Von der Selbstständigkeit zurück ins Angestelltenverhältnis, wie kommuniziert man das?

  • Liebe Raben,

    ihr habt doch immer guten Rat. Ich bin seit wenigen Jahren selbstständig (zu zweit). Die Arbeit als solches mag ich sehr, aber das ganze Drumherum stresst mich zum Teil massiv. Mangelnde Umsätze, Organisatorische Differenz mit der Kollegin, private Angelegenheiten (mit denen ich primär garnichts zu tun habe) fließen in das berufliche mit ein, was vermutlich das Hauptproblem darstellt. Fachlich haben wir kein Problem. Mitunter wache ich schweißgebadet auf, weil ich träume ich kann meine Versicherungsbeiträge nicht mehr begleichen und bin mittellos. Tagsüber verdränge ich sowas in der Regel.

    Das ist die ultrakurzfassung, ich möchte aber nicht zu sehr ins Detail gehen.

    Nun überlege ich, mich anderweitig zu bewerben.

    Wie argumentiert man das beim Anschreiben und in einem eventuellen Vorstellungsgespräch? Und will ich das überhaupt?#rolleyes

    Das klingt doch alles nach Versagen und schlechtem Durchhaltevermögen, oder mache ich mir wieder vorausschauend zu viel Kopf?

    Vielleicht hat jemand einen guten Gedanken dazu?


    Danke :)

    Alrumi

  • Da ihr zu zweit seit, hört der zweite auf und alleine trägt ich das GEschäft nicht.


    Punkt.


    ;) Ziehst du um, ist es noch leichter. Deine umfangreichen Erfahrungen (die du grad negativ schilderst) sind positiv und kannst du ins Unternehmen einbringen.


    Ob du ds willst weiß ich nicht, es hat sicher Vorteile Angestellt zu sein.

  • Nur kurz, da im Kindergeburtstagsstress: Ich hab das durch und das war eine gute Entscheidung.


    Da ich für die Jahre der Selbständigkeit ja kein Zeugnis vorlegen konnte, habe ich ein einseitiges Dokument verfasst, in dem stand, was ich alles gemacht habe und warum ich die Selbständigkeit aufgebe (Einzelhandel, Arbeitszeiten nicht familienkompatibel, wird sich in Zukunft durch den Druck des Internets nicht mehr rechnen, usw.).


    Ich hatte den Eindruck, das kam gut an. Es wird immer AGs geben, die mangelnde Teamfähigkeit vermuten, weil man nicht mehr gewohnt ist, sich "unterzuordnen". Aber eben auch etliche, die es zu schätzen wissen, dass man das etliche Jahre gemacht und Durchsetzungsvermögen bewiesen hat.


    Ich kann dein Unwohlsein nachvollziehen und habe es nie bereut, wieder angestellt zu sein.

  • Im Rahmen der Selbstständigkeit haben sich Veränderungen ergeben, die das Geschäftsmodell mittelfristig als nicht mehr tragfähig erscheinen lassen. So ungefähr würde ich das formulieren.

  • Man könnte es auch als "man will sich weiter entwickeln" kommunizieren. Wenn ich zurück in das Angestelltendasein wollen würde, würde ich dazu sagen, Das mir das Miteinander mit Kollegen fehlt. Das tut es inder Tat manchmal.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Ayala ()

  • Ich war auch mal (allerdings nicht sonderlich lange) selbständig und habe mich dann bei meinem jetzigen Arbeitgeber für eine Ausbildungsstelle (naja, eher sowas wie eine Weiterbildung) beworben.


    Ich habe relativ offen erzählt, warum das nicht funktioniert hat, und sie waren total begeistert davon, eine Kandidatin zu haben, die schon mal erlebt hat, was für eine Herausforderung es doch ist, für den eigenen Umsatz verantwortlich zu sein. Denn sie sind das ja auch (und ich inzwischen auch, weil ich jetzt nicht mehr ihre Angestellte, sondern Partnerin bin...).


    Mir wurde also die Selbständigkeit trotz des Scheiterns als Pluspunkt angerechnet. Ob das aber allgemein so ist, kann ich nicht sagen. Aber ich verstehe dich jedenfalls total. Kundenakquise und so ein Zeug fand ich echt belastend.


    Beste Grüße und viel Erfolg

    Sabine

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Ich habe das auch gemacht und habe es einfach damit begründet, dass ich mir eine Weile mal nicht den Kopf über Umsätze und Buchhaltung zerbrechen will. So war es auch und es war eine gute und erholsame Zeit. Jetzt wechsle ich wieder zurück in die Selbständigkeit. Aber ich habe mir vier Jahre lang mal keinen Kopf gemacht, aber auch die Nachteile des Angestelltenverhältnisses erlebt. Jetzt geht es wieder in die andere Richtung.

  • Ich würde das Aufgeben der Selbstständigkeit keinesfalls als Scheitern bezeichnen oder gar kommunizieren.

    Es ist ein Lebensabschnitt, der wieder nach Veränderung verlangt und zur Weiterentwicklung beiträgt, nichts weiter.


    Mehr muss man bei einer Bewerbung fürs Erste nicht erwähnen.

    Wenn dann nachgefragt wird, kann man immer noch ins Detail gehen.

    Mit vielen lieben Grüßen von Alexy und dem Rest von hier! 8)




    "Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt."
    Erich Fried

  • Ich würde nicht „Kompatibilität mit Familie“ nicht erwähnen.

    Dann eher Wunsch nach Teamarbeit, zuviel Konkurrenz, Druck gegen Kleingewerbe.

    Oder zum Beispiel zu viel Administration (Steuer etc) um noch Gefallen am eigentlichen Gewerbe zu finden.

  • Ich würde nicht „Kompatibilität mit Familie“ nicht erwähnen.

    Dann eher Wunsch nach Teamarbeit, zuviel Konkurrenz, Druck gegen Kleingewerbe.

    Oder zum Beispiel zu viel Administration (Steuer etc) um noch Gefallen am eigentlichen Gewerbe zu finden.

    Ja, ich tu mich auch sehr schwer. In jeglicher Formulierung besteht die Gefahr, dass es Richtung “Faulheit“ interpretiert wird. Seufz.

  • Du möchtest Duch wieder ganz aucf die fachliche Arbeit konzentrieren können. Wäre auch noch einE Möglichkeit, das positiv zu formulieren.

    annalin mit Nr 1 M 9/2003 und Nr2 W 3/2006