Pikante Frage zur Scheidenfloraimpfung

  • Hallo!


    *hüstel*
    so, jetzt bin ich mal sehr gespannt.


    Kurze Anmerkung, nur damit die Diskusion nicht abdriftet: mir geht es nicht um Kaiserschnitt Vor-oder Nachteile. Das ist sicher ein spannendes Thema, aber mir geht es hier um etwas ganz anderes.


    Da ich mich nun über Kaiserschnitte informieren muß, habe ich gelesen, daß bei einer Schnittgeburt die Impfung durch die Scheidenflora fehlt. Na klar, der Geburtskanal wird ja umschifft... da hieß es was von erhöhter Wahrscheinlichkeit für Bakterielle Infektionen, Allergien u.ä. beim Kind.


    Tjaaa, kann man denn diese Impfung irgendwie nachholen? Also mal ganz schnöde gesagt...ähm...vielleicht irgendwie in den Tagen danach ..naja...mit Scheidenflora 'einreiben'? Oder ist das echt eklig? Aber prinzipiell wäre das Kind ja eh da durchgerutscht, insofern ist es dann doch eigentlich egal, oder?


    Ich habe gerade ein echtes Problem meine eigene Meinung auszukundschaften.
    Oder spricht da was medizinisches gegen, von wegen Lochien?


    Hat irgend Jemand eine Idee dazu, oder gar Erfahrungen?


    Grüße, Papagei (vielleicht sollte ich mir für solche Fragen einen Fake-Account zulegen, ach was solls...)

  • Ich würde nicht einfach einige Tage nach der Geburt mein Kind in Kontakt mit Scheidenflora bringen. Ich hätte nämlich Bedenken, dass ich durch den Wochenfluss auch unerwünschte Bakterien übertrage. Es gibt aber durchaus Präparate mit Milchsäurebakterien, die man den lieben Kleinen geben kann, z.B. BiGaia-Tropfen. Vielleicht bekommst Du dieses Präparat oder ein ähnliches?

  • Aus Laiensicht würde ich das auch nicht machen, aus dem gleichen Grund (unerwünschte Bakterien), wie Frau Frosch.


    Und ganz praktisch kann ich mir das auch schwer vorstellen, das wäre ja praktisch Blut, was man da einschmieren würde.

    Grüße von Qu



    Nun, ich hab kein Herz aus Stein,
    weil ich etwas bess'res hab,
    nämlich einen Zauberstab

  • Interessante Idee #ja


    Also wenn überhaupt würde ich direkt vor den KS da was "entnehmen" denn mit Wochenfluss würde ich mein Neugeborenes nicht einreiben wollen.
    Das würde aber bedeuten, dass das Baby unmittelbar nach der Geburt damit in Kontakt gebracht werden müsste, damit sich keine unerwünschten Bakterien und Keime vermehren konnten.
    Wo ich das Baby "impfen" müsste, damit es die gewünschte Wirkung hat ist mir völlig unklar.
    Außerdem Frage ich mich, ob sich die Scheidenflora unter der Geburt und den dabei ausgeschütteten Hormonen ev. verändert hat und genau zur Geburt eine spezielle Zusammensetzung hat, so dass ich mein Kind mit "Nicht-Geburts-Scheidenflora" ggf. sogar gefährde.
    Dazu kommt, dass Neugeborene sich bei der Geburt eine Infektion holen können, z.B. Streptokokken B.
    Wie stellt man sicher, dass man das Neugeborene bei der Impfung nicht mit sowas infiziert?

    Was macht ihr eigentlich, ihr flinken Sekundenhorter, mit all der Zeit, die ihr spart, wenn ihr "lg" tippt statt lieb zu grüßen?

    - aus einer Berliner S-Bahn-Station -

  • Ich frage mich dabbei, wieviel Impfung meine beiden bei der Spontangeburt bekommen haben, da ich bei beiden Geburten ein Antibiotikum bekommen habe und das tötet ja nicht nur die B-Streptokokken, sondern auch den Rest, oder?
    Also wirklich profitieren werden wohl nur Kinder, deren Mütter auch kein Antibiotikum brauchten.


    Ich denke, es ist, sofern es möglich ist, wichtig, und man sollte es nutzen, aber man kann auch überleben, wenn man dieses Glück nicht hat und wie das später mit dem Kind, den Allergien und Co. weitergeht, entscheidet ja nicht nur die eine Sache, sondern ganz viele weitere Faktoren. Es erhöht ein Risiko, es bildet aber keine unabdingbare Tatsache.


    Ich würde mein Kind dann eher mehr mit Tieren und Dreck in Kontakt bringen lassen. Das senkt ja bekanntlich die Allergie- und Infektionsrisiken wieder.


    Mit Wochenfluss würde ich es auch nicht machen. Davon ab, weißt du ja auch nicht, ob Einreiben reicht. Vermutlich gelangt ja beim Durchrutschen auch was in Mund und Nase. Und meinem Kind jetzt bewusst etwas davon in Mund und Nase schmieren wollte ich auch nicht.


    Was ist mit Müttern, die nicht stillen können. Nicht jedes Flaschenkind bekommt später Probleme. Es sind nur Risiken für gewisse Teilbereiche des Lebens erhöht sind.

  • Vafinaltupfer: In der Stunde vor dem Kaiserschnitt wird die Vaginalflora der Mutter auf Mull gesammelt. Während der Kaiserschnittgeburt wird das Mullstück durch den Mund, über das Gesicht und über den Körper des Babys geführt um sicherzustellen, dass es mit der mütterlichen Vaginalflora in Kontakt kommt, bevor Kreißsaalmikroben die Erstbesiedlung vornehmen [32]. Anschließend wird Hautkontakt mit der Mutter und stillen initiiert und unterstützt.
    Das hat nicht nur auf die Bakterienbesiedlung einen Einfluss, sondern auch auf das Primen des Immunsystems.


    Wichtig ist dazu eben, dass es während der Geburt gemacht wird - das Kind ist im Uterus fast steril, und wird, sobald es rauskommt, besiedelt.
    Danach verringert sich der Einfluss durch Kontakt mit Scheidenflora etc: es ist dann schon eine Besiedlung vorhanden, und nur durch das einmalige Aufbringen von ein paar anderen Bakterien ändert sich da kaum etwas. Da lässt sich m.E. durch stillen und viel Hautkontakt sehr viel mehr erreichen, und langfristig eben durch einen entsprechenden Lebensstil. Die Impfung mit Scheidenflora ist während der Geburt relevant, um den Keimen den Vorrang zu geben, die sich das Kind bei einer natürlichen Geburt eingesammelt hätte, nicht den Kreißsaalkeimen.


    buechertrine: Ein Antibiotikum tötet nicht alles ab, sonst würdest du es nicht überleben.

    Do one thing everyday that scares you - Eleanor Roosevelt
    When you reach for the stars, you may not quite get one, but you won't come up with a handful of mud either - Leo Burnett

  • Von der BBC gab es vor einiger Zeit eine Doku (die eigentlich über Mikroben an und auf uns ging), da haben sie eine Frau begleitet, die einen Kaiserschnitt hatte und das gemacht hat.
    Bevor es losging, wurde ein Tüchlein in ihr plaziert, dann gab's den Kaiserschnitt und danach wurde das Kind mit dem präparierten Tuch abgewischt. Das komplizierte an dem ganzen Vorgang war nur, dass das Kind zwischen Bauch und Tuchabreibung mit nichts anderem, also mit keinen mutterfremden Mikroben in Berührung kommen durfte (weil es sonst irgendwie nicht funktioniert; wie das aber ganz genau ist, weiß ich nicht mehr), das heißt, im OP war alles hermetisch abgeriegelt, alle Beteiligten waren von Kopf bis Fuß keimfrei eingekleidet, das Kind durfte nur mit Handschuhen angefasst werden usw.usf.
    Ich glaube also nicht, dass sowas ohne Forschungsteam im Rücken so ohne weiteres machbar ist ;)


    Edit: das, was sitopanaki schreibt #ja

    Go then. There are other worlds than these.
    — Jake Chambers

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kit ()

  • Versuch mal. Ob du den Film "microbirth" irgendwo zum gucken herbekommst. Da findest du alle relevanten Infos dazu.

    Grüße von Trüffel mit großem J (*06/2010) und kleinem J (*10/2013) und einem sehr großen J (*xx/197x #cool)

  • He! Ich bin viel zu langsam, wärend ich hier so rumformuliere, sind andere schneller...also füg ich dem doch nix zu...


    Finde ich ja großartig, daß ihr hier so entspannt mit umgeht, ich hatte irgendwie Hysterie erwartet, so von wegen Baby mit Körperflüssigkeiten einschmiern...hab ich total falsch eingeschätzt.


    Tja Onomatopoetikum, dann kann ich das wohl vergessen. Ich glaub das Ärzteteam hier hätte mich mit der Gaze-Idee sowieso für bekloppt gehalten *lach*


    Aber ich denke, ich werde meine Ärztin mal so ganz allgemein fragen, was sie von der fehlenden Vaginal-Impfung bei einer c-section hält. Mal schaun, was sie da so drauf sagt. Vielleicht gibt es hier ja tatsächlich Präparate wie diese Bigaia-Tropfen. Ich werde hier ja tatsächlich das eine oder andere Mal überrascht.

  • Ich kann nur sagen, dass mein Kaiserschnittkind eine recht gute Konstitution und keine Allergien/Unverträglichkeiten hat :). Auch ohne Vaginalfloraimpfung.

    Grüße von Qu



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  • Ja Qu, so richtig Panik schiebe ich auch garnicht. Sowohl mein Freund als auch ich sind recht robust in unserer Gesundheit, und wir leben hier sozusagen mit einem Fuß im Garten...schätze, das wird auch ne Art Impfung werden.
    Ich mach mir halt nur Gedanken über Möglichkeiten.
    Und ich muß gestehen, daß ich auch ein bißchen neugierig war, wie auf dieses Thema so reagiert wird. Im Netz hatte ich da nichts zu gefunden. Daher bin ich auch echt dankbar für eure Links.

  • Das merkt man auch, dass du nicht panisch bist #top .


    Und interessant fand ich das auch! Zum einen Wahnsinn, wie fein abgestimmt der ganze Geburtsvorgang ist und wie alles zusammenspielt und seine Gründe hat. Zum anderen auch erstaunlich, wie anpassungsfähig so ein kleines Menschlein ist, wenn es eben keine optimalsten Startbedingungen hat und wie viel da kompensiert werden kann.

    Grüße von Qu



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  • Meine Schwester die mit KS zur Welt kam, hat auch weniger Allergieprobleme als ich, die natürlich zur Welt kam. Allerdings ist ihre Haut recht empfindlich. Und: ich wurde gestillt, sie nicht. Ich kann mir vorstellen dass das Stillen und wie lange gestillt wird, da viel wett macht.

    So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

  • Danke für die Frage, ich habe mir die tatsächlich auch gestellt nach meinem KS. Anscheinend bringt es ja nachträglich nichts mehr. Bigaia-Tropfen kann ich auch empfehlen, es gibt sicher auch noch andere probiotische Präparate.

    tt1c48ce.aspx
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  • Die ganzen Probleme sind nicht auf den Einzelnen bezogen, sondern auf größere Menschengruppen. Nimm 10000 Menschen, die per Kaiserschnitt geboren wurden und 10000 Menschen, die vaginal geboren wurden. Dann haben die Kaiserschnittmenschen als Gruppe häufiger Probleme als die Vaginalmenschen, und zwar so viel mehr, dass man nicht von Zufall ausgehen kann.


    Es gibt zwangsweise Vaginalmenschen, die stärkere Probleme haben als Kaiserschnittmenschen. Für den einzelnen ergibt sich damit nur eine Wahrscheinlichkeit, dass er die Probleme bekommt. Aber als Gruppe sind die Unterschiede da. Darum geht es - besonders, da die Gruppe der Kaiserschnittmenschen immer größer wird und die Probleme zu einem großen Teil tatsächlich durch den Kaiserschnitt entstehen, was bisher so aussieht.


    Das heißt auch nicht, dass ein Kaiserschnitt schlecht ist. Das heißt nur, dass er Bedacht eingesetzt werden sollte und eine gute Aufklärung benötigt.

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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von sitopanaki ()

  • Kannst du halbwegs gut Englisch? Vielleicht kannst du hier was mit anfangen. "Microbirth" ist da auch verlinkt.


    http://midwifethinking.com/201…irth-and-early-mothering/


    "If
    the baby is born by c-section… Research is currently being undertaken
    into the use of vaginal swabs to ‘seed’ c-section babies. The
    preliminary results are that the microbiome of swabbed babies are more similar to vaginally born babies. The protocol the researchers are using is:
    take a piece of gauze soaked in sterile normal saline
    fold it up like a tampon with lots of surface area and insert into the mother’s vagina
    leave for 1 hour, remove just prior to surgery and keep in a sterile container
    immediately after birth apply the swab to the baby’s mouth, face, then the rest of the body
    If
    a baby is born by c-section it is even more important to encourage and
    support their mother to breastfeed. It may also be worth considering
    additional probiotic intake."


    ps, ich bin ja ueberhaupt garnicht neygierig, wo genau du lebst #pfeif

    Viele Gruesse vom andern Ende der Welt, Sarah




    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Sahne ()

  • Ja, englisch geht gut.
    Microbirth find ich leider immer nur Trailer.


    Diese Midwifethinking-Seite hatte ich auf Umwegen schon gefunden, hat mir auch echt ganz gut gefallen. Hab mir gleich mal so ein paar Sachen rausgeschrieben, um die Vaginal-Impfung zu kompensieren. Obwohls eigentlich albern ist, mir da noch weiter Gedanken zu machen. Ich werde ja stillen... und ne gesunde, (fast) Antibiotika-freie Schwangerschaft hatte ich auch (wenn die blöde Katz nicht mein Auge erwischt hätte *fauch*), und Dreck und Körperkontakt wirds wohl ausreichend geben...
    Interessant fand ich, wie sinnvoll es ist, eigene Kuscheldecken für Baby zu verwenden (also im Krankenhaus). Jetzt nehmen wir die Babydecken und -Klamotten abends immer mit ins Bett, damit die bis Dienstag 'geimpft' sind und sich das dann auf Baby überträgt.

  • Hier ist eine etwas ausführlichere Zusammenfassung vom Film.

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