Gender-Kacke in Schule und Alltag

  • aber als schutzraum, in dem beide Geschlechter wirklich frei vom anderen gut in allen Fächern sein können, die ihnen liegen. Ohne sich zurückzunehmen, weil man das als Mädchen ja nicht können darf und ohne sich eine dicke haut zulegen zu müssen.

    Als Schutzraum?????? Ganz ehrlich, ich habe eine coedukative Schule besucht (habe übrigens trotzdem (?) erfolgreich ein MINT-Fach studiert), meine Töchter besuchen eine coedukative Schlule...wäre da ein Schutzraum notwendig für die beiden Geschlechter, dann wäre es sicher die letzte Lösung die Geschlechter voneinander zu isolieren, so das jeder fein in seinem eigenen Saft schmoren kann. Irgendwann werden die Leute mit dem anderen Geschlecht zusammen arbeiten müssen, dass wird unendlich schwer, wenn man geschlechter isoliert aufgezogen wurde und es ist unendlich schade weil es so kaum eine Aufweichung von Geschlechterstereotypen geben kann. ich finde die Vorstellung entsetzlich. Was die Studien zu den angeblichen Vorteilen der Monoedukation angeht, so muss man dabei betrachten, dass es sich bei reinen Mädchenschulen fast ausschließlich um elitärte und gut ausgestattete Privatschulen handelt, dass ist eine Tatsache die man nicht vergessen sollte wenn man weiterhin Äpfel mit Tomaten vergleichen möchte. Unangenhem dabei für die Schülerinnen, dass sie dann inrgendwann in der Realität abseits ihrer Privatschulwelt aufschlagen....das führt oft zu Ernüchterung und Problemen (das dürfen wir bei unserer großen bereits nach 4 Jahren privater Grundschule beobachten).

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Für mich hört sich der Gedanke verlockend an, meine Tochter auf einer Grundschule zu wissen, auf der sie nicht täglich von den Jungs gesagt bekommt, dass sie dieses und jenes nicht kann, weil sie ein Mädchen ist (und es leider auch zunehmend glaubt). Als junge Erwachsene, die frei von solchen Vorurteilen aufwachsen durfte, ist es sicherlich einfacher, sich zu behaupten.

    Nicht jedes Kind ist mit Trotz und Kampfgeist gesegnet. Und selbst wenn, es ermüdet und unterbewusst bleibt doch so einiges hängen.

  • Aber wäre es nicht viel mehr Sinn der Sache auch an den Jungs zu arbeiten statt die Mädchen zu isolieren? Mit dem gleichen Argument zwingt man so manche Mädchen unters Kopftuch. Indem man nicht das Selbstbewusstsein der Mädchen stärkt und auf die Jungs einwirkt, sondern die Mädchen von den "bösen" Jungs isoliert..nein, ich bleibe dabei für mich ist das kein gangbarer Weg.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


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  • Ich weiß nicht, ob Koedukation oder Monoedukation besser ist, aber das Argument "später wird man mit XY konfrontiert" finde ich schwierig. Es kann auch gerade vorteilhaft sein, negative Erfahrungen erst später zu machen, weil man dann weiß, dass es auch anders geht und vielleicht auch insgesamt schon als Persönlichkeit gefestigter ist.


    Man würde ja auch kein vierjähriges Kind vor die Tagesschau setzen. Oder einen Teenager regelmäßig anbrüllen, damit es das schon mal kennt, wenn es später ein Arschloch als ChefIn hat.

  • Kiwi: ich auch. Und es war definitiv ein “trotzdem“.


    Und (wie oben schon geschrieben) klappt es im gemischten Unterricht bereits nicht, die stereotypen aufzuweichen. Seit Jahrzehnten nicht. Eher das Gegenteil.

    Und niemand sprach hier von “Geschlechter getrennt aufziehen“, lass doch die Kirche bitte im Dorf.

    Ich schrieb auch, dass ich nicht sicher bin, ob getrennter Unterricht die Lösung bringt, aber so wie bisher klappt es eben einfach nicht.

    Ich möchte, dass meine Töchter nicht mutig oder dickhäutig sein müssen, um Physik cool zu finden und das in der Schule zu zeigen. Ich möchte auch nicht, dass im schulumfeld erstaunte blicke kommen, weil sie so gut rechnet. Wo sie doch ein Mädchen und so ...

    Ich möchte auch nicht, dass es normal ist, dass sie so gut und gerne malt, weil sie ja ein Mädchen und so ...

  • Aber wäre es nicht viel mehr Sinn der Sache auch an den Jungs zu arbeiten statt die Mädchen zu isolieren? Mit dem gleichen Argument zwingt man so manche Mädchen unters Kopftuch. Indem man nicht das Selbstbewusstsein der Mädchen stärkt und auf die Jungs einwirkt, sondern die Mädchen von den "bösen" Jungs isoliert..nein, ich bleibe dabei für mich ist das kein gangbarer Weg.

    Den entsprechenden Jungseltern scheint es ja irgendwie egal zu sein, die Nachteile haben ja nicht ihre Kinder.

    Ich rede mir tagtäglich den Mund fusslig, bin selbst ein sehr gutes Beispiel einer starken Frau (AE, Naturwissenschaftlerin, freiberuflich tätig in einer männerdominierten Branche). Trotzdem lässt sie sich von Jungs dominieren und da die das merken, machen es einige.

    Übrigens hat kein Mensch was von "bösen Jungs" gesagt. Die plappern ja auch nur nach.

    Ich arbeite übrigens echt gern mit Männern zusammen. Nach dem Studium sind sie über das "ich kann im stehen pinkeln und du nicht" - Gebahren ja längst hinweg. Dann zählt nur noch, was Mensch kann.

  • Nach einigem Nachdenken halte ich Koedukation für den besseren Weg.


    Wie schon geschrieben, meine Erfahrung zeigt halt grade nicht, dass die im Schutzraum erworbene Selbstsicherheit durch die Konfrontation trägt. Das Problem ist, dass es zu dieser Konfrontation überhaupt kommt.


    Es muss in den Schulen einiges passieren. Die Jungs dürfen nicht damit durchkommen, Mädchen beurteilen zu wollen - dafür braucht es Problembewusstsein und Strategien bei den Lehrerinnen.

    Alle Kinder müssen lernen, miteinander und zusammen zu arbeiten ohne Ansehen von Geschlecht (und all den anderen Dingen, die keine Rolle spielen sollten - meinen Elektronen jedenfall ist es egal, wer sie durch die Apparatur hetzt).

    Erziehungsauftrag und so - dem Problem auszuweichen seitens des Schulsystems ist eine Form der Bankrotterklärung.

  • In unserem Viertel gibt es auch gerade einen Trend, Mädchen wieder auf Mädchenschulen zu geben, und das sind keine emanzipatorischen. Es geht mehr darum, dass Mädchen doch brav und ruhig sind und von den Jungs dann nicht so gestört werden. Es gibt 6 Mädchengymnasien in unsrer Stadt und mind. eine Mädchenrealschule. 2 davon sind staatlich/städtisch, vier katholisch.

    Meine Tochter geht auf ein traditionelles ehemaliges Jungsgymnasium und ich hätte gekämpft wie eine Löwin, wenn sie das nicht gedurft hätte. Es gibt kein Jungsgymnasium mehr hier, Jungs wird dieser "Schutzraum" also nicht gewährt.

    Ich war auf einer koedukativen Schule und ich fand es eine Bereicherung, Jungs nicht außerhalb der Schule zu treffen, sondern dort, wo man sich gut kennt und miteinander diskutiert. Alle meine Beziehungen stammen aus Schule, Uni. Nie hab ich mich auf irgendwen eingelassen, der mich auf der Straß süß fand, immer einen, der wusste, wie meine Persönlichkeit ist, was ich zu sagen habe. Nicht zuletzt wusste ich durch koedukativen Unterricht, dass ich mit Männern mithalten kann.

    Sexistische Bemerkungen von Mathe- und Physiklehrern kenne ich nicht. Ein MINT-Fach hab ich nicht studiert, mein Bruder aber auch nicht.

    Dass Frauen selten technische Berufe ergreifen in Deutschland ist allerdings nicht wegzudiskutieren.

  • Kiwi: und niemand sprach von “bösen Jungs“. Stereotypen und deren zementierung funktionieren in beiden Richtungen.


    Mein Gedanke ist, dass man evtl. sich ohne diese genderka*** anders entwickelt, mehr weiß, was man kann. Egal, ob junge oder Mädchen. Und man dann irgendwann diese grabenkämpfe, dieses abgrenzen gar nicht braucht, wenn man zusammenarbeitet.

  • Ich habe MINT studiert, in einer absoluten Männerdomäne, und das war ein ständiger Kampf. Immer wieder dumme Kommentare. Klar, manche sagen, ich hab's doch auch geschafft, stell dich nicht so an. Aber warum muss man das ueberhaupt erstmitmachend muessen? Das ist demotivierend und ernüchternd. "Frauen sind doch eh nur als Dekoration im Labor, damit die Maenner bei Laune bleiben."


    Alles will man seinen Kinder ersparen, aber solche Themen muessen sie aushalten lernen. Nein. Da das System sich nicht, kaum oder nur langsam ändert und manchmal sogar Schritte zurück macht, bin ich fuer getrennte Schulstunden. Man koennte ja auch bewusst manche Schulstunden/Faecher kooedukativ ablaufen lassen.


    Ich denke auch Jungen könnten in Kunst, Deutsch Fächern von der Abwesenheit der Maedchen profitieren "du bist ein Junge, du kannst nicht richtig malen".

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Aber es sind doch nicht nur die Vertreter des jeweils anderen Geschlechts, die die Stereotype transportieren -GeschlechtsgenossInnen können das auch ganz gut. Manchmal sogar in bester Absicht.


    Ich habe da mal die Ausführungen einer Mathematik-und-Physik-Dozentin zum frauentypischen Herangehen an Naturwissenschaften und Experimente gehört - die Frau war eine starke Befürworterin des geschlechtsgetrennten Unterrichts, und sie hatte lange genug Erfahrung, dass ich ihr diese Unterschiede ind er Herangehensweise auch klar abkaufe beobachtet zu haben. Habe ich selbst auch.


    Aber - unbenommen dass es so ist - das liegt doch nicht am X-Chromosom.

    Sondern wir alle haben vom ersten Atemzug an gelernt, wie wir Dinge angehen. Und das haben wir unterschiedlich gelernt abhängig von unserem Geschlecht. Übrigens noch dazu kulturell unterschiedlich - die stereotype "weibliche Herangehensweise" einer Kamerunerin ist diametral entgegengesetzt der stereotypen "weiblichen Herangehensweise" einer Deutschen, wie ich auch in einem Austauschprogramm lebhaft erfahren durfte.

  • bei uns früher im physik-grundkurs in der 11.1 machte der lehrer ständig witzchen, in die er die frauen einbezog. und er sagte SEHR DEUTLICH: ich bekomme den LK, wenn differenziert wird. und da will ich keine frauen drin haben. die taugen in der physik nichts. sagt das auch denen vom anderen kurs. falls eine meint, sie will doch LK wählen, dann wird die das bitter bereuen. das äußerte der. keine beschwerde dagegen brachte was (ich selbst und noch andere waren beim schulleiter).

    Bei uns war es quasi das totale Gegenteil, bei uns wurden die Mädels bestärkt, tatsächlich den Physik-LK zu wählen. Wir waren 4 oder 5 Mädels, also fast ein Drittel des Kurses, die Lehrerin hat gejubelt und in der ersten Stunde unmissverständlich klar gemacht, dass sie keine dummen Sprüche hören will in unsere Richtung.

    Wir waren einer der harmonischsten Kurse zu der Zeit.#zwinker

  • Ich möchte, dass meine Töchter nicht mutig oder dickhäutig sein müssen, um Physik cool zu finden und das in der Schule zu zeigen. Ich möchte auch nicht, dass im schulumfeld erstaunte blicke kommen, weil sie so gut rechnet. Wo sie doch ein Mädchen und so ...

    Ich möchte auch nicht, dass es normal ist, dass sie so gut und gerne malt, weil sie ja ein Mädchen und so ...

    Das möchte ich für meine Töchter auch nicht und ich ärgere mich regelmäßig, dass ich eine Menge der "Scheisse" die von so einigen Jungs in der Schule verzapft wird wieder klar stellen muss. Dennoch kann es in meinen Augen nicht angehen, deshalb auf getrennenten /Isolierten Unterricht zu setzen. Ich sitze regelmäßig der Lehrerin meiner Jüngsten auf dem Schoß und bitte um Klarstellung. Genuaso wie ich die Thematik auf dem Elternabend angesprochen habe.


    Ich sehe da keinen Sinn drin, die Mädels raus zu ziehen weil die Jungs Mist reden ...oder gar die Lehrer in den schlimmsten Fällen und ja es regt mich auf das so einige Jungseltern kein Interesse haben ihre kleinen Könige einzufangen, stelle aber auch immer wieder fest, dass eine Menge kleiner Prinzesinnen den gleichen Mist weitergeben, leider ist diese Form der Genderkacke bei weitem kein männliches Phänomen und die Tatsache das Mädchen in einer reinen Mädchenklasse davor verschont bleiben ist absolutes Wunschdenken und nicht evidenzbasiert.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Ayala Physik hab ich studiert.


    Kiwi es sind nicht nur die Jungen-Eltern, die Mist verzapfen, da gibt es doch auch eine Menge Eltern, die ihren Töchtern (nicht den Söhnen!) einreden, dass Maedchen per X-Chromosom schlechter in Mathe seien. Und jede Matheschwierigkeit wird mit "bist halt ein Maedchen" bei Seite geschoben.


    Ich empfinde schon Grundschule und Kindergarten als ziemlich sexistisch. Und das nicht nur von den Eltern, sondern auch von den Erzieherinnen, die zwar alle fuer Gleichberechtigung sind, aber dann doch immer betonen, dass Jungs halt wild sind, und Maedchen brav und frueh lesen wollen.


    Andererseits gibt es Eltern, die ihren Maedchen "Eitelkeit" verbieten, und ihnen hübsche Kleider mit Glitzer und CO verbieten. Dabei sehe ich in den Modefragen mittlerweile das geringste Problem. Das ist nur ein oberflaechiges Symptom.


    Vielleicht wollen viele auch nicht mehr diese Klischees aushebeln, viele scheinen sie ja regelrecht zu feiern?


    Kiwi und ja ich denke schon darueber nach, wie man das Problem angehen koennte. Und wuerde da ganz klar auch schon im Kindergarten anfangen und da Erzieherinnen schulen lassen, mit Grundschullehrern weitermachen. Ich denke, und hoffe, dass wenn man sich der Nuancen mehr bewusst ist, mit ein paar Studien untermauert, dass sich das vielleicht ändern koennte?


    Wie man die Gesellschaft ändert, weiss ich naemlich bis heute nicht.

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  • Kiwi es sind nicht nur die Jungen-Eltern, die Mist verzapfen, da gibt es doch auch eine Menge Eltern, die ihren Töchtern (nicht den Söhnen!) einreden, dass Maedchen per X-Chromosom schlechter in Mathe seien. Und jede Matheschwierigkeit wird mit "bist halt ein Maedchen" bei Seite geschoben.

    das sehe ich genauso, daher schrieb ich das ja eben schon.

    stelle aber auch immer wieder fest, dass eine Menge kleiner Prinzesinnen den gleichen Mist weitergeben, leider ist diese Form der Genderkacke bei weitem kein männliches Phänomen und die Tatsache das Mädchen in einer reinen Mädchenklasse davor verschont bleiben ist absolutes Wunschdenken und nicht evidenzbasiert.

    Was Deinen Lösungsansatz angeht, ja, auch das sehe ich genauso und ich bin sicher das sowohl Schule als auch Kiga ein konsequentes Feedback der Eltern brauchen denen das aufstößt.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Aber es sind doch nicht nur die Vertreter des jeweils anderen Geschlechts, die die Stereotype transportieren -GeschlechtsgenossInnen können das auch ganz gut. Manchmal sogar in bester Absicht.

    Nur funktioniert halt die Zweiteilung einer Gruppe entlang dieser Linie nicht, wenn nur die eine Seite anwesend ist. Wenn alle Anwesenden weiblich sind, dann ist „du bist doch ein Mädchen, du musst doch“ einfach kein universell anwendbares Argument mehr.