Gender-Kacke in Schule und Alltag

  • Hat hier jemand einen Zeit+ - Account? Mich würde dieser Artikel doch sehr interessieren...

    http://www.zeit.de/2018/15/met…nismus-gleichberechtigung


    (ggf. ist ja nur der Teaser so dämlich formuliert, aber bei Jens Jessen glaub ich da nicht dran)

    Ich habe ein normales Abo und kann dir den Artikel gerne per Post schicken.

    Ich habe ihn vorhin überflogen und mein spontaner Eindruck ist, dass er auch in Feuilleton stehen könnte: teilweise sehr selbstbezogenes Geschwurbel von wegen, dass Männer in der metoo-Debatte nur falsch reagieren können und dass alle Männer in einen Topf geworfen werden. Es hat mich an Diskussionen zu Alltagsrassismus erinnert. Der arme Mann kann nichts dafür, dass er ein Mann ist. Dass er deswegen in manchen Bereichen privilegiert ist, kommt in dem Artikel gar nicht vor.


    Ich fände es total spannend, wenn Menschen ohne großen Aufwand ihr Geschlecht ändern könnten (wie bei der culture in Iain Bank's Romanen). Ob Jessen dann wohl eine Frau sein wollte? Irgendwie glaube ich nicht daran, auch wenn er so rumjammert.

    Mirjam mit Clown (2006) und Spaßvogel (2008) und Quatschkopf (2010)

  • Meine Mama rasiert sich nicht und kannte das auch nicht (DDR). Es war ihr so befremdlich, dass sie es mir nicht erlaubt hat, das war so Anfang der 90er. Ich habe mich aber so unwohl gefühlt damit als Teenie, war neidisch auf die, die es durften, dass ich es heimlich doch gemacht habe, mit dem einzigen Werkzeug, dass mir zur Verfügung stand. In meinem Nagelpflegeset war so ein "Rasierding", das habe ich genommen bis ich endlich offiziell einen Rasierer durfte und habe mich oft geschnitten. Heute weiß ich, dass dieses Rasierding ein Hornhauthobel war *autsch*.

    Liebe Grüße, Lillian

    "Okay Hazel Grace?"

  • Was sind denn "Naturvölker" eigentlich? #gruebel Mir ist das ganz ehrlich nicht klar.

    Yanomami? Massai? Andere?

    Spontan würde ich nämlich sagen, dass auch die "natürlichsten" Naturvölker gestalten. Indem sie sich anmalen, Haare wachsen lassen oder abschneiden oder flechten, Ohrringe oder andere Dinge tragen usw. Von daher fällt es mir persönlich schwer, aus dem Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Rasuren etc. irgendetwas für mich schließen zu können. Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • Es war ihr so befremdlich, dass sie es mir nicht erlaubt hat, das war so Anfang der 90er

    ganz kurz flackerte in mir ein gefühl auf, was in deiner mutter gefühlsmäßig vorging.


    denn so geht es mir, wenn ich mir vorstelle, dass sich meine töchter womöglich mit ihrer schambehaarung genauso unwohl fühlen wie du mit deinen beinhaaren.

    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Ich habe mir vorher nie GEdanken darüber gemacht, ob andere Menschen in anderen Ländern ev.t weniger Körperbehaarung haben O_o

    Ich auch nicht, hatte nur gesucht nachdem..ich glaube es war ainu schrieb, dass Naturvölker sich ihrer Behaarung nicht schämen würden.

    *kräh* Ich war's!

    Spontan würde ich nämlich sagen, dass auch die "natürlichsten" Naturvölker gestalten. Indem sie sich anmalen, Haare wachsen lassen oder abschneiden oder flechten, Ohrringe oder andere Dinge tragen usw. Von daher fällt es mir persönlich schwer, aus dem Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Rasuren etc. irgendetwas für mich schließen zu können. Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

    Ich wollte auf die Kulturabhängigkeit von Schönheitsidealen hinaus und hatte die Idee im Hinterkopf, dass z.B. Naturvölker unsere enthaarten Beine ebenso merkwürdig und ihrem Schönheitsideal widersprechend finden, wie wir z.B. Tellerlippen oder Schmucknarben.

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    In meinem Waldland geht ein Monster um...

    Einmal editiert, zuletzt von Rattenkind ()

  • Tellerlippen...

    Oder diese Ringe um den Hals...

    Lotusfüße...


    Was doch allen Kulturen gleich ist - es sind immer die Frauen, die die einschränkendsten und schlimmsten Veränderungen mit sich machen lassen müssen. Zumindest fällt mir spontan nichts Entsprechendes bei Männern ein.

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • Eine Freundin meiner Mutter hat hochhackige Hausschuhe, weil ihre Sehnen so verkürzt sind, dass sie in flachen Schuhen oder barfuß nicht mehr laufen kann. :stupid:


    Das geht für mich fast schon in Richtung Lotusfüße.




    Oh, und was mir grad völlig aus dem Zusammenhang einfällt: Meine Mutter selbst trug bis zu den Wechseljahren immer Kleidergröße 36 - und hat immer gesagt, sie fände sich zu dick. :(

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


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  • Mir fielen noch Ganzkörpertatoos ein oder Brandings, was die Männer machen. Und da war was mit Penis, aber nicht beschneiden, irgendwie hochbinden oder so, muss ich mal vorsichtig googlen (damit ich nicht in merkwürdigen Foren lande mit Bildern grusel ).


    Edit: Das mit den Narben waren doch die Frauen.

    Einmal editiert, zuletzt von Schnickschnack ()

  • nez perce Diese Liste zu "traditionellen Körpermodifikationen" finde ich zum Thema sehr interessant, allerdings geht daraus leider absolut nicht hervor, wie sich das auf Frauen und Männer verteilt. Es betrifft aber ganz gewiss nicht nur Frauen (mir fallen spitz zugefeilte Zähne, bewusst herbeigeführte Schädeldeformationen, Tätowierungen anlässlich von Übergangsritualen ein).

  • Tellerlippen...

    Oder diese Ringe um den Hals...

    Lotusfüße...


    Was doch allen Kulturen gleich ist - es sind immer die Frauen, die die einschränkendsten und schlimmsten Veränderungen mit sich machen lassen müssen. Zumindest fällt mir spontan nichts Entsprechendes bei Männern ein.

    Ich erinnere mich an Jungs, die ihre Hand in ein Nest von giftigen Ameisen stecken.


    Aber wenn deine These stimmt, was sagt uns das?

  • Hat hier jemand einen Zeit+ - Account? Mich würde dieser Artikel doch sehr interessieren...

    http://www.zeit.de/2018/15/met…nismus-gleichberechtigung


    (ggf. ist ja nur der Teaser so dämlich formuliert, aber bei Jens Jessen glaub ich da nicht dran)

    Wenn Du mir Deine Mailadresse PNst, schick ich Dir ein PDF. Blöd, dass man keine einzelnen Artikel kaufen kann.


    Jens Jessen lässt mich auch nichts Gutes ahnen, habs aber noch nicht gelesen. Nächste Woche antwortet dann Bernd Ulrich.


    Ich habe ihn vorhin überflogen und mein spontaner Eindruck ist, dass er auch in Feuilleton stehen könnte: teilweise sehr selbstbezogenes Geschwurbel von wegen, dass Männer in der metoo-Debatte nur falsch reagieren können und dass alle Männer in einen Topf geworfen werden. Es hat mich an Diskussionen zu Alltagsrassismus erinnert. Der arme Mann kann nichts dafür, dass er ein Mann ist. Dass er deswegen in manchen Bereichen privilegiert ist, kommt in dem Artikel gar nicht vor.

    Ich bin meistens von diesen Leitthemen der Zeit enttäuscht. Das ist oft ein bisschen Zeitschriftenniveau, während sie bei vielen anderen Themen ja wirklich gute Artikel haben. Ansonsten bin ich wie gesagt bei luxa-rosenburg : von Jesse erwarte ich Gruselargumentation. Werd den Artikel jetzt wohl lesen, OBWOHL er von Jesse ist.

    Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.


    Konfuzius

  • naja aber der Link, der zeigt wie stark Menschen in der Welt behaart sind, zeigt auch bspw. bei Südamerika gelb - heißt sehr wenig behaart. Europa sehr stark behaart.

    Aber die Karte zeigt doch nicht an, wie viel rasiert wird, sondern wieviel Bartwuchs Männer haben?

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Wenn meine These stimmt, bin ich geneigt es so zu interpretieren, dass es auch hier wieder um Macht geht- Der Körper der Frau als Projektionsfläche und Schönheitsideale, die die Trägerin dieser Schönheit hilfloser und abhängiger machen. All diese "Verschönerungen" bedeuten eine erhebliche Einschränkung der Frauen. Mit Tellerlippen kann ich nicht essen (wie sieht es mit Reden aus, das weiß ich gar nicht), und wenn ich da nichts durcheinanderbringe, müssen dafür auch Zähne ausgeschlagen werden. Gut, Zähne werden in anderen Kulturen auch Männern ausgeschlagen, glaube ich, weil es als schön gilt. Aber da trifft es dann halt beide Geschlechter.

    Diese Ringe - da gibt es diverse Geschichten, von denen ich nicht beurteilen kann, ob sie stimmen. Was zu stimmen scheint ist, dass das Abnehmen der Ringe sehr problematisch ist, denn wer seit früher Jugend diese Ringe (und es werden im Lauf der Zeit mehr) trägt, hat schwache Halsmuskeln. Ich habe mal gelesen, dass das Abnehmen der Ringe tödlich sein soll, in einer anderen Quelle stand, dass das nicht stimme. Aber unabhängig davon dürfte es sehr unangenehm und beschwerlich sein und mit Ringen ist die Bewegungsfähigkeit ja auch eingeschränkt.

    Lotusfüße dienten wohl auch dazu zu zeigen, dass man (Mann) es sich leisten kann, eine Frau zu haben, die unfähig ist zu arbeiten. Es wäre doch schön, wenn man dazu nicht den Körper der Frau missbraucht...


    Tätowierungen und Narben mögen unangenehm sein, und ich bin nicht darüber informiert, inwieweit Frauen tätowiert und gebrandet werden, aber ich vermute mal, dass das nicht ausschließlich die Männer trifft. Sie mögen unter Umständen auch gesundheitliche Nebenwirkungen haben. Aber sie stellen mit Sicherheit nicht einen derart massiven Eingriff in die Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit der Person dar wie die oben genannten Dinge.

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • Wenn meine These stimmt, bin ich geneigt es so zu interpretieren, dass es auch hier wieder um Macht geht- Der Körper der Frau als Projektionsfläche und Schönheitsideale, die die Trägerin dieser Schönheit hilfloser und abhängiger machen. All diese "Verschönerungen" bedeuten eine erhebliche Einschränkung der Frauen. Mit Tellerlippen kann ich nicht essen (wie sieht es mit Reden aus, das weiß ich gar nicht), und wenn ich da nichts durcheinanderbringe,

    Achtung, gefährliches Halbwissen: Ich habe mal gehört, dass die Tellerlippen und andere "Verschönerungen" zumindest im Ostafrikanischen Raum dazu dienten die Frauen eben nicht schöner, sondern hässlicher zu machen, um sie weniger attraktiv für den Sklavenhandel zu machen.

  • Interessant!

    Aber inzwischen wird das dann wohl als schön empfunden, oder?

    Im Grunde ändert das aber nicht viel, finde ich. Denn auch hier ist ja wieder die Schönheit (oder deren Vernichtung) der Frauen im Fokus mit all den nachteiligen Folgen für die Betroffenen.

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • Die Ringe (eigentlich immer bloß eine Spirale) verlängern tatsächlich nicht den Hals, sondern drücken die Schultern runter. Ich vermute mal ganz frech, dass das zu fiesen Rückenschmerzen führen könnte...

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


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    Einmal editiert, zuletzt von Rattenkind ()

  • Aber inzwischen wird das dann wohl als schön empfunden, oder?

    Im Grunde ändert das aber nicht viel, finde ich. Denn auch hier ist ja wieder die Schönheit (oder deren Vernichtung) der Frauen im Fokus mit all den nachteiligen Folgen für die Betroffenen.

    Ja, ich glaube, dass dieses Aussehen inzwischen als schön angesehen wird. Zumal es ja auch Gegenden zu geben scheint, in denen es Lippenteller gibt, die nicht direkt vom Sklavenhandel betroffen waren. Hab mal kurz in den Wikpedia Artikel zum Thema geguckt. Dass es mal als "Abwehr" gegen den Sklavenhandel gedacht war, ist wohl auch nur eine Theorie.


    Dass es, unabhängig davon ob nun ursprünglich als "schön" oder "hässlich" empfunden, Genderkacke ist, sehe ich auch so.

  • naja aber der Link, der zeigt wie stark Menschen in der Welt behaart sind, zeigt auch bspw. bei Südamerika gelb - heißt sehr wenig behaart. Europa sehr stark behaart.

    Aber die Karte zeigt doch nicht an, wie viel rasiert wird, sondern wieviel Bartwuchs Männer haben?

    Nein, unter der Karte steht, dass es die durchschnittliche Körperbehaarung anzeigt.

    Wenn ich wenig Körperbehaarung habe, muss ich auch nicht rasieren. Oder habe dazu vll keinen gesellschaftlichen Druck. Bzw kann sich keiner aufbauen.

  • naja aber der Link, der zeigt wie stark Menschen in der Welt behaart sind, zeigt auch bspw. bei Südamerika gelb - heißt sehr wenig behaart. Europa sehr stark behaart.

    Aber die Karte zeigt doch nicht an, wie viel rasiert wird, sondern wieviel Bartwuchs Männer haben?

    Nein, unter der Karte steht, dass es die durchschnittliche Körperbehaarung anzeigt.

    Wenn ich wenig Körperbehaarung habe, muss ich auch nicht rasieren. Oder habe dazu vll keinen gesellschaftlichen Druck. Bzw kann sich keiner aufbauen.

    Ich denke, es geht um die durchschnittliche Behaarung der Bevölkerung. Das Bild basiert auf einer Studie von 1922. Und der Text spricht auch nicht von Rasur.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Und oha: Ich bin nicht nur gefühlt eine Minderheit: Nach dieser Statistik sind nur 2,3 der Leute in D so naturwüchsig wie ich. Und die sind wahrscheinlich alle obdachlos oder über 100.#angst


    Nee mal ehrlich: Wie kommen diese Zahlen zustande?

    Steht unter der Grafik 23 jährige Studenten in Leipzig aus dem Jahr 2008



    :D

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"