rezidivierendes Hochstapler Syndrom

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  • Das ist jetzt nicht so ganz ernst gemeint von mir, aber irgendwie trifft es wohl doch meine momentanen Gedanken Welt. Aber mal von vorne.
    Ich habe für eine Bewerbung mal wieder meinen Lebenslauf geordnet und angepasst und da beschlich mich wieder dieses Gefühl, dass das ja so gar nicht stimmen kann und ich das, was ich da hin schreibe gar nicht so wirklich gemacht habe und dass die guten Abschlüsse und Dinge, die ich erreicht oder geleistet habe, ja nur Zufall sind und dass ich mich doch lieber nicht bewerben sollte, weil dann doch sicher auffliegt, dass ich im Grunde gar nix kann, weil das alles nur Zufall ist und ich einfach nur jahrelanges Glück hatte.
    Aber ich kann doch nicht allen ernstes Dinge im Lebenslauf weglassen, obwohl sie eigentlich toll sind und ich sie auch tatsächlich geleistet habe?? Aber ich merke ich habe gerade echt voll das Problem damit, mich gut dar zu stellen weil ich denke, es ist irgendwie "zu viel", ich mag nicht "angeben" und überhaupt wen interessiert das schon?
    Und was für ein Rollenvorbild bin ich mit so bescheuerten Gedanken Bitte für meine Tochter? !


    Hat noch wer so bescheuerte Gedanken? Wenn ja, was hilft euch? Wenn Nein, warum habt ihr das nicht:eek::)?
    Achso aber sonst bin ich schon ganz "klar" im Kopf;) . Solche Gedanken befallen mich vorwiegend im Kontext Bewerbung und Prüfung. Mit ersterem habe ich auch nicht wirklich Erfahrung:rolleyes:


    Und ich bin jetzt mal so mutig und schicke ab:D

  • Ja, ich habe das auch. Wenn Leute mich fragen, was ich gelernt hab, dann muss ich mich echt beherrschen, nicht "nichts" zu sagen, dabei hab ich abgeschlossene Lehre und abgeschlossenes Einser-Magister-Studium. Das ist aber alles so unwirklich durch die Kinder danach dass ich das ständig vergesse. Im Lebenslauf sieht es auch seltsam aus. Mir kommt da so vor als würde ich seit Ewigkeiten außer Kinder großziehen nichts machen. Verrückt irgendwie. #hammer

  • Willkommen im Club:o


    Ach das is doch echt bescheuert. Da hat man sich jahrelang abgerackert und kann sich die Erfolge gar nicht richtig selbst zuschreiben:rolleyes:

  • Vor nicht allzu langer Zeit hab ich auch einen Thread dazu eröffnet ("Ich bin eine berufliche Mogelpackung" hieß der glaub ich). Ach, was find ich das erleichternd mal wieder zu lesen, dass es anderen auch immer mal so geht.


    Und jetzt komm aber mal auf den Boden der Tatsachen zurück, safira, und mach dich nicht so winzig! #finger

  • Ja Mogelpackung trifft es echt super.


    Das doofe Handy zeigt mir den Thread nicht :( . Wie ist es für dich weiter gegangen?

  • Mh, also mir geht das nicht so.
    Ich hab ein schlechtes Abi gehabt. Dann mein Studium mit eins abgeschlossen. Im Ausland teilweise studiert und gearbeitet. Das alles sind und waren Stationen in meinem Leben, die sehr wichtig für mich persönlich und meine persönliche Weiterentwicklung waren. Von einem sehr schüchternen Menschen zu einem Menschen, der (meist) von sich denkt, dass.er etwas wert ist und etwas leisten kann. Auf etwas zurück schauen kann, auf das er stolz sein kann.
    Also, so ganz kann ich dich nicht nachvollziehen...

  • Wie meinst du das? Es hat mir alles so Spaß gemacht. Und was man mit Freude tut, auf das kann man doch stolz sein. Ich weiß nicht recht, wie ich es beschreiben soll, aber das alles gehört einfach zu meinem Leben.

  • oh, genauso fühlte ich mich die Tage als ich Stellenbeschreibungen gelesen habe und dachte dass ich dass (nicht mehr) kann und weiß und sicher nicht das richtige ist. obwohl ich trotzdem weiß dass ich mich vor fünf Jahren stolz und selbstsicher auf dieselbe Beschreibung gemeldet hätte

    Wie ein Quadrat in einem Kreis,
    eck ich immer wieder an.....




    Einmal editiert, zuletzt von Mrs. Murphy ()

  • Ja genau. Ich habe mich auf etwas beworben, für das ich eigentlich echt viel mitbringe. Aber ich denke dann ganz schnell, dass ich das zwar alles gelernt habe und sich das gut liest, aber dass ich vielleicht doch noch vermerken sollte, dass ich doch irgendwie nicht hinbekomme.


    Haha das liest sich echt irre:eek::cool: . Vielleicht ist das der erste Weg zur Besserung. Aber mir ist es allen Ernstes peinlich und unangenehm, mich mit meinen eigenen beruflichen Federn zu schmücken. Obwohl mir diese Sachen echt Spaß gemacht haben.
    So, ich arbeite da jetzt dran.

  • Ich hab das in dem Mogelpackunfsthread schon mal geschrieben. Das ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen das überwiegend Frauen betrifft. Ich hatte mal ein super Seminar das hieß Souveränitätstraining für Frauen. Da hat uns die Referentin einiges klar gemacht. Unter anderem dass Frauen einen anderen Blick auf sich haben. Sie sagte Sinngemäß, Frauen stehen morgens auf, suchen ihre Falten, strecken den Bauch raus und finden sich schrecklich. Männer ziehen den Bauch ein, fassen sich einmal in den Schritt und sagen sich wie toll sie sind. Und dieses morgendliche Grundgefühl hält dann an.
    Kurz gesagt, Eine Frau sieht sich selber oft viel kritischer als ein Mann das tut und verkauft sich dadurch bei gleicher Leistung oft schlechter. Gute Leistung wird unter Wert verkauft und am besten noch selbst abgewertet.
    Es gibt bestimmt auch Männer denen das so geht aber tendenziell idt das wohl ein Frauenproblem.
    Ich bin seit diesem Seminar viel entspannter und versuche meine Leistung anders zu bewerten. Und wenn ich so unterirdisch wäre wie ich manchmal das Gefühl habe, dann hätte mir das sicher mal jemand gesagt.

  • Ich kenne das nicht in der Ausprägung, aber doch - situationsbedingt - immer mal wieder. Diesen Moment, bevor es drauf ankommt (bei Prüfungen, Präsentationen, Vorträgen oder neuen beruflichen Aufgaben) auf einmal zu glauben, dass man gar nichts kann, nichts weiß, nichts beizutragen habe, kennte glaube ich jeder mehr oder weniger. Das finde ich ganz normal.


    Mich haben neue Herausforderungen aber immer auch gereizt und ich habe mir angewöhnt, mir diese zu suchen. Weil ich das spannend finde, weil es aber natürlich auch dazugehört, wenn ich mich beruflich weiterentwickeln will. Mir macht das mittlerweile viel Spaß, einfach mal zu sagen: Hab ich zwar noch nie gemacht, aber ich mach es jetzt einfach mal. Ich denke dann nicht ewig darüber nach, ob ich das nun kann, ob mir das mal jemand beigebracht hat, ob ich schon gut vorbereitet bin... Ich machs dann einfach, arbeite mich in das Thema ein, erstelle ein Konzept, suche nach neuen Ansätzen, wie man bestimmte Themen angehen kann, versuche, die richtigen Menschen zusammenzubringen und zu überzeugen etc.


    In meinem Job ist es wichtig, eigene Projekt zu realisieren und zwar möglichst solche, die auch wahrgenommen werden innerhalb des Unternehmens. Dafür braucht es zu Anfang viel Überzeugungskraft und Energie und die strahle ich nur aus, wenn ich wirke, als wüßte ich, was ich tue. Mindestens genauso wichtig ist, dass ich selbst auch als Initiatorin mit erfolgreichen Projekten in Verbindung gebracht werde. Das fiel mir schwer am Anfang, aber das hab ich echt gelernt. Ich kann jetzt sagen: Schaut her, dies und das läuft super, das ist der Verdienst meines Teams, also mein Erfolg. Ich fänd es ja irgendwie netter, wenn man das nicht von sich selbst sagen müsste, aber leider läuft das nur so. Ist vielleicht der männlichen Prägung meines beruflichen Umfelds geschuldet, aber wie auch immer, ich komme nur mit, wenn ich mitspiele.

  • ... Unter anderem dass Frauen einen anderen Blick auf sich haben. Sie sagte Sinngemäß, Frauen stehen morgens auf, suchen ihre Falten, strecken den Bauch raus und finden sich schrecklich. Männer ziehen den Bauch ein, fassen sich einmal in den Schritt und sagen sich wie toll sie sind. Und dieses morgendliche Grundgefühl hält dann an.


    Ich bin seit diesem Seminar viel entspannter und versuche meine Leistung anders zu bewerten. Und wenn ich so unterirdisch wäre wie ich manchmal das Gefühl habe, dann hätte mir das sicher mal jemand gesagt.



    #super daran werden ich morgen früh beim in Spiegel schauen denken, danke!

    Wie ein Quadrat in einem Kreis,
    eck ich immer wieder an.....




  • In meinem Job ist es wichtig, eigene Projekt zu realisieren und zwar möglichst solche, die auch wahrgenommen werden innerhalb des Unternehmens. Dafür braucht es zu Anfang viel Überzeugungskraft und Energie und die strahle ich nur aus, wenn ich wirke, als wüßte ich, was ich tue. Mindestens genauso wichtig ist, dass ich selbst auch als Initiatorin mit erfolgreichen Projekten in Verbindung gebracht werde. Das fiel mir schwer am Anfang, aber das hab ich echt gelernt. Ich kann jetzt sagen: Schaut her, dies und das läuft super, das ist der Verdienst meines Teams, also mein Erfolg. Ich fänd es ja irgendwie netter, wenn man das nicht von sich selbst sagen müsste, aber leider läuft das nur so. Ist vielleicht der männlichen Prägung meines beruflichen Umfelds geschuldet, aber wie auch immer, ich komme nur mit, wenn ich mitspiele.

    Das möchte ich nochmal hervorheben, denn es ist genau so.
    Ich bin gerade dabei, zu lernen, "mit den großen Junge mitzuspielen" und ich merke, dass es mir Spaß macht, mich nicht mehr einschüchtert.
    Jetzt bin ich reif für Dinge, die sich seit ca. 10 Jahren anbahnten, aber bei deinen ich immer wieder den Schwanz ^^ eingekniffen hatte. Jetzt geht mehr, ich will mehr, ich KANN mehr.


    Ich habe mir aus gewissen Sachzwängen einer beruflich-faclichen Situation heraus ein eigenes Projekt überlegt, es vorgeschlagen, es nun umgehängt bekommen und nun muss ich liefern. Außer mir glaubt im Grunde keiner daran, dass es sich ändern lässt, aber andere Ideen oder Ansätze kommen von andern auch nicht. Also kremple ich jetzt die Ärmel hoch und schaue, ob und wann ich gegen eine Wand ofer druch offene Türen renne...


    Ich bin so mutig gerade, wie es ich es noch nie in meinem Berufsleben war. Ich brauchte dafür aber auch eine lange Lern- und Reifezeit, vor allem um an mich zu glauben und das auch nach außen hin auszustrahlen. Nun klappt es endlich !
    Alles braucht seine Zeit....


    Alles Gute, Safira und viel Erfolg. Du wirst es schaffen !


    LG,
    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • hehe, ich sehe schon reihenweise die rabenfrauen sich morgen früh in den schritt fassen und die verdatterten rabenmänner, die nachfragen, ob das eine tantrayoga übung sei.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.

    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • Zitat

    hehe, ich sehe schon reihenweise die rabenfrauen sich morgen früh in den schritt fassen und die verdatterten rabenmänner, die nachfragen, ob das eine tantrayoga übung sei.


    :thumbup::D

  • Der richtige Beitrag zur richtigen Zeit. Ich bin fast fertig mit meiner 3jahrigen Ausbildung und bin gerade dabei mich zu bewerben. Ich habe ein sehr gutes Zeugnis und doch überlege ich mir jeden Satz 3mal. Kann ich das so schreiben?.... Jetzt habe ich heute eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen und mein erster Gedanke war, da geh ich nicht hin. Ich blamiere mich ja mit meinen geringen Kenntnissen. Aber hätte ich eine Einladung bekommen wenn ich eh so schlecht bin?
    Versuche mich nun aufzubauen dass ich dorthin gehe. Werde versuchen den Termin souverän zu meistern, obwohl ich von mir denke, dass ich das alles gar nicht kann. #augen

    Liebe Grüße Genmaicha
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    Hat der Schüler schlechte Noten, hat der Lehrer versagt!

  • Ach ja, ich habe auch gerade so eine Grundstimmunf von "ach du Scheiße das kann ich doch eigentlich gar nicht". Nachdem meine Bewerbung nämlich gefruchtet hat und ich eine tolle Stelle angeboten bekommen hab. Ich frag mich jetzt die ganze Zeit, wie das wird und was ich machen muss und und und... es ist nun auch noch ein bisschen eine Leitungsstelle, d.h. ich muss den Kollegen sagen wo es lang geht. Mein Mann sagt immer, du bist so n Cheftyp, aber ob das gut ist? Grübel grübel....

    So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

  • Siha, herzlichen Glückwunsch! #top


    Bei Bewerbungen geht mir das komischerweise nie so, weil ich nämlich genau weiß, wie Männer dieses Spiel spielen und da kann ich gut mithalten. Aber wenn ich den Job dann mal hab, sieht es anders aus. Ich bin sehr selbstkritisch und das ist auch eine Eigenschaft, die meinen meisten männlichen Kollegen völlig abging. Außerdem hängt es auch stark von der zu tragenden Verantwortung ab, ich habe gelernt, dass ich manche Entscheidungen nicht treffen will, weil ich schwer damit umgehen kann (ich liege dann nachts wach und grübel, ob es die richtige war)


    Deswegen habe ich beschlossen, dass ich einen neuen Job brauche, wo ich keine gravierenden Entscheidungen über das Leben anderer treffen muss...

  • hehe, ich sehe schon reihenweise die rabenfrauen sich morgen früh in den schritt fassen und die verdatterten rabenmänner, die nachfragen, ob das eine tantrayoga übung sei.


    #lol #top