Gender-Kacke in Schule und Alltag

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Rabeneltern.org-Team
  • Talpa meine Mutter arbeitete im Westen, eine der wenigen Mütter in meinem Umfeld. Es gab viele, sehr viele Kinder, die nicht zu mir kommen durften, weil meine Mutter nicht zu Hause war. Die meisten Mütter blieben lange zuhause und fingen dann erst mit schuleintritt der Kinder langsam halbtagsarbeit an

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  • Schon allein die in der DDR sehr viel höheren Scheidungszahlen sind meines Erachtens ein Indiz für die größere Unabhängigkeit von Frauen in der DDR. Zumindest wirtschaftlich.

    in den 80er Jahren waren in der DDR über 90% aller Frauen berufstätig.


    Und ja, das hatte natürlich auch wirtschaftliche und politische Gründe, wie alles, was sich im Westen auch abspielt. #rolleyes

    Ich empfinde es halt oft so als sei die DDR im Kopf vieler Menschen der Hort der Emanzipation und im Westen alles rückständig und schlecht.

    Gab es da nicht einen Haushaltstag für Frauen? Das relativiert für mich halt Vieles in Bezugauf die Errungenschaften der Berufstätigkeit von Frauen. Und ob jede Kranführerin unbedingteine werdenwollte, wissenwirauch nicht.


    Interessant wären für mich auch Zahlen zum Anteil von Frauen in gewichtigen Entscheidungspositionen.

    Mir fällt in der Politik jetzt nur Margot Honecker ein. Aber da bin ich vielleicht auch einfach nicht informiert genug.

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • Ja, kam heute irgendwo im Internet vor.


    Was mich als Frau in der DDR glaube ich geärgert hätte wäre gewesen, dass man sich offenbar irgendwie eben nicht entscheiden konnte, wie lange man mit Baby daheim bleiben wollte, sondern die meisten eben doch den Weg gingen, dass ihre Kinder sehr früh in die Krippen gegangen sind oder sogar in wochenkrippen. Auch blöd. Nachdem ich nicht in der DDR gelebt habe weiß ich auch nicht, warum das so war. Ob es finanzielle, gesellschaftliche Zwänge gab?


    Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es einfach so war, weil "man" es machte, weil vor 30 Jahren dieses "man" einfach unglaublich viel Macht über die alltäglichen Abläufe hatte. Unabhängig davon, in welchem Land man lebte

    Man konnte sich das schon auch aussuchen. Aber es war - wie heute auch - vor allem eine finanzielle Frage, wie lange die Mama zu Hause blieb. Als ich geboren wurde, gabs es ein halbes Jahr bezahlten Babyurlaub für meine Mama. Danach musste sie wieder arbeiten gehen, sie wäre gern länger mit mir zu Hause geblieben, es war aber finanziell nicht möglich.

    Liebe Grüße, Lillian

    "Okay Hazel Grace?"

  • Talpa Das war in der BRD aber anders. Von den Müttern meiner westlichen Kommilitonen und Männer (überwiegend aus SH) hat fast keine gearbeitet. Mir sind 2 Ausnahmen bewusst.

    Auch in der BRD war es nicht durchgängig so.

    Ich nehme an, da kommen in den persönlichen Geschichten einige Dinge zusammen:

    - Alter (ich bin wahrscheinlich einen Ticken älter als manche hier, die 70er/frühen 80er waren was Anderes als die späten 80er/frühen 90er.

    - Schicht/Region: meine BRD-Schwiegermutter war immer berufstätig, auch mit zwei kleinen Kindern. Süddeutsche ländliche Region, eher nicht so vermögende Familie.

    - "Kultur": es war nicht sonderlich angesehen, wenn frau arbeiten "musste" - ich kenne x Mütter, die mich bemitleidet haben, weil meine Mutter "auswärts" arbeitete. Dass sie selbst eine Pension führten/ein Hotel managten oder jeden Tag Stunden im Stall verbrachten, zählten sie offenbar nicht als "Arbeit"...


    Ausnahmen waren bei uns: Frau des Lehrers, Frau vom Autowerkstattbesitzer (wobei, die machte die Buchhaltung)...


    Edit: ich meine die Zahl 65% Erwerbsquote bei Müttern im Nachkriegsdeutschland gelesen zu haben, vor Jahren. Das nahm bis in die 90er kontinierlich ab. Aber sicher nicht auf Null.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • In meiner Kindheit in Bayern in den 70ern und frühen 80ern war das das gängige Familienmodell. Vater war außerhäusig arbeiten, Mutter daheim arbeitend ohne eigenes Einkommen. Da gab es wie gesagt gar keine Möglichkeit der U3-Betreuung.


    Meine Mutter hat immer wenige Wochen nach der Geburt jeweils wieder gearbeitet, wir hatten immer au-pairs oder sowas.

  • Es gab Frauen, die drei Jahre zu Hause geblieben sind. Aber da fehlte dann halt ein Gehalt, das musste man sich erstmal leisten können. Und da spielten mit Sicherheit gesellschaftliche Zwänge rein, das denke ich schon, kenne aber keine konkreten Beispiele.


    Meine Mutter war zu Hause, war aber vorher bei der Kirche angestellt. Wie es war, wenn man in einem Betrieb war und dann drei Jahre pausiert hat, weiß ich nicht. Wir hatten aber viel Unterstützung von unserer Verwandtschaft im Westen, z.b. mussten meine Eltern für Kleidung so gut wie kein Geld ausgeben. Darum kann ich wenig dazu sagen, wie es normalerweise war.

    meine Mutter blieb zwei Jahre zu Hause nach meiner Geburt, das war kein Problem in Ihrem Betrieb. Später pausierte noch mal ein Jahr um meine Einschulung herum, auch das war möglich.

    ich wollte ja ruhe geben, nur eines noch in dem zusammenhang, weil nochmals neue beiträge da sind: wir haben freunde, die sind ein paar jahre älter, hatten 89 ihr erstes (und einziges) kind bekommen, sie fing gerade als lehrerin an, in ost-berlin.dieses paar macht jeden 9.11. eine party, mit böller und allem drum und dran (das geht, weil in london wohnend), die feiern das einfach, dass ihr leben anders weitergehen konnte. die "errungenschaften" im bezug auf frauen und kinder in der ddr hat diese freundin nach eigenen aussagen nie vermisst (sie war auch da froh, dass gesellschaftlicher druck wegfiel), und sie sind nur sehr, sehr froh, dass sie nicht mehr in dem staat, in dem sie ihre kindheit und junges erwachsenenalter verbracht haben, leben mussten. eine andere bekannte kam als junges mädel kurz vorm mauerfall noch über ungarn raus, und auch da konnte ich nur fassungslos zuhören, was sie erzählte. das wollte erst in meinen west-kopf nicht rein...echte gleichberechtigung gabs da wohl auch nicht, leider.

    Dass die DDR und die Wende unterschiedlich wahrgenommen wurden und werden, bestreitet hier überhaupt niemand.

    Ich verwehre mich nur gegen ein einseitiges Bild der DDR versus Westen (das Beispiel Assange ist hier gut geeignet), das heute im Westen gezeichnet wird. Es ist meiner Meinung nach nicht korrekt.

    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Zitat

    Ich empfinde es halt oft so als sei die DDR im Kopf vieler Menschen der Hort der Emanzipation und im Westen alles rückständig und schlecht.

    Gab es da nicht einen Haushaltstag für Frauen?

    Guck mal, hier ist in einem Paper von der Heinrich-Böll-Stiftung alles sehr ausführlich dazu geschrieben. Ich finde die Schlussfolgerungen zu diesen Themen schon sehr eindeutig.


    https://www.boell.de/de/2016/1…angfristigen-auswirkungen



    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Im gesamten Kindheits- und Jugendumfeld meines Mannes (Hessen, 70er und 80er) waren die Mütter zu Hause. Bus auf die Geschiedenen. Da gab es klare Vorstellungen, wer richtig lebt und wer falsch.

    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Betreuung unter drei gab es nicht. Das übernahm dann die Oma(!), wenn es wirklich nicht anders ging.

    Betreuungsangebot unter 2 in Westdeutschland war 2007 bei 2% in vielen Regionen. Jetzt gilt es als fortschrittlich bei knapp 20% zu sein. https://www.zeit.de/gesellscha…analyse-interaktive-karte


    Dennoch auch der Osten ist da nur mit knapp 50 % dabei und nicht etwa 75 und mehr.

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  • Es gibt übrigens auch eine Userin hier, die jährlich ihrem Wegzug aus der Schweiz mit einer Flasche Sekt feiert. Das sagt erst einmal noch nicht alles über die Schweiz aus, denke ich.

    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Das verlinkte Papier der Böll-Stiftung empfehle ich btw. jedem, der Fragen zur Frauenpolitik in der DDR hat. Die Quelle ist seriös und bundesdeutsch ;) und die Angaben sind alle gut belegt.

    Ehre den Widerspruch höher als die Zustimmung - Bettina von Arnim

  • Betreuungsangebot unter 2 in Westdeutschland war 2007 bei 2% in vielen Regionen. Jetzt gilt es als fortschrittlich bei knapp 20% zu sein. https://www.zeit.de/gesellscha…analyse-interaktive-karte


    Dennoch auch der Osten ist da nur mit knapp 50 % dabei und nicht etwa 75 und mehr.

    Soweit ich weiss, zählt man da wirklich ab Geburt, so dass 100% Betreuung bei den unter 3Jährigen gar kein Ziel ist. Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Kinder erst frühestens mit 1+x Jahren in die Krippe kommen, dürfte irgendwas zwischen 66% und 75% als Obergrenze realistisch sein.


    Weil oben jemand was von Bayern schrieb: in unserer bayerischen Gemeinde (<20000 Einwohner) ist die Versorgung inzwischen halbwegs ok und es wird ständig weiter ausgebaut. Es ist immer noch ein Zittern ob man einen Platz bekommt, aber die Gemeinde bemüht sich sehr und versucht auch durch ein zentrales Anmeldeverfahren Transparenz reinzubekommen in die Vergabe der Plätze und die Nachrückungen wenn irgendwo Plätze frei werden.

  • ich wollte ja ruhe geben, nur eines noch in dem zusammenhang, weil nochmals neue beiträge da sind: wir haben freunde, die sind ein paar jahre älter, hatten 89 ihr erstes (und einziges) kind bekommen, sie fing gerade als lehrerin an, in ost-berlin.dieses paar macht jeden 9.11. eine party, mit böller und allem drum und dran (das geht, weil in london wohnend), die feiern das einfach, dass ihr leben anders weitergehen konnte. die "errungenschaften" im bezug auf frauen und kinder in der ddr hat diese freundin nach eigenen aussagen nie vermisst (sie war auch da froh, dass gesellschaftlicher druck wegfiel), und sie sind nur sehr, sehr froh, dass sie nicht mehr in dem staat, in dem sie ihre kindheit und junges erwachsenenalter verbracht haben, leben mussten. eine andere bekannte kam als junges mädel kurz vorm mauerfall noch über ungarn raus, und auch da konnte ich nur fassungslos zuhören, was sie erzählte. das wollte erst in meinen west-kopf nicht rein...echte gleichberechtigung gabs da wohl auch nicht, leider.

    Ich bin auch sehr sehr froh, dass ich nicht weiter in der DDR groß und erwachsen werden musste! Aber gerade weil ich die Trennung meiner Eltern miterlebt habe, bin ich sehr froh, dass mein Mutter wenigstens keine Existenzsorgen haben musste. Sie war übrigens bei meinem Bruder 6 Monate und bei mir 1 Jahr zu Hause. Die Mutter meines Partners blieb sogar bis zum Schulanfang zu Hause (da er nicht "kindergartenreif" war). In der Wochenkrippe war niemand, den ich kenne.

    Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.


    - Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel -

  • Jette. Danke für den Hinweis. Ich war mir nicht sicher wie sie das rechneten. Dass kaum jemand im Mutterschutz das Kind in die Krippe gibt war mir relativ klar, Dh frühestens ab 2 Monate. Aber Elterngeld gibt es doch auch maximal bis 14 Monate und ich erlebe doch einige, die heute ihre 9 Monate alten Kinder in die Krippe schicken, um Zeit für sich zu gewinnen. Allerdings nie ganztags (also mehr als 7h).


    VivaLaVida die böll Übersicht ist interessant. Danke dir. Ich denke bei solche Vergleichen auch immer an unsere Zeit an Frankreich. Und frage mich und beobachte wie anders Mutterleib zum Teil definiert ist.

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  • Es gibt übrigens auch eine Userin hier, die jährlich ihrem Wegzug aus der Schweiz mit einer Flasche Sekt feiert. Das sagt erst einmal noch nicht alles über die Schweiz aus, denke ich.

    wenn du nur gute erfahrungen aus der ddr mitnimmst, ist das doch für dich in ordnung. aber das ist schon wieder verharmlosend, was du schreibst. das politische system der ddr, die stasi, die mauer, haben unsagbares leid über viele menschen gebracht und auch menschen zugrundegerichtet und getötet. wenn es jemanden in der schweiz nicht gefällt, dann steht da keine mauer mit soldaten, die schießbefehl haben. dann kann man wegziehen.

  • das verrückte ist ja, dass man in meiner herkunftswelt arbeiterkind und akademikerkind gleichzeitig sein konnte. das ideal war, dass jede/r berufstätige als arbeiter:in startet. (auch dagegen gab es natürlich widerstand.)


    so etwas nimmt viel weg an vorurteilen, daher finde ich die idee ziemlich gut.


    wenn ich richtig erinnere, durften akademikerkinder oft keine akademiker werden, wenn sie politisch nicht auf linie waren, oder?! und als arbeiterkind hatte man da dann vorteile?


    wenn ich richtig erinnere, durften akademikerkinder oft keine akademiker werden, wenn sie politisch nicht auf linie waren, oder?! und als arbeiterkind hatte man da dann vorteile?

    ja, in der tat. hier geht es mir aber um den werdegang arbeiter-> akademiker.

    der war in dieser form deutlich normaler als im westen, damals wie heute. und auch der gewünschte.

    VivaLaVida , diese Verkürzung auf die du den Werdegang herunterbrichst empfinde ich zu beschönigend.

    Zu aller-aller-erst ging es bei der gesamten Planung und Steuerung der Studienzulassungen um Linientreue.


    Studieren durfte, wer die soziale Herkunft und entsprechende Einstellung hatte. Zudem, wer besonders gute Leistungen hatte. Oder sich entsprechend lang bei der nationalen Volksarmee verpflichtete.

    Wenn man nicht studieren durfte, schloss man logischerweise eine Ausbildung ab, von irgendwas muss man ja leben. Und wenn man dann durch super Leistung, viel Kratzen und "singen" der richtigen roten Zeilen lang genug nach oben gebuckelt hatte, bekam man evt. als Arbeiter nochmal die Gnade, ein Studium anzuschließen.


    Aber selbst mit super Leistungen konnte man genau nichts werden, wenn man sich kritisch äußerte, die falsche Familie/Freunde hatte, Christ war,...


    Wer ist denn "dankbarer", studieren zu dürfen? Wer lässt sich leichter formen und führen?

    Von welcher Seite werden denn ehr kritische Nachfragen und eine Opposition kommen?

    Das sind alles Fragestellungen, die garantiert mit dieser Steuerung mitbedacht wurden.


    (Nachtrag: damit möchte ich weder sagen, dass mir die jetzigen Quoten gefallen. Aber dass die DDR auch in Punkt Studiumszugang definitiv für mich keinen Vorbildcharakter hat.)

    Liebe Grüße
    Martina


    Tochter 05/2004
    Sohn 04/2015

    Tochter 01/2019

  • VivaLaVida , danke für den Link, der ist wirklich interessant!

    Allerdings - auch wenn er bundesdeutsch ist - und ich bin die Letzte, die der Meinung ist, dass das per se schon ein Gütekriterium ist - so bin ich mir nicht sicher, ob ich die Heinrich-Böll-Stiftung hier als neutral einstufen würde. Von der politischen Orientierung sind die (auch wenn die Grünen m.E. schon längst ganz schön bürgerlich und konservativ geworden sind) ja durchaus links von der Mitte zu verorten und haben sich ja gerade Gendergerechtigkeit und Co als Wert auf die Fahnen geschrieben.


    Was mich persönlich oft hier im Forum stört ist, dass auf vieles in der ehemaligen DDR mit einer gewissen Nostalgie zurückgeblickt wird und "der Westen" doch recht pauschal als rückständig, was die Emanzipation etc. angeht, herabgewertet wird.

    Ich habe nicht in der DDR gelebt und kann deshalb natürlich nicht wirklich beurteilen, wie das war. Ich bin aber in der BRD groß geworden und wehre mich dagegen, dass die so pauschal als piefig und unemanzipiert dargestellt wird. Und wer nicht in der BRD aufgewachsen ist, kann das wahrscheinlich ebenso wenig beurteilen wie ich im umgekehrten Fall.

    Meine Erfahrungen beschränken sich auf die Eindrücke, die ich durch eine langjährige Brieffreundschaft hatte (eine christliche Familie, die durch ihr Christentum in diesem Staat angeeckt sind) und durch eine Klassenfahrt in der 10. oder 11. Klasse, die mit ein paar wirklich traumatischen Erfahrungen verbunden war (ist mir hier zu öffentlich), bei mir aber tatsächlich mit dem intensiven Eindruck hinterlassen haben, dass die Menschen dort im Grunde gefangen sind (wir hatten verbotenerweise Kontakt mit Jugendlichen dort geknüpft und das flog auf). Ich empfand es als ausgesprochen zynisch, dass am Tag, nachdem unsere Kontakte aufgeflogen waren (und das ganze darauffolgende Procedere hat uns echt massiv eingeschüchtert) der 1. Mai mit großem Pomp und Trara begangen wurde.

    Mir ist bewusst, dass das nicht alles war, was die DDR ausgemacht hat, und ich fand die Art und Weise, wie die Wiedervereinigung inklusive Währungsunion, stattfand, furchtbar. Einerseits wegen des unsäglichen Umgangs mit den Menschen aus den neuen Bundesländern und deren Biographien, der unglaublich arroganten Trabi- und Bananenwitze, die dann kursierten, andererseits auch wegen der vertanen Chancen, die Dinge aus der DDR zu übernehmen oder wenigstens mal genauer anzuschauen, die gut waren. Dazu gehörte für mich z.B. die Kinderbetreuung.


    Heute sehe ich gerade die Kinderbetreuung übrigens kritischer. Ich bin sehr froh, dass es hier nicht mehr so ist wie zu meinen Kindergartenzeiten, wo der Kindergarten über Mittag zu hatte. Und es liegt vieles im Argen. Ich sehe aber auch, dass die Ausweitung der Kinderbetreuung ganz stark verbunden ist mit dem Anspruch an die Familien, möglichst schnell möglichst umfangreich in die Erwerbsarbeit zu gehen, wenn Kinder da sind. Und ich unterstelle, dass die Motive nicht sind, die Frau an sich zu fördern, sondern dem Arbeitsmarkt Arbeitskräfte zuzuführen - und das wird m.E. in der DDR ähnlich gewesen sein. Und viele Familien brauchen ja beide Löhne / Gehälter, da ist es mit der Selbstverwirklichung nicht weit her. Für die Kinder ist das z.T. ein irrer Stress. Ich persönlich habe mir da früher naiverweise auch einiges anders vorgestellt, ich wollte mein erstes Kind in eine Krippe geben und das dann gleich möglichst lange. Zum Glück wurden wir gut beraten (der Arbeitgeber meines Mannes finanzierte so eine Art Vermittlungsstelle) und entschieden uns für eine Tagesmutter (was für meinen Sohn aufgrund des familiäreren Ambientes die richtige Entscheidung war), und es war dann irgendwann auch klar, als das Kind ins Kindergartenalter kam, dass er einem ganzen Tag im Kindergarten psychisch nicht gewachsen sein würde. Ich bin sehr dankbar, dass wir als Familie die Möglichkeit haten, das mit kürzeren Kindergartenzeiten zu lösen, auch wenn das streckenweise wirklich sehr fordernd und auch z.T. teuer war. Und später dann in der Grundschule natürlich genauso. Und deshalb sehe ich auch den Ausbau der Ganztagesschulen kritisch, insbesondere das Modell in Ba-Wü. Nicht alle Menschen sind dafür gemacht, von klein auf den ganzen Tag in Gruppen zu sein, und insofern sollte hier unbedingt eine Wahlmöglichkeit bestehen.


    Im Kapitalismus besteht die nicht immer, weil es am Geld hakt.

    In der DDR bestand die nicht, weil es nicht erwünscht war.

    Beides ist schlecht.


    Ich bin abgeschweift. Was ich eigentlich sagen will ist, dass natürlich nicht alles in der DDR schlecht war. Aber wie jemand schon sagte, es war ein Unrechtsstaat; wer ihn verlassen wollte, musste mit dem Tod rechnen und damit, dass seine oder ihre Familie gemobbt wurde. Und auch die DDR war in ausbeuterische internationale Strukturen verwickelt, das ist nicht die Exklusivstellung der kapitalistischen Länder ebenso wenig wie die Umweltzerstörung. Ich würde mir manchmal wünschen, dass der Blick auf beide deutsche Staaten nüchterner erfolgen könnte.


    Meine Eltern haben sich übrigens in den 70ern scheiden lassen und ich kam infolgedessen nach Deutschland. Da war es immer noch ungewöhnlich, ein Scheidungskind zu sein. Ich habe aber nicht gemerkt, dass ich da irgendwie diskriminiert worden wäre (die Diskriminierung erfolgte wegen anderer Dinge wie z.B. meinem Namen...). Das war in Ba-Wü in einer Großstadt. Meine Mutter hat dann später in NRW in einer sehr konservativ-katholischen Gegend gewohnt, in der es ein Problem war, dass sie erneut geheiratet hatte. Und das war in den 80ern, also deutlich später. "Die" BRD gab es also ebenso wenig wie es "die" USA gibt oder wahrscheinlich "die" DDR.

    Alle Möpse bellen, alle Möpse bellen, nur der kleine Rollmops nicht...

  • nez perce Danke für Deinen Beitrag

    Ich bin abgeschweift. Was ich eigentlich sagen will ist, dass natürlich nicht alles in der DDR schlecht war. Aber wie jemand schon sagte, es war ein Unrechtsstaat; wer ihn verlassen wollte, musste mit dem Tod rechnen und damit, dass seine oder ihre Familie gemobbt wurde. Und auch die DDR war in ausbeuterische internationale Strukturen verwickelt, das ist nicht die Exklusivstellung der kapitalistischen Länder ebenso wenig wie die Umweltzerstörung. Ich würde mir manchmal wünschen, dass der Blick auf beide deutsche Staaten nüchterner erfolgen könnte.

    Als ehemaliges DDR-Kind würde ich mir wünschen, dass "die andere Seite" sich auch mal Dinge anhört, wie wir sie erlebt haben OHNE immer sofort die Unrechtskeule rauszuholen und damit alles wegwischt. Ich hatte hier nicht den Eindruck, dass hier von den Ostlern sehr unsachlich diskutiert wurde.


    Diese Aussage von yummymummy empfinde ich dagegen mal wieder als die totale Keule. Was will man denn da noch sagen?

    dennoch finde ich diese Verharmlosung der DDR nicht in Ordnung, auch in diesem Zusammenhang! Wir reden über ein System, wo du bespitzelt wurdest und für Lappalien ins Gefängnis kamst. Ein Kollege von mir hatte das Glück, dass mit 13 er und die Familie in den Westen kamen, regelrecht frei gekauft. Vater Pastor, die älteren Geschwister waren vom System kaputt gemacht worden. Ich verorte mich politisch eher grün und links finde aber es unerträglich ,hier sich was schön zu reden. Auch Honecker war Arbeiter, trotzdem machte er ne tolle Karriere?!