Kinder der Wende

  • Zitat

    Berliner sind aber Minipfannkuchen. #freu


    Gar nicht. :p

    #post-#post-#post-4-#post-#post-7-#post-9-10-11-#post-13-14-#post-#post-17-18-#post-#post-21-22-#post-#post

  • "etwas zu stehen haben"

    #gruebel
    öhh, darüber grübel ich gerade, was bedeutet das, da steh ich auf dem Schlauch..


    Na klar, ist es in Ordnung den anderen zu necken und wenn Dein Mann sogar darum bittet, ist es doppelt in Ordnung ^^
    aber die Formulierung: ich habe ihm das dämliche Dresdner nu abgwöhnt ist jetzt wirklich nicht gerade fein... wahrscheinlich ist es gar nicht so grob gemeint, wie es sich anhört., aber ärgerlich ist es schon. Allerdings kenne ich auch viele die den schwäbischen oder den bayerischen Dialekt nicht ab können, also was solls. Das sächsische befindetz sich da ja dann durchaus in guter Gesellschaft und diese Abneigung betrifft nicht nur die "ostdeutschen" Dialekte.
    Ich kenne auch einige, die sich über Sächsisch lustig machen, hab aber bisher kaum welche getroffen, die das Brandenburgerische, das Magdeburgerische, den mecklenburger Dialekt oder gar Berlinerische doof finden. Auch über die verschiedenen Mundarten aus Thüringen und Sachsen-Anhalt wird sich kaum lustig gemacht, auch wenn manche das manchmal mit sächsisch verwechseln...
    die haben dann aber definitiv noch nie Sächsisch gehört, das k a n n man nämlich nicht verwechseln ;)
    In Sachsen gibt es ja auch mindestens drei ganz verschiedene Dialekte, in Leipzig spricht man anders als in Dresden und im Vogtland ist alles noch einmal ganz anders...

  • Ich bin eigentlich auch Viertelossine.


    Ich finde aber schon, dass man sich gegenseitig nett mit Dialekten aufziehen darf. Klar, verbieten nicht. :thumbdown:


    Ich finde allerdings, grammatikalisch falsche Wendungen wie "etwas zu stehen haben" sollte unsere Tochter nicht unbedingt lernen. Wir wohnen naemlich auch nicht in einer Gegend, wo das verstanden wird.
    Und mein Mann ist Deutschlehrer, der selbst schon gern auch hochdeutsch sprechen moechte und ist nicht boese, wenn ich ihn daran erinnere.



    Aufziehen finde ich auch lustig. Das machen wir selbst auch, auch wenn wir beide Sachsen sind. ;) Aber etwas als dämlich zu bezeichnen und es einem Erwachsenen zu verbieten, finde ich doof. Aber na ja, erzählt weiter eure Geschichten, ich finde sie toll. #herzen

  • Zitat

    Sehr freundlich finde ich das nicht, sogar sehr abwertend. Ich ärgere mich da gerade drüber. :S


    Entschuldige, ich haette vielleicht mehr smilies einfuegen sollen, aber am handy ist das immer so umstaendlich.
    Natuerlich kann mein mann sprechen wie er mag. Und an meine gespielte entruestung darueber hat er sich schon seit jahren gewoehnt.


  • Sie sagen in L.E. eher "nor", nicht nu. Ich find das Wort genial. Anders als unser"ne", aber von der Bedeutung doch aehlich.


    Aus ihrem Mund (sie machen Urlaub grundsaetzlich nur im Ostblock, westliche Linke sind ihnen zu individualistisch, staendig reden sie ueber die schoene Zeiten in Moskau, fuer mich und meine Sozialisation interessieren sie sich gar nicht, das Kind bekommt grundsaetzlich Pittiplatsch und so geschenkt) FINDE ich das aber nicht witzig. Ich fuehle mich echt abgelehnt. Unsere Tiere fanden sie anfangs ganz schrecklich. Dann haben sie sich wohl bemueht, etwas fuer sie positives zu entdecken.


    Meine erweiterte Familie, Stiefmutter, Stiefgeschwister, viele Freunde, auf Feiern sind wir Wessis eigentlich in der Unterzahl. Ich komme mit allen gut klar und interessiere mich fuer ihre Vergangenheit und sie sich fuer meine. Aber mit meinen Schwiegereltern werde ich nicht warm.
    Sie waren aber auch ziemlich linientreu und bei ihnen kam der Staat vor der Familie. Und das nehme ich ihnen uebel, das war fuer meinen Mann naemlich schlimm.

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  • Zitat


    Sie sagen in L.E. eher "nor", nicht nu. Ich find das Wort genial. Anders als unser"ne", aber von der Bedeutung doch aehlich.

    Aber das Dresdner "nu" hat eine andere Bedeutung, das heißt "ja", genauso wie das Hallenser "Na.". Ich erinnere mich noch, wenn wir Freunde aus Dresden getroffen haben: "Und, hattet ihr eine gute Fahrt?" "Na. (=ja), und ihr auch? "Nu." :D


    Ich finde das "Nu" wunderschön, wie das gesamte Dresdener Sächsisch.

  • Nor kann auch "ja"bedeuten, oder auch so viel wie "tja".
    Fragt man zum Beispiel einen Leipziger, was er am wochende gemacht hat, dann könnte er Antworten: Nor, da sind wir in der Stadt gewesen. Da heißt nor dann soviel wie, nun, tja, also.
    Es kann aber auch "ja" heißen, fragt man zum Beispiel, ob zu der Feier auch die Tante eingeladen war, kann die Antwort lauten: Nor, die haben wir auch eingeladen.

  • Blöde autokorrektur, natürlich nicht Schwiegersohn sondern Schwiegereltern




    Ach so, was mir bei dem nor jetzt doch noch einfiel, vielleicht ist es auch nur ein verwurschteltes na, wenn es in der Bedeutung von ja Verwendung findet;-))

  • Hier im Auto sitzen auch zwei "gesamtdeutsche" Kinder. Mich hat es aus Berlin in den Westen verschlagen.


    Plaste sag ich auch und werde auch verstanden.
    Ein ewiges Thema bleibt die Uhrzeit. Mit viertel Zwei werde ich hier NIE verstanden, aber ICH bin ja anpassungsfähig :D

    Liebe Grüße von Flip mit Frau Zwergi (*11/09) und dem Schlumpf (*08/12)


    Die Welt ist absurd. Bewerfen wir sie mit Keksen. :D

  • Hier. Ich.


    Beide Kinder sind Joint-Venture-Ergebnisse.

    If you can’t say something nice … don’t say nothing at all! (Klopfer)
    Der frühe Vogel kann mich mal.

  • Ich habe nach 12 Jahren hier vieles übernommen. Das "nor" kam recht schnell. ich finde es oft auch passender als ein "Ja". Die Uhrzeit habe ich mir auch schon schnell umgewöhnt, weil ich mich nicht mehr bei jeder Uhrzeitangabe outen wollte. Nun kann ich recht gut umschalten, jenachdem mit wem ich spreche.
    Ich mag das Thüringisch hier sehr gerne und fühle mich hier so wohl, dass ich auch die Färbung schon übernehme.


    Um verstanden zu werden sage ich auch Pfannkuchen statt vorher Berliner. Schwierig wird es nur, wenn ich die Eierkuchen, die ich vorher Pfannkuchen nannte, nun vegan ohne Ei mache. Da fällt mir kein sinnvoller Begriff mehr ein #gruebel

  • Ist jemand ein Kurzvorgrenzewessi wenn er oder sie aus Mödlareuth kommt oder wie darf ich das verstehen.


    Es gibt noch etliche andere westdeutsche Orte, die nahe der innerdeutschen Grenze lagen. Hier ist ein schöner Link, falls man mal nachschauen möchte, wie denn der genaue Grenzverlauf war:


    Mauerkarte


    Wir hier sind auch eine ostwestdeutsche Familie. Ich aus Brandenburg, mein Mann aus MA. Wir waren beide zum Zeitpunkt der Wende schon erwachsen, hatten aber jeder für sich bis dahin noch kaum Umgang mit Leuten der anderen Landeshälfte gehabt. Somit war es dann für uns beide auch noch ein Beziehungsabenteuer ganz eigener Art.


    "Zusammengewachsen" in dem persönlichen Identitätsempfinden sind wir beide in den Jahren nicht, jeder hat nach wie vor natürlich seine Prägung, seine Erfahrungen, und gerne auch unterschiedliche politische Gedanken zum Thema DDR / Sozialismus / Kommunismus etc. Aber beide haben wir im Laufe der Zeit sehr viel mehr Akzeptanz und Verständnis für die unterschiedlichen Lebenshintergründe der Ost- und Westdeutschen entwickelt. Und nach wie vor finde ich es total spannend, wenn wir uns über unsere Erfahrungen und die Prägungen der Kindheitszeiten austauschen.


    Wir haben zwei Kinder. Wir leben in Brandenburg, haben vorwiegend Umgang mit Menschen ostdeutscher Prägung, und auch unsere Kinder entwickeln sich in ihren individuellen Lebenseinstellungen wohl eher nach mir. Mittlerweile kommen da auch öfter mal Fragen nach unseren Vergangenheiten, wie es in der DDR war, wie wir uns kennenlernten, was das für eine Zeit war mit der innerddeutschen Grenze... Ich glaube, das können sie sich gar nicht wirklich vorstellen, daß das Land mal so streng geteilt war. Daran sehe ich dann für mich, daß sie ganz selbstverständlich und ohne irgendwelche Ressentiments in die gesamtdeutsche Zeit hineinwachsen.

  • Ich habe nach 12 Jahren hier vieles übernommen. Das "nor" kam recht schnell. ich finde es oft auch passender als ein "Ja". Die Uhrzeit habe ich mir auch schon schnell umgewöhnt, weil ich mich nicht mehr bei jeder Uhrzeitangabe outen wollte. Nun kann ich recht gut umschalten, jenachdem mit wem ich spreche.
    Ich mag das Thüringisch hier sehr gerne und fühle mich hier so wohl, dass ich auch die Färbung schon übernehme.


    Um verstanden zu werden sage ich auch Pfannkuchen statt vorher Berliner. Schwierig wird es nur, wenn ich die Eierkuchen, die ich vorher Pfannkuchen nannte, nun vegan ohne Ei mache. Da fällt mir kein sinnvoller Begriff mehr ein #gruebel



    Bei uns sagt man neben Eierkuchen noch Plinsen. :)

  • Wir haben zwar noch keine Kinder, sind aber auch eine West-Ost-Ehe.
    Ich komme aus Niedersachsen und mein Mann ist Ostberliner. Wir wohnen im Osten Berlins. Zum Mauerfall war ich aber erst 6 und er 8. Er hat trotzdem viel mitbekommen von damals und erzählt gerne, was wieviel gekostet hat in der DDR.
    Ich habe aber auch noch Ostverwandschaft. Meine Großeltern sind in den 50er-Jahren mit meiner Mutter, meiner Tante und meinem Onkel aus der DDR geflohen.


    Aneinander geraten wir hier immer wegen der Uhrzeit. Ich bestehe auf "viertel vor" und "viertel nach"! #ja

    Liebe Grüße von Peppi mit Groß-S, Klein-S und Mini-S



  • Es gibt noch etliche andere westdeutsche Orte, die nahe der innerdeutschen Grenze lagen. Hier ist ein schöner Link, falls man mal nachschauen möchte, wie denn der genaue Grenzverlauf war:


    Mauerkarte


    Das ist halt einfach der Ort, der mir am nächsten steht und von dem ich mit 100% Sicherheit weiss, dass die Grenze durch den Ort verlaufen ist.
    Ich kenne viele Orte in Oberfranken und Thüringen, die Nahe an der innerdeutschen Grenze lagen.

  • Ich bin ein Ostdeutsch-Revoluzzer-Hoffnungskind #love (meine Eltern wollten nach meinem großen Bruder kein weiteres Kind in diese schlimme Welt setzen, sie haben es sich dann zwei mal anders überlegt, dann kam die Wende #super ) Wir wurden sehr westlich sozialisiert und durch Kirchenzugehörigkeit weitestgehend vom "DDR-Standard" fern gehalten.
    Meine Schwiegereltern gehören zur sehr klischeehaft, angepassten, Oberschichten-West-Familie. Das hat zwischen unseren Eltern schon für ordentlich Trubel gesorgt, dass wir heiraten... Vorurteile auf beiden Seiten!
    Zwischen mir und meinem Mann steht nur zeitweise eine irreführende Zeitangabe #pfeif und mein vererbtes Revoluzzer-Gen, das gern mal alles gegebene in Frage stellt, wenn nötig auch die Schwerkraft #finger #zaehne meist komme ich aber wieder auf den Boden zurück und wir treffen uns in der Mitte. ^^

    ~*~ Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. ~*~


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  • Wir sind auch eine Ost-West-Deutsche Familie #ja Mein Mann kommt aus Ost-Thüringen und war bei der Wende 14, hat also einiges mitbekommen. Ich komme aus Hessen und war erst 8, da wir auch keine Verwandschaft in Ostdeutschland hatten, habe ich da nicht allzu viel mitbekommen. Probleme wegen unterschiedlicher Sozialisierung hatten wir nie, eher Verständigungsschwierigkeiten bei einzelnen Wörten, bspw. dem hessischen "schepp" :D Und natürlich bei der Uhrzeit, aber da hab ich mich dran gewöhnt.

  • Hier auch gesamtdeutsche Ehe mit 3 Kindern. Zum Wendezeitpunkt waren wir beide 14.
    Ich bin im Westen aufgewachsen mit ostdeutscher Verwandschaft und durch die Eltern (vor dem Mauerbau über Berlin ausgereist) schon auch mit DDR-Vergangenheit konfrontiert die eine eher kritische Bilanz zieht (Eltern beide keine Arbeiter- und Bauernkinder). Mann und dessen Eltern (wesentlich jünger als meine) haben volle Breistseite DDR-Vergangenheit inkl. Pioniere, FDJ u.ä.
    Ich habe ab 1994 im Osten studiert und durch meinen fast 10-jährigen Aufenthalt schon auch viel mitbekommen - vielleicht auch ein gewisses Verständnis für die eine oder andere Eigenheit.
    Mit meinem Mann habe ich die üblichen Reibungspunkte (ich glaube nicht, dass das was ost-west-spezifisches ist) allerdings hatten wir bisher zum Glück auch noch keine ernsthafte Krise zu überstehen. Ich habe mehr Schwierigkeiten mit meinen Schwiegereltern, sie gehören meiner Ansicht nach allerdings auch zur Wendeverlierergeneration. Da ist durch manche Unsensibilität und Überreaktion schon Ärger entstanden (allerdings stimmt mindestens mit meinem Schwiegervater auch menschlich die Chemie nicht), den es möglicherweise nicht gegeben hätte, wenn die Biographien der Familien bzw. die Sozialistation ähnlicher gewesen wäre. (Westdeutsch ist ja aber auch nicht gleich Westdeutsch und Ostdeutsch nicht gleich Ostdeutsch.)
    Ich bilde mir ein, ich nehme von beiden Seiten was mit und das ist gut so!
    Unsere Kinder wachsen nun im Westen auf. Sie kriegen sicherlich hier mehr Prägung wissen aber, dass Mama und Papa in 2 verschiedenen Deutschlands groß geworden sind und es ohne die Wiedervereinigung unsere Familie wohl in der Konstellation nicht gegeben hätte. Sie sind aber wohl noch zu klein um daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen.


    Ich mag im übrigen Dialekte! (Und bin mächtig stolz, dass ich mittlerweile Chemnitzer, Dresdner und Leipziger unterscheiden kann!)

    Schaue nicht auf dein Wunderkind sondern auf dein Wunder Kind.


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