Gender-Kacke in Schule und Alltag

  • Hallo,


    Schon schlimm, ja, ein Kind z. B. ist am Ende der Geschichte tot, weil es seinen Teller nicht leer essen wollte. Da steht dann nur noch der Grabstein.


    Ein anderes, weil ihm niemand gezeigt hat, wie man mit Streichhölzern sicher umgeht und der allererste eigene Versuch dann schief gegangen ist... ("und Minz und Maunz die Kleinen, die fangen an zu weinen..." mit kommen heute noch die Tränen.


    Mir wurde es als Kind noch vorgelesen (Nein zu sagen habe ich mich nicht getraut, weil die Erwachsenen sich doch extra Zeit für mich nahmen und das Buch offenbar toll fanden, sonst würden sie es ja nicht vorlesen). Ich fand es schlimm und hab bei jedem Vorlesen wieder gehofft, daß es diesmal doch gut ausgeht.

    Bei aller Liebe zu alten und traditionellen Büchern, es gibt halt auch welche, bei denen ich es nicht schade finde, wenn sie zumindest kleinen Kindern nicht mehr vorgelesen werden und Platz für mittelalte oder neue gute Bücher machen.

  • Struwwelpeter fand ich als Kind nicht schlimm, meine Mutter hat bei Lektüre erzählt, dass sie als Kind ganz arg Angst vor der Geschichte mit der Schere gehabt hat. Ich konnte mich mit nichts aus dem Struwwelpeter identifizieren und wurde für keines der erwähnten Laster gemaßregelt. Vielleicht hat man nur Angst, wenn Eltern schwarze Pädagogen sind und das insgeheim toll finden?

  • Hallo,


    Keine Ahnung, ich hatte als Kind weder einen Hund noch hab ich Tieren weh getan, trotzdem hat mich diese Geschichte total mitgenommen. Der Arme Hund - und warum lassen die Erwachsenen zu, daß ein Kind so wird?


    Ich habe normal gegessen, aber daß ein Kind, daß keine Suppe mag, von den Erwachsenen, die es eigentlich lieben sollten täglich Suppe bekommt, bis es stribt und die offenbar noch meinten "Tja, Pech gehabt, selber schuld" , fand ich schrecklich.


    Überhaupt war für mich das Schlimmste der Verrat, den die jeweiligen Eltern begingen (Die lassen den Schneider rein, OBWOHL sie wissen, daß der Daumen abschneidet usw.) und die ihr Kind weder schützten noch traurig über dessen Tod zu sein schienen. Die einzigen, die im Buch wirklich um ein Kind trauern weinen, sind (zumindest in meiner Erinnerung) Paulinchens Katzen ...


    Neben den Schrecklichen Geschichten an sich blieb bei mir noch das Gefühl, daß zumdeinst aus Sicht derer, die das Buch mögen und vorlesen, Kinder irgendwie "austauschbar" sind. Brav sein ist das Wichtigste und sollten sie nicht brav genug sein, sterben sie halt oder bekommen zumindest lebenseinschränkende Verletzungen. Ist eben so, sind sie halt selber schuld, sie hätten ja "einfach" immer brav sein können...

  • Ich fand den Struwwelpeter als Kind eher lustig, weil der so absurd wirkte. Den Schneider fand ich aber auch irgendwie gruselig, der hatte so eine böse Fratze. Ich muss nochmal meine Mutter fragen, was sie damals dazu bewogen hat, mir das Buch zu geben. Sie ist nämlich selber mit schwarzer Pädagogik aufgewachsen und fand das ganz schlimm. Also denke ich, dass sie mir den Struwwelpeter schon irgendwie in Kontext erklärt hat.


    Das ist übrigens seit Family Guy der Running Gag über deutsche Gute-Nacht-Geschichten im englischsprachigen Ausland, ich wurde mehrmals auf das Buch angesprochen. Mein Mann wollte mir erstmal nicht glauben, dass es das wirklich gibt.

  • Ich habe vor Jahren mal einen interessanten Bericht im Radio über den "Struwwelpeter" gehört, danach ist es ein großes Missverständnis, wenn man die Intention dieses Buch als angebliche (schwarze) Pädagogik liest, mit der Kinder eingeschüchtert werden sollten.


    Das neue und anarchistische an diesem Buch sei gewesen, dass die Kinder eben nicht, wie es damals in der Literatur üblich war, als brave, gehorsame, wohlerzogene Kinder dargestellt wurden, die immer alles so machen, wie die Eltern es wollen, sondern sich einfach nicht an Regeln halten und böse Dinge tun. Dass solche "bösen Buben" in einem Buch dargestellt wurde, sei quasi unerhört gewesen (Vorbildfunktion!).

  • ich hatte das als Kind auch und habe es wohl einfach nicht ernst genommen. Das hatte so gar nichts mit meinem Leben zu tun.

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)

  • Meine Eltern haben mir das Buch erspart, obwohl wir es zu Hause hatten, aber ich habe es dann irgendwann selbst gelesen, genauso Max und Moritz.

    Ich fand beide nicht schlimm, ich hab das irgendwie als schwarzen Humor und Satire empfunden. Gefallen hat‘s mir aber nicht, ich hab mich eher gefragt, wieso ausgerechnet diese Bücher so unglaublich bekannt sind.

  • Struwwelpeter fand ich als Kind nicht schlimm, meine Mutter hat bei Lektüre erzählt, dass sie als Kind ganz arg Angst vor der Geschichte mit der Schere gehabt hat. Ich konnte mich mit nichts aus dem Struwwelpeter identifizieren und wurde für keines der erwähnten Laster gemaßregelt. Vielleicht hat man nur Angst, wenn Eltern schwarze Pädagogen sind und das insgeheim toll finden?

    Ja, dann auf jeden Fall. Mir wurde dazu noch gesagt, dass das mit unartigen Kindern passiert. Und Unartigkeit war bei uns schon, eine andere Meinung zu haben.


    Mir kommt das nicht ins Haus.

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  • Ich habe vor Jahren mal einen interessanten Bericht im Radio über den "Struwwelpeter" gehört, danach ist es ein großes Missverständnis, wenn man die Intention dieses Buch als angebliche (schwarze) Pädagogik liest, mit der Kinder eingeschüchtert werden sollten.


    Das neue und anarchistische an diesem Buch sei gewesen, dass die Kinder eben nicht, wie es damals in der Literatur üblich war, als brave, gehorsame, wohlerzogene Kinder dargestellt wurden, die immer alles so machen, wie die Eltern es wollen, sondern sich einfach nicht an Regeln halten und böse Dinge tun. Dass solche "bösen Buben" in einem Buch dargestellt wurde, sei quasi unerhört gewesen (Vorbildfunktion!).

    Ja, das ist eben der Zeitgeist.
    Es sollte wohl auch nie ein Kinderbuch sein. Historisch finde ich das toll, ich würde es nie wegwerfen, aber auch nicht mit kleinen Kindern lesen.


    Ich fand den Struwwelpeter als Kind wirklich schlimm, für mich war das aber alles sehr real, allein durch Paulinchen. Im Nachbarhaus war damals ein Kind bei einem Feuer gestorben, die Geschichte hatte also einen wahren Bezug zu meinem Leben und das führte dazu, dass ich annahm, dass all diese Dinge wirklich passieren würden. Bei meinem Cousin war das so schlimm, dass er panisch zu schreien begann, wann immer es regnete und wir nicht im Haus waren.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Ich glaube, das hat nicht viel mit der erlebten Pädagogik zu tun. Eher damit, ob ein Kind Geschichten für Teil der eigenen Welt erlebt oder ob das einfach nur Geschichten sind, die mit dem eigenen Leben nichts zu tun haben.


    Meine Kinder erleben Geschichten sehr intensiv, das sind alles Dinge, die für sie in dieser Welt passieren können. Und wenn in einer Geschcihte Kindern die Finger abgeschnitten werden, dann Leben sie in einer Welt in der das passieren kann! Daher mögen sie beide keine Märchen und Filme können wir kaum gucken. Beim Großen wird es so langsam besser, wir konnten letztens die Eiskönigin 1 mit ihm gucken. Aber er hat sehr gebibbert.

    (Und der ist 8 1/2!)

  • Ich muss mal blöd fragen, weil ich da immer wieder Beschwerden höre mit den wenigen Frauen in Baustellen- und Feuerwehrbüchern: woran erkennt ihr das denn immer so genau? Wir hatten hier auch einige Feuwerwehrbücher &-Puzzle und viele Baustellenbücher, aber mir sind immer nur wenige Personen untergekommen, die wirklich Geschlechtsspeziefisch dargestellt waren. Also gerade bei den Feuerwehranzügeb, vielleicht noch mit Helm, oder bei der Arbeitskleidung auf dem Bau finde ich es -auch real- eher schwer zu erkennen, was für ein Körper darin steckt.


    Klar, öft gibt es 1, 2 Leute mit Vollbad, aber woran macht ihr es sonst fest, dass da keine Frauen abgebildet sind?

    "Konzentrier dich auf die kleinen Dinge und mache die gut!"

  • Ganz was anderes: Das Katerchen hat ein Buch mit Kinderreimen zu Weihnachten bekommen, da sind dann so Perlen drin wie: "Lirum larum Löffelstiel, alte Weiber essen viel, junge müssen fasten, das Brot, das liegt im Kasten", oder: "Eine kleine Dickmadam fuhr mal mit der Eisenbahn. Eisenbahn, die krachte. Dickmadam, die lachte". :wacko:

    Das verschwindet demnächst unauffällig im Altpapier. Schade, es ist sonst ganz schön gemacht.

    Ersteres kenne ich mit einem komplett anderen und nach meiner Erinnerung unproblematischem Text ("Lirum larum Löffelstiel, kleine Kinder fragen viel, fragen dies und fragen das, ..."). Letzteres kenne ich seit Kindertagen und ganz ehrlich - ich finde da nicht wirklich etwas dabei. Man muss auch nicht immer aus jedem blöden historischen Spruch ein Problem machen. Wenn die natürlich so geballt in den Buch daherkommen, würde ich es vielleicht anders sehen. Der erste Spruch ist schon echt fies.


    Struwelpeter war mir in meiner Kindheit bekannt, genau wie Max und Moritz und der DDR-Struwelpeter mit zeitgenössischen Geschichten. Ich habe sie alle gemocht - mir wurde aber auch nie damit gedroht dass das irgendetwas mit mir zu tun hatte.

  • In manchen Büchern steht "die Feuerwehrmänner" statt "die Feuerwehrleute" . Manche Zeichner malen auch jedem Mann einen Bart/ 3-Tage-Bart damit die Figuren nicht versehentlich für Frauen gehalten werden.

  • Ich könnte ziemlich früh selbst lesen und habe Max und Moritz und Struwwelpeter selbst gelesen bzw. angefangen und fand sie damals so sterbenslangweilig, dass ich nichts davon zu Ende gelesen habe. Angst hatte ich aber nicht. Da war ich vielleicht 6?

    In der Kindheit hat mir ein Buch wirklich Angst gemacht, das war Nussknacker von E. T. A. Hoffmann?. Ich habe es mit 11 in der Weihnachtszeit gelesen, abends, und dabei Angst gehabt, in die Zimmerecken zu schauen.

  • Der Struwwelpeter ist hoch interessant - aus Erwachsenensicht.

    Nicht wegen der Bestrafungen, aber weil Kinder so dargestellt sind wie sie sind - inklusive der Beschreibung von Krankheitsbildern. Hans-Guck-in-die-Luft lässt sich als Absence-Epilepsie deuten, der Zappelphilipp als ADHS-Kind.


    Von daher nicht wegschmeißen, aber für Kinder ist das nix. FSK 12 wäre da so meine Empfehlung.

  • Wir haben ein ähnliches Kinder-Reime-Buch. Im Augenblick sind vor allem die Bilder interessant und wir sprechen dann natürlich über die Eisenbahn, nicht über die Mitfahrenden. Ich wäre für Umtexten oder ein zum Bild passendes Lied singen.

  • Man muss auch nicht immer aus jedem blöden historischen Spruch ein Problem machen. Wenn die natürlich so geballt in den Buch daherkommen, würde ich es vielleicht anders sehen. Der erste Spruch ist schon echt fies.

    Genau so. Wir haben ein sehr dickes Gedichtbuch, in dem ich diese Gedichte immer überblättere (seltsam, dass die scheinbar überall mit aufgenommen werden...), aber dieses hier ist für ganz kleine Kinder und enthält insgesamt sechs Gedichte. Und davon zwei zu überspringen oder umzutexten (und dabei dann die auch nicht ganz unproblematischen Illustrationen zu thematisieren), ist mir dann doch zu blöd. ;)

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?