Raben in Frankreich

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    Wir werden im Spätsommer nach Frankreich ziehen. Gibt es hier im Rabendorf französische Rabenfamilien?


    Ich mache mir viele Gedanken und würde mich über Erfahrungen aller Arten freuen. ZB sprechen wir alle bisher kaum französisch ( mein Level ist so etwa A2), Kinder und Mann sprechen nahezu kein Französisch. Und dann werden 2 meiner Kinder wohl zur Schule gehen. Hat da jemand Erfahrung hier wie das mit der Eingliederung werden wird ? Es gibt so viele schreckliche Geschichten im Internet, da sorgt sich mein
    Mutterherz sehr. Es gibt aber wohl auch die Möglichkeit homeschooling zu machen. Hat da jemand Erfahrung?


    Sind französische Eltern wirklich so strikt wie man das oft hört?


    Ich würde mich über eine Austausch freuen !

  • Hallo Nachtkerze, wir wohnen zwar nicht direkt in Frankreich sondern nur an der Grenze. Mein Mann ist aber Franzose und es ist durchaus möglich, dass wir uns mittelfristig auch auf der anderen Seite niederlassen. Bedenken habe ich aber bezüglich des Bildungssystems auch etwas. Zu homeschooling kann ich dir leider nichts sagen.

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    • Offizieller Beitrag

    Wie alt sind denn deine Kinder ?
    homeschooling war unsere Idee, falls das mit der Schule gar nicht klappt. Ich fände es aber schön wenn die Kinder in der Schule Anschluss finden und französisch lernen.
    Für uns ist es auch ersteinmak auf einige Jahre begrenzt; wohin es danach geht wissen wir noch nicht.

  • Ich weiß, dass eine deutsche Rabenfamilie nach Paris gezogen ist. Im Avater ist glaube ich ein Storch. Leider weiß ich deren Namen nciht. Sorry, hilft dir jetzt auch nicht viel, oder? #schäm


    Ich finde euer Vorhaben aber sehr spannend und würde mich freuen, wenn du vielleicht ab und zu mal berichtest, wie es euch so geht. Wollt ihr aus beruflichen Gründen umsiedeln?
    Alles Gute!

    Mit großem Kind (2008) und kleinem Kind (2018)


    Meist vom Handy aus im Forum unterwegs. Tippfehler sind garantiert.

  • Ich habe mit meiner Tochter, damals 3. Klasse, ein Schuljahr bei Paris verbracht. Es gab dort eine internationale Schule, für Französisch hatte sie extra Förderunterricht, den sie sehr mochte und nach 6 Monaten hat sie tatsächlich angefangen, sich selbstständig zu unterhalten. Sie hatte an dieser Schule auch eine Stunde am Tag Deutsch- und Sachkundeunterricht zusammen mit den anderen deutschsprachigen Kindern der Schule, bei einem deutschen Grundschullehrer.
    Der Unterricht war frontaler und mit mehr Leistungskontrollen als wir es aus D gewohnt waren, aber wir kamen damit gut zurecht und hatten auch Glück und eine sehr nette Lehrerin.
    Es gab auf dem Schulhof aber auch Lehrerinnen, die die Klasse jeden Morgen mit Trillerpfeife zur Aufstellung gepfiffen haben, das fand ich etwas merkwürdig.


    Für mich waren die französischen Eltern und die Schule anders und manchmal gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlimm, aber ich erfülle auch bestimmt höchstens unteren Raben-Standard in vielen Dingen ;) und komme auch mit Menschen gut zurecht, die mir sehr unterschiedlich sind. Insofern kann ich da eher nicht so viel dazu sagen. Angst haben musst Du, finde ich, jedenfalls nicht.


    Dinge die ich an der Schule mochte (meine Tochter nicht unbedingt):
    -der Schulhof und das Schulgebäude ist elternfreie Zone, man gibt die Kinder morgens am Tor ab, das dann tagsüber verschlossen ist.
    -das Mittagessen besteht immer aus 3 Gängen (Rohkost, Hauptgericht aus Fleisch, Gemüse, KH-Beilage und Dessert oder Käse)
    -es wird zwar viel benotet, aber nicht bewertet; meine Tochter wurde eigentlich in mancher Hinsicht besser gefordert als in der JÜL-Klasse in Deutschland, und bekam auch bei schlechten Leistungen freundliche, aufmunternde Worte
    -von der Gemeinde wurde nicht nur die Nachmittagsbetreuung sondern auch verschieden Sportarten als Hobbies angeboten, die Kinder wurden aus der Schule abgeholt und wieder hingebracht
    -als Mutter mit 50-60 Stunden Woche und hauptsächlicher Allein-Verantwortung für meine Tochter war ich dort kein Alien, sondern eine Selbstverständlichkeit, es gab viel Unterstützung und nicht nur den Anspruch sondern auch eine Tarifreduktion bei der Nachmittagsbetreuung; da ich pendeln musste, haben gleich einige Mütter angeboten, dass sie mein Kind mitnehmen können, wenn mein Zug ausfällt oder zu spät ist


    Dinge die ich nicht mochte:
    -Schulhof war nur eine geteerte Fläche, auf der die Kinder bei Wind und Wetter die ganzen Pausen draußen verbrachten - bei Ganztagsschule ist das viel Zeit; gespielt wurde Gummitwist und ähnliches
    -es gab keinen Schulbus, ich musste jeden Morgen Auto fahren
    -Pausenbrote und auch die Zeit, solche zu Essen waren eher unüblich, wir haben meiner Tochter dann Snacks für die Manteltasche zurechtgeschnippelt :)



    Insgesamt haben wir gerne dort gewohnt, die Gegend war toll, Land, Leute, Essen, Kultur habe uns gut gefallen und wir haben die Zeit genossen.
    Ach so, mein Französisch war ca. B1, würde ich sagen, und die Leute waren immer freundlich, ich habe einfach in vielen Situationen jede mir gegebene Antwort so oft in meinen eigenen (schlechten) Worten wiederholt, bis ich mir sicher war, dass ich es richtig verstanden habe. Uhrzeiten und Termine habe ich immer aufgeschrieben und dem Gegenüber nochmal gezeigt, um sicher zu gehen.
    Bei der Anmeldung für die Schule hat mir die Direktorin selbst geholfen.

    • Offizieller Beitrag

    @susali, wir werden aus beruflichen Gruenden umziehen, aus den USA nach Frankreich. Mein Mann hat eine befristete Stelle an der Uni in der Bretagne.


    @shangri-la, vielen Dank fuer deine Erfahrungen. Es gibt ueberall auf der Welt gute und schlechte Lehrer, und liebe und doofe Leute. Nur hatte ich in letzter Zeit viele doch sehr negative Erfahrungen zum Schulwesen in Frankreich gelesen, und machte mir Sorgen. Da tut es richtig gut, zu hoeren, dass es dir und deiner Tochter gut ging. Hast du den Nachhilfeunterricht fuer franzoesisch selbst bezahlen muessen?


    Wir werden nicht in Paris sein, sondern in der Bretagne, in einer kleineren Stadt (oder sogar eher Dorf, aber mit grossem Institut) ohne internationale Schule. Ich hoffe, dass durch das Institut es noch andere internationale Familien geben wird. Ich frage mich auch, wie meine Kinder (4 und 7 Jahre) dort franzoesisch lernen sollen, wenn sie einfach in der Klasse sitzen, ohne jegliche extra Hilfe. Extra regelmaessig privat Nachhilfeunterricht wird teuer werden fuer mehrmals die Woche. Schon der Umzug USA-Frankreich kostet 1000e Euros. Wir machen diesen Sprung um Europa auszutesten als Familie, eine neue Kultur zu erleben, zusammenzusein, und eben weil es eine interessante Stelle fuer meinen Mann ist, und wir nicht in den USA bleiben konnten.


    Meine Kinder sprechen hauptsaechlich englisch, aber auch ein wenig deutsch und verstehen es sehr gut (sie sind derzeit 3sprachig mit englisch Umgebungssprache dominant), franzoesisch kaeme auch hinzu. Zudem scheint meint aeltester Legasthenie zu haben, ist aber in Mathematik und Naturwissenschaften seinen Kameraden meilenweit voran, macht aber viele Fluechtigkeitsfehler. Ich moechte ihn gerne unterstuetzen, ihm helfen, seine Begabungen foerdern, kann mir aber auch vorstellen, dass er dort in der Schule 2 Jahre kaum Fortschritte machen wuerde, auch weil er seine Talente eben nicht zeigen kann ohne franzoesisch Kenntnisse. Aber vielleicht ueberdenke ich das alles auch einfach.


    Was du beschreibst mit der Unterstuetzung als Doktorandin klingt toll, ich wuenschte hier haette es aehnliches gegeben, stattdessen war ich nach dem Doktor ohne jegliche staatliche und familiaere Unterstuetzung, ohne Mutterschaftsurlaub (10 Tage pro Kind) einfach ausgebrannt und moechte auch jetzt nach 4-5 Jahren nicht wieder zurueck in die Akademische Welt. Aber das sind alte und komplexe Geschichten. Ich bin froh mit meinen (jetzt 3) Kindern zu Haus zu sein, fuer sie da zu sein.

  • Wie alt sind denn deine Kinder ?

    mein Kind wird erst 2, wäre damit aber in dem Alter, in dem er theoretisch schon in die école maternelle könnte, was ich schon recht befremdlich finde. Obwohl es natürlich kindergartenähnlich ist empfinde ich schon einen Druck dahingehend, dieses Angebot auch annehmen zu sollen.
    Vom Schulsystem kenne ich eher die Oberstufe. Ich bin in der 11. klasse für ein Halbjahr dort gewesen und empfand es auf dem Niveau als recht positiv, weil strukturelles Arbeiten, welches Bild dahin nicht zu meinen Stärken gehörte, gefördert und gefördert wurde.
    Allerdings finde ich die Bildungsidee insgesamt sehr wettbewerbsorientiert (was sich auch an den ganzen "concours" ablesen lässt), was ich bei jüngeren Kindern als problematisch empfinde.
    Aber wie gesagt beziehen sich meine Erfahrungen eher auf die Oberstufe.

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    • Offizieller Beitrag

    breaca, ja, es scheint sehr schulisch zu sein, mein 4jaehriger haette wohl schon richtigen Unterricht und sogar Tests! Was ich verrueckt finde. Ich denke auch, wenn Kinder aelter werden wird es einfacher. Ich bin hin und her gerissen, und ich denke wir werden einfach die franzoesische Schule ausprobieren, und wenn es nicht klappt, und die Traenen fliessen, unterrichte ich sie daheim und wir suchen Nachhilfelehrer zum franzoesisch lernen. Es ist halt schon eine lange Zeit fuer so kleine Kinder 8h am Tag in der Schule zu sein (mit pausen zwar, aber dennoch sehr lang). Fuer Freundschaften und Spielgefaehrten waere das franzoesisch halt schon wichtig, aber um das richtig zu lernen wird es wohl 1-2 Jahre dauern. Mein juengstes mit 4 Monaten muss dann aber zum Glueck erstmal noch nicht in den Kindergarten.

  • also, das kommt natürlich immer auf die ansprüche und einstellungen an, und man kann bestimmt auch mal glück haben, aber ich finde, alles, was man so über das französische schulsystem und die autoritären eltern hört, stimmt. jetzt so allgemein gesprochen. ich kenne natürlich jede menge liebe leute hier, finde die bretonen im speziellen aufgeschlossen und freundlich und wohne sehr gern hier, aber ohne not würde ich meine kinder hier nicht in die schule schicken, bzw waren die zwei versuche, die es auf wunsch der kinder (!) gab, ein ganz schönes desaster.
    es ist sehr (!) leistungsorientiert, die tage sind extrem lang, dazu kommen noch hausaufgaben (also, wenn die kinder um 5 nach hause kommen, wird erwartet, daß sie danach noch hausaufgaben machen) die kantinen sind schrecklich, zum einen weil das essen oft nicht sehr hochwertig ist, zum anderen, weil es dort kein pädagogisch geschultes personal gibt, sondern nur eine aufsicht. "alle" sagen, mit einer fatalistischen selbstverständlichkeit, die ich unter den franzosen in bezug auf das schulthema typisch finde, daß kantine streß pur ist, für die kinder.
    ich habe mich mal erkundigt, wie das im allgemeinen so gehandhabt wird, wenn ein kind die sprache nicht spricht, und allermeistens scheint es so zu sein, daß die kinder einfach in ihrer altersstufe eingeschult werden und "nach einem halben jahr können sie dann französisch". es ist möglich, daß das in größeren stätden und/oder in privatschulen nochmal anders ist. allerdings ist die landschaft an privatschulen bei weitem nicht so vielfältig, wie in deutschland, und außerdem sind sie auch teurer.
    in der bretagne gibt es aber sehr viele briten.
    in und um rennes gibt es einige homeschooler, in der gegend um st. brieuc auch (wo zieht ihr denn hin?) aber man muß sagen, daß homeschooling in frankreich auch nicht gerade streßfrei ist, wenn auch auf eine ganz andere art und weise. was davon einem nun mehr zusagt, ist bestimmt ganz individuell.


    ich habe mich damals in französischen foren angemeldet, um ein bißchen einblick zu bekommen. wenn du in elternforen die schulthreads verfolgst, ist das schon sehr aufschlußreich, finde ich.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Der Förderunterricht war von der Schule aus, das ist Standard für alle nicht-französischsprachigen Kinder, bis sie es gut genug können. In Deutschland gibt es das zB auch standardmäßig und muss nicht von den Eltern bezahlt werden. Den Rest der Zeit sitzen sie tatsächlich im normalen Unterricht und müssen irgendwie klar kommen. Das ist nicht immer einfach, das geht allen Familien so, die mit Kindern Kultur- und Sprachraum wechseln, nicht alle geben es halt gerne zu.
    Scheißtage und das Gefühl, man hätte das alles sich und den Kindern nicht zumuten sollen gibt es auch manchmal, da sollte man sich halt dann drauf einstellen. Ich habe mit meiner Tochter zB Jokertage zum blau machen vereinbart und sie durfte Süßigkeiten mit in die Pause nehmen.


    Gerade sind wir wieder für 2 Monate im Ausland und wir kommen mit einer ähnlichen Einstellung wieder ähnlich gut klar bzw stehen auch doofe Tage durch.


    Nicht jeder Tag in der Schule geht 8h, bei uns war an zwei Tagen um 14:30 Schluss (und meine Tochter im Hort) und Mittwoch schon um 11.


    Mein Eindruck war auch, dass ich manches nicht so toll fand, aber es für die Kinder viel einfacher ist, das auszuhalten, weil das System einfach für alle gleich ist.

  • Ihr zieht in die Bretagne? Das ist ja toll, da möchte ich eines Tages auch mal wohnen! Paris ist zwar auch schön, aber das Meer ist halt viel weiter weg. :(


    Ansonsten kann ich zu eurer Situation nicht viel sagen, da meine Kinder in Frankreich geboren sind und so Französisch besser beherrschen als Deutsch. Das französische Schulsystem finde ich gut, besonders die école maternelle, die ist wirklich toll. Die Kritik die hier in diesem Thread schon geäussert worden ist kann ich nicht bestätigen. Konkurrenzdenken und Druck haben wir nicht erlebt. Auch die Kantine ist weder schlecht noch Stress. In der maternelle muss probiert werden, aber nur ein mini bisschen. Wenn es dann nicht schmeckt, kann der Rest liegengelassen werden. In der Grundschule wird darauf geachtet, dass jeder von allem ein bisschen hat, damit es ausgewogen ist. Aber auch da gibt es keinen Druck.

    • Offizieller Beitrag

    Tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, hier ist einfach viel los, mit dem anstehenden grossen Umzug.


    @Madrone, wo wohnt ihr denn in Frankreich, auch in der Bretagne? Wir werden in der Naehe von Brest sein.
    Warum ist das Mittagessen stressig? Ich habe auch schon gehoert, dass die Kinder ohne franzoesisch Kenntnisse einfach in die Klasse gesteckt werden mit 30 Kindern und dann nach 6 Monaten franzoesisch koennen sollen. Ich bin mir da nicht so sicher, dass das klappen wird. Privatschulen gibt es dort wohl auch, aber die sind allesamt katholisch, und eben teuer.


    Was macht das homeschooling stressig? Welche Bedingungen musstest du erfuellen?


    Leider ist mein franzoesisch nicht aussreichend, um mich in foren zu beteiligen, mitlesen ginge es etwas vielleicht, um den groben zusammenhang zu verstehen. Welche Foren gibt es da?


    Darf ich noch mehr fragen? Wenn es zu persoenlich ist, auch via pn?


    @shangri-la, interessant, dass ihr Foerderunterricht hattet, und Madrone das nicht kennt. Ich selbst habe den Kulturkreis gewechselt (und mein Mann auch), aber wir waren schon erwachsen(er). Ich habe meinen Kindern gesagt, das in punkto schule franzoesisch lernen und freunde finden wichtig ist, der rest kommt schon. Mir tut es halt leid, dass gerade mein 6jaehriger auf deutsch und englisch schreiben kann, und so viel weiss und kann, und dass dann alles untergeht und nicht gesehen werden kann. Wenn alle stricke reissen, werden wir homeschoolen, oder wir ziehen fruehzeitig wieder um. Ich denke wir haben eine starken Familienzusammenhalt, der eben auch viel auffangen kann. Es ist doch immer so, dass man in anderen Kulturen manches toll findet, und anderes nicht so (aehnlich wie daheim, nur da kennt man die Regeln schon und weiss wie was funktioniert). Und ich kann mit den Lehrern nicht gut reden, dazu wird mein franzoesisch kaum aussreichen, auch wenn ich mir echt viel Muehe geben und jeden Morgen in meine Buecher gucke... aber verstehen im Alltag (oder gar am Telefon) ist ja doch nochmal was anderes.


    @Multikulti, auch dir danke ich fuer deine Beschreibungen in positiver Richtung :) Gerade im Internet wird halt wohl auch viel negatives berichtet.



    Wisst ihr vielleicht auch, wie das bei der Schulanmeldung ist? Ich habe gehoert, dass ein Impfbuch vorgelegt werden muss, und eventuell Versicherungen abgeschlossen werden muessen? Meine Kinder haben bisher nur teilweise dem amerikanischem Impflan gefolgt.

  • Impfbuch - kann ich mich nicht erinnern. Versicherung ja, da reichte bei mir eine Bescheinigung der dt. Krankenversicherung. Wenn ihr ganz dorthin umzieht werdet ihr Euch eh dort versichern.


    Die Fähigkeiten deines Sohnes kannst du ja auch anders fördern und wertschätzen. Und in spätestens 4 Jahren kommt dann auch in der Schule Fremdsprach Unterricht.


    Das Schulessen war wie gesagt eher unbeliebt bei meiner Tochter weil ihr das Essen nicht schmeckte, aber Stress hat sie dabei nicht empfunden. Sie kannte Schulessen aber auch schon aus D, wo in der 3. auch nicht mehr beim Essen betreut wird.


    Ehrlich gesagt hat bei mir die Suche nach geeigneten Schulen immer von Anfang an zur Planung meiner Auslandsaufenthalte mit dazugehört un d ich habe mich im Rahmen des möglichen daran orientiert. Gerade der Wohnort in Frankreich war nicht so optimal für meine Arbeit aber wegen der Schule einfach super. Vielleicht recherchierst du auch nochmal mehr noch Schulen in der Gegend, dt.-französische Schulen gibt es in F eigentlich öfter.

  • Hallo Nachtkerze,


    ich kann Dir gern von unseren Erfahrungen in einem kleinen Ort bei Strasbourg berichten. Allerdings haben hier viele Schulen einen zweisprachigen Zweig Frz./Dt. Während der drei Jahre Vorschule bis zum Ende der Grundschule (dauert hier 5 Jahre) wird täglich die Unterrichtssprache abgewechselt. Seltsamerweise heisst das trotzdem nicht, dass ich mich mit den Freundinnen meiner 10jährigen unterhalten könnte; das vermittelte Sprachniveau auf Deutsch soll wohl nach 9 Schuljahren (+ 3 Jahre Vorschule) nur auf Niveau B1 liegen.


    Als wir herkamen, war meine Älteste mit knapp 3 gerade alt genug, um in die école maternelle eingeschult zu werden. Ich war damals deutschen Kindergarten gewöhnt und war sehr überrascht, wie strukturiert es hier auch schon mit den Kleinen zugeht. Es ist tatsächlich eine Vorschule. Es werden zwar auch kreative Sachen gemacht, gesungen, gebastelt, vorgelesen..., aber es ist immer ganz klar vorgegeben, was die Kinder zu welcher Zeit machen sollen. Die Zeiten sind bei uns von 8:50-11:45 und 14 bis 16 Uhr, Mittwochs nur vormittags. In dieser Zeit dürfen die Kinder nicht selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen, um sich auszuprobieren oder einfach nach Lust und Laune zu spielen. Extrem viel Wert wird auf das Wohlverhalten in der Gruppe gelegt. (Meine Freundin erhielt neulich eine recht empörte Nachricht im Elternheft, dass ihr Dreijähriger sich weigern würde, ruhig im Stuhlkreis zu sitzen und der vorgelesenen Geschichte zuzuhören. #hammer )
    Meine Große wurde dann also mit 3 Jahren an jedem zweiten Tag ins kalte Wasser geworfen, da sie ja kein Wort Französisch sprach, und es dauerte tatsächlich ca. 1,5 Jahre, bis sie sich traute, etwas auf Frz zu sagen. Die LehrerInnen haben aber nie Druck gemacht und ab der moyenne section (also die 3,75 bis 4,75jährigen) gab es für die Kinder, die es brauchten, eine Art kostenlose Nachhilfe auf Frz, einmal die Woche eine Std nach der normalen Schulzeit, in der Gesellschaftsspiele u. ä. gespielt wurden, um die Kinder zum Sprechen zu ermutigen.


    Allgemein gibt es in der maternelle immer mal wieder Aufgabenzettel, mit denen der Entwicklungsstand überprüft wird. Dabei wird aber auch unterstützt, wenn das Kind es noch nicht schafft. Zweimal im Jahr gibt es ein "Zeugnis", in dem der Fortschritt des Kindes festgehalten wird. Keine Benotung, nur so was wie "im 1. Halbjahr gelernt", "im 2. Hj" oder "noch nicht ausgebildet", und das für viele konkrete kleine Fähigkeitsbereiche.


    In der Grundschule würde ein nicht frz. sprechendes Kind wahrscheinlich auch "einfach" ins kalte Wasser geworfen werden. Die Unterrichtsmethoden sind hier zumindest bis zur 5. Klasse sehr frontal orientiert. Es gibt viele Doppelklassen (also z. B. 1. und 2. Klasse zusammen), die aber nicht untereinander gemischt arbeiten. Klassenstärke sind 23 bis 30 Kinder. Ab und zu gibt es Gruppenarbeit, um z. B. einen Vortrag vorzubereiten.


    Insgesamt finde ich, dass den Kindern bis zur 3., 4. Klasse nicht viel zugetraut wird und geglaubt wird, sie müssten sehr stark geführt werden. Die 5. habe ich bei meiner Großen nicht mehr gaaaanz so extrem empfunden und dieses Jahr in der 6. , nach dem Schulwechsel ins Collège, wurde ihnen plötzlich sehr viel Autonomie (für unsere Verhältnisse, ich glaube, in D ist das ganz anders) abverlangt.


    Positiv finde ich am frz. Schulsystem, dass es den Stress in der 4. wegen des Übertritts nicht gibt. Alle Kinder, unabhängig von ihrer bisherigen Leistung, wechseln ins collège des Wohnortes, es sei denn, die Eltern stecken die Kinder zu diesem Zeitpunkt auf eine Privatschule.


    Die meisten Eltern erlebe ich tatsächlich als sehr leistungsorientiert und autoritär. Nicht unbedingt lieblos, aber als gleichwürdig sehen die meisten, die ich kenne, ihre Kinder nicht an. Ich werde groß angeschaut, wenn ich erzähle, dass meine Zweite in den Ferien nicht in ein bestimmtes Ferienprogramm gehen will. "Ja, und dann entscheidet sie das einfach so?" Ja, tut sie. Allerdings arbeiten die meisten Mütter ja auch, meist vollzeit, und müssen die 8 Wochen Sommerferien überbrücken, daher haben sie eine andere Ausgangslage als ich. Aber dass Kinder etwas selbst entscheiden dürfen, ist hier die Ausnahme. Ich habe auch schon gehört, von wie ich dachte, recht liberalen Eltern: "Ja, ich weiß, Ihr in Deutschland gebt Euren Kindern viel mehr Freiheiten. Ich traue das meiner 11jährigen eben noch nicht zu". Oder wie wäre es mit "Ist doch gut, wenn mein Kind Angst vor mir hat." Das würde ich jetzt aber auch nicht verallgemeinern wollen.


    Ach, ich könnte über die letzten 9 Jahre Romane schreiben. Frag einfach, was Du wissen magst. Positiv finde ich allerdings, dass man die Hortbetreuung (mit Ausnahme der Kantine, da bekommt nicht jeder einen Platz, zu große Nachfrage) flexibel von Monat zu Monat gebucht werden kann. Und es gibt ein sehr großes Angebot an Vereinen, die meisten davon mit sehr engagierten Gruppenleitern, denen die Entwicklung der Kinder in dem jeweiligen Hobby wichtig ist und die ihre Aufgaben sehr ernst nehmen. Da herrscht ein großes Gemeinschaftsgefühl, das meinen Mädels gut gefällt. Die meisten Angebote kosten 100 bis 200 € pro Schuljahr, allerdings muss man sich auch für das ganze Schuljahr festlegen. Von der Gemeinde gibt es kostenlose Nachmittagsangebote für 10 Wochen, dann wird unter den Schülern getauscht. Und im Collège gibt es über die Mittagspause auch AGs, z. B. Theater, Chor oder Sportarten. Es wird Wert darauf gelegt, dass die kids möglichst "untergebracht" sind und nicht einfach irgendwo herum hängen.


    Uff, welche Deiner Ausgangsfragen habe ich vergessen? ;)

  • Ach so, Impfbuch lege ich immer das deutsche vor. Es gibt empfohlene Impfauffrischungen, so viel ich weiss, ist nur Tetanus verpflichtend.
    Die Versicherung, de sie für die Schule haben müssen, ist eine Art Haftpflichtversicherung. Kostet bei uns pro Kind 16 € im Jahr.
    Das Kantinenessen ist bei uns auch sehr unbeliebt, das stimmt.

    • Offizieller Beitrag

    Deutsche Schule gibt es nirgendwo dort, und auch keine englische. Es ist wirklich sehr weit ab vom Schuss. Bretonische-franzoesische Schulen haette ich anzubieten. Es gibt Schulen, die dann mit 12Jahren und mehr zweisprachig englisch anbieten, aber das ist ja auch nicht fuer mein Kind. Zumindest konnte ich keine andere finden. Wir kontaktierten das Institut, aber auch dort wurden uns gesagt, dass Kinder doch schnell lernen und die Schulen dort alle gut seien. Ich denke, dass die Situation in Paris nochmal anders waere.


    Und fuer die Anfangszeit ist es vielleicht auch ersteinmal gut, wenn meine Kinder mittags nach Hause kommen, als kleine Pause, andererseits denke ich dass sie in der Mittagspause ja vielleicht auch spielen und Anschluss finden, mehr so als im normalen Unterricht.


    Shangri-La, klar Schule ist wichtig, aber die Gegend ist sehr laendlich, und so viel Auswahl gibt es dort nicht.


    Husky, danke fuer deine detailierte Beschreibungen. Ich kenne es auch so, dass es klare Rueckmeldungen gibt, wenn was falsch ist, oder besser gemacht werden kann, aber das eben nicht persoenlich oder unfreundlich passiert. Vieles haengt ja dann doch eben von der einzelnen Lehrerin ab, die sie kriegen werden. Ich habe spaeter bestimmt noch mehr Fragen, muss aber jetzt erstmal nach meinen Kindern und dem einzupackenden Haushalt gucken ;)


    Danke euch allen!

  • Wenn Du nicht arbeitest, dann bekommst Du vielleicht gar keinen Platz für Kantine und Hort und die Entscheidung hat sich erübrigt.


    Jetzt also erstmal gutes Übersiedeln und ankommen Euch allen!

  • @Nachtkerze: wir sind vor 2,5 Jahren hergezogen (Pariser Umland). Mein Mann konnte etwas gfranzosisch aus Schultagen, ich gar nicht. Das ging aber ganz schnell, nach ein paar Monaten konnte ich mich ganz gut unterhalten, und ich fand auch, dass die Franzosen sehr viel geduldiger sind mit mir und langsam reden als ich das in Deutschland erlebt habe (wo immer gleich alle auf Englisch wechseln, wenn sie es können).
    Du hättest viele Fragen, das lese ich gleich mal nach, ggf kann ich das ein oder andere beantworten. Kannst mir auch gerne eine PN schreiben.
    Homeschooling allerdings werden wir nicht machen, Tochter kommt im September in die materielle, sowie ist im April 3 geworden. Junior ist jetzt 9 Monate alt.

  • ja, wir wohnen in der bretagne, und du kannst mir gerne eine pn schreiben.



    das mit dem förderunterricht ist nicht unbedingt seltsam. bretagne ist einfach auf dem land, das merkt man dann noch an ganz anderen sachen. (und shangri-las schule war ja auch eine private schule, oder?) daher denke ich auch, daß es zb. mit kantine und hort keine probleme geben sollte, ich habe noch nie gehört, daß da jemand keinen platz gekriegt hätte. kantine ist furchtbar stressig, weil es einfach laut und wuselig und voll ist und es keine angemessene begleitung für die kinder gibt. also, das sage ich jetzt mal so wertend nach dem, was ich so höre, meine kinder waren nie dort.
    das gute ist ja, daß man in frankreich jederzeit beschließen kann, die kids in die schule zu geben oder sie rauszunehmen, und auch hort und kantine sind da, soweit ich weiß, recht flexibel.


    für homeschooling mußt du gar keine bedingungen erfüllen, du mußt nur ordnungsgemäß deklarieren. stressig sind die kontrollen und es ist, je nachdem, wo man so wohnt und wie mobil man ist, schon nicht ganz einfach, regelmäßig ausreichend kontakte zu haben.
    im sommer kann man die kinder übrigens im centre de loirsirs anmelden, das ist so ein ferienhort, und da machen die oft ganz witzige sachen (und haben kontakt und lernen französisch ;) ). das ist nicht schulgebunden, und bei uns zumindest kann man tageweise buchen.


    es gibt wohl eine impfpflicht, und zwar muß gegen tentanus, polio und diphterie geimpft werden. daß wir das hätten vorlegen müssen, kann ich mich auch nicht erinnern.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • ach so, wir sind auch beide an der Uni, falls ihr da Fragen habt, auch immer gerne her damit. Ich habe gar nicht so einen schlechten Eindruck von den Schulen hier. Es ist weniger individuell, aber das ist die ganze französische Erziehung. Wir versuchen das zuhause auszugleichen und ich denke, dass uns das auch ganz gut gelingt.


    Und was ganz anderes, wegen der Kids und der Sprache würde ich mir gar nicht so viel Sorgen machen. Ich war mit 16 im Schüleraustausch, konnte anfangs kein Wort und hatte dennoch schnell Anschluss. Das mit der Sprache ging schnell. Meiner Erfahrung nach kommen die Kids da schnell rein. Hier sind viele Kinder, doie kein frz sprechen uzuhause, daher sind die Lehrerinnen auch geschult darin. Das mag natürlich in Brest anders sein, da kenne ich mich nicht iaus. Und das Kantinenessen hier macht einen guten Eindruck, aber das ist von Stadt zu Stadt verschieden, wir wohnen halt in einem eher wohlhabenden Vorort. An der Uni gibt es alles, das Kantinenesen an meiner uni ist unter aller Kanone, das bei meinem Mann ist wirklich gut. Aber das werdet ihr ja alles noch früh genug sehen, da würde ich mir jetzt keinen Kopf zerbrechen.


    impfbuch: ja, in Frankreich gibt es Pflicht Impfungen, die man vorweisen muss, wenn man in "der Kollektivität" teilnehmen will, also auch für die Schule. Die Franzosen haben da ein eigenes Buch für (carnet de sante), da werden alle Untersuchungen und Impfungen eingetragen, ist ne sehr sinnvolle Sache. Wir haben für die Kids aber dennoch auch noch einen internationalen Impfausweis, da ich keine Lust habe auf jede Reise dieses Gesundheirsbiuch mitzuschleppen. Aber da werden die Euchbaucvh sagen können, welche Impfungen Pflicht sind, und ggf müsst ihr dann eben nach impfen. Das Gesundheitssystem hier ist sehr gut meiner Erfahrung nach. Dauert anfangs etwas bis ihr die Gesundheitskarte bekommt, aber auch das ist kein Problem, vorstrecken muss man hier eh und dann musst du halt die Rechnung bei der Kasse einreichen und bekommst es dann erstattet. Macht eiuch aber auf jeden Fall über eine Zusatzversicherung (mutuelle) schlau, die normale Kasse deckt nicht wirklich viel ab, ohne mutuelle steht man dann schnell mit hohen Rechnungen da. Wir haben eine recht einfache mutuelle, die aber einspringt, falls wir mal ins Krankenhaus müssen oder so.bei einem geringeren Einkommen (und wenn nur dein Mann arbeitet ind das an der uni, dann fällt ihr wohl eher in die Kategorie Wissenschaft ist hier mit wenigen Ausnahmen deutlich schlechter bezahlt als anderswo) würden wir aber eventuell eine teurere mutuelle nehmen, die mehr abdeckt.


    Was ggf etwas seltsam sein wird: zumindest hier bei uns arbeiten fast alle, stay home mums gibt es quasi nicht. Anfangs habt ihr genug zu tun, aber irgendwann wird es ggf für dich langweilig? Aber auch das kann in der Bretagne anders sein, da sind die Lebenshaltungskosten ja deutlich niedriger, vermute ich, vielleicht gibt es dann mehr Mütter, die zuhause bleiben?


    So, ich hoffe, da war was nützliches dabei.