Beiträge von nez perce

    Ich finde es nicht albern.

    Ich finde auch nicht, dass es ein Argument ist, dass man sich nur aufregen sollte, wenn man selbst betroffen ist. Das ist in meinen Augen ein Totschlagargument, das in letzter Konsequenz nur dazu führen kann, dass ich mich nicht mehr über Hunger in der Welt aufrege, über rassistische Regierungen, Diskriminierung von Minderheiten, Genitalverstümmelung etc. Denn mich persönlich betrifft das alles nicht . Und jedem Mann müsste es egal sein, wenn Frauen beruflich, rechtlich etc. benachteiligt werden.

    Komisch, das scheint regional sehr unterschiedlich zu sein. Ich habe einen vegetarischen Kollegen und einen, der versucht, es zu werden. Da habe ich noch nie komische Kommentare gehört. Und auch sonst ist mir in die Richtung noch nichts aufgefallen. Woran das wohl liegt?

    Nun, ich habe ja gesagt, bzw. gemeint, es wäre besser, da reflektierter zu sein.

    Aber wenn ich am Limit vorbeischramme, habe ich vielleicht nicht mehr die dazu nötigen Ressourcen.

    Und dass so viele am Limit vorbeischrammen, laste ich eben dem System an.


    Womit ich nicht sagen will, dass manche Leute, die so sprechen, einfach von der Persönlichkeit her so strukturiert sind, dass sie so sprechen. Leider gibt es eben auch genügend Lehrerinnen, die menschlich daneben sind.

    Ich will diese Sprüche nicht verteidigen, aber wenn das stimmt, was ich so lese über die Situation der Lehrerinnen in Berlin, so ist das Perfide daran, dass das System solche Einstellungen befördert, indem es die Lehrerinnen anscheinend gnadenlos im Stich lässt. Die Bezahlung scheint ja eher bescheiden zu sein und es muss ja einen Grund haben, dass so viele Lehrerinnen verlassen, um in anderen Bundesländern zu arbeiten. Für die Verbleibenden muss das durchaus frustrierend sein zu sehen, dass zum Einen die Situation "gelöst" wird, indem Quereinsteiger genommen werden, anstatt dass man mal überdenkt, ob vielleicht die Bezahlung oder die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Wozu hat man dann auf Lehramt studiert, fragen sich da sicherlich viele.

    Ich nehme auch nicht an, dass Berlin besser ausgestattet ist mit Sozialarbeiterinnen, Schulpsychologen etc. als wir - da sind viel zu wenige, so viele Schulen haben weder das eine noch das andere.


    Ich gebe zu, auch mich frustriert es mitzubekommen, dass unter meinen türkischen Schülerinnen doch nicht wenige Erdogan-Fans sind. Das ist teilweise echt schizophren. Auf der einen Seite die Aussage, dass sie es genießen, in Deutschland demokratische Freiheiten zu haben, auf der anderen Seite aber dennoch Parteinahme von Erdogan. Und ich spreche jetzt nicht von irgendwelchen "Loosern". Wer Tag für Tag massiv mit solchen Ansichten konfrontiert wird, der muss aufpassen, nicht zynisch zu werden.


    Das gepaart mit Überlastung durch beschissene Arbeitsbedingungen kann leider schnell zu einer Haltung führen, wie du sie oben beschreibst. Ich hoffe immer, wenn sich sowas bei mir anbahnt, dass ich das rechtzeitig merke und gegensteuere. Aber nicht alle sind reflektiert genug, und wer vom Arbeitgeber so im Stich gelassen wird, sucht sich dann auch gerne mal ungute "Überlebensstrategien".


    Wenn der Spruch mit den Kopftüchern und Trauer um Erdogan in einer Satire gebracht worden wäre, ich bin mir sicher, das hätte viele Lacher geerntet.

    Ich habe das Programm nicht gesehen und kann mit dem Artikel nichts anfangen. Ich finde ihn recht nichtssagend. Wahrscheinlich müsste ich die konkreten Folgen sehen, um mir da ein Bild machen zu können.

    Heinz Becker habe ich früher ganz gern geschaut, kann mich aber an die obigen Beispiele nicht erinnern. Allerdings habe ich auch nicht so viele Folgen gesehen.

    @Sakuka, danke für deine Antwort!

    In Baden-Württemberg gibt es ja einige Regionen, in denen strenge christliche Gemeinschaften stark vertreten sind, oder auch konservative landeskirchliche Strömungen. Je nachdem, wo man da lebt, kann es natürlich gut sein, dass man das Empfinden hat, dass es hier wenig tolerant zugeht.


    Und das in Kombi mit konservativen muslimischen Strömungen kann dann relativ unschön für mein Empfinden sein.

    Ich denke, die Tatsache, dass bei Homosexuellen Menschen schnell getratscht wird bzw. über sie, liegt u.a. daran, dass diese Menschen anhand eines Merkmals - nämlich ihrer sexuellen Orientierung - zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Dieses Merkmal wird als definitorisch betrachtet. Dabei ist es ja nur eines von vielen Merkmalen, das den Menschen ausmacht. So wie bei anderen Menschen eben die Heterosexualität oder die Bisexualität oder die Asexualität etc. eines von vielen Merkmalen ist. Nun ist es bei diesem Merkmal dummerweise so, dass es eine ganz besondere Faszination ausstrahlt. Über Sexualität wird immer wieder gerne gesprochen. Sie ist präsent in Liedern, Bildern, Texten, Werbung, einfach überall, weil sie eben diese Faszination hat.


    Und diese Herausstellung eines Merkmales scheint irgendwie dazu zu führen, dass oft unterstellt wird oder mitschwingt (wie Manea ja sagte, in Homosexualität schwingt das Wort Sex mit, und das ist immer für gesteigerte Aufmerksamkeit gut), dass Homosexuelle ständig auf Sex aus sind oder so. Oder wie erklärt sich sonst die Tatsache, dass z.B. im Schuldienst oder bei der Armee vor homosexuellen Mitarbeitern eine besondere Furcht bestand / besteht? Im schulischen Bereich also die Angst, ein schwuler Lehrer könnte sich an den Schülern vergreifen?


    In Anbetracht dessen, dass die Zahl der Lehrer, die mit Schülerinnen anbändeln (von Lehrerinnen habe ich jetzt noch wenig gehört und in meinem Umfeld kenne ich nur Beispiele mit Lehrern, insofern kann ich dazu nichts sagen), deutlich höher ist, und niemand daraus abzuleiten scheint, Heteromänner seien untragbar im Schuldienst, ist das nachgerade absurd. Und wenn ich an die Skandale bei kirchlichen Institutionen über die Länder hinweg denke - waren die Täter (Priester etc.) alle schwul? Ich glaube das nicht. Ich vermute da auch ganz viel in Richtung Machtausübung, und da scheinen die Täter in Bezug auf das Geschlecht ihrer Opfer relativ flexibel zu sein.


    Ich finde es übrigens auch interessant, wenn mich z.B. ein Mann darauf aufmerksam macht, dass ein Kellner schwul ist. Mir fällt so was meist gar nicht auf und ich frage mich dann, woran der Mann das erkannt hat. Ich vermute, bessere Antennen als ich, die ich ja nicht zum "Beuteschema" gehöre. Oder er irrt sich einfach, kann ja auch sein. Und dann gibt es Fälle, das ist es so eindeutig, dass sogar ich es sehe. Ich finde daran auch nichts Schlimmes. Also daran, dass es mich interessiert. Allerdings tratsche ich nicht oder beurteile den Menschen negativer. Da tue ich mir z.B. bei politischen Einstellungen schwerer. Was ja streng genommen auch fragwürdig von mir ist.

    Also meines Empfinden nach ist Homophobie leider immer noch ordentlich verbreitet.

    Es fällt mir schwer, es zu beurteilen, wie das nun wirklich unter den Jugendlichen ist. In der Schule äußern sich v.a. muslimische Jungs sehr vehement gegen Schwule (Lesben scheinen keine Rolle zu spielen). Ich kann nicht beurteilen, ob die deutschen Jungs anders denken oder ob sie es als "passend" gelernt haben, ihre Meinung nicht so offensiv kund zu tun. Ich kann auch nicht beurteilen, wie viel in homophoben Äußerungen als Provokation gemeint ist. Zudem kommt dazu, dass Jugendliche oft noch ihre Identittät suchen und sich da vielleicht auch vehementer abgrenzen wollen / müssen, weil sie vielleicht Angst haben, ungewollte Seiten in sich zu entdecken.


    Dennoch, auch wenn ich all das relativierend in Betracht ziehe, erschrickt es mich immer wieder, wie verbreitet homophobes Gedankengut immer noch ist bzw. frage mich, ob mein Eindruck, dass es z.T. wieder stärker wird, stimmt oder ob das daran liegt, dass ich mich inzwischen mehr traue als früher, bestimmte Themen anzuschneiden. Oder ob es daran liegt, dass der Anteil der Moslems (das sind eben diejenigen, die sich offen gegen Homosexualität äußern) in meinen Klassen gestiegen ist.


    zweimal edit wegen Sprache. #rolleyes

    janos, auf wen beziehst du dich in deinem letzten Post? Ist mir gerade nicht ganz klar.


    Auch ich denke nicht, dass Homosexualität etwas "Normales" für die meisten Leute ist. In der Schule erlebe ich es ja tagtäglich, dass viele Menschen damit Probleme haben bzw. Homosexuellen gegenüber eine sehr abwehrende Einstellung haben.


    Dennoch möchte ich mich dagegen wehren, wenn der Eindruck entsteht, dass das in Ba-Wü schlimmer sei als in anderen Bundesländern. Das glaube ich schlicht und ergreifend nicht.

    Ehrlich gesagt ärgere ich mich ziemlich über die Aussage, dass es in Bayern und Baden-Württemberg bei "den meisten Leuten" unter Rufmord fällt. Ich lebe in Baden-Württemberg. Mir ist nicht bewusst, dass es hier bei "den meisten" unter Rufmord fällt, wenn über eine homosexuelle Orientierung spekuliert wird. Und ausgerechnet Frau Schavan als Beleg für diese Aussage heranzuziehen, nun ja.

    Ich habe hier im Forum schon öfter den Eindruck gehabt, dass die südlichen Bundesländer als megakonservativ verschrieen sind. Mich enttäuscht diese undifferenzierte Wahrnehmung, wo doch in Bezug auf andere Themen (z.B. Rassismus) sehr genau draufgeschaut wird, ob eine Aussage Schubladendenken befördert.

    Ich denke, in jedem Bundesland gibt es konservative (im negativen Sinne) Menschen und andere. Das dürfte z.T. weniger Zusammenhang mit dem Bundesland haben als mit anderen Faktoren, möglicherweise Stadt-Land, Bildungsniveau, ökonomische Verhältnisse, Religion, was auch immer.

    So kann ich z.B. sagen, dass die Erfahrungen von Familienmitgliedern, die einige Zeit in Ostwestfalen verbracht haben, in mir den Eindruck erweckt haben, dass Baden-Württemberg dagegen geradezu flippig-bunt war (ist schon Jahre her). Das war aber nur eine Stadt, und insofern kann ich doch nicht beurteilen, wie es im Bundesland Nordrhein-Westfalen ist.


    Einstellungen wie die Frau Schavans sind also nicht repräsentativ für Ba-Wü, sondern u.a. auch für gewisse christliche Kreise. Es gibt hier Menschen, die Abweichungen von der heterosexuellen Norm schlimm finden ebenso wie solche, denen es egal ist bis hin zu denen, die Homosexualität hipp finden.


    In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass nicht Ba-Wü ein Extrakonkordat mit der katholischen Kirche hat, sondern Nordrhein-Westfalen. Wenn ich nun aber daraus schließen würde, dass die Leute aus diesem Bundesland erzkonservativ christlich sind, würden sich sicherlich einige hier (zu Rech) auf den Schlips getreten fühlen.


    Langer Rede kurzer Sinn: ich würde mich sehr freuen, wenn hier weniger Klischees über (die südlichen) Bundesländer verbreitet würden. Ich lebe hier sehr gerne.

    Ist jetzt wohl schon spät, aber auch Lehrern wird geraten, sich in den Ferien krankschreiben zu lassen. Das hat irgendwas damit zu tun, dass, wenn man eine längere Erkrankung hat oder so, bestimmte Zeiten vollkriegen muss, wenn man dann Anspruch auf betriebliche Wiedereingliederung haben will. Hlaube ich. Unabhängig von Besmten- oder Angestelltenstatus.