Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Nachtkerze Danke für deine Gedanken. Ich finde es sehr spannend und werde darüber nachdenken. Ob und wie es für uns passt, bin ich mir nicht sicher.


    Meine Kinder kennen übrigens andere POC, in der Kita war auch vorher schon ein KOC, auch meine Freundin ist POC und oft bei uns zu Besuch gewesen. Darüber hinaus arbeite ich mit Menschen, unterschiedlicher Kulturen und somit auch Hautfarben, meine Kinder sind da auch immer mal mit auf Veranstaltungen und kennen diese Menschen.

    Aber ja, die Namen, die so anders klingen, waren einfach trotzdem sehr spannend. Zumal meine Kinder, sie sich anfangs nicht merken konnten, da es eben amerikanische Namen waren.


    Wenn meine Kinder colorblind sind, dann sicher nicht, weil Hautfarben in unserer Familie kein Thema sind. Ganz im Gegenteil. Mein Sohn hat sich z.B. für die Schule Hautfarben-Stifte ausgesucht, "weil sonst ja alle Menschen gleich aussehen", die er malt.


    Und trotzdem ist mir bewusst, dass das Thema ein sensibles Thema ist und ich bin gerne bereit dazu zu lernen und mich weiter zu entwickeln.


    Edit: Die Locken wurden übrigens nur einmal erwähnt, als Alleinstellungsmerkmal meiner Meinung nach absolut passend und gut beschreibend.

    Ansonsten waren Äußerlichkeiten kein Thema mehr, sondern was sie gespielt haben und wie man die Namen ausspricht, also Dinge, die im Alltag in der Kita im Fokus stehen.

    #herz Kind an der Hand, Kind im Herz, Kind im Arm #herz

  • Wie sehr ich auf Haare und Frisuren achte, ist mir erst klar geworden, als ich nach Berlin gezogen bin und dort an der Schule mehrere Mädchen mit Kopftuch unterrichtet habe. Da musste ich ganz anders auf die Gesichter achten, um sie zu unterscheiden. Sonst ist es eine Mischung aus Frisur und Gesicht.

    Mirjam mit Clown (2006) und Spaßvogel (2008) und Quatschkopf (2010)

  • Nochmal für mich zum Verständnis: Wenn ich zwei Janas kenne und sagen will, dass ich eine davon heute zum Tee eingeladen habe, ist es ok zu sagen "die braunäugige", "die rothaarige", "die kräftiger gebaute" oder "die mit den vielen Piercings", aber nicht "die dunkelhäutige"? Oder "die mit dem Kopftuch"?


    Erklärt mir jemand, warum ein optisches Unterscheidungsmerkmal wertfrei zu benennen ein Problem ist? *dummguck*

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?

  • Ich glaube auch nicht so recht an die fröhlich verkündete Color-Blindness einiger Mitbürger:innen, obwohl ich es nachvollziehen kann. Ich nehme z.B. Übergewicht bei neuen Begegnungen wahr, sortiere dieses Merkmal aber schnell in die Unwichtigkeitsschublade meines Gehirns. Das ist kein Automatismus, sondern Training (ich möchte das so) und Erfahrung (ist in der zwischenmenschlichen Begegnung kein wichtiges Kriterium).

    So ähnlich funktioniert es vermutlich bei vielen von uns mit Hautfarben. Und das nennen wir dann Color-Blindness.


    Was die Kinder angeht, so nehme ich es bei meinen beiden so wahr, dass sie sehr wohl Hautfarben sehen, aber aufgrund fehlender Vorurteile und weiterer Einordnungskriterien andere Schlüsse ziehen als ich.

    Die (zugegeben wenigen) Kinder in ihrem Umfeld, die dunkelhäutig sind, haben nicht unbedingt sehr dunkle Haut. Bei meiner Einschätzung beziehe ich, ohne es zu merken, ganz viele weitere Faktoren ein (Haarfarbe, -strukur und Frisur z.B., ich checke die Eltern ab, gucke nach Namen, Akzent, Kleidungsstil, Hinweise auf religiöse Prägung, ja selbst die Anzahl der Geschwister kann in meinem verkorksten Schubladengehirn eine Rolle spielen).

    Das tun meine Kinder (noch) nicht. So etwas könnte auch eine Rolle spielen, wenn Kinder angeblich die Hautfarbe nicht sehen. Erst ab einer starken Abweichung von der als Norm empfundenen "Farbskala" wird es zum erwähnenswerten Merkmal. Das ist dann aber keine Color-Blindness, sondern mangelndes Repertoire an Vorurteilen.


    Ich hoffe, ich werde nicht missverstanden. Ich finde nicht, dass mein Gehirn da Lob für verdient, ich finde es einigermaßen beknackt, dass ich so dringend alle immer "einsortieren" möchte. Bei sehr hellhäutigen Afro-Amerikanern in US-Fernsehserien bin ich oft irritiert (Was ist denn das nun?), genauso wie bei non-binären oder transgender Menschen.

    Ich habe mal das Projekt einer Künstlerin gesehen, in dem sie versuchte, die Farbe der Haut einer Person auf der Farbskala von Alpina-Farben zu bestimmen (also z.B. Frischs Hautfarbe = hellbeige 125 oder sowas). Ich war extrem überrascht, wie dunkel die Haut mancher Menschen war, die ich als hellhäutig wahrgenommen habe, und wie hell die Haut einiger, die ich als dunkelhäutig einsortiert hätte. Da habe ich zum ersten Mal bewusst gemerkt, wie viele weitere Merkmale ich mit einbeziehe. War sehr interessant und entlarvend.


    Gruß,

    F

    Mal geht es dir schlecht. Dann geht's dir wieder gut. Ich jedenfalls trag jetzt immer einen Hut.

  • Kennt Ihr dieses Spiel bei denen zwei Kinder jeweils einen Satz Gesichter haben und eine Karte aus dem Gesichtersatz und das jeweils andere Kind muss durch Fragen wie "Hat die Person einen Bart?" herausfinden, welche Einzelkarten das andere Kind hat?


    Als unsere große, jetzt 7, kleiner war. In etwa fünf hat sie nie nach der Hautfarbe gefragt und auch nur selten nach dem Geschlecht. Jetzt mit 7 ist die Hautfarbe durchaus ein Kriterium nachdem sie fragt.


    Anscheinend waren vor zwei Jahren Hüte oder Bärte oder Ohrringe wichtigere Merkmale als Hautfarbe oder Geschlecht.


    Das alles nur anekdotisch und ohne Wertung. Interessant fand ich es allemal.

  • Ich denke, dass es eigentlich sogar besonders gut wäre, wenn man Hauttöne genau wie zB Haarfarben oder Kleidungsfarben unkompliziert als Identifikator benutzt: „Nein, ich meine den Ben mit der dunkleren Haut.“ Gerade eine solche nebenbei-Verwendung zeigt für mich, dass es rein um ein optisches Unterscheidungsmerkmal und nichts weiter damit transportiert wird.


    Wenn ich aber jemanden erzähle, dass ich einen Bekannten namens Ben habe und der Schreiner ist und dunkelhäutig; oder beim Einkauf Stress mit jemand Dunkelhäutigem hatte; dann will ich doch damit etwas weitergehendes transportieren. Warum muss ich das erwähnen? (Es sei denn, ich will noch darüber spekulieren, was für Rassismuserfahrungen der wohl schon gemacht hat.)


    Ich fand ja den Hermine-Coup beim Harry-Potter-Musical genial: In den Büchern steht eben einfach nicht, dass Hermine besonders hellhäutig ist. Also kann sie genauso dunkelhäutig sein. Meine trotzdem vorhandene kurze Irritation ist dann definitiv ein Grund mir Gedanken darüber zu machen, dass ich dunkelhäutigere Menschen offenbar immer noch eher als den Spezialfall ansehe und hellhäutige als die eigentliche Allgemeinheit.


    Schön fand ich es letztens auch in einem Tatort: Zwei junge befreundete Frauen, die eine optisch mit Migrationshintergrund, die andere ohne. Der Vater der hellhäutigen war auch optisch Südländer. Und ich habe die ganze Zeit erwartet, dass die Tatsache, dass er diese blonde Tochter hat und die andere südländisch wirkt, irgendwas mit der Kriminalgeschichte zu tun hat. Hatte es nicht, es wurde auch mit keinem Wort thematisiert. Fand ich großartig 🙂! Je häufiger dies in Filmen, Büchern, Werbung so gemacht wird umso mehr versteht man, dass es keinen speziellen Grund braucht um Menschen mit dunkler Hautfarbe darin auftreten zu lassen. Der völlig hinreichende Grund ist nämlich, dass sie in den dargestellten Situationen häufig da wären, wenn man wirklich die Realität darstellen will.

  • Ha... Ich kenne das

    Und auf die Frage haben Sie dunkle Haut.....tun wir uns immer schwer....wegen den Zwischentönen...fällt mir jetzt mal so auf. Bzw denke ich schon die ganze Zeit bei der Diskussion...es gibt so viele hauttöne

    Aber ja...ich fange meistens mit Geschlecht an und dann mit Hautfarbe?...siehe oben...

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • leandra Zur dunkelhäutigen Hermine: Statistisch gesehen ist in Deutschland eine helle Hautfarbe ja auch der Normalfall. In Kenia statistisch eine dunkle Hautfarbe. Insofern bestimmt das natürlich unsere Vorstellungswelt. Daran ist ja aber per se nichts rassistisches.

    In Groß Britannien gibt es mehr dunkelhäutige Menschen als in Deutschland. Und in den USA nochmal mehr. In den USA wäre es daher vermutlich eher ein Rassismusthema.


    Schlimmer ist, dass diese Gedanken einfach die Realität wieder spiegeln: Dunkelhäutige Zahnärzte sind wohl eher seltener als hellhäutige.

  • Ich habe mir jetzt endlich das Exit Racism Buch gekauft und verstehe jetzt besser, worum es bei Rassismus geht. Vielen Dank an alle, die es empfohlen haben.

    Die BBC-Dokumentation "Geschichte des Rassismus", die im Buch verlinkt ist, habe ich mir auch angeschaut und ein paar Tage gebraucht, um sie zu verdauen.

  • Ich fand ja den Hermine-Coup beim Harry-Potter-Musical genial: In den Büchern steht eben einfach nicht, dass Hermine besonders hellhäutig ist. Also kann sie genauso dunkelhäutig sein. Meine trotzdem vorhandene kurze Irritation ist dann definitiv ein Grund mir Gedanken darüber zu machen, dass ich dunkelhäutigere Menschen offenbar immer noch eher als den Spezialfall ansehe und hellhäutige als die eigentliche Allgemeinheit.

    Das wird zwar oft behauptet, stimmt aber so einfach nicht.

    Hermine wird in der ersten Beschreibung zwar nicht mit Hautfarbe beschrieben, sondern nur über ihre Frisur, sie wird im Laufe der Reihe dann aber mehrmals mit blasser Haut bezeichnet.

    Aber das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht trotzdem von einer Schwarzen gespielt werden kann. Das Gesetz, dass Schauspieler:innen aussehen müssen wie ihre Rolle in der Buchvorlage beschrieben wird, gab es noch nie.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Ich fand ja den Hermine-Coup beim Harry-Potter-Musical genial: In den Büchern steht eben einfach nicht, dass Hermine besonders hellhäutig ist. Also kann sie genauso dunkelhäutig sein. Meine trotzdem vorhandene kurze Irritation ist dann definitiv ein Grund mir Gedanken darüber zu machen, dass ich dunkelhäutigere Menschen offenbar immer noch eher als den Spezialfall ansehe und hellhäutige als die eigentliche Allgemeinheit.

    Das wird zwar oft behauptet, stimmt aber so einfach nicht.

    Hermine wird in der ersten Beschreibung zwar nicht mit Hautfarbe beschrieben, sondern nur über ihre Frisur, sie wird im Laufe der Reihe dann aber mehrmals mit blasser Haut bezeichnet.

    Aber das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht trotzdem von einer Schwarzen gespielt werden kann. Das Gesetz, dass Schauspieler:innen aussehen müssen wie ihre Rolle in der Buchvorlage beschrieben wird, gab es noch nie.

    Oh, tut mir leid das falsch weitergegeben zu haben, ich hatte es nicht weiter geprüft. Aber genau wie du schreibst: Eine Schauspieler:in muss nicht exakt aussehen wie im Buch beschrieben. Und vor allem tut es für ihre Rolle in der Geschichte nicht das geringste zur Sache, ob sie nun 'weiß' oder 'schwarz' ist.

  • Die Behauptung rührt daher, dass JKR das mal selbst in einem Tweet geschrieben hat:


  • Ja, da hatte sie aber offenbar einiges wieder vergessen, was sie selbst geschrieben hat. Zum Beispiel auch, dass Emma Watson exakt so aussah, wie sie ihre Hermine haben wollte.

    Diese nachträglichen Anpassungen macht sie ja gern; dass Dumbledore schwul war, hat sie auch erst nachträglich eingeführt, weil man kritisch nachfragte, warum in dieser riesigen Welt denn alle hetero sind.


    Aber als Göttin der eigenen Welt darf man das natürlich auch.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • lol.. echt Dumbledore ist schwul... das entging mir .. .. so eine Autorin ist schon arm dran... vor der Geschichte sind dann die Figuren so zu entwerfen, dass alles politisch korrekt ist

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ok das kenne ich nicht


    Bei HP hab ich mir ehrlich gesagt null Gedanken zu sexueller Orientierung oder sonst was gemacht... war zu spannend😃

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.



  • Das finde ich ein sehr interessantes und gut erklärtes Video zum Thema Rassismus.

    You are a ghost driving a meat covered skeleton made from stardust riding a rock floating through space.

    Fear nothing.

  • (Ich wollte nur anmerken, dass in HP durchaus Figuren diverser Herkünfte/Hautfarben beschrieben werden. Dean Thomas wird in Band 1, als er zum Hut geht, als schwarz bezeichnet, ebenso Angelina Johnson, die Quidditchspielerin (oder war das Katie?), Padma und Parvati werden auch als dunkelhäutig bzw indischer Herkunft beschrieben, Cho Chang sieht asiatisch aus etc., der eine Typ vom OotP (Kingsley?) war auch schwarz, oder? Deswegen war für mich logisch, dass Hermine eben "europäisch" aussieht, da sie sonst anders beschrieben worden wäre. Aber es ist echt spannend, wie das eben das default-Setting im Kopf ist und alle "Abweichungen" speziell genannt werden. Ich weiss noch, wie es mich bei "Jane, Unlimited" erst irritiert hat, dass bei der Vorstellung der Charaktere jeweils mitgenannt wurde, dass XY weiss ist und mein Kopf so "Hä, ist dann Jane schwarz oder warum wird denn extra genannt, wer alles weiss, mexican, latino oder whatever ist". Muss darüber noch eine Weile nachdenken.)

    When you’re a kid, they tell you it’s all… Grow up, get a job, get
    married, get a house, have a kid, and that’s it. But the truth is, the
    world is so much stranger than that. It’s so much darker. And so much
    madder. And so much better.