Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Wenn ich in meinem afrikanischen Lieblingsrestaurant esse und dort eritreische oder äthiopische Tänze aufgeführt werden, ist das trotz Authentizität VOLL Klischee

    Ist das dann nicht eher Folklore? Ich finde es immer schwierig, wenn man zu viel reflektiert (also vor allem das eigene Verhalten) und dadurch die Berührungsängste noch größer werden.

    Ja, das meine ich.
    Aber solche Überlegungen wie die Frage, ob die Umkaloabo-Werbung rassistisch ist, werfen bei mir echt das Gedankenkarussell an.
    Denn mal ehrlich: Ich selbst WEIß nicht, ob die Darbietung im Restaurant authentische Folklore ist, ein Teil der Kultur, oder ein daran angelehntes Klischee mit dem einzigen Ziel, den (meist weißen) Gästen zu gefallen.
    (In diesem Fall weiß ich es nun durch Zufall doch, aber in den meisten Fällen wird es anders sein, und ich wäre nun auch nicht in der Lage, den UNterschied zu erkennen.)

    Und mir fallen auf Anhieb Leute ein, mit denen ICH nicht ostafrikanisch essen gehen würde, weil sie es rassistisch finden, mit den Händen zu essen. Sie finden die Esskultur dieser Menschen gehört ihnen und sollte kein "besonderes Erlebnis für Weiße" sein.

    Ich empfand das immer anders, für mich gehört das wie die Stäbchen beim japanischen Essen dazu. Aber ich fange wirklich das Grübeln an.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



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  • Mmm. Wenn ein deutsches Medikament im Ausland mit unverständlichen bayerischem oder sächsischem Dialekt beworben würde, fände ich das auch doof.

    und wie ist das mit schweizer Hustenbonbons die vor Klischees triefend in Deutschland beworben werden?

    ich überlege gerade... Wenn ich meiner eigenen Logik folgen würde, müsste ich es rassistisch finden.

    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. (Nietzsche)

  • Das Wörterbuch sagt:


    1. (meist ideologischen Charakter tragende, zur Rechtfertigung von Rassendiskriminierung, Kolonialismus o. Ä. entwickelte) Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen

    2. dem Rassismus (1) entsprechende Einstellung, Denk- und Handlungsweise gegenüber Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen "der offene Rassismus der weißen Regierung, der Nazis"


    Das sehe ich hier nicht, es kommen m.E. gar keine Menschen vor, oder gibt es dazu vll. nen bebilderten Spot? Ich finde es bei solchen Beispielen echt schwer, von Rassismus zu reden, wenn gar kein bezug zu Menschen hergestellt wird. Der "weise schwarze Mann" kommt doch nicht vor, das ist doch eine mögliche Interpretation des Hörers, die er aber auch lassen kann. ich denk nicht an dunkelhäutige Medizinmänner, wenn ich den Spot höre. Wenn ich lese, dass das eigentlich ne schnöde Geranie ist und ich auch in meinen Blumenkübel beißen könnte, dann machen sich da bei mir eher andere Zweifel breit, warum ich das in der Apotheke kaufen soll.

  • Ich habe gerade mal auf der Firmenseite etwas gelesen.


    Alleine der Slogan "unaussprechlich, aber ausgesprochen gut" stößt mir auf.

    Gepaart mit:

    "Der Name "Umckaloabo®" basiert übrigens auf der Sprache der Zulu - einer Volksgruppe Südafrikas. Dort stehen ähnlich klingende Begriffe für starken Husten bzw. Schmerzen im Bereich des Brustkorbs. "



    Dann finde ich folgenden Absatz auch schwierig:

    "Wirksame und gut verträgliche Hilfe kommt häufig nicht aus den Labors der Chemieriesen, sondern aus der Natur. Im Beispiel Umckaloabo®aus der Savanne Südafrikas.

    Dort trieb der Mut der Verzweiflung einen an einer schweren Atemwegserkrankung leidenden Engländer zum therapeutischen Selbstversuch mit der Kapland-Pelargonie. Diese letztendlich glückliche Fügung führte dazu, dass deutsche Forscher ab Mitte des 20. Jahrhunderts das Potenzial der Heilpflanze erforschen und das pflanzliche Arzneimittel Umckaloabo®entwickeln konnten.

    Gute Hoffnung vom Kap

    Die Erfolgsgeschichte von Umckaloabo® begann im Jahr 1897. Damals reiste der schwer lungenkranke Engländer Charles Henry Stevens auf Anraten seines Arztes in den Süden Afrikas. Während seines Aufenthaltes in Lesotho beobachtete Stevens, wie ein Basuto-Heiler einen Sud aus der gekochten Rinde der Kapland-Pelargonie zubereitete und gegen Magen-Darm- Infekte verabreichte. Stevens wagte einen Selbstversuch und trank regelmäßig das Elixier des Medizinmannes, woraufhin er verblüffender Weise nach vier Monaten wieder genesen war. Er kehrte zurück nach Europa und führte die Kapland-Pelargonie in die europäische Medizin ein. Doch erst über hundert Jahre später konnten Arzneiforscher erstmals die genauen Wirkmechanismen aufschlüsseln."


    Also gerade das Wort "Selbstversuch" spricht doch massiv dem genannten Basuto-Heiler die Kompetenzen ab.

    Wenn ich zu einem Arzt gehe, und der mir Medizin gibt, dann ist das doch kein "Selbstversuch". Warum wird es als Selbstversuch bezeichnet, die Heilkünste eines traditionellen Heilers in Anspruch zu nehmen?


    Der ganze Text enthält dieses kolonialistische "die komischen Menschen dort machen komische Dinge, und zum Glück war ein EUROPÄER so MUTIG das auch mal auszuprobieren und VERBLÜFFENDERWEISE hat das sogar geholfen... und jetzt haben wir endlich in Europa diese exotische Medizin"

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • Und mir fallen auf Anhieb Leute ein, mit denen ICH nicht ostafrikanisch essen gehen würde, weil sie es rassistisch finden, mit den Händen zu essen. Sie finden die Esskultur dieser Menschen gehört ihnen und sollte kein "besonderes Erlebnis für Weiße" sein.

    Ich empfand das immer anders, für mich gehört das wie die Stäbchen beim japanischen Essen dazu. Aber ich fange wirklich das Grübeln an.

    Also ich glaube, da gibt es mehrere Szenarien: Wenn es in einem Restaurant ok (oder vielleicht sogar gewollt bzw angeboten wird) ist, kann man das ruhig machen, Wenn ich jetzt mit meinem Freund essen gehe und ihn frage, warum er nicht lieber mit den Händen isst, weil "das macht ihr doch alle so" - dann ist das verallgemeinernder Rassismus (und er würde mich auslachen).

    Liebe Grüße,
    Junora

    Einmal editiert, zuletzt von Junora ()

  • Dankeschön für dieses treffende Fazit! Genau so ging es mir auch.

  • Die Werbung, die ich im Internet sehe, bildet einen Löwen ab. Es ist ein Bronchialmedikament und nach Einnahme kann der Löwe wieder brüllen. Von "Pflanzenkraft aus Südafrika" ist die Rede. Der Gesang im Radio ist das einzige, was mit Menschen zu tun hat.

    Ich finde es nicht rassistisch.

    Wenn immer alle ursprüngliche Naturmedizin als afrikanisch beworben würde im Gegensatz zu unserer wissenschaftlich geprüften europäischen könnte ich es nachvollziehen. Ist aber nicht so.

    Liebe Grüße von Alusra
    #rose


    Manchmal braucht man keine Tipps. Manchmal braucht man nur einen
    Zuhörer, der an den richtigen stellen "Hmmm" sagt und auch alles blöd
    findet.


  • Wenn es dieses oder ein so ähnliches Wort tatsächlich gibt und das für dich so klingt als könne man dort nicht richtig sprechen, sind deine Gedanken dazu rassistisch und nicht das was der Hersteller dort tut.

    ich weiß nicht genau. Die Bedienung von Klischees... Wenn nur erwähnt würde, wo es herkommt, geschenkt. Aber das „umckloabo“ hört sich schrecklich nach „ungaunga, wir können nicht richtig sprechen, weil wir aus dem Jungel kommen“ an.




    Davon ab esse ich schon immer ab und zu gern mit Händen und tue das auch weiter. Hände haben wir nunmal alle.

         

    Midna2 ist Midna nur in schusselig #rolleyes

    Schon länger dabei

  • Ich finde schon, dass bei der Werbung untergründig mit der Idee des magical Negro gespielt wird. Und nachdem ich die Webseite gelesen habe, bin ich mir dessen sicher.


    Mit den Händen essen ist nicht rassistisch, aber den Kindern sagen, dass mit Fingern essen = schlechte Manieren bedeutet, das sind zT schon Überbleibsel aus Kolonialzeiten. Wichtiger wäre es den Kindern beizubringen, wann man Fingern isst, und wann mit Messer und Gabel, dass letzteres nicht per se eine feinere oder kultiviertere Art zu essen ist. Es kommt da durchaus drauf an, was man genau vermittelt und wie man es rüberbringt.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Wenn es dieses oder ein so ähnliches Wort tatsächlich gibt und das für dich so klingt als könne man dort nicht richtig sprechen, sind deine Gedanken dazu rassistisch und nicht das was der Hersteller dort tut.

    ich weiß nicht genau. Die Bedienung von Klischees... Wenn nur erwähnt würde, wo es herkommt, geschenkt. Aber das „umckloabo“ hört sich schrecklich nach „ungaunga, wir können nicht richtig sprechen, weil wir aus dem Jungel kommen“ an.

    Ich hab da jetzt ne ganze Weile drüber nachgedacht und komme nicht weiter. Ich bin rassistisch, weil es sich für mich so anhört? Mmm.


    Hast du den Spot mal gehört? Ich hab einfach ein komisches Bauchgefühl und für mich fühlte es sich eben nach „Vorführen“ an und nicht nach authentischem Gesang.

    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. (Nietzsche)

    Einmal editiert, zuletzt von Matsu ()

  • Ich habe die Werbung noch nie gesehen und mir eben auf YouTube bewusst angeschaut. Mir erschließen sich keinerlei Rassismusgedanken. Vielleicht bin ich da nicht tiefgründig genug. Für mich ist es ein Medikament, dessen Inhaltsstoffe (angeblich!) aus Afrika kommen. Dass das eine afrikanische Aufmachung hat und der Löwe einen Bezug zur vielfältigen, afrikanischenTierwelt darstellt - alles um die Herkunft zu verdeutlichen - finde ich in Ordnung. Da wird ja nicht gesagt "die haben da zwar nix, aber geile Pflanzen!"

    Grüne Tees werden auch ganz oft mit entspannenden, buddhistischen Klängen vermarktet.

    Ernest Hemingway — 'So far, about morals, I know only that what is moral is what you feel good after and what is immoral is what you feel bad after.'

  • Wg musikalisch-bildlicher Untermalung: Dann fällt der Ricola Schweizer Kräuterzucker oder Kerrygold-Butter aber auch in die Kategorie, oder?

    Nein. Weil es nie eine systematische Unterdrückung von Schweizern gab. Zumindest sind sie nie zu Millionen versklavt und ausgebeutet worden.

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    Kauf & Tausch von Selbstgemachtem... (für Raben ab 100 Posts & 4 Monaten Mitgliedschaft)


    Autorenforum, Textarbeit: http://www.federteufel.de

    Einmal editiert, zuletzt von tulan ()

  • Ich find die auch alle doof und klischeehaft, aber auch alle nicht rassistisch. Auch beim Umckaloabo-Sport nicht, weil da eben keiner Menschengruppe irgendwelche pauschalen Eigenschaften zugeschrieben werden, um daraus Minderwertigkeit abzuleiten.

  • Es gibt Leute, die stehen auf Schulmedizin und Leute, die stehen auf Naturmedizin. Je geheimnisvoller und ursprünglicher, um so besser. Für die ist das positiv besetzt. Dass sich ein Amerikaner, dessen Vorfahren vor hunderten von Jahren aus Afrika gekommen sind, ärgert, wenn er in amerikanischen Filmen immer als Naturheiler dargestellt wird, ist verständlich. Aber allmählich kommt es mir so vor, als dürfte man noch nicht mal mehr "Afrika" sagen, ohne rassistisch zu sein.

    Liebe Grüße von Alusra
    #rose


    Manchmal braucht man keine Tipps. Manchmal braucht man nur einen
    Zuhörer, der an den richtigen stellen "Hmmm" sagt und auch alles blöd
    findet.


  • Die Ricola-Werbung fand/finde ich ganz lustig - weil sie eben so mit den Klischees spielt. Und das ist der entscheidende Unterschied zu Umcka... Werbung, mMn: Die einen meinen es ernst und die anderen nicht. Und das was tulan schrieb: Rassistisch wird es (für mein Empfinden) dort, wo eine Hierarchie deutlich wird - weswegen es im Fall von Asien für meine Begriffe weniger stark ausgeprägt ist: da gab und gibt es eine durchaus wertschätzende Wahrnehmung in Europa (nicht nur, aber auch). Im Falle von Afrika ist es schon ziemlich durchgängig negativ.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Dem stimme ich grundsätzlich zu, sehe es in der Werbung aber nicht. Ich hatte das zuerst (also den Jingle) auch eher mit Australien assoziiert, dachte, ich hätte im Radio ein Didgeridoo gehört.


    Sonst dürfte man Produkte/Inhaltsstoffe aus Afrika ja gar nicht mehr bewerben, weil immer das Gefälle "mitgedacht" werden könnte. Das fände ich ziemlich problematisch.