Gender-Kacke in Schule und Alltag

Registrierungsanfragen bitte an kontakt[at]rabeneltern.org
  • Für mich gibt es keine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weil in allen Varianten bleibt was auf der Strecke. Bei Vollzeit gibt es weniger Familienzeit, bei Hausfrau gibt es kein eigenes Einkommen und bei Teilzeit hängt man den Vollzeitlern hinterher.

    Ich denke, dass es deutlich leichter wäre, wenn die generelle Arbeitszeit eher bei 30-35h liegen würde. In meiner Firma nimmt das gerade deutlich zu - und Cororna gibt dem noch mal deutlich einen Schub. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele meiner jüngeren Kollegen und Kolleginnen die Arbeitszeit auf deutlich unter 40 h reduziert haben obwohl sie weder Kinder noch sonstigen Anhang haben. Von meinem ca. 10 Jahre jüngeren Cousin, der in einer vollkommen anderen Branche unterwegs ist, habe ich Ähnliches gehört.

    Ich finde Lilian hat sehr gut den Finger drauf gelegt und Jette hat gut die Konsequenz daraus aufgezeigt, die heute viele Berufstätige ziehen.

    Allerdings gibt das nicht jeder beruf her und schon gar nicht, wenn man als Alleinerziehende prekär beschäftigt ist.

    Eine Friseuse, Einzelhändlerin, Physiotherapeutin oder Pflegekraft wird kaum so viel vierdienen, dass sie in TZ gehen kann ohne in Monat rechnen zu müssen (es sei denn, sie hat einen gut verdienenden Partner). Erst recht nicht, wenn sie alleinerziehend ist.


    Also, ja die Möglichkeit gibt es und ich finde es gut, dass sie verstärkt genutzt wird, auch ohne selbst Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu haben. Aber auch das muss man sich erst einmal leisten können.

    Daraus folgt für mich, dass der Mindestlohn dringend stark angehoben gehört, damit auch (alleinerziehende) Friseusen, etc. diese Möglichkeit nutzen können, ohne finanziell am Abgrund zu stehen.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • In meiner Wahrnehmung in der Diskussion ums Elterngeld geht exakt dieser Punkt wahnsinnig gerne unter - ich überspitze mal: es wird gemotzt das Elterngeld zwinge die Frauen, nach 14 Monaten wieder arbeiten zu gehen, es sei wirtschaftsfreundlich...

    Aber dass es sehr, sehr vielen deutschen Frauen überhaupt erst ermöglicht zu entscheiden, ob sie nach dem Mutterschutz oder nach 14 Monaten wieder arbeiten wollen, wird gerne ausgelassen.


    Hier beträgt diese Frist (Mutterschaftsversicherung nennt sich das) 14 Wochen (!sic) - und war schon eine Wahnsinns- Errungenschaft: Wochenbett ohne Existenzängste. Beim ersten Kind 2004 hatte ich das nur, weil ich kantonale Angestellte war.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • janos. Genau. Denn Wahlfreiheit hat man fehlenden Krippenplätzen erst Recht nicht.


    Dennoch ist da eben auch noch eine gesellschaftliche Komponente, die Erwartungshaltungen vermittelt, die ich schwieriger zu greifen finde.

    Ich weiß die hier zufällig zu meinem Konzept passende Erwartungshaltung sehr zu schätzen. Oder andersrum: in Bayern wäre ich bestimmt bei meinem ursprünglichen Plan geblieben und hätte gar keine Kinder bekommen

  • ich muss quasi extra-Arbeit leisten um zu demonstrieren, dass ich eigentlich ganz zugänglich bin.

    *nick*

    Was man da machen kann / soll? - Sich mit den richtigen Leuten umgeben?

    Fällt manchmal schwer, aber im Prinzip fahre ich den Ansatz, dass Leute, die mich wegen Ausbildung / Geschlecht / ... ablehnen oder für arrogant / handwerklich unfähig / halten, ... halt ein Problem haben.

    Aber ich weiß schlicht nicht, wie damit umgehen, wenn mal wieder jemand meint, mir ein Kompliment zu machen, wenn er mir sagt, dass ich ja echt nett sei, obwohl ich studiert hätte. Oder dass das ja echt toll sei, dass ich das Loch im Reifen selbst geflickt hätte. - WTF?

  • In meiner Wahrnehmung in der Diskussion ums Elterngeld geht exakt dieser Punkt wahnsinnig gerne unter - ich überspitze mal: es wird gemotzt das Elterngeld zwinge die Frauen, nach 14 Monaten wieder arbeiten zu gehen, es sei wirtschaftsfreundlich...

    Aber dass es sehr, sehr vielen deutschen Frauen überhaupt erst ermöglicht zu entscheiden, ob sie nach dem Mutterschutz oder nach 14 Monaten wieder arbeiten wollen, wird gerne ausgelassen.

    Das stimmt.

    Es ist absolut eine Frage der Perspektive, aus der man gerade auf das Thema schaut.


    Grundsituation:

    Es gibt drei Jahre Erziehungsgeld für alle die, deren Mann "zu wenig" verdient.


    Aus der Perspektivere all derer Paare, in der der Mann "zu wenig" verdient:

    Super, weil frau in vielen Fällen 3 Jahre zu Hause bleiben kann und jeden Monat einen gewissen Betrag bekommt, die ganzen 3 Jahre lang.

    Das geht allerdings nicht in all den Fällen, in denen es finanziell so eng ist, dass der Wegfall des Gehalts der Mutter zu groß ist, um durch das Erziehungsgeld kompensiert werden zu können.


    Aus der Perspektive all derer Paare, in denen der Mann einen Ticken drüber liegt:

    Kein Geld, gar nichts. Will man zu Hause bleiben für X Monate oder gar Jahre, ist man ganz auf sich allein gestellt in der Finanzierung.

    Oder aber wie bei Kind 2 (weil unsere Kosten sich durch Kind 1 erhöht hatten, wurde bei Berechnung des Erziehungsgeldes ein anderer Grundbetrag errechnet), man bekommt 2-3 Monate Erziehungsgeld und ist erst danach auf sich allein gestellt.


    Dann kam zum 01.01.2007 das "neue" Elterngeld:

    Je nach Perspektive fällt dann wieder die Bewertung des "neuen" Elterngeldes aus:


    Die Familie im ersten Szenario findet es eine Verschlechterung, weil es nur noch ein Jahr (+ evtl. Vätermonate) gezahlt wird.

    Wobei ich glaube, dass es in einigen Bundesländern sogar so ist, dass es zwei Jahre lang gezahlt werden kann, dann aber eben immer nur die Hälfte des Betrages. Da bin ich aber gerade nicht sicher.

    Also definitiv 1 Jahr, wenn nicht sogar 2 Jahre weniger Einkommen.


    Der Familie im zweiten Szenario würde es sehr helfen, gerade, wenn vorher noch nichts angespart werden konnte.


    Und dann gibt es trotzdem immer noch Familien, die durch's Raster fallen, weil z.B. im Studium, oder Selbstständig, oder anderes.

    Ich meine, das gilt auch für Hartz IV oder? (bin da gerade nicht sicher, aber ich glaube, die bekommen das nicht).

    Oder auch Familien, in denen ein Elternteil gerne länger als 12-14 Monate bei den Kindern bleiben würde. Die bekommen dann nämlich ebenfalls kein Geld mehr, wenn die 1-2 Jahre um sind.


    Mein Fazit:

    Das neue Elterngeld hat vielen ein monatliches Einkommen ermöglicht, die es vorher nicht hatten, zumindest für 12+2 Monate. Das ist absolut ein guter und richtiger Schritt gewesen.

    Aber es deckt auch heute noch viele Konstellationen nicht ab, sodass nicht alle Familien davon profitieren können, die es meinem Empfinden nach sollten.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • janos. Genau. Denn Wahlfreiheit hat man fehlenden Krippenplätzen erst Recht nicht.


    Dennoch ist da eben auch noch eine gesellschaftliche Komponente, die Erwartungshaltungen vermittelt, die ich schwieriger zu greifen finde.

    Ich weiß die hier zufällig zu meinem Konzept passende Erwartungshaltung sehr zu schätzen. Oder andersrum: in Bayern wäre ich bestimmt bei meinem ursprünglichen Plan geblieben und hätte gar keine Kinder bekommen

    Womit wir bei dem Punkt wären, wie offen eure Mütter damit umgingen. Mir wurde immer nur vorgelebt, dass Kinder und Karriere kein Problem seien. Dass meine Eltern nicht sehr zugewandt waren, wollte ich anders machen, ahnte aber nicht die Konsequenzen. Ja ich war wirklich naiv. War halt Auch die erste in meiner Generation in meiner Familie mit Kindern. Mir wurde immer nur erzählt, dass das alles recht einfach möglich sei, wenn man nur wolle. Zähne zusammen beißen und Durch. Egal wie lange man pendelt. So lange es Betreuung gibt, sei das kein Problem.


    Eine gute Freundin von mir hatte diesbezüglich ganz andere realistischere Gespräche mit ihren Eltern.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Ja, ja und ja! Auch im Westen war die glückliche Einverdienerehe nicht die einzige Variante.

    Für sehr, sehr viele Familien sah der Alltag ganz anders aus.

    auf jeden fall! meine schwiegermama, grundschullehrerin, hat 3 kinder jeweils im abstand eines jahres bekommen (!!) und jeweils 8 wochen danach wieder vollzeit gearbeitet. die stelle wäre ansonsten weggewesen und damit beamtenstatus und alles was damit zusammenhängt.betreuung waren hauswirtschaftsschülerinnen (?), praktisch minderjährige mädels, die 3 wickelkinder betreuten. die kinder kamen natürlich so schnell wie irgend möglich in den kindergarten. meine mutter fing nach 10 jahren zuhause wieder teilzeit an zu arbeiten. war für alle komfortabler, keine frage...aber gearbeitet haben viele mütter in der brd.

  • Mit Karriere ist gemeint, dass der Ehemann am Wohnort eine Firma (z. B. als Handwerker) gründet.


    Jemand, der alle drei Jahre bei einer anderen Firma /an einem anderen Standort arbeitet, ist nicht erfolgreich.

    Das würde ich nicht zwangsläufig so sehen. In vielen Branchen ist es absolut üblich alle paar Jahre Stelle und Ort zu wechseln und so aufzusteigen, und das Verweilen bei ein und demselben AG ist äußerst unüblich, gar eher karriereschädlich.

    Mir ist bewusst, dass die Arbeitgeber in vielen Branchen das so sehen.


    Ich meinte aber die Perspektive der Eltern/Schwiegereltern der erfolgreichen Person. Für die ist es wichtiger, dass die Familie vor Ort lebt.

  • Das stimmt natürlich! Ist für die Generation die oft von Lehre bis Rente im gleichen Betrieb arbeitete natürlich auch schwer nachvollziehbar.

  • Meine Omi hat auch mit meinem Großvater zusammen den Betrieb ihres Vaters übernommen und weiter ausgebaut (Einzelhandel). Die hat mehr als Vollzeit gearbeitet, genauso wie ihr Mann.


    Meine andere Großmutter war lange mit 4 Kindern zuhause, erst als sie schon eine Weile Witwe war hatte sie meines Wissens einen kleineren Job. Sie hatte aber auch keine Ausbildung, sondern nur Volksschule. Sie kam aus einer Winzersfamilie, da hat bestimmt keine Frau die Hände in den Schoß gelegt oder sich nur um die Erziehung der Kinder gekümmert.


    Beide lebten in Hessen.

    Susan Sto Helit


    Lösung habe ich keine. Ich vermute aber, dass die frühe Segregation an den Schulen dazu stark beiträgt, dass man „die anderen“ nur schwer zugänglich findet.

    Das glaube ich tatsächlich auch.

    Ich war ja auf einer Waldorfschule, ich merke manchmal, dass mich das in Kombination mit dem bildungsbürgerlichen Hintergrund schon sehr geprägt hat.

  • Das alte Erziehungsgeld und das neue Elterngeld kann man aber schon daher absolut nicht vergleichen, weil es zur Zeit des alten Elterngeldes vielerorts überhaupt keine U3-Betreuung gab. Und wenn, dann zu Konditionen, da hätte eine Verkäuferin oder Friseurin zwei Monate Arbeiten müssen, um ihr Kind einen Monat in die KiTa zu geben.

    Wer in meiner Gegend in der Kleinkindzeit meiner Kinder (geb 2001 und 2003) arbeitete, hatte eine Oma oder eine Tagesmutter (schwarz) - oder war eine Tagesmutter (schwarz).

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Mir ist bewusst, dass die Arbeitgeber in vielen Branchen das so sehen.


    Ich meinte aber die Perspektive der Eltern/Schwiegereltern der erfolgreichen Person. Für die ist es wichtiger, dass die Familie vor Ort lebt.

    Du baust hier eine Allgemeingültigkeit auf, die so einfach nicht gilt.

  • Wie kann das denn sein, dass im früheren Westen meistens das Gehalt des Mannes ausgereicht hat und ich so viele Aussagen lese, wir können uns das aber nicht leisten?


    Ich weiß nicht, ich komme mir unendlich alt vor - ich empfinde die Mentalität zur Zeit - ich will alles.... und nein das geht nicht. Da bin ich sehr bei @Lilian.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Meine Omi hat auch mit meinem Großvater zusammen den Betrieb ihres Vaters übernommen und weiter ausgebaut (Einzelhandel). Die hat mehr als Vollzeit gearbeitet, genauso wie ihr Mann.

    und wie fanden das die Kinder?

    Ich finde das in diesen Diskussionen immer etwas skurril.... irgendetwas bleibt auf der Strecke...ich habe ehrlich gesagt andere Ansprüche an die Beziehung zu meinen Kindern als meine Großeltern vermutlich, die ihre Kinder im und nach dem Krieg aufzogen und da auch einfach ums Überleben gekämpft haben, Geburtenkontrolle nur eingeschränkt möglich war und die Kinder dann eben auch nicht die Möglichkeiten hatten.....

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Und jetzt pack mal alles ein und ziehe in den Osten. Du hast eine sehr günstige Kinderbetreuung, normalerweise von 6 bis 18Uhr. Keine relevanten Schließzeiten. Triffst morgens beim Kind in die Kita bringen v.a. Väter. Ein Kollegium, in dem vom Einsteiger bis zum Chef alle Kindkrank und Elternzeit nehmen.


    Und siehst plötzlich, dass man durchaus Kinder und Arbeit gut vereinbaren kann. Ein relevanter Aspekt ist dabei zB die Tatsache, dass man eben in der Betrachtung der Leute hier keine Abstriche bei der Betreuung macht, wenn Kind jeden Tag von 7 bis 17 Uhr in der Kita ist. Weil es sehr viele so machen (auch ohne Berufstätigkeit), weil Fremdbetreuung an sich als positiv wahrgenommen wird.

    Das ist prima mit den Schließzeiten und den Möglichkeiten.

    Und ich mag mein Konzept viel mehr - mein Mann und ich sind gleichberechtigt für die Kinder da und ich bin sehr dankbar, dass wir auch die Zeit hatten, diese mit ihnen zu verbringen.

    Das Konzept Kinder zu bekommen und sie dann mit wenigen Monaten in Betreuung zu geben, sie den ganzen Tag nicht mehr zu sehen ist nicht meins.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Wieviel Eltern brauchen Kinder? In welchem Alter? Kann eine gute Fremdbetreuung das auffangen?


    Ich denke, dass die Antwort auf diese Fragen (neben dem Charakter des Kindes und der familienstruktur) sehr davon anhängt, in welcher Gesellschaft man selber aufwächst. Und in welcher Gesellschaft die Kinder dann groß werden.


    Ich merke zB auch, dass ich selbst dann, wenn ich viel Zeit habe nicht unbedingt Lust habe, die mit den Kindern zu verbringen. Dosiert durchaus. Aber sowas wie jeden Tag ab eins bis abends um acht meine Kinder um mich zu haben, das ist nicht meins. Lieber abends zwei Stunden, damit komme ich deutlich besser klar.

  • Wie kann das denn sein, dass im früheren Westen meistens das Gehalt des Mannes ausgereicht hat und ich so viele Aussagen lese, wir können uns das aber nicht leisten?


    Ich weiß nicht, ich komme mir unendlich alt vor - ich empfinde die Mentalität zur Zeit - ich will alles.... und nein das geht nicht. Da bin ich sehr bei @Lilian.

    kann es sein, dass man heute eher das Haus gebaut hat und einen guten Lebensstandard erreicht hat und dann erst Kinder bekommt.? Diesen Standard muss man auch erstmal halten können.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Wieviel Eltern brauchen Kinder? In welchem Alter? Kann eine gute Fremdbetreuung das auffangen?


    Ich denke, dass die Antwort auf diese Fragen (neben dem Charakter des Kindes und der familienstruktur) sehr davon anhängt, in welcher Gesellschaft man selber aufwächst. Und in welcher Gesellschaft die Kinder dann groß werden.

    Das finde ich ziemlich wichtige Fragen.


    Und z.B. war mein Erleben im SH der frühen 90er, dass für meine Begriffe die Eltern ihre Kinder dort viel zu lange zu sehr betüdelt haben, die Kinder viel zu wenig Eigenes hatten. Für meine Kindheit und Jugend waren z.B. Ferienlager (ca. 2 Wochen) echt wichtig. Sowas hatten die meisten meiner SH-Kommilitonen nie mitgemacht. Und auch heute dauern Kinder-Freizeiten selten länger als 1 Woche und ich habe nicht den Eindruck, dass es viele Kinder sind, die sowas überhaupt mitmachen. Für meine Begriffe war in meiner Kindheit auch der Zusammenhalt innerhalb der Klasse super viel enger als heute. Man kannte sich viel besser, hatte viel mehr gemeinsame Erlebnisse weil man nicht nur von 8-13 Uhr zusammen war sondern auch die Nachmittage miteinander verbracht hat. Auch mit meiner Klasse, mit der ich die letzten Schuljahre verbracht habe, ist noch heute bei Klassentreffen eine unglaubliche Nähe da obwohl die meisten sich ewig nicht gesehen hatten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das meinen Kindern mal so gehen wird.


    Ich habe dabei durchaus ein gutes und enges Verhältnis zu meinen Eltern gehabt. Sie haben eine gute Mischung aus Struktur, Geborgenheit und Freiheit gefahren.


    Ich bin inzwischen aber auch überzeugt davon, dass nicht für jedes Kind das Gleiche gut ist. Insofern wäre es auch von daher wünschenswert, dass das ganze System deutlich flexibler würde als es das zu DDR-Zeiten war und auch heute (auf eine ganz andere Art) ist

  • Meine Omi hat auch mit meinem Großvater zusammen den Betrieb ihres Vaters übernommen und weiter ausgebaut (Einzelhandel). Die hat mehr als Vollzeit gearbeitet, genauso wie ihr Mann.

    und wie fanden das die Kinder?

    Ich finde das in diesen Diskussionen immer etwas skurril.... irgendetwas bleibt auf der Strecke...ich habe ehrlich gesagt andere Ansprüche an die Beziehung zu meinen Kindern als meine Großeltern vermutlich, die ihre Kinder im und nach dem Krieg aufzogen und da auch einfach ums Überleben gekämpft haben, Geburtenkontrolle nur eingeschränkt möglich war und die Kinder dann eben auch nicht die Möglichkeiten hatten.....

    Soweit ich weiß, sehr unterschiedlich. Meiner Mutter hat es nicht gefallen, die fühlte sich glaube ich zweitweise einsam und nicht gesehen. Wobei ich nicht weiß, ob das an der Berufstätigkeit lag oder einfach daran, wie viel oder wenig Kopf sich die Eltern um ihre Kinder gemacht haben.


    Meine Mutter war dann selbst lange mehr oder minder zuhause und das war auch wieder nicht ideal. Dann waren meine Eltern getrennt und meine Mutter hat je zu 50% studiert und Geld verdient, das war auch nicht ideal.


    Ihre Schwestern fanden es glaube ich OK.


    Ich habe mich neulich mit einer Kollegin länger unterhalten, die 4 Kinder hat und 80% arbeitet (aber 80% von meiner Arbeitszeit, die liegt im Schnitt bei 50h) und vor Corona auch dazu noch 4x pro Woche 1,5h einfache Fahrt gependelt ist.


    Sie sah es total als ihr Privatvergnügen an, dass sie nicht Vollzeit arbeitete und nach dem 4. Kind sogar ein Jahr Elternzeit genommen hatte, auch im Verhältnis zu ihrem Mann. Das fand ich schon krass. Wir haben uns fast gestritten deswegen. Sie kommt aus Südamerika und meinte, sie mache sich durchaus Sorgen wegen des Vorbilds, das ihre Töchter hier in Deutschland erleben, dass es nicht normal sei, sich als Frau selbst voll um den eigenen Unterhalt zu kümmern.


    Interessanterweise haben wir noch eine weitere Kollegin im Team, die zumindest für sich selbst ähnlich denkt; sie hat ihre Kinder bewusst als ihr Problem gesehen und Betreuung etc. alles ohne ihren Mann geplant. Damit war sie auch beruflich sehr erfolgreich.


    Wie kann das denn sein, dass im früheren Westen meistens das Gehalt des Mannes ausgereicht hat und ich so viele Aussagen lese, wir können uns das aber nicht leisten?


    Ich weiß nicht, ich komme mir unendlich alt vor - ich empfinde die Mentalität zur Zeit - ich will alles.... und nein das geht nicht. Da bin ich sehr bei @Lilian.

    Ich glaube, das ist eine Mischung aus realem Kaufkraftverlust und deutlich gestiegenen Ansprüchen an Konsum und Lebensstandard.

  • Ich bin inzwischen aber auch überzeugt davon, dass nicht für jedes Kind das Gleiche gut ist

    Ja.


    Ich habe mich bei deiner Beschreibung gegruselt, ich war in meiner Klasse lange unglücklich und bis zum Schluss froh, wenn ich nach Hause konnte.


    Meine Mutter war ja überwiegend zuhause - ich weiß gar nicht, ob ich sie so viel gebraucht hätte. In der Rückschau hätte ich lieber mehr Papa gehabt, der hat aber "selbstverständlich" Vollzeit gearbeitet...