Geburtstrauma oder normal???

  • Hallihallo,
    meine beiden Zwerge sind durch Kaiserschnitte geboren, beide ungeplant, bei beiden war die Geburt im Gange, beim großen ging's zehn Stunden, bei der kleinen sechs. Es ist nicht so das ich denke das die Kaiserschnitte nicht gerechtfertigt waren oder so, da steh ich schon hinter aber mir kommen immer wieder die Tränen weil ich keines meiner Kinder durch eigene Kräfte auf die Welt bringen durfte...es fühlt sich so inkomplett an, das Finale fehlt sozusagen...ich habe mich immer am meisten auf diesen Moment gefreut, in dem man das Kind nach der Geburt auf den Bauch gelegt bekommt und nun durfte ich das nie erleben...
    Es kommen mir eigentlich fast immer die Tränen wenn ich z.B. von anderen Geburten lese oder Höre und bin so traurig das mir das verwehrt blieb...ist das noch normal oder schon eine Art Zeichen eines Trauma's? Hat da jemand Erfahrung? Ich muss auch dazu sagen das es dem großen nicht so gut ging nach der Geburt, er musste ins Wärmebett und lag später auch noch auf der Intensiv, das Stillen hat auch nicht richtig geklappt..das hab ich wohl auch nicht richtig verarbeitet.
    Danke schonmal für eure Antworten...

    "Believe in yourself or nobody will believe in you" (Mark Feehilly)

  • #knuddel ,wenn ich darf!
    mein zweiter sohn kam auch per ks und ich bin immer noch sehr traurig darüber.mumu war 10cm geöffnet,er rutschte nicht recht ins Becken und dann wurde zur sicherheit ein ks gemacht.ich war zu dem zeitpunkt so voller schmerz,ich konnte mich gar nicht richtig "wehren" und ich fühl mich auch ein bißchen um das geburtserlebnis "betrogen" und werde wehmütig,wenn ich tolle gebursberichte lese!


    die geburt meines ersten kindes war natürlich,nicht besonders schön,aber dieser erste moment war unbeschreiblich schön.beim ks durften wir auch kurz kuscheln,aber dann war der kleine erstmal weg und das fand ich arg schlimm und krieg jetzt noch pipi in den augen (ist auch erst 7 monate her).
    keine wirkliche antwort auf deine frage,aber ich kann es sehr gut verstehen!

  • Hallo du Liebe
    Ich habe einen ähnlichen Weg hinter mir mit unseren beiden Söhnen.
    Die erste Geburt wurde nach 29 Std Wehen bei 4cm mit Diagnose Geburtsstillstand und Mißverhältnis Kind-Becken durch Sectio mit PDA beendet. Eine grausame Erfahrung, ich bin für gut 4 std auf der Intensiv gelandet, weil mir die schief und zu hoch gestochende PDA auf die Lunge ging und ich Atemnot und Kreislaufkollaps bekam.
    Ich hatte dran zu knabbern, ein Trauma, habe lange gebraucht mich wieder hochzurappeln, überhaupt darüber zu reden, ohne weinen zu müssen.
    Stillen klappte in der Klinik erst nicht, zu Hause dann schon. Das war für mich heilsam, damals sagte ich noch so salopp "Wenn ich mein Kind schon nicht auf die Welt bringen kann, so kann ich es wenigstens ernähren" Man merkt schon beim lesen dieses Satzes, wie wenig wertschätzend ich über mich gedacht habe.
    Ich habe viel über dieses Ereignis geredet, gelesen (Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht) und mich belesen und informiert, was da alles wohl abgelaufen ist.


    Ich habe mti meinem Mann geredet und er hat mir oftmal zuhören können, aber nicht immer helfen können.
    Nach gut 2 Jahren ging es mir besser und wir haben uns an die Planung des zweiten Kindes gemacht. Fest stand für mich: Nie wieder Klinik! Außerklinisch, selbstbestimmt und ich informiert und nicht nichtwissend sein. "Meine Wunschgeburt" hat mir sehr geholfen, mein Hebammenteam aus dem Geburtshaus auch und mein Mann.
    Los gings ganz toll zu Hause, die Hebamme kam dann und hat CTG geschrieben udn untersucht. Fruchtblase platzte und ich wurde mit RTW in Ruhe verlegt, weil das FW grün war. In der Klinik hab ich nohc gut 2,5 Std probiert, der Muttermund hat sich sogar geöffnet, jedoch wurde es dann wieder eine Sectio. Dieses mal eine Notfallmäßige, 14 Minuten vom abmachen des CTGGurts im Kreissaal bis zum ersten Schrei, Vollnarkose für mich und wieder erstes Bonding mit dem Papa - was mein Mann beide male voll und ganz genossen hat, diese Zeit ganz allein mit seinen beiden Söhnen, ganz frisch und rosig


    Es schmerzt, wollte ich doch das Köpfchen fühlen, zu Hause vor meinem Ehebett knieend, wenn usner Kleiner so zwischen Bauch und geboren ist. Es kam aber anders und ich habe dieses mal kein Trauma. Diese Erfahrung trotz Notkaiserschnitt war heilsam. Ich habe viel mit meinen Hebammen geredet und sie haben mich im Wochenbett auffangen können.
    such dir jemanden, evtl eine Hebamme die sich mit Traumabewältigung auskennt. Eine Narbenentstörung kann ich auch wärmstens empfehlen, aber nur mit einem Therapeuten (Hebamme, Osteopath, Heilpraktiker) dem du vertraust, bei mir hat es arge emotionale Schübe ausgelöst (und ich weiß immer noch nicht, was eien Entstörung eigentlich macht...)
    Oben ist ein Thread angepinnt, in dem vieles zu Hilfen nach Traumata steht.


    Such dir jemanden, hol dir Hilfe.
    Mir hat es auch gut getan (an einem Punkt der Verarbeitung) das gesamte GEburtsprotokoll zu beantragen und es zu lesen. Ich hatte aber auch zwei tolle Kliniken, die mir a) das Protokoll ohne murren gegeben haben und b) mir auch anboten, mit mir alles durchzugehen und wenn ich Hilfe bräuchte wg Trauma, ich mich bitte melden solle

  • ich finde solche gedanken ein stück weit normal und auf der anderen seite kann ich sie mittlerweile auch nicht mehr ganz nachvollziehen. nicht mehr. denn für mich persönlich habe ich sie abgelegt.


    ich habe drei kinder per ks bekommen. aus unterschiedlichen gründen. ich fand vieles furchtbar, manches versöhnlich. und auch ich war traurig über das verpasste.


    aber: ich habe so viel geleistet. mein körper, meine seele. ein ks ist einfach echt kein spaziergang.
    heute ist auch die furchtbare situation, die im OP entsteht, mein eigentliches problem. der letzte ks ist ja noch nicht lange her und war echt der schlimmste der drei.
    aber ich kann mir auch innerlich auf die schulter klopfen und recke dann das kinn, weil ich mich von diesen erinnerungen nicht kleinmachen lassen will. sie sind schlimm für mich, aber ich habe deshalb nicht weniger geboren, als andere frauen.


    überlege dir doch einmal, was denn das schlimmste war und ist. was du ganz alleine hättest anders machen können. und woran es bei dir so knabbert.
    und dann würde ich dir zu einer neubewertung raten. ich habe mich und vieles andere neu bewertet.
    ich kann die geburt meines zweiten kindes sehr versöhnlich sehen, weil es eine fast fertige geburt war. er ist dann einfach nicht durchgerutscht. traurig, aber immerhin war bis dahin alles normal und gut.
    für mich hat er einfach einen anderen ausweg gewählt.
    ich weiß nicht, wofür das gut ist.
    ich hoffe für irgendetwas.
    irgendetwas das noch gewichtiger ist als die traumatischen OP-szenen und die narben.
    wissen tue ich es nicht.
    muss ich auch nicht.
    ich habe festgestellt, dass geburt romantisiert wird. von mir damals auch.
    ich freue mich immer wieder, wenn ich einen schönen geburtsbericht lese. mittlerweile.
    da kommt auch mal wehmut auf. die schiebe ich aber rational an den richtigen platz.
    ein teil von mir ist wehmütig. ein teil nach wie vor geschockt über manche ärzte und das ausgeliefert sein, das aufgeschnitten werden.
    das gestehe ich mir zu und weiß gleichzeitig, dass ich nicht mehr in der hätte-schiene bin. es ist so wie es ist. und ich darf auch mal traurig sein. kann aber den rest der zeit mit der tatsache kaiserschnitt leben.
    ich habe so viel gegeben. und ich habe mein bestes getan. ich habe einfach nicht das glück gehabt, das andere haben. ich habe mich sehr intensiv mit dem thema ks und menschenwürdige geburt beschäftigt. das hat mir geholfen. es hat mich wütend gemacht. das finde ich einfacher als diese wehmütige traurigkeit.
    halte dich von geburtsberichten fern, wenn sie dir noch sehr weh tun. tue alles, was dir hilft. rede drüber. nimm es als ein thema in deinem leben war. sei wütend. traurig.
    aber verurteile dich nicht, weil dein baby durch den bauch geboren wurde #knuddel
    es wird besser mit der zeit.

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  • Was man ablegen muss, sind die Gedanken, eine "echte" Frau könne gebären oder "jedes Tier kann gebären, warum ich nicht" und solche Sachen. Das hat mich auch sehr sehr fertig gemacht. Ich habe nur gedacht, hey, unsere Kaninchen haben das hingekriegt, warum ich nicht? Ich habe mich sehr viel informiert und mittlerweile eingesehen, dass Tiere auch bei Geburten sterben, dass es bei Haustieren auch oft dazu kommt oder eben zum KS, das hat mir geholfen. Komischerweise mehr als die Berichte von anderen KS-Geburten von Frauen.


    Einfach, weil mir sowohl Hebammen, als auch Frauenärztin und auch Verwandte immer wieder vermittelt haben, eine Frau könne gebären, wenn es soweit ist. Sie wüsste dann automatisch, was zu tun sei etc. etc. Das ist aber totaler Unsinn. Nein, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es hatte mir auch keiner beigebracht (eben weil die Geburtsvorbereitungs-Hebamme ebenfalls meinte, Frauen müssten das Atmen nicht lernen, die könnten es dann automatisch). Nein, Frauen sind keine Automaten und ohne Anleitung können sie nicht gebären und manchmal geht es eben schief.


    Ich knabbere auch noch sehr dran, aber mit den Infos über andere Tiere und Sterblichkeitsraten etc. kann ich besser damit umgehen als wenn ich grüble, warum ich keine echte Frau bin, sondern ein Schlachtschwein etc. etc. Solche Gedanken hatte und habe ich. Ich fühle mich geschlachtet, nicht "entbunden". Das liegt aber weniger am KS, mehr an dem Umgang mit mir durch das KH-Personal (z. b. wurde während der ganzen Geburts- und KS-Zeit nicht mit mir geredet, sondern nur über mich, so als wäre ich betäubt oder tot oder eben ein Tier, was das nicht versteht).


    Ob man wirklich komplett drüber hinweg kommt, keine Ahnung. Das nächste kommt per geplantem KS, das möchte ich so. Eine normale Geburt kann ich nicht ohne Hilfe, das weiß ich nun und werde das auch nicht mehr machen!

    Einmal editiert, zuletzt von LemonySnicket ()

  • Ich hatte keinen Kaiserschnitt - gerade so nicht, der OP wurde schon vorbereitet - aber trotzdem geht es mir noch immer mit dem Geburtserlebnis nicht gut. Ich fühle mich als totale Versagerin, weil ich es nicht zu Hause, nicht ohne Hilfe, nicht ohne Medikamente geschafft habe. Ich konnte mein Kind nicht halten weil ich zu sehr geblutet habe und hatte ihn erst eine Stunde nach der Geburt das erste Mal im Arm. Ich mache mir schreckliche Vorwürfe, dass ich ihn zuerst "abgegeben" habe.
    Ja und zu Anfang wusste ich garnicht wohin mit ihm und mir, da war kein langsames, sanftes, ruhiges sich-kennen-lernen sondern wir wurden beide in eine Welt geschubst die wir nicht kannten: ich lag im Krankenhaus 35° im Zimmer, Tür auf Tür zu Tür auf Tür zu den ganzen Tag, es war laut, heiß und beschissen und für mein Kind genau das Gleiche und dazu raus aus dem Bauch.
    Eine "natürliche" Geburt muss nicht schöner, sanfter, selbstbestimmter sein als ein Kaiserschnitt. Und sie kann dem Baby das ankommen genau so oder noch schwerer machen.


    Eine ganz wunderbare Rabin hat mir ein sehr sehr gutes Buch geschenkt: "Es war eine schwere Geburt" vielleicht magst Du es lesen? Du findest da viele hilfreiche Gedanken.

  • Liebe JoHa,


    wahrscheinlich ist es relativ "normal", dass eine Geburt auch ein Trauma ist, die Frage ist vielleicht eher, wie schlimm es ausgeprägt ist? Als ich im RüBi-Kurs die Schilderungen der anderen Mütter hörte, gab es fast bei jeder irgendwas, worüber sie nicht glücklich waren. Ich denke, es ist echt wichtig, das aufzuarbeiten, wie du das mit diesem Post ja schon ein Stück weit machst.


    Ich kann bei Solveigh unterschreiben, bei mir war es ähnlich, vielleicht etwas undramatischer. Es war eine Saugglockengeburt und ich hatte das Glück, mein Baby bald danach auf den Bauch gelegt zu bekommen. Wohlgemerkt "Glück", es ist nicht selbstverständlich oder mein großer Verdienst. Ja, ich habe mein Allerbestes gegeben, aber das tut doch jede Frau! Ich habe mich anfangs ziemlich als Versager gefühlt, weil ich während der Geburt viel geweint habe und immer wieder gesagt habe, dass ich keine Kraft mehr habe. Das entspricht so gar nicht der Vorstellung von Stärke, über sich hinauswachsen, bla bla bla. Eine Hebamme meinte später zu mir: Bei der Geburt geht es nicht darum, einen Wettbewerb zu gewinnen. Es geht darum, dass das Kind am Ende gesund zur Welt gekommen ist.


    Ich hoffe, du schaffst es, das, was man nicht mehr ändern kann, so anzunehmen, wie es war. Ich habe übrigens einen riesigen Respekt vor allen Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, weil es bestimmt nicht der einfachere Weg ist!


    GLG

    LG, Yolotzin :)


    Each circumstance is a gift, and in each experience is hidden a treasure.
    (Neale D. Walsh)

  • Ich habe übrigens einen riesigen Respekt vor allen Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, weil es bestimmt nicht der einfachere Weg ist!


    GLG


    Ich weiß nicht warum, aber dieser Satz bringt mich gerade zum weinen #schäm

  • @ Carrie: So war das aber nicht beabsichtigt #knuddel


    Darf ich dich noch fragen, wie man an das Geburtsprotokoll kommt? Einfach bei der Klinik darum bitten und die rücken's raus, oder ist das eher unüblich? Ich fühle mich zwar nicht richtig traumatisiert, aber im Nachhinein kommen mir doch immer wieder mal Fragen zu den Vorgängen und ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Zum Beispiel haben sie mein Baby direkt nach der Geburt für wenige Minuten in einen anderen Raum gebracht und mir ist nicht ganz klar, warum und was dort gemacht wurde. Nicht mal meinem Mann, der dabei war...

    LG, Yolotzin :)


    Each circumstance is a gift, and in each experience is hidden a treasure.
    (Neale D. Walsh)

  • Ich kann dich so gut verstehen! ich bin haarscharf am Kaiserschnitt vorbeigeschlittert und hatte PDA und Saugglocke. Die PDA wollte nicht wirken und es wurde immer mehr gespritzt, so dass ich am Ende nichts mehr gespürt hab, auch keine Wehen. Er war dann einfach da. ich habe nicht mitbekommen :( kuscheln danach gabs nicht, weil mein Kreislauf weggeknackt ist.


    Ich hab das gefühlte 100mal mit mener Hebamme besprochen, ihr erzählt. Dabei war sie leider nicht, denn es war eine verlegte Geburtshausgeburt und in derer Klinik konnte sie nicht bleiben. Sie hat mit uns das erste Kuscheln
    nachgestellt, indem sie mir Wico nach dem Baden nass auf den Bauch gegeben hat. {wie heißt das doch gleich mit Fachbegriff?) Das hat mir geholfen. Und mein Mann. Denn er hat ja mitbekommen wie Wico auf die Welt kam. wir haben viel darüber geredet.


    Das ist jetzt 6 wochen her und ich denke, ich habe ganz gut verarbeitet.

    Mit einem Osterhäschen reich beschenkt ❤️

  • Das Geburtsprotokoll hätte ich auch gerne gehabt. Nach der ersten Aufforderung kamen die Blutwerte vom Kind, nach der zweiten meine #hammer .kein Geburtsprotokoll. Ich habs dann gelassen.

    Mit einem Osterhäschen reich beschenkt ❤️

  • Hallo!


    Um deine Titelfrage zu beantworten: Ich glaube nicht, dass ein KS automatisch zum Trauma führt. Und ich denke nicht, dass es ein Trauma ist, wenn man sich eine natürliche Geburt gewünscht hat, und dann darum trauert, keine gehabt zu haben. Ich denke, trauern und ein Trauma haben sind verschiedene Dinge. Und das trauern darum ist völlig natürlich, wichtig und gut bei der Verarbeitung (auch traumalos).


    ABER:
    Ich möchte deine Erfahrung gar nicht klein reden, ich weiß auch, wie es ist, nach einer Ent-Bindung :( traumatisiert zu sein (kein KS..). Mich persönlich hat meine erste Ent-Bindung ordentlich verstört und massiv in meinem Selbstbild beeinträchtigt. Versagergefühle, Schuldgefühle und wenig Gefühl für meinen Körper, der doch so harte Arbeit geleistet hatte, wenig Respekt vor mir, keinerlei Achtung mehr vor mir, eine leichte (GsD nur leichte) Depression, ein unglaublich mieses Selbstbewusstsein, massive Unsicherheit, und das Gefühl, mein Körper wäre gar nicht meiner, und dazu heftige Erinnerungslücken an den Ablauf (die Erinnerungen kamen volle ZWEI Jahre später erst wieder!!!), das waren bei mir so die Symptome für ein Trauma. Was ich erst spät Trauma genannt habe und nicht nur "keine ganz einfache Geburt". ;) Ich bin nicht nur von meinem Kind ent-bunden worden (und diese Bindung musste dann wieder hart erarbeitet werden), sondern auch irgendwie von mir selbst.


    Ich finde es aber ganz egal, ob Trauma oder nicht. Ich finde, wenn du das Bedürfnis hast, darüber zu reden und zu weinen und etwas zu verarbeiten, dann sollte dieses Bedürfnis beachtet werden und erfüllt werden. Fertigaus. Egal, wie man das Bedürfnis dann nennt.


    Kennst du die EEH? Emotionelle erste Hilfe? http://emotionelle-erste-hilfe.org/ ich denke, das wäre für dich vielleicht ein Ansatz.

  • Auf die eigene Akte und somit das Geburtsprotokoll (auch Geburtsverlaufsprotokoll) und den Geburtsbericht hat JEDE Frau Anspruch.


    Am Besten ist ein kurzer Text an die Gynäkologische Abteilung (Geburtsabteilung):


    "Sehr geehrte Abteilung,


    hiermit beantrage ich das Geburtsverlaufsprotokoll. Ich möchte das vErlaufsprotokoll, den Bericht und -falls man will- Kopien des CTGs als Kopie zugesendet bekommen.
    Sollten Kopiekosten anfallen, so bitte ich sie, mich zu kontaktieren oder direkt eine Rechnung mit den Kopien zu senden.


    Meine Daten inkl Geburtsdatum


    Daten des Babys inkl Geburtsdatum


    MfG


    Patientin XYZ"


    Ich würde es direkt per Einschreiben senden oder persönlich abgeben. Sollten sie sich querstellen, kannst du drauf aufmerksam machen, was das deutsche Recht sagt und gerne anbieten, dass dein Anwalt einen Schrieb schreibt und du das Qualitätsmanagement der Klinik einschalten wirst, denn Kundenfreundlich ist anders.
    Viele Kliniken haben Angst wg Klagen, aber ich persönlich finde, das ist nicht das Problem von uns Patienten, wenn wir für uns wichtige Einsichten anfordern. Nicht jede Klinik ist da schlimm, keinesfalls, ich hatte sehr großes Glück mit den beiden Kliniken. Aber es gibt eben doch welche, die sich meinen, quer stellen zu können.

  • Ich kann dich so gut verstehen! ich bin haarscharf am Kaiserschnitt vorbeigeschlittert und hatte PDA und Saugglocke. Die PDA wollte nicht wirken und es wurde immer mehr gespritzt, so dass ich am Ende nichts mehr gespürt hab, auch keine Wehen. Er war dann einfach da. ich habe nicht mitbekommen :( kuscheln danach gabs nicht, weil mein Kreislauf weggeknackt ist.


    Ich hab das gefühlte 100mal mit mener Hebamme besprochen, ihr erzählt. Dabei war sie leider nicht, denn es war eine verlegte Geburtshausgeburt und in derer Klinik konnte sie nicht bleiben. Sie hat mit uns das erste Kuscheln
    nachgestellt, indem sie mir Wico nach dem Baden nass auf den Bauch gegeben hat. {wie heißt das doch gleich mit Fachbegriff?) Das hat mir geholfen. Und mein Mann. Denn er hat ja mitbekommen wie Wico auf die Welt kam. wir haben viel darüber geredet.


    Das ist jetzt 6 wochen her und ich denke, ich habe ganz gut verarbeitet.


    Bonding Bad oder Re-bonding, das habe ich von sehr vielen gehört und bis jetzt viele positiven Erfahrungen gelesen.

  • wir haben das mit dem nackig kuscheln auch gemacht mit unserer tochter :)


    uns tat das gut.
    trauma und traurig sind tatsächlich zwei kategorien.


    die letzte geburt hat mich ziemlich kalt erwischt. ich dachte, ich sei gut vorbereitet durch die zweite geburt. meinen sohn gerochen und so erkannt, dass es das baby aus dem bauch war, habe ich erst als er etwa 4 wochen alt war. das war ein sehr bewegender, trauriger und schöner moment.
    von den erlebnissen im krankenhaus wird mir immer noch schwindelig.


    von der ersten geburt wird mir nach wie vor übel, wenn ich zuviel dran denke. aber auch nur wenn ich zuviel in der falschen situation grübel. ich habe das gut aufgearbeitet. und die erinnerungen sind sehr sortiert und verpackt. es gab aber auch die ganze zweite schwangerschaft kein anderes thema zwischen mir und meiner zauberhebamme.


    von der zweiten geburt ist die traurigkeit verschwunden und es ist nur das gute zurückgeblieben. diese geburt habe ich, nach einer trauerphase um die verpasste geburt, als schön in erinnerung. trotz ks.


    ich denke die letzte geburt muss noch mal thema werden.
    du wirst merken, wenn es dir so geht.

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  • Danke ihr lieben für die Antworten...einerseits war der zweite KS schöner weil ich ihn richtig mitbekommen habe und nicht wie in Trance war aber da wollte ich halt umso mehr spontan entbinden einfach weil der große schon ein KS war...es tut gut zu lesen das ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin...das einzige was mir den zweiten KS versaut hat war, das nach zwei Wochen die Narbe nochmal z.T. eröffnet wurde und ich dieses mal wirklich sech Wochen gebraucht habe, bis ich mich schmerzfrei bewegen konnte...ich werde das ganze Thema nochmal aufarbeiten, danke für die Tips

    "Believe in yourself or nobody will believe in you" (Mark Feehilly)

  • Liebe JoHa, auch mein Thema und auch der Grund, warum ich mich damals hier im Forum angemeldet habe, deshalb will ich dir auch gerne schreiben.


    Ich hatte einen KS nach fast 20 h Wehen, und ich habe lange, lange damit gehadert. Diese ganzen Gefühle von Versagen, Trauer, Wut, Selbstzweifel, die hatte ich auch. In den ersten Wochen nach der Geburt war ich sehr nahe am Wasser gebaut. Mir hat da aber nachträglich geholfen, dass das auch Frauen mit natürlicher Geburt so geht, und auch mit den Hormonen zu tun hat.


    Und ich habe auch sehr viel Heilung und Kraft durch Stillen, Tragen und FB erfahren. Da dachte ich sogar manchmal, dass die KS-Geburt mir da sogar noch mehr Kraft verschafft hat, weil ich bei kritischen Stimmen immer dachte, ich darf mein Baby so extrem beglucken wie ich will, wir hatten schließlich einen schweren Start.


    Und ich habe nahezu alles zu dem Thema gelesen, hier im Forum, in verschiedenen Büchern, ich habe den Geburtsverlaufsbericht mit meiner Hebamme durchgeackert. Das war wunderbar, ich hatte das Gefühl, die Geburt mit ihr nochmal zu erleben, und sie gab mir das erste Mal die Zuversicht, dass ich nichts falsch gemacht habe. Bei ihr habe ich auch meine Narbe behandeln lassen.


    Aber das alles hat sehr viel Zeit gekostet, das war ein Prozess von mindestens 3-4 Jahren. Jetzt, wo meine Tochter 4 ist, kann ich versöhnt mit mir und meinem Körper auf die Geburt zurückblicken. Ich denke, es liegt auch daran, dass ich kein Baby mehr zu Hause habe, dass mich emotional noch sehr an die Geburt binden würde, sondern schon ein relativ selbständiges Kindergartenkind. In den Babygruppen ist das Thema Geburt noch viel präsenter, und es hat mich von den anderen Müttern getrennt. Jetzt, mit älterem Kind, tritt das Thema Geburt komplett in den Hintergrund, ich habe jetzt genau dieselben Themen, wie die Mütter mit natürlicher Geburt.


    Also, ich verstehe dich sehr gut und fühle mit dir mit #liebdrück


    Und bitte, nimm dir ganz viel Zeit. Irgendwo habe ich mal gelesen, bei einem KS muss man die Geburtsarbeit auch noch hinterher leisten, genau so habe ich die letzten Jahre empfunden, und es fühlt sich jetzt für mich sehr gut an. Du schaffst das auch, ganz sicher!


    LG #herz

  • Ich hatte bei meinem 2. Kind nach 10 Stunden Wehen und vollständig eröffnetem MM einen KS. Mir ging es bestimmt 2 Jahre richtig schlecht damit, habe oft geweint wenn ich daran gedacht habe. Nach diesen 2 Jahren fing ich an hier im Forum viele Geburtsberichte zu lesen, dass hat mir irgendwie geholfen. Aber insgesamt hat es schon sehr lange gedauert bis es wieder gut war. Selbst heute tut es manchmal noch weh. Aber das ist wohl auch normal.


    Meine erste Geburt habe ich übrigens auch als sehr schlimm empfunden, auch wenn es kein KS war. Die Erinnerung daran finde ich fast schlimmer als der KS. Also eine vaginale Entbindung muss nicht unbedingt schöner sein.


    Lass Dir Zeit :)

  • Liebe HoJa, ich hatte auch einen KS und gut 9 Monate gebraucht, bis es mir damit langsam besser ging. Mir ist auch klar, dass es in diesem Moment wahrscheinlich keine andere Möglichkeit mehr gab. Aber ich hadere sehr mit dem, was vorher passiert ist, was meiner Meinung nach dazu geführt hat, dass es ein KS wurde. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Hebamme auch nur halbwegs alles versucht hat, zu verhindern, dass es meiner Tochter so schlecht ging, dass ein KS nötig wurde.


    Mein Problem mit der Sache liegt also einerseits an der Tatsache KS an sich, dann an der Art der Hebamme, damit, wie die Menschen im OP mit mir umgegangen sind und damit, dass ich dann für ca. 2 Stunden von meiner Tochter getrennt war, obwohl es dafür keinen Grund gab. Sie wurde mir dann gewaschen und angezogen gebracht.


    Ich war deshalb auch vor allem traurig darüber, wie mir mir umgegangen wurde.


    Ich habe oft geweint, viel über dieses Thema gelesen (so bin ich auch zu den Raben gekommen) und viel mit meinem Mann darüber gesprochen. Leider hatte ich keine Möglichkeit, länger mit meiner Hebamme darüber zu reden. Es gab zwar ein Gespräch darüber, aber ich habe mich nicht getraut, mehr Zeit dafür zu verwenden. Das möchte ich unbedingt in der nächsten Schwangerschaft mit einer neuen Hebamme nachholen.


    Ich finde es wichtig, dass man jemanden hat, mit dem man darüber reden kann. Immer und immer wieder. Zum Glück hat mein Mann da sehr viel Geduld. Bei einer Freundin, die noch kein Kind hatte, hab ich mich da nicht ganz verstanden gefühlt. Hilfreich finde ich auch, mit anderen Frauen darüber zu reden, die Ähnliches erlebt haben. Und wenn du die Möglichkeit dazu hast, würde ich auch mit deiner/einer Hebamme darüber reden und mit ihr den Geburtsverlaufsbericht in Ruhe durchgehen.


    Und gib dir Zeit! Du darfst in Ruhe darüber traurig sein. Je mehr man es zulässt und es verarbeitet, desto schneller kann man das vielleicht annehmen und verarbeiten und mit der Sache ins Reine kommen.