Was ist die Anerkennung einer Hausfrau?

  • Campari,
    ich liebe diese Geschichte. Hab ich mal meinem Mann vorgelesen, der sich weggelacht hat und dann meinte: "Bitte, mach niemals NICHTS. Ich helf dir auch bei der Arbeit............" 8)

    Gruß von Guinan
    mit 5 Kindern, jetzt alle erwachsen
    ---------------------------------------
    Meine Nationalität: Mensch!

    Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

  • Im allgemeinen sehe ich aber den haushalt versorgen auch nicht als einer erwerbstätigkeit gleichkommenden aufgabe: diese aufgabe steht immer an, egal ob single oder verheiratet, bei kindern ist die last natürlich grösser und sollte auf beide parteien verteilt werden ( und bei ungleicher verteilung sollte dann der gemeinsame erwerb gerecht aufgeteilt werden).
    Etwas seltsan finde ich aber die teilweise aufkommende forderung das quasi staatlich oder gesellschaftlich das führen eines haushaltes und/ oder sie kinderbetreuung abgesichert werden soll. Putzt und bespielt ihr dann alle echt den ganzen tag die kinder? Wenn man das möchte und kann ist das toll, und bestimmt super für kinder und haushaltsführung, aber halt ein privatvergnügen, finde ich irgendwie.


    Ich unterschreibe mal bei katilein. Du leistest momentan eine nicht entlohnte Arbeit, die, mit Verlaub, alle erwerbstätigen Frauen ebenfalls leisten, nur dass die weniger Zeit dafür haben. Und wie patrickstar dargelegt hat, unterstützt du damit auch noch deinen Mann dabei, dass er im Erwerbsleben seine privilegierte Stellung behalten kann, die es jeder anderen Frau und besonders den Alleinerziehenden unmöglich macht, ihm karrieremäßig Konkurrenz zu machen. Dürfen wir erwerbstätigen Frauen dafür, dass wir nach Feierabend putzen, kochen und Kindergeburtstage ausrichten, auch noch zusätzliche Rentenpunkte einfordern?


    Ich bin aber heute versöhnlich: Freu dich doch einfach, dass dein Mann genug für euch beide bzw. für eure ganze Familie verdient. Die Anerkennung musst du aber für dich selbst einfordern, mit Selbstbewusstsein - wenn du dazu stehst, wie ihr eure Aufgaben aufteilt und der Meinung bist, dass du deinen Part gut machst, solltest du das auch glaubhaft vertreten können. Lass dich nicht von irgendwelchen Blödquatschern verunsichern! Die haben doch an jeder Frau was auszusetzen: die einen faulenzen zu Hause rum, die anderen sind karrieregeile Rabenmütter. Na und? ;)

    Grüße vom nkind
    mit Tochter (2004), Sohn (2008 ) und Wunderkind (03/2014)


    Wir reisen um die Welt:
    Die Weltwunderer

  • ja..hm..auf der reaktionen hier habe ich heute morgen mal mit ihm geredet...
    habe ihm heute morgen auch mal meinen kontostand gezeigt..da meinte er..sag doch was.. :S naja..
    ich denke er ist auch extrem gestresst,weil er aufeinmal vieles allein übernnehmen muss..wir sind acht jahre zusammen,wohnen davon aber erst zwei zusammen,ich wollte das so,.wegen meinem großen..er hatte sich daran gewöhnt..na und jetzt seit der kleine da ist,naja er hat schon belastungen,weil er ja auch bauen will..heute habe ich ihm auch gesagt,schön dass du und der kleine dann ein haus habt,mein großer und ich gehen leer aus..da hat er geguckt wie bahnhof und meinte,nein es gehört dir doch auch..ja mhm,ist schon klar..du kannst drin wohnen wenn wir uns trennen würden,so seine worte..ja shcon klar ..naja,ich sehe einfach alles mal nicht so schwarz..es wird schon werden..
    er meinte ja auch du bist so emanzipiert,ist ja klar,so wie wir bisher gelebt haben..
    ist schon eine umstellung..er will uns aber nicht verlieren,das hat er mir heute morgen mal wieder deutlich gezeigt..und er wird darüber nachdenken..
    und es stimmt ja,bisher war ich auch so "selbständig !mit meinem geld etc..
    ja und hier gehen auch alle wieder arbeiten wenn die kleinen ein jahr alt sind,in den krabbelgruppen..ich bleibe erst mal zwei jahre daheim..aber dann.. :( ich denke länger geht nicht..ich bekomme da auch druck gemacht..naja..und ich muss mich ja schon auch beteiligen an den ausgaben..wenn ich dann kein erz.geld mehr bekomme ,dann können wir uns garnix mehr leisten..

  • Meiner Meinung nach muss man egal welches Modell der Lebenssituation man wählt oder leben muss vor allem selbst dazu stehen und glücklich damit sein. Ich weiss nicht, ob man in jedem Job tatsächlich Anerkennung bekommt. Die muss AUCH (will heissen nicht nur) der Zufriedenheit eines Jeden selbst entspringen.


    Ich sehe es teils so wie Katilein, auch Berufstätige haben einen Haushalt zu schmeissen, sie müssen ebenfalls das Leben ihrer Kinder nebenbei organisieren. Andererseits wird natürlich auch manches abgenommen, da die Kinder ja nicht den ganzen Tag daheim sind, in der Zeit kein Chaos veranstalten und aus Elternsicht kann es auch mal gut tun etwas Abstand zu bekommen und nicht 24 h voll für die Kinder dazusein.


    Schade ist, dass die Modelle nicht frei wählbar sind. Die Betreuungssituation in Deutschland ist ja wohl immer noch recht schlecht und das Ehegattensplitting tut sein Übriges die alten Strukturen zu halten. Und noch blöder ist, dass solche Diskussionen immer auf einen Wettbewerb der meistlasttragenden Bevölkerungsgruppe hinauslaufen.


    Idealzustand wäre für mich, dass alle Eltern selbst entscheiden, ob sie z.B. nur teils einer Erwerbsarbeit nachgehen und zum Anderen Teil sich den Kindern widmen, dafür aber weniger tagtägliche Hetzerei auf sich nehmen, aber halt auch weniger Geld zur Verfügung haben.



    Die Sache mit dem Taschengeld verstehe ich nicht ganz. Bei uns kam und kommt das Geld sowieso von beiden Elternteilen. Vor allem aber ist es UNSER Geld. Wenn nur mein Freund ein Einkommen hätte würde das nichts ändern. Wir alle zusammen müssten darüber entscheiden, wie wir dieses Geld sinnvoll einsetzen könnten. Ich überlege sowieso bei jedem Cent, ob diese Ausgabe sinnvoll ist, bzw. denke über die Opportunitätsausgaben nach. Selbst wenn ich von meiner Oma Geld zum Geburtstag bekommen habe, wollte ich das nicht einfach für mich ausgeben.


    Dass manche Frauen Geld für Haushalt und Kinder zugeteilt bekommen sehe ich als eine Zumutung und unglaubliche Erniedrigung an. Selbst wenn sie wollten würden die allermeisten Frauen nicht so viel verdienen wie ihre Ehemänner ganz egal ob Kinder da sind oder nicht.


  • Die Sache mit dem Taschengeld verstehe ich nicht ganz. Bei uns kam und kommt das Geld sowieso von beiden Elternteilen. Vor allem aber ist es UNSER Geld. Wenn nur mein Freund ein Einkommen hätte würde das nichts ändern. Wir alle zusammen müssten darüber entscheiden, wie wir dieses Geld sinnvoll einsetzen könnten. Ich überlege sowieso bei jedem Cent, ob diese Ausgabe sinnvoll ist, bzw. denke über die Opportunitätsausgaben nach. Selbst wenn ich von meiner Oma Geld zum Geburtstag bekommen habe, wollte ich das nicht einfach für mich ausgeben.


    Dass manche Frauen Geld für Haushalt und Kinder zugeteilt bekommen sehe ich als eine Zumutung und unglaubliche Erniedrigung an. Selbst wenn sie wollten würden die allermeisten Frauen nicht so viel verdienen wie ihre Ehemänner ganz egal ob Kinder da sind oder nicht.


    Genau, "wir müssen zusammen entscheiden wofür unser Geld sinnvoll ausgegeben wird".
    Und da liegt das Problem. Es geht nicht um lebensnotwendige Dinge, sondern ein paar neue Schuhe oder der 8. Lippenstift oder ein Kleid etc. Mann fragt sich dann, ob das sein muss, während Frau sagt ja. Deswegen das "Taschengeld" zur freien (!) Verfügung. Damit Frau nicht Rechenschaft darüber ablegen muss, was ihr wichtig ist und vom Mann als überflüssig bewertet wird. Als Frau ohne Einkommen neigt man dazu, an sich selbst zu sparen, bevor man den Mann fragt, ob man sich ein neues (zusätzliches) Paar Schuhe kaufen kann.


    Beim 2. Absatz stimme ich Dir voll und ganz zu.

    #super No one is you and thats your power #super


  • Ich unterschreibe mal bei katilein. Du leistest momentan eine nicht entlohnte Arbeit, die, mit Verlaub, alle erwerbstätigen Frauen ebenfalls leisten, nur dass die weniger Zeit dafür haben. Und wie patrickstar dargelegt hat, unterstützt du damit auch noch deinen Mann dabei, dass er im Erwerbsleben seine privilegierte Stellung behalten kann, die es jeder anderen Frau und besonders den Alleinerziehenden unmöglich macht, ihm karrieremäßig Konkurrenz zu machen. Dürfen wir erwerbstätigen Frauen dafür, dass wir nach Feierabend putzen, kochen und Kindergeburtstage ausrichten, auch noch zusätzliche Rentenpunkte einfordern?


    Ich bin aber heute versöhnlich: Freu dich doch einfach, dass dein Mann genug für euch beide bzw. für eure ganze Familie verdient. Die Anerkennung musst du aber für dich selbst einfordern, mit Selbstbewusstsein - wenn du dazu stehst, wie ihr eure Aufgaben aufteilt und der Meinung bist, dass du deinen Part gut machst, solltest du das auch glaubhaft vertreten können. Lass dich nicht von irgendwelchen Blödquatschern verunsichern! Die haben doch an jeder Frau was auszusetzen: die einen faulenzen zu Hause rum, die anderen sind karrieregeile Rabenmütter. Na und? ;)


    #super

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Du leistest momentan eine nicht entlohnte Arbeit, die, mit Verlaub, alle erwerbstätigen Frauen ebenfalls leisten, nur dass die weniger Zeit dafür haben. Und wie patrickstar dargelegt hat, unterstützt du damit auch noch deinen Mann dabei, dass er im Erwerbsleben seine privilegierte Stellung behalten kann, die es jeder anderen Frau und besonders den Alleinerziehenden unmöglich macht, ihm karrieremäßig Konkurrenz zu machen.

    *Hervorhebung von mir*
    Das finde ich sehr verallgemeinernd!
    Ich kenne durchaus erwerbstätige Frauen, die kaum Hausarbeit leisten, genauso wie ich Frauen kenne, die ähnlich "privilegiert" sind.

    "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer se sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinaus lief." Terry Pratchett: Die volle Wahrheit
    LG Bryn mit Svanhild (*01), Arfst (*02), Singefried (*09) und Isebrand (*12)

    Einmal editiert, zuletzt von Bryn ()

  • Puhhh, mein Thread explodiert. Ich komm mit dem Lesen fast nicht hinterher, mit dem Schreiben erst recht nicht.
    Ich finde es sehr interessant, die vielen Meinungen hier zu lesen.


    Was ich aber unbedingt sagen muß, es driftet viel zu sehr auf die finanzielle Seite ab.


    Nein, ich will kein Geld dafür, daß ich das Familienleben am Laufen halte; nein, ich will kein (bzw. nicht noch mehr) Geld dafür, daß ich momentan viel für meine Kinder da bin; und nein, ich will kein Geld dafür, daß ich den Haushalt schmeiße. Ich will Anerkennung.
    Im Berufsleben äußert sich diese Anerkennung in unserer Gesellschaft eben über das Gehalt (oder auch nicht), natürlich kommt der Chef nicht jede Woche mit Bücklingen und "Das haben Sie aber toll gemacht". Aber es gibt auch eine leise Anerkennung, eine die man fühlen kann, daran fehlt es mir oft. Ich will, daß ich bei meinem Mann, bei meinen Eltern, Schwiegereltern, Freunden, Nachbarn, Kollegen vom Mann, Mitarbeitern in der Stadtverwaltung usw. gleichwertig da stehe, wie eine Person, die zum Arbeiten aus dem Haus geht. Natürlich kann ich sagen, ach ihr könnt mich doch mal alle, aber das ändert nicht wirklich was an der Situation. Naja, egal.


    Mal 'ne Frage an die, die von ihrem Mann Anerkennung bekommen: Wie äußert sich das? Ich frage mich immer, ob mein Mann meine Arbeit anerkennt und ich einfach zu doof bin, das zu erkennen, oder ob halt leider nicht.


    Um doch nochmal was über's Geld zu sagen: Campari hat genau verstanden, wie ich das mit dem Taschengeld meine. Und ich finde es jetzt doch irgendwie beruhigend, daß es noch andere gibt, die kein gemeinsames Konto haben.
    Und natürlich war ich zum Zeitpunkt des Hauskaufes über die Kontobewegungen meines Mannes im Bilde; das ist inzwischen nur eben schon ein paar Jährchen her, da waren noch keine Kinder da. Jetzt sind 3 Kinder da, es sind Versicherungen weggefallen, andere dazugekommen oder haben sich sonstwie verändert, mein Mann ist in seine Firma in einem anderen Bereich eingesetzt, es gab die ein oder andere Gehaltserhöhung usw.
    Ich muß mich da wohl mal wieder um einen Überblick bemühen.

    liebe Grüße
    adriela


    Gott trägt dein Bild in seiner Brieftasche. (Tony Campolo)

  • Auch wenn wir nicht weiter auf dem Finanziellen rumreiten wollen. Ich möchte noch mal informationshalber sagen, daß ökonomische Gewalt ist und evtl. angezeigt werden kann. Ich hab mich gerade informiert. Vielleicht liest hier ja auch jemand anonym mit.....

    Tierliebe Grüße



    Man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht. (Heinz Rühmann)

  • Ich will mal noch anmerken, dass man einen Haushalt inkl Kinderversorgung wie jeden anderen Job sooo oder sooo machen kann.


    Ganz ehrlich: was ich den ganzen Tag mache, kann schon allein aus Zeitgründen niemand in 30 min am Abend noch machen.


    Ich kann mir doch gut und gerne eine Vollzeitstelle als Nanny anrechnen.
    Und dann meinen Haushalt "nebenher" gemacht haben.


    Ich hatte auch früher bereits einen Haushalt, den jetzigen führe ich anders.


    DAS ist meinetwegen Privatvergnügen, weil ich MUSS ja nichts einkochen, kein Brot backen usw usf.


    Dann allerdings ist auch ein bezahlter Job oft Privatvergnügen, wenn man mehr als das allernötigste verdienen will.
    Man MUSS ja kein Auto haben, in den
    Urlaub fahren, usw.


    Auch hier im Forum werden Frauen dafür klein gemacht, NICHT erwerbstätig zu sein.

    Und an der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Beruf sind Hausfrauen auch gleich noch Mitschuld, wie praktisch.


    Wieder so ein Thema, bei dem sich Frauen gegenseitig in die Beine grätschen, statt zu sagen:
    Du lebst wie du willst, ich wie ich will, das ist unser gutes Recht und beides verdient Anerkennung.

    Süsskram aus den Jahren 2009 und 2012 <3

  • Ich will Anerkennung.
    Im Berufsleben äußert sich diese Anerkennung in unserer Gesellschaft eben über das Gehalt (oder auch nicht), natürlich kommt der Chef nicht jede Woche mit Bücklingen und "Das haben Sie aber toll gemacht". Aber es gibt auch eine leise Anerkennung, eine die man fühlen kann, daran fehlt es mir oft. Ich will, daß ich bei meinem Mann, bei meinen Eltern, Schwiegereltern, Freunden, Nachbarn, Kollegen vom Mann, Mitarbeitern in der Stadtverwaltung usw. gleichwertig da stehe, wie eine Person, die zum Arbeiten aus dem Haus geht.


    Ich bin eine berufstätige (erst TZ, dann VZ, jetzt wieder TZ) Mutter von 2 Kindern. Bei beiden Kindern war ich das erste Jahr ganz zu Hause. Mein Mann arbeitet die ganze Zeit VZ.


    Mein Mann zollt mir Anerkennung, wenn er mir sagt, dass er toll findet, wie ich das alles wuppe, dass ich alle Termine im Kopf behalten und auch koordinieren kann, dass ich eine liebevolle und zugewandte Mutter bin und dass ihn die ungeputzten Fenster zu Hause nicht weiter stören.


    Mein Chef zollt mir Anerkennung indem er mir eine gute Jahresbewertung gibt (seit Jahren bin ich die Beste in unserem reinen Männer-VZ-Team, ich liege immer über 100% Performance *fg*), indem er mich "seinen Lichtblick" nennt, indem er mir auf meinen Vorschlag hin auch mal interessante Projekte anvertraut. Dieses Vertrauen in meine Fähigkeiten, Kapazitäten und in mein Können ist für mich durchaus eine Art Anerkennung, zumal mir meine Arbeit dadurch mehr Freude macht, weil sie spannend ist und nicht nur eintönige Routine. Ich kann mich im Job und durch den Job weiter entwickeln. Auch das ist mir wichtig.


    Anerkennung - das ist so ein schwammiges Wort. Die einen definizieren es rein über das Finanzielle, die anderen über verbales Lob, wieder andere über das, was die Nachbarn sagen und wieder anderen ist es total egal.


    Ich habe die Anerkennung, die ich brauche. Aber ich verdiene sie mir auch, im doppelten Sinne.
    Wer viel auf Schulfesten, und -veranstaltungen mithilft, der verdient die Anerkennung ebenso.
    Wer sich ehrenamtlich stark engagiert, dem gebührt Anerkennung.
    Und wer kranke und greise Eltern pflegt, der verdient auch Anerkennung.


    Meiner Erfahrung nach, bekommt man Anerkennung am ehesten, wenn man SICH SELBST für das anerkennt, was man im jeweiligen Gebiet gerade leistet. Da es eh immer Leute gibt, die das, was man selbst gerade leistet, nicht für voll nehmen, kann man auf andere eigentlich nicht zählen:
    "Wer als Mutter früh wieder berufstätig ist, leitstet nicht genug Mutterdienste."
    "Wer hingegen als Mutter lange Zeit "nur" Hausfrau und Mutter ist, leistet nichts für das Bruttosozialprodukt."
    Es kommt halt immer darauf an, auf welcher Seite man gerade steht. Meistens muss man sich nämlich so einen Mist von Leuten anhören, die selbst völlig anders leben, egal aus welcher Richtung. So what?


    Wichtig ist nur, dass ICH weiß, was ich leiste. Und dass ich mein Bild meiner Familie (= Mann + Kinder) gegenüber als wertvoll vermitteln kann, sie mich also für meine Leistung wertschätzen. Mehr brauche ich nicht.


    Ich habe ähnliche Postings schon öfter mal von Vollzeit-Müttern und-Hausfrauen gelesen (auch in anderen Foren) und frage mich immer, warum sie die Anerkennung durch andere so sehr brauchen. Sie machen einen wichtigen und wertvollen Job. Warum müssen sie
    immer wieder bestätigt bekommen, genauso viel "wert" zu sein wie die Friseuse, Kassiererin, Abteilungsleiterin oder Kindergärnerin? Alle machen einen wichtigen und gesellschaftlich wertvollen Job. Wo ist da der Unterschied? Doch im Geld? Aber was soll dann eine Friseuse sagen, die nur den Mindestlohn bekommt? Ist der Mindestlohn genug Anerkennung für ihre Leistung, für ihre Arbeit bis nach 20 Uhr für ihre Samstagsschichten? Wird eine Krankenpflegerin gemäß ihres Dienstes an der Gesellschaft entlohnt? Bekommt ein Alternpfleger für seine Arbeit wirklich genug gesellschaftliche Anerkennung?


    Ich gebe zu: Ich tue mich seit Jahren schwer damit, nachzuvollziehen, warum viele Vollzeit-Mütter und Vollzeit-Hausfrauen so stark nach gesellschaftlicher Anerkennung schreien... vielleicht kann ich es nicht verstehen, weil ich berufstätig bin?
    Andererseits war ich auch 2 Jahre lang "nur" zu Hause und hatte auch damals nicht das Bedürfnis, mit Nachbarn gleichgestellt zu werden, die Vollverdiener sind. Ich fühlte mich mich nie weniger oder mehr wert als andere, egal welches Modell ich gerade lebte.


    Woher kommt nur das geringe Selbstbewusstsein dieser Frauen- und Müttergruppe????



    LG,
    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

    2 Mal editiert, zuletzt von Annie ()

  • Mein Mann zollt mir Anerkennung, wenn er mir sagt, dass er toll findet, wie ich das alles wuppe, dass ich alle Termine im Kopf behalten und auch koordinieren kann, dass ich eine liebevolle und zugewandte Mutter bin und dass ihn die ungeputzten Fenster zu Hause nicht weiter stören.


    Sowas z.B. hat meiner zu mir noch nie gesagt. ;(


    Ich habe ähnliche Postings schon öfter mal von Vollzeit-Müttern und-Hausfrauen gelesen (auch in anderen Foren) und frage mich immer, warum sie die Anerkennung durch andere so sehr brauchen.


    Wahrscheinlich hast Du das schon öfter so gelesen, weil eben genau diese Personen die Anerkennung, die sie eigentlich verdienen, nicht bekommen.

    liebe Grüße
    adriela


    Gott trägt dein Bild in seiner Brieftasche. (Tony Campolo)

  • Das tut mir leid, Adriela.
    Vielleicht solltest Du Deinen Mann mit den Kindern mal eine Woche alleine zu Hause lassen. Dann würde er das bestimmt wertschätzen, was Du alles leistet und wieviel Du tatsächlich stemmst ;-)


    Aber müssten sich dann nicht all die Friseusen, Krankenschwestern. Altenpfleger, Floristinnen, Verkäuferinnen und Erzieherinnen permanent darüber beschweren, wie schlecht ihr Lohn ist und wie wenig gesellschaftliche Anerkennung sie für ihre Arbeit bekommen ??? Ich höre sowas immer nur von Vollzeit-Müttern und von nicht denjenigen, die für einen viel zu geringen Hungerlohn arbeiten. Das finde ich so seltsam...


    LG,
    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Auch hier im Forum werden Frauen dafür klein gemacht, NICHT erwerbstätig zu sein.


    Und an der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Beruf sind Hausfrauen auch gleich noch Mitschuld, wie praktisch.

    Das kann man nun blöd finden, aber es ist zutreffend! Patrick*Star hat es hervorragend auf den Punkt gebracht.


    Menschen mit Familienaufgaben KÖNNEN nicht mit Menschen ohne Familienaufgaben konkurrieren, da gehen sie chancenlos unter. Eine Geschlechterfrage ist es allerdings nicht (also, praktisch in unserer Gesllschaft schon, aber theoretisch müsste es keine sein).

  • Das tut mir leid, Adriela.
    Vielleicht solltest Du Deinen Mann mit den Kindern mal eine Woche alleine zu Hause lassen. Dann würde er das bestimmt wertschätzen, was Du alles leistet und wieviel Du tatsächlich stemmst ;-)


    Aber müssten sich dann nicht all die Friseusen, Krankenschwestern. Altenpfleger, Floristinnen, Verkäuferinnen und Erzieherinnen permanent darüber beschweren, wie schlecht ihr Lohn ist und wie wenig gesellschaftliche Anerkennung sie für ihre Arbeit bekommen ??? Ich höre sowas immer nur von Vollzeit-Müttern und von nicht denjenigen, die für einen viel zu geringen Hungerlohn arbeiten. Das finde ich so seltsam...


    LG,
    Anne


    Ja, das mit dem Lohn ist tatsächlich so eine Sache.
    Aber die zwischenmenschliche Anerkennung ist doch sicherlich vorhanden. Das kann das strahlende Gesicht der Frau sein, die sich über ihre neue Frisur freut, oder die Bestätigung des Mannes, der den gebundenen Strauß schön findet, oder der dankbare Blick des alten Menschen, versteht Ihr, was ich meine?

    liebe Grüße
    adriela


    Gott trägt dein Bild in seiner Brieftasche. (Tony Campolo)

  • Annie, zumindest für Krankenschwestern kann ich sagen: die/wir beschweren uns durchaus darüber, dass es sowohl an finanzieller wie auch an gesellschaftlicher Anerkennung mangt.

    Süsskram aus den Jahren 2009 und 2012 <3

  • Ganz ehrlich, ich verstehe es irgendwie nicht so ganz. Von wem willst Du denn Anerkennung?


    Mein Mann weiß was es heißt, Kinder und Haushalt und und und zu meistern. Wir "anerkennen" uns gegenseitig. Und mir ist es ganz wichtig, dass mein Mann und ich da auch Vorbild für die Kinder sind. Sprich wir sagen uns z.B. wenn der andere gut gekocht hat und so was. Anerkennung bekomme ich auch von meinen Kindern.


    Arbeitgeber: da könnte man auch zynisch sein und sagen, solange man Dich braucht wunderbar, aber wie schnell steht man heutzutage mit einer Abfindung vor der Tür? Bei dieser Art von Anerkennung bin ich mittlerweile ziemlich realistisch.


    Ich könnte jetzt mit Familie / Freunden usw. so weitermachen.


    In meinem Umfeld erlebe ich das auch nicht so, wie Du das empfindest.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Zitat

    Das kann man nun blöd finden, aber es ist zutreffend! Patrick*Star hat es hervorragend auf den Punkt gebracht.


    Menschen mit Familienaufgaben KÖNNEN nicht mit Menschen ohne Familienaufgaben konkurrieren, da gehen sie chancenlos unter. Eine Geschlechterfrage ist es allerdings nicht (also, praktisch in unserer Gesllschaft schon, aber theoretisch müsste es keine sein).



    Ich "finde" das nicht "blöd", ich sehe es als grundverkehrt und irrig an, die Schuld an dieser von mir nicht bezweifelten Tatsache bei der Hausfrau zu sehen.

    Süsskram aus den Jahren 2009 und 2012 <3

  • Hallo,


    Und WENN man sich beschwert, heißt es schnell mal, denen geht es ja nur ums Geld (Ich erinnere mich an diverse Debatten auch hier im Rabenforum zum Thema Streik von Erzieherinnen oder der Forderung nach einer hochwertigen Ausbildung usw.). Ist egal, was man auch macht, macht man falsch.


    Aberkenntung - im Moment sehe ich z.B. wenige Eltern, weil die meisten Kinder alleine heimgehen (Hort). Und die, die kommen, wollen schnell heim und haben anders im Kopf als meine liebevoll gestalteten rückblicke zu bewundern oder mir zu sagen, ob sie mich toll finden oder nicht. Die wollen nur heim. Ist halt so. (Klappt mal was nicht, dann ist aber die Zeit da... ist ja auch OK so)


    Warum (zeitweise) Hausfrauen daran schuld sein sollen, daß andere Frauen keine/weniger Chancen haben, verstehe ich auch nicht. Ob ich arbeite oder nicht hat doch auf die Entscheidungen anderer keinen Einfluss, die können doch entscheiden, wie sie wollen. (Genaugenommen blieben, als ich zu Hause war so auch Gantagsplätze für andere frei, weil wir nur Halbtagsplätze brauchten usw. )


    Ich merke, egal ob ich zu Hause war oder arbeite, wie es mir dabei geht, hängt eher davon ab, wie ich mit mir selber im reinen bin - wobei natürlich Anerkennung auch da hilfreich ist, aber das was in mir selber ist, macht vielmehr aus. Allerdings habe ich persönlich mich wohler gefühlt, als ich noch mehr Zeit für die Kinder hatte, das Gefühl, ständig organisieren zu müssen und zeitweise andrer Leute Kinder zu betreuen wärend meine alleine sind oder lange in ihrem Hort bleiben müssen, nagt schon ganz schön an mir.

  • adriela,
    vielleicht kannst du ja doch noch ein wenig konkreter werden...
    deine familie, deine bakannten, wie geben sie dir genau das gefuehl nicht so viel wert zu sein, oder anders herum, was wuerdest du genau von ihnen erwarten?
    sollen sie es aussprechen, man wie du das alles machst ist klasse!?
    vielleicht sind diese menschen nicht unbedingt diejenigen,die das so gut koennen?
    und vielleicht kannst du ja mal etwas in dich gehen und ueberlegen, warum dir das so wichtig ist.
    mir faellt da das thema von jesper juul "selbstvertrauen und selbstwertgefuehl" zu ein.
    die gefahr des lobens, dass menschen regelrecht davon abhaengig werden koennen,
    dass sie ein hohes selbstvertrauen dadurch gewinnen, aber an selbstwertgefuehl verlieren,
    sich nur noch darueber definieren, was sie tun, anstatt ueber das, was sie sind,
    und noch schlimmer, sich nur noch ueber die anerkennung anderer definieren...


    googl einfach mal danach, vielleicht findest du etwas, was dir etwas bringt.
    ich lerne dabei immer auch sehr viel ueber mich selber, wenn ich mich mit mit solchen themen konfrontiere.


    und noch etwas anderes, hast du mit deinem mann mal ueber das thema anerkennung gesprochen?
    bekommt er auch anerkennung von dir? also so in etwa, ich finde es toll, dass du jeden tag malochen gehst und das geld nach haus bringst? ich sage meinem freund das eigentlich nur, wenn er mal wieder down ist, weil er soviel arbeitet und fuer sein verstaendniss zu wenig dafuer verdient, um ihn wieder aufzubauen.


    vielleicht wissen deine mitmenschen ja garnicht, dass dir die anerkennung fehlt, und wenn du ihnen das sagen wuerdest, waere es fuer sie viel einfacher?


    mich erinnert das gerade an diese danke geschichten, dass viele ein ausgesprochenes danke fuer ihre arbeit oder einen gefallen erwarten, anderen reicht ein zufriedenes laecheln.


    vielleicht helfen dir ja meine etwas wirren gedanken :-)


    lg


    nele


    Für die einen ist das Glas halbleer,
    für die anderen ist es halbvoll,
    und ich freu mich schon, wenn überhaupt etwas drin ist !!
    :D