Plätzchenspende für die Tafel

  • Die Schule unseres Junior hat sich gemeldet, bzw. die Schülervertretung.

    Sie hatten die nette Idee, dieses Jahr Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. Ausdrücklich für die Tafel und für Flüchtlinge.

    Sie sammeln nicht nur Geld sondern auch selbstgebackene Plätzchen, die dann am 24.12. verteilt werden.

    Ich finde die Idee gut und habe nun einfache Plätzchen gebacken, ohne Milch und Nüsse und habe vor, das irgendwie an einem Anhänger zu vermerken. Es gibt ja Menschen, die Probleme mit Laktose, Milcheiweiß oder Nüssen haben.


    Ist das jetzt zu viel gedacht von mir oder genau richtig so?

    Was meint ihr?

  • Ich weiß nicht, ob die Tafel Lebensmittel annimmt, die nicht OVP sind?
    Da müsst ihr bitte noch mal nachfragen ...

  • Ich finde, Du hast es gut so gemacht.


    Hier werden an der Tafel solche Sachen durchaus von Schulen oder so angenommen, wenn es als Charity-Aktion gemacht wird.


    Ich weiß aber von einer Nachbarin, dass sie es sehr erniedrigend fand, als sie zur Tafel gegangen ist (was sich schlimm genug für sie anfühlt), und dann auch noch herhalten musste, so sagt sie, für das Sich-als-guten-Menschen-fühlen von anderen. Sie findet, dass diese Mildtätigkeit das Ego der Kids streichelt, aber nicht auf den politischen Hintergrund aufmerksam macht. Die Kinder lernen, dass man mildtätig geben kann, was man eh übrig hat, aber sie lernen nichts über Umverteilung oder Teilen oder Ungerechtigkeit. Sie fand es furchtbar und hatte beim Erzählen Tränen in den Augen, die sie weggeblinkert hat.

    Und natürlich war es ihr klar, dass es total gut gemeint war. Sie fühlte sich aber benutzt. Und befand sich in einem totalen inneren Dilemma. Eben weil es Kinder/Jugendliche waren, weil sie es gut gemeint haben. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dankbar sein zu müssen.


    Ich merk gerade, wie mir das beim Schreiben nochmal richtig an die Nieren geht, so im Nachhinein.


    Unter anderem, weil sie auch so Reaktionen von anderen bekommen hat, dass sie sich nicht so anstellen solle, so schlimm sei das doch nicht, dass sie sich freuen solle, dass sie froh sein solle, dass es sowas überhaupt gäbe, woanders hungern die Menschen blabla, und dass man es manchen nie recht machen könne.


    Ok, das war aber nicht die Frage. Also ja, ich denke, das mit der Kennzeichnung ist super, weil derjenige, der es bekommt oder nimmt, entscheiden kann, ob er überhaupt was damit anfangen kann. Das gibt Selbstwirksamkeit, und außerdem muss man schon die Wahl haben, was man annehmen will und was nicht, in so einem reichen Land wie unserem. Es gibt Würde.

    Und es ist einfach praktisch und vernünftig und hilfreich und mitgedacht und überhaupt nicht übertrieben.:thumbup:

    Einmal editiert, zuletzt von Fiawin () aus folgendem Grund: Interpunktion

  • Danke Fia für deinen Beitrag und für deine Sicht.


    Da muss ich noch eine Weile drüber nachdenken.


    Nichtsdestotrotz sind diese Plätzchen nichts, was wir "eh übrig" hatten. Sie sind extra für die Aktion der Schülervertretung gebacken worden.

    Das Problem, dass arme bzw. mittellose Menschen nehmen müssen, was sie (zugeteilt) bekommen, werde ich nicht ändern (können). Aber ich kann etwas geben, was für sie in diesem Moment vielleicht eine kleine, zusätzliche Gabe ist.

  • Ich seh das in Teilen ähnlich, war aber sehr gerüttelt von dem Erleben und Berichten meiner Nachbarin, da es sehr ehrlich und überhaupt nicht ohne Wertschätzung gegenüber der Geste war.

  • Hilft überhaupt nicht weiter, aber: Die Tafeln gehören abgeschafft, ihnen sollte jede Unterstützung verweigert werden. Einige Gründe hat Fiawin angeführt. Der Staat muss sich wieder für eine Daseinsfürsorge und Teilhabemöglichkeiten verantwortlich fühlen.


    Ich würde die Plätzchen an eine Organisation spenden, die nicht das Tafelsystem stützt, z. B. an eine Tageseinrichtung für Wohnungslose, ein Seniorenheim in einem sozialen Brennpunkt o.ä.

  • Doch, die Tafeln haben eine Daseinsberechtigung und es ist wichtig dass es sie gibt. Unabhängig davon muss eine Gesellschaft ihren Mitgliedern ein auskömmliches Einkommen ermöglichen. Sei es nun in Form von Erwerbstätigkeit, oder Rente oder anderen Formen des Geldverdienens.

    Aber, ich erlebe immer wieder dass es Menschen gibt die in dieser Gesellschaft nicht zurecht kommen. Oft sind es solche mit Suchterkrankungen. Oder Menschen die aus was für Gründen auch immer nicht in der Lage sind ihren Lebensunterhalt einzuteilen, so dass am 15. kein Geld für Essen mehr da ist.

    Diese Leute haben dann wenigstens die Möglichkeit sich Lebensmittel geben zu lassen. Das Problem dass sie sich dafür schämen, löst es natürlich nicht. Allerdings weiß ich auch nicht wie man es lösen könnte.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Für's Protokoll:


    Meine Nachbarin gehört nicht zu denen, die sich ihr Geld nicht einteilen können oder eine Suchterkrankung hätte. Sie hat auch die normale Zeit gearbeitet, allerdings nicht immer in Vollzeit, da alleinerziehend.

    Sie sollte mit ihrer Rente ein Auskommen haben können. Und es sollte auch nicht eine fertig gepackte Tüte von der Tafel bestimmen, was sie in ihren Kühlschrank packt.


    Allerdings bin ich auch nicht für die sofortige Abschaffung der Tafeln, finde das System aber eigentlich, aus politischer Sicht, grundfalsch.

  • Fiawin das habe ich auch nicht gesagt. Ich finde ja dass der Regelfall sein muss dass man genügend Geld "verdient" um damit auszukommen wenn man normal lebt. Also eine Wohnung bezahlen kann und ausreichend essen kaufen kann und was sonst noch so anfällt.

    Aber selbst wenn dieses wäre, gäbe es meiner Erfahrung nach Menschen die es nicht geregelt bekommen. Dafür finde ich niedrigschwellige Angebote wichtig.

    So wie es jetzt ist, dass transferleistungen sehr niedrig angesetzt werden weil man ja solche Dinge wie Tafeln miteinrechnet ist es natürlich falsch.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Meine Nachbarin geht regelmässig zur Tafel und bringt uns davon auch immer mit, im Tausch gegen Eier und so. Was mir einfach auffällt ist, dass da relativ viel Süsskram dabei ist, und eher weniger Gemüse, Früchte, und wenn dann ziemlich angedatscht.

    Meine Nachbarin ist Diabetikerin und schleppt da dauernd, Kekse, Schokolade, Puddings und sonst was mit. Diese Woche kam sie mit einer Tüte Schokoladenostereier für uns.


    Ich weiss nicht, inwiefern das nun symptomatisch ist für Tafeln, aber beim Gedanken an gespendete Kekse, da grummelt es mir ein bisschen im Bauch. Das wäre dann sowas typisches, das meine Nachbarin abgreifen würde, dann uns bringen und ich würde es wahrscheinlich dann heimlich entsorgen....da selbstgebacken aus unbekannter Quelle, usw.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Ich kenne durch meinen Beruf recht viele die regelmässig zur Tafel gehen, bei uns gibt es immer sehr viele Backwaren. Sprich, weniger frisches Obst und Gemüse und mehr "Brot mit Belag" auf dem Speiseplan.


    Fias Überlegungen kann ich, in Bezug auf das, was die Kinder denken, nachvollziehen. Hier sind ja immer diese "Päckchen für arme Kinder"-Flyer an der Schule im Umlauf und manche Klassen machen auch geschlossen mit. Was bedeutet, dass man da schlecht sagen kann, nö, mache ich nicht. Wir hatten da kürzlich unsere 2 Pakete fertig, die Freundin von meinem Sohn sah das Päckchen, wusste noch nichts von der Aktion, und meinte freudestrahlend: "Prima, da kann ich auch mitmachen und noch alten Kram aussortieren". Irgend jemand hat also dem Mädel schon vermittelt, dass wir Sachen aussortieren die wir nicht mehr mögen/brauchen und die dann "spenden" um uns besser zu fühlen. Nix anderes ist ja auch mit den Altkleidercontainern.


    Fand ich noch sehr eindrücklich und auch, hm, schwierig. Also wie vermittelt man den Kindern eben genau das nicht?

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Daroan, das ist echt entmutigend. Ich wollte gerade noch Plätzchen mit Mandeln und Nüssen dazutun. Das lasse ich dann wohl.


    Ich kann über die Qualität der Tafel nix sagen, sie ist im Nachbarort und in unserer direkten Nachbarschaft wohnen keine ALG-Ii-empfänger, die zur Tafel gehen.

    Ich finde es trotzdem gut, dass sich die SchülerInnen Gedanken machen und arme Menschen unterstützen wollen. Sie sammeln auch Geld.


    Die Ausdrucksweise "abgreifen" finde ich jetzt irgendwie unangemessen. Vielleicht denkt die Frau, dass sie euch was Gutes tut oder sich für das Gute von euch revanchiert, wenn sie auch für euch etwas mitbringt.



    Wir haben jahrelang mehrere Päckchen für "Weihnachten im Schuhkarton" gepackt. Da war nie etwas Gebrauchtes drin. Immer extra dafür gekaufte neue Sachen.

  • Meine Nachbarin ist Diabetikerin und schleppt da dauernd, Kekse, Schokolade, Puddings und sonst was mit. Diese Woche kam sie mit einer Tüte Schokoladenostereier für uns.

    Das ist wohl ein Grundproblem der Tafel. Süßkram - gerade der "Jahreszeitensüßkram" - ist nach den Feiertagen praktisch unverkäuflich, hält aber noch eine ganze Weile und lässt sich gut bei der Tafel entsorgen an die Tafel weitergeben. Wenn Obst, Gemüse, Eier, Fleisch, Käse usw. im Supermarkt "unverkäuflich" sind, dann taugt es auch nicht mehr für die Tafel.


    Von daher ist es wohl sinnvoller, wenn man was spenden will. lieber (haltbares) Obst/Gemüse zu spenden oder Grundnahrungsmittel.

  • Es gibt auch Tafeln, da kommen die Leute hin und können auswählen. Klar, was dann alle ist, ist weg, und man kann auch nicht 5 x Rosenkohl mitnehmen für eine Person. Aber man kann sage, ob man Kohl will und Kartoffeln und Möhren oder lieber doch Porree oder beides und Brot oder auch nicht. Ich weiß nicht, was da üblicher ist, die Tüte, die gepackt ist, oder die Auswahl aus einem Sortiment.


    Wenn ich zur Tafel gehen würde, und hätte sowas, wie die Nachbarin mitbringt (und sie verschenkt dann auch), wäre sehr viel, was ich nicht mag, also was mir wirklich nicht schmeckt, z.B. Stollen, Kaffeepulver, Fleischwurst, Weißbrot, Margarine, 1 Tafel Schokolade Kaffeesahne. Das ist dann irgendwie am Sinn vorbei.

  • Letztes Jahr gab es im Supermarkt eine Aktion der Tafel. Die Mitarbeiter hatten einen Stand an dem man spenden konnte, also Lebensmittel die man im Supermarkt gekauft hatte. Auf Nachfrage was denn sinnvoll sei, meinten die Mitarbeiter alles was haltbar wäre und kein Schweinefleisch enthalten würde.

    Ich fand es schwierig, weil gerade diese Kategorie Lebensmittel ja eher günstig ist. Wenn das Geld knapp ist, verkneift man sich ja eher die frischen relativ teuren Sachen.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Wir haben jahrelang mehrere Päckchen für "Weihnachten im Schuhkarton" gepackt. Da war nie etwas Gebrauchtes drin. Immer extra dafür gekaufte neue Sachen.

    Ich erlebe Dich in diesen Sachen bei dem, was Du von Euch berichtest (auch in kleinen Nebensätzen), auch immer sehr großzügig und warmherzig und überlegt und mitdenkend, wie es beim Empfänger ankommt. Und ich denke, dass viele Menschen, die an sowas teilnehmen als Geber, es genau so handhaben.


    Solange es keine andere Lösung gibt, also eine wirkliche Umverteilung, wird man das Dilemma nicht auflösen können, und dann gar nichts zu geben, würde es auch nicht besser machen.


    Man muss mit Kindern thematisieren, was da genau passiert. Das heißt nicht, dass man schon Lösungen parat haben muss, es reicht, das Problem zu benennen.


    Niemand, der ehrlichen Herzens etwas schenkt, egal ob neu oder gebraucht, muss ein schlechtes Gewissen haben oder sich schlecht fühlen, im Gegenteil. Schenken, Solidarität, Helfen, anderen Freude machen wollen oder ausgleichen wollen, ist etwas Gutes.

    Einmal editiert, zuletzt von Fiawin () aus folgendem Grund: Interpunktion

  • Bei unserer Tafel gibt es natürlich auch viel Brot und Brötchen, aber immer auch sehr viel Gemüse, Obst tatsächlich seltener weil schneller matschig. Viele Leute wollen aber das Gemüse garnicht haben (weil sie nicht wissen wie man es kocht oder die Sorten nicht kennen?) süsskram gibt es nicht sehr viel.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)