Kinder fragen - Raben antworten - Sammelthread

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Danke und guten Austausch im Rabendorf!

Rabeneltern.org-Team
  • Ich würde sagen, eine Prostitutierte schläft mit ihren Kunden nicht, weil sie gerade selbst Lust auf Sex hat, sondern weil sie eben Geld dafür bekommt. Der Kunde möchte mit einer Prostitutierten Sex haben, weil das vielleicht einfacher für ihn ist als eine Frau zu überzeugen, ohne Geld mit ihm Sex zu haben, und weil er sich dann weniger anstrengen muss und mehr bestimmen darf.


    Wenn ich eine Massage buche (was ich manchmal mache), dann massiert mich der Masseur auch nicht, weil ihm das jetzt so unheimlich viel Spaß macht, sondern weil ich ihn dafür bezahle. Ich könnte auch einen Freund oder eine Freundin darum bitten, aber die machen das dann vielleicht nicht so, wie es mir am besten gefällt, oder sie haben nach fünf Minuten keine Lust mehr. Bei dem Masseur kann ich eine ganze Stunde buchen.


    Die andere Frage ist, wieso es eigentlich immer so ist, dass Männer Sex wollen und dafür Geld bezahlen. Es gibt zwar auch männliche Prostituierte, aber die Kunden sind quasi immer männlich.


    Ich habe allgemein den Eindruck, dass es immer noch in vielen Köpfen die Vorstellung gibt, dass Männer sich Sex "verdienen" müssen und Frauen Sex nur gegen hinreichende Gegenleistung "herausgeben" sollten - gleich ob das heißt, dass man 150 Euro an eine Prostituierte zahlt oder dass man die Frau zu mehreren Dates einladen muss oder erst einmal ernähren können und heiraten muss.


    Als Frau zahlst du aber natürlich auch, nämlich mit dem Risiko einer ungewollten Schwangerschaft und dem ganzen Verhütungskrams einerseits und dem schlechten Ruf als Schlampe, den dir das Patriarchat im Namen der Kontrolle weiblicher Fruchtbarkeit aufdrückt.


    Darüber hinaus gibt es schon auch weibliche Freier, aber meines Wissens eher als Sextouristinnen.


    Und das, obwohl du, wenn du als Frau Sex haben willst, über Tinder & Co in der Regel genügend kostenlose Angebote bekommst, dass du wahrscheinlich etwas findest, was dir gefällt.

  • Ich wäre jetzt dem Vorschlag von Silbermöwe gefolgt, aber nun ja.

    und weil er sich dann weniger anstrengen muss und mehr bestimmen darf.

    Der erstere Punkt stimmt. Das zweite nicht.


    Er hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass er Dinge, die er sich wünscht, auch kriegen kann, eventuell für einen Aufpreis. Aber das ist was anderes als Bestimmen.

  • Wäre Aussuchen das für Dich passendere Wort? Wie bei der Reiseleitung oder der Massage steht es dem zahlenden Kunden frei, sich aus einem bestehenden Angebot etwas auszusuchen.

    Es wird nicht alles möglich sein, die Reiseleitung wird ihn nicht auf den Mond bringen. Aber ob Mallorca oder Helsinki bestimmt der Kunde. Mit seiner Kaufkraft.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Der Unterschied ist, dass es bei Reiseziele wirklich ziemlich einseitig ist, weil Reiseziele nur sehr begrenzt auswählen, von wem sie besucht werden wollen. (Wobei: Selbst das passiert. Du darfst genau genommen mit Depressionen oder Schizophrenie nicht in die USA reisen, das weiß nur keiner. )


    Was gleich ist, und du jetzt nicht erwähnt hast: Du brauchst auch beim Reisen ein Angebot. Wenn während des Oktoberfestes dir alle Unterkünfte „ausgebucht“ zurückmelden, dann war‘s halt nichts mit München.

  • Du darfst genau genommen mit Depressionen oder Schizophrenie nicht in die USA reisen, das weiß nur keiner. )

    Ganz so pauschal stimmt das aber nicht, aber das weisst du auch, denke ich?

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Das Vertrauen darauf, dass etwas, was nachgefragt wird, nicht angeboten wird im "freien Markt" fehlt mir schon bei Reisen/Gastgewerbe und umso mehr bei diesem Thema.

    Meine Erfahrung mit Markt ist eher, dass sich das automatisch den Bedürfnissen anpasst. Was in der Realität für die meisten Freier in meiner Wortwahl "bestimmen" heisst.


    Liebe Grüsse


    Talpa