Gender-Kacke in Schule und Alltag

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  • Hintergrund war glaub ich, dass ZahnärztInnen nicht selbst Werbung für ein Produkt machen durften und zu behaupten man sei Zahnartz/Zahärztin irgendwie Amtsanmaßung war. Also war die Zahnarztfrau die billige Lösung... ;)

    Der Hintergrund war meiner Kenntnis nach etwas anders: Die Dame war die "Frau eines Zahnarztes", wie es in späteren (dann natürlich nicht mehr so erfolgreichen) Spots hieß. Wie weit will die Werbeindustrie denn die Frau noch degradieren? Ja, das hat auch mich stark gestört.

    Zitat

    Du hast nicht genug Tränen für das, was du mir angetan hast.

    (Oomph - "Wunschkind")

  • Ich hätte noch länger als die erste Hälfte geschaut, aber dann bekam mein Sohn Albträume und musste getröstet werden. War wohl so eine ähnliche Faszination bei mir wie wenn man einen Horrorfilm anschaut und sich ganz schlimm ekelt, aber trotzdem irgendwie nicht ausschalten kann #hammer

    Aber mal was anderes-
    könnt ihr mir erklären, warum unsere Söhne so extrem "jungenhaft" sind? Ich meine, ich höre und lese immer wieder, dass die Geschlechterrollen soziale Prägung sind und basta. Nun halte ich mich für eine emanzipierte Frau, die das auch nach außen hin ausstrahlt. Meine Kinder, das wusste ich schon vor ihrer Geburt, würde ich klischeefrei aufziehen und weder die Jungs tarnfarben kleiden und nur mit Autos spielen lassen noch die (fiktiven, ich habe keine) Mädchen in rosa Rüschenkleidchen Barbies bemuttern schicken. Trotzdem habe ich mich selbst schon des öfteren seufzend (meist zu mir selbst) sagen hören, es sind halt Jungs, da machste nix dran...
    Dass Kinder spätestens im Kindergarten forciert nach ihrer Geschlechterrolle suchen und dort auch teils dem Elternhaus entgegengesetzt sozialisiert werden- geschenkt. Aber zumindest die beiden Großen waren einfach von Anfang an in ihrem Verhalten und ihren Neigungen so ganz anders als gleichaltrige Mädchen. Klammern wir den Mittleren mal noch aus, vielleicht hat der sich ja schon immer am großen Bruder orientiert. Aber was ist mit dem Ältesten? Der hatte als Säugling und Kleinkind die gleichen Spielsachen wie die Mädchen aus seiner PEKiP-Gruppe, also Kaufladen, Küche, Autos, Puppen, Stofftiere etc., das ganz normale Programm. Gespielt hat er trotzdem von Anfang an anders. War von Anfang an, wie der andere Junge aus der Gruppe, körperlich aktiver. Wollte als Kleinstkind niemalsnicht sich hinsetzen und ein Buch mit mir anschauen, sondern hat Häuser und Straßen aus seinen Büchern gebaut.
    Seit dem Kindergartenalter sind die Themen natürlich eh die klassischen "Jungsthemen": Feuerwehr, Ritter (mit Kämpfen!!! es macht mich wahnsinnig), Fußball. Vor allem von der Kämpferei bin ich so oft so genervt #augen Aber sie stehen total drauf, versuchen gar nicht, sich verbal über irgendwas zu einigen (dabei sind meine Kinder alle recht wortgewandt), sondern kämpfen oft um des Kämpfens Willen, und wenn mein Mann oder ich dazwischengehen, weil sich grade einer richtig wehgetan hat, sind wir die Bösen, gegen die sich die Kinder verbünden. Hier im Elternhaus wird garantiert keine Gewalt als Lösungsmöglichkeit vorgelebt.
    Sorry, das war jetzt alles etwas wirr und nicht auf den Punkt, fürchte ich, aber ich bin unter Zeitdruck und kann mich nicht besser sortieren. Ich schreibe nachher nochmal. Vielleicht hat der ein oder andere aber ja jetzt schon eine Idee, warum meine Kinder so schrecklich klischeehafte Jungs sind? :D

    • Offizieller Beitrag

    könnt ihr mir erklären, warum unsere Söhne so extrem "jungenhaft" sind?

    Weil sie eben tatsächlich so sind? :)

    Ich habe einen Jungen, der total auf "Jungs"themen abfährt und einen, der da (noch) eine sehr gute Mischung hat, trotz des Vorlebens des älteren Bruders. Sie sind halt beide so, wie sie sind.

  • Ich meine, ich höre und lese immer wieder, dass die Geschlechterrollen soziale Prägung sind und basta. Nun halte ich mich für eine emanzipierte Frau, die das auch nach außen hin ausstrahlt. Meine Kinder, das wusste ich schon vor ihrer Geburt, würde ich klischeefrei aufziehen und weder die Jungs tarnfarben kleiden und nur mit Autos spielen lassen noch die (fiktiven, ich habe keine) Mädchen in rosa Rüschenkleidchen Barbies bemuttern schicken. Trotzdem habe ich mich selbst schon des öfteren seufzend (meist zu mir selbst) sagen hören, es sind halt Jungs, da machste nix dran...


    So - genau mein Thema, nur mit nem Mädchen... Ich war immer ein eher „unweibliches“ Mädchen, wollte nienienie Röcke oder pink tragen, musste beides, da meine Mutter kompensieren musste, dass sie immer die Sachen ihres älteren Bruders auftagen musste. Nun, und ich hab meinem älteren Bruder die Klamotten aus dem Schrank geklaut...

    Wie auch immer. Mit dem starken Bedürfnis, möglichst genderneutral zu erziehen und zu kleiden wurden möglichst neutrale Sachen angeschafft und dann: Unsere Tochter kümmert sich nen kalten Kehricht um Autos, außer wenn sie bekocht und gefüttert und gewickelt! werden können. Sie liebt ihre Puppen und könnte den ganzen Tag nix anderes Spielen.

    Wir haben uns „abgefunden“ und unterstützen sie in ihren Vorlieben, genau so, wie wir es auch getan hätten, wenn sie andere Eigenschaften gehabt hätte. Aber kurz schlucken musste ich schon, dass gerade meine Tochter „so ein typisches Mädchen“ ist (wie ich es nie war und auch nie sein wollte).
    Und nun sind wir irre gespannt, was das Sommerkleinchen wird und was uns dann noch so erwartet.

    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. (Nietzsche)

  • naja, ich hab hier ein mädchen, das eigentlich nie mit puppen spielt. #weissnicht ich selbst hab das sehr ausgiebig getan, bin aber sonst nicht so das "typische" mädchen gewesen und hatte viele jungs-freunde.
    das problem ist doch genau das: du denkst, ach typisch junge halt. und steckst das kind somit in die vorbereitete schublade. mein kind ist halt nicht so typisch mädchen. was mach ich jetzt damit?

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12

    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.

    #rose 49,7

    • Offizieller Beitrag

    Matsu: Gerade mit meiner großen Tochter (die ist jetzt 13) ging es uns genauso:
    Zwischen drein und 5 gab es nur rosa KLamotten, alles Blaue, Grüne, sogar auch Gelbe und Orangefarbene wurde fast komplett verweigert. Barbies hielten Einhzug und wurden fleißig bespielt. Lego: Ging fast gar nicht.
    Ich stand da wirklich vor einem Rätsel.
    Mittlerweile hat es sich gebssert. Rosa ist nun verpönt. Schminken tut sie sich höchstens zum Spaß (viele Mädchen in ihrer Klasse gehen geschminkt in die Schule).
    Bei Tochter nr. 2 sah es schon anders aus: Die baut viel (sowohl mit Konstruktionsspielzeug als auch mit Pappe, Verpackungen etc.), experimentiert viel, hatte auch eine Barbie-Phase, aber nicht so ausgeprägt.

    Man muss sich eben vor Augen halten, dass es eben eine starke statische Verteilung gibt. Wichtig ist da, immer die INdividualität zu sehen. Und genauso, wie ich möchte, dass ein Mädchen, das untypisch ist, sich entwickeln kann, so soll natürlich auch ein Mädchen mit eher typischen Vorliben ihre Möglichkeiten haben.

    Beide Möglichkeiten stehen gleichwertig nebeneinander - das sollte das Ziel sein. Und dann noch die 1001 Varianten dazwischen!

  • Ich habe mit Puppen gespielt. Und mit Barbies. Und mit Playmo. Und Lego. Und später habe ich Games gezockt. Und ich stricke gerne. Ich hantiere gerne mit Hammer und Säge. Und backe für mein Leben gerne. Meine Kinder mögen Lila, Rosa, spielen mit Puppen, Playmo, Lego, kochen in der Matschküche und bauen mit mir zusammen Raumfähren aus Klopapierrollen.
    Es ist die Vielfalt. Es ist kein "Obwohl X/Y", es ist kein "Trotz X/Y...", es ist "sowohl X als auch Y... "

    Genderneutral heißt nicht, sich in grau zu kleiden. Genderneutral bedeutet, die gesamte Farbpalette auszuschöpfen und das zu nehmen, dass einem gefällt. Und wenn das Puppen und Rosa sind, dann ist das in Ordnung.

    Ich hänge mich erst auf, wenn alle Stricke reißen!

    Einmal editiert, zuletzt von Njnia (3. März 2015 um 09:31)

  • Schhnobbel, ich *glaube* inzwischen, daß manche Verhaltensweisen tatsächlich eher auf Jungs oder Deerns zutreffen.
    Ich meine damit weniger einzelne Tätigkeiten/Spielsachen, sondern eben sowas wie kämpfen, sich körperlich messen. Und ja, da sehe ich eindeutig die Jungen in der großen Mehrheit und die Mädchen in der kleinen Minderheit.
    Warum? Keine Ahnung, im KiGa-Alter hängt es sicherlich mit der "kleinen Pubertät" und dem dazugehörigen Testosteron zusammen, aber davor? #weissnicht

    "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer se sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinaus lief." Terry Pratchett: Die volle Wahrheit
    LG Bryn mit Svanhild (*01), Arfst (*02), Singefried (*09) und Isebrand (*12)

  • Ich meine damit weniger einzelne Tätigkeiten/Spielsachen, sondern eben sowas wie kämpfen, sich körperlich messen. Und ja, da sehe ich eindeutig die Jungen in der großen Mehrheit und die Mädchen in der kleinen Minderheit.


    ich sehe ganz krass die unterschiede in der Sozialisierung.

    z.B. schauen die Jungs im Kiga durch die bank weg star wars clone wars. Und was wird da getan? gekämpft oder sich finster angestarrt. was spielen sie? kämpfen und sich finster anstarren.

    meine Tochter will sich auch dauernd körperlich messen, aber irgendwie scheinen die meisten erwachsenen das als unangemessen zu empfinden. in ihr freundebuch hat sie reingeschrieben, dass sie gerne gewinnt. was denke ich: "wie unsympathisch." und "damit bekommt sie bestimmt probleme."

  • Ich glaube auch, dass wir als Eltern mit unserer "Erziehung" nur einen sehr geringen Einfluss darauf haben, wie unsere Kinder ihre Geschlechtsidentität ausleben.
    Da hängt so viel vom angeborenen Charakter und auch anderen Umwelteinflüssen ab, dass man da nur in kleinem Rahmen lenken kann.
    Ich finde es auch total wichtig, eine breite Palette an Spielzeug oder Kleidung anzubieten, damit die Kinder wählen können. Aber es ist doch wichtig, dass sie sich dann für das entscheiden, was sie wirklich wollen. Und wenn das bei Jungs eben jungstypisches Spielzeug ist, dann ist das eben so. Und wenn Mädchen rosa-glitzer lieben, tja, dann eben auch.

    Ich bin auch erst am Sonntag wieder fast vom Stuhl gefallen, als die Schwiegermutter für die Kleine (gerade 3 geworden) einen Schlafanzug mit großem Arielle-Aufdruck , Pailetten und Rüschen (immerhin in blau) mitbrachte, weil ihr die Verkäuferin erzählt hat, das gefällt den Mädchen eben heute. Ich sowie alle anderen Miglieder der Kernfamilie finden das Teil megahässlich, aber unsere Kleine war absolut begeistert #pfeif .

    Meine Mittlere hat übrigens auch nie richtig mit Puppen gespielt, mag weder rosa noch ist sie besonders scharf auf Kleider (auch wenn sie ab und zu ihre Lieblingskleider anzieht). Die Kleine liebt ihre Puppi und ist damit das erste Kind hier, das gern mit Puppen spielt.

  • Mein Sohn ist eigentlich auch in vielen Verhaltensweisen "typisch Junge". Er hat von klitzeklein Autos geliebt, obwohl er anfangs keine zum Spielen hatte. Puppen und Kuscheltiere sind ihm völlig egal. Er spielt in Rollenspielen auch iel Kämpfen usw.


    Und Vorlesen/Bücher hätte ich jetzt gar nicht in "typisch Mädchen" eingeteilt? Alle Jungs, die ich kenne lieben es, vorgelesen zu bekommen.

    Mein Sohn hatte eine ausgeprägte Phase, in der er Rosa, Glitzer usw toll fand. Und auf Mädchenspielzeug neidisch war, Fillypferde haben wollte. Das war leider schon in dem Alter, in dem die soziale Kontrolle so stark gegriffen hat, dasser sich das selbst verboten hat :(. Ich habe ihm zB dann auch Fillys gekauft, die hätte er nie und nimmer in den Kiga mitgenommen. Und ein, zwei Jahre später waren die Mädchenseiten im Playmobilkatalog dann "bäh" und wurden schnell überblättert.


    Das ist das, was ich sehr schade finde. Ja, ich glaube auch, dass es statistische (also im Durchschnitt veranlagte) angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Aber diese wirken sich meiner Meinung nach nicht auf solche Dinge wie Lieblingsfarbe aus, sie werden insgesamt durch die Sozialisation deutlich verstärkt und es betrifft eben immer nie "alle" Kinder eines Geschlechts. Ich finde es einen sehr anschaulichen Vergleich, wenn man die Körpergröße betrachtet. Männer sind statistisch gesehen im Durchschnitt größer als Frauen. Daraus zu schlussfolgern, alle Frauen müssen nun kleiner als alle Männer sein, ist hanebüchen.

  • man darf ja auch nicht vergessen, daß sozialisation von der gesamten gesellschaft gemacht wird, und nicht nur von der familie. also, selbst, wenn es in der familie überhaupt keine, nicht mal unbewußten, geschlechtsstereotypische erwartungen gäbe (was doch sehr unwahrscheinlich ist), wäre da immer noch der rest der welt, inklusive medien. schließlich zieht man sein kind nicht in einer kiste groß.

    ich finde ja immer noch, daß das schon etwas ältere buch "typisch mädchen!" von marianne grabrucker anschaulich beschreibt, wie das passiert, selbst wenn man sich um das gegenteil bemüht.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Die Dame war die "Frau eines Zahnarztes", wie es in späteren (dann natürlich nicht mehr so erfolgreichen) Spots hieß. Wie weit will die Werbeindustrie denn die Frau noch degradieren? Ja, das hat auch mich stark gestört.

    Ja sag ich doch. Sie war aber deshalb die Werbefigur, weil der Zahnarzt selbst in der Werbung nicht gegangen wäre damals. Darum hat man auf "seine Frau" zurückgegriffen, auf die ja die Kompetenz ihres Mannes sicher schon irgendwie abgefärbt hat... #augen

    Was die Geschlechterrollen bei (kleinen) Kindern angeht, bin ich auch überfragt. Ich denke mal, es ist wie Kalliope es sagt. Sie sind einfach so. Ohne dass man irgendwas "falsch" oder "richtig" gemacht hätte. #weissnicht

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.

    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).

    giphy.gif

    In meinem Waldland geht ein Monster um...

  • ich halte fürsorglichkeit übrigens bei beiden geschlechtern für eine fördernswerte Eigenschaft. Hab mich immer gefreut, wenn meine Tochter ihre Kuschekltiere getragen und gestillt hat. mein sohn hat sich auch sehr aufopferungsvoll um Kuscheltiere gekümmert, bis er im Kiga mit Cars- und Star wars-Zwang konfrontiert wurde.

    Seit 2 Wochen gibt er mir nun nicht mehr vor anderen einen kuss, weil sein bester freund gesagt hat: "Iiih, Jungs küssen nicht!"

  • Seit 2 Wochen gibt er mir nun nicht mehr vor anderen einen kuss, weil sein bester freund gesagt hat: "Iiih, Jungs küssen nicht!"

    #knuddel

    Das geht vorbei. Mein Pubertist schaffte es letztens, mich auf dem Schulhof vor versammelter Mannschaft zu umarmen und es war ihm nicht die Bohne peinlich. 2 Jahre lang hat er die Straßenseite gewechselt, wenn er mit seinen Typen unterwegs war und ich in Sicht kam.

  • Ach, für mich persönlich kann ich das verknusen, aber ich finde es zum heulen, dass er sich so verbiegen muss, anstatt seine Gefühle so auszudrücken, wie er das möchte. :(

  • Das Schwierige ist ja, dass diese Dinge so tief im Unterbewußtsein drin sind, dass es manchmal schon Kraft kostet, sich nicht von diesen Wertungen leiten zu lassen.

    Mittlerweile hat es sich gebssert. Rosa ist nun verpönt.


    Hier zum Beispiel (nix für ungut, das geht mir ja oft ähnlich!), die "mädchentypische" Eigenschaft ist nicht so gut, sie hat sich "gebessert". Klar, sowohl Dinge wie rosa Kindersachen und Schminken als auch fast ausschließliche Kampfspiele aufgrund von Gruppendynamik kann man irgendwie blöd finden, aber da ist es ja dann wieder unglaublich schwer, das so auseinanderzudifferenzieren - noch schwieriger, diese Differenzierung dann an das Kind heranzutragen. #weissnicht

    Ich hab auch ewig meine kleine Schwester belächelt, weil sie sich sehr geschminkt hat, weil sie rosa Kleidung mochte, weil sie sich sehr, sehr übertrieben weiblich kleidet(e), ihre Figur unterschwellig kritisiert, weil man die Rippen zählen kann, lauter so Zeugs. Es hat mich einige Jahre gekostet, bis ich kapiert habe, dass sie so ist, dass sie zwar eine Figur wie ein Model hat, die aber zu ihr gehört (und schön ist!), und nicht ungesund entstanden, dass sie rosa mag, wie andere blau (sic!) (ok, das mit dem Schminken war nicht so cool, das hat sie vor allem aus Unzulänglichkeitsgefühlen heraus getan - hier ist aber nicht das Symptom das Problem, sondern die Gefühle, und mit Kritik kommt man denen sicher nicht bei, im Gegenteil!). Ich habe mich bei ihr entschuldigt und finde es nach wie vor peinlich und schrecklich, dass ich so über sie geurteilt habe. Es ist mir eine Warnung, mich ständig aufmerksam zu hinterfragen - und wie nervig das manchmal ist!

    Wenn ich von teils aufgeklärter Freundesseite höre, dass Jungs doch im Schulsystem benachteiligt werden, weil sie einfach wilder sind, dann bin ich einfach traurig, dass es nicht um wildere Kinder gehen kann, sondern um eine Vielfalt an sehr unterschiedlichen kleinen Menschen mit Penis, die eben zu einem statistisch größeren Teil wild sein sollen als solche mit einer Scheide.
    Gleiches gilt eigentlich auch in Bezug auf die gläserne Decke und strukturelle Benachteiligung von Frauen - da wird jeder mit einer Vagina in die "ist xyz"-Schublade gesteckt, egal ob "die Mutter" überhaupt hauptsächlich die Kinderbetreuung übernimmt oder das naturwissenschaftliche Studium sehr gut bestanden wurde, schüchterne, unsichere Männer fallen auch teils aus dem Raster, ebenso Väter, die dieser Rolle aus welchen Gründen auch immer mehr Zeit und Energie widmen möchten, als der "Durchschnittsvater", die Rollenbilder haben sich bis dahin so weit verfestigt, dass die angenommenen Durchschnittswerte unbesehen auf anhand ihrer Geschlechtsmerkmale durchsortierten Menschengruppen übertragen werden, vielfach, ohne die Person auch nur genauer zu betrachten.
    Kein Spielraum. Und die Grenzen sitzen überall. Einfach überall. Selbst in der kleinsten Alltagsritze. #haare

  • ribisel: #laola

    Zu erwarten, dass etwas, das in 20 Millionen Jahren Menschheitsgeschichte gewachsen ist, in nicht einmal 40 Jahren (ich setze hier mal die '68er als endgültigen Wendepunkt "pro femini") korrigiert werden kann, ist illusorisch und daher völlig realitätsfern. Dennoch sollte diese Korrektur weitergehen. Aber bitte so sanft wie sich die Fehler aufgebaut und potenziert haben.

    Man begann Mitte der '70er Jahre mit Versuchen, in Kindereinrichtungen Stereotype aller Art aufzubrechen. Zunächst durften Jungs mit Mädchensachen spielen und umgekehrt. Das hat auch noch bestens funktioniert. Das Projekt drohte erst zu scheitern, als man die Mädchen nicht mehr mit Mädchenkram und die Jungen nicht mehr mit Jungenkram spielen ließ. Danach durften dann doch (wieder) alle Kindern mit allen Spielzeugen ihrer Wahl spielen. Ergo: Man kann das nicht mit der Brechstange erzwingen.

    Zitat

    Du hast nicht genug Tränen für das, was du mir angetan hast.

    (Oomph - "Wunschkind")


  • Zu erwarten, dass etwas, das in 20 Millionen Jahren Menschheitsgeschichte gewachsen ist, in nicht einmal 40 Jahren (ich setze hier mal die '68er als endgültigen Wendepunkt "pro femini") korrigiert werden kann, ist illusorisch und daher völlig realitätsfern. Dennoch sollte diese Korrektur weitergehen. Aber bitte so sanft wie sich die Fehler aufgebaut und potenziert haben.


    ähm. nein? du gehst davon aus, dass geschichte linear fortschreitet. dem ist nicht so. das was wir jetzt haben ist nicht die logische konsequenz aus 20 millionen jahre geschichte, sondern das resultat der nachkriegszeit. gehe 150 jahre zurück und du hast etwas ganz anderes. gehe in andere teile der welt und es ist ganz anders.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12

    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.

    #rose 49,7