Warum ertrinken mehr Jungen als Mädchen?

  • Danke, da wird es gut erklärt. Eben, dass das passieren kann, aber nicht muss. Er war übrigens schon tief genug im Wasser, hat sich aber vermutlich nicht in dem Maß erschreckt, um in einen Affektkrampf zu fallen.

    Ich konnte den Reflex bei meiner Kleinen mal live erleben: Restaurantgarten mit kleinem Brunnen (ca. 20 cm tief). Kind, etwa anderthalbjährig in meiner Sichtweite dort am Planschen. Sie beugt sich zu weit vor, kippt ins Wasser - und ich habe tatsächlich einen reglosen Körper aus dem Wasser gefischt (in 20 Sekunden).

    Sie wäre definitiv so ertrunken, obwohl es gereicht hätte, die Beine anzuwinkeln und die Arme auf den Boden zu stellen.


    Ich persönlich halte die Baby-Safe-Schwimmkurse für reine Geldmacherei. Aber immerhin, wahrscheinlich machen sie die Eltern aufmerksamer.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Bei fMRI-Studien leuchtet es oder eben nicht. Da ist wenig Raum für Bias.

    Unabhängig davon, wie gut und zuverlässig diese Messungen sind:


    Der Bias entsteht an einer anderen Stelle. Die Gehirne, die man da untersucht, sind geformt von den Ansprüchen der Umwelt. Wenn man Unterschiede in der Gehirnstruktur zwischen zwei Gruppen nachweisen kann, sagt das noch nicht aus, dass diese Unterschiede eine genetische (oder hormonelle) Ursache haben. Das kann auch einfach das Ergebnis von unterschiedlichem Training sein.


    Das ist mein "pet peeve" in diesem Zusammenhang: Wenn etwas im fMRI gemessen wird, gilt es als fundamental was anderes, als wenn man das gleiche durch einen Fragebogen oder Knöpfchendrücken abfragt. Dabei ist es doch im Kern das selbe: Ein Gehirn, das in seinem Leben schon einiges gelernt hat, produziert eine Reaktion.

    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Deshalb ertrinken auch Kinder desöfteren im Schwimmunterricht, im Schwimmbad.

    Waaas? #haare Ich beweg mich bei Sohnis nächsten Schwimmkurs keinen Meter vom Beckenrand weg, soviel steht schon mal fest. #kreischen

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

  • Ich finde diese Schwimmkurse mit Schwimmlehrer ausserhalb des Beckens und dann 8-10 Kinder ja sowieso fragwürdig. Meine hatten Unterricht in Kleingruppe, 2-3 Kinder, SchwimmlehrerIn im Becken. Der örtliche Schwimmverein hat etwas größere Gruppen (so ca. 10), hat dann aber immer noch 1-2 helfende Eltern zusätzlich zu der Schwimmlehrerin im Becken. Alles andere fände ich zu riskant.

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Ich habe einmal ein und das selbe Kind innerhalb eine Stun e zwei Mal gerettet: Aus einem ca. 20cm tiefen Planschpool in einer Gartenausstellung. Es war ein Kleinkind, ein Junge der Kleidung nach, und er fiel auf dem glitschigen Boden einfach vornüber und bleib dort regungslos liegen, das Gesicht im Wasser. Ich bin hingesprintet und hab ihn rausgefischt (und mich dabei auf dem Weg selbst langgelegt), aber es hat überhaupt niemand anders reagiert. Ich hab dann die Mutter gesucht, die saß kaffeetrinkend mit ner anderen Frau am Rand. Sie interessierte sich null dafür, als ich ihr sagte, ihr Kind sei grad fast ertrunken. Und wie gesagt: Er hat weiter im Wasser gespielt und ich habe ihn später ein zweites Mal rausgezogen.

    Für mich war das sehr eindrucksvoll, vor allem, weil es so lautlos abging (wenn man von meinem Rumgeplansche und Geschrei mal absieht). Und noch eindrucksvoller war, dass die Mutter mich als hysterische Ziege abstempelte, während links und rechts die kopfschüttelnden Leute saßen, die meine Rettungsaktionen beobachtet hatten.

  • Ich hab diesen Reflex mal bei nem Tageskind erlebt - im Schnee! Auch so etwa mit anderthalb. Ich war so zehn Schritte etwa entfernt und er blieb echt mit dem Gesicht nach unten im Schnee liegen und war völlig versteinert. Erst als ich ihn hochgehoben und in die Wange gekniffen hab (aus Schreck - wär vermutlich auch mit Anpusten oder so gegangen) hat er wieder geatmet. Echt spooky.


    Ich würd mich auf diesen Kurs nicht verlassen weil es einfach keine Garantie gibt. Man muss noch genauso vorsichtig sein wie ohne. Aber es erhöht die Chance falls es echt mal passiert. Ansonsten hat das Kind ja null Chance. So mindestens 15 Prozent. Irgendwo hab ich gelesen, dass jedes Jahr über 800 Ertrinkungsfälle nachweislich durch diese Methode verhindert werden (die haben offenbar alle Kameras im Garten. Wobei mich ehrlich gesagt erschreckt, wie viele Babys da jährlich in den Pool fallen. Das sind ja nur die kinder, die durch diese Methode überleben. Nicht die, die ertrinken oder die von aufmerksamen Helfern gerettet werden.


    Hier ein kurzer Nachrichtenbeitrag aus USA - einschließlich Videos von den Trainingssituationen und von einer realen Situation wie ein trainiertes Kind ins Wasser fällt. Plus auch kritische Stimmen.


    Hier sieht man die Strategie (umdrehen, schreien, zum Rand strampeln) nochmal gut.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

  • ich kenne kinder, die einen self-rescue-kurs gemacht haben (nicht meine). die bewegten sich sehr jung erstaunlich sicher im wasser und konnten auch sehr früh schwimmen. also im sinn von "tauchen und bei bedarf zuverlässig selbstständig luftholen". für richtige notsituationen sehe ich es ähnlich wie Preschoolmum : sich auf einen solchen kurs zu verlassen ist sicher falsch, eine enge überwachung der kinder und sicherung von pools etc. sind dennoch absolut notwendig.


    die leicht erhöhte überlebensschance für das kind würde ich sorgfältig abwägen gegenüber dem stress, mit dem manche kinder auf einen solchen kurs reagieren.


    Ich habe einmal ein und das selbe Kind innerhalb eine Stun e zwei Mal gerettet:

    krass! was für ein glück, dass du so schnell und zuverlässig reagiert hast!

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Ich denk auch. Ein Kind, das eh schon Panik vorm Wasser hat wird von dem Kurs eher nicht profitieren. Panik und Lernen passt ja selten zusammen. Das dürften aber auch die Kinder sein, die ohnehin nicht freiwillig so nah ans Wasser gehen, also eh ein etwas geringeres Risiko haben überhaupt in die Situation zu kommen als Kinder die Wasser neutral oder sogar begeistert gegenüberstehen.


    tulan Ich glaub, da hätt ich nen Verantwortlichen informiert (Security, Aufsicht, Polizei - was halt greifbar gewesen wäre)

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

  • Da war leider niemand greifbar. Und ja, es war krass, das hätte auch schief gehen können. Ich war halt aufmerksam, weil ich mit einer Freundin und mehreren Kindern dort war. Wenn die im Wasser spielen lasse ich das nicht aus den Augen.

  • seufz ich hab gerade im Kleinkinderalter bei all meinen Kindern öfters Blut und Wasser geschwitzt, die haben sich ALLE in jede verfügbare Wasseransammlung gestürzt.

    Wo Furrina drauf steht ist in dem Fall Carrrie drin #evil


    und immer noch mit Chaosfamilie :D

  • In dem von mir verlinkten Blogbeitrag wird doch gut beschrieben, dass ertrinkende Kinder durchaus zwischendrin Luft holen O_o ... lest mal nach dem Video weiter.


    Das ist nur ausnutzen des Reflexes und der Link nach Kanada zeigt, dieses Training wird nicht dazu führen, dass der Reflex abgeschalten wird. Von den Angstlauten des Kindes mal abgesehen...

  • Schade, so weit weg. :(


    Aber die "gib mir 5 für Wassersicherheit" -Regeln auf der Seite sind genial. Die sollten alle Eltern kennen, egal ob Wasserratte oder Wasserscheu-Kind.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

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  • Da war leider niemand greifbar. Und ja, es war krass, das hätte auch schief gehen können. Ich war halt aufmerksam, weil ich mit einer Freundin und mehreren Kindern dort war. Wenn die im Wasser spielen lasse ich das nicht aus den Augen.

    Ja, es ist echt unglaublich, wie man im Kinderwasserspielbereichen immer wieder ganz schnell zum Lebensretter werden kann, ohne die Eltern der kleineren Kinder auch nur überhaupt irgendwo in der Ferne erblicken zu können. Das sieht im Gewimmel kein Bademeister und jeden Sommer wieder gibt es die Geschichten von kleinen Kindern, die in vollen Schwimmbädern ertrinken. Man merkt das wirklich nicht, wenn man nicht sehr aufmerksam schaut! Ich muss da an einen kleinen Jungen 1m neben mir im Kinderbecken denken, wo ich auch nicht gleich mitbekam, dass der richtig Stress hatte und sich nicht über Wasser halten konnte - ich dachte, der taucht einfach nur.


    An alle: Schwimmflügel und andere Schwimmhilfen schützen NICHT vor Ertrinken!

    Keine Toleranz gegenüber Intoleranz!

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  • An alle: Schwimmflügel und andere Schwimmhilfen schützen NICHT vor Ertrinken!

    Und um noch zu ergänzen:

    Schwimmflügel sind im flachen Wasser sogar richtig gefährlich weil die Kinder sich damit nicht gut abstützen können.


    In ganz separaten flachen Becken sollte man die daher unbedingt aus lassen. Wenn allerdings ein tieferes Becken in der Nähe ist und die Möglichkeit besteht, dass das Kind da unvermittelt hin stürmt muss man halt abwägen. Ich lass in dem Fall die Flügelchen lieber dran. Aber bin auch im Planschbecken nicht mehr als ne Armlänge entfernt.

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...