Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Ich hab mal eine Fern-Fortbildung bei der Yad Vashem Bildungsstätte gemacht, da ging es darum, wie man die Shoa unterrichten kann. Da gab es Angebote ab dem Grundschulalter. Das fand ich schon beeindruckend, muss ich sagen. Allerdings war alles sehr emotional belegt und das halte ich persönlich heute für die falsche Didaktik, weil es so auf das Hervorrufen eines schlechten Gewissens hin ausgerichtet ist, das in meinen Augen kein junger Mensch heute mehr haben muss. Ja, wir sind die Täter:innen-Seite, aber weder ich, noch meine Eltern, und erst recht nicht meine Kinder oder Schüler:innen waren dabei oder können irgendwas dafür, was geschehen ist.

    Ich finde, man sollte da weg von dem: "Wir Deutschen haben uns so schlimm versündigt", und hin zu einem: "Wir erkennen unsere historische Verantwortung an und versuchen eine Zukunft zu schaffen, in der so etwas unmöglich nochmal geschehen kann".

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


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    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?

  • Rattenkind Wobei ich Yad Vashem als Gedenkstätte auch sehr eindrucksvoll fand - sehr anders als KZs und andere Gedänkstätten, die ich kenne. Da geht vieles schon über die emotionale Seite. Extrem beeindruckend fand ich das Children Memorial mit der Visualisierung der Anzahl durch sich ins Endlose spiegelnde Lichter, begleitet von vorgelesenen Namen, Alter und Städten von ermordeten Kindern. Als wir da waren, war da ein Name von einem Mädchen aus meiner Heimatstadt dabei - das war echt eindrücklich.


    Ich bin auch dagegen, heute das Gefühl der Schuld zu vermitteln - aber eine ganz besondere Verantwortung haben meiner Meinung nach wir Deutschen halt schon (und gerade deshalb sind die aktuellen Ereignisse so bedrückend)

  • Schuldzuweisung ist glaube ich auch das, was viele in meinem Alter im Unterricht sehr genervt hat.


    Aber zu wissen: das koennen Menschen tun, das haben Menschen anderen Menschen angetan. Normale Menschen, irre geleitete. Darueber reden, wie man irregeleitet werden kann. Wie man andere Menschen so hassen kann, dass man sie nicht mehr als Menschen wahrnimmt. Wie andere Menschen ausgegrenzt werden, als besser oder schlechter bewertet werden. Diese Gespräche sind doch auch heute noch brandaktuell. Und das sind auch emotionale Themen. Und im kleinen sind das durchaus auch schon Grundschulthemen.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • korrekt, und man kann solche Projekte eben auch auslagern, an außerschulische Lernorte ;) Ich kenne eine Gedenkstätte, die mit Grundschulkindern arbeitet, da geht es aber tatsächlich gar nicht um die spezielle Ortsgeschichte sondern um genau das von Nachtkerze genannte. Und klar kommt man da mit Emotions-Weckung an die Zielgruppe ran (nicht "emotionalisieren", das ist m.M.n. was anderes).. aber indem man bspw Grundschulkinder fragt, ob sie schon mal ausgegrenzt wurden.. und wie sich das für sie angefühlt hat, schafft man einen Zugang zum Thema, der völlig ohne historische Fakten auskommt.

  • Ich denke wenn Du Österreichern erzählen würdest, sie sollten sich unbedingt ein KZ anschauen... das würde wohl ziemliche Empörung auslösen.

    Wieso sollte es das? Wie die meisten österreichischen Schüler:innen habe ich mit der Schule ein KZ besucht.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Es ist wichtig zu begreifen dass ganz normale Menschen, liebende Eltern und Großeltern auch diese Seite haben können. Nicht jeder hat selbst gemordet, aber doch einige und sehr sehr viele sind überzeugt mitgelaufen. Und diese Leute waren im Zivilleben ganz normale Verwandte .

    Das macht es so nahe und sollte uns dazu bringen uns klar zu machen dass wir wachsam sein müssen, auch uns selbst gegenüber.

    Mich hat die Auseinandersetzung mit der NS Zeit unter anderem gelehrt mich vor massenveranstaltungen zu hüten weil ich die dynamik fürchte.

    Insofern halte ich den Besuch der Konzentrationslager für sinnvoll wenn er begleitet ist. Mensch darf dazu aber auch erwachsen sein.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Wieso sollte es das? Wie die meisten österreichischen Schüler:innen habe ich mit der Schule ein KZ besucht.

    oh Entschuldigung. Ich ging irgendwie davon aus, dass die "Schuldaufarbeitung" in Österreich etwas anders lief als in der BRD.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Das tat sie auch. Das österreichische Narrativ war jahrzehntelang das des Opfers - von Nazideutschland annektiert...

    Das hat sich aber bereits in den Jahren vor meiner Schulzeit geändert und der Geschichtsunterricht wurde stärker an die Realität angepasst.


    Von "Schuld" war in meinem Unterricht jedoch nie die Rede - das halte ich für ein typisches "Argument" von (heutiger) rechter Seite, irgendjemand wolle den heutigen Deutschen die Schuld geben. Ich kenne kein historisches Werk und kein Lehrmittel, das so argumentiert - uns wurde im Unterricht vermittelt, dass Wissen wichtig ist und Wissen vor allem Verantwortung bedeutet.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Das hat mir meine Mutter heute Nachmittag erzählt und es macht mich immer noch fassungslos:

    Die Dorf-Grundschule hat einen Projekttag zum Thema Afrika geplant. Meine Mutter wurde gefragt, ob sie ihre Djembe ausleihen würde. Freitag wurde sie informiert das die Djembe nicht gebraucht werde, da nur sieben Kinder am Projekttag teilnehmen. der Rest der Klasse (10-15 Kinder müssten das sein) könne aus religiösen Gründen* nicht am Projekttag teilnehmen, daher würde für diese Kinder Ersatzunterricht angeboten #blink

    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mich aufzuregen #hmpf


    *die gehören alle einer evangelischen Freikirche an...

    lg, Marie
    mit L 08/02, C 06/07, P 01/10 und J 02/13

  • Das möcht ich gerne nachvollziehen können. #confused Mit Rassismus hat das aber eher nix zu tun vermute ich. Evtl. weil in Afrika viel Zauberei, Schamanismus und Woodoo betrieben wird und die sich davon fern halten wollen. Find ich ok, würd ich auch wollen. Aber ich geh doch mal stark davon aus, dass die in der Schule höchstens davon reden werden dass es dort so ist und das nicht selber praktizieren wollen. Und da seh ich dann echt das Problem nicht.



    Dass es andersrum ist und die Kids nicht mitmachen dürfen weil die Eltern Sorge haben dass es da um rassistische Stereotypien geht (Baströckchen usw.) kann nicht sein?

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Das möcht ich gerne nachvollziehen können. #confused Mit Rassismus hat das aber eher nix zu tun vermute ich. Evtl. weil in Afrika viel Zauberei, Schamanismus und Woodoo betrieben wird und die sich davon fern halten wollen. Find ich ok, würd ich auch wollen. Aber ich geh doch mal stark davon aus, dass die in der Schule höchstens davon reden werden dass es dort so ist und das nicht selber praktizieren wollen. Und da seh ich dann echt das Problem nicht.



    Dass es andersrum ist und die Kids nicht mitmachen dürfen weil die Eltern Sorge haben dass es da um rassistische Stereotypien geht (Baströckchen usw.) kann nicht sein?

    Häh, ein Projekttag zum Thema Afrika und dir fällt dazu ein, dass dort Zaubeŕei, Schamanismus und Voodoo betrieben wird. #gruebel

    Ich würde bei einem Projekttag in der Schule davon ausgehen, dass verschiedene Länder vorgestellt werden, Essen aus den verschiedenen Ländern gekocht wird und Musik gemacht wird.

    Nichts wovor jemand sein Kind beschützen muss.

    Liebe Grüße von Peppi mit Groß-S, Klein-S und Mini-S


  • Häh, ein Projekttag zum Thema Afrika und dir fällt dazu ein, dass dort Zaubeŕei, Schamanismus und Voodoo betrieben wird. #gruebel

    Nein, eben nicht. Schrieb ich doch. Daher kann selbst ich absolut gar nicht nachvollziehen warum man das Kind aus religiösen Gründen nicht mitmachen lässt

    (wobei religiös auch überhaupt nichts mit rassistisch zu tun hätte, also im falschen Thread wäre.)

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Das ist ein ziemlich übliches Vorgehen in evangelikalen Kreisen - in höheren Klassen wird dann anscheinend gerne die Lektüre verweigert, wenn moderne afrikanische Texte solche Themen behandeln...


    Spannend fände ich ja, wie gross der Aufschrei wäre, wenn eine andere Gruppe Eltern ihre Kinder so von der Schule fernhalten würde? Da wird schon mit sehr unterschiedlichen Latten gemessen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ist vielleicht an dem Tag irgendein besonderes Fest dieser Freikirche, an dem die alle frei bekommen?

    Aaah, Tag! #stirn Ok, ich hab vermutlich ne Idee, auch wenns echt weit hergeleitet ist (und definitiv im falschen Thread weil null rassistisch ist):

    Heute ist Rosenmontag. Die denken vielleicht, dass es ne Art Faschingsfeier ist und dürfen an keiner Faschingsfeier teilnehmen. Da gibts durchaus ultrastrenge Auslegungen.

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Ich finde die Religion an sich rassistisch, wenn sie verbietet mit einem anderen Kontinent und seinen Kulturen in Berbindung zu kommen.

    Liebe Grüße von Peppi mit Groß-S, Klein-S und Mini-S


  • Rassismus von Vorhinein auszuschließen, ohne die wirklichen Gründe hinter der religiösen Ablehnung zu ergründen halte ich für kurzsichtig.

    Oftmals wird Religion als Scheinargument genutzt.

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Hallo,


    Ich kenne einige Leute mit freikirchlichem Hintergrund und bin mir ziemlich sicher, daß die einen ganz normalen Projekttag zum Thema Afrika nicht boykottieren würden. "Die Religion" verbietet auch nicht, sich mit anderen Ländenr/Kontinenten/Kulturen... zu beschäftigen. Und nein, (evangeligkal) freiklirchlich heißt nicht rassistisch sein, auch wenn das hier gerade irgendwie so dargestellt wird. Genau so wenig wie "atheistisch sein" o.ä. einen automatisch frei von Rassismus spricht.


    Mein Gedanke war daher auch, wie es angekündigt wurde bzw. was genau an Aktionen geplant ist.


    Eine (vermutete) Faschingsfeier ist etwas anderes, das lehnen tatsächlich einige ab. Darüber kann man sicher diskutieren (/wobei ich nicht finde, daß jeder unbedingt alles mitfeiern müssen muss...) , aber rassistisch ist daran nichts.

    Zwischen Sommer- und Winterpause mal kurz da... ;)