Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Ich denke es gibt da interpretionsspielraum und finde es nicht schön, da wo auch immer Beschwerde einzulegen, bevor man nicht das Gespräch mit der Person gesucht hat.

  • Tatsächlich hätte ich im Eifer des Gefechts auch mal ungeschickt so reagieren können - Mann, offensichtlich französischer Muttersprache könnte ja auch seine französisch sprechende Frau dabei haben, die erst frisch nach D gezogen ist? Und dann gleich im Kopf überlegt, welche meiner Kolleginnen besser französisch sprechen könnte als ich... da kann schon was Ungeschicktes rauskommen.


    Zumindest wäre das jetzt eine mögliche Interpretation nur des Geschrieben - ABER: Du warst dabei, Du hast auch die nonverbale Seite erlebt. Und wenn Dein Eindruck da einer von Diskriminierung war, dann nehme ich Dir das ab.


    Ich würde vielleicht dennoch die Person selbst versuchen anzusprechen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ziemlich genau was janos schreibt.

    Klar kann es sein dass ein schwarzer mit vermutlich ausländischem Namen sehr gut deutsch spricht, aber es ist oftmals anders. Wenn er dann auch noch Luftnot hat und es ihm sichtlich schwer fällt zu sprechen dann spreche ich die Begleitung an.

    Ich frage Patienten ziemlich oft ob sie deutsch sprechen. Viele verstehen das als Angebot zu sagen dass sie besser Englisch, französisch,arabisch oder klingonisch können.

    Da kann ich dann das Gespräch auf französisch oder english führen und je nachdem auch den klingonischen Kollegen bitten die Patienten zu übernehmen.


    Das mit der Betreuung finde ich allerdings auch schräg. Sieht der Mann so minderjährig aus? Oder war es nur ein falscher Begriff für Übersetzer, Helfer?


    Ich finde das kann man in einem kurzen Gespräch klären. Ich würde definitiv kein Fass aufmachen.


    Wahrnehmen dass jemand vermutlich nicht aus Deutschland stammt und darauf eingehen zu wollen ist nicht perse rassistisch.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Man muss ja auch nicht gleich eine wütende Beschwerde schicken.

    Aber eine Rückmeldung - wir fühlten uns in der Situation unwohl - würde ich geben.


    Ja, sicher, im persönlichen Gespräch wäre das schöner, aber das ist unter Atemnot, oder wenn der Freund gerade Atemnot hat, vermutlich schwer zu machen, zumal man in so einer Situation meist einfach einen Moment braucht, und sich auch beim anderen rückversichern möchte: Sag mal, kam das nur mir komisch vor oder dir auch?

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Man muss ja auch nicht gleich eine wütende Beschwerde schicken.

    Aber eine Rückmeldung - wir fühlten uns in der Situation unwohl - würde ich geben.

    Falls das unklar war - genau das meinte ich. Und es hat doch auch niemand es anderes vorgeschlagen.


    Und ich finde es wichtig anzusprechen. Denn sonst geht das mit den ganzen subtilen Kommentaren immer nur weiter so. Es wird sich nie was ändern, wenn man die Leute nicht mal drauf aufmerksam macht.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Ja, aber mit einer chronischen Krankheit wie Asthma wird er ja häufiger in die Praxis kommen. Da könnte er es ansprechen.

    Schriftliche Beschwerde an den Arbeitgeber finde ich einfach eine Nummer zu groß.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Schriftliche Beschwerde an den Arbeitgeber finde ich einfach eine Nummer zu groß.

    Ich haette angerufen oder es beim nächsten Mal angesprochen. Hoeflich freundlich, von meinen Gefühlen und Eindrücken berichtet. Nie wuerde ich das Wort Rassismus auch nur erwähnen, denn meiner Erfahrung nach, hört spätestens dann der andere nicht mehr zu.

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  • Na ja, Rassist ist ja auch etwas schlimmes. Ganz normal dass normale Menschen das nicht sein wollen.

    Aber man kann und darf durchaus sagen dass einem etwas unangenehm war oder sich abwertend angefühlt hat.

    Im besten Fall lernt das gegenüber sensibler zu sein.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Und ich finde es wichtig anzusprechen. Denn sonst geht das mit den ganzen subtilen Kommentaren immer nur weiter so. Es wird sich nie was ändern, wenn man die Leute nicht mal drauf aufmerksam macht.

    Damit mache ich mich jetzt vermutlich unbeliebt.

    Es kann aber auch sein, dass man so in seinem Film ist, dass man nur noch subtile Kommentare hört.


    Man könnte den anderen jetzt ganz einfach ansprechen - ohne dass derjenige sein Gesicht verliert.... z.B. ... da gings mir beim letzten Mal aber wirklch schlecht, dass sie dachten ich könnte kein Deutsch. Heute können wir uns ganz normal unterhalten.


    Dann würde das Gegenüber lernen nicht so schnell Schlüsse zu ziehen... und beide hätten die Chance auf eine "nette Beziehung".

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Und schon wieder ist es mein Problem, wenn ich eine Situation als unangenehm oder rassistisch bewerte. ich denke so viel drüber nach, ob ich was sage, wie ich dann was sage und meist sage ich kaum was. und dennoch fühle ich mich oft völlig unverstanden, auch hier mal wieder.


    manchmal wird man müde erklären zu müssen, warum dies oder jenes Verhalten verletzend und Grenzübergreifend ist. Vor allem, weil es einen Großteil der Menschen schlicht nicht interessiert, weil man sich ja nur anstellt und und überbewertet.


    Das ganze ist ein gesellschaftliches Problem. Und auch wenn es besser wird ( was habe ich mir noch vor 10jahren den Mund fusselig geredet, wenn es darum ging, zu erklären, dass Racial Profiling verboten gehört), so sind es kleine Schritte und oftmals viele sture Mauern.

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  • Ich möchte ungern als überempfindlich etikettiert werden. Das hat nichts mit "Film" zu tun, das ist einfach die gesellschaftliche Realität. Und es nervt. Es nervt mich, wie mein Kind, Freund, Bekannte behandelt werden, und zwar täglich.

    Julia und Tochter (11/04), Tochter (04/08), Sohn (06/17) und Tochter (12/20)

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.


  • Und schon wieder ist es mein Problem, wenn ich eine Situation als unangenehm oder rassistisch bewerte. ich denke so viel drüber nach, ob ich was sage, wie ich dann was sage und meist sage ich kaum was. und dennoch fühle ich mich oft völlig unverstanden, auch hier mal wieder.


    manchmal wird man müde erklären zu müssen, warum dies oder jenes Verhalten verletzend und Grenzübergreifend ist. Vor allem, weil es einen Großteil der Menschen schlicht nicht interessiert, weil man sich ja nur anstellt und und überbewertet.

    Nein, das habe ich doch gar nicht geschrieben. Warum ziehst du Dir den Schuh an?

    Du bewertest die Situation aus Deiner - ich aus meiner Sicht. Und ich bin sehr an Deiner Sicht interessiert, weil ich das ja nur aus 2. Hand erlebe, weil ich selbst weiß bin. So und wenn jetzt kommt, dann kannst Du nicht mitreden... finde ich das schwierig.. weil das sofort wieder Mauern aufbaut.


    Die Situation ist unangenehm, ja. War sie rassistisch? Ich weiß nicht.... wir waren ja nicht dabei.


    In unserem Ort wohnen 4? Menschen mit schwarzer Hautfarbe... es ist hier einfach eine andere gesellschaftliche Realität als in den USA.


    Wenn Du aus einer Masse herausstichst wirst Du anders behandelt. Und ja da weiß ich wovon ich rede.


    Das ist sicherlich nicht immer ganz einfach.


    Bei jeder blöden Situation das dann aber auf Rassismus zu beziehen - finde ich auf 2 Ebenen problematisch

    1.) hilft Dir das selbst nicht - Du fühlst dich ständig ungerecht behandelt

    2.) bist Du ungerecht der Person gegenüber, die das vielleicht gar nicht so meint


    Ich finde es wichtig, dass Du solche Dinge ansprichst. Dir dann aber auch anhörst, was der andere zu sagen hat. Wir zwei hatten das Thema ja schon öfters.... und ich bin sehr sicher, dass die chinesische Freundin meiner Tochter so etwas nicht erfährt.

    Ich bemühe mich - ich bin anders aufgewachsen, ich lebe in meiner gesellschaftlichen Realität, ich kenne so viele Leute aus anderen Kulturen. Und trotzdem trage auch ich meine Wurzeln mit mir herum.


    Um nochmal ein anderes Beispiel zu bringen: einer der oben erwähnten Menschen geht in die gleiche Grundschule. Den Jungen kenne ich. Die Mutter (weiß) finde ich furchtbar... ihr Junge ist der Beste, Tollste, Klügste... ständig spielt sie sich in den Vordergrund und ihren Sohn.... mich nervt das so. Und ich glaube sie merkt das mittlerweile. Manchmal frage ich mich bzw. würde mich nicht wundern wenn sie mir das label rassistisch anhaftet.

    Und DAS meine ich.... ich finde nur sie nervig ... aber ich kenne einfach auch so Leute... egal was Du tust.. es wird in entsprechendem Kontext interpretiert.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • as ist einfach die gesellschaftliche Realität. Und es nervt. Es nervt mich, wie mein Kind, Freund, Bekannte behandelt werden, und zwar täglich.

    Wenn das deine gesellschaftliche Realität ist, wirst Du wohl damit und mit Deiner Genervtheit leben müssen. Andere Leute ändert man bekanntlich eher nicht.

    Ob Du Deinem Kind damit was Gutes tust, weiß ich nicht.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Alles, was ich erwidern möchte, würde mir nur einen Nettiraben einbringen.

    Warum liest du hier eigentlich mit? Man kann ja alles relativieren, nicht.

    Julia und Tochter (11/04), Tochter (04/08), Sohn (06/17) und Tochter (12/20)

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.


  • as ist einfach die gesellschaftliche Realität. Und es nervt. Es nervt mich, wie mein Kind, Freund, Bekannte behandelt werden, und zwar täglich.

    Wenn das deine gesellschaftliche Realität ist, wirst Du wohl damit und mit Deiner Genervtheit leben müssen. Andere Leute ändert man bekanntlich eher nicht.

    Ob Du Deinem Kind damit was Gutes tust, weiß ich nicht.

    Das ist die gesellschaftliche Realität der Mehrheit der PoC und Schwarzen in Deutschland. Und doch, andere Leute ändert man, indem man Rassismen aufdeckt und den Betroffenen glaubt. Leider nicht so schnell wie ich mir das wünschen würde, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

  • Gibt es für diesen Strang irgendwelche Zugangsbeschränkungen? Darf man nur mitlesen wenn man bestimmte Merkmale aufweist? Wäre ja schon fast rassistisch....


    Um Deine Frage zu beantworten: Weil in meinem Job ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz notwendig ist und weil ich Menschen aus aller Welt an einen Tisch bringe.

    Aus diesem Grund interessiert mich das Thema und um selbst blinde Flecken bei mir aufzudecken.


    Man kann relativieren, man kann auch dramatisieren.... beides wird nicht helfen, zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Und doch, andere Leute ändert man, indem man Rassismen aufdeckt und den Betroffenen glaubt.

    man kann andere Leute nicht ändern... nur sich selbst.


    und Druck erzeugt Gegendruck..... kommt also sehr darauf an, wie man das aufdeckt. Schau Dir doch mal den Feminismus an... wieviel hat sich da getan? Und man ändert nichts, indem man die andere Hälfte der Menschheit, sprich die Männer, beschimpft.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ich habe jetzt mehrfach angefangen, etwas zu schreiben und es dann doch immer wieder gelöscht....

    Ist das dein Ernst? claraluna Das Schwarze Kind und seine Eltern sollen sich nicht so anstellen und den Rassismus halt akzeptieren?

  • claraluna


    Ich bin gerade richtig wütend über das hier. Ich versuche mir jetzt keinen Nettiraben einzufangen.

    Wenn das deine gesellschaftliche Realität ist, wirst Du wohl damit und mit Deiner Genervtheit leben müssen. Andere Leute ändert man bekanntlich eher nicht.

    Ob Du Deinem Kind damit was Gutes tust, weiß ich nicht.


    Das klingt derartig überheblich und verletzend, dass ist genau die Reaktion die Menschen wie meine Kinder und auch ich täglich um die Ohren gehauen bekommen.

    Ich merke den qesellschaftlichen Umgang extrem krass. Wenn ich ohne meine Töchter unterwegs bin, kann ich mich recht frei bewegen und bin entspannt. Bin ich mit Ihnen unterwegs, kann ich nur über meine Umwelt staunen und überlege ob ich gerade nen falschen Film fahre. Ich (!) als ihre Mutter werde in einer Tour abgewertet und für dumm befunden, Bevormundung etc. So habe ich das bei meinen weißen Kindern nie erlebt. Meine Töchter könnten dir Storys erzählen, da schlackern dir die Ohren. Was aktuell Kröti erlebt, auf ihrem Schulweg.... das ist haarsträubende. Und nein, damit muss ich oder sie nicht leben. GsD gibt es immer wieder Menschen, die das genauso sehen und dann auch den Mut haben deutlich zu sein.


    Und ja, ich tue meinen Kindern einen Gefallen, wenn ich dieses Verhalten anprangern und benennen udn Kämpfe. Sie merken, dass man dagegen etwas tun kann. Das man sich wehren darf etc..


    Ich empfehle Tupoka Ogettes Exit Rassism.


    Ich habe es schon irgendwo mal geschrieben:

    Ich lade alle herzlich gern ein mit uns mal einen Tag in Berlin, wohlgemerkt, zu verbringen und unseren Alltag zu erleben. Idealerweise in der Öffentlichkeit beim Spaziergang im Zoo oder ähnlichem. Das war schon für den ein oder anderen ein Augenöffner und auch für mich, weil es gezeigt hT, was ich/ wir schon alles ausblenden um überhaupt hier leben zu können. Und wir reden von Berlin, mit eine der buntesten Städte dieses Landes.


    Vergessen:

    Ich gebe dir recht, andere kann man nicht ändern, nur sich selbst. Aber wenn ich anderen nicht Rückmeldung darf, was da gerade falsch läuft, dann wird sie nie was ändern.

    Und Vollmond darf genervt sein, weil es nämlich massiv auf einen einprasselt. Und man muss mit dem Gernervtsein nicht leben, man darf das auch mitteilen. Bei mir schlägt es irgendwann um und hat durchaus schon cür Aha Effekte bei anderen gesorgt.