Und was sagt man da?...völliges SLP

  • Wie weiter vorne schon geschrieben wurde, ist es auch für mich u.a. eine Frage des Alters und des Tons. Mein 6-jähriger steckt mitten in der Rüpelphase, und wenn er die Metzgerei entert und die Worte "ich will Wurst" raushaut, schweige ich da nicht zu, sondern weise ihn durchaus deutlich darauf hin, dass er das auch anders sagen kann. Oder wenn es am Tisch heißt "TRINKEN!!!", dann erwarte ich schon von ihm, dass er in der Lage ist, seinen Wunsch halbwegs höflich in Tonfall und vollständigen Sätzen vorzutragen. Und das sage ich ihm auch, auch wenn andere Menschen zugegen sind, einfach, weil ich so nicht mit mir reden lassen möchte und das auch für meine Familie nicht möchte. Und in dem Zusammenhang habe ich auch nichts gegen die Worte "bitte" oder "danke" (wobei ich darauf selten bestehe, wenn der Tonfall und die Wortwahl ansonsten okay war, aber meisten kommen die dann von ganz alleine mit).


    Zugegebenermaßen konnte ich mir früher auch nicht vorstellen, das einzufordern. Aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie "rotzig" mein süßer Kleiner als 6-jähriger klingen kann. Und ich finde es durchaus okay, wenn er vom Umfeld gespiegelt bekommt, wie sein Verhalten und vor allem sein Tonfall in so einem Fall ankommt.

    mamaraupe (*1973) mit paparaupe (*1969), großer raupe (*06/06), und kleiner raupe(*02/10)

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  • Aber ich halte dieses automatisierte Danke auch für einen Weg, seine Freude über etwas zu kanalisieren und in Worte zu fassen. Naja, und dazu kommt zugegebermaßen, dass ich Konventionen nicht unbedingt für was Schlechtes halte. Die Übereinkunft, sich für GEschenke zu bedanken, erleichtert in meinen Augen das soziale Miteinander, weil es Wertschätzung für das GEschenkte ausdrückt.


    Danke, Ernie, das hast du ganz wunderbar ausgedrückt. So sehe ich es aus, werde aber weiterhin versuchen "man-Sätze" zu vermeiden.

    Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.
    Rahel Varnhagen

  • Zitat

    Ich wurde als Kind - im Gegensatz zu vielen hier offensichtlich - selten dazu aufgefordert mich zu bedanken...


    Was dazu geführt hat, dass ich es als Kind nicht so richtig gelernt habe.

    Hm, ist das so? Ich weiß nicht... vielleicht gibt es tatsächlich Kinder, die4 es nur lernen, wenn man sie auffordert. Meine Erfahrung ist aber nun mal, daß es die meisten kinder, die ich klenne (eigentlich alle) auch ohne direkte Aufforderung gelernt haben.
    Das heißt nicht, daß sie in jedem Alter und in jeder Phase wie aus der Pistole geschossen "Danke schön liebe Tante Liese" sagten, klar, aber so als Grundprinzip mit der Zeit eben schon.


    Ich denke nach wie vor, daß ein höfliches Umfeld da mehr bewirkt. Und damit meine ich nicht die Situationen, in denen wir es bewußt machen, um es den Kidnern zu vermitteln - sondern ich denke vor allem in den Zeiten "dazwischen".



    Wie reden wir mit und vor allem über unsere Mitmenschen? Mit dem
    Partner, der Schwiegermutter, der (vielleicht schwwierigen) Nachbarin
    usw.? Erlebt das Kind wie wir autentisch (NICHT um es dem Kind
    beizubringen) sagen: "Oh, da hat mir der ... aber eine Freude gemacht,
    ich ruf gleich mal an und bedank mich bei ihm!"




    Nehmen WIR nicht viele Dinge zu selbstverständlich? der "Oh, Danke
    schön mein Schatz, daß du heute XY für mich gemacht hast", "Hm, das hat
    gut geschmeckt, danke dafür!" "Fein, daß du Xy repariert hast, danke!"


    Aber eben NICHT als "pädagogische Maßnahme der Vorbildwirkung" sondern eben wiirklich ganz autentisch ohne Nachdenken...




    Ehe ich an meinem Kind "arbeiten" würde, würde ich wohl zuerst bei mir selber schauen und ggf. etwas ändern.


    Wenn ich dann später merke, daß mein Kind das Grundprinzip trotzdem noch nicht begriffen hat, kann ich mit ihm immer noch darüber reden.

    Zitat

    Das automatisierte Danken, das natürlich eine Konvention ist, aber wie
    ich finde, doch eine, die dem Zusammentreffen eine angenehme Note gibt.

    Hm, das sehe ich etwas anders. Eine gewisse Grundhöflichkeit finde ich natürlich gut und richtig und wichtig. Daß man sich für ein Geschenk bedankt, stellt glaub ich auch prinzipiell hier keiner in Frage.


    Eine rein automatisierte Höflichkeit hat aber keinen echten Wert mehr, finde ich. Sicher schadet sie keinem, aber zumindest MIR wäre es wichtiger, zu sehen, daß sich jemand freut und "Oh wie toll!" sagt oder sich intensiv der Sache widmet, als daß er automatisiert" "Danke schön" sagt.


    Das ist dann wie bei der meist rituellen Frage wie gehts? Auf die man gewiss NICHT sagen sollte, wie es einem wirklich geht. Bringt mir nix, kann derjenige gerne auch weglassen. Eine ECHTE Frage, wie es mir geht, ist dagegen etwas, was mein herz wärmt.


    In Gegenden, in denen eine bestimmte Art von Höflichkeit stark ritualisiert ist, irritiert mich das mindestens eben so wie eine "ritualisierte Muffligkeit".


    Später, wenn die Kinder größer sind, kann man ihnen bestimmte Konventionen auch noch anders näher bringen. Verhaltensweisen im Geschäft oder im Restaurant oder genrell in Situationen, die man nicht so oft im Alltag vorleben kann haben wir z.B. im Spiel geübt (Weil wir Lust hatten, gerade Laden oder Restaurant zu spielen, Oder weil die "Feinde Dame" zu Besuch kam usw. nicht weil wir den Kindern was beibringen wollten), das ging auch ganz ohne:" Wiiieee heißt das?", wenn die Kellnerin das Essen bringt.


    Daß es einem als Jugendlichern schwer fällt, finde ich ganz normal. Schließlich kommen bestimmte Peinlichkeitsgefühle dazu, man weiß generell oft nicht recht, wie man mit wem umgehen sollte, Kommunikation ist kein einfaches Ding... dann die Überlegung, ob man immer danke sagen möchte oder ob man autentisch leben möchte usw.


    Ich denke, das gibt sich wieder... scheint zumdinest hier so zu sein (und ich kann inzwischen schon lange wieder danke sagen ;) )


    So verschieden ist das...

  • Ich hab nicht alles gelesen, hab aber was beizutragen :P


    Da ich als Kind immer gezwungen wurde bitte und danke zu sagen, habe ich das von meinen Kindern nie verlangt, und sie müssen auch nicht die Hand geben.


    Ich gebe auch sehr ungern die Hand(ich mag keine körperliche Nähe) und war als Kind irre schüchtern.
    Für mich war ein "Danke" rausstottern die Hölle.



    Meine Große musste das also nie! und sie ist sowas von höflich.
    Sie sagt andauernd Danke, bedankt sich bei mir für Selbstverständlichkeiten und das ganz selbstverständlich.


    Ich habe mich immer für sie bedankt und sie hat es sich abgeschaut.
    Klappt also. ;)

  • Danke an Trin, irgendwie hast du das so formuliert, wie mir gerade die Energie dafür gefehlt! Schön, dich wieder zu lesen! #blume

  • Liebe Trin,


    da sagst du was...

    Daß man sich für ein Geschenk bedankt, stellt glaub ich auch prinzipiell hier keiner in Frage.


    Eine rein automatisierte Höflichkeit hat aber keinen echten Wert mehr, finde ich.

    Bei uns fehlte früher das 'Echte' relativ stark. Kinder irritiert so was nachhaltig, wie ich heute weiß.
    Und da wurden halt auch Höflichkeitsfloskeln als Ersatz für echte Beziehungen benutzt.
    Das habe ich konsequent boykottiert und fand es immer heuchlerisch.
    Natürlich hatte ich damit gesellschaftlich erst mal die schlechteren Karten: rotzig, aber ehrlich #lol #lol


    Danke für deine Anregung :)