Lieblingsbücher vs. Genderkacke

  • So, ich hab mir ja mal vorgenommen, unser Kind von allzu großer Genderkacke fernzuhalten.
    Jetzt begegnet mir aber just jene in vielen Büchern, die der Zwerg gern hat.
    Zum Beispiel in den Geschichten vom Franz, diverse Märchen oder, gerade erst vorgelesen, die Geschichten der Kinder aus Bullerbü.
    Der erste Impuls ist immer, die Bücher auszumustern. Aber andererseits sind es doch tw solche Klassiker, dir die ich schon als Kind gern gelesen habe...
    Ich rede mit ihm drüber und erkläre viel, dennoch merke ich deutlich, wie das plumpe "Mädchen sind so und Jungen sind so" seine Denkweise formt, und das missfällt mir.


    Wie löst Ihr denn das Dilemma?

  • Ich lese bewusst mit meinen Kinder Bircher mit weiblichen Helden und bespreche und Klassikern darüber warum die Darstellungsweise antiquiert ist und frage auch was sie dazu denken und nutze es immer wieder als Gesprächs Anlass. Es ist in meinen Augen wichtig solche Themen direkt anzusprechen.

  • Ich denke mir auch immer: ich habe das auch alles gelesen (und schlimmeres in dieser Hinsicht), habe viel mit Barbies etc. gespielt, war das "klassische, typische" Mädchen - und ab der Pubertät das Gegenteil und als Erwachsene sowieso. So lange man darüber redet, andere Modelle auch vorlebt usw. finde ich es nicht schlimm, auch die genannten Bücher zu lesen. Da gibt es ja viele Klassiker, die man sonst aussortieren müsste ...

  • https://www.rebelgirls.co


    :)
    Ich warte darauf, dass das Buch kommt - leider englisch, aber vielleicht verstehst du englisch?
    Ich schau eigentlich nur, dass von allem was dabei ist, bei den Brüdern Löwenherz kümmert sich der große Bruder ja auch um den hausstand #gruebel

    Carpe Diem. Das Leben ist zu kurz, um es zu verschwenden.

  • Ich muss sagen, ich kümmere mich wenig darum, solange die Bücher nicht wirklich richtig schlimme Genderkacke von sich geben. Aber bei uns gibts auch fast nur Bücher mit Jungen als Hauptcharaktern, oder Tieren, wo das nicht erkennbar ist. Ich habe auch einfach noch nichts mit Mädchen gefunden, was dem Geschmack meines Sohnes entspricht.
    Und wenn der Vater halt meist Arbeiten geht und die Mutter einkaufen, ja mei, das kann mein Sohn verknusen. Zuhause kennt er es anders.


    Ich denke reales Vorleben ist wesentlich effizienter (und relevanter) als was in Büchern steht.

    Kitten (34) with Tiger (33) and Tiger-Cub, the biting (4)


    Lachen macht lustig.8o


  • Just so stories von R. Kipling, dem Verfasser der Dschungelbücher. Eigentlich sind alle Tiergeschichten von ihm wunderbar.
    Und natürlich
    der Zauberer von Oz.

    Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

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  • Ich les oft zensiert vor, weil mir das manchmal echt zu gruselig ist (erste Genderkacke schwappt schon aus der eigentlich recht moderaten Kita nach Hause...). Und bin immer ganz froh über jedes Buch, in dem es nicht von Genderkacke wimmelt, weil ich die Genderkacke als Prägung zwar schlimmer, aber das Zensieren auch unangenehm finde.
    Wir haben hier viel Sendak und Ungerer z.B., bei denen ich beim Lesen nicht viel ändere, Tiergeschichten sind auch beliebt ("Murmelbär", Janosch...), "Lolas Luftfahrt" (Könnecke), "Murkel ist wieder da", Miss Harriets Ballonfahrten, "Der fliegende Schnurrbart"... sind auch unzensiert gut lesbar und für jedes Kind potenziell interessant.
    Sind halt alles >20jährige Kinderbücher.


    Märchen lesen wir nicht. Ich finde sie im Nachhinein sehr fragwürdig, was die Moral angeht, und sowohl eine ungute Hierarchie zwischen Erwachsenen und Kindern als auch Gender- und statusabhängige Rollen werden da meist fest zementiert.


    Erschreckenderweise zensiere ich auch meine alten Revoluzzerbücher (Rose Übermut, Michael, Dulcie Dando...), weil ich gar nicht erst drauf hinweisen möchte, dass es nur für ganz besondere Mädchen/Jungen cool ist, sich irgendwie genderunkonform zu verhalten.

  • der Ansatz, gezielt Bücher auszuwählen, die Genderrollen nicht zementieren, und bei älteren Büchern / Klassikern dann das Thema aufzugreifen, find ich bisher am zielführendsten. Die Konfrontierung mit den Genderrollen kommt früher oder später, und dann ist das Thema innerhalb der Familie schon mal auf dem Tisch gewesen und die Kinder haben schon mitbekommen, dass Genderrollen hinterfragt gehören.

  • Ich wähle wenn wir Bücher kaufen die aus die nicht so viel genderkack beinhalten (fand den Tread zu den Büchern hier auch cool) und bei Bullerbü zB lese ich anstatt die Jungen machen xy immer die konkreten Namen. Das fühlt sich für mich besser an. Ich glaube zwar das das reale Vorleben tatsächlich mehr ausmacht und das das Thematisieren wichtiger ist, aber manchmal kommts mir einfach nicht über die Lippen - manche ganz schlimmen Bücher verweigere ich auch ;-).

  • Ich bin da bei Falynn, Vorleben und Thematisieren - meine große Tochter hat zB eine Vorliebe für Grimms Märchen, die ja mitunter sehr düster und


    sehr fragwürdig, was die Moral angeht, und sowohl eine ungute Hierarchie zwischen Erwachsenen und Kindern als auch Gender- und statusabhängige Rollen werden da meist fest zementiert.

    deshalb reden wir darüber, erklären, das zu der Zeit aus der die Geschichten stammen die Welt eine andere war, diese Märchen damals eine erzieherische Komponente hatten (Beispiel:der böse Wolf-> geh nicht mit Fremden mit) und nicht unbedingt für Kinder geschrieben wurden. Klar, solch Geschichtsexkurse fesseln kleinere Kinder eher nicht :)


    Disney- ist allerdings eine ganz Sache, soviel Genderkacke auf einem Haufen (gibt's da eigentlich Ausnahmen?) ist für mich wirklich schwer zu ertragen und das kann und will ich nicht unkommentiert lassen.
    Inzwischen hat meine Tochter aber ein sehr feines Gespür dafür, sowohl in Büchern und Filmen als auch in ihrem Lebensumfeld. Erst gestern hat sie sich empört das ihr Papa in der ausgedachten Geschichte "viel zu wenige Hauptrollen mit Mädchen besetzt hat" -
    es war ihm sichtlich unangenehm :) 
    Ich sortiere bewusst keine Bücher aus damit uns die Diskusionsgrundlagen erhalten bleiben #ja

  • Disney hat mittlerweile mitbekommen, dass die Genderkacke kritisiert wird. Mein Eindruck ist, sie tun zumindest so, als ob sie sich Mühe geben, da progressiver zu werden. Heute abend kann ich sagen, wie das in der Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest" ist.
    Beim neuesten Animationsfilm von Disney "Vaiana" gibt es nach dem Empfinden meiner Tochter und nach meinem Empfinden weniger Genderkacke als in bisherigen Filmen.


    Mit bald 12 Jahren macht meine Tochter den "Genderkacke-Check" schon selbstständig, bei so gut wie allem, das sie anschaut oder liest, selbst bei den Lustigen Taschenbüchern.

  • ich finde Disney hat sich sehr gebessert. Die Frozen Geschichte etwa finde ich ganz okay. Immerhin geht es da nicht nur um Männer und Anna ist ganz schön taff, wie sie Hans im Königreich lässt und alleine in den Schneesturm zieht.

    Immer auf Fettnäpfchensuche...


    Chaosqueen mit Chaosprinzessin ( #female 3/13)

  • Rapunzel - neu verföhnt ist doch auch Disney, und endet tatsächlich auch nicht mit einer Hochzeit zwischen Rapunzel und dem Prinz.


    Mein Lieblingsbuch als Kind war Dolly, aber mit gutem Gewissen kann ich das meine Tochter heute auch nicht lesen lassen. Andererseits will sie das auch gar nicht ;-)
    Und dann auch noch Anne of Green Gables, wobei ich das eher etwas ausbrechend aus der Genderkacke in Erinnerung habe. Immerhin war Anne nicht so typisch Mädchen. *grübel*

  • Gerade bei den Klassikern und Blyton ist meinen Kindern bewusst, dass das Geschichten "von früher" sind und dass da einiges anders war.
    Wir reden drüber.


    Ich hatte nie Angst, dass durch Bücher Wertvorstellungen zementiert werden, die im Alltag anders gelebt werden.
    In unzähligen Büchern sehen meine Kinder z.B. Babys, die die Flasche erhalten; dass Babys gestillt werden, ist aber im Kopf drin, denn das haben sie erlebt.


    Insofern bin ich da recht locker.

  • ich finde alle Bücher von früher, gehen irgendwie gar nicht ... aus Genderkacke sicht


    Gerade die Geschichten vom Franz...da wird auch so ein veraltetes Erziehungsbild zementiert...
    bei uns hat die die Erzieherin vorgelesen... mein Kind hat es geliebt.... aber ich hab dann auch wieder bewußt zu anderen Büchern gegriffen....
    Ich finde das bei den neuen Büchern nicht so schlimm, da gibt es wirklich schöne...
    also würde ich wirklich nach anderen Büchern suchen


    in dem jungen Alter deiner Kinder... finde ich sprechen darüber schwierig....


    jetzt mit meiner Großen... ja darf sie gerne alles lesen was sie will, weil wir diskutieren dieses Thema.... und ich denke das ist wichtig

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ich lese sowas teilweise auch vor, meine Tochter liest auch Enid Blyton. Ich denk mir, es begegnet ihnen ohnehin im Alltag, besser mach ich sie zu Hause schonmal fit dafür, lass sie das lesen/lese vor, und rede dann darüber.


    Wir haben neulich ein schönes Buch gelesen, da kam nur ein einziges Mädchen drin vor, aber viel schlimmer war der "Neger-Chauffeur" mit den blitzenden Zähnen im schwarzen Gesicht. #kreischen Ich habe das erst umformuliert, aber dann hab ich gesagt: Guck mal, was für ein altes Buch, da steht tatsächlich das und das, früher hat man da gar nicht so drüber gedacht, wie wir das heute tun.


    Ich verbiete auch nicht Bücher, in denen Alkoholismus vorkommt (Onkel Nilson bei Madita). Es muss natürlich alles einen bestimmten Rahmen haben.


    Ich mag auch gar nicht so gezielt nur Heldinnen-Bücher an meine Tochter geben, das verzerrt genauso die Realität. Aber ich verbiete diese Bücher auch nicht, warum auch, meine Tochter kann Fiktion mittlerweile gut von Realität trennen, und wenn sie jemanden nachahmt, dann weniger die Figuren aus den Büchern, sondern mich, und das ist für mich die deutlich größere Herausforderung.

    Fiawin mit d9be2134.gif
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    Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komme nur so selten dazu.


    Wer Extremitäten hat, kann keine Kugel sein.


    Lass die Hoffnungswaschmaschine laufen!

  • seit meine Tochter selber Bücher in der Bücherei aussucht, schaut sie gezielt auf weibliche Protagonistinnen. Die klassischen Mädchenbücher und Pferdegeschichten fand sie schnell langweilig. Ich finde ja, dass in den letzten Jahren die Mädchenrollen in Büchern insgesamt vielfältiger und stärker geworden sind.

  • Meine Kinder wählen Bücher selber aus, ich zensieren da nichts. Wenn Fragen auftauchen, reden wir drüber.


    Meine Tochter hat vor kurzem meine alten "Dolly", "Puky", "Anne" Bücher gelesen. Sonst greift sie eher zu meinen Thrillern, aber die Bücher fand sie super. Wahrscheinlich ist das Frauenbild darin für sie genauso gruselig. Sie nimmt es mit Humor (wird aber schon 13).


    Mein Sohn mag Bücher oder eben nicht. Weibliche oder männliche Helden (oder Tiere) sind ihm Schnuppe. Hauptsache spannend.


    Er mag aber auch Bücher, wo Genderkacke gezielt aufs Korn genommen wird, z.b. die beiden "Thabo. Ein Detektiv und Gentleman " Bücher von Boie. Die sind spannend. Und die Kinder echt taff.


    "Igraine Ohnefurcht" findet er auch toll.


    Bullerbü und so findet er eher langweilig. Man merkt aber, dass ihm der Genderkacke völlig wurscht ist. Für meine Kinder ist das nur "so war das halt früher, heute ist es anders". Und damit können wir gut leben.
    Genuss wie ich das Wort Neger nie zensiert, immer nur erklärt habe. Meine Kinder wissen, dass man das Wort früher benutzt hat, man es aber nicht mehr sagt. Ich finde es falsch, Literatur zu verändern.

  • Tanja1971 : in meinen 80er, 90er Jahren hat es nicht "zum guten Humor gehört", Sprüche über "Neger" zu machen. 😒