'Indio' Tücher

  • Zitat von Brotsuppe

    ich hab ja keine ahnung, aber ich hätt es wohl tatsächlich anders benannt. Ich find den auch weder besonders kreativ noch wirklich günstig

    Ja, das denke ich auch. Und wenn man sich dann entschliesst, dass man es so auf den Markt bringt, dann sollte man evtl. etwas feinfühliger argumentieren und nicht anderen schreiben, "sie sollen den Aluhut" runternehmen. Ist nicht geschickt.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Bzgl. Kokadi: wenn man die KOmmentare dazu liest, wird man etwas schlauer - die Verantwortliche(n) ist selbst türkischstämmig und bisher waren alle Reaktionen aus dieser Richtung positiv.


    Ich würd also mal meinen, dass das gut überlegt ist und etwas anders geartet. :) daran erkennt man aber, dass man eben nicht pauschal urteilen sollte. :)


    @Bryn und @Lachesis

    @Brotsuppe, ich frage mich gerade, wieso du mich hier ansprichst, zu dem Kokadi-Tuch habe ich mich doch noch gar nicht geäußert? Ich habe keine Verbindung zur Türkei und weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll. Den Namen "Ethno Chic" finde ich aber schon mal zumindest grenzwertig ... Das Muster ist turkmenisch, habe ich gelesen - das ist nicht das Gleiche wie türkisch. Aber viel Ahnung habe ich da nicht, wie gesagt,im Gegensatz zu Lateinamerika.


    Das Auftreten der Firma in den Facebook-Kommentaren finde ich allerdings unglaublich unprofessionell, da werden User, die Kritik äußern, offen verspottet 8I - im Vergleich damit ist Didymos geradezu preiswürdig.

  • Ich finde ein Produkt "Ethno Chick" zu nennen unabhängig von der Sache mit Didymos und dem Muster irgendwie... unpassend. Da sträubt sich bei mir alles.

    Das Auftreten der Firma in den Facebook-Kommentaren finde ich allerdings unglaublich unprofessionell, da werden User, die Kritik äußern, offen verspottet - im Vergleich damit ist Didymos geradezu preiswürdig

    Ja, das geht tatsächlich überhaupt nicht und für mich sind die Produkte der Firma dadurch nicht mehr kaufbar. So ein unsympathisches Verhalten #haare

    “Stelle Dich an den Abgrund der Hölle
    Und tanze zur Musik der Sterne!”
    (Walter Moers)


    Du darfst sein, wer du bist, du darfst dich äußern und wir nehmen das ernst. Da ist immer beides: Wurzeln und Flügel, Bindung und Freiheit.

    (Herbert Renz-Polster)


    #NazisRaus #BOohneRechts

  • Unter 'Ethno' und 'Tribal' verstehe ich Muster, die auf indigene und sonstige marginalisierte Kulturen, üblicherweise außerhalb von Westeuropa, Bezug nehmen. Klar, Bayern oder Hugenotten sind auch eine Ethnie bzw ein Stamm...aber Edelweiß oder Schottenkaro läuft nicht unter Ethno. Das ist auch glaub ich das, was es etwas anrüchig macht...'unsere' Kulturen und subkulturen nehmen es genau, was und wer da reingehört. Bei marginalisierten Kulturen 'reicht'es aber anscheinend, einfach mal alle, von Hmong über Navajo bis Turkmenenstämme, in einen 'ethno' Topf zu stecken...
    Erinnert mich an die hiesigen Supermärkte mit 'ethnic food' Regal. Das sind vietnamesische, japanische, mexikanische Zutaten. Komischerweise laufen zB deutsche Kekse nicht unter 'ethnic'...sondern die stehen stolz mit Preisaufschlag im 'normalen' Keksregal #confused

  • ach lachesis, ich dachte, du hättest auf dieses Thema geantwortet, da hab ich mich verlesen.


    Aber es ist doch nen Unterschied, ob die Kritik von außen oder den eigenen Reihen kommt, oder nicht? (vom Ton mal abgesehen)


    Wenn jetzt ureinwohnernachfahren aus Mexiko das didymostuch mit dem Namen indio vertrieben hätten, dann fiele das ja auch unter das selbstbestimmungsrecht.
    Und dann würde ich als Kultur Außenstehende vielleicht ne eigene Meinung haben dazu, aber klären müssen das doch die Betroffenen selbst, oder nicht?


    Ich Les mir nachher nochmal alle Kommentare durch. Ich hatte beim ersten Lesen den eindruck, dass da nichttürken (das Muster wird ja als solches deklariert, ich bin wie meisten anderen da kein sachverständiger) erstmal aufgrund der andren geschichte mit didymos loslegen, während die türkischen Fans hauptsächlich positiv reagierten.


    Pfirsich, stimmt schon. Ethno stellt eher was "exotisches" dar. Aber auch dann wäre halt die Frage wieder inwiefern die Gründerin und Familie das nicht "dürfen" . Also im Sinne von, es ist schon dumm, aber nicht rassistisch. #gruebel

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  • Für mich fällt es unter 'Alltagsrassismus'. Also klar, es ist nicht vergleichbar mit Gewalttaten oder so...aber doch mehr als nur geschmacklos. Ich finde es mittlerweile so wie ein T-Shirt mit nackter Frau drauf. Das perpetuiert einfach diesen sexistischen Gedanken, dass Frauenkörper zum Anschauen und zur Zierde da sind...auch, wenn es uU nicht sexistisch oder gar wertschätzend gemeint ist. Und hier wie dort macht es einen großen Unterschied, wer das trägt...

  • und es ist egal, ob die Betroffenen selbst das tun? Siehe American indians.


    Geht's eigentlich Grad nur um den Namen oder das Muster oder die kombi?

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    Bonus #post

  • Als ich gestöbert habe, wie der Ergo Carrier genau heißt, den ich verkaufe, sind mir viele andere Tragen untergekommen.


    Viele hießen sehr komisch, Ethno ist da noch "harmlos". Das Muster war für mich nicht immer mit dem Namen vereinbar. Ihc frage mich schon, warum mir das früher nie aufgefallen ist *grübel* Hoppediz hat bspw. viele solcher Namen..

  • und es ist egal, ob die Betroffenen selbst das tun? Siehe American indians.


    Geht's eigentlich Grad nur um den Namen oder das Muster oder die kombi?

    Was meinst du mit 'das tun'? Kleidung/Tragetücher mit unspezifiziertem Ethnomuster kaufen und tragen? Ja, ich empfinde das anders, wenn ein Mitglied der marginalisierten Minderheit das tut, als wenn eine Weiße das macht. Und ich finde es auch nochmal was anderes wenn das Kleidungsstück bewußt als zB 'Hmong Webstoff Rucksack aus Hmong Herstellung' ist, versus 'H&M Klamotte mit Tribal Muster' (oder eben Kokadi 'Ethno'). Ja, das ist komplex. Es geht ja auch nicht um in Stein gemeißelte Regeln hier sondern um bewußten Umgang mit dem Thema und überhaupt einmal wahrnehmen, dass kulturelle Aneignung passiert.


    @Iverna, Storchenwiege Inka fiel mir auch noch ein...aber das finde ich eine Bezugnahme auf eine konkrete antike Zivilisation und damit weniger strange als viele andere Namen. Weiß nicht, ob es Menschen gibt, die sich noch als 'Inka' identifizieren...und ob die das stören würde. Der Name ist als Markenname ja sehr beliebt.


  • @Iverna, Storchenwiege Inka fiel mir auch noch ein...aber das finde ich eine Bezugnahme auf eine konkrete antike Zivilisation und damit weniger strange als viele andere Namen. Weiß nicht, ob es Menschen gibt, die sich noch als 'Inka' identifizieren...und ob die das stören würde. Der Name ist als Markenname ja sehr beliebt.

    Ich sehe hier gar keinen Bezug zu den Inkas , sondern einfach nur den Mädchennamen Inka , die anderen Produkte heißen ja auch Anna oder Leo.

  • überhaupt einmal wahrnehmen


    DAS ist doch eigentlich alles!


    wohlwollend wahrnehmen, wenn jemanden "störgeräusche" quälen. und dann auch selbstkritisch AUF SICH und auf die eigene verantwortung SCHAUEN.


    nicht reflexhaft abwehren mit
    - "wusste nicht, dass das 'auf einmal' ein rassistischer begriff sein soll"
    - "was soll man denn DANN noch tragen?"
    - "und was ist mit XYZABC?? die verklagen auch leute und werden dafür geächtet!11!"
    - "toll, was soll ICH wieder schuld sein? ich hab keine sklaven gehalten."
    - "darf ich dann überhaupt noch xyz? das wird ja dann UMGEKEHRTER rassismus?!?"


    whataboutism, sich-selbst-als-opfer-stilisieren, überspitzerei, überdramatisierung etc. - das sind alles methoden, um menschen, die sich in irgendeiner weise verletzt fühlen, erst mal abzukanzeln und kleinzumachen.


    das NERVT so furchtbar.


    es erwartet keiner, dass alle klamotten mit nicht bis ins mark volkstheutschen mustern aus allen kleiderschränken rausgeworfen werden. so ein schwachsinn.


    die passende reaktion ist


    - nachfragen
    - wahrnehmen und bestätigen
    - den eigenen anteil sehen und würdigen
    - sich analog verhalten
    - ggf. das verhalten begründen


    und fertig. hieße für mich: ich würd so ein produkt mit so einem namen nicht kaufen und ggf. das unternehmen bitten, eine vernünftige marketingabteilung einzurichten, WEIL DAS SEIN MUSS. und auch darauf hinweisen, dass ich produkte nur mit vernünftigen produktnamen will.


    ansonsten würde ich mich dafür sensibilisiert fühlen wollen und im alltag mit offeneren augen durch die welt gehen.


    nicht gebückt und sich-demütig-entschuldigend, sondern schon mit geradem rücken und DESHALB bereit, verantwortung für meine privilegien zu übernehmen.



    lg patrick

  • Ich habe bei Inka auch an den Vornamen gedacht :-)
    (Schon allein, weil meiner so ähnlich klingt)



    Edit, weil überschnitten:
    Danke @patrick*star Das ist gut zusammen gefasst und läßt sich auf viele Bereiche übertragen.

    "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer se sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinaus lief." Terry Pratchett: Die volle Wahrheit
    LG Bryn mit Svanhild (*01), Arfst (*02), Singefried (*09) und Isebrand (*12)

    Einmal editiert, zuletzt von Bryn ()

  • Das sehe ich wie Irene. Lese von Anfang an interessiert mit. Ich finde es völlig ok die Firma auf die mögliche negative bedeutung des namens hinzuweisen, halte es aber für ausreichend den namen zu ändern. Alltagsrassismus finde ich das überhaupt nicht, da hat jemand etwas aus einer anderen Kultur gesehen, es für ganz toll befunden und hier vertrieben...ich verstehe den rassistischen zug dahinter nicht...ich esse wahnsinnig gerne Bagels, Kaffee ist voll mein Ding,Jeans werden in der ganzen welt getragen und in der ganzen Welt produziert, Roiboschtee bekommt man an allen Ecken und Enden, beim Chaitee weiß keiner ob er jetzt afrikanischen oder indischen Ursprungs ist, Yogastudios findet man auch auf der ganzen welt, Chinesisches Essen ebenso, Dekobuddhas in jeder Gärtnerei, Maoritatoos und nordische tribals in jedem Tatoostudio, Ostfriesentee weltweit...wenn das ganze einen Namen trägt der im Ursprungsland eine negative Bedeutung hat, dann ist es nur gut und richtig darauf hinzuweisen und diesen zu ändern, aber darüber hinaus? Ein bißchen fühl man sich wie in der Ricolawerbung, ganz nach dem Motto : "Wer hats erfunden?"...das halte ich für maßlos übertrieben.


    Kiwi

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Ich setz mich mal zu Kiwi und Irene, sicherlich auch zu Elly.


    Ich habe durchaus Lateinamerikaerfahrung, habe einige Länder bereist (u.a. Oaxaca besucht ;)), habe auch heute noch einen bunten Freundeskreis inkl. Menschen aus Venezuela, Mexico, Uruguay - und bis zu diesem Thread habe ich nicht gewusst, dass Indio eine Beleidigung ist. Am Sonntag habe ich mit einem Freund aus Venezuela über den Thread gesprochen, seine Haltung war: Er findet das Wort für ein Produkt unangemessen, weil es eben tatsächlich negativ genutzt werden kann. Er sagte aber, für ihn sei es auf keinen Fall mit dem N-Wort vergleichbar.


    Von daher, meine Meinung: Gut, dass Didymos den Namen ändert (hoffentlich auch noch konsequent ;)), weitere Schritte wäre für mich persönlich jetzt nicht erforderlich. Tragling hab ich keinen mehr, sonst würde ich mein wunderschönes Primo Rosenholz aber sicherlich weiterhin nutzen.

    Trillian grüßt






    “Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?“ (Douglas Adams)

  • Zitat von Kiwi

    ich esse wahnsinnig gerne Bagels, Kaffee ist voll mein Ding,Jeans werden in der ganzen welt getragen und in der ganzen Welt produziert, Roiboschtee bekommt man an allen Ecken und Enden, beim Chaitee weiß keiner ob er jetzt afrikanischen oder indischen Ursprungs ist, Yogastudios findet man auch auf der ganzen welt, Chinesisches Essen ebenso, Dekobuddhas in jeder Gärtnerei, Maoritatoos und nordische tribals in jedem Tatoostudio, Ostfriesentee weltweit...wenn das ganze einen Namen trägt der im Ursprungsland eine negative Bedeutung hat, dann ist es nur gut und richtig darauf hinzuweisen und diesen zu ändern, aber darüber hinaus?

    Wenn das ja völlig egal wäre, wer was wann wo ursprünglich produziert hat, dann wäre es aber auch hinfällig, dass gerade in Europa viele Firmen die Herkunftsbezeichnung ihrer Produkte schützen lassen.


    Die Schweizer Käsewirtschaft legt also viel Wert darauf und steckt viel Geld hinein, dass ein Gruyère oder ein Vacherin Mont d'or, der unter dieser Bezeichnung verkauft wird auch tatsächlich aus der entsprechenden Redion unter entsprechender Qualität produziert wird.


    Wir können das weil wir a) genügend Geld haben b) genügend Leute bezahlen können mit entsprechender Ausbildung, die wissen wie man sowas schützt und es notfalls auch einklagt c) wir beteiligt sind an der Erstellung solcher Gesetze, die uns einen Vorteil bringen.


    Ich weiss nicht, wie gut ein Aborignines-Stamm ihre Kunstart schützen lassen kann, damit die nicht billig irgendwo anders produziert wird und als "Aborigini Ethno Chic" verramscht wird.


    Da haben wir einfach ein Machtgefälle.


    Dazu kommt, dass es bisher keinen respektvollen Umgang mit den Kulturgütern weniger priviligierte Völker gab.
    Einfach als Beispiel dieser Link:
    http://www.suedwind-magazin.at/die-heimkehr-der-masken

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Ich finde das der Vergleich hinkt, weil schlicht nicht zurückzuverfolgen ist WER dieses Muster nuntatsächlich erfunden hat...WER das Tragetuch nun tatsächlich erfunden hat...WER denn nun tatsächlich davon profitieren soll und ob man das nun für jedes Ethnomuster machen soll, was ist mit Jeans, was mit Mokassins, was ist mit Anoraks, Holzclogs, darf man nun als Nicht-Norweger Pullover mit Norwegermuster tragen oder gar stricken usw....


    Im übrigen darf jeder der ein ähnliches (oder gar genau dieses Rezept besitzt) einen ähnlichen oder gleichen Käse wie ein Gryuere oder einen Apenzeller machen, er darf nur den Namen nicht tragen. Cola darf auch jeder machen aber sie nicht Coca-Cola nennen, Burger darf auch jeder machen, Lodenjacken darf auch jeder tragen und produzieren...womit wir wieder "nur" bei der namensfrage angelangt sind.


    Ich finde im übrigen, dass es sogar eine gewisse Wertschätzung der südamerikanischen Kultur ausdrückt wenn man/frau bestimmte Muster (ob nun im Tragetuch oder in sonstiger Kleidung trägt) dass dies keinen kompromittierenden Namen tragen sollte finde ich logisch, aber von diesem hat man sich bei Dydimos ja nun verabschiedet.
    Wenn man das tatsächlich so streng sehen sollte müsste man das vielleicht sogar ausweiten, dann muss man sich fragen welche Tragevarianten Europäerinnen und Europäer überhaupt anwenden dürfen und ob Kinderwagen nicht nur von Briten genutzt werden dürfen.


    Am Namen kann man sich aufhängen, ja, das verstehe ich gut aber am Muster...dass kann ich persönlich nicht nachvollziehen und würde mir da ungern "Alltagsrassismus" vorwerfen lassen nur weil das so ist...

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


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