AfD: KEINE Alternative

  • Privat ist das noch einmal eine andere Sache, aber beruflich in einer Talkshow aufzutreten, ist einfach was anderes. Und da finde ich es nicht okay, jemandem eine angemessene Begrüßung zu verweigern - egal ob es ist, weil der/diejenige eine andere Meinung hat oder weil sie Muslima ist oder was auch immer. Ich respektiere erst einmal jede/n - was aber natürlich nicht heißt, dass ich alle Meinungen unwidersprochen stehenlasse.

    Das ist definitiv eine Herangehensweise...allerdings habe ich da so meine Probleme, ich finde es bereits problematisch bet. Leuten in einer Talkshow ein Forum zu geben. Ich erinnere noch recht genau einen der ersten Talkshowauftritte von Höcke bei Jauch und mein Entsetzen das ihn niemand des Raumes verwies, nachdem er erst die Deutschlandflagge auspackte und sich dann absolut geschichtsrelativierend äusserte...ich war und bin der Meinung, dass es ein eklatanter Fehler war solchen Leuten ein öffentliches Forum zu bieten und das genau das dazu geführt hat das -auch verbale rote Lininen immer weiter nach hinten verschoben wurden und der Verrohung der Sprache und das verschieben in die nazionalsozialistische Terminologie erst ermöglicht hat.


    Eva Herrmann ist -zurecht- Jahre vorher für ganz andere Dinge aus der Talkshow geflogen.


    Und ich würde da auch differenzieren. jemandem wie Höcke würde ich den Handschlag durchaus verweigern. Ich mache das weder an der Meinung noch an der Religion fest, sondern immer an der Person, sprich der Kombination aus Person, Ansicht und Radikalität.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Das ist definitiv eine Herangehensweise...allerdings habe ich da so meine Probleme, ich finde es bereits problematisch bet. Leuten in einer Talkshow ein Forum zu geben. Ich erinnere noch recht genau einen der ersten Talkshowauftritte von Höcke bei Jauch und mein Entsetzen das ihn niemand des Raumes verwies, nachdem er erst die Deutschlandflagge auspackte und sich dann absolut geschichtsrelativierend äusserte...ich war und bin der Meinung, dass es ein eklatanter Fehler war solchen Leuten ein öffentliches Forum zu bieten

    Das glaube ich durchaus auch. Ich würde als Talkshowmoderatorin da auch immer wieder moderierend eingreifen und denjenigen, wenn er sich nicht beherrschen kann, rauswerfen. Aber zur Begrüßung bekommt er trotzdem erstmal meine Hand.

  • Da bin ich glaube ich stumpf deutlich intoleranter als Du tulan , was keine Kritik an Dir sein soll. Ich könnte da nicht über meinen Schatten springen!

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Ich habe mal an der Frage rumüberlegt. Ich glaube durch meine Erziehung würde ich wohl auch die Hand geben (macht Frau so) , ABER nicht Höcke. Der ist für mich der ganz dunkelbraune Bodensatz. Da würde sich alles in mir sträuben.

  • Och, Hand geben, grinsen und "Arschloch" denken.

    Das mach ich sooooo oft beruflich :D

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul

  • Die Frage ist halt: mache ich das beruflich und "Höflichkeit" gehört halt dazu oder mache ich das beruflich und dazu gehört das Bild, das ich nach aussen gebe.

    Und nein, unter keinen Umständen möchte ich die sein, die in 100 Jahren im Schulbuch unter "Vertreter:innen aller Parteien schütteln freundschaftlich die Hände des AfD-XYs" zu finden ist.


    Deshalb: nein, die grosse Vertreterin des "auch die Söhne des Mullahs Xy haben der Lehrerin die Hand zu geben" würde never ever Höcke die Hand schütteln. Beruflich oder nicht.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Es käme bei mir wohl sehr darauf an, wie der weitere Kontakt aussehen sollte.

    Privat würde ich es sicher vermeiden und schnell versuchen die entgegen gesetzte Richtung einzuschlagen. Würde ich jedoch dem Nazi im Rahmen einer Diskussion begegnen und wäre interessiert, dass er meine Meinung hört, würde ich einen sehr kurzen Handdruck geben. Schon um zu vermeiden, dass solch ein Affront dazu führt, dass man meine Position gar nicht mehr hören möchte.
    Symbolisch bedeutet der Handschlag erstmal nichts anderes, als dem Gegenüber zu zeigen, ich trage keine Waffe in meiner Hand. Und so könnte ich völlig wertfrei die Hand geben.

    Ernest Hemingway — 'So far, about morals, I know only that what is moral is what you feel good after and what is immoral is what you feel bad after.'

  • Ich habe echte Probleme damit, wenn auch Rassisten Menschenrechte aberkannt werden.


    Ich für mich empfinde eine Begrüßung als respektvolle Geste. Ich orientiere mich bei der Form der Begrüßung an meinem Gegenüber. Will er/sie mir die hand geben, dann tue ich das, will er mich umarmen und der aktuelle gesellschaftliche Kontext sieht das als angemessen, dann tue ich das auch.



    Entscheidend für mich, dass ich in den Spiegel schauen kann und mir nicht selbst vorwerfen lassen muss, mit Rassisten zu paktieren:

    Meine Haltung, mache ich sie deutlich? Bin ich zu Diskussionen bereit?




    Bei der ganzen Debatte vermisse ich die entscheidenden Aspekte in der Auseinandersetzung


    Abgrenzung von Dingen, die diskutiert werden müssen, von denen die nicht diskutiert werden dürfen.


    Ein Beispiel von meiner Arbeit, dass kann man bestimmt auf große gesellschaftliche Konflikte übersetzen:


    Kind A fühlt sich verbal angegriffen von Kind B und attackiert Kind B körperlich.


    Ich mache in solchen Situationen immer deutlich, dass körperliche Gewalt niemals geduldet wird! Über die Gefühle kann und muss gesprochen werden, die Grenzen von Verbaler Konfliktlösung sind eben bei manchen Menschen schneller erreicht, als es der gesellschaftlicher Konsens vorsieht.

    Manches Kind hört nicht so gerne, dass es schlecht Fussball spielt und verliert die Beherrschung wenn es hört "Mensch Du schießt wie ein Anfänger"

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Eine Handschlag und eine Umarmung sind ein Menschenrecht?#gruebel

    Für mich sind das Gesten und wenn ich die mache, dann meine ich die ernst.

  • Einem Höcke, einer Weidel, und wie sie alle heißen, könnte und würde ich niemals die Hand geben.

    Diese Brandstifter haben keine Höflichkeit verdient.

    Ich finde, das Reden und Hätscheln und Tätscheln muss jetzt wirklich ein Ende haben.

    Es bringt ja eh nix. Die ändern ihre Meinung nicht, nur weil sie von mir geklötert werden.

  • Eine Handschlag und eine Umarmung sind ein Menschenrecht?#gruebel

    Für mich sind das Gesten und wenn ich die mache, dann meine ich die ernst.

    Nein, kein Menschenrecht. Es ist Körperkontakt und von daher bestimme ich ob ich den will oder nicht.


    Und klar, es gibt Geflogenheiten, die davon abhängen wo man lebt. Ich empfinde mich auch als durchaus anpassungsfähig.


    Aber es gibt nichts, was mich zwingt bei einem Höcke Gepflogenheiten einzuhalten.

  • Handschlag und Umarmung sind natürlich kein Menschenrecht.....

    Aber eine Begrüßung gehört für mich zu würdevollem Umgang miteinander

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Eine Handschlag und eine Umarmung sind ein Menschenrecht?#gruebel

    Für mich sind das Gesten und wenn ich die mache, dann meine ich die ernst.

    Das hat sie so gar nicht geschrieben! Da wurden zwei verschiedene Standpunkte völlig sinnentfremdet zusammengefügt.

    Ernest Hemingway — 'So far, about morals, I know only that what is moral is what you feel good after and what is immoral is what you feel bad after.'

  • Hier ist ein sehr guter Artikel über die Mitverantwortung der CDU dafür, dass Rassismus und faschistisches Gedankengut in der sogenannten Mitte der Gesellschaft immer ihren Platz hatten. Thüringen war kein Dammbruch, es war die logische Konsequenz der letzten ca. 40 Jahre CDU.


    https://krautreporter.de/3247-…die-verantwortung-der-cdu


    Der Autor, Stephan Anpalagan, schreibt einleitend auf Twitter und Facebook:


    "Dazu einige persönliche Gedanken:


    Im Jahr 1985 nehmen meine Eltern besonders aufmerksam wahr, wie der CSU-Parteivorsitzende Franz-Josef Strauß sagt: „Es strömen die Tamilen zu Tausenden herein“ und weiter „bald werden wir die Kanaken im Land haben“ (1). Meine Eltern gehörten zu ebenjenen Tamilen, die "ins Land hereinströmten", weil sie wegen eines Bürgerkrieges aus ihrem Heimatland geflohen waren. 35 Jahre später hallen diese Worte noch immer nach.


    Im Jahr 1993 sterben 5 Menschen, darunter 3 Kinder bei einem Brandanschlag in Solingen. Die Tat findet exakt 13,5 Kilometer vom Wohnhaus unserer Familie statt, meine Eltern fragen sich nun, ob, angesichts der überall in Deutschland ausbrechenden rassistischen Pogrome, Deutschland noch sicher ist oder sie lieber in den Bürgerkrieg ihres Heimatlandes zurückgehen sollen. Der CDU-Parteivorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl weigert sich an der Trauerfeier für die Opfer des Brandanschlags teilzunehmen, weil er "weiß Gott, wichtigere Termine habe" (2). Auch diese Worte hallen noch immer nach.


    Im Jahr 2000 macht der spätere CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit dem Spruch "Kinder statt Inder" auf sich aufmerksam (3). Ein Spruch, der in meinem Heimatland NRW kontrovers diskutiert wird. Ein Teil meiner Familie lebt noch immer in Indien. Bei den in Deutschland lebenden Tamilen, Indern und überhaupt allen Migranten verfestigt sich der Eindruck. Deutschland will uns nicht. Oder vielleicht etwas genauer: Die CDU will uns nicht. Ein Gedanke der nachhallt. Bis heute.


    Wir, mittlerweile Deutsche, aber immer noch Migranten, hören genau hin, wenn ausgerechnet der Parteivorsitzende der CSU und Bundesinnenminister Horst Seehofer sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland - oder etwas grundsätzlicher: "Migration ist die Mutter aller Probleme".


    Ist das nicht der Mann, der dieses Land, dessen Verfassung und dessen Bevölkerung schützen soll? Der gegen die Feinde der Freiheit vorgehen und Extremisten bekämpfen muss? Welche Schlussfolgerungen sollen wir daraus ziehen, dass das CDU-Mitglied Hans-Georg Maaßen in seiner Funktion als Chef des Bundesverfassungsschutzes den Rechtsextremismus jahrelang nicht eindämmen konnte - und vielleicht nicht wollte? - und nun selbst mit rechtsradikalen Thesen durch die Lande zieht?


    Was genau soll man daraus ableiten, dass ausgerechnet das CSU-Mitglied Rainer Wendt als gewichtigste Stimme der deutschen Polizei gilt, seinerseits aber stetig und ständig rassistische Praktiken und rechtsextreme Umtriebe bei der Polizei verharmlost und selbst durch rechtsradikale Kraftmeierei auffällt?


    Bei aller Kritik möchte ich darauf hinweisen, dass selbstverständlich nicht alle 500.000 Mitglieder der CDU/CSU so denken, so reden und so handeln. Viele, darunter auch viele in meinem Bekannten- und Freundeskreis, sind leidenschaftliche Verteidiger*innen dieses Rechtsstaats, machen eine ehrenvolle Arbeit in der Lokal- und Bundespolitik und engagieren sich in der Flüchtlingshilfe.


    Aber sollte eine Partei, deren oberste Vertreter derlei Gedankengut preisgeben, nicht zumindest eine kritische innere Debatte über ihr Selbstverständnis und ihre Identität führen und ihre - mitunter rechtsradikale - Vergangenheit aufarbeiten?


    Wir haben ein massives rechtsextremistisches Problem in diesem Land. Viel zu lange haben wir darauf vertraut, dass die CDU und die CSU dieses Problem eines Tages lösen werden. Dieses Vertrauen wurde über 30 Jahre lang missbraucht.


    Es wäre Zeit daran etwas zu ändern.


    Schnellstmöglich.


    __________


    1) https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13512529.html

    2) https://www.sueddeutsche.de/po…tsextremismus-1.1683458-2

    3) https://www.spiegel.de/politik…-ausrutscher-a-68369.html "