Argumente gegen das Stillen

  • Die Argumente von Trin kenne ich auch alle.
    Wenn man Kinder über 6 Monate stillt, dann
    -kann man sich als Mutter nicht lösen
    -betreibt man sexuellen Mißbrauch/wird durch das Stillen sexuell erregt (ich denke mir immer, dass so was echt nur von jemandem kommen kann, der noch nie gestillt hat, etwas sexuell abtörnenderes als Stillen kann ich mir gar nicht vorstellen)


    Des Weiteren:
    -Muttermilch enthält schädliche Inhaltsstoffe
    -Stillkinder schlafen nicht durch, Flaschenkinder immer
    -von der Brust werden Kinder nicht satt (das ist auch der Grund, weshalb sie nicht durchschlafen: die armen Würmer haben Hunger , weil die böse Mutti ihnen keine Flasche mit ordentlicher Nahrung gönnt)
    -spätestens ab 6 Monate enthält Muttermilch keine Nährstoffe mehr


    @Rhododendron: hier (Südwesten) stillt man entweder gar nicht oder aber genau 4-6 Monate und stillt dann zügig ab
    In DEM Krankenhaus für natürlich Geburt und Stillfreundlichkeit (wobei hier im Bundesland bezeichnenderweise kein einziges KH ist mit dem offiziellen Prädikat "babyfreundliches KH") höre ich immer wieder, dass Mütter gesagt bekommen: "Ah, Sie wollen stillen, wie schön. Dann zeigen Sie mal die Brust. Was? Mit DER Brust wollen Sie stillen??? Nee, das geht gar nicht!" Die Mütter sind dann überaus beschämt wegen ihrer Brust, die sich nicht zum Stillen eignet, obwohl ihnen bislang nicht aufgefallen war, dass sie irgendwie anders aussieht als bei anderen Frauen. Aus Scham fragen sie dann auch nicht weiter nach.

  • Solange wir Frauen noch so einen schlimmen Quatsch hören müssen, müssen wir auch noch über die wirklich wichtigen Informationen zum Thema Stillen reden, denke ich.
    Allerdings immer mit Bedacht und Respekt für beide Seiten und individuelle Entscheidungen.


    Zu dem Wissen und der Erfahrung von Mehrfach-Müttern: Ich saß vor einigen Jahren mein erstes Kind stillend vor einer tollen Frau und 6fach-Mama und sie fragte mich, wie ich denn wisse und sicher sei, ob mein Baby ausreichend trinke und welche Menge.
    Ich frage mich da schon, ob dieser tollen Frau, vor der ich großen Respekt habe, jemals jemand richtige und wichtige Informationen gegeben hat oder wie Gespräche über die Ernährung eines Babys gelaufen sind?

    #herzen Meine Jungs J.E. 09/08 und S.E. 06/12

  • Danke katilein, du hast es ganz wunderbar auf den Punkt gebracht!

    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. (Nietzsche)

  • Krötenmutti, aber die Beispiele der nichtstillenden Frauen in diesem thread sollte dir finde ich schon zu denken geben, ob es ok ist, deine neugier befriedigen zu wollen. Bei einigen klingt tiefe Traurigkeit durch, dass es nicht so geht, wie sie wollen - da aus Neugier zu fragen finde ich deutlich grenzüberschreitend. Stillen ist nicht nur das, was man dem kind gibt, so der auch das, was es mit dem Körper der Frau macht, also schon was sehr persönliches. Da einfach mal so reinzufragen, weil einen die andere Seite interessiert geht finde ich gar nicht....

  • #ja
    Na ja, man muss ja nicht antworten.
    Tu ich auch nicht :) ,
    weils bei mir so ist, wie andere auch schon angerissen haben: Ein wunder Punkt, eine unfreiwillige Gegebenheit. Die ich um jeden Preis hätte vermeiden wollen.
    Ich fand deinen Ton nicht komisch, Krötenmutti.
    Aber was bei dir als "ich kann grad nicht schlafen und da interessiert mich mal ..."-Frage entstanden ist, ist für mich ein nicht unbelastetes Thema - erst recht nicht, wenn sich dann auch ziemlich platte und arrogante Antworten mit in den Gesprächsverlauf mischen.
    Ich halte mich darum lieber raus, obwohl ich zu dem Thema etwas zu sagen hätte...


  • Falls du mich mit den platten und arroganten Antworten meinst tut mir das sehr leid und ich wäre dir von ganzem Herzen dankbar wenn du mir sagen könntest wo das genau war. Ich finde nämlich den Spagat zwischen "Stillen nicht herabwürdigen" und flaschenfütternde Mütter nicht zu kränken sehr sehr schwer. Mir ist es aber so wichtig, dass die Art ihr Kind zu nähren für beide gut ist und ich das auch wirklich so sehe.

  • Safira: alles gut, mach dir keine Gedanken :) .
    Ich möchte gar nicht mit dem Finger auf igrendeine Schreiberin hier zeigen. Ich denke, niemand wollte irgendwen verletzen und jede (r) schreibt ebenaus seiner Perspektive heraus.


    Ich denke, die Perspektive ist leider halt schon das Problem.
    Wenn sich hier (überwiegend) stillende Mütter über die Formulaernährung austauschen, läuft das schnell in eine Richtung, in der sich die "Flaschenmütter" abgehängt fühlen.
    Das liegt gar nicht in der speziellen Thematik begründet, sd. ist m.E. oft so, wenn sich Menschen aus der Außenperspektive mit einem (Reiz)-Thema befassen, das sie von innen nicht wirklich kennen. Die Gefahr von Fettnäpfchen ist dann eben groß.


    Wenn jemand eine Fragerunde zum Thema: "Ich bin sehr wohlhabend, mir gings schon immer gut, aber ich würd gern meinen Horizont erweitern und mal darüber nachdenken, warum andere Menschen eigentlich so wenig in ihrer Brieftasche haben", ... dann würde ich mich als Mensch mit schmalem Portemonaie vermutlich auch ungern in die Diskussion einbringen:
    Es ist ein Gefälle da. Und es fallen schnell unbedachte Worte. Ganz ohne bösen Willen.


    Um zum Stillthema zurückzukommen:
    Es wird gern tolerant-wohlwollend auf die "individuelle Entscheidung" einer jeden Frau verwiesen.
    Ist das so? Hat jede Frau die Möglichkeit, frei zu entscheiden?
    Und warum eigentlich ist so schnell der Aspekt mit hineingekommen, dass Formulanahrung dem Stillen nicht gleichwertig sei? Und dass alle Ammenmärchen dieser Welt schnell aus dem Weg geräumt werden müssten? Ich würde beidem zustimmen, versteht mich nicht falsch! Aber: Es nimmt Raum für andere, sensiblere Gründe oder Argumente, aus denen heraus Frau nicht stillt.
    Ich weiß nicht: Ist es nötig, den platten Beispielen a la "Frau will frei sein", "Frau denkt, sie habe nicht genug Milch" undwiesiealleheißen so viel Raum einzuräumen?
    Diese Argumente gibt es, klar.
    Aber ich unterstelle mal: Die kennt jeder ;) und es wäre nicht nötig, darauf lange herumzureiten.
    Ich persönlich empfand eine Gesprächsentwicklung in solche Richtungen als wertend. Und habe für mich entschieden, mich hier rauszuhalten und meinen Hintergrund nicht zum Zerpflücken preiszugeben.


    Ich möchte abschließend aber nochmal betonen:
    Ich will hier keinen einzelnen angreifen. In gewisser Weise hab ich Verständnis für diesen Austausch. Und ich vermute, viele eurer Beiträge hätten nach insgesamt 3 vollen Jahren Stillen mit Kind 1 und 2 von mir kommen können ;) .
    Da hätte ich dann auch wie ein Blinder von der Sonne gesprochen, und von Bekannten oderso erzählt ...
    Nun hab ich durch Kind 3 die "andere Seite" kennen gelernt und bin sehr, sehr viel vorsichtiger und demütiger geworden im Umgang mit diesem Thema.

  • Nun hab ich durch Kind 3 die "andere Seite" kennen gelernt und bin sehr, sehr viel vorsichtiger und demütiger geworden im Umgang mit diesem Thema.

    Ich fasse mich mal an die Nase, denn ich gehe davon aus, dass mein vermeintlich "überhebliches/plattes/arrogantes" Post ("für mich gibt es nachvollziehbare Gründe, aber keine Argumente") mitgemeint war.


    Ich kann nun wirklich behaupten, mitreden zu dürfen - und habe so manches Mal heulend vor dem Computer gesessen, wenn ich mich angegriffen fühlte von Posts à la "jede Frau kann stillen, wenn sie nur will".
    Dennoch: Das was mir passiert ist, was viele Frauen hier schildern... das sind für mich medizinische Gründe, Dinge die schief liefen, unglückliche Verläufe... - aber keine "Argumente", so wie ich die Frage verstand.


    Dennoch bin ich zutiefst überzeugt, dass auch aus "Flaschenkindern" gesunde, glückliche Kinder werden - genauso wie lieblos gestillt werden kann...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich möchte nochmal klar stellen, dass ich keineswegs zu den Nur-Stillmamas gehöre. Ich habe eines meiner Kinder auch eine Zeit lang mit Flasche und Premilch ernährt und habe daher schon das Gefühl, "mitreden" zu können. Das schlechte Gefühl was ich in dieser Zeit hatte hing aber ganz alleine mit meinen Gedanken und Wünschen zusammen und hatte tatsächlich nix mit meinem Umfeld zu tun. Was natürlich nicht bedeutet, dass es bei anderen auch so sein muss.


    Aber gerade vielleicht wegen meiner Erfahrung fände ich es toll, verletzungsfrei darüber schreiben zu können :(

  • Schade, dass so viele Flaschenmamis ein schlechtes Gefühl haben.
    Das sollte nicht so sein.

    Solang wir uns begleiten...durch Sturm und Gezeiten...durch Ebbe und Flut...dann bleibt alles gut...#herz

  • Der Thread hier ist komplett öffentlich, ohne jede Beschränkung oder?
    Wenn ja, möchte ich meine Geschichte lieber nicht schreiben.
    Falls er eine Beschränkung hat (nur registrierte UserInnen z.B.) dann wäre ich Willens, meine Geschichte hier zu posten. Mit wohlüberlegten Formulierungen ;)

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul

  • Ich denke mal, dass (auch) ich gemeint bin mit "platten" Sprüchen.


    Ich werte jedoch keinesfalls eine Flaschenmama ab.
    Nur war es bei mir so, dass ich sehr hart dafür kämpfen mußte, stillen zu DÜRFEN. In drei Monaten Frühchenstation durfte ich mir so ziemlich jedes blöde und platte Argument anhören. Jeder fühlte sich berufen, mich diesbezüglich zu "beraten", obwohl ich nicht gefragt hatte.
    Inklusive vieler Demütigungen vom Pflegepersonal.
    Dass ich diese tränenreiche Zeit durchgehalten habe, verdanke ich eine supertollen Stillberaterin und der Tatsache, dass ich "stur wie ein Ster Holz" bin ;-).


    Aus dieser Perspektive heraus bin ich ein bisschen empfindlich gegenüber vielen Argumenten gegen das Stillen, weil ich damit bombadiert wurde.


    Nicht nur Flaschenmamis können diesbezüglich traumatisiert sein, auch Stillmamis ;(

  • Ihr braucht euch gar nicht zu verteidigen,
    ich will euch keine Vorwürfe machen.


    #prost



    Niemandem wollte ich Kompetenzen absprechen, sich zu diesem Thema äußern zu können. Sowenig, wie ihr meinen Hintergrund (im Detail ... hier und da hab ich ja schon was angerissen) kennt, so wenig kenn ich ja euren.
    Ich wollte nur deutlich machen, wie diese gesamte Fragestellung und dann aber auch die Diskussionsentwicklung bei MIR angekommen sind.
    Und warum ich unter diesem Umständen ungern hier schreiben will.


    Runa: Ich habe nie persönlich einen Angriff oder Abwertung erlebt, weil ich mein 3. Kind nicht stille. Vermutlich, weil die meisten Menschen, denen ich persönlich begegne, Teile unserer Geschichte mitgekriegt haben und wissen, dass bei uns keine freie Entscheidung und auch viel Schmerz im Hintergrund stehen.
    Ich selbst bin das, die beide "Versorgungsvarianten" nicht gleichwertig nebeneinander stellen kann.
    Inzwischen habe ich meinen Frieden mit unserer Geschichte. Ich hab ja getan, was ging. Und ein paar Wochen pumpstillen haben wir immerhin zu verbuchen.
    Dennoch würde ich mich besser, wohler fühlen, wenn ich stillen könnte.

  • Ich weiss nicht, ob ich was überlesen habe aber ein Argument fehlt mir noch - nämlich der Wunsch nach einem baldigen Geschwisterchen.


    Ich stille selbst seit der Geburt unserer Grossen und hatte nach so ein, anderthalb Jahren Bedenken ob ich nicht abstillen sollte damit sich mein Zyklus wieder einstellt und wir das nächste Baby auf den Weg bringen können, da wir auch nicht mehr ganz die jüngsten waren/sind. Die Grosse hat das Stillen aber so gemocht dass ich nicht aufhören konnte, zum Glück hat sich die Fruchtbarkeit dann auch ohne Abtillen wieder eingestellt.


    Die meisten anderen Argumente, die hier hin-une hergewälzt werden kommen ja oft von Personen mit wenig Stillerfahrung...

    Liebe Grüsse von Farbenfroh mit MaiElfe (2011) und NovemberWichtel (2014)