Warum ertrinken mehr Jungen als Mädchen?

  • Gerade bin ich darüber gestolpert, dass in der Schweiz 80% der Kleinkinder, die durch Ertrinken sterben, männlich sind. Laut Statistik des bfu, ich kriege das PDF gerade nicht verlinkt.


    Weiss jemand, wieso das so ist?


    Bei Erwachsenen kenne ich die Erklärung des risikoreicheren Verhaltens von Männern. Aber bei Kleinkindern?

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • wahrscheinlich greifen solche mechanismen schon bei kleinen kindern. ich könnte mir vorstellen, dass mädchen anders beaufsichtigt werden als jungs.

    _________________________________________

    erst abschicken, dann korrektur lesen. :D

  • Liegt denk ich auch an dem unterschiedlichen Lernverhalten. Jubgs lernen oft mehr durch ausprobieren (einfach mal machen), Mädchen oft mehr durch soziales Lernen (nachahmen). Ich hab mal in ner Fortbildung gehört, dass Jubgs von kkein auf mehr an ihre körperlichen Grenzen gehen und riskanteres Spielverhalten zeigen.


    Dazu kommt das mit den Freiheiten und Aufsicht. Wobei Jungs sich denk ich schon auch eher die Freiheit erkämpfen als Mädchen. Liegt wohl auch mit dran, dass Jungs eher Sach- und Mädchen eher Beziehungsorientiert sind.


    Wobei das natürlich immer relativ ist. Die meisten (wie wir Erwachsenen ja auch) sind ja nicht 100% männlich oder weiblich im Verhalten sondern irgendwo dazwischen. Das mit dem männlich und weiblich ist denk ich genau so ein Pol wie extrovertiert und introvertiert oder ängstlich und mutig.


    Das Mädchen von unsrem Ex-Pastor z.B. ist mit zwei als wir Familen gemeinsam Schwimmen waren aufs Becken zugelaufen, reingeflogen, untergegangen wie ein Stein, von Papa rausgeholt worden, hat kurz gehustet und sich wieder beruhigen müsden, rausgestellt worden - und sofort wieder reingehüpft. Die war da extrem riskant. Ist sie heute noch in anderen Bereicheb. Da würd ich sagen, sie reagiert eher jungstypisch. Die Eltern sind beide ebenso.

    Sohni dagegen ist extrem vorsichtig. Eher mädchentypisch. Männe und ich sind ebenso.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

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  • ich kriege das PDF gerade nicht verlinkt.

    Falls Du den Link doch noch reinbekommst, würde mich die Datengrundlage sehr interessieren. Ich find's leider nicht.

    Yeza


    ... Ein Strom der sich alles einverleibt,

    taumeln, stürzen, in der Leere schweben...

  • jungstypisch

    mädchentypisch

    es könnte auch einfach heissen: riskant, eher nicht so riskant.

    wieso gleich auf ein Geschlecht festlegen. seufz.

    solange das sich nicht ändert, ändert sich gar nix in unserer Gesellschaft.


    ich würde auch sagen: fehlende Aufsicht. plus: mit Jungs wird eher an den Bach oder an den See spielen gegangen? - weil genau aus solchem "jungstypisch-mädchentypisch" die Kinder eher in die eine oder andere Richtung "bespielt" werden.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Von meiner persönlichen kleinen Familienstatistik ist es so, dass mein Sohn von klein auf schlechter Risiken einschätzen konnte, sich gerne und weiter von mir entfernte und feinmotorisch ungeschickter war, ausserdem ohne zu zögern sofort nachahmen wollte, wenn grössere Jungs was machten.

    Er lief mir dauernd davon, ihn verlor ich am meisten an öffentlichen Orten (auch im Schwimmbad) und ihn holte ich am meisten aus Gefahrensituationen.


    Mittlerweile ist es besser. (auch wenn er am Freitag gerade operiert wurde weil er seine Hand durch die Scheibe der Badezimmertür geschlagen hat)

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Ich gebe ainu recht.

    Das ist ja unfassbar was du auf deiner Fortbildung gelernt hast, preeschoolmum.


    Das ist Erziehung. Mit Babys wird doch schon ganz anders umgegangen, wenn die Leute wissen, dass es Mädchen oder Jungs sind.

  • Und es ist unfassbar, alles nur auf Erziehung zu schieben und sämtliche Unterschiede zu verleugnen. Ein unterschiedliches Gen verändert nun mal auch (wissenschaftlich erwiesen!) die Hormone und das Gehirn minimal. Nur minimale Veränderungen können schon sichtbare Auswirkungen haben.


    Wenn das alles Erziehung ist, warum gibts dann in denselben Familien männlichere Mädchen und weiblichere Jungs? In der Familie des ex-Pastors z.b. war der Sohn eher wie ein "typisches Mädchen" im Verhalten und Denken (nicht nur risikoscheuer) und das Mädchen mehr jungenhaft.


    Von mir aus nenns anders - aber risikofreudiger trifft es definitiv nicht.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

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  • ich würde auch sagen: fehlende Aufsicht. plus: mit Jungs wird eher an den Bach oder an den See spielen gegangen? - weil genau aus solchem "jungstypisch-mädchentypisch" die Kinder eher in die eine oder andere Richtung "bespielt" werden.

    Wobei die meisten Ertrinkungsunfälle im privaten Umfeld, sprich privater Swimmingpool und eigenes Biotop ..., passieren, was deine Argumentation nicht mehr stichhaltig macht.

  • Seh ich nicht zwingend so, Corvidae - denn die fehlende Erfahrung durch das "andere bespielen" führt vermutlich bei Mädchen dann eher zur Vorsicht. Kinder, die mit den Eltern schon öfter im Wasser geplantscht haben (= oft Jungs), werden vermutlich eher unerschrocken bzw. unvorsichtig.

    ~~ Luxa


    "Puckel und der Edermeister" #herzen

  • ich hoffe, die diskussion erschöpft sich jetzt nicht in genderkacke/rechtfertigungs/gegendarstellungs-bashing. denn die erklärungen zur frage von Nollaun interessieren mich weit mehr.


    was auch noch eine rolle spielen könnte: insgesamt handelt es sich um sehr wenige fälle -- bfu ist gerade down, aber gemäss suchmaschinen-preview handelt es sich landesweit um 3 ertrinkungsunfälle pro jahr von kindern im alter zwischen 0 und 9 jahren. angesichts der äusserst schmalen datenbasis finde ich statistische aussagen wie "80%" arg an der grenze der zulässigkeit. würden in einem jahr mal 2 mädchen ertrinken, würde es sich bereits massiv verschieben.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

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  • Wie ich oben schrieb: männlich und weiblich sind halt nur Worte für die Extreme. Ich weiß kein anderes Wort. Vielleicht sollte man da mal eins erfinden. Jeder tendiert mehr in die eine oder andere Richtung.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

  • Wenn das alles Erziehung ist, warum gibts dann in denselben Familien männlichere Mädchen und weiblichere Jungs? In der Familie des ex-Pastors z.b. war der Sohn eher wie ein "typisches Mädchen" im Verhalten und Denken (nicht nur risikoscheuer) und das Mädchen mehr jungenhaft.

    waaaaaahahahahaahahh mann.

    schon alleine die Einteilung.

    Deine Rhetorik von männlicheren Mädchen/weiblicheren Jungs zeigt einfach schon mal, dass diese Argumentation voll in Genderkategorisierung verstrickt ist. Es gibt sex und es gibt Gender. Das ist ein Unterschied.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Ich bin über Preschoolmums Formulierungen auch gestolpert, die klangen so rein genetisch und das trifft ja nun auf sehr wenig Verhalten zu. Aber mich würde auch die Datengrundlage interessieren nur dann kann man ja sagen, woran es liegen könnte.

    War mal merin...

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  • was auch noch eine rolle spielen könnte: insgesamt handelt es sich um sehr wenige fälle -- bfu ist gerade down, aber gemäss suchmaschinen-preview handelt es sich landesweit um 3 ertrinkungsunfälle pro jahr von kindern im alter zwischen 0 und 9 jahren. angesichts der äusserst schmalen datenbasis finde ich statistische aussagen wie "80%" arg an der grenze der zulässigkeit. würden in einem jahr mal 2 mädchen ertrinken, würde es sich bereits massiv verschieben.

    das sehe ich auch so.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Gleichzeitig ist es aber schon so, dass Knaben von Geburt an eine höhere Sterblichkeit haben, auch bei Unfällen.

    Natürlich spielt gerade bei Unfällen auch Erzeihungsverhalten mitrein (was traue ich meinem Kind zu , wo bremse ich es, usw.) aber eine gewissen körperliche Veranlagung ist eben auch da.


    So grob gesagt, erlebe ich es schon so, dass die Grobmotorik bei Jungs schneller heranreift als die Feinmotorik. Ich erlebe es auch so, dass sie eine etwas geringere Selbstwahrnehmung haben, also ihr Können, ihre Grenzen nicht so gut einschätzen. Wobei das dann schon irgendwann wieder nachzieht. Aber so um 2-6 Jahre, das ist so das Alter der Kinder mit denen ich arbeiten durfte, würde ich das jetzt so beobachten.


    Für mich fängt dann die Genderkacke da an, wo man diese leichten Unreifen als "mutig" oder so interpretiert. Oder das fördert, bzw. nicht verhindert, weil es ja "typisch Jungs" ist, die ja "so sein müssen".

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • ich kriege das PDF gerade nicht verlinkt.

    Falls Du den Link doch noch reinbekommst, würde mich die Datengrundlage sehr interessieren. Ich find's leider nicht.

    Das PDF heisst:

    Tödliche Ertrinkungsunfälle in

    der Schweiz, 2000–2010


    Wenn ich das google, kommt es bei mir gleich als erstes, bei google.ch


    Vielleicht funktioniert dieser Link?


    https://www.google.ch/url?sa=t…Vaw2Ye3-P6qzGdQmPwASaHwR8

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Mir geht es wie Daroan , ich glaube nicht dass alles nur Erziehung ist. Natürlich auch, klar. Vermutlich auch der größte Teil. Aber Veranlagung spielt auch mit rein, und ich halte es für naheliegend dass Jungs und Mädchen im Schnitt(!) bei manchen Dingen unterschiedliche Veranlagungen mitbringen. Das sagt natürlich nichts über den einzelnen Junge oder das einzelne Mädchen aus, klar.

  • ich hoffe, die diskussion erschöpft sich jetzt nicht in genderkacke/rechtfertigungs/gegendarstellungs-bashing. denn die erklärungen zur frage von Nollaun interessieren mich weit mehr.


    was auch noch eine rolle spielen könnte: insgesamt handelt es sich um sehr wenige fälle -- bfu ist gerade down, aber gemäss suchmaschinen-preview handelt es sich landesweit um 3 ertrinkungsunfälle pro jahr von kindern im alter zwischen 0 und 9 jahren. angesichts der äusserst schmalen datenbasis finde ich statistische aussagen wie "80%" arg an der grenze der zulässigkeit. würden in einem jahr mal 2 mädchen ertrinken, würde es sich bereits massiv verschieben.

    Also die Datengrundlage sind die tödlichen Ertrinkungsunfälle 2000 bis 2010, insgesamt 28. Auch nicht sehr viele, aber 80% finde ich so deutlich, dass ich jetzt nicht von statistischer Ungenauigkeit ausgehen würde. Gerne lasse ich mich aber von jemand, der mehr Ahnung von Statistik hat, aufklären.


    Zudem sind auch Ertrinkungsunfälle ohne tödlichen Ausgang aufgeführt, das sind wesentlich mehr Fälle. Auch da sind die Verhältnisse ähnlich.

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.