Ein guter Zeitpunkt?

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  • Liebe Raben,


    Ich brauche Rat :) . Der Bald-Mann und ich haben gestern unsere Zukunftspläne durchgesprochen und irgendwann kam die Frage "Und wann kommen die Kinder?". Tja, und so wirklich haben wir darauf keine Antwort gefunden, denn wir konnten keinen Zeitpunkt als den richtigen einen guten ausmachen. Und so hoffe ich jetzt hier auf Rabeninput- und gedanken.


    Kurz zu unserer Situation: Mein Mann hat eine volle Lehrstuhlstelle und promoviert gerade. Angepeilt ist die Promotion bis Ende 2018 fertig zu haben. Ich bereite mich gerade auf mein erstes (juristisches) Staatsexamen vor, dass ich im Frühjahr oder Herbst 2017 (je nachdem wie die Vorbereitung läuft) schreiben werde. Wenn die Noten passen, möchte ich gerne ebenfalls promovieren, nach Möglichkeit innerhalb eines Jahres, also auch 2018.
    Die Grobvorstellung danach ist, wieder zurück in unsere Heimat zu ziehen, wo ich mein Referenderiat machen und mein Mann arbeiten würde. Momentan würden wir dann aber auch gerne gleich "richtig" sesshaft werden, sprich uns ein Haus kaufen.


    Und da gehen eben die Gedanken los. Vor dem ersten Examen möchte ich keine Kinder, einen Abschluss möchte ich wenigstens in der Tasche haben. Während der Promotionsphase (so es sie gibt) ist vielleicht nicht schlecht, aber mit einem Jahr wäre sie halt auch relativ kurz. Das Ref unterbrechen ist auch nicht ideal, da krieg ich jetzt schon Panik, absolut den Anschluss zu verlieren.
    Ich muss zugeben, ich hatte mir das immer so vorgestellt, dass ich meine Ausbildung komplett beende, noch anfange zu arbeiten und dann schwanger werde. Nur ist mein Mann dann ü30 beim ersten Kind und die Vorstellung macht ihn relativ unglücklich. Zumal der Kinderwunsch jetzt schon bei uns beiden da ist.


    Was sagt ihr erfahrenen Frauen dazu, seht ihr einen guten Zeitpunkt? :)


    Grüßle, Angua

    Und immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht.

    Udo Jürgens

  • Tja, da wird wohl leider jeder eine eigene Antwort und Meinung drauf haben. Ich persönlich habe erst Abschluss (Studium) und 7 Jahre Berufserfahrung gesammelt, bevor die Kinder kamen. Im Nachhinein war das ziemlich gut so, aber ich war da halt auch schon 33 beim 1. Kind und mein Mann Ü 40. Zwar war Kinderwunsch schon vorher da, aber nicht realisierbar, da falscher Partner. Ich habe einige Mitkommilitoninnen mit Kindern/Babies im Studium komplett abstürzen sehen, weil das einfach nicht zu schaffen war. Auch habe ich einige befreundete Mütter sie ihr Ref. abgebrochen haben, weil sie das mit Baby/Kleinkind nicht gepackt haben. Eine hat nun nachgeholt, 2 nicht. Alle hadern mit der Situation.


    Viel Glück bei der Entscheidungsfindung.


    LG Gerne

  • Dito. Und ich kann Dir sagen: es gibt keinen guten Zeitpunkt. Ich bin jetzt, mit erstem Baby, 35. Und es ist für mich perfekt. Und zugleich zu spät, zu früh, und überhaupt. Zudem weisst Du nicht wie schnell Du schwanger wirst, ob die Schwangerschaft bestehen bleibt (meine erste, bombig gut ins Erwerbsleben eingetaktete, endete in einer frühen Fehlgeburt...), welche Probleme Du haben wirst, wie Dein Kind wird, usw. usw.
    Was ich damit sagen will: es gibt gut eine Milliarde Unwägbarkeiten beim Kinder kriegen. Die können einen vermeintlich tollen Zeitpunkt komplett ruinieren, oder einen vermeintlich mittelguten perfekt werden lassen.
    Letztlich ist es eine Mischung aus Glück und Das-beste-aus-den-Tatsachen-machen.


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  • Wann für euch ein guter Zeitpunkt ist weiß ich natürlich auch nicht, ich würde aber vielleicht noch die Kinderbetreuungsfrage in meine Überlegungen einbeziehen. Wenn ich überlegt Kinder kriegen würde, meine ich ;)'
    Also, wer wie lange aus dem Beruf aussteigen will und kann, ob es vielleicht Familie/Freunde/Tagesmutter o.Ä. in der Nähe gibt, die bei der Kleinkindbetreuung einspringen.
    Für mich war 32 (5 Jahre Berufserfahrung; Mann fertig studiert mit sehr guten Jobaussichten) beim ersten Kind perfekt, vorher gab es aber bei keinem von uns einen konkreten Kinderwunsch.

  • Ich hab mich damals aufgrund von ähnlichen Überlegungen (nach dem Studium will/muss ich erstmal Arbeit finden, dann will ich aber dort auch nicht gleich schwangerschaftsbedingt aussetzen usw usf) Hals über Kopf dafür entschieden noch im Studium das erste Kind zu bekommen. Kind 2 kam dann während der Promotion, die in meinem Bereich allerdings 4 Jahre dauert.


    Ich fand und finde das bis heute eine gute Entscheidung. Aber sicher hätte es auch anders gut funktioniert.


    Allerdings: Ein Kind stellt immer alles auf den Kopf, und so durchgeplant wie ihr das angeht warne ich sicherheitshalber schonmal davor, zu hohe Ansprüche an eure Planung zu haben #freu


    Wenn ihr jung Eltern werden wollt, dann wird sich ein Weg finden, zumal ihr ja offenbar zumindest schon ein Einkommen habt. Aber wenn dir deine berufliche Sicherheit wichtig ist (sehr vernünftig!), dann muss dein Mann halt warten. So einfach ist es doch. Die Erwartung, dass beide Eltern vor der Geburt des ersten Kindes beruflich im akademischen Bereich Fuß gefasst haben und trotzdem jung Eltern werden ist halt...ähm...schwer zu erfüllen ;)

  • Bei mir stehen gerade ähnliche Überlegungen an (wobei ich anscheinend etwas älter bin als du). Ich hab meinen ersten Abschluss fertig, arbeite seit mittlerweile fast drei Jahren, mache seit letztem Jahr einen zusätzlichen Master und peile für nächstes Jahr den Abschluss meiner Promotion an. Naja, und mittlerweile auch für Anfang nächstes Jahr das Weglassen der Verhütung. Dann bin ich kurz vor 31, im Masterstudium und mit halbfertiger Masterarbeit und halbfertiger Diss, habe andererseits aber auch im Arbeitsleben Fuß gefasst. Mein Freund ist dann frisch 30, in neuem Job und wir beide in einer Stadt, aus der wir wegwollen. Wat willste machen.


    Ich glaube inzwischen, dass es keinen perfekten Zeitpunkt gibt. Bessere und schlechtere, ja. Aber in deinem Fall scheint es mir nicht wirklich eine Alternative zwischen Karriere durchrocken und dann loslegen oder halt riskieren dass es beruflich etwas langsamer vorangeht zu geben. (Wobei ich Ü30 beim ersten Kind jetzt nicht direkt alt finde.)

  • Vielen Dank für die vielen Antworten schonmal! Es tut gut, Gedanken "von außen" zu bekommen :) .



    Allerdings: Ein Kind stellt immer alles auf den Kopf, und so durchgeplant wie ihr das angeht warne ich sicherheitshalber schonmal davor, zu hohe Ansprüche an eure Planung zu haben #freu

    Das dringt so langsam auch in mein Bewusstsein #freu . Der Gedanke muss glaube ich erstmal seinen Platz in meinen verkopften Gedanken finden.


    Ich glaube inzwischen, dass es keinen perfekten Zeitpunkt gibt. Bessere und schlechtere, ja. Aber in deinem Fall scheint es mir nicht wirklich eine Alternative zwischen Karriere durchrocken und dann loslegen oder halt riskieren dass es beruflich etwas langsamer vorangeht zu geben. (Wobei ich Ü30 beim ersten Kind jetzt nicht direkt alt finde.)

    Das habe ich befürchtet bzw. das ist mir heute nochmal klarer geworden. Ich werde wohl nochmal in mich gehen müssen, inwieweit ich meine Karriere zurückstellen will oder ob ich da doch sehr egoistisch bin. Wie vielleicht schon angeklungen ist, ich bin noch ein junger Hüpfer, sodass für mich meine Planung sehr stimmig ist. Mein Mann, obwohl nur 4 1/2 Jahre älter, empfindet da halt anders. Ich bin selber das Kind von deutlich ü30-Eltern, habe das nie als störend empfunden, aber er tut es eben. Und das möchte ich auch nicht einfach abbügeln.


    Wann für euch ein guter Zeitpunkt ist weiß ich natürlich auch nicht, ich würde aber vielleicht noch die Kinderbetreuungsfrage in meine Überlegungen einbeziehen.

    Das ist auch eine gute Überlegung, denn hier vor Ort ist die Kinderbetreuung durch Familie (kaum vorhanden) oder Freunde (viele schon weggezogen), schwierig. Ob sie in der Heimat so viel besser wäre, hmmm. Die Großeltern sind entweder berufstätig oder nicht fit, dafür gibt es insgesamt eine große Verwandschaft, die sich wohl auch über Nachwuchs freuen/den hüten würde.


    Ich merke so langsam, ich will eigentlich die eierlegende Wollmilchsau-Situation - typisch ich #hammer . Ich nehme jetzt auf jeden Fall erstmal euren Input mit in das nächste Gespräch mit dem Männe, mal schauen was uns so einfällt :) .

    Und immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht.

    Udo Jürgens

  • Eine Bekannte von mir hat das erste Kind vor dem Referendariat bekommen, hat ein Jahr Kinderzeit gemacht, nach dem Referendariat das zweite und das dritte, hat dann als staatsanwältin gearbeitet. Die Familie hat allerdings Großeltern in greifbarer Nähe und haben irgendwann eine Kinderfrau gefunden, die sowohl mittagessenkochen, Hausaufgabenbetreuung und Spielplatzspaß zuverlässig abgedeckt hat. Zuletzt war die Mutter Richterin und aktuell macht sie mit dem vierten Kind ein Jahr Pause. Die Kinderfrau ist weiterhin im Einsatz. Der Vater ist auch Jurist, durchaus präsent und engagiert, aber kann keine Nachmittage übernehmen.


    Bei dieser Familie hat das mit erstem Kind unter 30 gut geklappt, allerdings waren da weder Promotionen oder große Umzüge zu stemmen. Dafür ein solides soziales Netz, Noten für den Staatsdienst und Geld für Unterstützung verfügbar.

  • Hallo, darf ich da als (Auch-)Fachkollegin drauf antworten? Ich glaube, menschlich gibt es eine vorgefertigte Antwort natürlich nicht #herzen . Natürlich auch nicht den optimalen Zeitpunkt. Irgendwas passt nie, wäre später oder früher leichter gewesen, dafür wuppt dann anderes besser.
    Aber mal konkret zum Zeitpunkt bei den geplanten Biographien: Im Nachhinein würde ich jedem empfehlen, früher anzufangen, als man selbst es zum "Jetzt-Zeitpunkt" für möglich hält. Das hat damit zu tun, dass die Anforderungen bei den jeweils geplanten Karriereschritten kontinuierlich steigen, auch wenn man immer glaubt, nach dem nächsten Qualifikationsschritt würde alles "leichter". Das wird es mitnichten, denn wenn alles wie geplant läuft, wird nur die Verantwortung größer - und damit wird es schwieriger, dass Kollegen spontan einspringen könnten oder man ersetzbar wäre, wenn man mal wieder kinderkrank nehmen muss.
    Ich war ja sehr lange ungewollt kinderlos und habe eher aus Versehen Karriere gemacht. Dass ich dann wunderbarerweise doch noch Mutter geworden bin, erfolgte relativ spät und gerade dort, wo ich beruflich die Früchte meiner Arbeit hätte ernten können - und wo vor allem alle anderen, Kollegen, Vorgesetzte, Familie, etc. erwarten, dass man die Früchte dann gefälligst auch erntet. Vorher war ich ein sechzig Stunden Arbeitsjunkie (ich hatte einfach Power und Lust, was zu machen). Da hatten sich alle dran gewöhnt. Als ich dann plötzlich "nur noch" vierzig Stunden die Woche regulär arbeiten konnte, brach ein allgemeiner Zustand des Beleidigtseins um mich herum aus, dem ich wenig entgegenzusetzen hatte. Und da hatte noch kein einziger Tag Kinderrank stattgefunden. Dort, wo ich damals gearbeitet habe, war das erhöhte Arbeitspensum auch "normal". Ich glaube, das ist bei vielen juristischen Berufen so (da ich allerdings nie selbstständig war, könnte man vielleicht von einer RA-Kollegin auch noch ein Meinungsbild einholen). Im Nachhinein würde ich jedenfalls sagen, dass sowohl das Studium, als auch die Promotion als auch das Referendariat durchaus mit einem Kind zu organisieren sind, weil man, zumindest aus Sicht des Umfelds noch nicht volle Verantwortung übernehmen muss. Man ist dann eben im schlimmsten Fall eine Referendarin, die irgendwas nicht hinkriegt (aber aus Sicht der meisten Ausbilder sind da 80 % eh nur nette Kiddies, denen man noch die Welt erklären muss) oder die Promoventin, die einen Monat länger braucht. Wobei - selbst das käme auf die Bedürfnisse des Kindes an. In der Elternzeit hätte ich eine vergleichbare Promotion glatt noch mal schreiben können, von den ersten Monaten der Verunsicherung abgesehen ("mache ich auch alles richtig mit meinem Wunschkind..." vielleicht auch ein Plädoyer für frühe Mutterschaft, mit dem Schwung und dem Mut der Jugend). Das Promotionsthema muss halt gut gewählt sein. Und das Referendariat ist strukturell mit ein paar Stunden vormittags erledigt + eine AG nachmittags, das geht auch mit Kleinkind, viele meiner Kolleginnen hatten damals bereits eigene Kinder. Vor allem nehmen die Ausbilder da leichter Rücksicht als auf andere "Befindlichkeitsstörungen".
    Mein Tipp wäre also kurz gefasst: Nicht bis zur Vollzeit-Stelle aufschieben ;)
    LG und alles Gute

    There is a crack in everything - That's how the light gets in...:rose:

    (Leonard Cohen)

    Einmal editiert, zuletzt von Zeitmeisterin* () aus folgendem Grund: Wort vergessen, aber wahrscheinlich nicht nur eins...*lol*

  • Eine Bekannte von mir hat das erste Kind vor dem Referendariat bekommen, hat ein Jahr Kinderzeit gemacht, nach dem Referendariat das zweite und das dritte, hat dann als staatsanwältin gearbeitet. Die Familie hat allerdings Großeltern in greifbarer Nähe und haben irgendwann eine Kinderfrau gefunden, die sowohl mittagessenkochen, Hausaufgabenbetreuung und Spielplatzspaß zuverlässig abgedeckt hat. Zuletzt war die Mutter Richterin und aktuell macht sie mit dem vierten Kind ein Jahr Pause. Die Kinderfrau ist weiterhin im Einsatz. Der Vater ist auch Jurist, durchaus präsent und engagiert, aber kann keine Nachmittage übernehmen.


    Bei dieser Familie hat das mit erstem Kind unter 30 gut geklappt, allerdings waren da weder Promotionen oder große Umzüge zu stemmen. Dafür ein solides soziales Netz, Noten für den Staatsdienst und Geld für Unterstützung verfügbar.

    Kinderbetreuung ist natürlich das A und O. Ich war zu meiner Vollzeit-Zeit AE und auch jetzt muss ich immer noch selbst sehr viel organisieren. Trotz Kinderfrau mit hohem finanziellen Aufwand passiert einfach im Zweifels nichts, wenn ich nicht DA bin, um es zu befehlen #kreischen .
    Ich habe allerdings auch ein besonderes Kind; außerdem war mein Sohn in der KiGa-Zeit sehr oft krank und im Krankheitsfall lässt sich Kinderbetreuung nicht immer mit Geld allein regeln, viele wollen oder können dann einfach nicht. Insofern habe ich eben auch erlebt, dass nicht alles planbar ist (natürlich ist es super, wenn es läuft!). Insofern würde ich immer vom schwierigeren Fall ausgehen und nicht die Kleinkind-Zeit bewusst mit den höchsten beruflichen Anforderungen - die ja oft immer noch am männlichen Single als Ideal bemessen sind - kombinieren.


    PS: Danke Cashew für den tollen Bericht, ich finde, so was macht auch immer Mut.

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  • Mein Tipp wäre also kurz gefasst: Nicht bis zur Vollzeit-Stelle aufschieben


    Zeitmeisterin, ich bin grundsätzlich deiner Meinung, finde es aber nicht unerheblich dass hier der Mann bereits Ausbildung abgeschlossen und Arbeitsstelle gefunden hat, und die Frau selbiges für sich nun eventuell hinten anstellt um dem Wunsch des Mannes früh Vater zu werden entgegenzukommen.
    (Nach deinem zweiten Post, Angua, liest es sich für mich zumindest so.)


    Wenn du selber gerne so schnell wie möglich Mutter werden willst dann liegt die Sache anders, aber so wie du es schilderst würde ich wohl eher dazu raten erstmal beruflich so weit wie möglich zu kommen, bevor das Kind kommt. Das ist schon ganz schön viel was du da in die Waagschale wirfst, nur um, ich sag's mal etwas platt, der Zahlenspielerei deines Mannes entgegenzukommen.

  • Mich wundert, das schon wieder alles automatisch darauf hingedacht wird, das die Mutter dann beruflich zurückstecken, muß... #gruebel

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  • Ich schreib jetzt hier mal nicht: Es gibt keine "richtigen" Zeitpunkt und jeder muss das selbst entscheiden,
    denn: beides weist du ja eh ;) , und deine Frage war ja schon auch konkreter.
    Ich finde es klug, seine Vorüberlegungen und Abwägungen mit anderen Menschen zu teilen. Denn bestenfalls steckt ja schon etwas Biographieplanung und ein bewusster und überlegter Schritt hinter der Entscheidung, Kinder zu bekommen.
    Auch wenn nicht alles planbar ist, erhöht sowas ja durchaus die Chancen, dass man hinterher zufrieden ist und all das unter einen Hut bekommt, was einem im Leben wichtig ist #ja .


    Ich persönlich habe Kinder gekriegt, nachdem ich den vollen Berufsabschluss incl aller Examina und der praktischen Lehrphase hatte. Das war dann in der Probezeit. Noch vor der Verbeamtung auf Lebenszeit. Und vor der Inhabe einer "festen" Stelle.
    Also ein Kompromiss zwischen "ich will fertig sein mit allem und berufl in sicheren Gewässern schwimmen" und "aber den Kinderwunsch und das Alter dafür haben wir doch schon.
    Auf Lebenszeit verbeamtet wurde ich dann mitten im Familienleben. Zwischen Kind 2 und 3. ca ein Jahr später, als ich sonst -ohne "Kinderpausen" - Lebenszeitbeamtin geworden wäre.
    Ganz kurz nach der Geburt von Nr 3 mussten wir uns dann stellentechnisch umorientieren. Da hätte man auch lamentieren können, dass das praktischer und einfscher gewesen wäre, wenn man erst nach dieser Umorientierung Kinder gekriegt hätte. Stichwort Kinderbetreuung etc ... das war nicht so leicht, für 3 Kinder passende Bedingungen zu finden. Ohne Kinder wäre das sicher einfacher und viel freier gewesen.
    Aber: Ich persönlich würde das Fazit ziehen, dass wir da für uns genau den richtigen Kompromiss gefunden haben.
    Das Risiko, beruflich sehr eingeschränkt zu werden, war überschaubar gering.
    Auf der anderen Seite lag in der Waagschale, dass wir uns schlicht Kinder gewünscht haben zu diesem Zeitpunkt und uns unser Leben auch nicht vom Beruf diktieren lassen wollten. Das waren die falschen Prioritäten in unseren Augen.
    Damit war der Zeitpunkt bei uns gut eingegrenzt ...

  • Ja, da gibt es wirklich tausend Aspekte und den perfekten Zeitpunkt ohnehin nicht.


    Trotzdem wollte ich schreiben, dass ich Deine Überlegung, erst mal das erste Staatsexamen zu machen, gut finde.
    Gerade wenn Dein Mann schon fertig ist, sähe ich (nach den Erfahrungen in meiner Umgebung) das Risiko, dass sonst alles an Dir hängen bleibt, weil Du ja "nur" studierst, während er das Geld für die Familie verdient.
    Und da Du erwogen hattest, während der geplant einjährigen Promotionsphase das Kind zu bekommen: Dir ist schon klar, dass das nur geht, wenn das Kind Vollzeit betreut ist, oder? Eine Bekannte von mir plante, ihre Dissertation mit Säugling zu schreiben, in der Zeit während das Kind dann schläft halt... so etwas kann man mit allen mir bekannten Babys absolut vergessen.
    Wenn es Deinem Mann so wichtig ist, dass Ihr das erste Kind bekommt, während er noch unter 30 ist, wäre auch die Frage, ob er vielleicht bereit wäre, ein Jahr Elternzeit zu nehmen und das Kind zu betreuen; dann wäre es für Dich jedenfalls leichter, nicht den Anschluss zu verlieren.


    Ich habe es in der Tat so gemacht, dass ich meine Kinder erst nach Berufseinstieg bekommen habe und bin darüber sehr froh. Wir hatten aber auch Glück, dass es jeweils schnell geklappt hat. Eine abgeschlossene Ausbildung wäre mir in jedem Fall wichtig, wenn es altersmäßig (wie bei Dir ja offenbar) in Betracht kommt. Es gibt sonst auch wirklich das Risiko, dass sich in der Partnerschaft ein Ungleichgewicht entwickelt, ich habe das selbst, aber auch oft in meinem Umfeld erlebt: gar nicht so wenige Männer fallen, wenn Kinder kommen, plötzlich in die überkommenen Rollenmodelle zurück, obwohl sie vorher immer ganz selbstverständlich die Gleichberechtigung vertreten haben. Plötzlich ist dann ihre Arbeit überlebenswichtig für die Familie und ein Opfer, während die Arbeit der Frau bloß Selbstverwirklichung auf Kosten der Familie ist...


    LG Nele

  • Mich wundert, das schon wieder alles automatisch darauf hingedacht wird, das die Mutter dann beruflich zurückstecken, muß... #gruebel

    Bei uns ist es so geplant, dass ich beruflich zügig wieder zu 75-80% einsteige und mein Freund den Großteil der Care-Arbeit übernimmt - mein Einkommen liegt deutlichst über seinem und er will sich evtl. beruflich nochmal komplett umorientieren. Schwanger bin trotzdem ich (das kann bei mir zu beruflichen "Komplikationen" führen) und zumindest ein halbes Jahr Elternzeit sehe ich bei geplantem Stillen etc. als notwendig an. #weissnicht

  • Mich wundert, das schon wieder alles automatisch darauf hingedacht wird, das die Mutter dann beruflich zurückstecken, muß... #gruebel

    Da hast du recht. Ich hatte das irgendwie unbewusst aus dem Text herausgelesen - gerade auch nach der Ergänzung dass Kinderbetreuung schwierig sei weil keine Familie anwesend die betreuen kann (was für mich niemals eine Planungsbasis gewesen wäre). Da war für mich klar (vielleicht zu Unrecht??), es geht hier um Westdeutschland und Krippe/KiGa ist die ersten Jahre keine Alternative, und da der Vater außer als 'erwerbstätig' und 'mit Kinderwunsch vor Alter X' nicht in Erscheinung tritt, hatte ich geschlussfolgert dass die Rollenverteilung eh klar ist...


    #angst

  • Ich plädiere für Kinder während der Ausbildung. #ja oder sehr viel später.


    Die Idee “erst mach ich den Abschluss“ oder “erst mach ich noch dies und das“ hat bei mir dazu geführt, dass ich jetzt zwar einen tollen Abschluss habe und 2 tolle Kinder, dass ich mir meine ach so tolle Ausbildung (8 Jahre plus Anerkennungsjahr, ohne trödeln in Regelstudienzeit) aber an den Hut stecken kann, weil ich hochqualifiziert aber mit wenig Berufserfahrung keine Chance hab.
    Ja, keine Chance gegen die männlichen Kollegen und die Single-power-Frauen.
    Ok, ich hab auch nen Job, der diesbezüglich doof ist.
    Wenn die Kinder im Studium kommen, ist pausieren einfacher, denk ich. Ob du bissl länger oder kürzer studierst interessiert doch keinen. Aber wenn dein Abschluss im Jahr x war und du im Jahr x+3 (oder wann auch immer) keine Berufserfahrung nachweisen kannst “nur“ wegen der Kinder, hat plötzlich keiner Verständnis.


    Oder 10 Jahre arbeiten und dann Kinder...

    Mit einem Osterhäschen reich beschenkt ❤️

  • Zeitmeisterin, ich bin grundsätzlich deiner Meinung, finde es aber nicht unerheblich dass hier der Mann bereits Ausbildung abgeschlossen und Arbeitsstelle gefunden hat, und die Frau selbiges für sich nun eventuell hinten anstellt um dem Wunsch des Mannes früh Vater zu werden entgegenzukommen.
    (Nach deinem zweiten Post, Angua, liest es sich für mich zumindest so.)


    Wenn du selber gerne so schnell wie möglich Mutter werden willst dann liegt die Sache anders, aber so wie du es schilderst würde ich wohl eher dazu raten erstmal beruflich so weit wie möglich zu kommen, bevor das Kind kommt. Das ist schon ganz schön viel was du da in die Waagschale wirfst, nur um, ich sag's mal etwas platt, der Zahlenspielerei deines Mannes entgegenzukommen.

    Stimmt, stimme zu: So verstanden müsste natürlich darauf geachtet werden, die Bedürfnisse beider Partner auszubalancieren.


    Ich hatte es aber anders verstanden: Der Mann hat eine Lehrstuhlstelle als Promovent, das zählt unter Juristen eigentlich nicht als "Ausbildung" abgeschlossen, es sei denn, er leitet den Lehrstuhl #cool . Er ist ein - auf voller Stelle - gut bezahlter Promovent und auf drei Jahre befristet, im besten Fall mit Verlängerungsmöglichkeit um noch einmal drei Jahre. Danach ist Schicht im Schacht, d.h., er muss sich auf dem freien Markt bewähren oder noch zusätzlich habilitieren...
    Ich habe es auch nicht so verstanden, dass Angua VOR dem ersten Staatsexamen noch schwanger werden möchte oder jemand dies ernsthaft empfiehlt, sonst allerdings würde ich jedes deiner Wort unterschreiben...
    So, wie ich es verstanden hatte, ging es in erster Linie um die Zeit der Promotion, und ja, da glaube ich tatsächlich, dass eine gut vorbereitete juristische Promotion in einem Jahr zu schreiben ist - bei einem guten Betreuer und mit einem guten Thema, der eine Promotion als das behandelt, was es ist, nämlich einfach eine weitere Qualifikationsschrift und nicht als Vorübung für den Literatur-, Friedens- und Besserwisser-Nobelpreis :D .


    Liebe Angua, ich glaube nicht, dass du die Vorstellung, diesen weiteren Qualifikationsschritte zu planen, als egoistisch betrachten solltest. Im Gegenteil: Es ist in eurem Fall wahrscheinlich sogar wichtig für die partnerschaftliche Balance. Die Lehrstuhlstelle sollte z.B. die Finanzierung einer Haushaltshilfe während der Elternzeit in euer beider Interesse ermöglich (als Idee). Dann könntest Du Dich auf Baby und Schreiben konzentrieren.
    Mein Tipp mit der Zeit erfolgte allein mit Blick auf Dich, nicht den zeitlichen Vorstellungen Deines Partners zuliebe. Denn gerade wenn Du in der Karriere nicht zurückstecken möchtest, wird die Kombinierbarkeit vielleicht später nicht leichter, aber, auch das ganz ehrlich gesagt: So leicht wie als Single ist es nie - nur: Leichtigkeit ist kein Kriterium dafür, wie man sein eigenes Leben als erfüllt oder unerfüllt erlebt.
    LG

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    (Leonard Cohen)

    Einmal editiert, zuletzt von Zeitmeisterin* () aus folgendem Grund: Wort vergessen. Ein Wunder, dass ich überhaupt einen Beruf habe ;)

  • Darf ich das der Einfachheit halber noch unterschreiben? Das ist leider auch ein Risiko - gilt bei Juristen oft für Schwangerschaftennach dem zweiten Staatsexamen. Wenn, dann muss man wenigstens auch noch die Richterprobezeit überstehen. Aber im Assessment lieber nicht durchblicken lassen, dass man KINDER möchte (wo kämen wir denn dann hin? Wie soll man die Bewerber denn dann noch Hin- und Herversetzen während der Probezeit...) Nach der Richterprobezeit bzw. wenn man ganz hart ist: schon nach dem Assessment #super steht einem allerdings der Himmel wieder offen #heilig
    PS.: Gendergerecht ist das alles natürlich nicht, aber es hat ja keinen Sinn, politisch korrekte Sache zu schreiben, die einfach in konservativen Berufsständen so nicht immer stimmen. Problem: Es sind oft die Erfolgsgeschichten, die erzählt werden. Die anderen schweigen.

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    (Leonard Cohen)

  • Ich studiere ja ganz was anderes, daher kann ich zum Fachspezifischen nichts sagen.
    Unsere Zwetschke war auch ein Wunschkind, auch wenn ich mich das anfangs nicht sagen traute weil es von außen gesehen nicht passte. Ich hab davor 40h plus Überstunden ohne irgendwie darüber nachzudenken gearbeitet, in einem schlecht bezahlten Traumjob, als Projektstelle. Aber mit Chefinnen, die gerade kleine Kinder bekommen hatten (da waren sie knapp 40 Jahre, sie haben vorher Karriere gemacht). Also sah das so einfach aus. Ich hab dann 20h weitergearbeitet gleich nach Mutterschutz weil ich die Zwetschke dorthin mitnehmen konnte #herzen
    Ich also mit Baby im Tragetuch gearbeitet, dazwischen Baby gestillt, gewickelt, bespielt, wieder Tragetuch und einschlafen lassen, weitergearbeitet.
    Problem 1: mit 11 Wochen war Schluss mit Autofahren. (Panik wegen Übelkeit) Also statt 1h einfache Wegzeit plötzlich öffentlich 2h.
    Problem 2: der Schlafbedarf nimmt ab. Die ersten Monate waren super, ab ca. 1/2 Jahr wurde es mühsam, zum Schluss (zu Projektende war sie 11 Monate) hab ich quasi meine nicht verbrauchten Urlaubstage stundenweise konsumiert...
    Problem 3: ab 7 Monaten war sie eine reine Kontaktschläferin mit halbstündigem Aufwachen. Die ganze Nacht über. Wurde erst mit ca. 15 Monaten besser. Ich war einfach komplett am Sand. Dazu war sie tagsüber auch nurbei mir glücklich. Papa ging für 10 Minuten.


    Seit sie 15 Monate ist ist sie Vormittags in der Krippe, was vor allem deshalb funktioniert weil ihr ihre 2 Pädagoginnen absolut liegen. War ein echter Glücksgriff.


    Ich arbeite seit Sept und ich bin total froh über meine Stelle,aber ich pfeife aus dem letzten Loch weil die Diplomarbeit endlich fertig werden muss. Klar steckt mein Mann zurück und unterstützt mich. Allerdings habe ich keine Minute Zeit für mich, außer mein Smartphone während ich die Zwetschke laaaange einschlafbegleite. Er hat Zeitungsabos, schaut Filme und Filmchen im Internet, liest Bücher,... ja, er hat viel zurückgesteckt. (Im Vergleich zu vorher)


    Aber ich würde unbedingt vorher klären, ob euch beiden klar ist dass ihr eventuell _beide_ _über Monate_ _KOMPLETT_ zurückstecken werdet müssen, damit du was erreichen kannst.


    Und jetzt hat sich die Zwetschke von mir runtergewuzelt, also hab ich Glück und kann schreiben gehen obwohl ich eigentlich nur schlafen will.