AfD: KEINE Alternative

  • Annie ich denke, es ist schwierig, sich auf Grund von Äußerungen im Internet ein Bild darüber zu machen, wie jeder einzelne im Privatleben zu dem Thema argumentiert.

    Ich nehme mir zumindest nicht an, dass ich dem Thema ignorant gegenüber stehe und kein Interesse an der Entwicklung habe.

    Ich hab aber was gegen eine Veranstaltung, die sich gegen rechts positioniert und dann permanent linke Parolen brüllt und die Antifa für ihren Einsatz lobt. Es gibt auch noch was zwischen links und rechts und das kommt mir in der ganzen Darstellung zu kurz...

  • Annie, kannst du dir vorstellen, dass es verdammt schwer ist, immer und immer und immer wieder den gleichen gleichgeschalteten Blödsinn zu lesen/hören? Und oft ist da wirklich keinerlei Bemühen des Gegenübers zu sehen, die sachlichen Argumente und Beweise auch nur für ein Sekündchen näher anzusehen.

    Wie lange, denkst du, kann man das durchhalten, wenn es nicht um liebgewordene Menschen geht?

    Ich brauch immer wieder Twitterpausen, weil das so unglaublich an die Substanz geht, dieser unglaubliche Hass, diese dermaßen verqueren Verschwörungstheorien.


    In meinem Arbeitsumfeld hab ich Menschen, die ich eigentlich mag, mit denen ich aber bewusst nicht mehr diskutiere, wenn es um Flüchtlinge und Migration geht.

    „Abstand ist Ausdruck für Fürsorge.“

  • Für einen kurzen Moment einmal angenommen, die einzige Chance, eine AFD-Regierung und ein neues Faschistenzeitalter in Deutschland zu verhindern, wäre die konkrete Analyse und Beantwortung der Frage, was Menschen in die Fänge der AFD treibt, würdet Ihr Euch damit auseinander setzen, um sie zu beantworten?



    Wenn das das wirklich die absolut einzige Chance wäre, würdet ihr sie wirklich ignorant wegwerfen?


    Wie können gerade die reflektierenden und differenzierenden Raben kein Interesse daran haben, in die echten Zusammenhänge einer Entwicklung einzusteigen, die unser Land akut zu bedrohen scheint?

    Ich überlege mal kurz, ob ich eingeschnappt sein soll, dass du mich nicht mit markiert hast ;) .


    Also der Punkt ist: Das ist eine sehr theoretische Frage. Selbstverständlich macht es Sinn, sich über die Ursachen des Aufstiegs der AfD Gedanken zu machen. Aber das ist nichts, was man mit einzelnen Mitläufern diskutieren müsste oder könnte.


    Kleine Gedankenpause. Jegliche Zusammenhang zwischen dem obigen und dem folgenden Absatz sind rein zufällig.


    Faschistische Bewegungen zeichnen sich gerade nicht dadurch aus, das die Mitglieder sich durch Diskussionen von irgendwas überzeugen lassen. Solange man mit Diskutieren was erreichen kann, sind es (noch) keine Faschisten, sobald man es mit Faschisten zu tun hat, kann man sich das Diskuteren sparen.


    Ist das eine Erklärung, mit der du was anfangen kannst, Annie ?

    Im Übrigen müssen wir die fossilen Energieträger im Boden lassen.



    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Was halten eigentlich diejenigen unter euch, die der Rapper vorhin genervt hat, von Feine Sahne Fischfilet?

    Im Übrigen müssen wir die fossilen Energieträger im Boden lassen.



    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Ich hab aber was gegen eine Veranstaltung, die sich gegen rechts positioniert und dann permanent linke Parolen brüllt und die Antifa für ihren Einsatz lobt. Es gibt auch noch was zwischen links und rechts und das kommt mir in der ganzen Darstellung zu kurz...

    Du kannst es jetzt aber der Linken nicht vorwerfen, dass „die Mitte der Gesellschaft“ so eine Veranstaltung nicht auf die Reihe gekriegt hat.


    Es erfordert schon ordentlich Mut oder Dreistigkeit, direkt dahin zu gehen, wo immer wieder marodierende Nazi-Banden durch die Gegend ziehen, nicht wirklich reguliert von der Polizei, weil diese kaputtgespart und vielleicht auch teilweise auf dem rechten Auge blind ist. Dass man dort eine Veranstaltung dagegen nur unter Beteiligung der Antifa organisiert kriegt, dürfte ja wohl unmittelbar einsichtig sein, oder?

    Im Übrigen müssen wir die fossilen Energieträger im Boden lassen.



    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Ich verstehe dich nicht Annie . Nur weil ich möchte, dass gegen Nazis offiziell etwas unternommen wird, dass der Staat, also Regierung , Polizei etc klar gegen sie Stellung beziehen, nur weil ich möchte, dass Nazis klar wird, ihre menschenverachtende Haltung hat hier keinen Platz und das wir das nicht wollen, deshalb würde ich mir keine Gedanken über die Unstände machen, wie es z bsp zum Erstarken der AFD kommt etc. Doch mache ich. Sind aber für mich zwei Paar Stiefel.

    Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenn's nach mir geht tut sie es nicht!!! ( DBBDW)


    Es gruesst die Sunny mit der Hummel an der Hand, dem Möpsken im Arm und dem Sternchen im Herzen! #love

  • Ich hab aber was gegen eine Veranstaltung, die sich gegen rechts positioniert und dann permanent linke Parolen brüllt und die Antifa für ihren Einsatz lobt. Es gibt auch noch was zwischen links und rechts und das kommt mir in der ganzen Darstellung zu kurz...

    Du kannst es jetzt aber der Linken nicht vorwerfen, dass „die Mitte der Gesellschaft“ so eine Veranstaltung nicht auf die Reihe gekriegt hat.


    Es erfordert schon ordentlich Mut oder Dreistigkeit, direkt dahin zu gehen, wo immer wieder marodierende Nazi-Banden durch die Gegend ziehen, nicht wirklich reguliert von der Polizei, weil diese kaputtgespart und vielleicht auch teilweise auf dem rechten Auge blind ist. Dass man dort eine Veranstaltung dagegen nur unter Beteiligung der Antifa organisiert kriegt, dürfte ja wohl unmittelbar einsichtig sein, oder?

    ich werfe niemandem etwas vor, aber ich darf ja wohl meine Meinung dazu haben, dass man linke Parolen gegen Rechts brüllt.


    Davon abgesehen möchte ich mich davon distanzieren, dass in Chemnitz "immer wieder marodierende Nazi-Bänden durch die Gegend ziehen", diese Darstellung ist genauso falsch, wie die Darstellung der Medien, dass an jeder Ecke junge Männer mit Migrationshintergrund stehen und darauf lauern, Frauen zu vergewaltigen.

  • Zum Dialog mit den Rechten, Erklärungen ("Erklärung" ungleich Rechtfertigung, "ist ok" oder "naja, Sozialisation halt; er/sie konnte nicht anders") für noch so bescheuerte Aktionen suchen:


    - in der Sozialpsychologie werden Gruppenprozesse untersucht, um zu schauen, wie man schlimme Handlungen von Gruppen erklären kann: um dann zu verhindern, das soetwas auftritt; Deeskalation und Prävention (Inter-/Intragruppenprozesse inklusive Kontakthypothese und co) --> für mich ist es daher IMMER wichtig, Verhalten erklären zu können.

    Manchmal ist es tatsächlich nicht mal eben so einfach wegzugehen und sich von einer Gruppe zu distanzieren. Deswegen wird es trotzdem nicht richtiger.


    - In Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingsstatus wird häufig auch gewalttätiges Verhalten erklärt mit Sozialisation (also auf linker politischer Seite; ganz rechts wird gar nicht erklärt, sondern nach Abschiebung oder körperlicher Bestrafung bis zum Äußersten gekräht). Selbst Morde. Und das ist richtig so. Dennoch wandern Personen, die Verbrechen begehen, ins Gefängnis.

    Gleiches Prozedere sollte auch für Menschen rechter Gesinnung gelten, finde ich.


    Erklärung von Verhalten/Handlung schließt Rechtsstaatlichleit nicht aus. Ganz im Gegenteil, es macht den Rechtsstaat für mich besser.


    Mir geht es nicht so sehr darum, mit jedem AfDler gleich/ungleich NeoNazi zu reden. Es geht mir darum zu ergründen, warum... und Menschen, die in Gefahr sind rüberzuschwappen, zurückzureißen. Aber zweiteres ist schwer, wenn nicht vergebene Liebesmüh.

    Noch wichtiger ist: neue Generationen nicht auch zu rechten Tätern oder Mitläufern zu machen/werden zu lassen.

    DAFÜR brauche ich aber die Erklärungen, warum es dieses enorm verbreitete und teilweise extreme Gedankengut in einigen Menschen gibt.

    Hier im Thread gibt es bereits einige gute (mögliche) Erklärungen. Plus die bekannten psychol. Gruppenprozesse und weitere Erklärungen: vielleicht gibt es dann auch Lösungen?! Nicht für jetzt vielleicht, aber für später.


    Ich verstehe jeden, der nicht mehr mit rechten Personen reden kann. Desillusion, zu viel anderes im Leben, oder völliges Unverständnis.

    Ich finde Diskussionen schon mit meinem Vater schwer und der hat letztlich doch nicht AfD gewählt.


    Alles etwas wirr, ich krieg mich wegen des Babys nicht so gut geordnet. Vielleicht versteht jemand, was ich meine.

  • BeautyOfMars Nenn es wie du willst. Fakt ist, dass es Leute innerhalb und außerhalb von Chemnitz gibt, die im Augenblick vor den Neonazis Angst haben, die sich in Chemnitz aufhalten.


    Und in dieser Atmosphäre eine derartige Großveranstaltung gegen diese Neonazis zu organisieren, ist eine ordentliche Leistung, finde ich. Dafür darf man sich dann auch gegenseitig von der Bühne aus loben, auch wenn man Teil der Anitifa ist, finde ich.

    Im Übrigen müssen wir die fossilen Energieträger im Boden lassen.



    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Annie auch ich bin ja der dringenden Ansicht, das wer unter brauner Flagge marschiert auch braun ist. Ich finde aber auch tatsächlich dass die Frage warum wählen die Leute AfD (ich habe mir gerade das Buch „Inside AfD“ bestellt) gleichrangig mit dem direkten Angehen dieser Progrome angegangen werden muss. Ich finde das Ganze ist ein bisschen-man verzeihe mir die Platte Metapher-wie mit heftigen Kopfschmerzen, wenn die erst mal da sind muss ich als erstes das Symptom bekämpfen und dann kann ich mich um die Ursachen kümmern... wir haben die Sache so lange „laufen“ lassen, dass wir jetzt erst mal was „tun“ müssen und dazu gehören klare Worte und Den Menschen den Spiegel vor zu halten, dazu gehören Gegenveranstaltungen, Konzerte, laut sein und auf stehen und v.a. auch zu benennen, dass wer mit Nazis marschiert sich eben auch vorwerfen lassen muss einer zu sein. Da MÜSSEN wir deutlich sein! Finde ich.


    Ansonsten schicke ich Dir Annie morgen eine pn ich muss jetzt Bubu machen, war gerade beim Sport und bin groggy.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • ich weiß nicht, ob du hier noch mitliest, annie. aber ich glaube, hier gibt es ein großes mißverständnis. hier hat doch wohl niemand was dagegen, sich mit den ursachen für das erstarken rechter ideologien zu befassen und die gründe zu untersuchen, um etwas dagegen zu tun. genau darum geht es doch hier auch.


    zum konzert: wir haben es hier gemeinsam angeschaut, zwischendurch leise geschaltet und zu abend gegessen und bei den toten hosen wieder aufgedreht. e. ist bei "wünsch dir was" eingeschlafen. j. hat uns eltern mit fragen gelöchert (z.b. wieso der adler auf dem schlagzeug keine federn hat, was genau ein nazi ist und was ein punk und was ein rapper), hat "unter den wolken" zeile für zeile mitgesungen und will später mal "auch so eine coole tote hose werden". mein mannund ich haben uns gefreut über diese vielen jungen leute da. die statements waren platt, die parolen auch, klar, so ist das halt. die differenzierten analysen haben anderswo platz.


    ich denke, beides ist wichtig. reflektieren, nach den ursachen schauen, diskutieren. UND klare kante zeigen und sich auch mal auf die schulter klopfen.

  • Barbara hat ja Helene Fischer gefragt, ob sie auch ein Konzert macht.


    Oder Tim Bendzko?? ... ect.


    Das wäre vll die Mitte dann....


    Die machen ja auch nichts, die sitzen auch still rum. Sry.

  • Ich bin ja sehr für's Flagge zeigen und wollt mir das eigentlich auch anhören. Aber als ich gegen 18 Uhr eingeschaltet habe, fand ich die Musik einfach nicht so nett bzw. sehr anstrengend. Auch wollte ich keinen Leuten zusehen, die sich gegenseitig anrempeln, das konnte ich noch nie leiden. Und ja, obwohl ich absolut dafür bin, dass so viele wie möglich gemeinsam gegen diesen Hass aufstehen müssen, es stört mich trotzdem, wenn die Antifa dabei ist, einfach, weil die mir auch oft zu heftig und hasserfüllt sind.

    Zu diesen Demos parallel zum Konzert habe ich genau NULL im Internet gefunden. Im Real Life auch nix. Gab wohl auch nix. Jedenfalls nicht in unserer Nähe. Aber bei nächster Gelegenheit werde ich mit demonstrieren, wenn es bei uns etwas gibt.

  • Ihr dürft aber nicht vergessen, es gibt nicht DIE Antifa, am besten noch Antifa e.V. #angst Das ist ein Mythos. Ebenso wie das legendäre Demogeld :D

    Auch unter den Antifagruppierungen gibt es mit Sicherheit solche und solche.


    Und warum sollte die Antifa nicht eben falls eine Bühne bekommen? Die Nazi bekommen die doch auch #weissnicht


    Linke Gewalt ist nicht schlimmer als rechte Gewalt. Gewalt ist immer scheiße.

    „Abstand ist Ausdruck für Fürsorge.“

  • Ich finde es ganz wichtig, immer wieder zu betonen, dass das Ganz keine Frage zwischen links und ich sag mal bürgerlich-konservativ ist (bzw. sein sollte). Und ich finde es sehr sehr bedauerlich, dass aus eher bürgerlicher Ecke so wenig kommt. Gegen Faschismus zu sein, sollte kein „linkes Anliegen“ sein. Was in Chemniz geschehen ist, widerspricht allem was unsere Demokratie ausmacht. Ich bin auch keine überzeugte Anhängerin der Antifa, aber ich bin froh, dass irgendwer diesen „wie sind mehr“ Gedanken lauthals verteidigt.

  • Kiwi, da bin ich jetzt aber erleichtert. Vermutlich meinen einige andere es auch so wie du. casa, du schreibst das jetzt auch, aber bei dir hatte ich das glaube ich auch vorher schon so verstanden.


    Aber ich hatte die Tendenzen hier im Strang bisher auch so wie Annie und LillyLilium wahrgenommen: Dass es viele gibt, die der Meinung sind, wer sich bei so einer Demo mit echten Rechtsradikalen zusammen sehen lässt, der ist selber so braun, da interessieren die Gründe, die ihn dazu bringen, bei sowas mitzumachen nicht.


    Und außerdem schien es mir, dass manche glaubten, das Verstehenwollen von Motivation/Hintergründen, bei so etwas mitzumachen, sei gleichbedeutend damit, dass Rechtsverstöße nicht geahndet werden sollen und ihr Unverständnis darüber ausgedrückt, dass man H.Gruß, Verletzen von anderen usw. den Rechtsradikalen scheinbar durchgehen lassen wolle.


    Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt:


    Mal angenommen, die 25% (oder welche Zahl auch immer als realistisch betrachtet wird) potenzieller AfD-Wähler haben tatsächlich eine lange gehegte braune Gesinnung und freuen sich, die jetzt ungehemmt auszuleben. Was dann? Einsperren? Wahlrecht entziehen? In Foren drüber herziehen? Mir wäre jedenfalls auch in diesem Fall daran gelegen zu versuchen, einen Weg zu finden, diese Leute zu erreichen und zumindest einen Teil umzustimmen. Was könnte da helfen? Gelebte Demokratie? Positive Erfahrungen mit "bunter" Gesellschaft? Wie kriegt man beides an die Leute? Oder muss man vor den jetzigen kapitulieren und sich auf die nächste Generation konzentrieren?


    Oder angenommen, von den 25% ist ein Teil eigentlich gar nicht so braun, sondern sie sehen die AfD "nur" als eine gute Möglichkeit, ihren Unmut auszudrücken und auf Änderung zu hoffen (das ist das, was ich eher glaube). Auch dann interessieren mich die Hintergründe und ebenfalls die Maßnahmen, die man sich vielleicht vorstellen kann, um diesen Menschen einen anderen Protest-Kanal zu geben, oder sie zufriedener zu machen (und zusätzlich die oben genannten Fragen für die unterschwellig braunen).


    Da kann es doch nicht reichen, einfach zu sagen: Euer Verhalten (Gewalttäter und Mitläufer) ist indiskutabel, meine Verständnisgrenze ist überschritten und fertig.


    Ähnliches haben außer Annie und LillyLilium glaube ich auch noch ein paar andere geschrieben, sonst wäre ich wohl so verzweifelt wie Annie.


    Wenn ihr/wir eigentlich sagen wollen: Erst den Brand löschen, dann die Ursachen angehen - dann sind wir da zumindest für mich voll auf einer Linie.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

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