Germanisten? wir sind am diskutieren: kann man einen Satz mit

  • zum Beispiel beginnen. bzw. ist das ein vollständiger Satz: "zum Beispiel tritt Hörschwäche bei Älteren oft auf."


    für mein Gefühl ist das kein vollständiger Satz - da fehlt ein "so": So tritt hörschwache oft bei Älteren auf. oder haben die anderen recht und das obige ist ein vollständiger Satz? und warum (nicht)?

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Bin keine Germanistin, für mich klingt der Satz so auch "komisch", aber mit Wortumstellungen dann doch richtig: "Bei Älteren tritt zum Beispiel oft Hörschwäche auf" oder " Hörschwäche z.B. tritt oft bei Älteren auf". Einen Satz mit "z.B." anfangen würde ich gefühlsmäßig nicht. Aber begründen kann ich es nicht.

  • Ist in meinen Augen schlechter Stil. Das "zum Beispiel" sollte nicht am Anfang stehen, sondern eher so wie rökja schreibt. Dann kann man das schon durchaus so sagen, als Hörschwäche, zum Beispiel, tritt oft bei Älteren auf. Wenn Du ein "so" davor tust, dann könnte der Satz irgendwie schlecht alleine stehen, also müsste eigentlich ein Nebensatz sein, oder eine Bekräftigung von vorangegangenem.
    Hm, versteht man das?
    Disclaimer: Germanistik nur im Nebenfach. :D

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • das mit dem umstellen hatte ich auch probiert und es brachte mich zum grüben. echt - ist das nur schlechter Stil? für mich hört es sich komplett falsch an. in punkto Nebensatz hast du recht, ainu, wobei das gefühlt an der grenze zum eigenständigen Satz ist. aber vermutlich doch eher eine Ellipse.


    hmpf.

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    Willy Brandt, 1969

  • Klar geht das. Grammatik wird sowieso gelebt. Und soll beschreiben, wie gesprochen wird und nicht uns vorschreiben, wie wir sprechen sollen. Zum Beispiel der Genitiv nach 'wegen' wird sicher irgendwann aussterben. :P

  • Für mich hört es sich nicht falsch an, nur eher gesprochen als geschrieben.

    LG, Kalliope


    Und bist du nicht willig, so brauch ich Geduld! (Prof. Peter Kruse) tap.gif

  • spinnchen, im Prinzip geb ich dir recht. aber es interessiert mich gerade :P

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    Willy Brandt, 1969

  • Klar geht das. Grammatik wird sowieso gelebt. Und soll beschreiben, wie gesprochen wird und nicht uns vorschreiben, wie wir sprechen sollen. Zum Beispiel der Genitiv nach 'wegen' wird sicher irgendwann aussterben. :P

    Ja, und ich trauere ihm ehrlich nach. Für mich hört sich dieses "wegen dem Fahrrad..." so falsch an. Aber Sprache wandelt sich halt ständig.

  • Klar geht das. Grammatik wird sowieso gelebt. Und soll beschreiben, wie gesprochen wird und nicht uns vorschreiben, wie wir sprechen sollen. Zum Beispiel der Genitiv nach 'wegen' wird sicher irgendwann aussterben. :P


    *grusel*


    das ganz wird nur noch von "da wo" übertroffen #kreischen

    Wer Visionen will, sollte nicht mit den Drogen sparen.
    Das Känguru-Manifest

  • Ist der Satz " zum Beispiel der Genitiv nach "wegen" wird sicher irgendwann aussterben" dann auch falsch?

  • Ist halt wirklich eher gesprochen. eleganter wäre für meine ohren: beispielsweise wird der genetiv nach "wegen" sicher irgendwann aussterben. aber eben, so grundsätzlich, finde ich einen z.b.-satz schwierig alleine, der braucht ja einen kontext :D

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


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    #rose 49,7

  • "zum Beispiel tritt Hörschwäche bei Älteren oft auf."


    Dieser Satz ist grammatikalisch gesehen falsch, denn "zum Beispiel Hörschwäche" ist ein einziges Satzglied. Das Prädikat gehört nicht dazwischen. "Zum Beispiel Hörschwäche tritt bei Älteren oft auf" wäre korrekt und wirkt, alleine stehend, dennoch etwas wirr, man würde den Satz formulieren als "Es tritt bei Älteren oft zum Beispiel Hörschwäche auf". Im ersten Satz ist "zum Beispiel Hörschwäche" das Subjekt, im zweiten das "es". "zum Beispiel Hörschwäche" ist dann ein Gleichsetzungsnominativ. Wie viele von euch schon aus dem Bauch raus festgestellt haben, ist der Gleichsetzungsnominativ in der gesprochenen Sprache auf dem Rückzug, daher wäre der Satz mit "zum Beispiel" am Anfang eher oral poetry. Korrekt sind aber beide. Wenn man sich davor folgenden Ssatz denkt, ist der inkrminierte im Sinne einer Satzstellungsvarietät schon wieder schön: "Im Alter summieren sich die Wehwehchen und die Gebrechen. Zum Beispiel Hörschwäche tritt bei Älteren oft auf."


    zum Beispiel der Genitiv nach "wegen" wird sicher irgendwann aussterben

    Auch dieser Satz ist aufgrund der Satzstellung und nicht aufgrund des"zum Beispiel" am Anfang falsch, denn das Subjekt ist hier "zum Beispiel" und im Hauptsatz gehört das Prädikat an die 2. Position, eine der wenigen fixen Lokationen im Deutschen. Muss also heißen: "Zum Beispiel wird der Genitiv nach "wegen" sicher irgendwann aussterben". Die Befremdung ob des fehlenden Gleichsetzungsnominativs in der Schriftsprache aber bleibt.


    Mein Wort zum Sonntag.

    तत् त्वम् असि

  • #kuss danke!!!

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • In Franken würde man schreiben:
    Zum Beispiel tritt Hörschwäche oft bei Älteren auf.
    Oder: Hörschwäche zum Beispiel tritt oft bei Älteren auf.
    Oder: Oft tritt zum Beispiel bei Älteren Hörschwäche auf.


    Sagen würde man: "Oide Leit hörn zum Beischbiel oft nix mehr so guud"


    Mein Wort zum Montag.

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Auch dieser Satz ist aufgrund der Satzstellung und nicht aufgrund des"zum Beispiel" am Anfang falsch, denn das Subjekt ist hier "zum Beispiel" und im Hauptsatz gehört das Prädikat an die 2. Position, eine der wenigen fixen Lokationen im Deutschen. Muss also heißen: "Zum Beispiel wird der Genitiv nach "wegen" sicher irgendwann aussterben". Die Befremdung ob des fehlenden Gleichsetzungsnominativs in der Schriftsprache aber bleibt


    Und hier stand ich - ob der späten Stunde, sach ich mal - auf meinem eigenen Schlauch. Der satz muss natürlich heißen: "Zum Beispiel der Genitiv nach 'wegen' wird sicher irgendwann aussterben", weil das Fettmarkierte das Subjekt ist. In Gänze. Ansonsten wie oben.

    तत् त्वम् असि

  • Ich stelle fest, dass die Franken dann grammatikalisch "falsch" spechen. Das Verb kommt hier zu 100% nach dem "Zum Beispiel". Vielleicht habe ich deshalb so sehr den Eindruck des mündlichen bei diesem Satz. Gerade auch wieder im Radio so gehört und wenn ich mich an Gespräche erinnere, dann ist das auch so. Hier scheint es mündlich ohnehin sehr üblich zu sein, wenn man ein "Zum Beispiel" braucht, den Satz damit einzuleiten. Edit: gleichzeitig würde ich schriftlich nur im Notfall einen Satz mit "zum Beispiel beginnen.

    LG, Kalliope


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  • Noch eine kleine Frage: Müsste es nicht "Wir diskutieren gerade " heißen? Nicht "wir sind am diskutieren"?

    Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenn's nach mir geht tut sie es nicht!!! ( DBBDW)


    Es gruesst die Sunny mit der Hummel an der Hand, dem Möpsken im Arm und dem Sternchen im Herzen! #love

  • "zum Beispiel tritt Hörschwäche bei Älteren oft auf."


    Ich bin zwar in anderen Foren als Deutsch-Nazi verschrien (vornehmlich nervt mich grauenhafte Rechtschreibung, weil man zu bequem ist, die Autokorrektur walten zu lassen), aber diese Frage ist mal "qualitativ hochwertig". #super #respekt


    Stellte man den Satz um, wie: "Hörschwäche tritt zum Beispiel bei Älteren oft auf", wäre die Frage wohl zu Gunsten "eindeutig vollständiger Satz" nicht aufgekommen.


    Bei näherer Überlegung entbehrt die Schriftform (führt gerade in Foren nicht selten zu Missverständnissen) regulär der Betonung. Zwar gibt es Betonungselemente wie fett, kursiv oder unterstrichen, werden jedoch leider zu selten benutzt. Je nach Betonung des Beispielsatzes kann dieser also auch noch anders interpretiert werden: "Bei Älteren tritt zum Beispiel Hörschwäche oft auf."


    Leider ist das Beispiel äußerst schlecht für die Demonstration der Bedeutung von Betonungen geeignet, da es in allen Satzbauweisen recht egal ist, ob man nun die Älteren, die Hörschwäche oder einfach oft betont. Taterschwerend fällt mir ad hoc auch kein besseres Beispiel ein, da gewöhnlich fehlende Satzzeichen mehr Verwirrung stiften: "Komm wir essen Opa." :D Zur Verdeutlichung der Unterschiede... 1.: "Komm, wir essen Opa." ("Die Menschen sind unser bestes Gut." (unbekannter Kannibale) #lol ) 2.: "Komm! Wir essen, Opa." (Vergiss also deine Zähne nicht.)


    Ergo: Der Satz an sich ist zwar ein ganzer Satz, hat aber (geht es um Hörschwächen, Altersleiden oder die Häufigkeit des Auftretens von Altersleiden?) keine ausreichenden Sinn, den der dazugehörige Kontext erst ergibt.


    So! Ich setz mich jetzt erst mal in den Hof und mache ein bisschen Sinn... und immer 2 mal mehr wie du. #gruebel

    Zitat

    Du hast nicht genug Tränen für das, was du mir angetan hast.

    (Oomph - "Wunschkind")

    Einmal editiert, zuletzt von Luxx ()

  • Oh Gott, noch so ein Klugscheißer ^^.* Ich geh jetzt auch Sinn "machen". (Anglizismus off.)

















    * Neben mir.

    तत् त्वम् असि

    Einmal editiert, zuletzt von Aoife ()