zum Teilen erziehen?

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  • Hallo ihr alle,

    nach dem Spielplatzbesuch heute frage ich mich: Kann/Sollte man Kinder zum Teilen erziehen? Und wenn ja, wie?

    Hier die Hintergrundgeschichte: Ich war heute mit dem 2jährigen auf dem Spielplatz ohne Spielzeug (weil wir noch einkaufen waren). Dort gab es zwei Jungen, die jeweils mit zwei großen Spielzeugen (Bagger und Laster) dabei hatten. Meiner ist natürlich auch total vernarrt in Fahrzeuge und wollte so gern mit einem Spielzeug spielen. Er hat ganz oft nachgefragt und sich immer wieder ne Abfuhr eingehandelt. Dabei hat ein Junge tatsächlich mit beiden Dingen gespielt, der andere saß auf einer Bank, wollte sein (geparktes) Spielzeug aber auch nicht teilen. Von den anderen Eltern kam nur ein halbherziges: Gib ihm doch eins ab. Nein? Okay, dann nicht.

    Find ich jetzt nicht schlimm und der Sohn hat es auch weggesteckt (obwohl er mir zwischendrin schon leid tat, weil er immer wieder zu den Kindern ging und fragte). Aber irgendwie beschlich mich auch ein komisches Gefühl - wie hätte ich gehandelt als Elternteil des Kindes, das einfach nicht teilen will, obwohl es doch ohne Probleme könnte?

    WIe handhabt ihr das? Was ist wichtiger: Respekt vor dem individuellen Nicht-teilen-Wollens des eigenen Kindes oder das "erziehen" zum Gemeinwohl?

  • Meine Kinder hätten auch nicht teilen müssen. Ich hätte sie ermuntert natürlich, aber wenn sie nicht wollen, dann eben nicht.

    Ich würde auch nicht jedem Fremden bereitwillig mein Handy/Auto was auch immer zur Verfügung stellen, obwohl ich es könnte.

    Liebe Grüße
    Silke mit dem Großen 06/2006 und der Kleinen 06/2009

  • Silke hat es ja schon gut gesagt.

    Ich denke, Teilen erlernt man durch vorgelebt bekommen. Hilfreich ist es dabei, wenn ich grundsätzlich nicht fürchten muss, zu wenig zu haben oder etwas abgeben zu müssen, was ich nicht abgeben will, indem mein NEIN respektiert wird. Das wäre natürlich in einer Notlage anders.

    Meine Tochter hat nie teilen oder abgeben müssen. Sie kann jetzt aber gut abgeben, achtet dabei aber sehr gut auf sich.

    Fiawin mit d9be21343ykoa.gif

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    Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komme nur so selten dazu.

    Lass die Hoffnungswaschmaschine laufen!

    Whatever you want, it isn't me.

    Other people's ambitions are not my specialty.

    Sometimes I can see from here clear to the ocean.

    Sometimes I'm blind.

    Als die Vielfalt ging, entzündete die Einfalt ein Freudenfeuer.

    Einmal editiert, zuletzt von Fiawin (15. April 2016 um 22:07)

  • Schwierige Frage, es kommt bei mir auf den Kontext an. Da ich Erwachsenen das Recht zugestehe, zu entscheiden, wem sie ihr Eigentum ausleihen wollen und wem nicht, sehe ich eigentlich nicht, warum meine Kinder das nicht selbst entscheiden sollten. In Situationen wie von Dir beschrieben habe ich sie ggf. für die Gefühle und Bedürfnisse des anderen Kindes sensibilisiert aber keinen Druck ausgeübt.

    Anders ist es, wenn man Gäste einlädt. Da hatten wir schon Situationen, dass andere Kinder hier waren und mit gar nichts spielen dürfen sollten. Das geht dann auch wieder nicht. Wir haben schon mal (selten) ein besonders geliebtes Spielzeug weggeräumt bevor Gäste kamen. Aber wenn Kinder zum Spielen kommen, müssen sie das Spielzeug ja auch benutzen dürfen.

    Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.

    Konfuzius

    Einmal editiert, zuletzt von undine (15. April 2016 um 22:10)

  • Hier gibt es die Regel, was mit auf den Spielplatz genommen wird, dürfen alle Kinder benutzen solange das Besitzerkind nicht damit spielt. Wenn das nicht gewollt ist, bleibt Spielzeug zu Hause, und wenn auf dem Spielplatz die Situation auftritt, die Ansage, dass dieses Spielzeug dann aber demnächst zu Hause bleibt. Vor ein paar Tagen erst wollte mein Großer unbedingt mit dem Trettrecker hinfahren und war dann völlig hysterisch, als ein ihm fremdes Mädchen damit (ohne ihn zu fragen) gefahren ist. Sie ist dann abgestiegen und hat gefragt, aber er wollte nicht teilen obwohl er den Trecker nicht benutzt. Er hat ihn dann nur ganz nah da geparkt, wo er mit seinem Kumpel in ein angeregtes Rollenspiel vertieft war, um sicher zu sein, dass keiner seinen Trecker nahm. Okay, ist seiner, kann er machen, aber das Ding nehmen wir jetzt erstmal nicht mehr mit. Ist mir einfach zu doof, dann kann er damit besser zu Hause spielen.

  • Abgeben mussten meine eigentlich auch nie, allerdings haben sie es von sich aus immer sehr bereitwillig getan. Zumindest, wenn es genug für alle gab. Hätte mein Kind nur ein einziges Fahrzeug dabei gehabt, hätte es das wohl eher nicht geteilt (zumindest nicht in dem Alter). Wenn dagegen genug Spielzeug da war, haben sie eigentlich immer was abgegeben. Bzw. hier hat sogar der Kleine immer darauf geachtet sich mit der Großen beim spielen abzuwechseln oder immer einen Keks mehr auch für sie mit in den Garten zu nehmen oder so.

    Ich glaube viel wird auch da vorgelebt. Ich bin selbst ein eher großzügiger Mensch und teile gern mit anderen oder gebe gern etwas ab. Der Kleine bekam es dann zusätzlich noch von der Großen vorgelebt.

    Zum teilen zwingen würde ich nicht. Es ist der Besitz des Kindes. Ich kann es fragen oder etwas dazu erklären, aber zwingen kann ich es nicht. Ich glaube, die meisten Kinder teilen irgendwann gern, sofern sie gute Erfahrungen damit machen konnten.

  • Ich stimme @Fiawin zu, das lernt man durch Vorbild, nicht durch Zwang. Ist wie beim Entschuldigen, das erzwinge ich auch nie (und habe mir damit schon Ärger eingehandelt). Die Kinder haben ein gutes Gespür für beides entwickelt.

    Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.

    Konfuzius

  • ich habe gute Erfahrungen damit gemacht dass ich dir Kinder denen das Spielzeug gehört gefragt habe ob wir es uns ausleihen (!) dürfen und habe (als meine kleine verbal noch nicht so gut war bzw. wenn sie Hilfe brauchte) den Kindern auch immer gesagt dass ich drauf achte das wir es nicht mitnehmen sondern zurück geben wenn wir fertig sind.
    (Und zum Teil das sie nicht teilen müssen)

    Meistens durften wir dann leihen, wenn nicht habe ich es meiner Tochter eben erklärt.

  • ich in der Situation der anderen Mutter hätte mein Kind dazu angeleitet, seinen Bagger zu teilen, Respektive waren solche Momente für mich immer gut ihnen zu zeigen was teilen bedeutet und dass etwas Geteiltes auch wieder zurück kommt. Wenn er denn partout nicht hätte teilen wollen, o.k.
    Wobei es dabei auch auf das Alter des Kindes drauf an kommt und dessen Verständnisfähigkeit.

  • In Eurer Situation war das heute nicht möglich, da Ihr keine Sachen dabei hattet, aber ich beobachte bei unserem Kleinen, dass es ihm leichter fällt, eigene Dinge für eine Weile abzugeben, wenn er tauschen kann. Die Phase der extremen Bewachung persönlicher Dinge, auch wenn sie gerade nicht genutzt werden, hatte er auch, und irgendwann änderte sich dies von alleine. Unterdessen nimmt er meist entspannt zur Kenntnis, wenn andere auf dem Spielplatz seine Sachen nutzen, auch wenn sie vorher nicht gefragt haben.

    Ansonsten zwinge ich nicht zum Abgeben, frage aber, sofern ich nah dabei bin, nochmal nach, wenn Die Bitte eines anderen Kindes abgelehnt wurde. Ich selbst teile auch manche meiner Dinge nicht mit anderen oder nur mit Menschen, die mir vertraut sind. Meine Handtasche ist sogar komplett tabu für andere. Ich denke nicht, dass dies dem Gemeinwohl abträglich ist.

  • Ich stimme @Fiawin zu, das lernt man durch Vorbild, nicht durch Zwang. Ist wie beim Entschuldigen, das erzwinge ich auch nie (und habe mir damit schon Ärger eingehandelt). Die Kinder haben ein gutes Gespür für beides entwickelt.

    sehe ich genauso!
    Ich sage auch nie "jetzt bedanke dich" o.ä. ich bedanke mich stattdessen und hoffe dass sich meine Kinder das als Vorbild nehmen.

    Entschuldigen mussten sich meine Kinder noch nie mal schauen wie ich da reagiere.
    Ich finde es doof dass sich andere Kinder oft körperlich entschuldigen sollen ("mach mal ei") das unterbinde ich seit einiger Zeit und wurde auch schon dumm angemacht. Aber wenn mein Kind nicht angefasst werden möchte sorge ich dafür dass es akzeptiert wird so lange sie es nicht selbst kommunizieren kann (bevor es passiert, danach weint sie bitterlich)
    Sorry ich bin vom Thema abgekommen..

    So lange meine große nicht mit einem Teil spielt teilt sie gerne. Sie fängt jetzt allerdings an sachen bei mir "in Sicherheit" zu deponieren und das ist auch ok. Es sind ihre Sachen und sie darf entscheiden. Anders ist es wenn wir Besucher haben oder unter Freunden.

  • Meine müssen untereinander schon teilen, da zwinge ich sie nicht dazu mit Fremden zu teilen.

    Vielleicht hat das Kind auch schon schlechte Erfahrungen damit gemacht?

  • Ich würde da unterscheiden:
    Haben meine Kinder eine Riesentasche Förmchen, dann würde ich schon etwas nachdrücklicher darum bitten, dem anderen Kind etwas abzugeben. Es reicht ja meist schon, daran zu erinnern, dass man auch mal ohne Spielsachen da war und sich gefreut hat, andere Sachen benutzen zu dürfen.
    Bagger allerdings ... hui. Das sind oft heißgeliebte Lieblingssachen. Da würde ich ein Nein auch sofort akzeptieren.

    Es gibt überall auch Gutes in der Welt.
    Selbst RTL hat Ninja Warrior!

  • Waaaah, @lilu , dieses "Mach mal Ei!" habe ich soooo gehasst! Meine extrem schüchternen Kinder waren ohnehin immer eher auf der Flucht vor anderen Kindern, wenn die dann auch noch "Zwangs-eimachen" ertragen sollten konnte ich echt ungnädig werden.

    Liebe Grüße
    Silke mit dem Großen 06/2006 und der Kleinen 06/2009

  • Ich finde es sehr interessant was ihr tun Thema Teilen schreibt. Wir haben hier eine sehr extreme Nichtteilerin. Kinderbesuche bei und sind für sie ein Graus. Die letzten zaghaften Versuche haben wir dann beendet, weil sie so gestresst und verzweifelt war, da das Besuchskind mit ihren Sachen spielen oder die Sachen nur angucken wollte.
    Meistens akzeptiere ich wenn sie nicht teilen will. Manchmal bin ich von diesem sehr extremen Nichtteilen auch etwas genervt und erinnere sie daran, dass andere Kinder auch lieber mit ihr teilen wenn auch sie etwas ab gibt. Nehmen tut sie nämlich sehr gerne. :D

  • Unsere Kinder teilen sehr selbstverständlich,
    weil sie hier zuhaus wenig Spielzeug haben, das explizit einen Besitzer hat. Die meisten Dinge gehören allen Kindern. Da haben sie gelernt, sich zu arrangieren: Sachen abzugeben aber auch mit Abfuhren zu leben.
    Ich denke, das ist neben dem Vorleben auch ein wichtiger Aspekt: Wie handhaben Familien es zuhaus?
    Ich kenne Familien, da ist jeder Bagger, jedes Bobbycar, jeder Schmusebär 2 oder 3 x vorhanden. Je nach Kinderzahl.
    Hier gibt es einige wenige Dinge in passender Menge. Und einiges mit festem Besitzer. Vieles aber eben nicht doppelt und dreifach und einfach "für alle", da wachsen die Kinder dann zwangsweise und notgedrungen irgendwie ins Teilen hinein.
    Selten gibt es hier Streit und Frust durch diese Konstellation. Meist klappt es ganz gut ...

  • Froschfamilie. Finde ich eine gute Rangehensweise. Klappt ja aber nur bei mehreren Kindern.

    Hier teilt mein Sohn ganz gerne außerhalb. Zu Hause muss er erst mit den Besuchern warm werden und dann klappt das auch.

    Wir haben nie Spielzeug auf dem Spielplatz mit. Braucht man auch nicht, finde ich. Ich erwarte von keinem fremden Kind dort Spielzeug zu teilen. Ebensowenig von meinem Kind. Ich würde meine schätze auch nicht fremden geben wo ich nicht weiß wie pfleglich sie meine Sachen behandeln.

    Grundsätzlich denke ich auch nicht, dass man teilen erzwingen kann, außer mit Spieleinladungen nach Hause. ;)

    Cheers & Oi! Jazzyi

    02/2013 Bergtroll, +04/2016 Sternchen, 03/2017 Höhlentroll

    Wenn euer Leben ein dunkles, stinkendes, dreckiges Loch ist, dann RAUS DA! Schlagt die Wand ein, sucht die Tür oder macht ein Fenster auf, aber tut WAS!!!

    • Offizieller Beitrag

    ich kann einfach bei silke und fia unterschreiben.
    Ich hab auch wenige dinge, die ich nicht mal mit meiner familie teile.
    Man darf ach ohne schlechtes Gewissen "meins" empfinden, dann ists leichter die sachen, die nicht ans Herz gewachsen sind zu geben.

  • Interessant, was ihr so schreibt. Vor allem da ihr ja auch schon ältere Kinder habt u die Entwicklung sehen könnt. Ich habe bisher immer so gehandhabt, dass andere Kinder unsere Sachen jederzeit mitbenutzen können, auch ohne fragen, wenn es nicht in Gebrauch ist. Das mit dem tauschen funktioniert auch gut. Aber meiner verteidigt sein Spielzeug auch kaum u kann leicht über zeugt werden abzugeben o zu tauschen. Aber vielleicht kommt die Phase auch noch?!