Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

Liebe interessierte Neu-Rabeneltern,

wenn Ihr Euch für das Forum registrieren möchtet, schickt uns bitte eine Mail an kontakt@rabeneltern.org mit eurem Wunschnickname.
Auch bei Fragen erreicht ihr uns unter der obigen Mail-Adresse.

Herzliche Grüße
das Team von Rabeneltern.org
  • Au einer anregenden Diskussion wurde ein handfester Streit. Am Ende hab ich ihn sogar angeschrien. #angst Ich bin nicht stolz drauf.

    Denn bin ich das einfach mal stellvertretend für dich, okay? :D


    Aber hey, selbst Gandalf ist im Auenland offiziell als Störer des Friedens bezeichnet worden, und der hat immerhin geholfen, die Welt zu retten. ;)

    Wie großartig! Ich hoffe, das merke ich mir. #super

    Und deine Oma klingt sehr sympathisch.


    enfj-a Da bin ich ganz bei dir! #motz


  • Im 1 : 1 - Gespräch: Hadija Haruna-Oelker, die seit Jahren zu Rassismus in Deutschland forscht und arbeitet. Für „dunja hayali“ hat sie ein filmisches Experiment geleitet, bei dem in Deutschland lebende Menschen ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung dokumentieren. Sie wird über das Ergebnis dieses Experiments berichten und über die Erkenntnisse, die sich daraus ziehen lassen: Was kann jede und jeder Einzelne gegen Rassismus tun?

    Ich arbeite ausSCHLIESSlich mit meinem Gehirn!


    there´s nothing left in my right brain. there´s nothing right in my left brain.

  • Heute im Schwimmbad. Tochter (7) freundet sich mit einem Kind an. Dunkelhäutig.

    Wir gehen gemeinsam zum Auto und Tochter fragt: "F., aus welchem Land kommst du eigentlich?"

    (Ich kurz überlegt, ob ich etwas sage, dachte aber, ich lass die Mädels das klären.)

    F. überlegt kurz und sagt: "Hmm, also eigentlich bin ich in Mainz geboren."

    Tochter überlegt kurz und bevor sie etwas sagen konnte, sagte F. "Aber Mama kommt aus Kenia."


    Toll von F. reagiert und Tochter hat gelernt, dass man, egal welches Äußeres man hat, deutsch sein kann.

    Was bleibt, sind die Erinnerungen...
    schlaf gut, schlaf ruhig
    Ich werde dich nie vergessen und immer vermissen

    1976-2003-2013


    »Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.«
    ― Platon

  • Meine 6-jährige möchte sich mit einem bestimmten Mädchen verabreden, weiß aber den Namen nicht.

    Ich: „beschreib sie mir doch mal, vielleicht weiß ich, wen du meinst!“

    Sie: „naja, sie mag auch gerne Dinos... und sie hat schwarze Haare!“

    Ich *grübel

    Sie: „so schwarze Locken, mit Loopings drin!“

    Ich: „ach die Dings, mit dunkler Haut?!“

    Sie: „ja stimmt, dunkle Haut hat sie auch!“


    Da hab ich mich ziemlich geschämt! Mir ist als erstes Merkmal die Hautfarbe eingefallen, meiner Tochter die Dinos. Gleichzeitig fand ich das Erlebnis wertvoll, weil es mich darauf aufmerksam gemacht hat.

  • unser Gehirn ist so gestrickt, dass es überall versucht, effizient zu arbeiten. Und somit das auffälligste Alleinstellungsmerkmal sucht. Das ist per se nicht rassistisch. ich sage in solchen Momenten meinem Hirn, dass es auch andere Alleinstellungsmerkmale suchen soll.



    Meine FReundin arbeitet an einer bilingualen Schule und dunkle Hautfarbe ist da kein Alleinstellungsmerkmal - meine Freundin berichtet, wie sehr dadurch die Hautfarbe in den Hintergrund rückt, wenn Menschen beschrieben werden

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"

  • Bei Myrtes Beispiel muss ich an eine Situation vor zwei Jahren denken. Damals ist eine neue Familie in unseren (sehr kleinen) Ort gezogen ist.


    Unsere Kinder erzählten nach dem Kindergarten, dass vier neue Kinder im Kindergarten sind. Sie sagten, sie kommen aus Amerika und die Namen sind etwas schwierig. Dann sagte mein Sohn "Und bei denen ist was ganz Besonderes. Die haben ganz viele Locken."


    Von da an, erzählten sie oft von den Kindern, was sie gespielt haben, wie die Namen ausgesprochen werden,...


    Ca. 3 Wochen später traf ich die Mutter mit den Kindern zum ersten Mal am Kindergarten und war total überrascht, sie waren PoC. In der Erzählung meiner Kinder ist die Hautfarbe nicht einmal erwähnt wurden und so entstand in meinem Kopf das Bild "weiße Amerikaner".


    Umso schöner, dass es für meine Kinder nicht erwähnenswert war.

    #herz Kind an der Hand, Kind im Herz, Kind im Arm #herz

  • krass... und ich würde bei `Amerikaner, schwierige Namen, ganz viele Locken` sofort an PoC denken - verrückt, wie unterschiedlich die Assoziationen sind

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"

  • Vermutlich ist da was dran Leslie Winkle , dass es darauf ankommt, welches Alleinstellungsmerkmal es gibt (zudem ich sowieso so schlecht im Gesichter merken bin!)


    Zu meiner Tochter sagen gerade auch alle „die mit den blauen Haaren“ ^^

  • Myrte : bei meinem Sohn (9) fiel es mir auch mal auf, wo er ganz selbstverständlich bei der Ferienaktion vom "Jungen mit dem orangen T-Shirt" gesprochen hat - das war auch ein auffälliges Alleinstellungsmerkmal, dazu war dieser Junge auch schwarz.

    In einer anderen Situation dachte ich dann aber, dass mein Sohn anscheinend unsicher war, wie er sich ausdrücken sollte. Er ist sehr auf Höflichkeit bedacht, und wollte dann nicht sagen: das Kind mit dunklerer Hautfarbe, sondern hat erst gesagt "das Kind, das auch Pokeman mag" - das ist allerdings bei einem mir unbekanntem Kind auf einem Gruppenfoto eher nicht sichtbar. Gelöst hat er es dann mit "ich glaube, der Papa oder die Mama sind auch aus einem anderen Land, so wie bei uns der Papa".

    Hautfarben thematisiert bei uns halt wenn, der Papa, und dann nicht auf deutsch.


    lg martita

  • Dadurch, dass die Hautfarbe nicht erwähnt wurde, war sie bei mir hell. Sehr eingeschränkt mein Denken.


    Und geprägt durch amerikanische Verwandtschaft, ist das Bild "weißer Amerikaner" viel präsenter.

    #herz Kind an der Hand, Kind im Herz, Kind im Arm #herz

  • Ich grätsche jetzt mal wieder rein - Kinder sind nicht colorblind, sie haben nur gelernt, dass man ueber Hautfarbe nicht spricht oder sind dazu erzogen worden colorblind zu sein, und leben damit von ihrem white Privileg.


    Dazu hatten wir gerade im Rabenforum einen lange Diskussion, ich meine im George Floyd Strang. Wer will kann ja auch mal googeln und sich selbst informieren, warum colorblind einfach auch ein white Privilege ist.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Ich grätsche jetzt mal wieder rein - Kinder sind nicht colorblind, sie haben nur gelernt, dass man ueber Hautfarbe nicht spricht oder sind dazu erzogen worden colorblind zu sein, und leben damit von ihrem white Privileg.

    .

    Ich glaube, im täglichen Zusammensein tritt die Hautfarbe tatsächlich deutlich in den Hintergrund. Ich habe eine Kollegin mit einer sehr dunklen Hautfarbe - das ist erste, was andere als Unterscheidungsmerkmal wahrnehmen. Aber wenn ich sie jemand beschreiben müsste, "Ich suche Frau x, wer ist das?", würden mir tatsächlich zuerst andere Merkmale einfallen. Das finde ich selber bemerkenswert.

  • Sind das nicht zwei paar Stiefel, Astarte, eine langjährige Bekannte oder Freundin, da denkt man aber an manches Äußerliche Merkmal nicht mehr. Aber Kinder, die zum ersten Mal KoC in der Kita oder Schule haben und sich einzig ueber die komischen Namen tagelang austauschen und die Hautfarbe niemals nie bemerkten, stattdessen nur die Locken?


    Vielleicht habe ich auch zu oft schon von stolzen Eltern gehoert, die von der colorblindness ihrer Kinder berichten, wenn es zur Hautfarbe kommt, und missinterpretiere die Erzählungen ausgehend von meinen Erfahrungen.


    Ich glaube aber, ich sollte die Klappe halten, ich setze mich gerade hier im Forum zu oft bei dem Thema in die Nesseln und es tut mir nicht gut und wahrscheinlich vergraule ich mal wieder alle Mitleserinnen.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Nachtkerze Das ist ein interessanter Aspekt und ich glaube, ich könnte das echt nicht einschätzen, inwiefern vor allem kleine Kinder ein solches "Tabu" schon empfinden können und danach handeln... vorstellbar ist das natürlich.

    Von mir, als Kind, ausgehend, würde ich aber schon sagen, dass ich dieses Merkmal uninteressant fand z. B. für Beschreibungen, aber ich bin auch in einem sehr "gemischten" Umfeld großgeworden.

  • Sind das nicht zwei paar Stiefel, Astarte, eine langjährige Bekannte oder Freundin, da denkt man aber an manches Äußerliche Merkmal nicht mehr. Aber Kinder, die zum ersten Mal KoC in der Kita oder Schule haben und sich einzig ueber die komischen Namen tagelang austauschen und die Hautfarbe niemals nie bemerkten, stattdessen nur die Locken?


    Vielleicht habe ich auch zu oft schon von stolzen Eltern gehoert, die von der colorblindness ihrer Kinder berichten, wenn es zur Hautfarbe kommt, und missinterpretiere die Erzählungen ausgehend von meinen Erfahrungen.


    Ich glaube aber, ich sollte die Klappe halten, ich setze mich gerade hier im Forum zu oft bei dem Thema in die Nesseln und es tut mir nicht gut und wahrscheinlich vergraule ich mal wieder alle Mitleserinnen.


    Ich grätsche jetzt mal wieder rein - Kinder sind nicht colorblind, sie haben nur gelernt, dass man ueber Hautfarbe nicht spricht oder sind dazu erzogen worden colorblind zu sein, und leben damit von ihrem white Privileg.


    Dazu hatten wir gerade im Rabenforum einen lange Diskussion, ich meine im George Floyd Strang. Wer will kann ja auch mal googeln und sich selbst informieren, warum colorblind einfach auch ein white Privilege ist.

    Also ist es ein "white privilege", wenn mein Sohn nicht zuerst über die Hautfarbe seines Klassenkameraden spricht, und "Rassismus", wenn er mir berichtet "ich sitze jetzt neben P, der hat dunkle Haut"? oder "darf" ich Menschen über die Hautfarbe beschreiben, weil es eben einfach ein auffälliges Merkmal ist?


    Ich kann nun mal nichts daran ändern, ein priviligiertes, weißes, männliches Kind zur Welt gebracht zu haben. Und in deinem Geschriebenen klingt es irgendwie "schlecht" wenn man aus Erziehung nicht über Hautfarben spricht und zu den priviligierten weißen Menschen gehört.

    Da kann ich nun mal auch nix zu, dass ich ich bin wie ich bin.

    --------------------------------------------------
    Wenn ich mir einen Krankenwagen im Ballettröckchen tätowieren lasse, habe ich Tatütatatütütattoo! #blume
    --------------------------------------------------
    .png

  • Nachtkerze: Als ich in die Schule ging, haben wir Malcolm X und Martin Luther King durchgenommen, und man sprach da von "black". Dann wurde der Begriff "African American" eingeführt und bei mir kam damals an, dass das Wort "black" nicht mehr gewünscht ist/als Beleidigung gilt. Nun hatten wir in Deutschland ja nicht die Situation von z.B. angloamerikanischen vs. afroamerikanischen Einwanderern. Und ich habe dann meinen Kindern alle alten Bücher, in denen N* stand mit "Afrikaner" vorgelesen, wenn es irgendwie passend war zumindest. Bei Jim Knopf hab ich die Stellen weggelassen, die mir nicht gefallen haben. Also dass sich Jim vor dem schmutzigen Lukas fürchtet, habe ich vorgelesen, aber nicht, dass er ja nicht wusste, dass er eigentlich genauso aussieht. Die Stelle mit dem Waschen auch nicht. Bei Pippi hab ich Taka-Tukaländer und Taka-Tuka-König vorgelesen. Hautfarbe nicht erwähnt, die Taka-Tukaländer hätten auch weiß sein können (Filme haben wir damals nicht geschaut).

    Meine großes Kind hat als 5-jährige zum ersten Mal "schwarz" in Verbindung mit Hautfarbe gehört und gesagt, dass diese Haut doch braun sei. Ich hab dann gesagt, dass das einige Leute so nennen. Darauf kam von ihr: Das wäre ja so, als ob man zu uns "weiß" sagen würde!?!"

    Dass" schwarz" wieder gesagt wird und gesagt werden soll (oder immer gesagt wurde und sollte), habe ich erst in den letzten Monaten erfahren. Ich glaube, dass es anderen Weißen, die ihre Kinder "color blind" erzogen haben, ähnlich geht. Man hat gedacht, dass Color-Blindness-Erziehung erwünscht ist. Solange bis Hautfarbe für Kinder so nebensächlich wird wie der Unterschied zwischen blauen und grünen Augen.

  • Meine Kinder sind dann auch colorblind oder ich habe sie erzogen nicht über die Hautfarbe zureden?

    Ich dann wohl auch?


    Ich nehme die Farbe schon wahr, auch als Kind aber sie war und ist für mich nie Alleinstellungsmerkmal.

    Wir reden durchaus über Hautfarben, nicht täglich aber ab und an.



    Kröti hat 2 Freundinnen mit demselben Namen und unterschiedlicher Hautfarbe. iIt sie jetzt colorblind, weil sie nicht sagt: Ich treffe mich mit X und dann ein anderes Alleinstellungsmerkmal als die Hautfarbe.


    Ganz ehrlich so langsam finde ich es anstrengend, ich weiss Fast nicht mehr wie ich meinen Kindern die Welt erklären soll oder was ich sagen soll.


    Es mag colorblinde Menschen geben aber das ungesehen allen unterstellen zu wollen aus einem Posting heraus, wo man die genauen Umstände nicht kennt, finde ich schräg.

  • Sind es nicht auch wirklich verschieden Themen?


    Jemand kann "farbenblind" sein, in dem Sinne, dass die Hautfarbe eines Menschen kein (relevantes) Unterscheidungsmerkmal ist.


    Das kann im Einzelfall auch Ausdruck von Privilegien sein, immer nämlich, wenn man sich gerade aufgrund des eigenen Weiß-Seins leisten kann, sich nicht für Hautfarbe zu interessieren.


    Trotzdem ist es ja aber doch eigentlich wünschenswert, wenn Hautfarbe für immer weniger Menschen ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, denn jeder Mensch, der so denkt, ist zumindest kein Mensch, der aufgrund der Hautfarbe diskriminiert. Im nächsten Schritt kann es dann trotzdem wichtig sein, dass auch diese Menschen sensibel für mögliche "Fallen" und (ggf. auch strukturelle) Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe sind (ich denke da an so Beispiele wie das Training von künstlicher Intelligenz).

  • Sind das nicht zwei paar Stiefel, Astarte, eine langjährige Bekannte oder Freundin, da denkt man aber an manches Äußerliche Merkmal nicht mehr. Aber Kinder, die zum ersten Mal KoC in der Kita oder Schule haben und sich einzig ueber die komischen Namen tagelang austauschen und die Hautfarbe niemals nie bemerkten, stattdessen nur die Locken?


    Vielleicht habe ich auch zu oft schon von stolzen Eltern gehoert, die von der colorblindness ihrer Kinder berichten, wenn es zur Hautfarbe kommt, und missinterpretiere die Erzählungen ausgehend von meinen Erfahrungen.


    Ich glaube aber, ich sollte die Klappe halten, ich setze mich gerade hier im Forum zu oft bei dem Thema in die Nesseln und es tut mir nicht gut und wahrscheinlich vergraule ich mal wieder alle Mitleserinnen.

    Vielleicht gibt es aber auch noch etwas zwischen diesen Beispielen?

    Ein Kind, das wie meine im städtischen Umfeld aufwächst, wird nicht "irgendwann zum ersten Mal ein PoC sehen", sondern Kinder in allen Schattierungen von Hautfarbe schon aus Kita-Tagen kennen (was in unserem Fall je mit 5 Monaten gewesen wäre). Dazu dann die privilegierte Situation, dass diese Kinder nicht sonstwie herausragen, sondern die ganz normale Herkunftsbreite vom Professorinnenkind bis zum Arbeiterinnenkind abdecken?


    Dann kann es schon mal vorkommen, dass die Hautfarbe eher spät auf der Beschreibungsliste kommt - wie Haarfarbe bei meinen Kindern übrigens auch, da waren sie nicht gross interessiert dran.


    Aber sonst natürlich schon, wenn es was aussergewöhnliches ist, dann fällt das KoC genauso auf wie das Kind im Rollstuhl. Was anderes zu glauben, wäre wohl naiv.


    Liebe Grüsse


    Talpa