Das Böse lauert überall - Artikel zur Überbehütung

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  • Und als Mittel zum Zweck macht er der Bevölkerung Angst. Das ist ein erprobtes Mittel in den USA, ich denke, er hat sich Bowling for Columbine angeschaut. Im Ergebnis passiert aber das, was der Autor in seiner Region erlebt, Kinder dürfen sich nicht mehr entfalten, die Eltern werden überängstlich.

    Anstatt darauf einzugehen wird hier jedoch mit eigenem geprahlt und von blöden Spielplatzerlebnissen erzählt. Und die Dinge nahmen ihren Lauf.

  • Entschuldige, aber ich finde es normal mit 11 Dinge alleine zu tun. Ich finde, das dürfte gar nicht diskutiert werden müssen. Das hat doch nix mit so toll meistern zu tun, sondern ist das normale Leben. Es hat auch nix damit zu tun, es schon zu -können-. Und hat auch nix mit Vernachlässigung und seine kinder nicht gut gross bekommen. Mit 11 ist man nicht mehr 7, in vielen Orten Deutschlands ja nicht mal mehr auf der Grundschule.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12

    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.

    #rose 49,7

  • ich finde, es gibt bei manchen Angelegenheiten so eine Art Teufelskreis: das eine Kind fährt nicht mit dem Bus aus dem Dorf in die Schule (vielleicht fahren die Eltern sowieso den gleichen Weg mit dem Auto), deshalb fährt das andere Kind auch nicht mit dem Bus, daraus resultiert dass sie es nicht gewohnt sind, das nächste Kind hat dann kein großes Kind mehr als "Vorbild" und traut es sich nicht zu. Und schon ist etwas, was vor kurzem noch ganz normal war und wo die Kinder von klein auf reingewachsen sind) eine gefährliche Sache geworden, die man vermeidet. Oder auch der Schulweg zu Fuß: Wenn alle Kinder laufen würden, wären es kleine Grüppchen, außerdem weniger Autos unterwegs. Wenn sich da nur ein paar Familien rausziehen, kann es in manchen Klassen scohn "kippen". In meinem Heimatdorf ist es scheinbar überhaupt nicht mehr üblich, dass Kinder den Schulweg alleine und zu Fuß zurücklegen. Ich war ganz ehrlich entgeistert, als ich das im Frühling erfahren habe. Die Nachbarin meiner Eltern ebenso, als sie meine Kinder (7 und 5) alleine im Dorf gesehen hat, auf dem Rückweg vom Spielplatz.

    Klar gibt es immer unterschiedliche Situationen und jedes Kind/jede Familie hat andere Stärken und Schwächen, wenn ich das mal so nennen darf. Aber der Radius von Kindern sinkt ja tatsächlich immer weiter.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • Und als Mittel zum Zweck macht er der Bevölkerung Angst. Das ist ein erprobtes Mittel in den USA, ich denke, er hat sich Bowling for Columbine angeschaut. Im Ergebnis passiert aber das, was der Autor in seiner Region erlebt, Kinder dürfen sich nicht mehr entfalten, die Eltern werden überängstlich.

    Anstatt darauf einzugehen wird hier jedoch mit eigenem geprahlt und von blöden Spielplatzerlebnissen erzählt. Und die Dinge nahmen ihren Lauf.

    Was soll denn das mit Trump zu tun haben? Die Eltern um die es hier geht, nehmen den doch eh nicht ernst. Zumal das keine neue Entwicklung ist.

    MM liegt das in erster Linie daran, dass die USA sich in den letzten 20-30 Jahren mehr und mehr zu einem Autoland entwickelt hat. In urbanen Gegenden wie bei uns oder in Gegenden, die besonders outdoor fans anziehen wie zB Colorado ist das nicht so ausgepraegt. In Texas wo es zu dem unertraeglich heiss ist umso mehr (Austin aber vermutlich auch wieder nicht).
    Trump schuert dieselben dinge wie die AfD und Co. Nur dass er selbst an den Mist mm gar nicht glaubt, sondern einfach nur an sich selbst und eigene macht will. Auf welchem weg auch immer. Aber soviel einfluss auf den alltag hat der Mann zum glueck nicht.

  • Aber wenn ich irre - und wennschon? Hier schreiben gleichzeitig soviele Mütter über ihr Seelenleben, wie viel Kraft sie für den Alltag aufwenden um ihre Kinder (auch seelisch) gesund groß zu bekommen, viele am Rande des Absturzes. Ich würde empfehlen mal kurz da rein zu lesen.

    welche threads meinst du denn? und ja: ich ziehe gerne mal über andere her. ;-).
    weil du erwähnstest dass die schweiz das mass aller dinge ist. habe ich da was erwähnt? kann mich nicht mehr erinnern.

  • Ich sehe das wie @braten. Es geht doch nicht um einzelne Kinder die bestimmte Dinge tun oder nicht tun, sondern es geht um eine gesellschaftliche Entwicklung, an die man sich anpasst. Deswegen habe ich geschrieben, was bei uns "üblich" ist, eben am Beispiel meiner Kinder, die denke ich recht repräsentativ hier sind. Das hat nichts damit zu tun, dass ich da "stolz" drauf wäre. Es ist hier die Normalität.

    Ist es im Umfeld selbstverständlich, dass die Kinder allein zu Fuß zur Schule gehen, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass neu eingeschulte Kinder das auch tun (wollen), doch deutlich höher, als wenn sie sehen, dass alle anderen Kinder mit dem Auto vorgefahren werden.
    Wenn die öffentlichen Verkehrsmittel von vielen Kindern genutzt werden, dann fühlen sich die Kinder sicherer, als wenn sie sehen, dass sie immer die Einzigen ihres Alters sind.
    Ist der Spielplatz oder der Innenhof verwaist, fällt es mir schwerer, mein Kind dort allein spielen zu lassen, als wenn da richtig etwas los ist.
    Etc.

    Sicher müssen Eltern mit ihren Kindern individuell Entscheidungen treffen, wie selbständig es bestimmte Sachen machen kann, aber diese sind meines Erachtens sehr stark von den Gepflogenheiten in der Gegend abhängig. Deswegen finde ich es sehr wichtig, dass immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird, dass wir Kindern auch etwas zutrauen können. Wie eben z.B. mit der zu-Fuß-zur-Schule-Aktion.

    Und was Trumpp betrifft: Die in dem Artikel beschriebenen Verhältnisse sind, denke ich, nicht erst seit dem aktuellen Wahlkampf so. Die Child Protection und die Gesetze, die bestimmte Verhaltensweisen reglementieren haben auch nichts mit Trumpp zu tun. Kann sein, dass Trumpps Wahlkampf Ängste verstärkt, aber im Grunde sind doch die Voraussetzungen schon länger so gegeben.

  • Hier in Irland ist es mir auch schon aufgefallen:

    [...] In Deutschland scheint immer noch empfohlen zu werden, dass Kinder zur Schule laufen (nach einer gewissen Übungszeit auch alleine), hier rät die Road Safety Authority, dass kein Kind unter 10 eine Straße alleine überqueren sollte.


    Wobei in Deutschland Kinder bis 10 Jahre nie an einem von ihnen verursachten Verkehrsunfall Schuld sein können, weil man sie gar nicht für fähig hält, sich immer verantwortungsvoll im Straßenverkehr zu bewegen.

    Das heißt nicht, dass ich dagegen bin, dass Grundschüler in Deutschland alleine die Straße überqueren, aber ich sehe da einen Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstständigkeit, auf denn es momentan keine eindeutige Antwort gibt, welche Lösung besser ist, weil es auch auf die Prioritätensetzung ankommt. Und die hängt sowohl vom Charakter und den Erfahrungen der Eltern ab als auch von der Umgebung und dem Charakter des Kindes.

    Ich gehe einfach davon aus, dass es diesen Konflikt in 100 Jahren oder so nicht mehr geben wird, weil Unfälle dann möglicherweise nur noch durch Software- oder Hardwarefehler aber nicht mehr durch menschliche Fehler entstehen. Und bis dahin muss man eben sehen, wie man sich mit der Situation arrangiert.

  • ich denke, ich kann auch nicht komplett ausschließen dass es zu einem Unfall kommt wenn ich dabei bin. Es könnte z.B. ein Autofahrer von der Straße abkommen und in uns fahren. Oder plötzlich und unerwartet doch fahren, obwohl er rot hat. Oder mein Kind könnte, obwohl ich daneben gehe, auf die Straße rennen, oder stolpern und dummerweise auf die Straße fallen etc. usw. Man kann im Leben nicht jede Gefahr ausschließen. Es könnte ja auch sein, dass es einen Autounfall gibt, wenn ich gerade mein Kind in die Schule fahre (weil ich es nicht laufen lassen wollte). Sogar bei Bahnfahrten passieren manchmal Unfälle. Wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, muss ich mich auch darauf verlassen dass sie vernünftig fahren. Ich kann nicht mal mit einem Kind so fahren, dass ich es jederzeit vor Gefahren schützen kann, bin aber meistens mit 3 Selbstfahrern unterwegs. Wir üben das quasi seitdem die Kinder halbwegs laufen können, und somit laufe ich seit bald 10 Jahren durch die Stadt mit "so, wir gehen jetzt über den Zebrastreifen, mach mal die Hand raus und schau ob die Autofahrer anhalten, ah, da ist frei, komm, geh zügig rüber...!!" ich denke auch, dass sie es irgendwann einfach lernen müssen, ich kann ja beim besten Willen nicht immer dabei sein. Für mich ist das so ein ganz langsamer Prozeß,vom Baby dass getragen oder geschoben wird über ein Kleinkind das an der Hand läuft bis zum Schulkind, dass zum ersten Mal den geübten Schulweg alleine geht.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • ich finde vergleiche mit anderen Ländern echt schwer. Hier kam zb Irland. Ja, klingt im ersten Moment komisch. Kam darf aber nicht vergessen, dass da in vielen Gegenden noch die Norm ist, dass Straßen kenne Gehwege haben und nicht gerade sind und durch Hecken begrenzt. Nicht in den Städten, aber auf dem Land. Da würde ich auch kein Kind nur drei Häuser weiter laufen lassen. Da überlege ich mir als Erwachsene, ob ich die 200 Meter von Haus der einen Freunde zum Haus der anderen Freunde zu Fuß gehe, weil es echt gefährlich ist!

    Ich sehe aber generell den Trend zur Vorsicht mit großer Sorge. Wir beschneiden die Freiheit unserer Kinder einfach an jeder Ecke. Und an jeder einzelnen Ecke mag das sinnvoll sein, aber insgesamt fällt in meinen Augen viel unbeschwerte Kindheit weg. Wir werden zb immer wieder kritisiert, dass wir unser Kind mit fremden Menschen reden lassen. Nun ist sie so offen, dass ich sie wirklich massiv verbiegen müsste, dass sie das lässt. Aber deswegen sehe ich trotzdem die Gefahr.

    Ich denke aber, der Trend hat sich was damit zu tun, dass wir immer weniger Kinder haben. Viele beschreiben ja, das man mit jeden Kind entspannter wird. Wenn jetzt aber die durchschnittliche Mutter nicht mehr 4 bis 5 sondern 1 bis 2 Kinder hat, wird damit die Gesellschaft natürlich im schnitt unentspannter. Also wird der Maßstab immer sicherheitsorientierter.

    Immer auf Fettnäpfchensuche...

    Chaosqueen mit Chaosprinzessin ( #female 3/13)

  • Als Eltern hat man auch nur begrenzten Einfluss. Ich empfinde für die paar Minuten Snacks einpacken auch eher als Quatsch, mein Kind will das aber immer unbedingt machen (und kümmert sich dann auch selbst drum). Mein Kind hätte auch mehr Freiheiten, sich draußen zu bewegen u.Ä., die interessiert es aber nicht so wahnsinnig. Ein Teil davon ist sicher auch Einfluss von außen - mein Kind sagte schon, dass es sich nicht die paar Meter zum Kiosk traut, weil es Angst hat, dass Leute dann fragen, was es denn so alleine draußen macht. :(

    Ich habe auch schon öfter beobachtet, wie andere mein Kind (plus oft Besucherkind) kritisch beäugen, wenn sie so wirken, als wären sie alleine (und ich mich nur dezent in den Hintergrund verdrückt habe). Kann ich gut verstehen, dass meinem Kind das dann unangenehm ist.

  • Ich hätte nicht so harsche Worte gewählt wie das Ringelblümchen, finde aber sie hat es ansonsten ganz gut getroffen.
    Mag sein das meine Große sich bei uns im Städtchen sehr frei und selbstständig bewegen kann, in der Großstadt kann sie das nich,t sie kennt das nicht und ist einfach mit der Masse an Menschen und Verkehr üerfordert...ich übrigens auch ...das hat NICHTS mit der bemäkelten Unselbstständigkeit zu tun.Ein bißchen Verständniss für ganz individuelle Umstände von denen wir vielleicht nichts wissen oder ahnen kann da nicht schaden.

    Was den Rest angeht...wir leben nun mal nicht in Bullerbü, dass so etwas Stilblüten tragen kann, die Übervorsicht, mag sein, aber ich finde die Dinge sind nicht mehr mit dem Lebensumfeld vor 20-30 jahren zu vergleichen. Ich z.B. schnall meine Kinder im Auto an bzw. setzte sie in vernünftige Kindersitze, beim Fahrradfahren tragen sie Helm und das obwohl ich als Kind nie einen hatte und auf langen Urlaubsfahrten gern mal im Kofferraum gelegen habe weil es so schön bequem war, und über länger las 5 Min lass ich nicht mal den Hund allein im Kofferraum...GsD fanden meine Eltern bisher nicht, dass ich das Kind deshalb "überbehüte"...

  • Aber es gibt doch Möglichkeiten, das Umfeld zu beeinflussen.
    Z.B. kann entschieden werden ob man an einer Schule lieber Parkplätze baut, um das wilde Parken rund um die Schule in geordnete Bahnen zu lenken oder ob man ein Viertel lieber verkehrsberuhigt oder Fußgängerampeln baut.
    Versuche ich kleine wohnortnahe Schulen zu erhalten/zu bauen oder setze ich auf große Einrichtungen, die nur über weite Wege zu erreichen sind?
    Investiere ich in Verkehrserziehung und Schülerlotsen oder sehe ich das Thema allein bei den Eltern?
    Es gibt schon viele politische Möglichkeiten der Kommunen die Umgebung kinderfreundlich zu gestalten, wenn man dem Priorität gegenüber den Autofahrern einräumt.

    Und nur, weil meine Kinder viele Wege selbständig zurücklegen, heißt das doch nicht, dass ich nicht sicherheitsbewusst bin. Selbstverständlich werden sie im Auto angeschnallt und tragen beim Fahrradfahren Helm. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun #weissnicht .

  • Wisst Ihr was? Beim Lesen von diesem Artikel wurde es mir übel. Und ja, da bin ich absolut bei verrücktem Ringelnlümchen. Sinngemäß.
    Ähnliches im Ton erscheint regelmäßig im russischsprachigen Raum über Europa. Wie blöd, naiv und gutgläubig hier die Menschen seien (Homoehen, Justiz, die Kinder vor ihren Eltern schützt, Flüchtlinge aufnehmen, die Liste ist lang) und es wird schon klar, dass wir hier auch bald zu sehen bekommen, was uns dieses Verhalten beschert.
    Ich würde für gegenseitigen Respekt plädieren, ohne Wertung. Irgendwie bin ich absolut davon überzeugt, dass die jungen Amerikaner ihren Weg ins Leben auch schaffen und die hiesigen Kinder bis auf wirklich krankhafte Fälle auch.
    Das Gemecker über die neue Generation Gans vor 5000 Jahren auch schon

  • Zitat von freda

    Und nur, weil meine Kinder viele Wege selbständig zurücklegen, heißt das doch nicht, dass ich nicht sicherheitsbewusst bin. Selbstverständlich werden sie im Auto angeschnallt und tragen beim Fahrradfahren Helm. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun .

    Ach das habe ich doch auch gar nicht sagen wollen...dass sollte metaphorisch dafür stehen dass der Blickwinkel ausschlaggebend ist und man nicht so schnell mit Urteilen dabei sein sollte.
    Ich finde das völlig normal was du mit deinen Kindern und dem Schulweg machst, es passt völlig zu deinem Lebensumfeld, würden wir hier nicht so hinterwäldnerisch und kleinstädtig wohnen , würden sich unsere Kinder in der Großstadt anders bewegen. Wenn die Kinder meiner Freundin (mitten aus bremen da sind) und mit meiner großen zum benachbarten bauernhof laufen, macht sie sich auch mehr Sorgen als ich, nicht weil ihre Kinder unselbständig sind, sondern weil sie eben eine anderes Umfeld gewöhnt sind, wenn meine große mit Ihrem Sohn zusammen mit dem rad zum kiosk fährt, schwitze ich Blut und Wasser, weil es hier sowa wie 4-Spurige Strassen nun mal einfach nicht gibt....mein Einwand bezog sich daher mehr auf die "Wir früher..." und "damals..." Aussagen und die tatsache das man sich eben dem Umfeld anpassen muss....ich MUSS meine Tochter morgend zur Schule fahren, die Schule ist 6 km im Nachbarort entfernt und weil Privatschule gibt es keinen Schulbus. Zurück kann sie mit dem Linienbus fahren (und tut dies auch häufig, was viele der anderen Eltern sehr strange finden)...ich spiele also morgens nicht das Muttitaxi weil ich das Kind "unselbsständig" halten will...

  • Mal ehrlich, bei uns ist es doch ähnlich, auch wenn wir noch nicht ganz so weit wie in den USA sind. Wenn ich an meine - recht behütete Kindheit - denke, fallen mir mehrere Beispiele ein, die heute das Jugendamt auf den Plan rufen würden.

    Ich bin mit 3 schon längere Strecken alleine mit dem öffentlichen Bus gefahren. Da würde einen heute kein Busfahrer mehr mitnehmen und stattdessen die Polizei rufen.
    Vieles ist schlicht nicht mehr erlaubt. Ich habe meinen kleinen Bruder manchmal aus dem Kiga abgeholt. Heute dürfen nur noch Erwachsene Kinder im Kiga abholen.
    Und alleine in den Kiga gehen, wie es zu unserer Kindheit sowohl in Ost als auch in West noch üblich war, geht heute gar nicht (schon deshalb, weil die Griffe am Eingang extra hoch angebracht sind).

    Hier werden auch die allermeisten Kinder in die Schule gebracht - viele mit Auto, manche zu Fuß. Und ich finde es absurd, mein Kind ein paar Meter bis zur Schule zu begleiten, während ich in dem Alter mit Bus quer durch die Stadt incl. Umsteigen zur Schule gefahren bin. #kreischen Aber Eltern, die ihr Grundschulkind mit dem Bus schicken, müssen sich hier mit dem Busunternehmen rumstreiten, weil viele Busfahrer keine Kinder ohne Elternbegleitung mitnehmen (deutsche Kleinstadt).

  • Habe gerade heute diesen Artikel aus hiesiger Sicht zu dem Thema gelesen (deutlich weniger polemisch-abwertend ;) )

    Why Do We Judge Parents For Putting Kids At Perceived — But Unreal — Risk?


    Ich denke das hat eben alles so seine positiven wie negativen Seiten. Von der Gesellschaft her, werden Kinder meiner Erfahrung nach hier mehr behuetet und in Schutz genommen. Es gibt z.B. an der Schule sehr intensive Programme zum Thema Bullying und das wird auch mE zumindest an Grundschulen nicht toleriert. Die Integration und Foerderung aller Kinder wird sehr stark befuerwortet. Und der Umgang mit Kindern ist sehr viel respektvoller als ich ihn in D mitbekommen habe (wobei meine Kinder ja auch nie dort im Kiga/Schule waren und ich das nur mal auf Spielplaetzen bei Ausfluegen von Kindergruppen miterlebt habe .. aber so wie diese Erzieher teils mit den Kindern geredet haben .. wuerde hier niemals passieren. Zumindest nicht in meinem Umfeld, was eben auch nicht unbedingt typisch fuer die Gesamt-USA ist. Schwaechere werden in jungen Jahren sehr geschuetzt und der Gedanke, dass Kinder das unter sich ausmachen sollten und dabei auch was lernen koennten, wuerde auf wenig Verstaendnis stossen. Was dann wiederum dazu fuehrt, dass viele Muetter laufend ihre Kinder zum teilen etc erziehen wollen.

    Ich bin mir recht sicher, dass meine Grosse in D eine haertere Kindheit und Grundschulzeit gehabt haette. Sie waere im dt System untergegangen. Hier .. ja wird sich zeigen. Ich denke viele Konflikte treten dann ev spaeter auf, aber ich denke schon, dass Kinder je kleiner sie sind, umso verletzlicher und eben eher erstmal in Sicherheit reifen sollten bevor sie mit der rauen Wirklichkeit klarkommen muessen. Dieser Gedanke bestimmt hier den Umgang mit Kleinkindern bis zum Ende der Grundschulzeit. Aber die Balance geht sicher dabei teilweise verloren ... nur wo die Grenzen setzen.

    Ich hatte eine sehr freie Kindheit und bin in Kinderbanden grossgeworden. War toll. Ich war aber auch kein Aussenseiter oder ein unbeliebtes Kind, sondern eher unauffaelliger Mitlaeufer. Aber ich kann mich heute noch daran erinnern, dass es da so 1-2 Kinder gab, die in der Situation gelitten haben ohne dass es Erwachsene gross mitbekommen haben. Und auch ich hatte so einige aeltere Kinder, von denen ich Angst hatte (und die mir immer noch obwohl ich sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen habe unangenehm sind).

    Genauso war ich z.B. genau wie meine beiden Grossen nie super sportlich (aber auch nicht unsportlich .. Mittelmass halt wie die meisten von uns). Und bei allen Teamsportarten wurde ich frueh rausgemobbt, weil andere eben viel besser oder schlicht groesser waren. (und nur auf der Bank rumsitzen und zusehen wie andere spielen macht keinen Spass). Gibt es hier so auch nicht ... es gibt zwar immer auch kompetitive Sportligen, aber ueberall zumindest in jungen Jahren solche, die allen offenstehen und bei der alle gleichberechtigt eingesetzt werden unabhaengig vom Talent.

    Prinzipiell sehe ich idT die Liability Geschichte als problematisch an. Die bestimmt viel zu viel hier im Leben. Bei uns ist z.B. nachdem der Schulspielplatz erneuert wurde, ein Kind von den Hangelstangen runtergefallen und hat sich nen Arm gebrochen. Daraufhin musste dann wochenlang dieser Bereich gesperrt bleiben, bis ein Sachbeauftragter die Loesung fand, mehr Baumrindenkrams unter die Hangelstangen zu packen. Wobei ich mir sicher bin, auch jetzt koennte ein Kind da so ungluecklich fallen, dass was passiert. Ist halt so. Meine Mittlere ist nach der Schule auch mal gegen die Rutsche auf dem Spielplatz gerannt und hatte dann ne ueble Platzwunde. Vermutlich haette ich da auch gleich mal eben die Schule verklagen koennen oder so ... muss ja ausgenutzt werden. Aber solche Sachen passieren halt .. auch wenn es nicht regnet oder man sich sonstwie absichert. Ist ja auch ansich nicht weiter schlimm ... bis irgendein gieriger Idiot sich daran bereichern moechte.

    Und dass die Gesellschaft ansich aengstlicher geworden ist, ist sicher keine rein amerikanische Sache. Ich denke auch, dass die mediale Berichterstattung da eine sehr grosse Rolle spielt (oder auch Foren wie dieses hier wenn man an so manche Themen denkt ;) )

  • Die Integration und Foerderung aller Kinder wird sehr stark befuerwortet. Und der Umgang mit Kindern ist sehr viel respektvoller als ich ihn in D mitbekommen habe (wobei meine Kinder ja auch nie dort im Kiga/Schule waren und ich das nur mal auf Spielplaetzen bei Ausfluegen von Kindergruppen miterlebt habe .. aber so wie diese Erzieher teils mit den Kindern geredet haben .. wuerde hier niemals passieren. Zumindest nicht in meinem Umfeld, was eben auch nicht unbedingt typisch fuer die Gesamt-USA ist. Schwaechere werden in jungen Jahren sehr geschuetzt und der Gedanke, dass Kinder das unter sich ausmachen sollten und dabei auch was lernen koennten, wuerde auf wenig Verstaendnis stossen. Was dann wiederum dazu fuehrt, dass viele Muetter laufend ihre Kinder zum teilen etc erziehen wollen.

    ich denke, Du sprichst hier viele wichtige Sachen an.

    1.) Die USA als ganzes zu vergleichen ist m.M. nach völlig am Thema vorbei. Da müßte man dann schon Europa und die USA vergleichen und dann kommen da ganz andere Ergebnisse raus. Ich kenne die Ostküste PA ziemlich gut - und bin mir sehr sicher, dass da vieles anders läuft als in Texas.

    2.) Die Kitas, die ich kannte und den Kinderumgang fand ich im Vergleich zu hier, sehr seltsam. Bspw. haben die Kinder jeden Tag einen smiley bekommen, um ihr Verhalten zu bewerten. Aber auch da wird es sicherlich Alternativen geben. In unserer Kita hier ist das eher "rabig".

    3.) Das mit den Spielplätzen, das ist mir auch aufgefallen. Also die Eltern gehen immer mit und partizipieren sehr an dem was ihr Kind tut. Aber ich denke, das hat zu einem großen Teil auch damit zu tun, dass Kind sehr lange in Betreuung war und sich die Eltern jetzt intensiv kümmern wollen. Im Gegenteil finde ich es hier sehr strange die klönenden rauchenden desinteressierten Eltern auf den Spielplätzen zu sehen.

    4.) Das mit den Schulen stimmt so nicht mehr... aber auch hier eben nur ein kleiner Ausschnitt aus Deutschland. Da werden die Kinder sehr gut begleitet. Schulsozialarbeiter gab es zu meiner Zeit auch nicht.

    Grüße von Claraluna

    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ich denke, dass die meisten Eltern ihre Kinder schützen möchten, damit sie sich mit möglichst wenigen körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen entwickeln können. Es sind allerdings sehr vielfältige Einstellungen dazu anzutreffen, wie ein geeigneter Schutz aussehen könnte, und ganz sicher entwickeln sich diese Einstellungen auch unter dem Einfluss wahrgenommener gesellschaftlicher Erwartungen.

    Schütze ich mein Kind, indem es sich unbeaufsichtigt in der Gruppe anderer Kinder "unvorbereitetes" Gelände draußen erobern kann oder schütze ich es, indem ich es kontinuierlich beaufsichtige und primär in für Kinder gestalteten Umgebungen und mit Hilfe elterlicher Interventionen spielen lasse?

    Schütze ich mein Kind, indem ich es bei jedem Wetter die Kleidungswahl selbst bestimmen lasse oder Vorgaben mache?

    Schütze ich mein Kind, wenn wir bei jedem Wetter viel draußen sind oder wenn wir bei Kälte und Regen drinbleiben?

    Schütze ich mein Kind, indem ich es Konflikte unter Kindern alleine austragen lasse oder indem ich interveniere?

    Schütze ich mein Kind, indem ich es lobe und bestrafe oder durch Unterlassen operanter Konditionierung?

    Schütze ich mein Kind, indem ich es in die Schule schicke oder indem ich bewusst in einem Land lebe, indem auch Unschooling oder Homeschooling möglich sind?

    Schütze ich mein Kind, indem ich es anrege, den Weg zu Kindergarten oder Schule alleine zurückzulegen oder indem ich es begleite?


    usw.

    Ich bin froh, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen hier (mit Ausnahme der Schulpflicht) vielfältige Möglichkeiten zulassen, beobachte aber auch eine Tendenz zu verstärkter Kontrolle und gezielter Konditionierung von Kindern. Ich würde mir eine stärkere Einbeziehung entwicklungspsychologischer Erkenntnisse wünschen, wenn es darum geht zu schauen, was Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen und wie vor diesem Hintergrund ein geeigneter Schutz aussehen könnte.