Wie kamen eure Kinder von "Kann im Prinzip lesen" zu "Liest selbst fluessig"?

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  • "Anbieten, wenn das Kind es will" - Anbieten ist doch immer auf freiwilliger Basis. Das wuerde doch heissen, dass ich das Anbieten von Comics selbst erstmal anbieten muesste, wenn mein Kind noch gar nicht weiss, was Comics sind...

    Ich würde sagen: Das kommt darauf an. Ich bin davon ausgegangen, Euer Haushalt ähnelt unserem und denen, die ich so kenne mit Kindern: Da fliegen mehrere Comics rum. Da gibt es Zeitschriften mit Comics. Und da liest auch mal ein Elternteil ein Comic am PC. Da schenkt mal jemand aus der Bekanntschaft dem Kind Comics. Das heißt für mich: Das Angebot ist da.

    Wenn dann hier geschrieben wird "Biete das doch mal an" dann liest es sich für mich wie mehr. Wie ein Aktives "Ich gehe in den Laden und kaufe ein Comic zum Lesenlernen" und dann als nächsten aktiven Schritt "ich gebe das meinen Kind und sage : schau mal!". Das kann, je nach Kind und eigener Haltung, eine Menge Druck aufbauen und wenn das Kind dafür so empfänglich ist wie meines hier, dann ist die freiwillige Basis dahin. Und insofern bin ich kein Freund von "aktiv anbieten", weil es eben so freiwillig dann nicht mehr ist, aber so tut. Andererseits: Mein Kind spürt den Druck sofort und will dann eher nicht. Insofern ist Anbieten dann doch nicht so schlimm. Oder vielleicht doch, weil sie ohne Angebot schneller Interesse entwickelt hätte?
    Du siehst, alles nicht so leicht mit dem Anbieten.

  • Bei meinem Großen ist es ähnlich. Bei Büchern, von denen ich annahm, das sie ihm gefallen könnten, war lange die beste Taktik, sie irgendwo "nebensächlich" rumliegen zu lassen.

    Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.

    - Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel -

  • merin, wir hatten hier bisher keine Comics. Ich hab es auch bisher bei allen anderen Buechern so gemacht, dass wir uns die dann erstmal angeschaut haben. Ich dachte eigentlich auch, das macht jeder so. Ich hab sie ja zum Lesen gekauft und nicht zum in der Ecke rumliegen.

  • geh mal in die Bücherei mit ihr und leihe aus, was sie gerne mitnehmen würde...kostet nichts und ist viel Auswahl...

    ansonsten lass sie bitte in frieden...forciere nichts...

    eventuell hilft gelesener alltag, einkaufzettel vorlesen lassen usw...

    ein kind das lesen lernen will, tut es ohne zutun...mitunter merkt man es nicht mal...

    und sei sicher, sie lernen es alle...nur nicht alle mit 5...

    lg doris

  • Wenn dann hier geschrieben wird "Biete das doch mal an" dann liest es sich für mich wie mehr. Wie ein Aktives "Ich gehe in den Laden und kaufe ein Comic zum Lesenlernen" und dann als nächsten aktiven Schritt "ich gebe das meinen Kind und sage : schau mal!". Das kann, je nach Kind und eigener Haltung, eine Menge Druck aufbauen und wenn das Kind dafür so empfänglich ist wie meines hier, dann ist die freiwillige Basis dahin. Und insofern bin ich kein Freund von "aktiv anbieten", weil es eben so freiwillig dann nicht mehr ist, aber so tut. Andererseits: Mein Kind spürt den Druck sofort und will dann eher nicht. Insofern ist Anbieten dann doch nicht so schlimm. Oder vielleicht doch, weil sie ohne Angebot schneller Interesse entwickelt hätte?
    Du siehst, alles nicht so leicht mit dem Anbieten.


    Ich finde es ist schon leicht mit dem Anbieten. Wenn man Lust hat etwas anzubieten, dann tut man das einfach und wenn nicht, dann lässt man es eben. Wenn das Kind durch das Angebot den (berechtigten) Eindruck bekommt, dass ich möchte das es Lesen lernt, dann ist ihm das entweder egal oder es wird angespornt (dann freue ich mich) oder es lernt erst recht nicht Lesen. Im letzteren Fall wäre ich natürlich nicht so begeistert, aber ich habe so viel Vertrauen in mein Kind, dass ich mir sicher bin, dass es trotzdem irgendwann von sich aus Lesen lernen wird und es sich nicht wegen ein paar freundlichen Angeboten verleiden lässt. Und wenn es deswegen länger dauert, ist ja auch nicht schlimm.

    Ich finde, es liegt in der Natur des Menschen, seinen Kindern die Sachen beibringen zu wollen, die einem wichtig sind. Und gerade wenn die Kinder merken, dass die Eltern gerne etwas Schönes (also für die Eltern Schönes) mit ihnen teilen möchten, denke ich, dass es meistens auch positive Auswirkungen auf das Kind hat.

    Meine Große reagiert übrigens auch oft erstmal mit Ablehnung auf Angebote, die sie noch nicht kennt und die auf den ersten Blick nicht spannend klingen. Aber wenn man es immer mal wieder anbietet, kommt oft doch irgendwann Interesse.

    Edit: Und gerade beim ersten Kind fehlt ja auch der Input durch größere Geschwister, da finde ich das auch ganz gut, das etwas auszugleichen, indem man selbst Angebote macht. Bei der Mittleren merke ich, dass sie viele Sachen deutlich früher lernt, einfach weil sie durch die große Schwester ständig damit in Kontakt kommt.

    Einmal editiert, zuletzt von Liese (24. Juni 2015 um 23:31)

  • Ein fünfjähriges Kind muss ja sowieso noch nicnt lesen können - anscheinend kann Heras Kind hier doch schon sehr viel mehr als die meisten Kinder ihres Alters. Wenn sie in die Schule kommt, wird das Lesen lernen ihr ja vermutlich sehr leicht fallen. Ich würde das auch entspannt sehen; wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wird sie schon lesen.

    Hagendeel

  • In welchem Tempo bestimmte Lernschritte vollzogen werden, ist ziemlich egal. Das Meiste passiert in den Pausen & Längen dazwischen, davon bin ich überzeugt. Es kann sein, dass sie dir übermorgen die Tageszeitung vorliest, hera. Und es kann sein, dass sie erst mit acht oder neun Jahren so liest, dass sie längere Texte sinnendnehmend lesen kann, ohne dass es anstrengend ist. Wenn du sie nicht gerade auf die Pawlowsche Art auf Nicht-Lesen dressierst, wirst du den Gang der Dinge kaum verhindern können. Aber wenn du schubst und ziehst (wenn=falls, nicht wenn = sobald), dann bleibt das auf der Strecke, wozu die Pause gut gewesen wäre.

    Mein großes Kind zog sich mit einem guten halben Jahr am Couchtisch hoch und lief herum. Klar, dachte ich mir in meinem übermütigen Mama-Hirn, das Kind einer Physiotherapeutin ist da flott (und flotter als die anderen ;)). Den lieben langen Tag stakste dieses Kind um den Couchtisch herum. Und das tat sie auch mit 8,9,10,11,12,13 und 14 Monaten. Während alle anderen Kinder also munter an Händen liefen, hinplumpsten, sich wieder hinstellten und schließlich laufen konnten, tapste mein Kind mit beiden Händen um den Couchtisch. Irgendwann rief ich sie aus der Küche und sie kam mir - ohne einen Wackler- einfach entgegengegangen. "Kannst du laufen?" hab ich glaub ich noch gefragt und sie "Ja."- als hätte sie nie was anderes gemacht. Sie hat zwischen dem 8. und dem 15. Lebensmonat nix verpasst. Sie hat in dieser Zeit eine totale Wortschatzexplosion gehabt und offensichtlich hat sie auch ihre Koordination am Couchtisch gut trainiert. Sie war von Anfang an so sicher wie andere Kinder, die schon seit Monaten frei liefen. Was hätte ich ihr also "anbieten" sollen? Hätte ich irgendwie verhindern sollen, dass sie ihre wertvolle Entwicklungszeit an einem so reizarmen Ort wie einem Couchtisch verbringt?

    Kurzum: Kind komplett in Ruhe lassen #ja

    ... und freu dich einfach dass sie nicht mit der Tageszeitung das Lesen begonnen hat. Meine Käfertochter hat irgendwann den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung in der Hand gehabt und das Zusammenziehen der Buchstaben entdeckt. Dieses Kind ist ziemlich ehrgeizig und wenn sie sich irgendwo festgebissen hat, dann muss man eine Menge aushalten- es dauerte unzählige Wutanfälle (inkl. Erbrechen :S ) bis sie die Überschrift durchhatte.

    Das B in Pegida steht für Bildung.

  • Meine Jüngste konnte im Prinzip mit 4,5 Jahren lesen. Dann hat sich lange nichts getan, Anreize hat sie abgelehnt, Sätze lesen war ihr zu anstrengend. Wir haben gar nichts gemacht. Wenn mal doch was von ihr kann, haben wir sie gelobt und uns gefreut. Sie kam dann mit gerade 6 in die Schule und ich dachte mir, durch die tägliche Übung dort, wird es sicher schnell flüssig. Und so war es auch.

    Ich bin ein Verfechter des Machen-lassens, gerade bei den Kindern, die früh anfangen bzw. denen es leicht fällt. Wenn Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben, muss man natürlich helfen und üben.
    Hier wurden anfangs übrigens Witzebücher gern gelesen. Oder diese Kreativmalbücher (also, die Aufgabenstellung alleine, weil die bösen Eltern keine Zeit haben).

  • Ich finde, es liegt in der Natur des Menschen, seinen Kindern die Sachen beibringen zu wollen, die einem wichtig sind. Und gerade wenn die Kinder merken, dass die Eltern gerne etwas Schönes (also für die Eltern Schönes) mit ihnen teilen möchten, denke ich, dass es meistens auch positive Auswirkungen auf das Kind hat.

    Ich weiß nicht, ob das so ist. Ich glaube, dass wir Eltern heutzutage das Gefühl haben, sehr früh "frühkindliche Bildung" initiieren zu müssen. Ich glaube nicht, dass das "in der Natur" des Menschen liegt. Ich glaube vielmehr, dass man, wenn man nicht so viel über Erziehung und Bildung nachdenkt wie wir heute, die Kinder einfach so nimmt wie sie sind und in die täglichen Verrichtungen und Erlebnisse einbezieht. Zumindest in diesem Alter. Dann haben sie ja alle möglichen "Angebote" vor sich und suchen sich ihre Lernfelder bzw. lernen "zufällig" und "nebenher". In einer Zeit, in der Buchstaben und Texte und Schreibmaterialien so omnipräsent und ständig verfügbar sind wie heute, schließt das eben das Lesen irgendwann mit ein. #weissnicht

  • Liese hat meine Gedanken gut zusammengefasst. Ich finde es auch gut, Kinder zu etwas zu ermuntern, bei dem sie von selbst vielleicht gar nicht drauf gekommen waeren, dass ihnen das Spass macht.

    Wir waren vor ein paar Tagen in der Kinderbibliothek, Kind hat sich auch ein Buch aus der Leselernabteilung ausgesucht - in diesem geht es um Ponyfee und Butterblume, die um Ponyfees Pferde Mondmaedchen und Sternschnuppe fuerchten, die zu einer Untersuchung eines unheimlich leuchtenden Einhorns mitgenommen werden sollen. Das haette ich bestimmt nicht ausgesucht. #freu

  • Ja, der Geschmack der Kinder ... das ändert sich auch noch mit der Zeit.

    Bücherei find ich ja auch immer gut, weils eigentlich immer Spaß macht, unabhängig davon, ob das Kind lesen lernen will oder es lieber hat, wenn die Eltern noch vorlesen.

    Hagendeeel

  • Wahrscheinlich führen sehr viele Wege nach Rom und es gibt keinen "einzig Wahren". Aber da Du, krebbel, offenbar einen ähnlichen Weg bevorzugt wie, ich, bin ich hierüber gestolpert:

    Ich bin ein Verfechter des Machen-lassens, gerade bei den Kindern, die früh anfangen bzw. denen es leicht fällt. Wenn Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben, muss man natürlich helfen und üben.

    Warum muss man bei den langsameren Kindern helfen? Meinst Du, wenn sie in die Regelschule müssen, damit sie dort nicht so viele Probleme bekommen? Oder meinst Du generell? Ich habe ja so ein langsames Kind und hier tut "helfen und üben" das von mir initiiert wird nichts Gutes - es sorgt nur für Frust und Druck. Während es unheimlich viel Gutes tat einen Lernort zu suchen, an dem sie in ihrem Tempo voranschreiten darf.

  • Ich meine, wenn sie in einer Regelschule Schwierigkeiten mit dem Lesen lernen haben, ja. Das wird dann auch erwartet und ich denke mir, dass man da als Eltern sicher meistens nicht "cool" genug drauf ist, dem Druck von Seiten der Schule entgegenzuwirken. Außerdem initiiert das ja dann die Schule (Hausaufgaben) und nicht das Elternteil (was bei uns echt ein Unterschied ist).

    Klar wäre dann ein anderer Lernort besser *seufz*. Manchmal hilft auch, wenn man nur ne offene Eingangsstufe hat und eben die ersten beiden Klassen auch in 3 Jahren machen kann. Es gibt ja auch wirklich viele sehr intelligente oder hochbegabte Leute, die erst spät lesen gelernt haben. Habe sowas mehrfach im Bekanntenkreis...