Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Tatsächlich fehlt mir einfach das Verständnis dafür, warum man über Jahre in einem Land lebt, ohne die dortige Sprache zu lernen. Ob das jetzt Deutsche auf Malle sind, türkische Gastarbeiter in Deutschland oder der amerikanische Businessman in Japan. Das bringt doch echt viele Probleme mit sich.

    Ich persönlich bin ja nicht allzu viel im Auslandsurlaub, aber wenn wir z.B. in Frankreich sind, ärgert es mich schon für die 10 Tage alle Jubeljahre, dass ich kaum Französisch spreche, weil das einfach alles total verkompliziert.


    Es macht je nach Umfeld eben nicht unbedingt Probleme. In meinem Umfeld sind einige, die es einfach nicht schaffen, die Landessprache zu lernen. Aber es macht ihnen im Alltag keine Problem, wenn sie z.B. Englisch oder Französisch können. Das ist hier so weit verbreitet, da kommt man eigentlich überall mit durch.


    Alle, die ich kenne, haben durchaus mal einen Kurs gemacht. Wenn es dann im Alltag nicht gebraucht wird, bringt so ein Kurs nicht viel

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Die integrationskurse sind unheimlich zeitintensiv mit 20h die Woche und sie können ausgesetzt werden, wenn man einen. Job hat

    Ich weiß, ich unterrichte solche Kurse. #zwinker


    Das braucht es aber auch gerade, wenn die Leute eben nicht täglich die Sprache sprechen sondern nur im Kurs, was mir die Regel zu sein scheint.

    Find ich toll. Wie bist du dazu gekommen, wenn ich neugierig fragen darf?


    Ich kenne einige, die fänden Kurse mit 5h die Woche ganz gut machbar neben der Arbeit. hier im Ort gibt es sehr vieles an Kursen (Mutter und Kind Kurse, sprachcafes, und VHS Kurse) Oft ist das Niveau aber katastrophal, die Bereitschaft zu hausaufgaben geht gegen Null, und es wird wenig differenziert.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Dieser Mann ist der Vater meiner Ältesten. Er hat Deutschland völlig frustriert letzten Monat verlassen und lebt jetzt in einem englischsprachigen Land.

    Bevor er nach Deutschland kam hat er übrigens Pharmazie studiert. Er hatte so große Pläne, war voller Elan ....

    Das ist so traurig. Ich kenne einige solcher Geschichten.


  • Ich kann alle die hier genannten Gründe unterschreiben, warum jemand auch nach langer Zeit die fremde Sprache nicht lernt.

    Und möchte noch hinzufügen, daß die Sprachkurse vielleicht Grundwissen vermitteln (bestenfalls), aber so gut wie nichts nützen, wenn keine deutschsprachigen Leute bereit sind, mit den Leuten zu reden.


    Hier im Schwabenland ist zusätzlich der Dialekt ein Problem. In den Kursen wird Hochdeutsch unterrichtet. Die Leute verstehen im Alltag kein Wort.

  • Fannie ja, das was du schilderst ist ein richtig großes Problem was auch diesen "hass" und die "wut" auf die "ausländer" fördert. Dieses einsperren ewige Jahre, die Ungewissheit.


    Es kamen hier im RegionalTV einige Beispiele in letzter Zeit über so schlimme Fälle. Finde ich sehr sehr schwierig.



    Nachtkerze ich hoffe du bekommst bald Anschluss. :) Ich fand einen Umzug innerhalb von Deutschland schon schwierig... es ist ja auch so, dass man denkt, alle kennen sich ect.

  • Weil einige der Antworten das zu implizieren scheinen: Ich würde niemandem einen Vorwurf machen ("Ich verstehe nicht,..." wird seltsamerweise oft als "Ich finde wirklich schlecht, dass..." verstanden), ich kann das nur wirklich nicht verstehen. Also, es mag natürlich Fälle geben, in denen das alles schwierig ist, will ich ja gar nicht sagen, aber für mich (so für mich ganz persönlich) könnte ich mir das nur sehr schwer vorstellen.


    Fannie, darf ich fragen, in welcher Sprache Ihr Euch unterhalten habt?

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?

  • Rattenkind , wir haben uns anfangs auf englisch unterhalten, später habe ich dann nur noch deutsch mit ihm gesprochen und er .... nun ja .... eine Fantasiesprache mit deutschen Elementen 😁


    Als wir uns kennengelernt haben war ich 15 und Klassenbeste in Englisch. Die Vokabeln waren also da, aber die Aussprache war doch sehr von meinem sachsen-anhaltinischen Umfeld geprägt. :D

    In Nigeria ist englisch ja Amtssprache ind es wird auch auf englisch unterrichtet in den Schulen. Gesprochen hat mein Freund aber Pidgin-Englisch. Das klingt völlig falsch, wenn du "richtiges" Englisch gelernt hast, ist aber leicht zu verstehen. "Wir haben uns lange nicht gesehen" heißt z.B. "Long time no see". Ohne Personalpronomen und Zeitformen. Wir werden uns lange nicht sehen, ich habe ihn lange nicht gesehen usw. ist einfach alles "Long time no see". Nachdem wir uns an die Besonderheiten im Englisch des anderen gewöhnt hatten, haben wir problemlos auf englisch miteinander kommuniziert.


    Wir waren 5 Jahre zusammen, also gar nicht sooo wenig. Allerdings davon über 3 Jahre Fernbeziehung und Handy, Internet usw. standen uns vor 25 Jahren einfach noch nicht zur Verfügung. Wir haben halt ein oder zwei mal in der Woche telefoniert und uns zwei Wochenende im Monat gesehen. Da hatten wir anderes zu tun als deutsch zu lernen #nägel


    Irgendwann (als er in meiner Familie ein bisschen deutsch aufgeschnappt hatte) habe ich angefangen immer mehr und schließlich nur noch deutsch mit ihm zu sprechen. Er hat mich ganz gut verstanden irgendwann, aber eben nur mich. Er konnte das nicht auf andere übertragen. Also nicht im großen Stil zumindest.


    Und er hat sich in im Laufe der Jahre ein Sprache angeeignet, die er für deutsch hält. Leider versteht ihn nur kaum jemand. Er hat sich viele Dinge total falsch eingesprägt und radebrecht halt seit 25 Jahren so vor sich hin.


    Um das mal zu verdeutlichen:


    Gemeint ist: Was machst du morgen?

    Er sagt: Wo gehinst tomorrow? Wörtlich wäre das "Wo gehst du morgen hin?" Tomorrow versteht jeder, braucht man nicht auf deutsch verwenden und "gehst du hin" ist halt zusammengezogen zu "gehinst". Wenn man das weiß, versteht man ihn damit ja auch, aber Fremde haben da keine Chance.


    Fernbedienung ist "Ferbindigung ". Versteht man im Kontext auch, als Angestellte eines Elektrofachgeschäfts guckst du aber wahrscheinlich wie ein Auto, wenn dich jemand nach einer "Ferbindigung" fragt.


    Er hat halt einfach nachgesprochen, was er zu hören glaubte. Als wir schließlich zusammengezogen sind, waren diese falschen Strukturen schon so verfestigt, da kam nix mehr gegen an. Ich hab ihn ja auch problemlos verstanden, weil ich ihn gut kannte. Und unsere Tochter kennt es auch nicht anders und versteht ihn.


    Wenn wir inzwischen alle paar Monate mal miteinander sprechen, habe ich manchmal große Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Ich bin es halt nicht mehr gewohnt, weil "long time no see" ;)

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Fannie ()

  • Spannend, danke für den Einblick!

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


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  • Fannie, das alles trifft so ähnlich auch auf meinen Ex zu, der auch aus Westafrika kommt. Wenn ich heute Englisch spreche, ist das immer noch sehr pidgingeprägt, was immer wieder für Irritation sorgt, weil ich auch einen deutschen Akzent habe. "Long time no see" verstehe ich sofort. oder auch "I go come" - ich komme gleich wieder. Und auch hier war das so, dass das Deutsch meines Ex und vieler seiner Freunde, sehr fantasiereich - aber wenig korrekt war. Das ist auch so geblieben. Mein Gefühl ist, dass sie keine einzige Sprache wirklich korrekt sprechen und die Sprachaneignung an sich ganz anderen Wegen folgt. Wenn sie sich unterhalten, ist das eine wilde Mischung aus ihren Muttersprachen, den Hauptsprachen des Landes, Englisch und Deutsch. Aber sie verstehen sich und das reicht aus. Aber um hier zu studieren oder ernst genommen zu werden, reicht es eben nicht.

    Mein Gefühl ist, dass die hiesige Spracherwerbsförderung zu sehr davon ausgeht, wie es in D eben in den meisten Regionen ist: Es gibt eine Sprache und die sprechen alle (mehr oder weniger) gut. Aber in vielen Regionen dieser Welt gibt es mehrere Sprachen und es ist völlig normal, dass jemand mit 3 oder mehr Sprachen aufwächst, die er oder sie dann alle irgendwie kann, ohne je auch nur eine Ahnung von Grammatik gehabt zu haben. Dann kommt die Person in einen Deutschkurs und jemand dort versucht, mit grammatikalischen Begriffen zu operieren und setzt dabei Strukturen voraus, die einfach nicht vorhanden sind. Ich habe AfrikanerInnen getroffen, die haben sechs oder sieben Sprachen gesprochen - aber ihr Englisch verstand ich nur, weil ich Pidgin kann und ihr Deutsch ist auch eine Art Pidgin-Deutsch. Ich nehme an, dass das auf alle der sechs Sprachen so zutraf.

    Um das zu verstehen, hab ich dann eine westafrikanische Sprache gelernt. Und erst da habe ich begriffen, wie verschieden der Aufbau von Sprachen sein kann. Darauf hatten mich die drei europäischen Fremdsprachen, die ich vorher gelernt hatte, nicht vorbereitet.

    Witzig ist: In meiner jetzigen Familie gibt es immer noch einige Worte, die mein Ex damals geprägt hat, "Unter den Linden" beispielsweise heißt immer noch nur "Untala" und wenn mir jemand was verständlich erklärt, dann erwidere ich gern "so blemstel Hase!"

  • danke, das ist sehr interessant tulan

    "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.

    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“


    Pfarrer Martin Niemöller

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von VivaLaVida ()

  • tulan , ja genau so. Das kann ich alles unterschreiben.


    Und dazu kommt noch, dass in weiten Teilen Afrikas Schulunterricht so funktioniert, dass im Chor wiederholt wird, was der Lehrer vorsagt. Lernen und Hausaufgaben bestehen aus auswendig lernen und wiederabspulen. Da ist nix mit selber ausprobieren und gelerntes anwenden und auf andere Sachverhalte übertragen usw. In Deutschland funktioniert das ganz anders mit dem Lernen und es werden Erwartungen gestellt, die viele Menschen gar nicht erfüllen können.


    Magst du erzählen, welche Sprache du gelernt hast? Nutzt du sie noch?


    Ich habe damals etwas Igbo gelernt. Nicht viel, so auf A2 Niveau ca. Inzwischen habe ich natürlich fast alles vergessen, aber ich freue mich immer noch, wenn neben mir in der Bahn Igbo gesprochen wird und ich ein paar Brocken verstehen kann #freu

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Fannie ()

  • Wissen die DaF-Ausbildenden denn von diesem Pidgin und der Art des (nicht-)lernens?

    Eine Freundin von mir hält auch Integrationskurse und sie klagt oft darüber, dass die Leute das nicht kapieren, was sie ihnen erklären möchte.

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul


  • Pamela es hat nur einen sehr kleine Personengruppe Anrecht auf einen Deutschkurs. Aktuell sind das Menschen aus dem Jemen, Irak, Syrien, Iran, Somalia und Eritrea. Das wars.

    Menschen aus anderen Nationen haben vereinzelt Anrecht auf einen Deutschkurs, wenn es ihre spezielle Situation hergibt. Sie können natürlich privat als Selbstzahler einen Kurs besuchen, aber das ist für die allermeisten utopisch.


    Auf Syrer z.B. trifft das von mir und Tulan beschriebene z.B. überhaupt nicht zu. Das von uns beschriebene findet sich nicht nur in Westafrika, trifft aber eben schon hauptsächlich und sehr ausgeprägt auf die von dort stammenden Menschen zu. Menschen aus Westafrika wirst du aber so gut wie nie in einem staatlich finanzierten Deutschkurs antreffen.

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Fannie ()

  • Der Mann meiner Freundin stammt aus Kenia und spricht völlig normales Englisch. Hat in Kenia auch schon studiert. Er hat hier diverse Sprachkurse gemacht und ist auf C2 Niveau. Das hat aber alles meine Freundin finanziert.... Er spricht wirklich super deutsch und bewegt sich Jobmäßig im englischen Sprachraum.

    Trifft das Pigdin Englisch eher für Westafrika zu?

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • holly , ja Pidgin-Englisch ist ziemlich typisch für Westafrika. Die Menschen aus Ostafrika, die ich kenne spreche alle kein Pidgin.


    In Nigeria werden übrigens über 500 Sprachen gesprochen. In einem einzigen Land! Ist das nicht der Wahnsinn?

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

  • Pamela : mein ggf. veralteter Stand ist, dass man für das Zertifikat Deutsch als Fremdsprache zumindest eine nicht-europäische (?) Fremdsprache lernen muss, eben um einen etwas weiteren Horizont bzgl. unterschiedlicher Sprachsysteme zu bekommen. Ich glaube aber, das konnte auch so etwas wie Türkisch sein, das zumindest in den Grundzügen relativ ligisch und harmonisch ist.


    Fannie : sind das wirklich alles verschiedene Sprachen oder eher verschiedene Dialekte? (Was ja schlimm genug sein kann)

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

  • Wenn wir inzwischen alle paar Monate mal miteinander sprechen, habe ich manchmal große Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Ich bin es halt nicht mehr gewohnt, weil "long time no see"

    :D:D:D


    Super interessant Dein Beitrag, Fannie . Und der letzte Satz hat meinen day gemadet, danke!

    Naja, vielleicht schon ... aber ... #rolleyes

  • Wie lange/wieviele Stunden dauert so ein Deutschkurs?

    Ich habe beruflich recht viel mit so Integrationskursen hier zu tun und bin oft beeindruckt, wie intensiv da gepaukt wird (gerade heute wieder).


    Die Leute sind meist topmotiviert, das ist echt eine Freude zu beobachten. Aber danach braucht es halt wirklich Alltag, Beruf oder andere Kontakte.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Die offiziellen Integrationskurse sind 700h in einem Jahr. 600h Sprache und 100h Landeskunde. Dazu kommen Prüfungen. Das geht mit Job kaum zu leisten und ich weiss, dass man die Pflicht zum Kurs erlassen bekommt, wenn man den Job zum Familienunterhalt braucht. Da beisst sich die Katze in den Schwanz.


    Mir war auch nicht klar, dass so viele Nationen vom Kurs ausgeschlossen sind.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

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