Gender-Kacke in Schule und Alltag

  • Heute morgen beim Arzt saß ein sehr junger Trans-Mensch mit mir im Wartezimmer. Frisur, Brille, Kleidung weder eindeutig männlich, noch eindeutig weiblich, aber kleine glitzerne Hängeohrringe und roter Lippenstift (erst auf den zweiten Blick als Lippenstift erkennbar, hätten auch einfach sehr rote Lippen sein können). Es war mir echt unangenehm, als der Arzt „Herr X bitte“ diesen Menschen aufrief.

    Das fühlte sich so unpassend an!


    Wisst Ihr, wie die Anrede in diesen Fällen korrekt oder zumindest respektvoll sein kann?

  • Das find ich schwierig, da es nicht unbedingt ein Transmensch sein muss. Ich kenne einen Mann, der schlicht gerne Make-up und Schmuck trägt. Es ist trotzdem Herr B.


    Solange man den betreffenden Menschen nicht direkt fragen kann, wie er/sie angesprochen werden möchte, ist’s kaum möglich, das richtig zu machen.

  • Danke für Deine Einschätzung.

    Bei meinen sehr erwachsenen Kunden hab ich da keine Schwierigkeiten (so wie Du beschreibst haben wir auch Menschen, die sich einfach „anders“ anziehen).

    Aber heute saß da so ein junges Pflänzchen, unsicher und mutig... diesen Blick bei unserer Begrüßeung... das werde ich nicht vergessen... dieser Mensch hat mich in seiner Zartheit so berührt... und dann kommt da so ein lautes und trockenes „Herr X bitte!“. Das fühlte sich so falsch an, aber ich wüßte auch nicht, wie man es besser machen könnte.


    Du hast recht, vielleicht hatten der Arzt und dieser besondere Mensch das schon lange besprochen und sind sich einig...

  • Handy am Steuer kostet in Deutschland ab 128,50 aufwärts ;)

    Rei
    Iudex ergo cum sedebit,
    Quidquid latet apparebit:
    Nil inultum remanebit.
    Quid sum miser tunc dicturus?
    Quem patronum rogaturus?
    Cum vix iustus sit securus.
    (Goethes Faust)

  • Danke für Deine Einschätzung.

    Bei meinen sehr erwachsenen Kunden hab ich da keine Schwierigkeiten (so wie Du beschreibst haben wir auch Menschen, die sich einfach „anders“ anziehen).

    Aber heute saß da so ein junges Pflänzchen, unsicher und mutig... diesen Blick bei unserer Begrüßeung... das werde ich nicht vergessen... dieser Mensch hat mich in seiner Zartheit so berührt... und dann kommt da so ein lautes und trockenes „Herr X bitte!“. Das fühlte sich so falsch an, aber ich wüßte auch nicht, wie man es besser machen könnte.


    Du hast recht, vielleicht hatten der Arzt und dieser besondere Mensch das schon lange besprochen und sind sich einig...

    Man könnte natürlich Vor- und Nachnamen nennen.

    Aber ehrlich gesagt würde ich solange beim Geschlecht bleiben, das bei der Anmeldung genannt wurde, bis die Person von sich aus sagt, dass sie sich etwas anderes wünscht.

    Ich fände es sehr peinlich, nachzufragen, ob ich nun nicht mehr "Herr X" sagen soll, wenn das schlicht ein Mann ist (und bleibt), der sich schminkt.

    Einem Bekannten ist das mal passiert, der reagierte sehr ungehalten und meinte, als schwuler Mann würde man nicht gleich zur Frau. Das ist aber bei ihm auch echt nicht so offensichtlich, ob er ein geschminkter Mann ist oder eine Trans-Frau.


    Zum Tempolimit:
    Ich fahre auch gern schnell. Aber das Tempolimit ist vernünftig, daher: Klar.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



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  • Das find ich schwierig, da es nicht unbedingt ein Transmensch sein muss. Ich kenne einen Mann, der schlicht gerne Make-up und Schmuck trägt. Es ist trotzdem Herr B.


    Solange man den betreffenden Menschen nicht direkt fragen kann, wie er/sie angesprochen werden möchte, ist’s kaum möglich, das richtig zu machen.

    das schwierige daran ist auch, dass du es aushalten musst und gar nichts tun kannst, obwohl dein Gefühl was andres sagt.


    Edit: ich wollte die.lumme zitieren und kriegs nicht mehr weg. Fühl dich bitte zitiert :)

    #yoga

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von jeya ()

  • Heute morgen beim Arzt saß ein sehr junger Trans-Mensch mit mir im Wartezimmer. Frisur, Brille, Kleidung weder eindeutig männlich, noch eindeutig weiblich, aber kleine glitzerne Hängeohrringe und roter Lippenstift (erst auf den zweiten Blick als Lippenstift erkennbar, hätten auch einfach sehr rote Lippen sein können). Es war mir echt unangenehm, als der Arzt „Herr X bitte“ diesen Menschen aufrief.

    Das fühlte sich so unpassend an!


    Wisst Ihr, wie die Anrede in diesen Fällen korrekt oder zumindest respektvoll sein kann?

    in der beschriebenen situation finde ich das "Herr x" korrekt,

    denn entweder ist es ein bekannter patient

    und wenn nicht, dann wurde die krankenkassenkarte vorgelegt und dementsprechend die person angesprochen.

    + das ich mich nur an aufrufe im wartezimmer erinnere, wo ja in den raum reingerufen wird;

    also eben so wie am empfang gemeldet. oder sogar per lautsprecher

    -also alles auf informationen basierend, die der patient über sich preis gibt

  • Wie macht man das denn bei Bewerber*innen?

    Und wie spricht man Menschen an, die sich als diverse bezeichnen/fühlen? außer mit ihrem vollen Namen? Ich hab bei der Internetsuche nichts gefunden und echte Wissenslücken.

  • Wie macht man das denn bei Bewerber*innen?

    Und wie spricht man Menschen an, die sich als diverse bezeichnen/fühlen? außer mit ihrem vollen Namen? Ich hab bei der Internetsuche nichts gefunden und echte Wissenslücken.

    Im Deutschen sind Anrede und Pronomen für nicht binäre Menschen (also die, die unter "divers" fallen würden) schwierig. Es gibt z.B. Neopronomen wie "zie", manche bevorzugen "es", da gibt es keine allgemeingültige Regelung. Völler Name geht natürlich immer 😁


    Wenn man es trans* Menschen einfacher machen möchte, kann man entweder a) alle nach ihren bevorzugten Pronomen fragen (kann man ja gleich dazu sagen, dann fühlt sich keine*r angegriffen), oder b) beim Vorstellen oder Begrüßen die eigenen bevorzugten Pronomen dazu sagen, sozusagen als Einladung für das Gegenüber, es genauso zu machen.


    Natürlich muss man das nicht so handhaben; die Meisten werden irgendwann von sich aus sagen, wie sie gern angesprochen werden möchten.

  • Danke für Dein Statement!

    Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren da ein zumindest weitestgehender Konsens entwickelt.

    Sobald man sich etwas kennt und miteinander spricht, löst sich das Problem eh schnell auf.

  • Sobald man sich etwas kennt und miteinander spricht, löst sich das Problem eh schnell auf.

    Eben. Ich finde es sehr schön, dass das Thema immer präsenter und "normaler" wird. Im Moment gibt es da noch viel Unwissen und Vorurteile.

  • Es hat sich ja schon so unfassbar viel getan in den letzten 30 Jahren.

    Wenn ich an meine Jugend zurück denke, wie unfassbar sich Freunde gequält haben mit ihrer Identität... an die unfreiwilligen Outings der Promis...

  • Ich bin grade frustriert. Ich hab gestern mit meiner Großen (3) Lego gespielt und meinte irgendwann “Wow du wirst später mal eine tolle Baumeisterin!“. Antwort: “Nein Mama, ich bin doch ein Mädchen!“ Ich war verwirrt und habe nachgehakt. Ihr großes Idol in der Kita ist A. (5), und der sagt immer: Jungs können später alles werden was sie wollen. Mädchen können nur Prinzessin werden oder putzen und kochen. #blink

    Ich kenne die Mutter und weiß woher er es hat, aber das macht es keinen Deut besser... Ich habe ihr dann erklärt was ich arbeite, und die Mutter ihrer besten Freundin, und bla bla bla. Aber mir ist klar, dass ich gegen täglich 7 Stunden in der Betreuung, wo die Erzieherinnen die Mädchen deutlich anders behandeln und gern mal in die Puppenecke komplimentieren, und die Kinder solche Klopper bringen, nicht ankomme. So ein Scheiss!! #motz

    ~~ Luxa


    Sometimes something will change and that change

    Will change you


    Strong people stand up for themselves.
    Stronger people stand up for others.


  • Re Verkehr und Tempolimit: Eigentlich wollte ich noch antworten, aber irgendwie gehört das nicht so richtig hier in den Thread, oder? Außerdem seid Ihr eh weiter, also höre ich mal auf. ;)


    luxa-rosenburg : Oh ja, nicht so extrem, aber das kenne ich auch. "Das machen nur Jungs." "Das sind Jungsfarben." "Nein, das kann ich nicht, ich bin doch ein Mädchen."

    Und ich könnte jedes Mal k***!

    Ich habe nur die Hoffnung, dass sie durch mein Vorleben und das, was ich ihnen erzähle, irgendwo doch den Keim in sich tragen, der irgendwann aufgeht.

    Und dass sie jetzt gerade einfach mal das ganz genderkonforme ausprobieren, um dann festzustellen, dass das nichts für sich ist. Oder zumindest kein Problem damit haben und es normal finden, wenn andere das für sich rausfinden und so leben wollen.

    Ich ärger mich aber immer noch, dass ich im Kindergarten nichts gesagt habe, als ein Mädchen zurechtgewiesen wurde mit einem "Du bist doch kein Junge."

  • luxa-rosenburg doch du kannst dagegen kämpfen..... Und du hast natürlich gute Chancen. Du bist ihr ein Vorbild und du unterstützt sie.... Das wiegt mehr als negatives Geschwätz

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."