondern stattdessen eher versuchen, das Ganze etwas regelmäßiger anzugehen.
    Klar, gegen Krankheit lässt sich nichts machen, aber wenn es vermeidbar ist, dann würde ich versuchen, einen Urlaub nicht in die Eingewöhnungszeit zu legen.


    Ich würde mich freuen zu hören, wie es bei euch weiterläuft und drücke alle Daumen.
    Alles Gute. :)

    Liebe Pumba,


    puh, diesen Start hat euch der Kindergarten ja leider nicht wirklich einfach gemacht.


    So, wie Du die Situation beschreibst, scheinen sich die dortigen Betreuerinnen wirklich sehr viel Mühe im Umgang mit den Kindern zu geben und sind Dir gegenüber auch sehr offen.
    Die Tatsache, dass Du schreibst, man habe sich nahezu ausschließlich um Dein Kind gekümmert, bzw. dass Dir auch ehrlich mitgeteilt wurde, dass Dein Kind geweint hat (statt des üblichen und nicht immer wahrhaftigen „Er/Sie hat sich sofort beruhigt, nachdem Du gegangen bist) sprichst sehr für die Einrichtung.
    Um so erstaunlicher finde ich, dass es offenbar überhaupt keine Eingewöhnungszeit zu geben scheint.
    Von einem Kind zu erwarten, dass es direkt am ersten Tag gleich für zwei Stunden alleine in der Einrichtung bleibt, finde ich schon sehr hoch gegriffen. So etwas kann vermutlich sogar gut gehen, aus meiner Erfahrung heraus ist der Friede dann aber in den meisten Fällen nur oberflächlich.
    Ein bisschen Zeit sollten die Kinder schon haben dürfen, um sich mit Mama oder Papa im Rücken mit der neuen Situation vertraut zu machen.
    Viele Einrichtungen bieten da ja die berühmte „Eingewöhnungswoche“ an, und selbst das empfinde ich persönlich als sehr optimistisch.
    Ich würde nicht (mehr) sagen, dass es prinzipiell ohne Weinen ablaufen muss. Dazu bin ich mittlerweile zu sehr davon überzeugt, dass einem Kind dieses Recht zugestanden werden sollte, gerade auch, wenn es noch nicht über ausreichend viele Worte verfügt, um sich ausdrücken zu können. Unabdingbar wichtig finde ich aber, dass es in einer solchen Situation eine vertraute Person um sich hat, die es tröstet und auffangen kann. Dass eine der Betreuerinnen bereits eine solche Rolle auszufüllen vermag, glaube ich nicht.
    Ich finde daher, dass ihr es genau richtig gehandhabt habt, als ihr eure Tochter wieder mit nach Hause genommen habt, und sehe das Problem eher auf der Seite des Kindergartens. Würde man da nicht mit aller Gewalt die Situation über’s Knie brechen wollen, dann könnte ich mir vorstellen, dass die Bereitschaft Deiner Tochter, sich auf den Kindergarten einzulassen (und diese Bereitschaft war ja offenbar ansatzweise vorhanden), gut hätte aufgegriffen werden können.


    Nun ist es aber so, dass Du schreibst, dass der Kindergarten von dieser Linie nicht abrücken wird.
    Was also kann ich Dir da raten?
    Spontan fällt mir das Folgende ein:
    Sprich noch einmal mit den Betreuerinnen oder der Leitung der Einrichtung. Vielleicht ist es ja doch noch möglich, da zu einem Kompromiss zu kommen. Vielleicht kannst Du ja wenigstens eine halbe Stunde dabei bleiben und nimmst Dein Kind unter Umständen danach wieder mit?
    Wichtig würde ich wirklich finden, dass Deine Tochter etwas Zeit bekommt, sich an die Einrichtung und an die Betreuer dort zu gewöhnen.


    Gibt es andere Einrichtungen, die auch in Frage kämen?


    Kannst du Kontakt zu anderen Eltern und deren Kinder herstellen, damit Deine Tochter vielleicht über Freundschaften leichter anknüpfen kann?


    Mitunter gibt es in den Gruppen Praktikantinnen, die nebenbei ganz gerne auch mal Babysitter-Dienste übernehmen – vielleicht findest Du da auch in der Gruppe Deiner Tochter jemanden?


    Ansonsten sehe ich leider nur noch die Option, sie so lange zu Hause zu lassen, bis sie tatsächlich reif genug ist, den Übergang zu stemmen (obwohl ich Deine Ansicht teile, dass ein Kindergarten für die Minis durchaus eine Bereicherung darstellt).


    Auf jeden Fall würde ich das Thema Kindergarten im Gespräch mit Deiner Tochter nicht außen vor lassen. Im Gegenteil, ich würde des öfteren darüber mit ihr sprechen, allerdings eher in die Richtung gehend, was dort jetzt gerade wohl passiert (Mittagessen, gemeinsames Spielen, etc. – sollte Deine Tochter tatsächlich Kinder aus der Gruppe kennenlernen, dann auf jeden Fall verknüpft mit den entsprechenden Namen der Kinder), es wäre sicher gut, wen sie sich zumindest gedanklich damit auseinandersetzen kann.
    Nicht übermäßig thematisieren würde ich allerdings, dass sie auf jeden Fall dableiben MUSS (es sei denn, ihr müsst oder wollt das aus welchen Gründen auch immer so durchziehen).
    Natürlich müsst ihr es erwähnen, wenn sie danach fragt, aber ich würde euch wohl ans Herz legen, ihr die Option offenzuhalten, dass sie im Zweifelsfall wieder mit euch nach Hause gehen darf.


    Ich drücke euch sehr die Daumen, dass der Kindergarten vielleicht doch noch mit sich reden lässt – letztlich ist es ja für ALLE Beteiligten angenehmer, wenn das Kind sich ein Herz fassen und sich für die Einrichtung entscheiden darf, statt das es von Anfang an weinend und tobend festgehalten werden muss.


    Alles Gute!

    Liebe Schnutie,


    zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass es sich für mich deutlich herausliest, dass Du eine sehr zugewandte und liebevolle Verbindung zu Deinem Sohn hast – lass Dich von all den wohlmeinenden Stimmen um Dich herum nicht verunsichern. Es ist Dein Sohn, Du hast einen engen Kontakt zu ihm, und es liest sich für mich überhaupt nicht so, als würdest Du ihn „verwöhnen“ (ganz abgesehen davon, dass man ein so junges Kind noch überhaupt nicht verwöhnen kann!).


    Das erste, was mir zu Deiner Frage einfällt, ist ein Tragetuch.
    Hast Du das schon einmal ausprobiert? Gerade für die Momente, wo das Kind ein bisschen quengeliger wird, ein bisschen Mama will, ein bisschen Nähe sucht, aber gar nicht richtig müde ist, ist so ein Tuch ideal. Du hast den Mini bei Dir, kannst Dich aber mit freien Händen auch anderen Dingen widmen. Und „ruckeln“ tut es auch. ;)
    Viele Kinder benötigen eine (meist sehr, sehr kurze) Gewöhnungsphase, aber die allermeisten fühlen sich im Tuch von Anfang an sehr wohl – und schlafen darin auch ganz hervorragend.
    Ich würde Dir ein langes Tuch empfehlen, da die Kinder erfahrungsgemäß auch noch um einiges später damit zufrieden sind – je nach Wickeltechnik kannst Du später auch Deinen etwas älteren Sohn beispielsweise auf den Rücken nehmen.
    Es gibt hier eine eigene Beratungsstelle zum Thema: „Trageberatung“.
    Da findest Du mit Sicherheit alles, was Du an Informationen zum Thema brauchst.


    Zum Schlafen allgemein:
    Dein Sohn ist vermutlich noch in der Phase, in der Schlaf- und Wachzeiten noch nicht so streng auseinanderdividiert werden. Du kannst ihm helfen, ihn dabei zu unterstützen, indem Du zum Abend hin etwas ruhigere und entspanntere Dinge mit ihm unternimmst (wie Du es ja bereits auch schon tust).
    Tagsüber musst Du die Räume nicht abdunkeln. Die Kinder schlafen, wenn sie müde werden, ob mit oder ohne abgedunkelten Raum. Es ist für den Rhythmus, den er sich für die nächste Zeit angewöhnen wird, ganz gut, wenn die Hell/Dunkel-Phasen den eigentlichen Tag- und Nachtzeiten angepasst bleiben.
    Wenn Du gerne möchtest, dass Dein Sohn zumindest um die Mittagszeit herum in seinem Bett schläft, damit Du Dich auch etwas hinlegen kannst, dann würde ich mich an Deiner Stelle tatsächlich einfach mit ihm in eurer großes Ehebett legen. Ein kleines Schlaflied, und dann Ruhe. Wenn er noch gucken will, lass ihn gucken. Wenn er sich dreht und wendet – lass ihn sich drehen und wenden. So lange er nicht ganz klar macht, dass er jetzt überhaupt nicht müde ist, würde ich davon ausgehen, dass es für ihn in Ordnung ist, wenn ihr beide einfach nur ruhig nebeneinander liegt. Weder Du noch Dein Sohn müssen dabei übrigens tatsächlich schlafen (auch, wenn Dein Sohn sich vermutlich über kurz oder lang daran gewöhnen wird). Auch, wenn ihr „nur“ ruhig vor euch hin döst, holt ihr beide euch dadurch neue Energie.


    Seine Schlaf- und Wach-Phasen werden sich in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder ändern. Was heute noch hervorragend funktioniert und sich Deinem Gefühl nach reibungslos eingespielt hat, wir einen Tag später eventuell schon wieder ein wenig anders ablaufen. Dein Kind wird mit zunehmendem Alter immer weniger Schlaf benötigen, und normalerweise werden sich die vielen kurze Schläfchen zu einer bis zwei (mitunter sehr festen) Schlafzeiten regulieren.
    Jedes Kind ist da aber anders, lass Dich da von den Ansichten anderer wirklich nicht irre machen.
    Meine Tochter schlief am Anfang ebenfalls nur im Kinderwagen, drei- bis viermal im Tag. Von einem Tag auf dem anderen funktionierte das nicht mehr, hier war das Tuch dann die Lösung. Teilweise schlief sie darin nur zehn Minuten, war aber durchaus auch ein bis zwei Stunden absolut zufrieden, einfach nur bei mir im Tuch zu sein. Später hat sie dann den „üblichen“ Mittagsschlaf gehalten.
    Mein Sohn hatte erst drei recht feste Schlafzeiten. Diese lösten sich dann irgendwann auf, und er schlief viele Male am Tag wo auch immer er sich gerade befand: Tuch, Krabbeldecke, mit mir zusammen auf dem Sofa. Er hat im Gegensatz zu seiner Schwester insgesamt um einiges weniger an Schlaf benötigt, und es hat eine Weile gedauert, bis ich eingesehen habe, dass das, was bei meiner Tochter hervorragend funktioniert hat, bei ihm eben nur halbherzig greift.
    Insofern bleibt es oft oder zumindest immer mal wieder auch ein bisschen Experimentieren.
    Vermutlich wird es auch Momente oder sogar Phasen geben, in denen Dein Sohn vor dem Einschlafen tatsächlich weint. Wenn Du ausschließen kannst, dass er hungrig ist oder Schmerzen hat, dann lass Dich auch davon nicht verunsichern. Lass ihn nicht alleine, bleib bei ihm, aber setz Dich nicht unter den Druck, das Weinen „ausschalten“ zu müssen. Mitunter müssen Anspannung und die Ereignisse des Tages auch einmal so herausgelassen werden dürfen. Erwachsene würden wohl mit jemanden darüber sprechen oder sich irgendeine Beschäftigung suchen, um Dampf abzulassen – Babys weinen. Dürfen sie auch mal.


    Ich wünsche Dir alles Gute, ich bin sehr sicher, dass ihr beide das gut hinbekommen werdet. :)


    Und schau doch auch mal neben der Trageberatung in die Unterforen „Tragen“ oder „Schlafen“ unter dem Reiter „Fundamente“ – dort wirst Du viele Erfahrungsberichte finden, die sehr deutlich machen, wie unterschiedlich das Thema in den verschiedensten Familien gehandhabt wird, und dass über kurz oder lang die allermeisten einen guten Umgang damit finden. :)

    Hi Pumba,


    vielen Dank für Deine Rückmeldung - das freut mich sehr, dass es nun besser klappt.
    Mit dieser Offenheit, die Dinge auch einmal anders anzugehen, statt darauf zu bestehen, dass Dein Kind sein Verhalten verändert, wirst Du sicher auch neu auftretende Hakeleien gut einsortiert kriegen. :)


    Weiterhin ruhige Abende wünsch' ich euch. #ja

    Liebe Pumba,


    Ich fasse das mal kurz zusammen, damit ich sicher sein kann, Dich richtig verstanden zu haben, ja?


    Deine knapp Dreijährige schläft in ihrem eigenen Zimmer, kann sich aber aussuchen, ob sie im Elternschlafzimmer zusammen mit Mama, Papa und der kleinen Schwester schlafen möchte.
    Wenn es Deinem Mann möglich ist, bringt er die Größere ins Bett und ist „ganz für sie da“, während Du, da Du noch stillst, die Kleinere zu Bett bringst.
    In regelmäßigen Abständen ist Dein Mann aber abends nicht verfügbar, so dass Du Dich um beide Mädchen kümmern musst, und dabei gibt es dann das Problem, dass die Ältere Dich ungern mit der kleinen Schwester teilen möchte – soweit richtig?


    Ausgehend von diesem Szenario wären das meine Gedanken dazu:


    Der Altersabstand zwischen Deinen beiden Mädchen ist recht eng, und die „Ältere“ ist zwar tatsächlich die Ältere, aber dennoch ein noch sehr junges Kind, mit knapp Drei noch nicht einmal im Kindergartenalter.
    Sie braucht Dich im existenziellen Sinne noch beinahe ganz genauso sehr wie die kleine Schwester Dich braucht, abgesehen von der Tatsache, dass sie nicht mehr gestillt wird.


    Gerade abends, wenn die Müdigkeit noch etwas dünnhäutiger macht, und die erlebten Eindrücke des Tages verarbeitet werden, kann ich mir gut vorstellen, dass Deine Zweijährige dann noch einmal etwas mehr auf die unmittelbare Nähe von Mama oder Papa angewiesen ist.


    Insofern kann ich gut nachvollziehen, dass es ihr dann schwer fällt „zurückzustehen“ bzw. abzuwarten, bis sie an der Reihe ist.
    Auch wenn sie mit Dir und ihrer Schwester in einem Bett sein kann, ist es vermutlich schwer für sie, sich nicht am Rand zu fühlen, wenn Du Dein jüngeres Mädchen stillst – diese offensichtliche Verbindung, die sie auf den ersten Blick ausschließt, können viele Kindern ja selbst tagsüber mitunter schwer aushalten.


    Ich würde daher zunächst einmal überprüfen, ob es möglich ist, das Stillen auf einen etwas früheren oder späteren Zeitpunkt zu verlegen.
    Früher hieße, Deine jüngere Tochter ist satt und zufrieden (und schläft vielleicht sogar), so dass Du Dich zu der Zeit, in der Deine Ältere ins Bett gehen sollte, wirklich voll um sie kümmern kannst.


    Später würde bedeuten, Dein jüngeres Kind schafft es noch, den Zeitraum abzuwarten, in dem Du Dich um die große Schwester kümmerst.


    In beiden Fällen würde ich schauen, dass Dein jüngeres Kind vielleicht auf einer Decke oder im Körbchen mit dabei ist, aber nur Du und Deine ältere Tochter in deren Bett (oder im Familienbett) am Kuscheln seid.
    Das muss nicht prinzipiell so sein bzw. bleiben, ich könnte mir vorstellen, dass Deine Ältere die kleine Schwester auch durchaus im Bett akzeptiert, wenn Du sie fragst – Voraussetzung ist zunächst aber wohl, dass sie nicht das Gefühl hat, an den Papa-freien Abenden um Deine Anwesenheit „kämpfen“ zu müssen, so wie sie es derzeit offensichtlich tut.


    Wenn Du die Still-Zeit kaum verändern kannst, weil Deine jüngere Tochter einfach feste Zeiten hat, dann versuche doch, die Zu-Bett-Bring-Zeit Deiner Älteren zu verändern – kuschel’ Dich mit ihr zusammen ins Bett, bevor die Jüngere Hunger bekommt bzw. nachdem Du gestillt hast (letzteres scheidet natürlich aus, wenn es danach so spät ist, dass Deine Ältere es so lange nicht mehr aushalten kann).


    Wichtig finde ich, dass Du für Dich und Deine ältere Tochter abends einen Zeitraum schaffst, in dem sie tatsächlich ganz klar im Vordergrund steht, und der ihr nur im „Notfall“ genommen wird.


    Du hast jetzt nicht viel darüber geschrieben, wie euer Tag insgesamt verläuft – ob es z.B. Zeiträume tagsüber gibt, die einigermaßen exklusiv für die Ältere bestimmt sind, oder ob meine hier beschriebenen Vorschläge beispielsweise daran scheitern, dass Deine Jüngere abends viel weint und sich von daher kaum „ablegen“ lässt (hier könnte ein Tragetuch eine Lösung sein).


    Ich fände es übrigens auch sinnvoll, die Abende, an denen der Papa da ist, aufzuteilen – sprich, der Papa übernimmt nach dem Stillen seine jüngere Tochter, derweil Du dann wirklich voll und ganz und ohne schlechtes Gewissen, weil vielleicht Deine jüngere Tochter abends tatsächlich viel weint, bei Deiner älteren Tochter sein kannst.
    Ich denke, es könnte Deiner Älteren dabei helfen, sich nicht so verloren zu fühlen, wenn der Papa arbeiten muss, da sie weiß, dass Du prinzipiell ebenso wie er auch abends ganz für sie da sein kannst.


    Ich wünsche euch alles Gute!

    Liebe Rohkostmama,


    ich kann sehr gut verstehen, dass Du traurig und wütend bist, wenn Du den Eindruck hast, dass die Betreuerinnen in eurem Kindergarten nicht wirklich auf Dein Kind eingehen und Dir stattdessen nahelegen, es seltener zu bringen.


    Wenn ich es richtig verstehe, dann ist Dein älterer Sohn bereits seit zwei Jahren in dieser Einrichtung, der kleine Bruder seit zwei Monaten. Du warst aber auch schon früher hin und wieder unzufrieden mit der Vorgehensweise der Erzieherinnen und heißt auch nicht all ihre Methoden, den Stillen Stuhl zum Beispiel, für gut.
    Bisher war es aber offenbar noch so weit im Rahmen, dass Du diesbezüglich noch nie ein Gespräch gesucht hast – oder doch?
    Die Aufnahme von jüngeren Kindern ist für das Team offenbar ein neuer Ansatz, und auch wenn zumindest eine der Betreuerinnen bereits über Krippenerfahrung verfügt, so hat die Einrichtung mit der Aufnahme von Zweijährigen nun wohl Neuland betreten.


    Ich denke, dass ein zweijähriges Kind durchaus so lebendig, neugierig und furchtlos auftreten kann, wie Du Deinen Sohn beschreibst. Die Temperamente sind verschieden, und in der Beschreibung, die Du von Deinem Kind abgibst, sehe ich nichts auffälliges. Klettern, Türen öffnen, einen heißen Ofen berühren – das ist alles nichts, was in irgendeiner Art und Weise darauf schließen würde, dass Dein Sohn über ein normales Maß an Offenheit und Wissbegier auf die Welt hinausschießen würde.


    Dass es für das Team aber natürlich nicht ganz so leicht ist, ein eher temperamentvolles Kind, gerade auch wenn es noch so jung ist, so in die Gruppe einzubinden, dass es sich oder auch andere Kinder nicht gefährdet, ist wohl eine Tatsache.
    Ich sehe es aber ähnlich wie Du: Ich denke, es liegt nun als allererstes im Aufgabenbereich der Betreuer dort, sich zu überlegen, wie sie mit der Aufgabe, die sie sich selbst gestellt haben, umgehen wollen. Dazu müssen sie für sich als Team auch herausfinden, was tatsächlich leistbar ist, was sich im Laufe der Zeit entwickeln wird und wo schlichtweg Grenzen liegen.


    Es ist vermutlich für sie selbst eine neue Erfahrung, wenn sie erleben, dass die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr greifen. Langfristig ist es sicher sinnvoll, diese Maßnahmen zu ergänzen oder zu verändern, was aber ist kurzfristig machbar?


    Es liegt in euer beider Interesse, Deinen Sohn vor Ort sicher aufgehoben zu wissen. Ich würde an Deiner Stelle noch einmal mit den Betreuerinnen sprechen und versuchen gemeinsam herauszufinden, zu welchen Zeiten es derzeit vielleicht tatsächlich nicht besonders sinnvoll wäre, wenn Dein Kind in der Einrichtung ist, weil es beispielsweise der Betreuerschlüssel nicht hergibt, dass Dein Kind wirklich sicher im Blick behalten werden kann.
    Vielleicht ist es möglich, dafür einen Zeitraum festzuhalten, in dem es dem Team wiederum möglich ist dafür zu sorgen, dass bestimmte Sicherheitsmaßnahmen verstärkt oder anders organisiert werden.


    Ich kann, wie gesagt, Deinen Ärger verstehen, halte es aber für kontraproduktiv, wenn Du in dieses Gespräch mit einer sehr angespannten Erwartungshaltung hineingehst.
    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir vor Augen führst, dass Du bisher im Großen und Ganzen mit der Arbeit des Teams zufrieden warst und die Mitarbeiterinnen dort in einer noch ungewohnten Situation sind, in der sie sich selbst auch erst einmal neu zurechtfinden müssen.


    Du kennst Dein Kind am besten – wo kannst Du den Erzieherinnen in ihrer Wahrnehmung zustimmen? Äußere dies.
    Führe dazu im Anschluss aber auch die Gedanken an, die Du nicht so stehenlassen möchtest.
    Für Dein Gegenüber ist es wichtig, dass Du ihre Kompetenz zunächst einmal anerkennen kannst – letztlich habt ihr beide ja ein gemeinsames Ziel: Es soll Deinem Sohn gut in der Einrichtung gehen, und Du möchtest Dich beim Abgeben Deines Kindes hinsichtlich seiner Sicherheit beruhigt fühlen.


    Ich drücke Dir die Daumen, dass das anvisierte Gespräch Dich etwas beruhigen kann und Du danach nicht das Gefühl hast, man habe Dich nicht ernst genug genommen.


    Alles Gute wünsche ich euch.

    Liebe Majasr,


    Das klingt jetzt erst einmal nicht ganz einfach.


    Im Grunde finde ich es gut und richtig, dass jede Familie für sich ihre eigenen Regeln aufstellt, mit denen alle Beteiligten klar kommen.
    Insofern gibt es zunächst einmal keinen Grund, die Regeln, die Dein Freund für sein Familienleben aufgestellt hat, anzuzweifeln oder verändern zu wollen.


    Nun ist es aber so, dass Deine Familie – Du und Deine Tochter – zur Familie Deines Freundes dazu gestoßen sind.
    Und es gilt hier nun, die Regeln wieder so anzupassen, dass wiederum alle Beteiligten mit diesen Strukturen gut leben können.
    Dies schließt nun aber Dich und Deine Tochter mit ein.
    Und ganz offensichtlich geht es Dir mit bestimmten Regeln eben nicht gut.


    Umgekehrt empfindet Dein Freund anscheinend Deine Regeln als zu streng oder als zu einschränkend. Wäre dies nicht der Fall, wäre es ja kein Problem, seine Familienregeln den Deinen etwas anzupassen.


    Wie findet ihr nun zusammen?


    Ich denke, zunächst einmal ist es wichtig, dass ihr dem anderen ganz klar macht, wo eure Grenzen liegen. Und zwar möglichst die Maximalgrenze.


    Also nicht:
    „Ich will, dass die Kinder abends einen Schlafanzug anziehen, sich vorher waschen, ihre Zähne putzen, die Sachen nach Schmutzwäsche und „Kann-man-noch-anziehen“ sortieren und entsprechend wegräumen“
    sondern


    „Ich möchte, dass die Kinder abends Schlafanzüge anziehen und die Zähne putzen.“


    Oder, um von Deinem Freund auszugehen:


    Nicht:
    „Ich möchte nicht, dass die Kinder alle zur selben Zeit am Tisch sein müssen, Besteck benutzen müssen, die Hände an der Serviette abwischen, warten bis alle aufgegessen haben und danach beim Tischabräumen helfen“,
    sondern


    „Ich möchte nicht, dass meine Kinder dazu gezwungen werden, am Tisch zu sitzen bis alle fertig sind. Und ich finde auch nicht, dass sie danach noch mit Abräumen müssen.“


    Verstehst Du, worum es mir geht?


    Wo könnt ihr euch in der Mitte treffen und dabei möglichst eure Werte und Vorstellungen von Erziehung nebeneinander und gleichwertig aufrecht erhalten?


    Ich gebe allerdings zu, dass ich die von Dir beschriebenen Beispiele tatsächlich eher grenzwertig finde. Für mich geht das zu sehr in eine bereits etwas vernachlässigende Richtung.


    Abgesehen davon, dass es für Kinder durchaus wichtig sein kann, beispielsweise gemeinsame „Treffpunkte“ am Tag zu haben und entsprechend gemeinsam zu essen, sind bei den von Dir genannten Punkten so einige dabei, bei denen ich mir vorstellen könnte, dass es eben nicht nur Dir unangenehm auffällt.


    Ein Kind, dass eine Woche lang in denselben Kleidern herumläuft, das beginnt zu riechen.
    Erst recht, wenn es sich dabei nicht mehr um Dreijährige, sondern um Jugendliche handelt.


    Ein elfjähriger Junge, der beim Essen kein Besteck benutzt, sondern direkt in den Teller greift und sich die schmutzigen Finger am Pullover abwischt, der bekommt das für sein Alter nicht wirklich angemessen hin.
    Und die Verwunderung und auch die Ablehnung darüber wird er auch von anderen Menschen als Dir ob seines Verhaltens erfahren müssen.


    Nun kann man sagen „Was scheren mich die anderen“, ist es nicht wichtig, man selbst zu sein und über der Meinung anderer zu stehen?


    Das ist wichtig, und das gehört zum Ausbilden eines gesunden Selbstwertgefühls unbedingt dazu.


    Der Mensch ist aber kein kompletter Einzelgänger, sondern eher ein geselliges Wesen, und entsprechend gehört es eben auch dazu, die Regeln der Gesellschaft, in der man lebt, zu erkennen und im Zweifelsfall auch befolgen zu können.


    Deshalb auch meine Frage:
    Verhalten sich die Kinder Deines Freundes im Umgang mit anderen Menschen genau so?
    Falls ja, so denke ich nicht, dass Du gelassener werden solltest, sondern meinem Gefühl nach sollte Dein Freund einmal sehr genau hinschauen, ob er seinen Kindern durch seine Erziehung beide Fertigkeiten vermittelt. Es sollte sowohl: „“Was will ich, und ich bin in Ordnung, so wie ich bin“, als auch: „Was brauchen andere, um sich wohl zu fühlen, und was kann ich dafür tun, dass ich in eine Gruppe hineinfinde?“ vorhanden sein.


    Wenn Dein Freund dies strikt ablehnt, dann würde ich an Deiner Stelle versuchen, mit der von mir eingangs vorgeschlagenen Methode einen Mittelweg zu finden, der zumindest dann beschritten wird, wenn eure beiden Familien zusammenkommen.


    Ich denke, dass die Kinder Deines Freundes vom (Vor)Leben Deiner Regeln mindestens genau so viel profitieren können, wie Deine Tochter von der „Man muss auch nicht alles so eng sehen“-Haltung.


    Im optimalen Fall gelingt es euch, euch wunderbar zu ergänzen. :)


    Viel Erfolg wünsche ich Dir.

    Liebe Lyonis,


    zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass Du im Experten-Forum nicht so viele Antworten von anderen Userinnen erhalten wirst. Solltest Du Dir diesbezüglich einen breitgefächerten Austausch wünschen, dann würde ich Dir empfehlen, Dein Anliegen auch noch einmal in einem anderen Unterforum zu posten. :)





    Das erste Kind stellt jede Beziehung vor neue Herausforderungen. Ganz egal, wie gut man sich darauf vorbereitet hat und wie hilfreich die nähere Umgebung ist – je nach Temperament von Kind und Eltern kommen sehr viele Väter und Mütter an ihre persönlichen Grenzen.
    Ich weiß nicht, wie fordernd euer Sohn ist, und ich weiß ebenfalls nicht, wie viel Unterstützung Du von außerhalb Deiner kleinen Familie erhalten kannst, aber je mehr unmittelbare Aufmerksamkeit Dein Kind fordert und je weniger Du die Verantwortung für ihn auch einmal in andere Hände legen kannst oder anderweitige Hilfe erhältst, desto anstrengender wird die Situation natürlich für Dich.


    Du schreibst, dass ihr sehr jung Eltern geworden seid, und dass eure Beziehung darunter, bzw. unter Deinen Erwartungen und Vorsätzen, die Du an Dich selbst und an Deinen Freund richtest, leidet.
    Worunter genau?
    Fehlt es an Unterstützung, gibt es finanzielle Probleme, befindet ihr euch beruflich noch in den Startlöchern? Oder sind Lebenserwartungen und Träume durch die Geburt eures Kindes in euren Augen drastisch beschnitten worden?
    Je nachdem, in welchen Bereichen es hakt, könnte eine Lösung für eure Situation natürlich anders ausfallen.


    Ich stutze aber, wenn Du schreibst, dass Du versuchst, einen “Ausgleich zu schaffen, wo Du einen Mangel siehst”, und das so lange, “bis Dein Körper nicht mehr kann”.
    Für mich liest sich das, als habest Du eine Verantwortung für die gesamte Familie übernommen, die Du so nur schwer alleine tragen kannst.
    Fühlst Du Dich schuldig, hast Du das Gefühl, Du müsstest Deinen Freund “schonen” oder ihm eine Art Wiedergutmachung bieten?


    Ihr seid jung Eltern geworden, aber ihr seid beide jung Eltern geworden.
    Ich kenne jetzt natürlich nicht die Sicht Deines Freundes auf die Situation.
    Denkst Du, dass auch er so viel in eure Familie hineingibt, wie es ihm möglich ist? Oder besteht in Deinen Augen ein Ungleichgewicht, bist Deinem Gefühl nach Du diejenige, die versucht, alles am Laufen zu halten, während Dein Freund sich eher aus der Situation herauszieht?


    Ich halte es für wichtig, euch zu diesem Punkt auszutauschen – auch, wenn Deine Wahrnehmung gar nicht unbedingt der Realität entsprechen sollte, und Dein Freund anderes berichten würde. Genau genommen ware es sogar gerade dann wichtig, da das Gefühl, immer derjenige zu sein, der gibt und gibt und gibt, während der andere sich zurücknimmt, sehr zersetzend ist, und dies um so mehr, wenn gleich beide dieses Gefühl haben.
    Wenn Du das Gefühl hast, dass ihr zu zweit zu keinem Ergebnis kommt, dann holt euch Hilfe, am besten in Form eines möglichst neutralen Moderators (Familienberatung, Elternberatung oder ähnliches).


    Nachdem Du schreibst, dass es Dir schwer fällt Grenzen zu setzen, wird dieser Punkt für Dich vermutlich eine besondere Herausforderung darstellen.
    Deine Zeilen lesen sich, als sei Dir durchaus bewusst, dass es für Dich und auch für eure Beziehung auf Dauer nicht von Vorteil ist, wenn Du immer wieder über Deine Grenzen hinausgehst. Nicht nur, dass Du Dich psychisch und physisch immer mehr verausgabst; auch was die gegenseitige Rücksichtnahme und was die Achtung und den Respekt betrifft, wird eure Beziehung dadurch immer weiter ausgehöhlt. Du nimmst es Deinem Freund mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo doch übel, dass er Deine schwachen Versuche eine Grenze zu setzen ignoriert, er wiederum ist auf Dauer nicht mehr in der Lage zu erkennen, wo Deine Grenzen verlaufen, was im schlimmsten Fall auf seiner Seite zu einer Art überforderten und auch ratlosen Gleichgültigkeit führen kann.


    Und um noch einmal auf diesen Satz zurückzukommen:
    “Ich bin mit vielen guten Vorsätzen und hohen Ansprüchen an mich selbst sowie an seinen Vater in die Sache geschlittert, obwohl ich mir vorgenommen hatte, keine Erwartungen an ihn zu haben.”


    Das beißt sich. Auch das weißt Du vermutlich, und es ist sicher lohnend, da noch einmal genau hinzuschauen.
    Welche Deiner Erwartungen und Vorsätze sind für Dich unabdingbar wichtig? Welche nicht?
    Wo kannst Du Druck rausnehmen, wo für Entlastung sorgen?
    Auch wenn Du darüber sicher mit Deinem Freund sprechen kannst und irgendwann auch solltest – im Vorfeld kannst Du diesen Punkt auch allein “entrümpeln” und für Dich zu der notwendigen Basis kommen.
    Es kann übrigens hilfreich sein, dies schriftlich zu tun. Auf der einen Seite hilft es beim Sortieren, auf der anderen Seite gerät man weniger in die Gefahr, immer wieder um diesselben Punkte zu kreiseln.


    Für weitere Gedanken würde ich mehr Informationen benötigen. Wenn Du magst, kannst Du Dich hier oder per PN noch etwas näher zu eurer Situation äußern.
    Trotzdem hoffe ich, dass Du Dir auch bis zu diesem Punkt etwas aus meiner Antwort herausziehen konntest.
    Ich wünsche euch alles Gute!

    ... Besteht die Möglichkeit, dass Deine Kinder stundenweise bei Deiner Mutter oder bei ihrem Vater sind, können sie vielleicht von diesen Bezugspersonen direkt von Schule und/oder Kindergarten abgeholt werden?
    Vielleicht gibt es auch Abläufe, die sich komplett in die Verantwortung anderer übergeben lassen (z.B. Hausaufgabenbetreuung), damit Du den Kopf frei bekommst für die Dinge, die nicht delegierbar sind?


    Welche Situationen fallen Dir im Zusammenleben mit Deinen Kindern besonders schwer? Oft hilft es, sich im Vorfeld ein ungefähres Muster zu überlegen, wie Du einen bestimmten Ablauf über die Bühne bekommen möchtest. Du benötigst zwar anfangs etwas mehr Energie, um ein festes Ritual zu initiieren, hat es aber erst einmal Fuß gefasst, hat es den Vorteil, dass Du in der Situation selbst nicht lange überlegen musst, wie Du jetzt weiter vorgehen möchtest.
    Das lässt natürlich trotzdem Platz für Ausnahmen und „Heute mal anders“ – bist Du aber gerade physisch oder psychisch am Limit, kann Dir ein Gerüst helfen, keine Energien mehr für’s „so oder so“ zu verschwenden, sondern es führt Dich einigermaßen überschaubar zum angestrebten Ergebnis.


    Behalte im Hinterkopf, dass Du alles, was Du jetzt abgibst, irgendwann auch wieder an Dich nehmen kannst.
    Nur weil sich ab sofort die Oma darum kümmert, dass Dein Kind aus dem Kindergarten abgeholt wird, heißt das nicht, dass Du diese Aufgabe nicht irgendwann wieder übernehmen kannst, wenn Du Dich dazu bereit fühlst.


    Es geht jetzt zunächst nur darum, euren Alltag so zu entzerren, dass Du nicht mehr das Gefühl hast, Du funktionierst gerade nur noch so unter einer erdrückenden Last von Verantwortung und Erwartung, aber Deine Liebe für Deine Kinder (und vielleicht auch für Dich selbst) bleibt dabei auf der Strecke.


    Und natürlich soll hier auch noch Raum sein für die Gegenfrage:
    Was macht Dir Spass mit Deinen Kindern? Was kannst Du genießen, in welchen Situationen spürst Du Deine Zuneigung zu ihnen?
    Und ist es möglich, solche Situationen – auch ein bisschen rücksichtslos, wenn’s sein muss – in euren Alltag verstärkt aufzubauen?


    Wenn Du auf meine Frage weiter oben für Dich zu dem Schluss kommst, dass Du hier und jetzt und an dieser Stelle nicht mehr in der Lage bist, die Verantwortung für Deine Kinder übernehmen zu wollen oder zu können, dann würde ich Dir empfehlen, zweigleisig zu fahren:


    Such Dir möglichst schnell fachkompetente Beratung, z.B. bei einer Erziehungsberatungsstelle. Schildere dort Deine derzeitige Situation mit der Bitte um möglichst tatkräftige Unterstützung. Es gibt durchaus Möglichkeiten, Dir Hilfe von außen direkt und unmittelbar für Deine Familie zu holen.


    Sprich zeitgleich mit Deinen Eltern, wenn es sie sein sollen, denen Du Deine Kinder anvertrauen möchtest. Vielleicht gibt es zunächst die Möglichkeit, dass Deine Kinder tageweise bei ihnen sind?


    Ich hoffe sehr, dass meine Gedanken für Dich einigermaßen nachvollziehbar und umsetzbar sind, und nicht völlig über Deine tatsächliche Situation hinausschießen. Wenn Du zu dem ein oder anderen Aspekt etwas genauere Informationen benötigst, dann kannst Du Dich gerne hier oder über eine PN bei mir melden.


    Alles Gute wünsch’ ich Dir.

    Liebe icke,


    es ist ein bisschen schwierig für mich, mir aufgrund Deiner Zeilen ein Bild vorzustellen – wenn ich Dich richtig verstehe, dann hast Du mindestens zwei Kinder, lebst getrennt von deren Vater und hast in den letzten Monaten so einiges an schwierigen emotionalen und körperlichen Aufgaben zu bewältigen gehabt.


    Ich gehe jetzt einmal von diesem Szenario aus, wenn ich Dir meine Gedanken zu Deinem Beitrag darlege.


    Zunächst einmal: Es gibt wohl keine Mutter und keinen Vater, die oder der tatsächlich von sich behaupten kann, dass sie oder er die Liebe zu seinem Kind immer fühlbar in sich trägt. Es gibt punktuell oder auch langfristig immer wieder Momente und Phasen, in denen man verzweifelt, sich hilflos und abgestumpft fühlt, in denen es einem nicht gelingt, die Herausforderungen und die durchaus anstrengenden Aufgaben, die sich durch das Zusammenleben mit Kindern zwangsläufig ergeben, zu bewältigen.
    Es ist allerdings leider nicht selbstverständlich, über diese Tatsache zu reden. Schuldgefühle und der Glaube, dass mit einem selbst wohl etwas nicht stimmen könne, verhindern zuverlässig, dass ein Austausch mit anderen darüber stattfinden kann, wie man aus solchen Situationen wieder herausfindet.
    Mitunter würde es tatsächlich schon reichen, mit anderen über die eigenen Gefühle sprechen zu können, um Druck abzubauen.


    Dazu kommt, dass man sich als Mutter quasi automatisch für alles verantwortlich fühlt, was beim Kind gerade nicht rund läuft – und diese Sicht der Dinge wird nicht gerade selten von Außenstehenden bekräftigt.
    Letztlich führt diese Annahme aber leider dazu, dass man sich für eigene Reaktionen und Verhaltensweisen seinem Kind gegenüber, die nicht so geduldig und liebevoll ausfallen, wie die eigene (und die externe) Erwartungshaltung dies vorgibt, schnell verurteilt und Gefühle von Unzulänglichkeit und „Woanders hätten sie es sicher besser“ auftauchen.
    Natürlich verdient jedes Kind die hingebungsvollsten Eltern die es gibt – aber nicht jede unbesonnene oder ungerechte Reaktion führt bei einem Kind gleich zu einem seelischen Schaden.
    Selbst, wenn wir hier nicht von „ist einmal passiert“ sondern von „läuft jetzt schon seit ewig so“ sprechen.


    Gemeinerweise führt die Anstrengung immer eine „gute Mutter“ zu sein, gerade dazu, dass unterdrückte Emotionen einigermaßen unbeherrscht nach vorne treten. Irgendwo müssen Erschöpfung, Ablehnung, Wut und Feindseligkeit hin, und solche Gefühle sind nicht rational.
    Es hilft wenig, wenn Du Dir sagst, dass Dein Kind ja letztlich nichts dafür kann, dass der Fehler also einmal mehr bei Dir zu suchen ist: Wenn beispielsweise das Streiten Deiner Kinder bei Dir zu inneren Verzweiflungsausbrüchen führt, dann kommen die irgendwann raus. So oder so.
    Wenn es nicht plötzliche Wutausbrüche sind, dann können solche unterdrückten Gefühle auch in eine fortwährend gereizte, angespannte Haltung gegenüber Deinen Kindern fließen.


    Umgekehrt ist es schwer, negative Gefühle beim eigenen Kind auszuhalten, wenn man sie bei sich selbst nicht akzeptieren kann. Entsprechend reagiert man schneller sehr kritisch und unwirsch beispielsweise auf den Streit unter den Geschwistern, wenn man sich selbst nicht zugesteht, Wut und Ärger herauszulassen.


    Es wäre gut, wenn Du Dir überlegen würdest, wo Deine derzeitigen negativen Gefühle gerade hinfließen: Immer nur weiter in Dein Inneres hinein? In eine Wand, die sich zwischen Dir und Deinen Kindern aufbaut?


    Helfen kann es, wenn Du zunächst einmal für Dich sortierst und versucht Dir klarzumachen, welche Verhaltensweisen Deiner Kinder Du nicht magst. Der nächste Schritt wäre vielleicht, Deinen Ärger in Sätze zu bringen, die Du – je nach Alter Deiner Kinder – nach außen tragen kannst.
    Sehr wichtig wäre es, dass Du Menschen in Deinem Umfeld findest, mit denen Du über Deine Gefühle sprechen kannst.
    Wenn Du weder in Deinem Familien- noch in Deinem Freundeskreis Gelegenheit dazu hast, dann wäre es sicher auch eine Idee, Dich an eine Beratungsstelle zu wenden.
    Deine Zeilen lesen sich, als würdest Du Deine Ohnmachtsgefühle und Deine Trauer im Moment mit Dir ganz allein ausmachen – das ist eine Riesen-Aufgabe, und ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die eine solche tatsächlich allein bewältigen können.


    Zum Schluss noch einmal zu Deinem Satz: „Es geht inzwischen so weit, dass ich überlege sie wegzugeben.”


    Neulich fragte mich mein Sohn, beim abendlichen Gute-Nacht-Ritual, ob ich ihn wirklich immer lieb haben würde. Als ich dies bejahte, meinte er: „Nein, wenn wir uns streiten, hast Du mich nicht lieb.“
    Ich antwortete ihm, dass ich ihn auch dann lieb haben würde, meine Wut in einer solchen Situation aber eben so groß sein könne, dass diese eben klar im Vordergrund stünde. Er erwiderte, dass er mich nicht lieb hätte, wenn wir uns streiten und sah dabei nicht gerade glücklich aus.
    Ich hab’ ihn dann gefragt, was wohl passieren würde, wenn plötzlich jemand in unseren Streit hereinplatzen und rufen würde, er nehme jetzt die Mama mit, wenn hier immer nur gestritten werden würde – mein Sohn unterbrach mich noch mitten im Satz und meinte, nein, auch wenn wir uns streiten, dass wolle er nicht.


    Vielleicht hilft dieses Bild auch Dir, Deinen Gefühlen gegenüber Deinen Kindern etwas mehr auf den Grund zu gehen. Stell Dir vor, sie würden wirklich aus Deinem Leben verschwinden, jetzt gleich, sofort. Sie leben tatsächlich bei Deinen Eltern, der Alltag mit ihnen ist vorbei – was fühlst Du in diesem Moment?
    Erleichterung, Unbehagen, Ablehnung, Trauer, Aufbegehren?


    Da es für ein Kind immer schwierig ist, von seinen Eltern getrennt zu werden, werde ich jetzt erst einmal versuchen, Dir neben dem, was ich weiter oben geschrieben habe, noch einige „handfestere“ Gedanken zu vermitteln, was mögliche Schritte für Dich sein könnten, wenn Du spürst: Eigentlich will ich meine Kinder doch behalten.


    Du schreibst, dass Du vor allem psychisch an Deine Grenzen kommst und körperlich erschöpft bist.
    Hast Du die Möglichkeit, Aufgaben aus Deinem Alltag an andere zu übertragen?
    Gibt es Verwandte oder Freunde, die Dich in bestimmten Bereichen unterstützen könnten?...

    ...Puzzlestückchen, die im Laufe der Zeit ein immer stabileres großes Gesamtbild ergeben werden.


    Macht euch aber klar, dass, ganz egal, wie ruhig und liebevoll ihr das rüberbringen mögt, euer Sohn diese Trennung natürlich nicht will.
    Ich weiß, dass man sich immer wünscht, man könnte Kummer und Angst vom Kinde fernhalten, aber in diesem Fall hat das Kind das absolute Recht darauf, Kummer und Angst ob seiner zukünftigen Situation zu empfinden.
    Versucht nicht, ihm das „wegzureden“. Wenn er traurig oder wütend ist, unsicher oder ängstlich, dann gebt ihm die Sicherheit, dass diese Gefühle angemessen und wichtig sind.
    Auch ihr als Eltern müsst das aushalten lernen. Oft ist es so, dass man sich unbewusst auch selbst schützen möchte, indem man das Kind drängt, allzu schnell über bestimmte Emotionen hinwegzueilen. Man vermittelt dem Kind dadurch allerdings nur, dass es seinen eigenen Gefühlen nicht trauen kann, was die Situation für das Kind verständlicherweise nicht einfacher macht.


    Ich sage das nicht, um euch zu entmutigen.
    Ich möchte euch aber darauf vorbereiten, dass ganz egal, wie gut ihr hinsichtlich eurer Trennung mit eurem Kind umgehen werdet, mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem intensive Phasen von Schmerz, Unsicherheit und Wut erleben werdet.


    Bis die Trennung der Eltern für das Kind einigermaßen gut verpackt und verarbeitet ist, kann so einiges an Zeit ins Land gehen.
    Je nachdem, wie intensiv der Kontakt des Kindes zum nun abwesenden Elternteil war, je nach Temperament und Konstitution des Kindes und auch je nachdem, ob es im weiteren zeitlichen Verlauf noch mehr schwierige Situationen zu verarbeiten hat, kann es durchaus einige Jahre dauern, in denen ihr im Hinterkopf behalten solltet, dass euer Kind eure Unterstützung immer noch ganz besonders benötigt.


    Ich wünsche euch alles Gute!

    Liebe ZwölfElf,


    zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass Du im Experten-Forum nicht so viele Antworten von anderen Userinnen erhalten wirst. Solltest Du Dir diesbezüglich einen breitgefächerten Austausch wünschen, dann würde ich Dir empfehlen, Dein Anliegen auch noch einmal in einem anderen Unterforum zu posten. :)




    Eine Trennung ist für Kinder leider immer ein sehr einschneidendes und drastisches Erlebnis.
    Gerade für jüngere Kinder stellen die Eltern die Fundamente ihrer kompletten Welt dar, und es verunsichert und verängstigt sie oft tief, wenn ein Elternteil aus diesem Fundament herausgelöst wird.


    Für das Kind ist es kaum möglich, eine Meta-Ebene einzunehmen: Warum und wieso es zur Trennung kam, ist ihm, je jünger es ist, schwer zu vermitteln. Daher ist es in der Regel auch nicht möglich, ihm die mit einer Trennung oftmals auftauchenden Ängste „wegzuerklären“.


    Dazu gehört zum Beispiel die Angst, nicht nur den einen Elternteil, sondern auch noch den anderen zu verlieren. Wenn die bisher gesetzte Größe – die Eltern sind immer für mich da – ins Wanken geraten ist, gerät auch das Vertrauen, dass Mama und Papa sich zuverlässig um das Kind kümmern, zunächst einmal ins Wanken.
    Es kommt entsprechend nicht selten vor, dass Kinder dieser Sorge mit übermäßiger Kontrolle und Klammern, aber auch mit Wut und Aggression entgegenzutreten versuchen.
    Seltener kann der Fall eintreten, dass Kinder einem oder sogar beiden Elternteilen gegenüber „dicht“ machen; aus einem Selbstschutz heraus, der durch das Negieren ihrer Ängste und Bedürfnisse zunächst einmal für eine – scheinbare – Sicherheit sorgt.


    Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, eigene emotionale Ausbrüche und Unsicherheiten nicht vor dem Kind herauszulassen. Sätze wie „Mich macht das alles wahnsinnig!“, „Ich halte das alles nicht mehr aus!“ oder ähnliches in dieser Richtung, können (und sollten) bei Freundinnen oder Verwandten (oder auch beim Noch-Partner, je nachdem, wie eure Beziehung derzeit ist) herausgelassen werden, nicht jedoch dem Kind gegenüber.
    Bitte achtet auch darauf, euch nicht gegenseitig vor dem Kind abzuwerten oder schlecht zu machen.


    Wenn einer von euch das Gefühl hat, aufgrund der Trennung und der allgemeinen äußeren Umstände psychisch und/oder körperlich an seine Grenzen zu kommen, dann wäre es wichtig, sich in dieser Hinsicht möglichst schnell um Hilfe zu kümmern.
    Auch eine Therapie oder Gespräche mit Fachleuten und Beratungsstellen können da weiterhelfen.


    So schwer es fällt, aber je ruhiger und gefasster ihr beide eurem Kind gegenüber auftreten könnt, desto mehr gebt ihr ihm Stück für Stück die Sicherheit zurück, dass sein Leben durch eure Trennung nicht zwangsläufig komplett aus den Fugen geraten muss.


    Ein weiteres Problem gerade bei jüngeren Kindern ist, dass sie die Ursache für die Trennung bei sich selbst bzw. in ihrem Verhalten suchen:
    „Weil ich immer dies oder jenes getan bzw. gesagt habe, kann Papa es nicht mehr aushalten“ oder „Nur wegen mir haben sie so oft gestritten“ – ein Kind wird seine Zweifel in dieser Hinsicht nicht unbedingt ausdrücken können oder wollen. Es ist aber wichtig, sich dies bewusst zu machen, damit in all dem Stress und dem emotionalen Wirrwarr, der oft mit einer Trennung einhergeht, euch Eltern nicht Sätze herausrutschen, die bei dem Kind zu einer Bestärkung dieser Selbstzweifel führen.
    Dazu gehören Äußerungen wie beispielsweise: „Musst Du jetzt AUCH noch dies und das tun?“, „Ist nicht alles schon schwierig genug, auch ohne dass du....“ oder „Du machst alles nur noch schlimmer!“


    Ich denke, diese beiden Punkte sind besonders wichtig, wenn ihr euch daran macht, eurem Sohn die zukünftige Trennung mitzuteilen. Und das solltet ihr möglichst bald tun.
    Auch ein jüngeres Kind benötigt Zeit, um sich darauf einzustellen.
    Es wird oft argumentiert, dass ein so kleines Kind mit dem Konzept „Trennung“ noch gar nichts anzufangen weiß und nur verunsichert werden würde; besser wäre es, ihm erst kurz zuvor (oder sogar bereits nach dem Auszug eines Elternteils) von der Trennung zu berichten.
    Ich glaube, das ist falsch.
    Wie bereits oben erwähnt wird euer Sohn zwar tatsächlich kaum in der Lage sein, das Warum zu erfassen, wenn ihr euch ihm aber gemeinsam zuwendet und ihm erzählt, dass der Papa sich bald eine andere Wohnung suchen wird, dann wird diese Information sehr sicher etwas bei ihm auslösen.
    Ich halte es für wichtig, dass er für seine Emotionen, die mit dieser Info einhergehen, sowohl unmittelbar als auch in den nächsten Wochen euch BEIDE als Ansprechpartner hat.


    Ich würde beim ersten Gespräch versuchen, ihn nicht mit Informationen zu überfrachten.
    „Wir wollen Dir sagen, dass der Papa sich bald eine andere Wohnung suchen wird, weil wir nicht mehr zusammen wohnen wollen. Wir wissen, dass dich das traurig macht, und dass du das nicht willst, aber wir versprechen dir, dass wir dich beide lieb haben, und dass wir beide immer für dich da sein werden! Es ist nicht deine Schuld, und wir sind trotzdem für immer und ewig dein Papa und deine Mama.“
    In eurem Wortlaut natürlich.
    Und dann erst einmal abwarten, welche Fragen und Bedürfnisse von Seiten des Kindes sofort oder im Laufe der nächsten Tage aufkommen werden.
    Sucht dieses Gespräch mit eurem Sohn gemeinsam und stellt sicher, dass genügend Zeit vorhanden ist, um seine sich eventuell unmittelbar zeigenden Bedürfnisse auffangen zu können.
    Ganz besonders wichtig ist es, gerade in den ersten Wochen, wirklich gut zu planen und zu organisieren, um den Kind zu vermitteln, dass ihr tatsächlich beide weiterhin für es da sein werdet.
    Wenn also beispielsweise abgesprochen ist, dass an einem bestimmten Tag euer Sohn gemeinsam mit dem Papa etwas unternimmt, dann sollte schon viel passieren müssen, um diese Verabredung sausen zu lassen.


    Versucht, eine gewisse Selbstverständlichkeit in die Tatsache zu legen, dass ihr euch trennen werdet, macht kein Tabu-Thema daraus, aus der Angst heraus, Schmerz bei eurem Kind auszulösen.
    Wenn Dein Mann eine neue Wohnung gefunden hat, dann wäre es zum Beispiel gut, wenn ihr euch die Wohnung alle zusammen anschauen würdet.
    Gerade für ein jüngeres Kind wird nur so der Fakt der Trennung mit der Zeit klarer und greifbarer.
    Da wird der Papa also zukünftig schlafen, hier werde ich meine Spielsachen haben, auf diesem Weg kann ich Papa besuchen – lauter kleine...

    Liebe schnacki,


    es freut mich, dass Du in meiner Antwort Ansätze gefunden hast, die zu Dir bzw. zu euch passen könnten. :)


    Zu dem Ausruf Deiner Tochter, sie werde sich umbringen bzw. sie wolle nicht mehr leben:
    Natürlich ist das für jede Mutter und jeden Vater schockierend zu hören, und ich möchte es keinesfalls als bloße “Methode” des Kindes herunterwürdigen.
    Hinter solchen Äußerungen stehen Verzweiflung und Seelenqual.
    Es macht deutlich, wie hilflos sich Dein Kind fühlt, wie auswegslos es die Lage jetzt gerade für sich empfindet.


    Es ist daher absolut richtig und notwendig, wenn Du an dieser Stelle, wie Du es ja auch getan hast, ganz egal, um was es vorher ging, Deine Tochter in den Arm nimmst (sofern sie dies zulässt) und ihr versicherst, dass Du sie liebst und dass Dir ihre Äußerung zeigt, wie elend sie sich fühlt.
    Ohne ein persönliches Gespräch ist es natürlich schwerer zu beurteilen, aber in der von Dir geschilderten Situation halte ich es für wahrscheinlich, dass dieser Ausruf Deiner Tochter eine Art Paukenschlag ist. Ein deutliches Signal an Dich, wie schrecklich sie sich fühlt, verpackt in die größtmögliche Drastik, die Deine Tochter zu formulieren in der Lage ist.
    Darauf MUSST Du zugewandt eingehen, denn gleichzeitig steht dahinter die unausgesprochene Frage, wie wichtig Du Deine Tochter und deren Probleme nimmst.


    Scheue Dich aber nicht davor, danach den Faden wieder aufzunehmen – vermittle ihr, dass Du ihre Gefühle hörst und sie auch ernst nimmst, aber ein “Dann gehst Du morgen eben nicht zur Schule” kann daraus nicht erwachsen.
    ("Danach" kann auch "um einiges später" bedeuten. Ich denke, hier solltest Du auf Dein Bauchgefühl hören, wann der Schritt von "Jetzt einfach nur mein Kind halten" zu "Jetzt darf das ursprüngliche Thema wieder angeschnitten werden" unternommen werden kann.)


    Wenn Du allerdings insgesamt, also auch außerhalb konkreter Konfliktsituationen, das Gefühl hast, dass Deine Tochter sich verändert, zum Beispiel sich immer mehr zurückzieht, immer häufiger traurig ist, nichts mehr mit Freunden unternehmen mag oder kaum Zugang zu anderen Kindern findet, wenn Du Dein Kind kaum mehr fröhlich erlebst, sondern überwiegend zornig, frustriert und/oder unglücklich, dann würde ich Dir tatsächlich den Schritt zu einer Beratungsstelle empfehlen.


    Weiterhin alles Gute, schnacki.

    Liebe Himmelblau,


    ich kann Dir gut nachempfinden, dass Dich das Thema aufwühlt und Du Dir Sorgen darüber machst, was Dein Sohn gesehen hat oder sogar selbst hat erleben müssen.


    Ich würde Dir raten, Dich zunächst an die Gruppenleitung zu wenden und um ein persönliches Gespräch zu bitten.
    In diesem wirst Du hoffentlich ein paar genauere Informationen erhalten.


    Parallel wäre es sinnvoll, Dich an eine Organisation wie den Kinderschutzbund oder, spezifischer, an Einrichtungen wie „Wildwasser“ oder „Amyna“ zu wenden.


    „Amyna“ bietet beispielsweise einmal in der Woche eine telefonische Beratung speziell „bei Fragen zur Vorbeugung von oder zum Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern oder sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen” an (http://www.amyna.de/index.php/beratung).


    Ansonsten solltest Du Dein Kind keinesfalls mit konkreten Fragen verwirren. Ich weiß, dass die Versuchung groß ist, nachzuhaken, ob Dein Kind mit einem der beschuldigten Kinder gespielt hat, was es gespielt hat, ob es ein lustiges Spiel war oder nicht. Es ist von da aber nur noch ein kleiner Schritt zu “Hat Dir das Spiel Spass gemacht?”, “War das blöd, was da gemacht wurde?” und “Hattest Du Angst/Schmerzen?”


    Das Risiko, Dein Kind durch (unbewusst) suggestive gestellte Fragen zu bedrängen und ihm im ungünstigsten Fall noch das Gefühl zu vermitteln, es selbst habe etwas getan, was nicht in Ordnung ist, ist groß.
    Selbst wenn Du so neutral wie möglich bleibst – Dein Kind kennt Dich und Dein “Normalgesicht”, und es spürt, wenn hinter vordergründig harmlosen Fragen noch etwas anderes schwelt.
    Es kann das für sich aber nicht in Worte fassen, weshalb es dann dazu kommen kann, dass das Kind den Fehler bei sich sucht.


    Sollte Dein Kind von sich aus berichten, dass es im Kindergarten zu Spielen genötigt wurde, die es befremdlich, unangenehm oder sogar schmerzhaft fand, dann höre zu. Zeige Dein Interesse (“Und was ist dann passiert?”) aber vermeide potenziell schuldzuweisende Fragen (“Warum hast Du nicht die Erzieherin gerufen?”). Im Zweifelsfall lieber zu wenig als zu viel sagen und das Kind stattdessen in den Arm nehmen oder neben ihm sitzen, sofern es dies möchte.


    Wenn möglich, schreibe Dir danach auf, was Dein Kind berichtet hat, damit Du im Nachhinein nicht den Wortlaut aus Deinem eigenen verletzten Empfinden heraus ungewollt überhöhst.


    Wichtig ist auch, und ich sage das jetzt, obwohl ich mir sehr sicher bin, dass Du das ohnehin tust, dass Du Dein Kind Ernst nimmst und nicht versuchst, das Erlebte in einen Rahmen einzuordnen, den Eltern verkraften können. Es kommt gar nicht mal so selten vor, dass Eltern aus einer Form von Selbstschutz heraus das Gehörte herunterspielen: “Na ja, alle Kinder machen Doktorspiele”, “Das ist nicht so schlimm” oder “Dann sag einfach das nächste Mal, du willst da nicht mitmachen” kommt dann dabei heraus.
    Dem Kind wird damit allerdings suggeriert, dass sein Empfinden, dass da etwas mit ihm geschehen ist, was es nicht wollte und auch nicht unbedingt einzuordnen vermag, verkehrt ist. Überdies bekommt es plötzlich einen aktiven Part, indem ihm vermittelt wird, es hätte die Situation ja einfach beenden können.


    Dies ist nicht unbedingt möglich, aber das noch weiterzuführen, würde jetzt hier vermutlich den Rahmen sprengen.


    Ich hoffe sehr, dass Dir eine professionelle Beratung Deine Ängste etwas nehmen und Dir stattdessen wieder etwas mehr Sicherheit vermitteln kann.
    Alles Gute.

    Liebe schnacki,


    zunächst einmal vorneweg:


    HILFE! Wo geh ich denn jetzt hin? Erziehungsberatung oder Kinderpsychologe? Was sage ich da?


    Aus dem, was Du hier schilderst, würde ich jetzt nicht herauslesen können, dass eine Erziehungsberatung oder gar der Gang zum Therapeuten notwendig wäre.
    Verzweifelte Wutanfälle, wie Du sie beschreibst, kennen mit Sicherheit sehr viele Eltern (mich selbst eingeschlossen).
    Deine Tochter ist sechs Jahre alt, sie besucht die erste Klasse. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war sie vermutlich im Kindergarten und zählte da zu den "Großen", nun geht sie in die Schule und gehört wieder zu den "Kleinen". Sie hat in den letzten Monaten dort ihren Platz für sich selbst und auch ihrem Umfeld gegenüber neu definieren müssen, und gerade für ein willenstarkes Kind, wie Du sie beschreibst, kann so etwas auch mal etwas anstrengender verlaufen. Das muss ihr selbst nicht einmal bewusst sein, aber um beispielsweise den von Dir angesprochenen Religionsunterricht aufzugreifen: im Kindergarten hat Deine Tochter vermutlich doch die Freiheit gehabt, im Großen und Ganzen für sich zu entscheiden, womit sie sich auseinandersetzen möchte. Im herkömmlichen Schulsystem besitzt sie diese Entscheidungsfreiheit nicht mehr, sondern muss sich anpassen.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass sie darüber nicht immer glücklich ist.
    Sie selbst - und damit auch Du und Dein Mann - muss nun eine Position finden, die es ihr erlaubt, sich auch auf Dinge einzulassen, die sie an sich nicht reizvoll findet, und den Unmut darüber bringt sie offenbar mit nach Hause (oder zeigt sie diesen Frust auch im Schulalltag?).



    Wie mache ich das besser? Was habe ich für Alternativen?


    Was will sie, wie finde ich das raus und wie bleibe ich ruhig, wenn diese Schallplatte eine halbe Stunde dauert und sie sich dabei immer mehr aufregt?


    Ich finde, Du machst das insgesamt schon ganz gut.
    Du bleibst weitestgehend ruhig und bietest ihr an, darüber zu sprechen.
    Das will sie allerdings scheinbar gar nicht, und ab da gerätst Du etwas ins Rudern.
    Versuche doch einmal, ihr Problem nicht unbedingt lösen zu wollen.
    Sie findet den Religionsunterricht langweilig. Daran kannst Du nichts ändern. Dieser Gedanke sitzt in ihrem Kopf, und da kommst Du jetzt nicht ran. Selbst wenn die Lehrerin Dir berichten würde, dass Deine Tochter im Religionsunterricht immer freudig mitmacht, so bleibt die Meinung Deiner Tochter abends vor dem Einschlafen: Religion ist schrecklich.
    Probiere vielleicht einmal aus, ihr da einfach nur entgegenzukommen: "Du findest Religion furchtbar. Ja. Das ist echt blöd. Und morgen hast Du Religion, und ich kann verstehen, dass Du Dich da nun nicht gerade auf den Schultag freust."


    Punkt.


    Versuche nicht, ihr die interessanten Aspekte des Religionsunterrichts aufzuzeigen, erinnere sie nicht an das schöne Bild, das sie irgendwann in Religion gemalt hat. Bleib mit ihr in der Situation, greife ihre Gefühle dazu auf und bestätige sie in ihrem Recht, diese Gefühle äußern zu dürfen.
    Es ist nicht gerade selten der Fall, dass Kinder sich so schnell wieder einkriegen, wie die Eltern es nie für möglich gehalten hätten, wenn der Druck herausgenommen wird, der Mutter/dem Vater die Gefühle verdeutlichen zu müssen.
    Ihr redet dann nicht mehr über Religion, und ob das nun wirklich langweilig ist oder auch nicht.
    Ihr redet darüber, ob Deine Tochter das Recht hat, Religion blöd zu finden oder nicht.
    Zumindest kommt dies beim Kind schnell so an, wenn geäußerte Emotionen "aufgelöst" werden sollen.


    Es kann sein, dass Deine Tochter unmittelbar im Anschluss irgendetwas anderes findet, worüber sie sich ärgert.
    Bestärke sie auch in ihren Gefühlen diesem Thema gegenüber.
    Verschwende um diese Uhrzeit keine Energie mehr darauf, irgendwelche Probleme für sie lösen zu wollen. Versuche stattdessen ihr das Gefühl zu geben, dass ihre Emotionen in Ordnung sind und Du sie mit ihr tragen kannst.


    Du wirst überdies recht schnell merken, ob Deine Tochter doch ein Redebedürfnis hat. Falls Du Dir nicht sicher bist, frage sie: "Möchtest Du darüber sprechen?"
    Damit ist klar, dass Du Dir die Zeit dafür nehmen wirst, sofern sie das möchte. Danach liegt der Ball bei ihr.


    Was ich Dir doch noch ans Herz legen möchte:
    Wenn Du schreibst, Du hättest "die Zimmertüre zugehalten", dann klingt das so, als hättest Du Dich dagegengestemmt, während Deine Tochter versucht, die Tür von drinnen zu öffnen.
    Tu das Dir und ihr nicht an.
    Man fühlt sich selten hilfloser und wird gleichzeitig immer wütender, wie wenn man körperliche Kraft gegenüber dem eigenen Kind anwendet.
    Selbst wenn man "nur" die Tür zuhält.
    Deine Tochter will in solchen Momenten nicht zu Dir, um Dich in den Wahnsinn zu treiben, sondern sie spürt sehr deutlich, dass Du sie gerade überhaupt nicht mehr ertragen kannst.
    Und das wiederum kann sie nicht aushalten.
    Mein Sohn wendet sich in solchen Momenten von MIR ab, und tut damit uns beiden einen Gefallen.
    Fühlt er sich von mir nicht richtig behandelt, rennt er zornschnaubend in sein Zimmer.
    Das hat den Vorteil, dass ich die notwendigen Minuten bekomme, um mich zu beruhigen, um anschließend hinter ihm her zu traben und ihm eine Versöhnung anzubieten. Die ist dann von meiner Seite aus sehr ehrlich gemeint, und er kann sie gut annehmen.


    Meine Tochter dagegen verhält sich Deiner Tochter nicht unähnlich.
    Je mehr ich versuche, einen Abstand zwischen uns herzustellen, desto stärker wirft sie sich an mich (und das meine ich nicht im übertragenen Sinne).
    Was ihr hilft, ist folgendes: Ich sage ihr, dass ich jetzt dringend ein paar Minuten für mich brauche. Danach würde ich wieder zu ihr kommen.
    Mitunter reicht das, meistens nicht.
    Wenn es nicht reicht, setze ich mich möglichst bequem irgendwo hin, lasse zu, dass sich mein Kind auf mich draufkuschelt, versuche aber erst gar nicht, ihr Weinen oder ihr Zetern in irgendeiner Form zu verhindern.
    Beides muss raus, und ich muss mich sammeln. Es ist nicht gerade selten, dass wir beide zunehmend ruhiger werden und irgendwann noch einmal neu beginnen können.


    Das kostet natürlich auch alles seine Zeit, aber es hat den Vorteil, dass Du nicht unbedingt in Gefahr läufst, Deine Selbstbeherrschung zu verlieren, wodurch die Situation sich insgesamt verschärft.
    Es mag Methoden geben, die Dein Kind derart schockieren, dass zunächst einmal der Ofen aus zu sein scheint.
    Aber glaube nicht, dass diese Maßnahmen sich nicht im Gedächtnis des Kindes verankern und - je nach Temperament des Kindes - beim nächsten Mal die Situation äußerst ungut beeinflussen.


    Was mich zu Deinem Mann bringt.
    Verzeih mir die deutlichen Worte, aber seine Art, mit Deiner Tochter Konflikte zu "lösen" schadet Deinem Kind und darüber hinaus auch Deinem Verhältnis, dass DU zu ihr hast.
    Deine Tochter mag dem Papa gegenüber nicht auftrumpfen, weil sie gelernt hat, dass Dein Mann zu schmerzhaften Maßnahmen greift.
    Rate, wohin der Frust und die Demütigung ob dieser Methode fließen?
    Sie lässt es sicher teilweise in Konfliktsituationen mit Dir hinaus, denn irgendwo müssen die Gefühle hin, die das Verhalten Deines Mannes in ihr auslösen.
    Würdest Du ähnlich wie Dein Mann reagieren, dann würde Deine Tochter mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ihren Kummer darüber in ihrem weiteren Umfeld (Schule) abbauen oder aber im allerschlimmsten Fall gegen sich selbst richten.


    Dein Mann ist erwachsen, Deine Tochter ist ein sechsjähriges Kind.
    Unter keinen Umständen sollte Dein Mann es als legitime Erziehungsmethode ansehen, eurer Tochter die "Haut am Arm gegenzuverdrehen" oder ihr damit zu drohen, draußen übernachten zu müssen.
    Bitte versuche in einer ruhigen Stunde mit Deinem Mann über diese Situation zu sprechen.


    Ich kann mir vorstellen, dass er sich ebenso hilflos fühlt wie Du, wenn er zu solchen Methoden greift, aber ihm muss klar sein, dass er seiner Tochter damit nicht nur unmittelbar sondern auch langfristig schadet.


    Ich finde es übrigens wirklich bewundernswert, dass Du in den absolut energieraubenden und frustrierenden Situationen, die Du mitunter mit Deiner Tochter erlebst, nicht bereits ähnliche Maßnahmen angewendet hast, obwohl Dein Mann Dir diese als die "effektiveren" darstellt.


    Ich wünsche Dir alles Gute.
    Wenn Du noch weitere Fragen hast, dann melde Dich. :)

    Liebe Inima,


    zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass ich es klasse finde, dass Du Deine Situation ernst nimmst und sie nicht mit einem lapidaren "Kann schon mal passieren" abtust.
    Aufgrund Deiner Zeilen glaube ich nicht, dass bei Dir eine grundlegende Tendenz dahingehend zu erkennen ist, dass Du Dich mit Deinem Vorsatz einer gewaltfreien Erziehung schwerer tust, als andere dies auch tun.


    Wenn ich Dich richtig verstehe, dann treten die Situationen, in denen Du in Gefahr läufst, die Beherrschung zu verlieren, in erster Linie dann auf, wenn sich der Stress, wie Du selbst schreibst, zu stauen beginnt. Und ich glaube, beinahe jede Mutter kann Dir diese Momente gut nachempfinden. Neue Aufgaben, Herausforderungen, Schlafmangel, weniger Zeit für die Dinge, die man früher gerne gemacht hat - all dies kann sich im Laufe der Zeit nahezu unbemerkt zu einem größeren Berg stauen. Und wenn dann auch noch das Kind s c h o n w i e d e r weint, ohne dass man genau weiß, wieso eigentlich, wenn es beim Anziehen um sich schlägt oder, wie in Deinem Fall, beim Stillen zubeißt, dann gerät man häufig an einen Punkt, an dem das sonst so gut kontrollierte Nervensystem kollabiert.


    Dass Anschreien oder gar "Klapsen" keine Lösungen sind, weißt Du selbst. Dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn man trotz allerbester Vorsätze an einen Punkt kommt, wo man danach feststellt, dass man genau so eigentlich nie hat reagieren wollen, das dagegen solltest Du Dir ins Bewusstsein holen. Es bringt wenig, wenn Du in einer Situation, in der Du ohnehin schon unter Druck stehst, den Druck noch dadurch erhöhst, indem Du Dich selbst allzu sehr kasteist, weil Du Deinem Kind gegenüber laut geworden bist.
    Damit möchte ich Deine Situation nicht mit: "Das kommt in den besten Familien vor" abtun.
    Denn auch wenn ich Dir zustimme und sage, dass ein Kind, das geliebt wird und dem man diese Liebe auch immer wieder vermittelt, dies im Allgemeinen auch grundlegend spürt, so möchte ich Dir doch widersprechen, was den Punkt betrifft, dass ein Kind klar differenzieren kann, warum es in einer bestimmten Situation angeschrien oder "geklapst" wird.
    Dein Kind ist 11 Monate alt, und ich gehe nicht davon aus, dass es Dein Verhalten so einzuordnen vermag, dass es Schreien oder Schlagen nicht ausschließlich auf sich bezieht.
    Wenn wir ganz ehrlich sind - selbst Erwachsenen fällt es schwer, sich in Situationen, in denen sie verbal oder sogar körperlich angegangen werden, auf eine Metaebene zu begeben und sich selbst zu sagen: "Das hat nichts mit mir zu tun, mein Gegenüber möchte mich nicht kränken/verletzen, sondern er reagiert so, weil..."


    Ich denke daher ebenfalls, dass es sinnvoll wäre, wenn Du nach Wegen suchst, um ein Entgleisen der Situation bereits im Vorfeld zu verhindern.


    Zuallererst ist dafür sicher wichtig, den Druck wieder abzubauen, der sich bei Dir aufbaut.
    Hast Du ausreichend Unterstützung? Können Dein Mann oder Verwandte/gute Freunde Dir Deinen Sohn hin und wieder für einige Stunden abnehmen, so dass Du die Zeit nutzen kannst, um Deine Reserven wieder aufzuladen? Hast Du die Möglichkeit, Dein Kind gerade auch in Situationen, in denen Du merkst, dass Du zunehmend angespannter wirst, für eine gewisse Zeit abzugeben?
    Bekommst Du es selbst mit, wenn der Druck zu hoch wird, so dass Du rechtzeitig gegensteuern kannst?


    Bekommst Du ausreichend Schlaf? Ist es möglich, dass Dein Mann "Nachtdienste" übernimmt, und Dir den Sohn nur zum Stillen bringt?
    Kommst Du genug raus? Mit Kind (spazierengehen, mit anderen Müttern und deren Kindern etwas unternehmen) und auch ohne (mal wieder einige Zeit alleine verbringen, lesen, einkaufen, Essen gehen)?


    Ich denke, dass Auszeiten für Dich selbst in Deiner Situation absolut grundlegend sind.
    Langfristig wird es Dir besser damit gehen, jetzt Zeit und Energie darauf zu verwenden, eine geeignete Person zu finden, der Du Dein Kind auch mal für eine gewisse Zeit anvertrauen kannst (das kann auch eine liebevolle Babysitterin sein), als Dich jetzt immer weiter und weiter zusammenzureißen - bis eben doch der Knoten wieder platzt.


    In Situationen, in denen Du merkst, dass Deine Ungeduld und Dein Frust ansteigen, ohne dass Du Dich für einige Zeit daraus zurückziehen könntest, wäre es gut, wenn Du in einer ruhigen Stunde mal überlegst, was Dir helfen könnte, zumindest mal den allernötigsten Dampf abzulassen.
    Vielleicht kannst Du eine Freundin anrufen? Oder Deine Mutter? Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Deinen Sohn sicher auf eine Decke legst, in den Nebenraum gehst und da ein paar Kissen auf den Boden wirfst oder die Wand anschreist? Vielleicht gehörst Du auch eher zu den Menschen, die sich nach innen retten, von zwanzig an runterzählen oder sich auf eine besonders angenehme Situation konzentrieren?
    Ich selbst habe mich aus Situationen, in denen ich an meine Grenzen kam, häufiger dadurch herausmogeln können, indem ich anfing, laut Kinderlieder vorzusingen, oder ich habe mir mein Kind ins Tragetuch gepackt und zu einer mir angenehmen Musik getanzt.


    Versuche herauszufinden, was zu Dir passen könnte.
    Es ist wichtig, dass Du auf Dich und Deine Bedürfnisse hörst und so gut es eben möglich ist, darauf eingehst. Nur wenn Du Energien übrig hast, kannst Du Deinem Kind gegenüber die Mutter sein, die Du sein willst.


    Versuche Dir auch immer wieder ins Bewusstsein zu holen, dass Dein Kind nichts tut, um Dich absichtlich zu verletzen oder zu ärgern.
    Auch wenn Dir das vom Kopf her klar ist (und Du Dir beispielsweise sein Zubeißen beim Stillen nachvollziehbar mit seinem Zahnen erklären kannst), so gerät man doch schnell unbemerkt in angespannten Situationen in ein Fahrwasser, in dem man das Verhalten des Kindes eben doch persönlich nimmt.
    Besuchst Du mit Deinem Sohn eine Krabbelgruppe?
    Der Austausch mit anderen Müttern kann dazu beitragen, die eigene Situation wieder etwas zu erden und einen realistischeren Blick auf das Ganze zu bekommen.
    Wenn man beispielsweise erfährt, dass auch andere Mütter mit kleinen Beißern zu kämpfen haben, fühlt man sich damit nicht mehr ganz so allein - und den ein oder anderen Tipp wirst Du unter Umständen auch erhalten.


    Du stellst an Dich hohe Ansprüche, wenn es um Dein Kind geht, und das finde ich gut.
    Stelle diese hohen Ansprüche auch an Dein Verhalten Dir selbst gegenüber. Sei nicht zu streng mit Dir.
    Ich bin sicher, dass Du eine liebevolle Mutter bist, und Du solltest Dir selbst gegenüber auch eine liebevolle Freundin sein.


    Ich wünsche euch alles Gute. :)