"Ab 45 ist es vorbei ..."

  • ... ist das denn wirklich so?


    Hallo liebe Raben,


    ich höre diesen Spruch immer wieder. Manche Menschen aus meinem Umfeld meinen, schon mit 40 sollte man in dem Beruf angekommen sein, in dem man "alt" werden möchte. Und ab 45 bekommt man ja überhaupt keine Anstellung mehr; da müsse man also bis Rentenalter beim jetzigen Arbeitgeber bleiben ...


    Das hört sich alles _ schrecklich an!


    Es gibt doch auch Spätberufene, Mütter, die wieder anfangen zu arbeiten, vielleicht sogar nochmal Umschulen, sich Selbstständig machen, Weiterbilden, .... oder nicht?


    Ich bekomm grad etwas Panik, ich hab letztes Jahr zu Ende studiert (Pädagogik) und suche grade, finde aber nichts :(

    Ich überlege schon, eine zusätzliche Ausbildung z.B. als KJP zu machen ... oder nochmal was ganz anderes ... zu machen. Ich bin jetzt 39! Ist da der Zug wirklich schon abgefahren?


    Ich würde so gerne endlich arbeiten und mein eigenes Geld verdienen.


    Hat denn jemand von euch spät nochmal umgesattelt? Könnt ihr obiges bestätigen? Ich bin grad etwas plan- und ratlos ...

    "Es gibt kaum hoffnungslose Situationen, solange man sie nicht als solche akzeptiert"

    Willy Brandt

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Janima ()

  • Ich mach alle paar Jahre was anderes. Allerdings bin ich im öffentlichen Dienst "gefangen" und damit gewissermaßen auch privilegiert.


    Meine Freundin hat jahrelang erfolgreich als selbstständige Grafik-Designerin gearbeitet. Alles hingeschmissen, neu studiert und war dann mit 45 ausgebildete KJP. Und macht das jetzt seit 7 Jahren mit Verve. Was die Alterssicherung angeht, isses wohl eher mau, aber sie kann jetzt prima davon leben.

  • Als Pädagogin bekommst du mindestens in Kindergärten einen Job. Ich sehe nicht das Problem in diesem Berufsfeld "irgendwas" zu bekommen, aber vielleicht das, was du dir vorstellst? Ich meine, man möchte ja auch nicht irgendwas machen.


    Ich habe aber Abstand davon genommen, das risiko auf mich (und die Familie) zu nehmen, nochmal zu studieren und evt. vll dann einen Job zu finden.. weil ich doch sehe, dass das schwierig werden könnte. (also sowohl das Studium als auch den Job zu finden)

    Wyrd bið ful aræd!


    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Iverna ()

  • Ich kenne einige Frauen, die über 40 nochmal beruflich umgesattelt haben. So ungewöhnlich ist das nicht. Allerdings auch eher Richtung Selbständigkeit.

    Ich selber hatte für mich den Anspruch erst Mutter zu werden, wenn ich beruflich angekommen und gesichert bin.

    Deshalb keine eigenen Erfahrungen aber viele glückliche spätberufene Freundinnen um mich herum.

    Wichtig ist, dass es wirklich eine Herzensentscheidung ist, dann hat man auch die nötige Energie.

  • ich bin auch am suchen im kaufmännischen bereicht. ich habe vor 14 jahren aufgehört. war bis dann sehr gut ausgebildet, zusatzausbildungen, letztes jahr habe ich einen wiedereinstiegkurs besucht. ich finde auch nichts. alles absagen.

    ich bin 46 und frisch getrennt. dass ich einen neuen mann finde glaube ich auch nicht, ist mir aber auch nicht so wichtig. aber ja mit 46 gehört man zum alten eisen. ich mache das beste draus.


    ich werde jetzt eine tennislehrerausbildung starten. da kann ich dann kinder unterrichten. im obigen bereich bin ich weiterhin am suchen. ;-)

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Wenn man bedenkt, dass unsere Generation vermutlich bis 70 arbeiten wird müssen, ist es schon irgendwie bitter, 25 Jahre davor schon zum alten Eisen zu gehören...


    Bei mir wurde rumgeunkt, dass, wenn man vor den Kindern nicht beruflich gefestigt ist, danach nichts mehr findet. Ich bin 34...


    Ich würde das also nicht unbedingt am Alter festmachen. Viele Arbeitgeber schrecken halt vor Arbeitnehmerinnen mit Kindern zurück (und wenn sie in meinem Alter keine haben, dann denken die Arbeitgeber, dass man welche kriegt, sobald man entfristet ist... Genauso blöd irgendwie).

  • also, du willst ja nicht komplett umsatteln, oder? KJP ist ja zumindest in "deiner richtung". grundsätzlich sehe ich da auch nicht so das problem, weil in dem beruf durchaus erfahrungen eine rolle spielen, lebensalter nicht per se hinderlich ist.


    was ich mir genauestens vorher überlegen würde

    - was willst du mit dem arbeiten erreichen?

    - strebst du echte wirtschaftliche eigenständigkeit an? wie hoch ist dein angestrebtes einkommen?

    - in welchem bereich willst du arbeiten? "pädagogik" ist ja leider so überhaupt nicht umrissen, ein absoluter fluch für die berufswahl (oder segen, wenn man sich schon frühzeitig IM studium mit praktika etc. in eine spezifische richtung entwickeln will, die es so sonst nicht gibt)

    - was für ein angestelltenverhältnis suchst du, bei welcher art trägerschaft?

    je fixierter deine ziele sind, desto besser ist das.




    mich beschäftigt das thema auch, aber mit ganz anderem hintergrund. ich würde gerne komplett meinen bereich verlassen, wüsste aber gar nicht, wohin und könnte auch eine ausbildungsphase gar nicht finanzieren. bin zudem schon fast 43. ich brauche ein regelmäßiges nettoeinkommen von mindestens 2.000, besser 2.500 euro und S*I*C*H*E*R*H*E*I*T.



    es gibt jede menge "coaches", die richtige umsattler (also solche, die aus beruf a kommen, da lange tätig waren und in beruf b wollen) beraten. die nehmen aber wirklich perverse summen geld, unfassbar pervers, und viele von denen sind vermutlich scharlatane, so dass das geld rausgeworfen ist. die bewertungen sprechen leider für sich.


    ich finde es katastrofal, wie der arbeitsmarkt für menschen ü40 gestaltet ist und dass es bei den heutigen verhältnissen so GAR KEINE möglichkeit der bewegung zu geben scheint. dabei ist heute z.b. der gesamte bereich "geisteswissenschaften" so zertrümmert wie nie und die leute haben irgendwann gar keine chance mehr, sich in eine neue richtung zu bewegen.


    DAS wäre eine marktlücke für die öffentliche hand: menschen, die "schon versorgt" sind - wie auch immer - in eine nachhaltigere, bessere richtung zu helfen.



    lg patrick

  • Mich würde ja interessieren, wie wahrscheinlich es ist, dass man wirklich, wenn vor 40 eingestiegen, bis zur Rente bei einem Arbeitgeber bleibt. Da dachte ich, dass das Modell schon längst überholt sei... #weissnicht Und ob die Thesen oben auch für Männer gelten. Einige männliche Bekannte im RL haben nämlich mit ü 40 noch umgesattelt, das wurde nicht problematisiert... Kann mir nicht vorstellen, dass die alle nur "Glück" gehabt haben sollen...

  • Meine Mutter hat mit 50 nochmal komplett neu angefangen.

    Quer eingestiegen, div. Lehrgänge mitgenommen, Umschulung gemacht und hat gleich im Anschluss einen festen Job bekommen. Sogar zwei Arbeitsstellenwechel verliefen problemlos, trotz ihres Alters.

    In einem Jahr muss sie in Rente gehen und sie bedauert, dass sie den Entschluss zur Umschulung erst mit 50 hatte.

  • Meine Mutter hat mit Ende 40 nochmal was ganz Neues gestartet und arbeitet jetzt gerne in diesem Beruf. Ich würde das so nicht sehen.


    Bei uns in NRW stand die Tage erst wieder in der Zeitung, dass Lehrer tendentiell gesucht werden und viele befristete Stellen (Krankheitsausfall) nicht besetzt werden können. Ich würde da also noch nicht aufgeben!

    LG Miriam mit 2 Jungs (2004 und 2006)

  • Das ist halt ganz unterschiedlich. In meinem umfeld erlebe ich es so, dass Kündingungen ab 45 Jahren relativ hart sind.

    - weil die Betroffenen oft intern aufgestiegen sind und keine ordentlichen Qualfikationen für die geleistete Tätigkeit nachweisen können

    - weil sie Lohnmässig aufgestiegen sind und an einem neuen Ort zu wesentlich tieferem Lohn einsteigen müssten

    - weil die Kündigung aus einem wirtschaftlich schwierigem Umfeld erfolgte und so nicht nur einen einzelnen Betrieb. sondern eine ganze Branche erfasst. Das erinnert mich als ich noch sehr jung war und in einer Massnahme des Arbeitsamtes, dass ich dort einen Schreibmaschinenmechaniker kennen lernte. Dem passierte das wirklich, seine Ausbildung war unbrauchbar geworden und er haderte sehr damit.


    Was ich sagen will, oft müssen Betroffene damit klar kommen Lohnmässig oder auch Stellenmässig abzusteigen, das ist nicht einfach. Oder sie müssen umsatteln, was auch nicht immer einfach ist, vor allem hier nicht, wo man kaum finanzielle Unterstützung bekommt.


    Tatsächlich, so zeigen Zahlen, sind es dafür verhältnissmässig viele Menschen um die 50, die sich selbständig machen. Und das oft erfolgreich.


    Und natürlich gibt es Jobs, da sucht man händeringend Leute, da zählt nur die Ausbildung, das Alter ist zweitranging. Das sind dann auch die Branchen, die quasi betteln, das die Leute über die Pensionierung hinaus weiterarbeiten.:)

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • ...


    Es gibt doch auch Spätberufene, Mütter, die wieder anfangen zu arbeiten, vielleicht sogar nochmal Umschulen, sich Selbstständig machen, Weiterbilden, .... oder nicht?

    ...

    Hat denn jemand von euch spät nochmal umgesattelt? Könnt ihr obiges bestätigen? Ich bin grad etwas plan- und ratlos ...



    Hier, ich.

    Ich hab mit 43 nochmal umgesattelt, werde in 3 Wochen (hoffentlich) fertig sein und ab Mitte August, wenn alles klappt wie geplant, fest einsteigen.


    Vorher war ich 11 Jahre mit den Kids zu Hause. Die Länge der Pause war unfreiwillig, denn nach 1 Jahr wollte ich in Teilzeit zurückkommen, was man mir ablehnte, knapp 1 Jahr später wurde der Standort verlegt und es gab 2 Firmenübergänge. Der neue AG hätte mir durchaus Teilzeitmöglich gemacht, nur trennten uns knapp 200 km.

    In Teilzeit was neues finden war unmöglich.

    Über den Umstieg hatte ich schon früher nachgedacht, bei der letzten Gelegenheit waren mir die Kids noch zu klein weil die 2 Jahre "Umschulung" jetzt erstmal Vollzeit waren.

    Was macht ihr eigentlich, ihr flinken Sekundenhorter, mit all der Zeit, die ihr spart, wenn ihr "lg" tippt statt lieb zu grüßen?

    - aus einer Berliner S-Bahn-Station -

  • wow, toll!!! #top


    na dann hab ich ja noch hoffnung. zum alten eisen gehörig fühle ich mich wirklich noch (hoffentlich lange) nicht ;)


    vielen dank für die tollen aufmunternden berichte, tipps und anregungen. ich werd da nochmal in mich gehen und alles genau sortieren und gucken, was ich wirklich möchte.


    #danke :) 

    "Es gibt kaum hoffnungslose Situationen, solange man sie nicht als solche akzeptiert"

    Willy Brandt

  • Mich würde interessieren: Auf was habt ihr erfolgreich jenseits der 40 Umgeschulten denn umgeschult?

    Ich sitze berufsmässig im goldenen Käfig. Guter Verdienst und gute Arbeitsbedingungen, inklusive netter Kollegen.

    Aber die Arbeit selbst erfüllt mich nicht. Sie ist nicht langweilig, aber ich sehe keinen Nutzen in ihr...

    Ich würde aber gerne etwas wirklich sinnvolles tun (aber eben auch davon leben können....)

    lg, karlchen

  • Nach meiner Erfahrung scheint das Alter im (sozial)pädagogischen Bereich kein Problem zu sein, ich habe selber schon mehrfach meine Stelle gewechselt (auch umzugsbedingt) und hatte öfter Kolleginnen, die im Alter von 50 - 60 Jahren neu eingestellt wurden. Ü-40 ist da gar kein Thema #ja.

  • Ich hab mit 37 schon nichts mehr (Also, Büro. 9-17 Uhr) finden können.


    Allerdings bin ich nicht in D und da müssen die Kinder ganz anders versorgt werden.

    Und ich hatte ein 8 Jahre Pause und davor nichts mit meinem Soz.Päd. Diplom gemacht, weil ich ja ausgewandert bin.


    Ich lande irgendwie immer im Einzelhandel. Aber im Moment (mit 39) habe ich mich damit abgefunden.

    Ich arbeite in einem kleinen Familienkäseladen und die sind froh mich zu haben.

    Meine Kinder sind auch gut organisiert und am besten: wir sehen uns auch und das ganze Familienleben ist im Moment relativ relaxed.


    War das meine Vorstellung? Nee.

    Hat meine Mutter sich je damit abfinden können? Auch nicht. Hat sie mir in ihrem vorletzten Abschiedsbrief hinterlassen.

    Will ich das in 5 Jahren noch machen? Auch nicht.


    Aber wer weiß schon, was in 5 Jahren ist. Irgendwas tut sich immer auf. Man muss es nur sehen.


    Ist 40 das Ende der Fahnenstange?

    Nur, wenn du es zulässt. Ansonsten anpacken und du schaffst das!

  • Ab. 40 geht es erst richtig los! Ernsthaft, das ist ein tolles Alter, die Kinder sind häufig schon größer oder aus den ersten dauererkälteten Jahren heraus, man ist aber noch fit und motiviert und kann die Knochen noch bewegen :-)


    Ich habe mit 36 noch mal studiert, war mit 39 fertig, arbeite jetzt seit einem Jahr in diesem Bereich und wechsel jetzt im Spätsommer nochmal den Job, gewollt, und kann sagen, das zweite Studium hat sich definitiv gelohnt. Meine Kinder sind alle schon auf weiterführenden Schulen, brauchen keine Intensivbetreuung mehr, meine Arbeitgeber wissen das zu schätzen, auch, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Klingt doof, ist aber so.


    Wag es, es sind mittlerweile viele "Ältere" an Hochschulen, in Ausbildungen, ich kenne auch 50jährige, und keine hat es bereut!

    Wir sind das Gegenteil von traurig!


    Einling und Zwillinge #dance

  • Nach meiner Erfahrung scheint das Alter im (sozial)pädagogischen Bereich kein Problem zu sein, ich habe selber schon mehrfach meine Stelle gewechselt (auch umzugsbedingt) und hatte öfter Kolleginnen, die im Alter von 50 - 60 Jahren neu eingestellt wurden. Ü-40 ist da gar kein Thema #ja.

    Das ist auch meine Erfahrung. Nicht von mir da noch nicht so alt aber aus dem Bekannten oder Kollegenkreis. Gerade in pädagogischen Bereich geht es ja oft auch um Lebenserfahrung.

    Vielleicht ist eher die Frage wie sehr du deinen Stellenwunsch eingeschränkt hast?

    98, 00, 05, 06, 11, Enkelchen 2016 und

  • Flickan : Darf ich dich fragen, was du studiert hast?


    (Ich trage mich auch mit der Idee "des zweiten Studiums" in ein paar Jahren, bin aber jetzt erst Anfang dreißig und habe gerade erst mein erstes Studium beendet).