Rabeneltern und Löwenmütter...

  • Nachdem es in einem anderen Strang gerade aufgekommen ist und mich immer mal wieder interessiert:
    Welche Tiere sind gewohnte rhetorische Bilder, entsprechen diesen aber nicht?


    Ich hab zB gerade gemeint, ich will keine "Löwenmutter" sein, denn was tut eine Löwin, wenn das Rudel von einem neuen Männchen übernommen wird: hilflos zusehen, wie er die Jungen tötet. Um dann kurz darauf wieder in den Östrus zu kommen und mit dem neuen Männchen neue Junge zu haben... weiß nur fast niemand. (Und ist in der Natur auch okay, aber ich würde keine "Löwenmutter" sein wollen )


    Umgekehrt sind wir ja bei den "Rabeneltern" und ich finde diesen Namen sehr passend gewählt.


    Kennt ihr noch mehr solcher Beispiele? Und verwendet ihr sie (trotzdem)?

  • Da gibt es noch viele.


    Und ja, ich verwende sie, mal im rhetorisch üblichen, mal im biologisch richtigem Sinne, "rhetorisch" meist allerdings nur in positiven Zusammenhängen (klaut wie ein Rabe/eine Elster" würde ich z.b. eher nicht sagen, obwohl es in meinem Umfeld schon zum Sprachgebrauch gehört) .


    - Affenliebe (wird z.B. mal positiv als bedingungslose mal negativ als übertriebene Liebe gemeint, da es oft eben auch negativ gemeint ist, verwende ich es eher nicht normalerweise).
    - Geschickt/flink auf dem Baum wie ein Äffchen (es gibt auch Affenarten, die nicht oder zumindest nicht flink klettern)
    - Hunger haben wie ein Wolf (obwohl ich niemals ein Tier fangen oder es gar roh oder gegart essen würde)
    - Schlau wie ein Fuchs - obwohl es vermutlich kein Fuchs mit dem geistigen Stand eines Vorschulkindes aufnehmen könnte.
    - Flink wie ein Hase, obwohl das Kind vermutlich keinem Hase hinterherkäme.
    - Still wie die Mäuse - obwohl die ganz schön kommunikativ und durchaus auch laut sein können
    - "Na komm her meine Kuschelkatze/mein Schmusekater" - obwohl meine eigene frühere Katze alles andere als verkuschelt und verschmust sondern eher kratzbürstig veranlagt war.
    - "der schwimmt wie ein Fisch" - vermute einfach, daß klar ist, daß ich keinen Plattfisch, der die meiste Zeit am Boden liegt, meine.
    - "Hoffentlich wird L. nicht krank, sie war heute schlapp und hatte gar keinen Hunger, zu mehr als einer Spatzenportion hat es nicht gereicht" (ein Spatz ißt aufs Körpergewicht bezogen wesentlich mehr als jedes Menschenkind)
    - "Ich mach heute mal einen auf Faultier" - dabei sind Faultiere nicht "faul" sonder sie sind wie sie sind.


    Da gäbe es noch soooo viel.


    Wie gesagt, ich verwende viele solche Sprachbilder und das sehr gerne - und ich trau meinem Gegenüber zu, daß er aus dem Zusammenhang heraus versteht, was gemeint ist.


    Daß z.B. in dem Löwenbeispiel klar ist, daß die ihr Junges schützende und verteidigende Löwin gemeint ist (die es ja auch gibt) und nicht die, die sich aus Selbstschutz - und damit auch zum Schutz ihrer ZUKÜNFTIGEN Jungen und somit des ganzen Rudels heraus - zulässt, was geschieht.
    Denn eine solche Notwendigkeit besteht in den Situationen, in denen ich dieses Bild verwende üblicherweise nun mal nicht, so daß ich Missverständnisse eigentlich ausschließe.

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  • ich weiss jetzt nicht ob du tierbilder suchst oder menschen di sie verwenden? ich bin ne löwenmutter im sinne wie er allgemein verstanden wird. und weil meine kinder meine kleinen löwen sind.



    andere tiere kommen bei uns nicht vor :) im sprachgebrauch.


    ich habe aber auch kein problem mit kinderliedern die nicht stimmen, wie der pinguin der den eisbären trifft. ich finde man muss es nicht immer 1000prozentig nehmen, das macht auch viel kaputt.

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

  • Hallo,


    Ich glaube, es ging darum, daß das aus Obstsalats Sicht das Löwenbild unpassend in Zusammenhang war, in dem ich es verwendet habe. Weil ich im anderen Thread mit Löwenmutter eine Mutter meinte, die aus einem starken Instinkt heraus die ihr Kind schützt und verteidigt (so wie es eben umgangssprachlich verwendet wird) , sie dabei aber eher die Löwenmutter vor Augen hat, die zulässt, daß ihr Junges von einem neuen Rudelanführer getötet wird.
    (Stichwort Infantizid im Tierreich)


    Wobei das ja nicht aus "Feigheit" heraus geschieht, sondern ebenfalls aus einem Instinkt heraus, u.a. um ZUKÜNFTIGE Jungtiere zu schützen, weil eben nur dann der neue Rudelführer mit ihr neue (vom nun stärkeren, gesünderen Männchen, daher mit statistisch besseren Überlebenschancen) zeugt und die von ihr groß gezogen werden können.


    Natürlich weiß ich das und es fällt mir nicht immer leicht, da nicht in "menschlichen Maßstäben" zu denken.


    Trotzdem verwende ich solche Wortbilder eben oft, auch mal paradox oder eben im "bekannten rhetorischen Sinne". Weil ich davon ausgehe, daß klar ist, daß ich wenn ich sage "Sei eine Löwenmutter" eben NICHT gemeint ist, daß sie ihr Kind den (unguten) Umständen aussetzen und sich zurückziehen soll, sondern das Gegenteil.


    Mir sind noch mehr zum Teil völlig unsinnige Tierbilder und tierische Wortschöpfungen eingefallen, die ich im Alltag verwende:


    - "Mein Grummelkaterchen/-Kätzchen", wenn ein Kind mürrische Laune hat, aber für ein Späßchen trotzdem noch offen ist, eine Katze ist ein Tier "grummelig" im menschlichen Sinne kann sie gar nicht sein
    - mein Hummelchen (oder noch "schlimmer "Hummelmäuschen"), wenn das Kind heute sehr hibbelig ist ("Hummeln im Hintern hat" - was aus biologischer Sicht ja kompletter Unfug ist)
    - Mein liebes wildes Tigerchen (obwohl ich nicht möchte, daß mein Kind sich zu einem Raumtier entwickelt ,
    - Schuffelbiene (welche Biene schnuffelt?)
    - manchmal bin ich müde wie ein Bär, auch wenn ich in Wirklichkeit keinen echten Winterschlaf machen möchte
    - Manche Leute sind bei uns auch bekannt wie ein bunter Hund, obwohl sie weder Flecken noch einen Schwanz haben ;o)
    - "Ich glaub ich seh aus wie ein Wildschwein", wenn ich nach einer Outdooraktion so richtig dreckig bin, dabei sind Schweine sehr reinlich und das sulen hat ha hygienische und Sonnenschutzgründe
    - ellenlang weiterführbar (und damit meine ich nicht, daß es die korrekte Länge einer Schneiderelle haben muss ;o)


    (Überhaupt mussten sich meine Kinder alle möglichen Vergleiche und Kosenamen quer durch Flora und Fauna anhören, beschwert haben sie sich nie (nur irgendwann drum gebeten, bestimmte zu "niedliche" Sachen nicht vor ihren Freunden zu sagen ;o) verständlich irgendwie).

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  • da bin ich ganz bei dir trin.
    sehr schön geschrieben.

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

  • Mir fallen nur passende ein.
    Ohren wie ein Luchs und Gedächnis wie ein Elefant.


    Obwohl stark wie ein Pferd nicht passe, da es ja wesentlich stärkere Tiere gibt.

    „Indianer sind entweder auf dem Kriegspfad oder rauchen die Friedenspfeife. Geschwister können beides.“
    Kurt Tucholsky

  • mir hat ein Kollege (ehemaliger Landwirt) mal ne Konstitution wie ein Pferd unterstellt.
    Das war ein Konpliment #ja


    hat ihn trotzdem einen kuchen gekostet :D


    edit: ich finde schon das stark wie ein pferd passt. stark bedeutet ja nicht das allerstärkste. und pferde ziehen ja durchaus lasten die beachtlich sind.


    waren nicht ameisen auch sehr starke tiere?

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von murkel ()

  • Ja, ich war angeregt durch deinen Vergleich, Trin, und aus der Selbstverständlichkeit, mit der du es verwendet hast war natürlich klar, was du meinst. Und daher war ich neugierig, ob nur ich da sofort die realen Tiere vor Augen habe.
    Und ja, Löwen verteidigen ihre Jungen gegen andere Tierarten durchaus sehr überzeugt.


    Also offensichtlich ist das doch ein "Biologen-Schaden", den ich da habe, und den haben anscheinend nur geringe Teile der Menschheit #freu

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  • Kein Sprichwort, aber mir hat mal ein Verehrer (stammt von einem Bauernhof) gesagt, ich habe schöne Augen, wie eine Kuh :D (habe große dunkle Augen mit schwarzen Wimpern). Es war auch als Kompliment gedacht. Wahrscheinlich stimmt das sogar, aus uns wurde trotzdem dann nix :D:D:D

  • Bloß eine runde klugscheißermodus: die Löwin tut erst mal alles, was in ihrer macht steht, um ihr junges zu schützen. Aber es ist leider von Anfang an klar, wie es ausgeht.

  • Zitat

    Bloß eine runde klugscheißermodus: die Löwin tut erst mal alles, was in ihrer macht steht, um ihr junges zu schützen. Aber es ist leider von Anfang an klar, wie es ausgeht.


    Da kann ich sogar weiter klugscheissern: unter Verhaltensbiologen ist der Infantizid bei Löwen durchaus umstritten als "natürliches Verhalten" - das Verhalten wurde in echter freier Wildbahn nicht beobachtet, nur in Reservaten, unter Stress, bedingt durch den Menschen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • ich benutze keine vergleiche, bei denen die tiere schlecht wegkommen (z.b. im türkischen beschimpft man eine person, die besonders rücksichtlos ist, als ochse). das gilt selbstverständlich auch für menschen oder menschengruppen.


    alles andere verwende ich nach wie vor, denn es sind redewendungen und sind nicht wörtlich zu nehmen. wurd ja bereits erwähnt: ein loch in den bauch freuen, tun wir ja auch nicht.


    allerdings kommen da interessante gespräche mit den kindern zustande, was ich sehr genieße.


    unsere sagen nicht mehr so stark wie ein pferd (die tragen und ziehen nun mal lasten) oder elefant (ist ja groß) sondern wie eine ameise, nach dem wir gelesen haben, dass ameisen mehrfaches ihres eigenen gewichtes tragen und somit eigentlich die stärksten tiere der welt seien.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl


  • Da kann ich sogar weiter klugscheissern: unter Verhaltensbiologen ist der Infantizid bei Löwen durchaus umstritten als "natürliches Verhalten" - das Verhalten wurde in echter freier Wildbahn nicht beobachtet, nur in Reservaten, unter Stress, bedingt durch den Menschen.


    Liebe Grüsse


    Talpa


    Das finde ich spannend, wusste ich noch gar nicht, danke! Gibt es etwa noch Löwenrudel, die nicht unter menschengemachtem Stress stehen?