Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

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  • @marita: Ne, als Mann könnte ich mir da jede Menge Mist erlauben. Da würden vielleicht dumme Sprüche kommen, aber die Grundfähigkeit und das Grundrecht des Mannes in diesem Job nicht infrage gestellt werden.

  • Der Rassismus liegt ganz oft in den Assoziationen die die fragenden haben. Es ist nicht das selbe ob jemand aus Finnland kommt oder aus Ägypten. Ersteres wird mit Seen Wälder Sehnsucht Romantik assoziiert, der zweite ist hier "weil er hier mehr verdient als zuhause" im günstigen Fall, oder gleich als Wirtschaftsflüchtling potentieller Terrorist angesehen. Es gibt halt "gute" Ausländer, da fragt man aus Interesse (und um zu erzählen dass man da auch schon mal im Urlaub war, oder gerne hinmöchte) und weniger gute, die fragt man ob sie irgendwann zurückmöchten.

    Zumindest erlebe ich es so

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • ja genau, das ist es, was mich daran betrübt. Ich denke auch, dass die allermeisten Menschen, denen meine Kinder bisher begegnet sind, überhaupt nichts Schlechtes im Sinn haben. Es ist nur so, dass das unbekümmerte und selbstverständliche Selbstbild, als Kind oder Jugendliche einfach dabei zu sein, irgendwann anfangen wird, Sprünge zu bekommen. Dabei bin ich sehr froh, dass beide Kinder einen sehr netten Freundeskreis haben, wo sie sich sehr unkompliziert zugehörig fühlen.

    Ich denke vielen ist auch gar nicht bewusst, dass diese (nicht selbstgewählte) Andersartigkeit einfach auch anstrengend und limitierend ist. Menschen, die in vom Aussehen zu ihrer Gruppe gehören, die koennen es sich leisten auch anderweitig herauszustehen, anders zu sein, sich anders anzuziehen, sich anders zu verhalten und zu denken. Waehrend das die Menschen, die einfach schon anders aussehen, noch weiter aus der Gemeinschaft entfernt. Ich kann es gerade schlecht in Worte fassen, was ich fühle, aber ich hoffe, ich werde verstanden.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • "gut" und "weniger gut" auf jeden fall.



    da ich locken habe und mein sohn die von mir geerbt hat, aber die dunkle haut von seiner koreanischen oma hat, hält man ihn sehr oft für einen arabischstämmigen mann. momentan die kackigste assoziation, die es so geben kann.


    wenn leute nachfragen, dann auch eher aus unangenehm-berührter zwangs-neugier.


    wenn sie dann erfahren (falls das so ist), dass das "eingekreuzte ausland" sich überwiegend auf korea beläuft, dann geht denen sofort das klappmesser in der buxe auf und die welt ist wieder in ordnung.


    gegenüber koreanern herrscht so eine nicht-ernstnehmende bewunderung. die werden alle für extrem fleißig, auch hoch intelligent, dabei brav und anständig gehalten (nicht so versaut wie z.b. japaner) und dabei in ihrer "männlichkeit" absolut nicht ernst genommen, gleichzeitig hält man sie für entzückend-spleenig.



    was diesen damen und herren zu "arabern" einfällt, braucht man gar nicht aufzulisten alles... und DIE wiederum werden für extrem testosterongesteuerte "stark-männer" (und grundsätzlich potenzielle vergewaltiger) gehalten. was sie zur konkurrenz und zu hasssubjekten macht.



    ich glaube, dass rassismus und sexismus unheimlich stark vernetzt sind.

    schwarze erfahren ja auch einen richtig harten rassismus und da ist auch stark die assoziation mit "manneskraft" bzw. sexueller potenz und der bereitschaft, diese mit (weißen) frauen auszuleben vorhanden. weshalb ich auch schon mehrfach miterleben musste, dass mütter, deren kinder offensichtlich durch einen schwarzen gezeugt wurden, ganz fies sexistisch angegangen werden.



    lg patrick

  • Achso, ja das mag sein, über klauende Polen und saufende Russen Witze zu reißen, wird eher toleriert als über Kriminelle Afrikaner.

    genau das. bei russen und polen (z.b.) geht man offenbar von einer genetisch vorgegebenen oder göttlich geschenkten „schmerzfreiheit“ diesbezüglich aus. die können das eher ab. oder so.

    Ist das nur bei Osteuropäern so? Ich kenne auch die unpünktlichen Spanier, die mafiösen Italiener, die dämlichen, fetten Amis...


    Und ich werde oft auch nach meiner Herkunft gefragt, was spannend ist, weil ich eine rein deutsch-deutsche Familie habe, aber dennoch irgendwie nicht so aussehe. Neulich habe ich einer Omi in den Öffis weitergeholfen, die hat mich dann gefragt "Sind Sie Perserin?" - da klang das aber als wäre das die höchste Auszeichnung (sie war wohl selber Perserin) und ich habe mich sehr geschmeichelt gefühlt.


    Seit ich einen Ausländer geheiratet habe, habe ich auch meinen superdeutschen Nachnamen abgelegt, gegen einen, den man nicht zuordnen kann, der aber eindeutig nicht deutsch ist. Und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass mir das im Leben Nachteile bringt.

  • Sei versichert dass es Nachteile hat einen ausländischen Namen zu haben. Ein Bekannter von mir hatte beim Telefonat, als er sich nach einer Stelle erkundigt hat sehr positive Rückmeldung. Er hat einen international gängigen Vornamen und einen koreanischen Nachnamen, der aber auch deutsch sein könnte. Sein Deutsch ist perfekt und akzentfrei. Er wurde gebeten doch seine Bewerbungsunterlagen vorbei zu bringen und als er erkennbar vor Ort war kühle die Freundlichkeit merklich ab. Er hatte das Gefühl nur deshalb eingeladen worden zu sein weil sie im Vorfeld den "Ausländer" nicht identifizieren konnten.

    Andersherum, hätte er Mohammed ben hastenichgesehen geheißen hätte man ihn allenfalls aufgefordert seine Unterlagen per Post zu schicken.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Achso, ja das mag sein, über klauende Polen und saufende Russen Witze zu reißen, wird eher toleriert als über Kriminelle Afrikaner.

    genau das. bei russen und polen (z.b.) geht man offenbar von einer genetisch vorgegebenen oder göttlich geschenkten „schmerzfreiheit“ diesbezüglich aus. die können das eher ab. oder so.

    Und diese unsäglichen "polnischen Konzentrationslager", gerade wieder gehört von jemandem, der zur Judenverfolgung promoviert. Vielleicht auch eine gewisse

    Achso, ja das mag sein, über klauende Polen und saufende Russen Witze zu reißen, wird eher toleriert als über Kriminelle Afrikaner.

    genau das. bei russen und polen (z.b.) geht man offenbar von einer genetisch vorgegebenen oder göttlich geschenkten „schmerzfreiheit“ diesbezüglich aus. die können das eher ab. oder so.

    Und diese unsäglichen "polnischen Konzentrationslager". Gerade wieder gehört von jemandem, der zur Judenverfolgung promoviert. Vielleicht auch eine gewisse Ignoranz ggü. Polen/Osteuropa.

  • Ja genau. Aber KZs gab es in einem großen Teil Europas in vielen vom deutschen Reich besetzten Gebieten: auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs, Belgien, Dänemark, Italiens, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien ... und eben auch in Polen und dem heutigen Russland. Es wird leider oft übersehen, wie riesig das Netz der KZs war. Das war eine riesige Maschinerie.


    Von polnischen KZs zu sprechen sollte aber jemandem, der in dem Bereich wissenschaftlich arbeitet, nicht passieren. Polnische KZ-Gedenkstätten ja. Aber die KZs waren nicht und nie polnisch.

  • Ich finde eine blackfacingdebatte bei konkreten Personen ja echt schwierig. Gerade das Beispiel in dem Artikel, dass man als Basketballfan auch einen weißen Michael Jordan anhimmeln könnte, wenn er nur die richtige trikotnummer trüge, finde ich ein gutes Beispiel für die Angst, nur keine Hautfarben zu benennen.


    Hautfarbe ist doch genau so ein Körpermerkmal wie Größe oder Statur. Warum muss man also auf Teufel komm raus vermeiden, sie zu benennen?


    Es geht ja in dem Artikel nicht um den "stilisierten Schwarzen", dem bestimmte Eigenschaften unterstellt werden. Sondern zB um einen ganz konkreten Menschen namens Michael Jordan.

  • stimmt. Da werden irgendwie zwei Sachen vermischt. Denn zu Beginn ist ja die Rede von den "stilisierten Schwarzen". Also z.B. Heilige 3 Könige oder Swarte Piet.

    Aber es dann mit Michael Jordan zu argumentieren, funktioniert nicht.


    Ich fand den Artikel interessant, weil ich mich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hatte und nicht wusste, dass es da eine extra Bezeichnung dafür gibt.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Ich habe das Beispiel mit Michael Jordan anders verstanden: wenn jemand sich zu Fasching als Michael Jordan verkleidet, dann reicht es, wenn er/sie das entsprechende Trikot trägt, er/sie muss sich nicht zusätzlich noch das Gesicht schwarz bemalen, um diese Rolle zu spielen.

  • Sei versichert dass es Nachteile hat einen ausländischen Namen zu haben. Ein Bekannter von mir hatte beim Telefonat, als er sich nach einer Stelle erkundigt hat sehr positive Rückmeldung. Er hat einen international gängigen Vornamen und einen koreanischen Nachnamen, der aber auch deutsch sein könnte. Sein Deutsch ist perfekt und akzentfrei. Er wurde gebeten doch seine Bewerbungsunterlagen vorbei zu bringen und als er erkennbar vor Ort war kühle die Freundlichkeit merklich ab. Er hatte das Gefühl nur deshalb eingeladen worden zu sein weil sie im Vorfeld den "Ausländer" nicht identifizieren konnten.

    Andersherum, hätte er Mohammed ben hastenichgesehen geheißen hätte man ihn allenfalls aufgefordert seine Unterlagen per Post zu schicken.

    Schoko

    Ging einer Kollegin von mir auch so (türkischer Nachname). Als sie auf Wohnungssuche war, hat sie mal beim selben Vermieter zweimal angerufen: Beim ersten Mal ihren richtigen Namen genannt - "Nein, die Wohnung ist schon weg." Beim zweiten Mal den Namen leicht geändert, so dass er deutsch klang - "Wann wollen Sie denn zur Besichtigung vorbeikommen?"

    Sie spricht übrigens akzentfrei deutsch (ok, ein Touch berlinerisch ist dabei).

    Mirjam mit Clown (2006) und Spaßvogel (2008) und Quatschkopf (2010)

  • Gibt es wirklich in Deutschland noch blackfacing bei Sternsingern? Ich habe das noch nie gesehen, selbst in meiner Kindheit nicht, und in unserer Gemeinde bzw. auch bei uns im Bistum habe ich auch noch nie gehört, dass jemand auf so eine Idee gekommen wäre.

    Und beim Krippenspiel? ??

    Ich finde das in der Tat einen sehr befremdlichen Gedanken, und genauso würde das wohl auch in unserer Gemeinde ankommen.

    Auf den Sternsinger-Fotos der Infoseite sternsinger.de konnte ich auch gerade keine angemalten Sternsinger sehen.


    lg martita