Lesen durch schreiben, völliger Unsinn?

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  • Hallo,

    Selbstverständlich. Darum wäre eine Rückkehr zur alten Fibelmethode in meinen Augen ein großer Fehler.
    [...]
    Eine Methodenvielfalt finde ich am Besten und die ist mMn bei freien, individuellen, aber gut begleiteten Ansätzen am ehesten zu gewährliesten.


    Da denkt und argumentiert wohl jeder aus seiner persönl. Erfahrung heraus. (Auch das klang im "Spiegel" an, Herr Brügelmann kommt darin über seine eigene Schulzeit zu Wort.) Für den visuellen Lerntyp finde ich 'Lesen durch Schreiben' eher schwierig. Die Seite mit Beispielen zum Dehnungs-H in meiner alten Fibel sehe ich dagegen immer noch vor meinem geistigen Auge.


    Papier und Theorien sind geduldig, die gute Begleitung auch noch mit verschiedenen Ansätzen im Schulalltag wahrscheinlich häufig ein frommer Wunsch.


    Mir würd's schon reichen, wenn lehrerseitig eine klare Ansage käme, wie ein Wort wirklich geschrieben wird. Das Lehrerwort hat viel mehr Gewicht, aber es ist - bei uns - leider selten glasklar. *seufz*



    PS: Falls jmd. eine DDR-Fibel von Anfang/Mitte der 70er hat und die nicht mehr will, bin ich eine Abnehmerin :)

  • carlotta, gibt es eigentlich auch Studien, welche Lerntypen prozentual wie vertreten sind?
    Müßte individuelles Lernen nicht eigentlich bedeuten, daß man beim Thema Methode(n) auf den Lerntypus Rücksicht nimmt?

    mein mann sagt: ja, die gibt es. ich habe sie jetzt nicht auf tasch.


    und gut vorbereiteter unterricht ist eigentlich immer so angelegt, dass möglichst viele lerntypen angesprochen werden. das funktioniert nicht in jeder stunde zu 100%. und wer dadurch lernt, dass er aktiv etwas nachvollzieht, wird wohl in den meisten schulen zu kurz kommen.


    grundsätzlich lernen alle menschen am besten, wenn eine information auf mehr als einem wege ins hirn gelangt.

    Denn Gott in seiner Weisheit hat es den Menschen unmöglich gemacht, mit Hilfe ihrer eigenen Weisheit Gott zu erkennen.
    Stattdessen beschloss er, alle zu retten, die einer scheinbar so unsinnigen Botschaft glauben. 1 Kor 1,21

  • Im Übrigen wurde uns als Kind schon immer erzählt, wie schlecht doch unsere Schrift und unsere Rechtschreibung heutzutage wäre, "als wir Kinder waren, mussten wir noch seitenweise abschreiben und bekamen was auf die Finger wenn wir schmierten, aber wir haben es gelernt und sind heute dankbar für die Strenge!" Nun ja, vermutlich auch irgendwie so ein Generationending...


    Trin, ich kann da nicht so recht mitreden, da ich Deutsch erst ab der 10. Klasse gelernt habe, aber wir haben neulich Hefte verglichen. Die von der Mutter meines Mannes (40er Jahre) - top Schrift, wie gemalt, keinerlei Fehler drin. Die von meinem Mann (70er Jahre) - Schrift schlechter, aber so gut wie keine Fehler drin. Und die von Jasmin - Katastrophe. Die von Jasmins Cousinen auch. Schrift Sauklaue, anders kann man´s nicht nennen, Rechtschreibung nicht vorhanden. Jeweils zweite Klasse, bei allen.
    Und in dem Spiegel-Artikel war eine Statistik, die mir das Ganze durchaus bestätigt hat (ich hab den Artikel im Heft).


    Und nochmal zum eigentlichen Thema - es nützt mir nicht wirklich was, wenn die Methode grundsätzlich funktionieren kann, wenn das, was hier in der Schule daraus gemacht wird, hinten und vorne nicht funktioniert. Und in der 3. müssen die Kinder Rechtschreibung können, weil sie bewertet wird. Können sie aber nicht...
    Ich weiß auch nicht, wer danach gefragt hat, ja, ich kann mich tatsächlich an meine Noten erinnern und daran, daß ich in Diktaten grundsätzlich immer das Äquivalent zu einer deutschen 1 hatte - mit einer Ausnahme in der 1. Klasse, da hatte ich mal einen Fehler drin (aber auch hier, es war nicht Deutsch).

    LG H. mit J. (17,5) und S. (bald 12)

  • Trin, ich kann da nicht so recht mitreden, da ich Deutsch erst ab der 10. Klasse gelernt habe, aber wir haben neulich Hefte verglichen. Die von der Mutter meines Mannes (40er Jahre) - top Schrift, wie gemalt, keinerlei Fehler drin.

    Hmja, und wir wissen auch alle, wie das zustande kam... :|


    Ich kann jetzt auch nur vom verlinkten Artikel und unseren Erfahrungen ausgehen, aber bei dem Mann klingt für mich einfach nur "Früher war alles besser, mecker mecker mecker, Scheiß-68er" durch. #weissnicht
    Gibt es Kinder, die mit der Methode nicht zurecht kommen? Bestimmt (Don Blech würde ich tendentiell in die Kategorie einordnen). Gibt es Lehrer, die das scheiße umsetzen? Garantiert. Aber das macht die Methode nicht grundsätzlich schlecht.

    Das Sams (05/2005) + Don Blech (01/2008 )



    mit dabei seit 6.9.2004

  • Was heißt eigentlich, in der dritten klasse muss die Rechtschreibung da sein?


    Ich erinnere mich noch daran, dass wir ab der dritten Klasse intensiv die rechtschreibregeln durchgenommen haben.
    Da waren die groß und Kleinschreibung, die Trennungsregeln, das Dehnungs-H, Umlaute und Wortstamm.
    Das kam alles so nach und nach dran. Und fing aber erst in der zweiten Klasse an, weil wir vorher gar nicht frei geschrieben haben, da gabs nur abgeschriebene Texte.
    Und abgeschlossen war das in der Realschule auch noch nicht.


    Zu meiner Schulzeit waren Fehler ganz schlimm, sowohl für die Lehrer, als auch für die Kinder.
    Ich erinnere mich noch daran, wie in der 3. Klasse Musikunterricht meine Freundin die Hausaufgabe abschreiben wollte:
    "Der kleine Trompeter" 1. und 2. Str. lernen
    Sie hat aber statt Str. Strofe geschrieben. das gab von der Lehrerin Ärger, weil sie nicht eigenmächtig Worte schreiben darf, die wir noch nicht erlernt haben. Ich weiß, dass mich das entsetzlich demotiviert hat.

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • naja, ich bin schon sehr froh, dass 1. meine kinder nicht wie früher auf schönschrift und rechtschreibung gedrillt werden. wir mussten ab der 2. klasse mit füller schreiben - keine ausnahmen. bleistift war nur zum zeichnen da. killer verboten.


    mein großer ist 3. klasse und schreibt mit bleistift - er ist linkshänder - da stört sich keiner dran. mit füller würde er verzweifeln. dabei vermute ich schon, dass er dann irgendwann eine besse4re handschrift hätte (schlimm ist jetzt nicht, aber schöner ginge schon).


    und dass ich 2. nicht meine klasse auf schönschrift und gestochen scharf und kein fehler drin drillen muss.


    was anderes war das nämlich früher nicht. und es wurde SEHR viel mehr zeit auf rechtschreibung lernen verwand als heute. dafür liegt jetzt der schwerpunkt auf freiem formulieren und kreativen eigenen gedanken.


    wenn ich mich frage, ob ich mir für meine kinder wünsche, dass sie fehlerfrei schreiben - oder, dass sie kreative geschichten mit spannungsbogen und pipapo zuwege bringen und daran spaß haben, dann möchte ich letzteres.


    man kann nicht bei weniger zeitaufwand gleiche erfolge erwarten.


    will hier wirklich jemand gerne zurück zum rechtschreiben und schönschreibdrill?

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  • Frisch ausgelesen und zur Thematik passend möchte ich mal das Büchlein von Günther Thomé empfehlen: ABC und andere Irrtümer über Othographie. Eine Kurzrezension kann man hier nachlesen http://lrs-legasthenie.info/re…rtumer-uber-orthographie/


    Meine persönlichen Aha-Erlebnisse waren folgende seiner genannten Irrtümer:
    - Rechtschreiben lernt man durch Lesen (hatte ich persönlich immer anders empfunden, aber möglicherweise gehöre ich auch zu den im Thread genannten visuellen Typen)
    - Die Unterrichtsmaterialien sind geprüft und korrekt
    - Rechtschreiben lernt man durch Diktate
    - Jeder, der rechtschreiben kann, kann es auch unterrichten


    Dass die Rechtschreibung von Schülern heute schlechter beherrscht wird, als noch vor 40, 60 oder 100 Jahren fand ich hingegen sehr einleuchtend. Andererseits: Wenn ich mir den Deutschunterricht meines Sohnes (aktuell Ende 2. Klasse) ansehe, heißt das auch, dass mittlerweile völlig andere Inhalte wichtig sind. Hier wird Ende der zweiten Klasse eine Buch- oder Themenpräsentation erwartet, an mein erstes 'Referat' kann ich mich erst zum Ende der Grundschulzeit erinnern und das sah bei vielen Klassenkameraden so aus, dass die schriftliche Ausarbeitung vor der Klasse vorgelesen wurde.


    Wenn in früheren Zeiten die Inhalte der Grund- und Volksschule darin bestanden Rechnen und Schreiben zu lehren, meine ich, daß mittlerweile vieles hinzugekommen ist, was ebenfalls vermittelt werden soll. Die Methodenkompetenz (nennt man das so?) hat Vorrang vor der schlichten Reproduktion (Abschreiben, stoisches Päckchenrechnen) und dann soll auch noch Englisch ab der ersten Klasse zweistündig unterrichtet werden. Da die Unterrichtszeit nur begrenzt verfügbar ist, müssen halt irgendwo Abstriche gemacht werden.

  • Was mich im Moment in der Diskussion hier sehr verwundert, ist, dass es so klingt, als bedeute Fibelmethode: ständiges Wiederholen gleicher Worte und stures Auswendiglernen von Lernwörtern, ohne die Regeln dahinter und Kinder, die schon weiter sind, müssen sich halt langweilen und dürfen keine "unbekannten" Worte schreiben. So habe ich diese Methode nun auch wieder nicht verstanden (und bei mir selbst und meinem Sohn erlebt). Das ist sicher bei guter Umsetzung genauso Unsinn, wie wenn man der Lesen nach Schreiben Methode unterstellt, es werde da nie auf die Rechtschreibung geachtet.


    Für mich bedeutet Fibelmethode in der ersten Klasse die schrittweise Einführung von Buchstaben, häufigen Buchstabenkombinationen und Worten, aus denen dann nach und nach Wörter und Sätze zusammengesetzt werden. Und natürlich dabei auch das Einführen von ersten Regeln.
    Mein Sohn hat übrigens mit dieser Fibel in der 1. Klasse gelernt. Die hat übrigens auch Anlauttabellen mit drin, unterstützt also auch parallel das freie Schreiben. Außerdem hinten auch viele längere einfache Texte, mit denen die Kinder, die schon weiter waren, schon früher arbeiten konnten.

    Freda mit dem Jan-Feb-Mär-Trio (01/05 + 02/08 + 03/12) #love


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  • Beim Stichwort Fibelmethode fällt mir persönlich schon mein eigener Grundschulunterricht ein. Und damals (Mitte der 70er im Westen) war es noch bei Höchststrafe verboten Wörter zu schreiben, die noch nicht eingeführt bzw. geübt waren. Heute hingegen sollen bereits Erstklässler freie Texte formulieren - das sind meiner Meinung nach sich widersprechende Lernziele.

  • Isch vinte das Sisthem supa.
    Main Kint lernt fil und mit ainem Lärer, der kaine Reschtschreiprekeln erklert mach isch dahaim hallt seinen Tschob, da im Tigtat nix mär ist mit frai schraiben unt 1 F ne 1,
    2 Fheler ne 2 usw. ist.
    Nächstes Schuljahr kommt GsD eine NEUE Lehrerin #yoga

  • Anfang der 70er in Bayern hatte niemand was dagegen, wenn wir eigenständig versucht haben, Wörter zu schreiben - irgendwie gab es da wohl auch mehrere Formen.


    WIe weiter vorne geschrieben, hat Nepomuk auch mit der *ich nenn es mal so* modifizierten Fibelmethode schreiben gelernt: Antlauttabelle, Einführung der Vokale und dann zügig die Konsonanten, sodass es schnell möglich war zu schreiben. Da gab es kein Verbot irgendwelche Wörter zu schreiben #weissnicht


    Carlotta, Dein Einwand, dass GS heute viel mehr Kompetenzen vermitteln soll und deswegen weniger Zeit für den RS-Unterricht bleibt, ist sehr überzeugend. Dass mit den LRS-Kindern sehe ich etwas anders: mit einer anderen RS-Vermittlung sind diese besser aufgestellt. Und das finde ich, angesichts der Tatsache, dass ihr Schulweg meist schwieriger ist, nicht unwichtig.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Aber ist es eben nicht so, dass hier der "Fibelmethode" Dinge unterstellt werden, die genauso Vorurteile sind (weil man das ja halt früher größtenteils so gemacht hat mit Strenge, Verboten, stoischem Abschreiben etc.), wie der "neumodischen" Lesen nach Schreiben Methode unterstellt wird, gar keine Regeln zu kennen?
    Das hat ja auch nichts mit der Methode ansich zu tun.


    Edit: bezog sich auf Elektra

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  • Ich war 1980 in der Grundschule. Wir haben zwar nicht in der ersten Klasse offiziell frei geschrieben, aber für uns schon. Es war kein Drill, es ging lustig und interessant zu. Die Schreibmenge war ok. Und ganz früher hat ja auf die Tafeln auch nicht soooo viel gepasst. Die Menge (auf einmal) macht es nicht.


    Genauso kurz gegriffen wie "Früher war alles besser" ist das "früher war alles viel schlimmer".


    Im Übrigen finde ich die Kreativleistungen meiner Schüler nicht besser als das, was ich vor 12 Jahren vor die Nase bekommen habe. Aber das ist natürlich nur persönliche Meinung (die aber viele Kollegen teilen).


    Das Untermauern von solchen Methoden durch "Untersuchungen" ist immer schwierig. Als Lehrer muss man auch damit leben, dass man sich auf sehr wackeligem Terrain bewegt und die "Beweisbarkeit" von didaktischen Erfolgen schwierig ist. Auch wenn es in entsprechender Lektüre natürlich oft anders klingt.


    Und wenn ich mich recht entsinne, verteufelt der Spiegel das nicht in Gänze sondern die exrtreme Welle und die schlechte Umsetzung.


    Ach ja: Wenn ich eines bei uns in der Umgebung an den Schulen sehe, dann ist es, dass individuelle Kontrolle der Haussaufgaben und anderer Schülerwerke immer noch eher unzureichend ist...

  • Aber ist es eben nicht so, dass hier der "Fibelmethode" Dinge unterstellt werden, die genauso Vorurteile sind (weil man das ja halt früher größtenteils so gemacht hat mit Strenge, Verboten, stoischem Abschreiben etc.), wie der "neumodischen" Lesen nach Schreiben Methode unterstellt wird, gar keine Regeln zu kennen?
    Das hat ja auch nichts mit der Methode ansich zu tun.


    Edit: bezog sich auf Elektra


    Aber ist es eben nicht so, dass hier der "Fibelmethode" Dinge unterstellt werden, die genauso Vorurteile sind (weil man das ja halt früher größtenteils so gemacht hat mit Strenge, Verboten, stoischem Abschreiben etc.), wie der "neumodischen" Lesen nach Schreiben Methode unterstellt wird, gar keine Regeln zu kennen?
    Das hat ja auch nichts mit der Methode ansich zu tun.


    Edit: bezog sich auf Elektra


    Da stimme ich Dir durchaus zu, ich habe einfach mal unterstellt, daß früher ausschließlich 'nach Fibel' unterrichtet wurde. Deswegen fand ich meine Buchempfehlung so interessant. Da wird das Phänomen nämlich unabhängig von der genutzten Methode unter die Lupe genommen.


  • Ach ja: Wenn ich eines bei uns in der Umgebung an den Schulen sehe, dann ist es, dass individuelle Kontrolle der Haussaufgaben und anderer Schülerwerke immer noch eher unzureichend ist...


    Ein Punkt, in dem ich Dir als Elternteil absolut zustimme. Hier ist maximal ein Häkchen unter den Hausaufgaben, wenn überhaupt. Da frage ich mich schon, wozu Hausaufgaben gegeben werden, wenn nicht von der Lehrkraft auch deren Richtigkeit kontrolliert wird. Ist das tatsächlich nicht zumutbar? Aber das ist ein anderes threadfüllendes Thema....

  • Trin, ich kann da nicht so recht mitreden, da ich Deutsch erst ab der 10. Klasse gelernt habe, aber wir haben neulich Hefte verglichen. Die von der Mutter meines Mannes (40er Jahre) - top Schrift, wie gemalt, keinerlei Fehler drin. Die von meinem Mann (70er Jahre) - Schrift schlechter, aber so gut wie keine Fehler drin. Und die von Jasmin - Katastrophe. Die von Jasmins Cousinen auch. Schrift Sauklaue, anders kann man´s nicht nennen, Rechtschreibung nicht vorhanden. Jeweils zweite Klasse, bei allen.
    Und in dem Spiegel-Artikel war eine Statistik, die mir das Ganze durchaus bestätigt hat (ich hab den Artikel im Heft).


    Du hast jetzt gar nichts über den Inhalt gesagt. Das wundert mich etwas. Ist denn die Form das Entscheidende oder der Inhalt? Wenn in den Schriftproben Deiner Schwiegermutter und Deines Mannes ein langweiliger Text à la "Uta hat einen Hut." steht und nur Reglementiertes geschrieben werden durfte, das man vorher seitenweise eingetrichtert bekam: was sagt das dann über das "Schreiben-Können" der beiden aus? Meiner Meinung nach nichts.


    Ich stimme Dir natürlich 100% zu, dass ein Unterricht ohne Feedback über Fehler nichts bringt. Aber das Schreibtraining der 40er oder auch der 70er Jahre: ohne mich!

    Es wünsch mir einer was er will, es geb ihm Gott 2x soviel

  • Dass mit den LRS-Kindern sehe ich etwas anders: mit einer anderen RS-Vermittlung sind diese besser aufgestellt. Und das finde ich, angesichts der Tatsache, dass ihr Schulweg meist schwieriger ist, nicht unwichtig.

    aber RS vermittlung ist unabhängig von der schreiblernmethode.


    das problem scheint ja zu sein, dass RS vermittlung von vielen kollegen bei lesen durch schreiben zu spät und zu unkoordiniert passiert.


    wenn man ab dem moment, in dem ein kind verstanden hat, wie lesen geht (alle gängigen laute buchstabenzeichen zuordnen kann und die laute zusammenziehen kann - sich also worte erlesen kann) anfängt, mit ihm über die korrekte schreibweise zu sprechen, dann kann man *dann* auch unterschiedliche methoden anwenden.
    habe ich kein problem mit dem einen kind zu sagen: schreib das 10 mal ab, damit du es dir einprägst und dem anderen das ist die regel - finde 5 beispiele, auf die das zutrifft.


    das ist RS vermittlung und das muss bei jeder fibelmethode auch passieren.


    ganz davon ab: wieviele LRS kinder sind denn vor schuleintritt schon diagnostiziert?

    Da frage ich mich schon, wozu Hausaufgaben gegeben werden, wenn nicht von der Lehrkraft auch deren Richtigkeit kontrolliert wird.

    ich persönlich gebe hausaufgaben, weil die eltern das wollen. ich brauche sie für meinen unterricht nicht, halte überhaupt nichts davon (sie verstärken die leistungsschere weil sie schwache schüler benachteiligen, sie verzerren das leistungsbild, weil man nicht weiß, wer die aufgaben mit oder ohne hilfe gemacht hat) insbesondere, da zunehmend in den schulen oder im hort HA gemacht werden - das halte ich für vollkommen sinnfrei.


    aber eltern wollen HA und beschweren sich, wenn es zu wehnig sind. meine schule hat es sich auch auf die fahnen geschrieben, welche zu geben (maßgeblich, weil es eine privatschule ist und die eltern wollen, dass die kinder ordentlich zu hause arbeiten müssen), also muss ich es tun.


    ich finde, es hält im unterricht auf, denn die gemeinsame kontrolle ist sterbenslangweilig. wer es vergessen hat, kriegt gleich mal eins auf den deckel und die freude am lernen ist für die stunde dahin. wer es nicht konnte darf sich als loser outen und sagt lieber gar nichts.


    außerdem kann man nicht einen lernschritt (üben) komplett auskoppeln und nach hause verlegen. lernen passiert nicht in einer festen abfolge. es sind auch am ende der stunde nicht alle kinder auf demselben stand. die einen haben es schon lange verstanden und müssen nichts mehr üben - wozu sollen die also ha machen? die anderen haben es noch nicht verstanden und können gar nichts üben - wozu sollen sie zuhause frustriert über den aufgaben sitzen? in solchen situationen die eltern oder nachhilfelehrer einzuspannen für das, was nicht in der schule passiert ist, halte ich für falsch. das ist mein job.


    dazu kommt, dass es schon lange (30 jahre) empirische studien darüber gibt, dass das berühmte "päckchen rechnen" keinerlei leistungssteigerung bringt. ähnlich ander stupidfe übungsaufgaben.


    die einzigen sinnvollen Ha, die nachhaltig zum lernerfolg beitragen sind nachbereitende, strukturierende aufgaben.
    oder individuelle ha.


    ich kann aber nicht in einer klasse mit 24 schülern, die möglichst frontal und lehrerzentriert lernen soll gleichzeitig was individuelles wie wochenplanarbeit und individuelle ha umsetzen. entweder das eine, oder das andere.


    also gebe ich wenig HA. und kontrolliere, ob was gemacht wurde, aber nicht, ob jede aufgabe richtig ist.

    Zitat

    Ist das tatsächlich nicht zumutbar?

    lass dir doch mal von einem befreundeten lehrer die HA eines tages (a 6 stunden) geben. mathe und deutsch in der grundschule sollte ja kein problem sein und schau mal, wielange du bei klassensätzen a 24 schülern sitzt.


    und dann hast du noch keinen unterricht vorbereitet.


    ich würde gerne jeden tag alle hefte einmal durchgehen - ich wüsste nur nicht, wann ich das machen soll. wenn ich jede ha auch korrigiere, dann müsste ich sehr wenig aufgeben. die schüler würde es freuen - aber manche eltern messen ja gerne die qualität einer schule an der menge der ha die aufgegeben wird.
    außer, das eigene kind hat probleme damit.

    Denn Gott in seiner Weisheit hat es den Menschen unmöglich gemacht, mit Hilfe ihrer eigenen Weisheit Gott zu erkennen.
    Stattdessen beschloss er, alle zu retten, die einer scheinbar so unsinnigen Botschaft glauben. 1 Kor 1,21

  • Zum Inhalt - nein, so weit ich beurteilen kann, ging es da nicht um seitenweise "Uta hat einen Hut", sondern um stinknormale Texte, von denen in Jasmins Heften auch genug drin stehen. Kein völlig freies Schreiben, sondern Bearbeiten von Aufgaben.


    Und hier ist übrigens Füller auch Pflicht und in Diktaten gibt´s bei einem Fehler schon eine 2 uswusf. Das paßt für mich schlicht nicht zusammen.
    Und die HA sind nicht für die Eltern da, ganz im Gegenteil, zusätzlich zu den HA wird auch noch erwartet, daß die Eltern mit den Kindern üben. Nicht statt HA, sondern zusätzlich. Selektion vom feinsten.

    LG H. mit J. (17,5) und S. (bald 12)

  • Naja, meine Mutter hat auch in den 70ern Schreiben gelernt ... da gab es bei missratenen Buchstaben oder einem wiederholten RS-Fehler eben das Holzlineal auf die Finger ... wie erfolgreich die damaligen Methoden waren, sieht man heute übrigens sehr gut in der Quote der Analphabeten dieser Zeiten.
    Natürlich hat man einige zu sehr guten Ergebnissen drillen können. Es gibt immer Menschen, die man mit jeder Methode - ob mit Strafe & Folter oder ausschließlichem Lob ohne jede Korrektur - zu Höchstleistungen bringt. Die Frage ist: Wie viele bleiben auf der Strecke?

    ... wartet auf: Impfung - Chip - Morgellon-Entwurmung.


  • Und die HA sind nicht für die Eltern da, ganz im Gegenteil, zusätzlich zu den HA wird auch noch erwartet, daß die Eltern mit den Kindern üben. Nicht statt HA, sondern zusätzlich. Selektion vom feinsten.

    Oh ja :S
    Auf meine vorsichtige Frage, wie ich bei drei Schulkindern und einem Vollzeitjob mit jedem Kind täglich Hausaufgaben machen, Tasche kontrollieren UND zusätzlich üben soll, kam die Antwort: "Das wissen wir auch nicht, das (also drei Kinder UND Arbeit) ist ja so auch nicht vorgesehen."
    #hilfe

    ... wartet auf: Impfung - Chip - Morgellon-Entwurmung.