Kann man als Mama Karriere in der Wissenschaft machen?

  • Hallo liebe Raben,


    ich bin neu hier, finde aber beim Einlesen den Umgangston so nett und kompetent, dass ich euch gerne mal mein Herz ausschütten möchte. Falls ich dabei irgendwelche Gepflogenheiten misachte, entschuldigt bitte und sagt mir am besten gleich, was nicht passt, ich bin absolut lernwillig :)


    Also -- ich bin promovierte Sozialwissenschaftlerin an der Uni, mache also brotlose Kunst, das aber total gerne. Seit gut anderthalb Jahren habe ich eine tolle Tochter. Als wir übers Kinderkriegen geredet haben, war für mich klar, dass ich auf jeden Fall wieder arbeiten will, das war auch in der Beziehung völlig klar. Der Papa hat erst zwei Wochen nach der Geburt seine erste Stelle angefangen, weshalb auch logisch war, dass er maximal die beiden Vätermonate Elternzeit nehmen konnte. Ich habe nach sieben Monaten wieder auf zehn Stunden angefangen zu arbeiten; als die kleine Erbse ein Jahr alt war, ist sie in die Kita gekommen und ich habe auf eine halbe Stelle aufgestockt. Weil man an der Uni ja fast auschließlich projektbezogen und befristet arbeitet, hatte ich eigentlich gar kein Anrecht darauf, die Elternzeit nachzuarbeiten, aber nette Chefs, die das irgendwie doch ermöglicht haben. Die nachgearbeitete Elternzeit und damit mein Vertrag laufen zum Herbst hin aus. Danach gibt es erstmal keinen Anschluss, mein Prof ist emeritiert und es wird jemand neues mit neuem Mitarbeiterstab auf die Professur kommen. In der nachgearbeiteten Zeit war ich eigentlich nur mit Stückwerk befasst, habe also so gut wie gar nichts für meine eigene Weiterqualifikation gemacht und damit auch nichts, aus dem irgendwo eine Weiterbeschäftigung entstehen könnte.


    Mir hat die Prekarität der Wissenschaft eigentlich nie was ausgemacht. Halb- bis Dreijahresverträge, -- naja, es ist ja immer was nachgekommen. Auf ner halben Stelle gezahlt werden und für eine ganze arbeiten, -- naja, dafür ist man flexibel, selbständig und macht Sachen, die einen wirklich interessieren. Man muss irgendwann weg (mindestens mal in eine andere Stadt, wenn nicht am besten ins Ausland), wenn man in der Wissenschaft vorankommen will, -- naja, ist doch spannend und man sieht was von der Welt. Man muss sechs Jahre nach der Diss untergebracht sein, sonst kriegt man keine Haushaltstelle mehr, -- naja, dann muss man halt gut sein.


    Seit ich eine Familie habe, nervt mich die Prekarität wahnsinnig. Ich will mal planen können. Ich will wissen, dass ich für die nächsten Jahre untergebracht bin. Ich will mein Kind und meinen Freund nicht durch die Republik schleifen, ohne zu wissen, für wie lange. Ich will keine blöden Vertretungsprofessuren in Hinterpusemuckel übernehmen und meine Tochter nur drei Tage die Wochen sehen. Und ich kann nicht mehr so arbeiten, wie ich es vorher getan habe: solange, bis es halt fertig und gut war. Jetzt lasse ich punkt viertel vor vier den Stift fallen, egal, was ich grade tue, um die Erbse von der Kita holen zu können.


    Aber: ich liebe meinen Beruf, ich mache super gerne Lehre, ich forsche total gerne, und ich bin in beidem gut.


    Unsere Kita ist toll, total flexibel und extra auf berufstätige Eltern ausgerichtet. Ich leiste mir eine Putzhilfe. Unsere Tochter ist ein wahnsinnig liebes, wirklich pflegeleichtes Kind. Eigentlich habe ich wirklich gute Grundvoraussetzungen. Aber ich bin andauernd überfordert, schaffe nichts im Verhältnis zu dem, was ich schaffen möchte, und setze mich konstant unter Druck. Und parallel reden wir über ein zweites Kind...


    Gibt es hier Leute, die auch gerne, aber in einem (auf lange Zeit) total unsicheren Arbeitsfeld arbeiten? Wie geht ihr damit um? Ist es vermessen einfach zu glauben, dass man die gleichen Maßstäbe an sich ansetzen kann wie vorher? Muss man einfach Kompromise schließen? und wo? Ist es sinnvoller, sich was zu suchen, was zwar langweiliger ist, aber dafür mehr Sicherheit bietet? und findet ihr es nicht auch zum Schreien, dass man sich vornehmen kann, was man will, plötzlich hat man wieder die verfluchten althergebrachten Geschlechterstrukturen reproduziert??? Trotz Reflexion und gemeinsamen Entscheidungen? einfach, weil jede einzelne Entscheidung genau so grade Sinn gemacht hat?


    Ihr seht, ich bin grade etwas frustriert und ziemlich verloren. Ich weiß, dass ihr keine Patentantworten habt, aber vielleicht gibt es den einen oder die andere, die für sich in einer ähnlichen Situation eine gute Lösung gefunden haben? Es würde mich schon freuen zu lesen, dass ich mich mit diesen Fragen nicht allein rumkämpfe...


    Dank euch schonmal fürs Zuhören! :)


    Aomame

    Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. #ja

  • Huhu,


    also ich arbeite nicht in der Wissenschaft, allerdings in einem Arbeitsgebiet, welches a) sehr schnelllebig ist b) bei dem große Flexibilität vorausgesetzt wird und c) es zudem eine Männerdomäne ist, was es für mich als Frau noch schwieriger macht.


    Mir war eigentlich von Beginn an klar, dass ich ab dem Tag, an dem ich mir quasi eine Familie anschaffe, ich mich im Job so gut wie selbst abschieße. Ich kann - selbst wenn unser Sohn ganztägig außerhäusig betreut würde - den Job nicht mehr so ausfüllen, wie das vorher ging und eigentlich auch erwartet wird.


    Allerdings, wie gesagt, das wusste ich. Und ich habe dann Traumjob gegen Familie abgewogen und mir ist meine Familie dann doch wichtiger. Natürlich würde ich gerne beides unter einen Hut bekommen, aber ich kann das nicht erzwingen. Und mein Kind und indirekt mein Mann waren es mir wert, mir jobmäßig was Neues bzw. Anderes zu suchen. Das habe ich allerdings -wohl wissend, was auf mich zukommt - bereits vor der Geburt in Angriff genommen.


    Natürlich gibt es Momente, da denke ich an den alten Job zurück und wünsche mir, den noch zu haben. Aber ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass darunter unser Sohn zu leiden hätte. Und dann ist die Wehmut schnell verzogen.


    Letzten Endes ist das sicherlich eine ganz individuelle Entscheidung und es gibt kein generelles richtig oder falsch. Wenn man seinem Job stets hinterher trauert und das Kind indirekt dafür verantwortlich ist, dass Mama unglücklich ist, dann hat das Kind von der Anwesenheit der Mama auch nicht wirklich was. Da muss man wahrscheinlich auf sein Herz hören und dann trifft man auch die richtige Entscheidung und findet den Weg, das entsprechend umzusetzen.


    Du machst das schon... Nimm Dir Zeit und Ruhe und brich nichts übers Knie. Vielleicht kann Dein Mann ja auch mehr auffangen als bislang - wenn Du es mehr einforderst. Viel Erfolg!

    Sternenkind 11/2004 #kerze
    Junge 10/2010 #herz
    Junge 8/2013 #herz
    Sternenkind 9/2015 #kerze

  • Mir geht es ähnlich, auch mit dem Gesinnungswandel den du beschreibst. Was ich früher vielleicht sogar positiv gesehen habe nervt mich jetzt kolossal. Ich hangel mich von Vertrag zu Vertrag und von Ort zu Ort und habe bisher das Glück dass sowohl Partner als auch Kinder das unterstützen.

  • Vor den Kindern war mir klar, dass ich studieren, promovieren und dann weltberühmt werden will. Sozusagen. Also eine anständige Wissenschaftskarriere machen will.


    Ich habe momentan nach meinem Diplom eine Mitarbeiterstelle (befristet auf 6 Monate, jetzt in Elternzeit, nach der Elternzeit sind davon noch 3-4 Wochen übrig). Angedacht war, ich mache Mitarbeiter bis ich eine Doktorandenstelle habe und promovieren dann. Ich habe die Stelle schwanger mit meinem zweiten Kind angetreten, und jetzt bin ich gerade für 1,5 Jahre in Elternzeit und ich bin auch gerade am sortieren:


    Die Arbeit macht mir Spaß, aber ich bin nicht bereit, viel länger zu arbeiten, als ich bezahlt werde (haha, in der Wissenschaft..). Ich will auch keine volle Stelle, 30h im Monat sind mein persönliches Maximum solange die Kinder noch jünger sind (ist ja zumindest auf dem Papier kein Problem, allerdings kriegt man ja eh bloß halbe Stellen und volle Arbeit wird verlangt..). Ich bin extrem heimatverbunden, ich will hier nicht weg, ich will auch nicht meine Kinder (solange sie so klein sind) für eine Woche "allein" lassen, während ich in Singapur auf einer Konferenz bin. Wegziehen will ich absolut nicht. Eigentlich spricht das alles ziemlich gegen promovieren und dann weitermachen, und ich bin momentan auch am überlegen, ob ich nicht auf eine Promotion (jetzt) verzichte (wenn die Kinder älter sind, vielleicht dann) und lieber in die Wirtschaft gehe. Ob ich da aber meinen Wünschen entsprechend unterkomme, ist auch fraglich, die Uni ist im Alltag wohl doch eher kinderkompatibel, aber da habe ich noch nicht genau geguckt, das mache ich demnächst. (Mein "Notfallplan" ist zur Zeit, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen - promovieren, aber das so familientauglich wie möglich zu machen und das durchzuboxen. Aber eigentlich will ich das nicht.)


    Es gibt hier aber einige promovierende und promovierte Frauen mit (kleinen) Kindern (die ziehen dann halt auch nach Norwegen um für den PostDoc), und eine Juniorprofessorin mit Kleinkind hat in den letzten Jahren auch Einzug gehalten. Aber wenn ich mir da die Arbeitszeiten ansehe .. Das will ich nicht. Ich weiß, dass ich hier problemlos Karriere und Kinder haben könnte, wenn ich bereit wäre, Familienabstriche zu machen, aber das bin ich nicht. Von daher werde ich versuchen, einen (halbwegs) sicheren Brötchenjob mit familientauglichen Arbeitszeiten zu bekommen, und wenn die Kinder älter sind, vielleicht habe ich dann noch Lust auf Promotion. Ich bin auch einer ganz anderen Ausbildung nicht abgeneigt, aber da das wohl auch eher weniger in Teilzeit geht, fällt das flach. Aber auch da habe ich noch nicht genauer nachgeschaut. Das waren bisher reine Überlegungen.


    Ich kenne auch eine Frau, die hat studiert, Promotion angefangen, kurz vor Ende abgebrochen, Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, gearbeitet, erstes Kind bekommen, dann auf Berufsschullehrer umgeschwenkt (mit ihren Studienfächern), und für sie passt es.

    Do one thing everyday that scares you - Eleanor Roosevelt
    When you reach for the stars, you may not quite get one, but you won't come up with a handful of mud either - Leo Burnett

  • Hallo,


    also um mal die Frage im Titel zu beantworten, ich denke schon, dass man das kann. Ich kenne viele Professorinnen die Kinder und Familie haben und zufrieden sind. Aber ich denke auch, dass es nicht zu jeder passt.
    Ich habe nach meinem Studium angefangen zu promovieren und etwa zur Halbzeit meines 3-Jahresvertrages ein Kind bekommen. Mein Vertrag hat sich auf formlosen Antrag übrigends völlig problemlos und selbstverständlich um Mutterschutz+Elternzeit verlängert, ich denke das kommt aufs Bundesland und die Art des Vertrages an. Die Situation mit meinem Mann war genau wie bei Dir. Neuer Job und deswegen nur die zwei Vätermonate.
    Ich habe nach der Elternzeit weiter gemacht, dann aber schnell rausgefunden, dass promovieren nciht mehr wirklich das richtige für mich ist. Die Deadlines haben mich gestresst, ich hatte Probleme mit meinem Projekt und mit meiner Betreuung (und ich habe festgestellt, dass ich eine altmodische Art von Wissenschaftler bin; eher so der Typ der sich allein im Kämmerlein einwühlt und nicht der Netzwerker etc). Kurz, ich hatte viele Probleme die ich sicher mit Anstrengung alle auch gelöst bekommen hätte. Aber ich habe gemerkt, dass es mir das alles nicht mehr wert ist. Um den Titel ging es mir eh nie und die Aussicht nachher in Jobs auf ähnlich hohem und stressigem Niveau zu arbeiten, hat mich nicht gefreut (dazu kam noch, dass ich mich auch im Thema vergriffen habe, aber das ist hier erstmal nicht relevant). Die ganze Arbeitssituation in Academia hat mich nur noch genervt. Befristete Verträge, die Erwartung am Wochenende und abends zu arbeiten etc hat für mich gefühlt nicht mehr gepasst.
    Mein Vertrag läuft Ende August aus und ich habe beschlossen nicht promovert werden zu wollen. Nach der Entscheidung ging es mir wirklich viel viel besser. Ich werde nun Lehrerin. Ich habe nämlcih festgestellt, dass ich wirklich gern unterrichte und das glaube ich auch ganz gut hinbekommen habe in den Veranstaltungen die ich an der Uni gegeben habe. Eigentlich wolte ich auch lieber so eine Lehrbeauftragten-Stelle weil mir Unistoff mehr Spass macht. Aber da ist man wieder bei den Problemen: befristete Verträge, alle paar Jahre an nem anderen Ort (ganz davon abgesehen, dass man ohne Promotion kaum Chancen auf so eine Stelle hat). Also Schule. Die Aussichten sind da einfach viel familienfreundlicher. Außerdem verbeamtet Niedersachsen noch. Ich tausche also meine Lust an anspruchsvollerem Lehrstoff gegen Sicherheit und Familienfreundlchkeit. Ich mach den Tausch gerne.


    Zu den Rollen in die man gerät: ja, ist bei uns auch so. Eigentlich sind wir beide aufgeklärte emanziperte Menschen. Und doch bin ich als Mutter zu Hause geblieben, habe anschließend weiter Teilzeit gearbeitet und mein Mann hat nur seine zwei Vätermonate genommen und arbeitet Vollzeit (hinzu kommt noch, dass ich jetzt nachdem ich ein Kind bekommen habe die Promotion aufgebe). ABER, ich finde das nicht schlimm. Es passt gerade auf unsere Familiensituation und ich weiß, dass sich das auch ändern kann. Solange niemand in ein Rollenbild gedrängt wird, ist es für mich in Ordnung. Ich möchte so frei sein mir mein Rolle selbst zu wählen. Wenn das Hausfrau und Mutter ist, dann ist das gut. Jemanden der Teilzeit arbeiten, oder ganz zu Hause bleiben möchte, in eine Karriere zu drängen (im Namen der Gleichberechtigung oder was weiß ich) finde ich genauso falsch wie Frauen daran zu Hindern Karriere zu machen.


    Ich wünsche Dir alles Gute.

  • Hi,


    jetzt grübel ich aber sehr, ob ich dich kenne ;-). Aber vielleicht bist du ja gar nicht in Bielefeld?


    Bei mir ist es ein bißchen anders, denn ich habe schon direkt nach dem Diplom, als ich noch nicht wusste, dass ich ne Uni-Karriere mache, zuerst den Kinderwunsch gehabt und auch zu realisieren versucht. Bis das dann, durch Wartezeit und Fehlgeburt, endlich klappte, hatte ich gerade ein gutes halbes Jahre eine Wissenschaftliche Hilfskraft Stelle und wollte sehr gerne dort weiter arbeiten. Und weil mein Vertrag 2 Wochen vor Beginn des Mutterschutzes enden sollte, habe ich mir überlegt, eine Promotionskonzept mit meinem Chef zu besprechen und im Zuge der Zeitplanung dann auch schon die Elternzeit einzuplanen.
    Mein Chef fand beides, Diss-Plan und Schwangerschaft, echt toll. Hat sich sehr mit mir gefreut etc. Und hat mir dann schnellst möglich einen neuen Vertrag gegeben, damit ich "in Ruhe brüten" kann #super .
    So bin ich, quasi als Stellensicherungsmaßnahme, wie die Jungfrau zur Diss gekommen *g*.


    Inzwischen habe ich 2 Kinder, massenhaft Daten erhoben und auch fast schon eingegeben und muss jetzt "nur noch" zusammen schreiben.


    Man muss allerdings sagen, dass meine Einrichtung wirklich überaus familienfreundlich ist und ich absolut freie Hand habe und nichtmal erwartet wird, dass ich 40 Std die Woche (bei halber Stelle) arbeite.
    Eine große Karriere werde ich wohl nicht machen, es sei denn, die Habil fällt mir dann auch quasi in den Schoß! *g*
    Aber ich plane inzwischen eh nur noch für höchsten 1-2 Jahre und damit gehts mir ganz ok.


    Die Rollenverteilung war bei uns gerade durch den Job deutlich weniger "klassisch". Wir hatten eigentlich geplant, dass ich als Geisteswissenschaftlerin halt Zuhause bleibe und mein Mann als Naturwissenschaftler Karriere macht 8-) . Da ich dann aber doch einen zukunftsfähigen Job hatte, haben wir unsere Pläne geändert und als ich dann noch in der Elternzeit beim ersten Kind eine Stelle als Wissenschaftliche MA angeboten bekam, haben wir gemeinsam entscheiden, beide mit halber Kraft Karriere zu machen. Mal sehen, ob das klappt!
    Bei meinem Mann hat es super geklappt. Der hat eine Überfliegerdiss abgeliefert und daraufhin ne tolle Stelle außerhalb der Uni angeboten bekommen.
    Leider arbeitet er nun 500km von hier entfernt und wie sind wieder ständig am Kompromisse schließen und rumorganisieren.
    Aber alles in allem klappt es viel besser als erhofft und das erstaunt mich immer wieder.


    Aber wir haben auch echt viel Glück gehabt.


    Mal sehen, wie das weiter geht.


    LG, Katinki


    mit J. (3/2008) und G. (1/2011)



    2.321 Beiträge!

  • Ne, ich meine die Threadstarterin. Sooo viele Sozialwissenschaftliche Unis gibts nicht in OWL ;).


    LG, Katinki


    mit J. (3/2008) und G. (1/2011)



    2.321 Beiträge!

  • die meisten professoren, die ich kenne haben keine familie, selbst die männer haben entweder keine kinder oder sind geschieden.


    ich kenne ein päärchen, das kinder hat und beide an der uni sind. aber das ist stress pur und ich würde es nicht wollen.


    also würde ich deine frage tendenziell mit nein beantworten. leider.

    ****Glitzer mit der schnecke (05/06), dem bär (11/08 ), dem hulk (06/13) und findus (04/17) #love ****
    #rabe Für Raben gibt es bei gluecksrabe 5% Rabatt (gebt bei der Bestellung "rabenrabatt5" ein)

  • Liebe alle,


    dank euch für eure Antworten! -- in der ganzen Bandbreite, in der sich meine Emotionen derzeit bewegen :)


    Per PM hab ich noch eine weitere Antwort bekommen von einem Forumsmitglied, das lieber anonym bleiben will, allerdings mit der Erlaubnis den Beitrag in den Thread zu kopieren. Das tue ich also mal (die Formatierung haut mir leider komische Zeilenumbrüche rein, ich weiß nicht, wie ich das verhindern kann):


    Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. #ja

  • Hm, ich habe jetzt dummerweise bei jedem einzelnen Beitrag beim Lesen gedacht: genau! Ich kann genausogut von Seiten der Familie argumentieren wie von Seiten des Jobs, und beides gleichermaßen völlig ernst meinen -- nur nicht gleichzeitig. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin zwei Personen: wenn ich mit meiner Tochter zuhause bin, ist mir völlig wurscht, was auf meinem Schreibtisch wartet. Wenn ich im Büro bin, dann ärgere ich mich, dass ich jetzt aufhören und in die Kita muss. Und zwischendrin, in der Bahn hin und zurück, schaffe ich es, gegenüber beiden Seiten ein schlechtes Gewissen zu haben.


    Ich glaube, die Kunst ist, sich entweder wie jabberwocky und sitopanaki für eine Priorität zu entscheiden (bei den meisten wird das die Familie sein, schon allein deswegen, weil man die viel schlechter anpassen kann als den Job -- ich habe im Bekanntenkreis aber auch eine Frau, die Mann & zwei Kinder für die Karriere als Professorin sitzenlassen hat), oder wie die Anonyma pragmatisch in den Selbstansprüchen zu werden, aber dafür auch konsequent ein Ziel zu formulieren und darauf hinzuarbeiten, statt immer wieder alles in Frage zu stellen. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung in Ruhe und am besten gemeinsam getroffen und nicht übers Knie gebrochen werden, wie Mädchen79 sagt. Und vielleicht ist es auch einfach so: es braucht zusätzlich zu allem anderen auch ein bisschen Glück, und wenn das kommt ist gut, und wenn nicht, dann muss man halt was anderes tun.


    Natürlich ist es dann einfacher, es mit der Karriere zu versuchen, wenn in der Beziehung der andere zur Not als Brotverdiener fungieren kann und man selber dadurch auch die Freiheit zum Scheitern hat. Das ist bei uns nur bedingt der Fall, mein Freund hat auch einen befristeten Vertrag, und eine Familie davon zu ernähren würde zudem knapp. Andererseits würde ich sicherlich auch anderweitig irgendwo unterkommen, ich bin halbwegs breit qualifiziert, der Broterwerb könnte also vermutlich gesichert werden (ob auf sichererer Basis als jetzt, ist schwer zu sagen, die Option Schule steht mir jedenfalls leider nicht offen). Ich habe nur Sorge, dass ich mir auch da Chancen verbaue, je länger ich mich noch im Versuch einer wissenschaftlichen Karriere festbeiße.


    Ich finde es jedenfalls beruhigend, dass ich mit den Fragen nicht alleine bin. Und auch, dass es Frauen gibt, die es zwar auch nicht grade einfach fanden, es aber trotzdem geschafft haben, beruflich wo anzukommen, wo es ihnen gefällt. Ich muss ehrlich sagen, dass mich auch ein gewisser politischer Trotz befällt, wenn ich über diese Sachen nachdenke. Ich sehe einfach nicht recht ein, dass das nicht machbar sein soll. Ob das gut ist (weil es mir Energie gibt) oder schlecht (weil es meine Prioritäten auf merkwürdige Weise verschiebt und mich unter Gelingensdruck setzt), kann ich gar nicht sagen.


    Katinki: kann gut sein, dass wir uns kennen :) auf Anhieb wüsste ich es jetzt aber nicht sicher...


    Dank euch nochmal für eure offenen Berichte und ausführlichen Reflektionen!

    Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. #ja

  • Natürlich ist es dann einfacher, es mit der Karriere zu versuchen, wenn in der Beziehung der andere zur Not als Brotverdiener fungieren kann und man selber dadurch auch die Freiheit zum Scheitern hat.


    Das finde ich eine interessante Perspektive. Bisher hatte ich immer eher den Eindruck, dass Wissenschaft zeitlich so anspruchsvoll ist, dass es leichter ist, wenn man zuhause einen Partner hat, der einem den Rücken freihält.

  • Ich würde mal anfangen mit "Ja man kann". Das hängt so sehr von den Umständen, den persönlichen Ansprüchen, den Kindern und dem Partner ab...
    Meine Professorin hat einen Sohn. Den hatte sie aber noch während des Studiums und ich glaube ehrlich, dass es mit einem Einzelkind einfacher ist. Ihr Mann hat auch irgendwie Karriere gemacht glaube ich.
    Die anderen zwei Frauen am Institut mit Kind und relativ guter Stelle haben beide klar das Modell, dass Ihre Karriere favorisiert wird und er eher dazuverdient da wo sie halt grad sind (so wie Shakes das schreibt). Gerade die internationalität und das häufige Umziehen machen eine Karriere für beide ja eher schwierig.
    Ein weiteres Modell ist natürlich dass beide in der Wissenschaft arbeiten und die Männer wenn sie dann Professoren sind ihren Frauen eine Stelle besorgen (sorry, nicht genderkorrekt aber der Realität entsprechend).
    Bei mir gibts wahrscheinlich keine wissenschaftliche Karriere nach der Promotion. Allerdings weniger wegen der Kinder sondern mehr auch wegen meines Mannes. Er kann sich noch so viele Male umziehen schlicht nicht vorstellen und vermisst seine Familie jetzt schon sehr.

  • das kann sogar richtig gut gehen, aber auch völlig daneben - kommt auf die Motivation, die Kinder und die örtlichen Gegebenheiten an
    meine Cousine ist seit einigen Jahren Professorin an einer TU, hat 2 inzwischen erwachsene Söhne und einen ebenfalls wissenschaftlich arbeitenden und habilitierten Mann
    wichtig auf dem Weg dahin war
    - sie liebt die Forschung und ihr Gebiet
    - sie hat die ganze Zeit kurze Wege gehabt (Wohnung, Kindergarten, Schule, Uni im 10-Minuten-Fahrrad-Radius)
    - sie ist mit den Kindern 1-3 Jahre zuhause geblieben, hat aber derweile weiter an ihrer Diss geschrieben
    - sie hatten frühzeitig neben Kiga/Schule eine Kinderbetreuung (erst ein Student, dann eine Kinderfrau fürs abholen vom Kiga und sonstige Zeiten) und später auch eine Putzfrau, außerdem wenig Ansprüche an Äußerlichkeiten
    - die Familie hat keine zeitraubenden anderen Hobbies, die beiden leben quasi in ihrem Fachgebiet und erholen sich z.B. auf Exkursionen, da waren die Kinder auch immer mit dabei (dreckverschmiert und fröhlich)
    - ihr Mann hat sich gegen eine eigene Unikarriere entscheiden (vielleicht ergab sich das auch einfach, weiß ich nicht genau) und hat anfangs (mit einer durchaus auch attraktiven Stelle) für das regelmäßige Einkommen gesorgt, als sie noch mit befristeten Verträgen rumdümpelte, dafür hat er später nach dem Ruf an die Uni einen ziemlich Traumjob als ihr Anhängsel bekommen


    klar hatten sie oft wenig Zeit für die Kinder und viel Stress im Alltag
    anders hätten sie es trotzdem nicht haben wollen, weil sie im Beruf so aufgehen
    und die Söhne sind sehr sympathische und selbständige junge Männer, waren als Kinder zeitweise nicht einfach, aber das ist wahrscheinlich eher eine Frage des Charakters


    ich habe das gleiche Fach studiert, aber schon während der Diplomarbeit gemerkt, dass ich nie soviel Energie nur in die Wissenschaft stecken möchte und einfach nicht der Forschungstyp bin
    deshalb kam eine Diss für mich auch höchstens als Notnagel in Frage, wenn ich nichts anderes gefunden hätte
    dann hatten wir das Problem, dass mein Mann seiner Arbeit hinterherziehen musste und ich erstmal mit Kind und ohne Arbeit da stand, aber für die Kleinkinderzeit war es okay so, danach habe ich einen Einstieg gefunden und bin nun ziemlich fachfremd, aber zufrieden mit meiner Arbeit
    ich finde es für mich schöner, nur teilzeit zu arbeiten (30h/Woche, bleibt stressig genug, da ich den Alltag mit Kinderterminen allein stemmen muss) und mehr mit den Kindern zu erleben
    wenn mein Mann familienfreundlicher arbeiten könnte, wäre auch manches anders, aber so isses nun mal nicht

    Liebe Grüße,
    Tine und die Muckelmäuse (7/98 und 9/02)


    ...ich flog in dein Licht...

  • Naja, in meinem Fachgebiet stellt sich ja eher die Frage, "kann ich überhaupt eine Arbeit finden..."
    Aber grundsätzlich: ja, schon. Es ist auf jeden Falll abhängig von gewissen äusseren Umständen, aber die kann frau durchaus mitbeeinflussen (bei mir zähle ich da mal zum Beispiel meinen teilzeitarbeitenden Mann dazu).


    Ich bin gerade eher in "Wissenschaftspause" - nicht ganz, aber mit nur einem wissenschaftlichen Job mit 20% und einem 50%-Brötchenjob in einem anderen Fachgebiet schiebe ich gerade eine eher ruhige Kugel, habe das aber auch bewusst gewählt und hoffe, bald wieder durchstarten zu können.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Schwieriges Thema und ich kann verstehen, dass es bei dir grade sehr emotional ist.


    Ein bekanntes Paar von uns (3 Kinder) hat es nur so lösen können, dass einer ganz daheim ist und der andere sich auf seine wissenschaftliche Karriere stürzt. Eben weil die alles beinhaltet, was du oben beschrieben hast. Ewig lange Überstunden, Auslandsaufentahlte, sie sind schon mehrfach umgezogen wegen dem Job, teils auch ins Ausland. Anfangen haben beide gearbeitet, aber das hat einfach nicht funktioniert. Entweder sie hätten sich dann getrennt oder einer den Job aufgegeben und in dem Fall ging es halt nur mit einem zuhause.


    Ich selber haben früher auch eine wissenschaftliche Karriere angestrebt, aber nachdem Kind 1 schon im Studium kam und selbst das kaum mit Familie zu vereinbaren war und ich eben zu wenig Zeit und Kraft in Dinge stecken konnte, die nicht ganz dringen notwendig waren (also noch mehr Kurse besuchen, Praktika, etc) hatte sich das nun ziemlich schnell erledigt. Der Fachbereich interessiert mich immer noch sehr und ich war auch sehr gut in dem, was ich gemacht habe. Aber da war halt auch nichts mit Teilzeit oder geregelten Arbeitszeiten und dafür auch zu schlecht bezahlt. Insofern bin ich jetzt auch daheim.

  • Ich lese hier auch interessiert mit. Danke fuer die vielen interessanten postings :)


    Ich wuerde auch gerne "Karriere in der Wissenschaft machen", habe aber auch die Familienvereinbarkeitszweifel und frage mich manchmal, ob es nicht besser ist gar nicht erst in diese Richtung zu gehen... #confused (Ich hab grad erst meinen Master gemacht und moechte ab Sept. den PhD anfangen).


    Das Positive hier ist, dass mein Mann Informatik studiert und damit recht flexibel ist, was den Wohnort angeht und eventuell sogar von zu Hause aus arbeiten kann, selbst kein besonderes Interesse an einer "Karriere" hat und (so wie ich) gerne umzieht.
    Der Versuch die gewuenschten Kinder (gerne 4) moeglichst frueh und das letzte Kind spaetestens mit 31-33 zu bekommen wird aber wohl leider am nicht so schnellen Schwangerwerden und stillgestoerten Zyklen scheitern. Schade, denn ich denke so (sprich Familienplanung frueh abschliessen) wuerde das ganze etwas leichter sein... :S

    Mit der Großen (2011), dem Mittleren (2014), dem Ministernchen (2015) und der Kleinen (2018)

  • hier.
    aber ob das mit der karriere noch was wird...


    ich promoviere derzeit - mit einigen schwierigkeiten - geisteswissenschaftlich. ich tendiere aus unterschiedlichen gründen immer mehr gegen eine habil. zum einen wegen der ständigen befristung, zum anderen wegen dem erheblichen biographischen risiko. ich bin jetzt schon eher mitte als anfang 30, wenn ich es tatsächlich schaffe, meine promotion zu beenden, dann bin ich mitte 30. wenn ich dann eine habil anschliesse, sind das locker nochmal 6 jahre - eher mehr. dann bin ich anfang 40. dann wirds eng. da ist nur noch professur oder es wird schwierig. während man mit diss auch noch ausserhalb der uni was kriegt, wirds mit habil haarig.


    ich sehe an meinem institut, dass es möglich ist, karriere mit kindern zu machen. unsere professorinnen haben alle kinder. nr1 hat sehr schnell studiert, dann promoviert, dann habilitiert (heute kaum noch möglich, die war effektiv mit anfang 30 habilitiert), dann hat sie mit beginn der professur zwei kinder bekommen, ihr mann ist aber hausmann (er ist ausländer und hatte schwierigkeiten, in D einen job zu finden, also blieb er zuhause). nr2 hat 4 kinder (2mal zwillinge 8I ), sie hat sie am ende der diss und während der habil bekommen, auch sie hatte einen mann, der zeitweise zuhause blieb (resp. auch diss schrieb etc), als die kinder älter wurden begann er aber eine karriere im ngo-bereich, sie war aber nie im ausland und kam zu ihrer professur via "hausberufung", auch wenn es gedeckt und beschönigt wurde, sie hat an ihrer heimuni studiert, doktoriert und habilitiert (heute wohl auch kaum mehr möglich). nr3 hat ihre beiden kinder auch während der habil bekommen, mit betreuung durch mann, familie und kita. auch sie war nie länger im ausland, aber hat an verschiedenen unis gearbeitet.


    was auch wichtig ist:
    - man muss bereit sein, seine kinder familienergänzend betreuen zu lassen.
    - man muss bereit sein, nie feierabend zu haben.
    - man muss damit leben können, dass der haushalt liegen bleibt, man keine apfelkuchen bäckt, keine marmelade einmacht, keine türkränze windet etc. (oder jedenfalls nicht als lebensaufgabe), und der partner muss auch damit leben können.
    - es ist enorm enorm enorm wichtig, wen du "heiratest", also wer dein partner ist und ob er/sie mitzieht.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

    Einmal editiert, zuletzt von ainu ()

  • Das hast du schön zusammen gefasst ainu! So wahr! Hier noch keine Osterdeko :)


    Zu der Eingangsfrage: ja, Mama kann. Aber sie muss viel geben und auf vieles verzichten. Und einen tollen Mann haben (der auch noch einen flexiblen Beruf hat).


    Ich befinde mich gerade in der Übergangsphase zwischen Postdoc und Habilitation, muss nur noch Geld antreiben und umziehen. Ich habe meine Kinder zwischen Studium und Promotion bekommen, wobei ich 4 Jahre pausiert habe. Zum einen, weil ich in dieser Phase mit Kindern zu Hause sein wollte und zum anderen weil man in meinem Fach schwanger und stillend keine Forschung betreiben kann. Promoviert habe ich also als die Kinder klein waren und ich muss gestehen, dass ich in dieser Zeit meine Ansprüche an mich selbst zurückschrauben musste. Meine Dissertation war nicht perfekt, nur gut. Dafür hatte ich umso erfolgreichere POstdoc-zeit und kann jetzt, wo die Kinder grösser sind, so richtig loslegen.


    Für die Familie ist es aber nicht einfach, wir werden zum 2. Teil innerhalb 3 Jahre Bundesland wechseln. Ich bin mir dessen bewusst und habe meine Entscheidung zusammen mit der Familie getroffen.