NICHT aufs Gymnasium trotz gutem Zensurendurchschnitt?!

  • Juana : Unser Großer ist auf dem Gymnasium den Berg runter (bzw. rauf und runter): G8, als leistungsorientiert verschrien. Bis dato merken wir nicht viel davon. Ja, es gibt immer wieder Phasen, in denen es heiß hergeht. Ja, er muss mehr lernen als an der Grundschule - einfach weil jetzt Lernfächer (Englisch und Latein) dazu gekommen sind. Aber er hat immer noch viel Zeit für Freunde, er geht Schwimmen, seit letzten Monat zu den Pfadfindern und immer mal wieder zu Kunstkursen (die gehen nur über zwei Monate). Er hat kein 1er Zeugnis, aber ist meilenweit vom Scheitern entfernt. Das gibt es schon auch. Und vermutlich sogar ziemlich oft.

    danke Hermine.

  • also ich weiss nicht.


    ich sehe eher, dass sich hier leute gegenseitig stärken wollen, die eben nicht dem allgemeinen trend zum gymnasium folgen wollen oder können.


    man muss sich doch nur die zahlen ansehen oder in seinem umfeld umgucken um zu sehen, dass man als elter, das sein kind aufs gymnasium gibt gerade NICHT die exotische ausnahme ist, die sich rechtfertigen muss. im gegenteil.

    "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.

    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“


    Pfarrer Martin Niemöller

  • also ich weiss nicht.


    ich sehe eher, dass sich hier leute gegenseitig stärken wollen, die eben nicht dem allgemeinen trend zum gymnasium folgen wollen oder können.


    man muss sich doch nur die zahlen ansehen oder in seinem umfeld umgucken um zu sehen, dass man als elter, das sein kind aufs gymnasium gibt gerade NICHT die exotische ausnahme ist, die sich rechtfertigen muss. im gegenteil.

    ganz genau so! Danke VivaLaVida.

    Havanna + #male (*02.05) & #female (*02.03)
    Filzgleiter sind nur komprimierte Schafe

  • Ich finde es immer schwer, dass die Wahl ja meistens über die Grundschulnoten geht.
    Hier besteht ja keine Bindung an die Empfehlung.
    Es gibt Kinder mit Realschulempfehlung, die auf dem Gymnasium aufblühen und wirklich sehr gute Leistungen bringen.
    Und solche mit einer Empfehlung, die überfordert sind.


    Es ist auf dem Gymnasium ein ganz anderes arbeiten. Das ist eben nichts für jedes Kind gut.
    Und die nötige Unterstützung der Eltern ist auch nicht zu unterschätzen. Ich höre von vielen Seiten immer nur: Es wird einfach vorausgesetzt, dass man zu Hause mit den Kindern arbeitet.


    Mir fiel die Entscheidung auch sehr schwer und ich weiß noch immer nicht, ob sie richtig war.

  • also ich weiss nicht.


    ich sehe eher, dass sich hier leute gegenseitig stärken wollen, die eben nicht dem allgemeinen trend zum gymnasium folgen wollen oder können.


    man muss sich doch nur die zahlen ansehen oder in seinem umfeld umgucken um zu sehen, dass man als elter, das sein kind aufs gymnasium gibt gerade NICHT die exotische ausnahme ist, die sich rechtfertigen muss. im gegenteil.

    und funktioniert das gegenseitige stärken auch indem nicht Horrorszenarien gezeichnet werden wie schlimm das Gymnasium für die Kinder ist?


    Bei uns geht der kleinste Teil der Klasse aufs Gymnasium.

  • klar funktioniert das. ich hab es hier auch nicht so eindeutig herausgelesen. übrigens gab es auch horrorszenarien über gemeinschaftsschulen hier zu lesen.


    ich habe mich aus verschiedenen gründen gar nicht am thread beteiligt, aber ICH fühle mich gestärkt durch den austausch, den ich hier gelesen habe. ganz unabhängig von unserer persönlichen entscheidung.

    "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.

    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“


    Pfarrer Martin Niemöller

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von VivaLaVida ()

  • und funktioniert das gegenseitige stärken auch indem nicht Horrorszenarien gezeichnet werden wie schlimm das Gymnasium für die Kinder ist?

    Nunja, es geht auch nicht um alle Kinder, sondern um Kinder, bei denen (berechtigte) Zweifel bestehen, ob sie den Gymnasialweg schaffen.


    Und allein, dass es "Horrorszenarien" gibt, zeigt, dass eine faslch getroffene Entscheidung (egal für welche Schulform) unter Umständen schwerwiegende Folgen für Kinder haben kann und deswegen besonders sorgfältig getroffen werden muss.

  • Ich entschuldige mich für meinen Beitrag, der wenig mit der Ausgangsfrage zu tun hatte - Juana wohnt in der Nähe, und da wollte ich ihr ganz konkret antworten.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Wie seht ihr die Sache mit dem "Scheitern" auf der höheren Schule denn? Vielleicht auch aus Erfahrung?


    Wird das Scheitern auch als solches empfunden und alle jemals vorhandene Motivation geht flöten?
    Oder ist es nicht auch möglich, das ganze als: "Hey, das war einfach nicht die richtige Schule, wir versuchen es nun anders" zu sehen?
    Dass nicht das Gefühl bleibt, zurückgestuft zu sein sondern zu sehen, dass einfach ein anderer Weg für dieses Kind möglicherweise der Bessere ist.


    Genauso ist es ja auch anders herum möglich, wenn man die "niedrigere" Schule wählt und nach ein-/zwei Jahren merkt, dass das Kind nicht glücklich ist und wechseln sollte.


    Oder dass man merkt Schule XY ist nicht die richtige, Schule ZZ wäre besser, beides jedoch die gleiche Schulart.


    Es gibt ja durchaus viele, die wechseln, in jegliche Richtung. Viele, die auch später mehrere Berufe ausprobieren usw.


    Klar birgt ein Wechsel gewisse Risiken, aber durchaus auch neue Chancen.
    (Chancen vor allem wenn ein Klassengefüge nicht funktioniert...)


    Die Kinder entwickeln sich ja auch weiter und bleiben nicht stehen, Interessen verändern sich, manche machen einen Schub und es macht "klick" oder man wird sich bewusst, dass das Kind einfach mit dem herrschenden "System" an genau dieser Schule nicht zurechtkommt.


    Kann man damit nicht gelassen umgehen oder sehe ich das zu naiv?

    Statusbericht:
    #hammer#haare#tuppern#kreischen:stupid: Ich hätte gerne wieder mehr #baden und #yoga

  • Letzten Endes sollte man schon versuchen, es gelassen zu sehen. Es gibt kein Optimum und man kann nicht vorhersagen, wie es läuft. Die Faktoren, die da mit hineinspielen, sind zu vielfältig.

  • Es ist für die Kinder schon schwieriger, wenn sie von "Oben" nach "Unten" gehen, als umgekehrt.
    Bei uns wird jedes Kind aufs Gymnasium gequetscht, wenn es irgendwie geht. Es ist unglaublich erschreckend.
    Wenn aus der Grundschule über 60% aufs Gymnasium gehen, dann finde ich das schon heftig.
    Da werden teilweise mehrere Gymnasien angefragt, bis endlich eins aufnimmt...


    Und es wird auch so geredet: Was, nicht aufs Gymnasium?


    Ich finde das schlimm.

  • Empfinde ich hier ähnlich. Meine Chefin dachte, mein Sohn wäre bereits in der 5. Klasse, gefragt hat sie aber: "Ach, ich dachte der J. sei schon auf dem Gymnasium!?" Das ist wirklich keine Frage.

  • Ich glaube, dass das wie mit allen anderen Entscheidungen ist: Man hat als Eltern eben häufiger das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.


    Was die "Quoten" angeht, so ist das doch sehr, sehr unterschiedlich. Hab eben eine schöne Statistik mit Vergleich zwischen 200/2001 und 2010/2011 gelesen: Deutschlandweit gingen 2000/2001 30,1% aufs Gym, 2010/11 34,1%. Das ist gar kein soooo großer Unterschied.


    Stark angesteigen sind die Zahlen für die Gymnasien in Bremen (20,7 auf 37,5%), Niedersachsen (20,0 auf 35,8%) und komischerweise auch in Sachsen (23,9 auf 40,4%). In Bayern, BaWü, Saarland und NRW hat sich kaum was verändert.


    Es überrascht mich, dass es gar nicht so drastisch ist. Scheint also doch eher "gefühlt" zu sein. Zu meiner Zeit waren es schon knapp 1/3 der Schüler eines Jahrgangs, die zum Gym gewechselt sind.

    Liebe Grüße,

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von krebbel ()

  • naja, da sind eigentlich die arbeitgeber in der pflicht, bzw. die, die ausbildungen organisieren. sind wir ehrlich, ohne abitur hat man einfach viel viel viel weniger möglichkeiten, weil viele ausbildungen heutzutage abitur voraussetzen (oder im zweifelsfall lieber abiturienten genommen werden), die früher mit realschulabschluss oder sowas zu haben waren. und das ist das ganze problem.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • @ainu
    das stimmt aber nur so halb, gerade Handwerksberufe haben große Nachwuchsprobleme, weil ein viel größerer Teil der Realschulabgänger schulisch weiter machen und keine Ausbildung anfangen.


    @krebbel
    wo hast du die Daten her? Hast du da eine Quelle, ich würde da gern mehr lesen.

  • Interessant wäre zu wissen, wie die Abschaffung der Grundschulempfehlung sich auf die Zahlen ausgewirkt hat.
    Diese gab es z.B. in Ba-Wü erst zum Schuljahr 12/13.

  • Wie man es hier macht, macht man es falsch.


    Gibt man das Kind aufs Gym, gibt es Eltern, die einem Vorwerfen, dass man ja unbedingt ein Gym-Kind haben will, koste es, was es wolle.
    Gibt man das Kind in die Realschule, verwehrt man dem Kind die bestmögliche Bildung, nur weil man dem Gym-Hype nicht mitmachen will.
    und wählt man die Hauptschule muß einem eigentlich das Sorgerecht entzogen werden, weil man damit das Kindeswohl gefährdet.


    Aber es ist auch irgendwie wie beim Langzeitstillen - Leute reden lassen und machen, was man für Richtig hält.
    Rückhalt und Denkanstöße gibs bei den Raben :D

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • dennoch finde ich das ja superlustig, dass ihr wählen könnt, hier kann man nicht so wirklich wählen, jedenfalls nicht bis zum ende der obligatorischen schulzeit. wenn die noten es hergeben, dann bestes niveau und sonst die darunter. ich kann mir nicht vorstellen, mein kind nicht ins höchste niveau zu tun, wenn sie noten hat... das wäre hier glaub einfach ein automatismus. war's jedenfalls bei mir, meine eltern hätten tatsächlich aktiv dagegen vorgehen müssen.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Schaut mal hier:
    https://www.destatis.de/DE/Pub…df?__blob=publicationFile


    Nach dieser Statistik wechseln ca. 40% aller Schüler/innen in D nach der 4. Klasse von der Grundschule aufs Gymnasium, wobei es in Hamburg 53% sind. Hier schlossen 2012 52% eines Jahrgangs mit Abitur die Schule ab.
    Aus einer weiteren Tabelle geht auch hervor, dass zwischen 2002 und 2012 die Abschlüsse an Real- und Hauptschulen anteilmäßig weniger geworden sind.
    6% verließen 2012 die Schule aber auch ohne zumindest einen Hauptschulabschluss geschafft zu haben.


    Es gibt noch weitere spannende Zahlen - z.B. dass in Thüringen 60% der Lehrkräfte über 50 Jahre sind.