Wutkrampf / Respiratorischer Affektkrampf

  • Hallo ihr Lieben,


    gestern hatte ich das bisher schlimmste Erlebnis meiner 8-jährigen Mutterschaft.


    Meine kleine Maus (13 Monate) hatte einen sogenannten Respiratorischen Affektkrampf. Bis vor kurzem wusste ich noch nicht, was das ist.
    Mir fiel aber schon länger auf, dass meine Kleine immer lange zum Luft holen braucht, wenn sie weint. Eine Freundin berichtete mir dann eben von diesem oben genannten Phänomen. Bisher hab ich sie spätestens zum Luft holen gebracht, wenn ich ihr heftig ins Gesicht gepustet habe (durch den Schreck hat sie Luft geholt).


    Gestern gabs den Supergau. Sie war eh schon total müde und ist dann zornig geworden, weil ich ihr etwas abgenommen habe. Und diesmal hat sie auch mit Pusten keine Luft mehr geholt. Nach Ewigkeiten und entsetztem Gesicht von ihr, kam ein kleiner Luftseufzer bzw. ein kurzes minimales Ausschnaufen und dann wurde sie in meinem Armen ganz schlaff und verdrehte die Augen. Es war der absolute Horror. Meine Große hat alles mit erlebt und kreischte genauso wie ich. Gott sei Dank fing sie in der Ohnmacht wieder zum Atmen an und kam nach ein paar Sekunden wieder zu sich. Allerdings war sie noch etwas benommen. Ich hab sie dann einfach an die Brust gelegt und sie hat gierig gestillt. Nach ca 10 Minuten war sie bis auf ein bisschen Blässe wieder ganz die Alte.


    Ich hab zwar schon nach recherchiert, dass dieses Verkrampfen der Stimmritze gestern wie aus dem Lehrbuch ablief und wohl bei ca. 5 Prozent der Kinder bis 5 Jahre vorkommt, die Ohnmacht eine Schutzreaktion des Körpers ist und das Ganze insgesamt eigentlich harmlos ist. Trotzdem bin ich immer noch voll durch den Wind. 5 Prozent der Kinder und ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört. Und auch wenn ich weiß, dass alles ok ist bin ich völlig fertig. Meine Große auch. Haben sicher noch ein Weilchen daran zu knabbern.


    Wenn sie jetzt zum Weinen anfängt, dann bin ich immer total angespannt. Ich habe solche Angst davor, dass nochmal mit zu erleben. Ich hab ja den Anblick von gestern noch nicht verkraftet. Aber natürlich weiß ich auch, dass das nichts bringt. Im Gegenteil. Trotzdem bin ich ganz unentspannt. Hoffe dass sie sich nicht weh tut...


    Sind hier Eltern, die das auch schon mal erlebt haben? Was habt ihr noch für Strategien? Wie geht ihr damit um? Was macht ihr, wenn sich so ein Krampf ankündigt? Ich bin um alle Ratschläge dankbar. Heute muss ich mich auch nochmal extra um die Große kümmern. Die ist ja auch noch ganz durcheinander.


    Danke schon mal
    euer Hexxi

    Meine Mädls sind die Große (Okt. 07) und Mini (Sept. 14)


    Glückliche Stillzeit:
    - Die Große: 2 Jahre, 10 Monate und 6 Tage gestillt
    - Mini: 3 Jahre, 10 Monate und 26 Tage gestillt

  • Oh Hexxi, was für eine schlimme Situation.
    Ich hab das auch erlebt, mit meinem ersten Kind. Ähnlicher Ablauf wie bei deiner Tochter, da war er 9 Monate alt. Zum Glück gab es danach nie wieder einen Anfall, der mit einer kurzen Ohnmacht einherging, aber noch viele "kleinere" Affektkrämpfe. Das wurde so ab 18 Monaten langsam weniger.


    Was mir geholfen hat: das Wissen, dass es harmlos ist und die Kinder auf jeden Fall immer wieder Luft holen werden und nicht ersticken.
    Gemacht habe ich nicht viel. Halt sanft ins Gesicht pusten und schauen, dass es sich nicht verletzten kann, falls es doch kurz ohnmächtig werden sollte.


    Die Angst wird einfach weniger mit der Zeit. Aber das braucht jetzt erstmal etwas, bis du das Erlebnis verarbeitet hast. Ich denk da selbst nach 9 Jahren noch mit einem beklemmenden Gefühl dran zurück, dachte ich doch für einen kurzen Moment, mein Baby könnte sterben. Das sitzt einfach tief.


    Aber wie gesagt, es ist harmlos und kommt ziemlich oft vor. Mein Kinderarzt sagte damals, dass das häufig bei besonders willensstarken Persönlichkeiten vorkommt. Nu denn.


    Alles Gute für euch!

  • Ich hatte das als Kind und mein großer Sohn auch.
    Meine Mutter reagierte wohl eher hysterisch, mein Vater gelassen.


    Ich erzähl mal meine Geschichte:
    Als mein Sohn seinen ersten Anfall hatte, blieb mir das Herz stehen. Er hatte dann relativ oft kleine und große Affektkrämpfe. Ich erinnerte mich an meinen Vater. Ich nahm mein Kind dann in der Situation an mich, legte es auf meine Brust und atmete tief durch. Manchmal sagte ich ganz ruhig: "komm, atmen".


    Für mich lag der Unterschied dann darin, dass wir darunter nicht litten. Es dauerte lange, bis es bei ihm aufhörte. Es war dann nur in unser Leben integriert, wie Weinen oder Kreischen (was er übrigens dafür kaum tat).



    Ich lass dir mal ganz viel Kraft und Ruhe hier. Das ist etwas, was man erstmal verdauen muss. Dann findest du, findet ihr in der Familie eure Art damit umzugehen.


    Ach, und falls es in der Öffentlichkeit passieren sollte, lass dich von niemandem verunsichern. Wenn du deine Art gefunden hast, wie du damit umgehst, hat dir niemand Tips zu geben, wie man das eigentlich macht. Ausser du fragst danach.

    ...lieber wieder dem Leben vertrauen...

  • Hallo,


    Als Mutter bin ich zum Glück davon verschont geblieben, als Erzieherin nicht.


    Es ist wie die andern schreiben. Es sieht schrecklich und beängstigend aus, ist aber harmlos. Aber andersrum eben auch: Es ist zwar harmlos, sieht aber beängstigend und schrecklich aus. Und das macht etwas mit einem.


    Darum finde ich es auch wichtig, Strategien im Kopf zu haben, die man abrufen kann.
    Dein Kind ist noch sehr klein, vermutlich kann man noch keine Alternativhandlungen einüben. Aber vielleicht hilft aktives "Voratmen" - das Kind ganz intensiv anschauen und langsam und sehr deutlich atmen, scheuen, ob es in dem Moment Nähe mag oder lieber körperliche Distanz, das kann sehr verschieden sein.
    Später dann kann man eine Alternativhandlung ausprobieren, ein Kind hat dann geübt, sich, wenn es merkte, daß es sich sehr aufregte, mit der Hand einmal kräftig an den Oberschenkel zu schlagen (So wie bei "Mist!"), das schien ihm zu helfen, Spannung abzubauen.


    Gute Nerven!

  • meine 3. Tochter hatte das ganz schlimm, allerdings war bei ihr nicht Wut, sondern Schmerz der Auslöser. Dementsprechend hatte sie teilweise auch schon mal mehrmals täglich Affektanfälle. Wir haben damals den Bluteisenwert untersuchen lassen, weil eine Studie gezeigt hatte, dass ein niedriger Eisenwert daran Schuld sein kann, die Meinungen dahingehend haben sich wohl aber revidiert. Sie hatte trotzdem einen niedrigen Eisenwert, hat Eisentropfen bekommen und ist NICHT besser geworden. Ihren letzten Affektkrampf hatte sie vor ungefähr einem Jahr, also mit 4,5 Jahren. Es sind weiterhin noch 2 EEGs gemacht worden, obwohl uns Eltern der Zusammenhang klar war, hatten die Ärzte drauf bestanden. Es ist dort auch nichts auffälliges gefunden worden, Gott sei Dank.
    Nichts destotrotz hat unsere Tochter manchmal in der tonischen Phase und zu Beginn der klonischen Phase manchmal Bewegungen gemacht, die an einen Anfall hätten denken lassen. Und mit dem jetztigen Wissen, dass in seltenen Fällen doch mal ein echter epileptischer Anfall aufgrund der kurzfristigen Sauerstoffunterversorgung des Gehirnes folgen kann, war es dann auch ok, dass die EEGs gemacht worden sind. Das Kind fand das EEG im Übrigen nicht schlimm, sie durfte in der Zeit auf dem Handy vom Papa daddeln und fand es ganz toll, in das Windrädchen zu pusten.


    Ihr Anfälle waren im übrigen am Anfang auch nur schlaff, später kam dann die tonische Phase, das Überstrecken, die blauen Lippen zustande.


    Wichtig ist halt nur dran zu denken, dass man den Kopf schützen soll, wenn sie dann ohnmächtig werden.


    Ins Gesicht pusten ist im übrigen kontraproduktiv, da Kinder durch das Anpusten einen reflektorischen Atemstillstand bekommen (den macht man sich beim Babyschwimmen zu nutzen, indem man den Kindern vor dem Tauchvorgang ins Gesicht pustet, die dann die Luft anhalten und man dann die Babys unter Wasser taucht).


    Solche Affektkrämpfe liegen im übrigen oft in der Familie, bei uns war es früher auch mein Mann, der das hatte, aber ich kann mich aktiv daran erinnern, beim Weinen das Gefühl gehabt zu haben, ich kann nicht einatmen und es hat schon fast weh getan und dann hab ich es im letzten Augenblick doch noch geschafft, ich bin wohl also auch nicht ganz unbelastet.


    Unser Sohn hat im übrigen auch schon 2-3 mal nen Affektkrampf gehabt, aus Schmerz heraus. Da haben wir das allerdings bisher sehr gelassen genommen, da so selten und weil wir schon dran gewöhnt sind.


    PS. Youtube filme zu Affektkrämpfen sind sehr erschreckend, die würde ich mir nicht unbedingt angucken, bei manchen Filmen bin ich mir auch nicht ganz sicher, ob das tatsächlich nur ein Affektkrampf ist.


    Noch vergessen: ausser Kopf schützen war nichts zu machen, wenn meine Tochter einmal "im Anfallmodus" war, war diese Situation nicht umzukehren, the point of no return.

    LG Heike


    Der richtige Mensch ist nicht der, mit dem immer alles toll ist, sondern der, ohne den alles blöd ist.

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  • Hallo Ihr Lieben,


    ich danke Euch sehr für Eure Antworten und schäme mich, dass ich erst heute selber wieder zum Schreiben komme.


    Mir haben Eure Antworten sehr geholfen. In meinem Umkreis kannte das noch fast niemand. Und außer einigen entsetzten und ungläubigen Reaktionen habe ich auch unterschiedliche negative Reaktionen erlebt. ein paar Antworten unterstellten meiner Tochter sie mache das absichtlich nur um ihren Willen durchzusetzen und ein paar andere schienen zu glauben, ich bilde mir das sicher nur ein, so ein Quatsch,...


    Ich habe versucht aufzuklären. Also zumindest bei den Personen, bei denen es mir wichtig und lohnenswert erschien.


    Außerdem waren wir trotzdem noch bei unserer Ärztin um sie nochmal kurz abchecken zu lassen. Ein von ihr geratener Besuch beim Neurologen um Epilepsie auszuschließen habe ich zunächst ausgeschlagen. Sollte sie jedoch nochmal so einen Anfall haben, dann lass ich es vielleicht sicherheitshalber machen.


    Gott sei Dank hatten wir bislang keinen weiteren Anfall. Wohl aber viele ungute Situationen. Situationen in denen sie anfing zu schreien und meine Große panisch mitschrie aus Angst, das Ganze wiederholt sich. Es ist in solchen Momentan echt heftig. Man will gleichzeitig beiden Kindern helfen und kämpft doch selber noch mit den Erinnerungen des ersten Anfalles.


    Auch mein Mann, der den Anfall ja nur aus Erzählungen kennt, ist mir dabei nicht wirklich eine Hilfe, wenn er beim Schreien bemerkt, dass sie länger keine Luft holt und dann zum Gefrierschrank rennt um Eis zu holen (er hat gehört, dass der plötzliche Kältereiz auch helfen kann). Er will ja helfen, aber komischerweise setzt mich das in dem Moment noch mehr unter Druck und lässt meine "Coolness" voll verschwinden.


    Aber bislang konnte ich sie mit Erschrecken durch Anblasen (ich versuche ihr nicht direkt in Mund und Nase zu pusten, sondern eher Stirn/Ohr, ich will sie ja nur Aufschrecken) oder Wasser ins Gesicht spritzen noch zum Atmen bewegen. Aber man merkt, dass sie selber Angst hat vor dem keine Luft mehr bekommen, denn wenn sie nicht gleich wieder Luft einatmen kann beim Weinen, dann wirft sie sich rum und legt noch mehr Druck ins Weinen. Ich kann es nicht besser beschreiben.


    Es scheint aber vorallem mit Müdigkeit zusammen zu hängen, denn diese langen Atempausen hat sie eigentlich nur, wenn sie sich abends weh tut. Tagsüber geht es meist gut.


    Aber mit jeder "überstandenen" Aktion merke ich, wie ich deutlich ruhiger werde. Wobei ich mir sicher bin, wenn sie nochmal bis zur Ohnmacht kommt, dann ist die erworbene Ruhe wieder weg...


    Das mit demWillensstark kann ich übrigens auch unterschreiben. Sie ist ein sehr willensstarkes Kind.


    Weiß jemand, ob das immer vererblich ist? Ich habe mal gelesen, dass es Kinder eher haben können, wenn ein Elternteil das auch hatte. Aber ist das immer so, oder nur manchmal`? Weder bei mir noch bei meinem Mann scheint sich jemand an so etwas erinnern zu können.



    Ich muss leider schon wieder los. Danke nochmal für Eure Hilfe!!!


    LG
    Hexxi

    Meine Mädls sind die Große (Okt. 07) und Mini (Sept. 14)


    Glückliche Stillzeit:
    - Die Große: 2 Jahre, 10 Monate und 6 Tage gestillt
    - Mini: 3 Jahre, 10 Monate und 26 Tage gestillt

  • Nicht alle Kinder, die Affektkrämpfe haben, haben Eltern, die das auch hatten, aber viele :)

    LG Heike


    Der richtige Mensch ist nicht der, mit dem immer alles toll ist, sondern der, ohne den alles blöd ist.

  • Ich habe versucht aufzuklären. Also zumindest bei den Personen, bei denen es mir wichtig und lohnenswert erschien.

    Wichtig wäre vielleicht noch, sollte es sich nochmal wiederholen (hoffentlich nicht!) und es sind andere Personen dabei, dass Du kurz sagst: Das hatte sie schonmal, das geht gleich wieder vorbei. Ich war mal als "Außenstehende" bei sowas dabei, und dann überlegt man schon, ob man den Notruf wählt, da fand ich die Ansage der Mama sehr hilfreich für alle anderen. Die Mama ist tatsächlich total cool geblieben, das Kind hatte das wohl wirklich desöfteren.

  • Meine jüngste Tochter hatte auch mal einen Affektkrampf - es war schrecklich; sie war 5 Monate alt.
    Vorher wusste ich gar nicht, dass es Affektkrämpfe gibt...


    Wir waren sofort im Krankenhaus #schäm , dort wurden alle möglichen anderen Ursachen für den Anfall untersucht und zum Glück ausgeschlossen - zum Schluss blieb nur noch die mögliche Erklärung "Affektkrampf" übrig. Seitdem kam es aber nie wieder vor.


    Ich habe inzwischen auch öfter gehört, dass nicht nur Wut, sondern auch Schmerz oder Schreck Auslöser für einen Affektkrampf sein können; bei Müdigkeit kommt es wohl häufiger vor.
    Ich hatte ihr damals auch erst ins Gesicht gepustet und dann Wasser ins Gesicht gespritzt (intuitiv, hat nicht geholfen, war aber zu Glück auch nicht falsch #schäm#schäm#schäm ). Meine Tochter ist dann zum Glück aufgewacht und hat tief geseufzt #love , bevor mir ganz klar werden konnte, was jetzt gerade los war, dann ist sie an meiner Schulter eingeschlafen und wir sind ins Krankenhaus gefahren - wo wir, obwohl es echt voll war, sofort drankamen, nachdem die Schwester auch nur einen Blick auf uns geworfen hatte #herzen


    Naja, ich kann Deinen Schreck soooo gut verstehen und wünsche Dir, dass so etwas nicht zu oft passiert;


    PS.: Im "Geisterhaus" von Isabel Allende sind dramatische Wut-Affektkrämpfe ziemlich eindrucksvoll beschrieben ^^