AfD: KEINE Alternative

  • Zitat

    Gerüchte und Falschmeldungen (wie z.B. das Thema Vergewaltigungsversuch in Chemnitz) machen so schnell die Runde und auch wenn sie am Ende dementiert werden, so ist es doch genau das, was in den Köpfen bleibt und das wissen diejenigen, die damit die Stimmung aufheizen nur zu genau

    Und da war die BILD ganz vorn dabei. Die Tweets hat sie inzwischen klammheimlich gelöscht.

  • Midna2 vielen Dank, dass Du Deine Erfahrungen aufgeschrieben hast!


    Natürlich gibt es Rassismus auch von anderen Kulturen und wie Euch da begegnet wurde war nicht ok!

    Radikale Moslems sind mir auch unheimlich, genauso wie radikale Evangelikale usw...


    Also ja: was da an der Schule passiert, ist ein Problem!

    Aber nein: ich glaube nicht, dass das etwas mit Flüchtlingen zu tun hat. Und ich glaube auch nicht, dass das die Hintergrunderfahrungen der Menschen aus Chemnitz waren, dafür gibt es da nämlich viel zu wenige Muslime.

  • Ich finde es by the was auch gut die anderen Stimmen zu hören, wüsste aber gern von Euch ob ihr tatsächlich mal versucht habt mit diesen Leuten zu reden...ich habe hier versucht mit einigen AfD - Sympathisanten zu reden...es geht nicht. Die leben in ihrer eigenen Wirklichkeit, es gibt kein Interesse an Information aber dafür unglaublich viel entgleisende Aggression. Was ich mir anhören dürfte mag ich hier nicht wiedergeben, es ging soweit dass meine linksversiffte „Hurenbrut“ bedroht wurde...“Angst“ hätte man vor den ganzen Ölaugen die sich in unserer Stadt bereichern und hier nur rumhängen...es war Samstag morgen, Markttag....kein einziger Flüchtling war zu sehen...war aber egal...Diskussion war nicht möglich.

    Nein, mit solchen Menschen kann man keinen Diskurs mehr führen. Solche Menschen sind für mich "verloren".

    Da sitzt der Hass so tief, den kann man nicht mehr auflösen.


    Ich weigere mich aber zu glauben, dass alle AFD-Wähler genauso denken.

    Dafür haben viel zu viele einen "Denkzettel nach berlin senden" wollen und aus Protest gewählzt.

    Dafür kenne ich zu viele Menschen. die einfach nur existenzsorgen haben, OHNE einer rechte Gesinnung zu haben.

    Und Midna2 s letzter Beitrag zeigt gut, wie auf jemandem, der ursprünglich den Flüchtlingen gegenüber offen und hilfsbereit war, eingedroschen wird, anstatt ihre echten Themen wahrzunehmen.


    ich lese die diskussion interessiert mit und finde es spannend. nur ich sehe das ganze auch aus einem anderen blickwinkel als ausländerin und mir stellt sich eine andere frage.

    das ja.

    aber wer kümmert sich um die menschen, die auf der offenen straße angepöbelt worden sind? wer kümmert sich um kinder und jugendliche mit migrationshintergrund, die in dieser gesellschaft leben und ständig diesen nachrichten ausgeliefert sind, in denen es im negativen sinne um sie geht. sie bekommen eine ablehnung mit, wenn auch nicht im alltag, wenn sie glück haben. meint ihr nicht, dass sie, wenn sie erwachsen sind und das dauert nicht lange, ebenso rebellieren?

    Du hast Recht, natürlich bedürfen auch alle diejenigen Schutz und Hilfe, die von rechts angegangen werden, massiv wie auch subtil.


    Voraussetzung dafür: Der ganze Bundestag inkl. der Kanzlerin sollte sich hinstellen und zugeben "Ja, wir haben ein Problem mit Rechtsextremismus".

    Anerkennen, was ist, die Realität benennen, ist die Voraussetzung für ein Umdenken, einen Politikwechsel, für echte Lösungen.


    Edit:

    Die BILD sollte gleich morgen titeln:

    Ja, Deutschland hat ein echtes, tiefgreifendes Rechtsextremismusproblem.

    Das wär ein Schritt in die richtige Richtung!


    Solange aber "Rechtsextremismus hier keinen Platz hat" und frustrierte Menschen als "Pack" beschimpft werden, wird schön weiter der Kopf in den Sand gesteckt. Solange, wie das der Fall ist, haben gewisse Leute es NICHT verstanden.

    Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - die drei Affen.

    Und das führt dann zum Erstarkten der AFD, als Sammelbecken derjenigen, die sonst nirgendwo Gehör finden.


    Es ist nicht einfach, aber es beginnt mit einem Dialog, mit Reden.

    Wendeverlierer (siehe den Thread hier "Ost und West"), Angst vor Benachteiligung, Geringschätzung von Bildung und Schule, unangemessene Sozialsysteme, pervers hohe Managergehälter, Priviatisierung von Gewinnen, aber Risikoverteilung auf die Bevölkerung - hier läuft so unendlich viel schief.


    Ein starkes Land wie unseres kann 2-3% rechte Idioten mittragen. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und solange jemand nicht gegen das Gesetz verstößt, kann er/sie sagen und tun, was er/sie will.

    Aber, wenn aus 2-3% nun 25 oder 30% werden, (30 scheint da eine neuralgische Zahl zu sein), dann läuft etwas gehörig schief.


    Mit wieviel % der Stimmen ist die NSDAP damals in den Reichstag eingezogen?

    Wieviele Menschen in den USA tragen Trumps Linie mit?

    Wieviele Menschen würden heute in Sachsen die AFD wählen?

    irgendwie sind 30% der Bevölkerung sehr stark beeinflussend im gesellschaftlichen Wandel bzw. Konsens.


    Muss jetzt arbeiten...


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von Annie ()

  • Ich finde das Alles sehr erschreckend. Wir wohnen in einer westdeutschen Kleinstadt. Hier gibt es recht viele Ausländer. Das Flüchtlingsheim ist bei uns in der Nähe (im Wohngebiet). In den Klassen meiner Kinder sitzen sicher zu 30-40% Migranten oder deren Kinder.

    Im Fussballverein haben sicher 70-80% der Kinder nichtdeutsche Eltern. Aber ich erlebe den Umgang miteinander als freundlich, harmonisch und fair. Egal ob die Mütter Kopftuch tragen oder nicht.

    Es ist erschreckend, was ihr berichtet!

    Das ist bei uns im Dorf ähnlich. Im Moment, vor ca 2 Jahren hatten wir aber eine Gruppe die hat hier alles aufgemischt. Sowohl Einheimische als auch die Migranten die schon vorher da waren haben echt 3 Kreuze gemacht als diese Gruppe verlegt wurde... tja irgendwo haben jetzt vermutlich andere das Problem.


    Und wenn man paar Kilometer weiter in die Stadt gehst, da gibt es nur noch Theater.


    Was ich gestern noch schreiben wollte, mir hat's nur irgendwie den Beitrag zerrissen, warum haben Menschen Angst die kaum Kontakt haben... weil sie nie die Erfahrung gemacht haben das es funktionieren kann. Die haben keine positiven Bilder vor dem Auge. Stattdessen lesen sie in der Zeitung immer wieder schreckliche Nachrichten, wen wundert's denn das sie das nicht so bei sich wollen?

    Wo steht denn mal was positives in der Zeitung? Da überschlagen sich die Horrorberichte, und dann wundern wir uns das die Menschen das glauben?

    Wo Furrina drauf steht ist in dem Fall Carrrie drin #evil


    und immer noch mit Chaosfamilie :D

  • Midna2 s Sorgen und Ängste kann ich deshalb ernst nehmen, weil sie real sind, auf einem echten Problem beruhen und ihre Lösung besonnen, überlegt und vor allem rechtsstaatlich ist. Es ist wichtig, dass solche Erfahrungen geteilt werden und noch wichtiger, dass daraus die richtigen Schritte von Seiten der Politik folgen (und da sind wir alle gefragt - wir als Bürgerinnen müssen Probleme benennen, aber nicht Parolen nachplappern).


    Bei den Menschen, die durch Chemnitz gezogen sind, tue ich mich enorm schwer, die Ängste ernst zu nehmen. Ich bin nämlich weiterhin überzeugt, dass ein grosser Teil dieser Leute nicht zu den "Abgehängten" gehört - sondern zu dieser Gruppe Menschen, die nur darauf gewartet haben, genügend Zuspruch zu bekommen und sich jetzt im Recht fühlen, ungestraft Verbrechen zu begehen.

    Ich glaube ehrlich nicht, dass bei denen die Strategie "mei, ihr armen Hascherln, ich verstehe es ja, aber so überreagieren darf man dann doch nicht" die richtige ist. Das gibt denen doch nur noch mehr das Gefühl das richtige zu tun.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ja, jede Woche kann man von einer Messerstecherei mit Beschreibung des Aussehens und/ oder Herkunft lesen. Das fällt schon auf, dass die Medien sich draufstürzen. Wenn man dann keinen direkten Kontakt hat... #angst

  • Bei den Menschen, die durch Chemnitz gezogen sind, tue ich mich enorm schwer, die Ängste ernst zu nehmen. Ich bin nämlich weiterhin überzeugt, dass ein grosser Teil dieser Leute nicht zu den "Abgehängten" gehört - sondern zu dieser Gruppe Menschen, die nur darauf gewartet haben, genügend Zuspruch zu bekommen und sich jetzt im Recht fühlen, ungestraft Verbrechen zu begehen.

    Die Menschen, die in Chemnitz randaliert haben, haben keine "Ängste" bzw. waren sie nicht wegen dieser "Ängste" auf der Straße. Das sind gewaltbereite, rechte Täter, die einfach auf Anlässe warten, ihre Gewalt möglichst unbedrängt auszuüben. Und dass die AfD das stützt, zeigt mal wieder, was das für eine braune Partei ist.

  • VivaLaVida zum Drömling: es war nicht Breiteiche, sondern das Restaurant mit den Wasserbüffel. Ich glaube, die heißen Herms. Liegt zwischen Ohre und Mittellandkanal in der Nähe einer Vogelbeobachtungsstation.

    Midna2 toll, dass du wieder in Diskussion einsteigst. Vielen Dank dafür.


    Ich werde wahrscheinlich erst heute Abend in Ruhe schreiben können, da ich mit den Kleinen hier zu Hause bis.


    Annie “pack“ sind für mich die pöbelnden Täter , die Gewaltverbrechen begehen. Denn die sind , ganz ehrlich, egal wie ich sie nenne, nicht gesprächsbereit.

    Nicht die alte Dame im Zug, die sich unsicher fühlt oder ihre Ängste ausspricht. Sonst unterschreibe ich bei Talpa . Und lese dann heute Abend in Ruhe nach.

    Liebe Grüße

    Sunny

    Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenn's nach mir geht tut sie es nicht!!! ( DBBDW)


    Es gruesst die Sunny mit der Hummel an der Hand, dem Möpsken im Arm und dem Sternchen im Herzen! #love


  • Ja, jetzt wo Midna das erläutert hat, verstehe ich sie auch.

    Aber wie du schreibst, die meisten vom Chemnitzer Mob wollten weder einem Getöteten gedenken, noch friedlich demonstrieren.



    Ja, jede Woche kann man von einer Messerstecherei mit Beschreibung des Aussehens und/ oder Herkunft lesen. Das fällt schon auf, dass die Medien sich draufstürzen. Wenn man dann keinen direkten Kontakt hat... #angst

    Und hier auch ja. Allen voran die Bild unter Julian Reichelt. Der spielt schon sehr lange mit dem Feuer...


    Aber auch ein Gauland, der irgendwann was faselte von wegen "Wir werden sie jagen. Wir werden unser Land und unser Volk zurückholen."

    Wenn man sowas sagt, passiert genau das.

  • Seit Hamburg glaube ich an eine Art Krawalltourismus. Es wird sich ein Vorwand gesucht, links oder rechts je nachdem, dann wird hingefahren, draufgekloppt, mit Polizisten angelegt, von den Medien draufgehalten, in der Politik ne Runde dazu diskutiert, dann bleibt alles wie immer, bis zum nächsten Mal. Frustrierend...

  • Danke fürs Aufdröseln! Genauso sehe ich das auch. (Und ich glaube, das war gestern Abend nicht allen so klar; Midna mit ihren realen und verständlichen Problemen ist in einen Thread "geplatzt", der die gewaltbereiten Chemnitzer Rechtsextremen zum Thema hatte, da konnte nicht gut umgeschwenkt werden, war mein Eindruck.)

    And we're still here
    All together and all alone
    Consumed with fear
    That one day we'll discover
    How empty we've become

  • Meine Güte seid ihr schnell. Ich komm gar nicht hinterher....

    Viele besorgte Bürger sind in Wahrheit nicht besorgt, darüber, was aus unserer Gesellschaft wird, sondern sie werden umgetrieben von der Sorge, dass auch sie irgendwann einfach auf der Verliererseite dieses Systems stehen könnten. Arbeitsplätze in Ostdeutschland, in den 90er Jahren und Anfang der 2000er noch günstig für deutsche Unternehmen. Inzwischen sind viele Abgewandert in andere Ostblock-Staaten, weil die "Produktionsbedingungen" da günstiger sind.

    So lange wir zu lassen, das Arme gegen Ärmste ausgespielt werden und sich diese Gruppen gegenseitig beharken, gehen leider viele Bemühungen ins Leere.

    Ich finde das einen ganz wichtigen Beitrag. Mich wundert es, dass die Gesellschaft den Abbau von Sozialmaßnahmen so mitträgt und mich wundert es auch, dass Zusagen, wie "es gibt ja Arbeit, wieso ziehen die Leute nicht um?" auch hier im Forum so breite Anerkennung finden:

    Ich verstehe auch nicht, wie es sein kann, dass so viele Arbeitsstellen unbesetzt sind, wenn es doch noch viel mehr Arbeitslose (ich schreibe absichtlich nicht Suchende) gibt. Ich erlebe hier, dass wer wirklich sucht, auch findet. Nun lebe ich aber nicht in Ostdeutschland sondern im Südwesten.


    Ist es denn immer noch so schwierig, dort was zu finden. Und warum zieht man dann nicht um?

    Ich finde das ganz einfach: Du bist in Posemuckel aufgewachsen, vielleicht zur Ausbildung woanders gewesen, dann kommst du zurück und baust dir ein Haus. Und dann findest du keine Arbeit. Würdest du wirklich verlangen, dass alle Leute dann der Arbeit hinterher ziehen? Dass Familien auseinander gerissen werden, weil der Vater hier und die Mutter da Arbeit hat? Dass Familienanbindungen zerreißen, weil das Kind am Arbeitsort in die Kita muss, obwohl Oma es betreuen würde - nur leider noch in Posemuckel wohnt? Wollen wir wirklich, dass man sich nicht mehr aussuchen kann, wo man lebt? was das weltweit auslöst, sehen wir ja. Aber auch lokal hat die Landflucht ihre Probleme: In den Städten wird es enger, die Mieten steigen, der ÖPNV kann die Unmengen an Leuten nicht mehr fassen. Ist es wirklich das, was wir wollen?

    Ich nicht. Ich hätte gern, dass die Menschen an jedem Ort in D gut leben und arbeiten können. Dass es an jedem Ort die passende Infrastruktur und die passenden Jobs gibt. Natürlich muss man Kompromisse machen. Aber ich habe Verwandtschaft in Meck Pom und Brandenburg. Da geht es nicht um Kompromisse oder Ponyhof. Da geht es darum, ob es überhaupt irgend einen Job gibt, von dem man leben kann. Und ja, ich finde das nicht fair. Die Konzentration von Jobs in Ballungszentren hat so viele Nachteile, dass der Staat da gegensteuern muss!


    Statt "I'm the least racist person you've ever met!", also wirklich die Selbsterkenntnis: "Eine Gruppe Araber auf der dunklen Straße macht mich nervöser als eine Gruppe Skandinavier", und dann die Reflexion darüber, warum das wohl so ist.


    Und warum dann nicht darüber reden? Besser kommt man doch nicht zu einem Verständnis und damit der Möglichkeit der Veränderung.

    Dem stimme ich zu. Auch ich ertappe mich dabei, wie ich bestimmten Bevölkerungsgruppen rein aufgrund ihres Äußeren misstraue.

    Mit meiner Tochter wird gar nichts passieren, denn ich habe es mit großem Aufwand verhindert das sie in diese Klasse kommt, und nehme jetzt in Kauf jeden Morgen eine halbe Stunde zu fahren.

    Ich stelle dir eine Gegenfrage. Würdest du so einen Start in die Grundschule für dein Kind wollen?

    Ich nicht. Aus diesen Grund kamen für uns auch gewisse Kieze als Wohnort nicht in Frage. Und das ist nicht so, weil ich Muslime an sich doof finde, sondern weil ich mit Intoleranz und aggressivem Verhalten schwer leben kann. Ich habe meine Tochter auch nicht an die Schule geschickt, in der bekannt ist, dass viele Eltern der Kinder rechts sind. Das ist auch Vorurteil, weil ich ja nicht alle Kinder und Eltern kenne, aber es ist auch Sorge um mein Kind. Wir haben auch lieber eine längere Fahrt in Kauf genommen (aber wollten eben auch klar eine andere Schulform).

    Und: Mich wundert es immer wieder, wie wenig Berührung ich im Alltag mit Migranten habe. Beruflich habe ich mit welchen zu tun, aber meine privaten Freundschaften sind trotz aller Offenheit fast rein biodeutsch. Und ich frage mich immer wieder: wieso? Selbst bei den bikulturellen FreundInnen meiner Kinder habe ich nur mit den jeweiligen deutschstämmigen Müttern Kontakt - die Väter sind nicht präsent.

    Hm. Nein, es gibt nicht genügend Arbeitsplätze. Da kann man noch soviel umherziehen - was es viel mehr als früher gibt, sind atypische Beschäftigungsverhältnisse, von denen man oft seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Das Lohnniveau dümpelt vor sich hin. Durch Hartz 4 hat sich der Druck auf Arbeitslose und Aufstocker unerträglich erhöht. Aufstocker in dieser massenhaften Form sind ebenfalls neu. Dazu steigende Mieten - ja, ich kann nachvollziehen, warum sich Menschen in ihrer Existenz bedroht fühlen.

    Ja, ich finde das enorm wichtig. Mich machen solche Aussagen wie deine, Ringelblume, traurig und wütend:

    Vollmond also wer etwas von seinem beruf versteht und nicht darauf besteht 100% dasselbe zu machen, wie gelernt wurde, der findet auch hier im niemandsland arbeit. natürlich ist die bezahlung im gegensatz zu Bawü erniedrigend (was auch zum frust der sachsen beiträgt!) - aber im großen und ganzen akzeptabel (zumal die lebenshaltungskosten geringer sind, unser mietspiegel liegt bei 5-7 euro pro quadratmeter) wie es woanders aussieht, weiß ich nicht.

    Ich habe hier in meiner Umgebung hochqualifizierte Leute, promoviert und zum Umstieg bereit, die sich von Kurzzeitjob zu Kurzzeitjob hangeln. In der Großstadt! Ich arbeite mit Menschen, die aufgrund psychischer Probleme nicht in die Gesellschaft passen - und denen diese nichts anzubieten hat. Nichts. Außer Hartz IV, aber meinst du, das macht sie glücklich? Abgehängt fühlen sie sie, unnütz. Dabei hätten sie doch noch so viel zu geben! Mich ärgert es immer wieder enorm, dass man entweder 130% leisten muss, oder man fliegt raus. Es ist eine Verschwendung von Potential, denn natürlich kann der depressive Klempner und die angstgestörte Kommunikationskauffrau etwas einbringen und leisten. Wenn man sie denn ließe!

    also auch ich bin besorgt und kann meine ängste kann ich klar benennen und die ruhen auf tatsachen. wer kümmert sich um mich???? um meine kinder? um meinen ausländisch aussehenden mann? dabei leben wir lange und glücklich hier, komplett auf unseren beinen, ohne jemals (bis jetzt) staatliche hilfe bekommen zu haben.

    fibula, dein Beitrag hat mich sehr berührt. Und mir einen blinden Fleck in meiner Wahrnehmung deutlich gemacht, und das, obwohl ich mich so viel mit Rassismus und Angst usw beschäftige. Denn natürlich ist es eine Katastrophe, dass so viele Leute Angst haben müssen, bloß weil sie nicht biodeutsch aussehen. Mal wieder wird so viel über die Täter geschrieben und gewettert, aber die Opfer geraten aus dem Blick...

  • Nur kurz zu "jeder findet Arbeit"; wir haben in unserem Geschäft immer wieder Menschen, die stundenweise für uns arbeiten, weil sie auf dem normalen Arbeitsmarkt nichts finden oder von dem Einkommen, dass sie generieren nicht leben können.


    Ich habe das Gefühl, dass es mehr Menschen werden, die so durch die Maschen fallen und dass es eben immer weniger Arbeitsmöglichkeiten wie bei uns gibt. (Da wir ein Familienbetrieb sind, sind die Menschen, die bei uns arbeiten, an den Familienesstisch integriert, was bisher immer sehr geschätzt wurde)


    Die Hauptprobleme waren meist, das Alter, das Alter, das Alter, psychische Probleme, keine oder ein zu spezifische Ausbildung, die ihren Wert verloren hat, Suchtprobleme, Brüche im Lebenslauf.


    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Die Hauptprobleme waren meist, das Alter, das Alter, das Alter, psychische Probleme, keine oder ein zu spezifische Ausbildung, die ihren Wert verloren hat, Suchtprobleme, Brüche im Lebenslauf.


    Jepp. Ergänzend dazu: Kinder, Kinder, Kinder, zu hoher Abschluss, zuwenig Berufserfahrung, und wenn man die hat, muss man trotzdem JUNG sein. #hammer


    Zu dem Wegziehen aus Ostdeutschland, machen schon viele, hatte viele im Studium und die wollten auch nicht zurück, besonders Frauen. Die sahen dort bei Niedriglohn und nicht so gebildeten Männern, ihre Worte, nicht die Zukunft für sich. ( Jenseits der großen Städte! Dresden, Leipzig, Berlin wurden da immer ausgeklammert).

  • finde ich sehr wichtig, die beiden beiträge von daroan und tulan und die darin zitierten.


    und traurig, wie wenig all diese themen in den zusammenhang gesetzt werden mit dem fürchterlichen rechtsruck in den USA, europa usw.


    es geht ja nicht nur um leute, denen es objektiv bereits jetzt schlecht geht (weil so oft argumentiert wird, dass die, die dort rumbrüllen, gar nicht "arm" seien), sondern auch um die, die sich der globalen entwicklung hilflos ausgesetzt fühlen und den eindruck haben, in zukunft betroffen zu sein.


    übrigens in allen ländern, die die sozialen schieflagen nicht angehen und das sind fast alle.


    das ist kein deutsches problem und es betrifft auch in deutschland selbstverständlich an erster stelle migranten, die sich dann eventuell auf andere art "wehren" im sozialdarwinistischen setting als dumpfe deutsche.

  • der globalen entwicklung hilflos ausgesetzt fühlen und den eindruck haben, in zukunft betroffen zu sein

    Ja, manchmal fühle ich mich auch hilflos der globalen Entwicklung hilflos ausgesetzt und ich bin mir ziemlich sicher, dass Zeiten kommen werden, die mich das persönlich auch noch stärker treffen werden. Ich mache mir oft auch Sorgen um die Zukunft meiner Kinder.


    Ich versuche einfach andere Wege zu finden, damit umzugehen.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)




  • *********************************DANKE!*********************************************




    es ist zuäußerst menschenverachtend, umzüge nach pusematuckel zu fordern, "der arbeit" hinterher (und weg von der familie, den freunden, dem umfeld, wo man sich wohl fühlt...), oder gar zu behaupten, es sei annähernd genug "arbeit" für alle da. "arbeit" ist darüber hinaus für den eimer, wenn sie nicht so bezahlt wird, dass man IM SCHNITT DER GESELLSCHAFT bleiben und umgebungsangemessen (!!!!!!) würdig leben kann.

    das, was in einer sehr armen, sich entwickelnden region umgebungsangemessen ist, ist NICHT hier umgebungsangemessen. also "dach überm kopf, essen täglich und 2 garnituren kleidung" reichen da nicht. und nein, ich will auch nicht, dass es dazu kommt, dass eine urlaubsreise im jahr nicht mehr angemessen ist.



    _natürlich_ möchte niemand aus diesem raster rausfallen und _natürlich_ sorgen sich die menschen um ihr ganz persönliches auskommen, ihr gemütliches leben. natürlich will keiner von seinem kleinen bis mittleren wohlstand abgeben. mit völligem recht! die gründe dafür werden nur in den falschen ecken gesucht, das ganze wird wie von VivaLaVida eindrucksvoll dokumentiert medial begleitet und gesteuert.



    und ich behaupte mal, den marktradikalen, neoliberalen kräften (deren sprachrohr die "afd" mehr ist, als es die "fdp" je sein könnte), ist es absolut recht, dass die kleinen und dummen aufeinander eindreschen und sich das rechte gekröse die unzufriedenen, bequemen, besorgten und etwas minderbemittelten schnappt und auf "die ausländer" oder "die asylanten" als feinde einschwört. wenn das nicht sogar absichtlich so orchestriert wird (!).




    das, was Midna2 hier geschildert hat, hat damit übrigens nur peripher zu tun. und wir haben hier im ruhrgebiet wirklich spezielle verhältnisse, die man nicht mit nackten zahlen abbilden kann.

    das hat nur am rand mit den flüchtlingen bzw. der situation nach 2014 zu tun, die basis für diese probleme wurde schon wesentlich früher gelegt. mit der folge, dass es hier tatsächlich no-go-areas gibt.

    man hat zu lange die augen vor den entwicklungen verschlossen und so getan, als würden sich alle migrierten und deren nachkommen entweder wieder zurückziehen oder von selbst integrieren. viele haben das getan (insbesondere z.b. menschen mit koreanischstämmigem hintergrund, aber auch die heerscharen von menschen mit polnischstämmigem hintergrund). viele haben das NICHT getan. und, da bin ich mit Vollmond nicht einverstanden, das lag NICHT nur daran, dass sie "als gastarbeiter gut genug waren, aber ansonsten ausgeschlossen wurden". hier fürs ruhrgebiet stimmt das schon mal weniger, da gab es im kleinen immer recht schnell die hart-aber-herzlich-integration. das ist keine einbahnstraße. und ich meine auch, dass langfristig integration über einen erheblichen anteil assimilation laufen MUSS, sonst funktioniert es nicht und wir haben die "stolzen libanesen", die sich nun in dortmund nord mit den rumänischen rotlicht-und-drogen-clanbossen auseinandersetzen.





    was die debatte betrifft, so fürchte ich, muss man sich wirklich entscheiden momentan, wogegen man öffentlich spricht


    a) die stolzen libanesen und ähnliche probleme

    b) das nazigekröse und die damit zusammenhängenden.


    es gibt keine funktionierende mitte. überall dort, wo "gemäßigte" positionen beansprucht werden, gibt es doch tabus, die wieder das lager sehr klar definieren. du kannst dir im gegen-nazi-block nicht erlauben, mit "ichbinkeinnaziaber" zu kommen. es funktioniert nicht.


    du kannst öffentlich den mund halten - oder dich auf eine seite stellen und mit der anderen fetzen. auch dies ist ein problem. denn beide problemkreise machen nicht voreinander halt. frauen z.b., aber auch lesben und schwule können zwischen scheiße und kacke wählen. was las ich kürzlich von einem schwulen afd-sympathisanten, der chemnitz rechtfertigend begrüßte, als viele kommentare ihn darauf aufmerksam machten, dass er wahnsinnig sein müsse, wenn er sich als schwuler der afd andiene? er schrieb "was solls, von den glatzen werde ich wenigstens nur beleidigt, die messerratten haben mich schon im park überfallen und hier drohen sie mir auch mit gewalt".




    gewinnen werden nur die "leistungsträger"-arschbonzen, die sich feist weglachen, und ihre chargen in den mittleren und unteren mittleren riegen.

    die halten sich fein raus aus allem, wenn man sich das mal so vors geistige auge ruft.



    lg patrick

  • Noch mal zum Umziehen wegen der Arbeit...

    Die Frage ist ja, gibt es da wo es Arbeit gibt Wohnraum?

    Was macht es mit Menschen die erstmal ohne soziales Umfeld dastehen?

    Ist die Arbeit dann sicher oder steht irgendwann mal wieder ein Umzug an?

    Wo Furrina drauf steht ist in dem Fall Carrrie drin #evil


    und immer noch mit Chaosfamilie :D