Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

  • Ich finde die Haltung einiger hier im Thread wirklich daneben. Menschen mit Rassismuserfahrung ihr Empfinden ansprechen zu wollen und dann die Verantwortung dafür auf die betroffenen Personen abwälzen wollen (änder' halt dein Empfinden), ich bin fassungslos.


    Es tut mir unglaublich leid, dass ihr und eure Kinder solche Erfahrungen machen müsst.


    Dieser Thread zeigt eindrucksvoll, wieso das so ist. Keine:r will gerne rassistisch sein, aber wenn dem Empfinden der Betroffenen keine Beachtung geschenkt wird, wird es immer entsprechend konnotierte Sprüche geben.

    #herzKleiner Zwerg 07/14

    #herzMinizwerg 06/17

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  • claraluna andere haben dir schon besser geantwortet. Du hörst nicht zu. Und ich finde es fies von dir, dass du implizierst, dass ich nur meine Erfahrungen aus den USA hierher projiziere.


    Ich habe hier viel mehr subtilen rassismus erlebt als in den USA. Das liegt sich sicher auch am einzelnen Wohnort. Außerdem konnte ich dort Dinge ansprechen und die Menschen reagierten, und verstanden. Aber schon wieder hast du von außen geurteilt und ich muss mich rechtfertigen. Gerade weil du interkulturell arbeitest, solltest du die Erfahrungen Und Verhaltensweisen anderer Menschen nicht so schnell aburteilen, nur weil sie nicht deiner Realität entsprechen. So wie du schreibst, ist es sehr überheblich, lehrerhaft, und ich frage mich, warum du nun ausgerechnet mir vorschlägst mich zu ändern, die Kita sollte das aber nicht tun?


    Hier, habe ich das Gefühl keinen Schritt weiterzukommen. Und meine Kinder sind nicht schwarz. Das sind bestimmt nochmals andere Erfahrungen. Aber ich bilde mir ein, durch meine Erfahrungen im Alltag viele dieser subtil rassistischen strukturellen rassistischen Verhaltensweisen besser erkennnezukoennen. Denn den Unterschied, den buntgrün beschreibt, wenn sie mit und ohne Kinder und Mann unterwegs ist, kenne ich aber auch. Und schon das allein, zeigt mir, dass da ein Problem ist.


    buntgrün danke dir für dein ausführliches Posting. Deiner erfahrungen und klaren Worte hier und auch anderen Thread, finde ich enorm hilfreich.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Nachtkerze, mir war klar was mein Kommentar auslöst. Ich habs trotzdem geschrieben. Weil ich es schon nachdenkenswert finde, wenn Ärzte hier schreiben, sie hätten das auch so gefragt. Aber gut.


    Weil Du etwas von fies geschrieben hast. Ich habe gar nichts impliziert. Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen vor allem aus den USA, aber auch anderer Länder in denen ich gelebt habe und meine Erfahrungen mit vielen Freunden und Kollegen und aus meiner Arbeit.

    Und ich habe auch nirgends geschrieben, Du sollst Dich ändern oder rechtfertigen. Warum interpretierst Du das in meine Worte rein?


    Wäre doch auch schön, wenn man mal wirklich lesen würde, was ich schreibe.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ich lade alle herzlich gern ein mit uns mal einen Tag in Berlin, wohlgemerkt, zu verbringen und unseren Alltag zu erleben. Idealerweise in der Öffentlichkeit beim Spaziergang im Zoo oder ähnlichem. Das war schon für den ein oder anderen ein Augenöffner und auch für mich, weil es gezeigt hT, was ich/ wir schon alles ausblenden um überhaupt hier leben zu können. Und wir reden von Berlin, mit eine der buntesten Städte dieses Landes.

    vielleicht gerade weil es Berlin ist und Osten?

    Keine Ahnung. Ich bin oft mit meinen Freunden unterwegs und hätte daher die Chance das auch so zu erleben. Tue ich aber nicht. Da läuft das entweder viel subtiler ab oder im Sinne einer "positiven" Anstrengung...was dann auch wieder... mh... nicht gut ist.


    Der Strang ist wohl aber dazu da, um genau solche Erlebnisse zu schildern. Deswegen können wir die Grundsatzdiskussion jetzt auch einstellen.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Bei jeder blöden Situation das dann aber auf Rassismus zu beziehen - finde ich auf 2 Ebenen problematisch

    1.) hilft Dir das selbst nicht - Du fühlst dich ständig ungerecht behandelt

    2.) bist Du ungerecht der Person gegenüber, die das vielleicht gar nicht so meint


    zu dem 2. Punkt wollte ich gern was schreiben: Man kann durchaus rassistisch reden und handeln, ohne das explizit so gemeint zu haben. Darum geht es ja bei den ganzen Diskussionen zu Alltagsrassismus/strukturellem Rasismus. Er ist bei uns tief verankert.

    Ich lese und informiere mich seit Jahren zu diesen Dingen und arbeite an mir. Und würde trotzdem niemals behaupten, dass ich nie rassistisch agiere.

    Und deshalb ist es auch wichtig, Menschen auf rassistisches Verhalten anzusprechen: Es bietet ihnen die Chance, etwas zu verändern. Es gibt aber leider diesen Reflex, sich beim Wort Rassismus schnell wegzuducken und das immer auf die Hardcorefälle zu schieben. Nach dem Motto: Ich kann nicht rassistisch sein, die Rassisten sind solche wie die Nazis in Dorstfeld.

    Aber was bleibt, wenn man die Menschen nicht auf rassistisches Verhalten anspricht? Sie sehen es bei sich nicht, sie sprechen Betroffenen ihre Erfahrungen ab und der Alltagsrassismus nimmt ungehindert seinen Lauf.

  • genau das ist hier der Punkt. Es wird nicht angesprochen, wie man darauf käme, dass er kein Deutsch spricht. Sondern es wird geraten, sich auf höherer Ebene zu beschweren.


    Wie willst du "nicht so gemeinten Rassismus" den Leuten nahebringen, wenn du es nicht in der Situation ansprichst?


    Am Schluss kommt bei dem Menschen, der diese Aussage gemacht hat etwas völlig anderes an, nachdem es über drei Ecken kommuniziert wurde.


    Ich werde immer wieder über drei Ecken angezählt, weil ich aus rassistischer Motivation heraus dies oder jenes getan hätte. Nie habe ich die Chance zu sagen, dass nicht die Nationalität der Grund für mein Handeln war, sondern ein Fehlverhalten meines Gegenübers, welches mich genauso bei jedem anderen genervt und zu exakt der gleichen Reaktion veranlasst hätte.

  • janos Wie schon dargelegt, ist es oft schlicht nicht möglich, so etwas gleich anzusprechen. Entweder, weil es so schnell geht (blöde Bemerkung im Vorbeigehen, die Hand in den Haaren etc) oder weil man sich erst hinterher denkt: #blink


    Ich hatte auch gar nicht die Absicht, einen Beschwerdebrief mit drei Seiten Durchschlag zu schicken, sondern meinen Arzt das nächste Mal darauf anzusprechen.

    Wie gesagt, für uns hat sich das ganz eindeutig zumindest als Vorurteil/Klischee dargestellt. Wenn mein Freund Weiß gewesen wäre, wäre das ganz anders gelaufen.

    Und darum geht es.

    Julia und Tochter (11/04), Tochter (04/08), Sohn (06/17) und Tochter (12/20)

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.


  • und nichts anderes habe ich geschrieben. Sprich den anderen nett drauf an und lass ihn / ihr sein Gesicht wahren. Was hier geschrieben wird ist, beschwer Dich, mach Radau, lass Dir nichts gefallen, zieh die Rassismuskeule. Meinst Du das wird helfen, gerade wenn man deine letzten Sätze mit betrachtet?


    Und dann werden mir Worte in den Mund gelegt, die ich nie so gesagt habe. Ich werde nicht richtig gelesen und meine Erfahrungen werden mir auch abgesprochen, ohne überhaupt meinen Hintergrund zu kennen.

    Dieses Verhalten ist genau gleich zu dem was Du schreibst, man spricht Betroffenen ihre Erfahrungen ab.


    Spannend, aber wundern tuts mich nicht.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • janos Wie schon dargelegt, ist es oft schlicht nicht möglich, so etwas gleich anzusprechen. Entweder, weil es so schnell geht (blöde Bemerkung im Vorbeigehen, die Hand in den Haaren etc) oder weil man sich erst hinterher denkt: #blink


    Ich hatte auch gar nicht die Absicht, einen Beschwerdebrief mit drei Seiten Durchschlag zu schicken, sondern meinen Arzt das nächste Mal darauf anzusprechen.

    Wie gesagt, für uns hat sich das ganz eindeutig zumindest als Vorurteil/Klischee dargestellt. Wenn mein Freund Weiß gewesen wäre, wäre das ganz anders gelaufen.

    Und darum geht es.

    Und warum sprichst du nicht beim nächsten Mal die Mitarbeiterin direkt an? Was soll der Arzt dazu sagen? Er kann auch nur mutmaßen, was da war. Er kann seine Angestellten darum bitten, beim nächsten mal mehr auf die Wortwahl zu achten.


    Aber in welchen Situationen? Wie frage ich korrekt nach, ob jemand, der nicht mit mir reden kann, deutsch spricht? wie kläre ich korrekt, ob die daneben sitzende Person irgendwie zuständig ist?


    Wenn jemand vor mir sitzt und nach Lift ringt oder tüddelig wirkt oder sonstwie beeinträchtigt spreche ich natürlich immer erst mit dem Menschen, der dabei ist in der Hoffnung auf schnelle Antwort

  • Und warum sprichst du nicht beim nächsten Mal die Mitarbeiterin direkt an? Was soll der Arzt dazu sagen? Er kann auch nur mutmaßen, was da war. Er kann seine Angestellten darum bitten, beim nächsten mal mehr auf die Wortwahl zu achten.

    Genau das haben mir schon mehrfach befreundete Aerzte geraten - man solle sie ansprechen, weil sie naemlich oft keine Ahnung haben, was an Anmeldung und in Wartezimmer passiert. Ich wurde gebeten, dass anzusprechen. Du magst das anders sehen. Dann schlag doch einfach vor, direkt mit der Angestellten zu reden.


    Vollmond ich habe hier nirgendwo gelesen, dass du dich schriftlich beschweren und Radau machen sollst. Ich habe nur gelesen, dass man es ansprechen soll. Und nur weil ich das Thema hier als rassistisch bezeichnet habe, wuerde ich das im Gespraech nie so sagen. Aber beim Erzählen ueber das Ereignis, sage ich dann schon, dass das rassistsche gesellschaftliche Strukturen sind. Und ich denke nix anderes hast du auch vorgehabt.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Aber in welchen Situationen? Wie frage ich korrekt nach, ob jemand, der nicht mit mir reden kann, deutsch spricht? wie kläre ich korrekt, ob die daneben sitzende Person irgendwie zuständig ist?


    Wenn jemand vor mir sitzt und nach Lift ringt oder tüddelig wirkt oder sonstwie beeinträchtigt spreche ich natürlich immer erst mit dem Menschen, der dabei ist in der Hoffnung auf schnelle Antwort

    "Gehören Sie zusammen? Können Sie mir sagen, was passiert ist?"


    Fände ich jetzt recht naheliegend #weissnicht

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Ich fände es sehr naheliegend den Parienten zu fragen, ob er wegen der Atemnot nicht sprechen kann und ob es in Ordnung ist, mit der Begleitung zu sprechen.


    Halt so, wie man es mit einer weißen Person, die deutsch gelesen wird, wahrscheinlich auch machen würde.


    Ansonsten bin ich -als Mutter zweier schwarzer Kinder- entsetzt über einige Aussagen hier und ein Satz hat mich wirklich getroffen und verletzt.

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

  • Ich fände es sehr naheliegend den Parienten zu fragen, ob er wegen der Atemnot nicht sprechen kann und ob es in Ordnung ist, mit der Begleitung zu sprechen.


    Halt so, wie man es mit einer weißen Person, die deutsch gelesen wird, wahrscheinlich auch machen würde.


    Ansonsten bin ich -als Mutter zweier schwarzer Kinder- entsetzt über einige Aussagen hier und ein Satz hat mich wirklich getroffen und verletzt.

    Wenn er die Frage, die ihm gestellt wurde nicht beantworten konnte finde ich es legitim zu fragen, ob er deutsch kann.


    Ihr habt einen Menschen vor euch, der so schwer luftnötig ist, dass er nicht sprechen kann. Ihr habt keine Ahnung, ob dieser Zustand neu oder alt ist, ob der gleich massive Probleme bekommt oder nicht. Mit diesen Menschen sprecht ihr nicht, wenn daneben jemand sitzt, der euch vielleicht helfen kann.


    Ob man den jetuz fragt, ob er sich für den pt zuständig fühlt, sich kümmert, den hier jetzt betreut oder es sonst wie formuliert - nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass "betreuen sie ihn" rassistisch ist.


    Warum sollte ein junger Mann betreut sein, nur weil er nicht weiß ist?

  • Warum sollte ein junger Mann betreut sein, nur weil er nicht weiß ist?

    Das präzise ist die Frage, die ich mir auch gestellt habe - wie kommt die Frau auf diesen Gedankensprung?

    In diesem Satz stecken so viele potentielle Implikationen - ich würde ihn gerne verstehen.

  • Ich habe -im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit- schon viele Menschen zum Arzt begleitet, die die Termine aufgrund der Sprachbarriere nicht alleine wahrnehmen konnten. In den letzten Jahren eher Leute aus Syrien, dem Irak und Jemen, in meiner Hamburger Zeit vornehmlich Menschen aus Ländern Westafrikas. Ich würde behaupten, dass so eine Konstellation für einen Arzt in der Großstadt Alltag ist.

    Nichtsdestotrotz darf das nicht vorausgesetzt werden (würde es ja bei einem deutsch gelesenen Menschen auch nicht, wenn er in Begleitung erscheint).


    Angesprochen wird trotzdem immer der Patient, nicht ich. Also so sollte es zumindest sein und die meisten machen das auch so. Der Patient wird gefragt, ich erkläre wenn nötig und möglich, Patient antwortet so gut er kann, ggf. ergänze ich oder antworte komplett an seiner Stelle. Blickkontakt die ganze Zeit zwischen Arzt und Patient, Blick zu mir nur, wenn ich von mir aus etwas frage/sage oder etwas mit Gesten verdeutlichen möchte.


    Will sagen: Selbst wenn ich als "Betreuer" mit dabei bin, hat niemand den Patienten derart zu übergehen.

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne

  • Ich habe -im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit- schon viele Menschen zum Arzt begleitet, die die Termine aufgrund der Sprachbarriere nicht alleine wahrnehmen konnten. In den letzten Jahren eher Leute aus Syrien, dem Irak und Jemen, in meiner Hamburger Zeit vornehmlich

    Dann bist du die Begleitung des menschens und betreust ihn offenbar gerade Ist es nicht ok zu erfragen, in welchem Verhältnis man zu diesem Menschen steht? Ich frage alle in Begleitung, wer das ist. Weil es einen Unterschied macht, ob es der Taxifahrer oder der Freund ist. Das ist doch wichtig?


    Auf die offene Frage "Und wer sind Sie?" kommt meist sowas wie "Ich bin heute mal mitgefahren".

  • Ich möchte hier niemandem absprechen, die Äußerungen als rassistisch wahrzunehmen.


    Ich halte es nur nicht für zielführend, daa NICHT mit dem Menschen zu besprechen, der das gesagt hat. Eben genau weil es dann unmöglich ist, zu zeigen, was genau einen daran stört.

  • ich bin noch nie gefragt wurden, wer ich bin. Echt nicht. Wenn ich offiziell unterwegs bin, stelle ich mich vor bzw. der Patient tut das, einfach um zu verdeutlichen, dass ich auch etwas sagen werde.

    Manchmal gehe ich auch mit, weil mich jemand einfach als Back up dabei haben will, falls er doch nicht alles versteht oder um hinterher noch mal abzugleichen. In dem Fall werde ich nicht vorgestellt (weil ich in der Regel dann auch nichts sage) und es fragt auch nie jemand.

    Es geht ja auch niemanden etwas an, ob ich die Lebensgefährtin, die Taxifahrerin oder sonst wer bin. Fakt ist, der Patient möchte mich dabei haben, also bin ich da.

    #idee1 Ich leuchte, doch ich brenne nicht! #sonne